Frage: Warum gibt es laut Friedmann keine Planungspraxis ohne Theorie?
„There is no planning practice without a theory about how it ought to be practiced.“
Das bedeutet:
Es gibt keine Planungspraxis ohne irgendeine Vorstellung davon, wie Planung durchgeführt werden sollte.
Auch wenn ein Planer nicht ausdrücklich sagt:
„Ich arbeite nach der Theorie XY“,
steckt hinter seinem Handeln trotzdem eine bestimmte Vorstellung davon,
was gute Planung ist,
wie Entscheidungen getroffen werden sollten,
welche Ziele wichtig sind,
welche Vorgehensweise richtig ist.
👉 Theorie ist also immer irgendwie in der Planungspraxis vorhanden.
Antwort: Weil jeder Planungspraxis Vorstellungen darüber zugrunde liegen, wie Planung durchgeführt werden sollte – auch wenn diese nicht ausdrücklich formuliert oder bewusst sind.
welche arten von theorie gibt es überhaupt ?
Frage: Wie sollte etwas sein?
Sie geben Vorstellungen darüber,
was sein sollte.
Beispiel:
„Planung sollte das Gemeinwohl fördern.“
Das ist eine normative Aussage, weil sie ein gewünschtes „Soll“ formuliert.
Frage: Wie soll man etwas erreichen?
Sie beschäftigen sich mit den Mitteln und Vorgehensweisen, durch die ein bestimmtes Ziel erreicht werden soll.
Also:
Ziel → Welche Methode / welches Vorgehen führt dorthin?
Hier geht es nicht mehr darum, was sein soll, sondern darum, was tatsächlich passiert und warum.
Sie
erklären und interpretieren Prozesse,
untersuchen insbesondere kausale Zusammenhänge,
arbeiten mit Hypothesen,
und diese Hypothesen sollen überprüfbar sein.
Also beispielsweise:
Welche Faktoren führen dazu, dass sich eine bestimmte Stadtentwicklung ergibt?
Ein Modell ist eine vereinfachte Repräsentation der Realität.
Es bildet also nicht die gesamte Realität ab, sondern bestimmte relevante Aspekte.
Wichtig auf der Folie:
Überprüfbarkeit
Ein Modell muss überprüft werden können.
Ein konzeptueller Rahmen liefert
Perspektiven
oder Formen zur Konzeptualisierung
eines Untersuchungsgegenstandes und kann diesen systematisieren.
Vereinfacht:
Ein konzeptueller Rahmen hilft mir, ein komplexes Untersuchungsobjekt gedanklich zu ordnen.
Reflexion über Ideen oder Theorien.
Man denkt also darüber nach, wie bestimmte theoretische Vorstellungen entstehen, funktionieren oder miteinander zusammenhängen.
->Normativ:
Planung soll rational sein. Ist Planung rational?
Welche Art von Rationalität verfolgt Planung?
Entspricht diese Rationalität den gesellschaftlichen Erwartungen?
wichtige Unterscheidung von Faludi (1973):
Die beiden Fragen sind: Was wird geplant? vs. Wie wird geplant?
Das sind die „theories in planning“.
Sie beschäftigen sich mit den Inhalten der Planung.
Dafür braucht Planung Wissen aus verschiedenen Fachgebieten.
Zum Beispiel können für Stadtplanung relevant sein:
Ökonomie
Soziologie
Verkehr
Umwelt
Architektur
Geografie usw.
👉 Planung braucht also interdisziplinäres Wissen, weil ihre Inhalte nicht aus einer einzigen Disziplin stammen.
Das sind die „theories of planning“.
Hier geht es darum,
wie Planungsprozesse ablaufen,
welche Methoden verwendet werden,
wie Entscheidungen getroffen werden
und welche Methoden der Entscheidungsfindung bevorzugt bzw. gerechtfertigt werden.
Stell dir vor, eine Stadt möchte eine neue Straße planen.
Was wird geplant?
→ Verkehrsinfrastruktur, Standort, Flächennutzung etc.
= Substanz / theories in planning
Wie wird geplant?
→ Wer wird beteiligt? → Welche Informationen werden berücksichtigt? → Wie werden Alternativen bewertet? → Wie wird entschieden?
= Prozess / theories of planning
Hier wird das Ganze mit Taylor (1980) verbunden.
Präskriptive Theorien beschäftigen sich mit:
Wie soll geplant werden?
Also nicht nur:
„Wie läuft Planung tatsächlich ab?“
sondern:
„Wie sollte ein guter Planungsprozess aussehen?“
Daneben steht:
Warum wird wie geplant?
Jetzt wird Planung selbst zum Untersuchungsgegenstand.
Dabei geht es auch um die Auseinandersetzung mit
der Disziplin,
philosophischen Theorien
und gesellschaftlichen Bedingungen.
Sehr wichtig ist Taylors Unterscheidung:
Die normativ-ideologische Komponente der Planung muss von der rein empirischen Untersuchung von Planungunterschieden werden.
Man darf nicht einfach vermischen:
„Wie sollte Planung sein?“
mit
„Wie funktioniert Planung tatsächlich?“
‼️
Reuter nennt mehrere entscheidende Aspekte:
Welche drei zentralen Begriffe strukturieren die Grundfragen der Planungstheorie?
Welches Problem habe ich?Wie hängt dieses Problem mit seinem Umfeld zusammen?Wie suche ich nach einer Lösung?Wie kann ich das Ergebnis rechtfertigen?Welche Rationalität liegt meiner Planung zugrunde?
—>Danach werden drei zentrale Begriffe genannt:
→ Was wird geplant?->Was soll durch die Planung erreicht bzw. geplant werden?-> was ist der Gegenstand der Planung?
→ Wie wird geplant?→ wie wird die entescheidung herbeigeführt?(entscheidungs-)Prozess—> Hier geht es darum, auf welche Weise Entscheidungen getroffen werden.
→ Warum wird geplant?→ Form / Kontext->Warum ist diese Planung bzw. diese Entscheidung überhaupt gerechtfertigt?
Politikwissenschaft unterscheidet drei Dimensionen:
Polity
→ Form / institutioneller Rahmen
Welche politischen Institutionen und Regeln gibt es?
→ Inhalt
Was soll politisch erreicht werden?
→ Prozess
Wie werden politische Entscheidungen ausgehandelt?
—>
Aus Organisationswissenschaft/Management:
Eine Strategie besteht aus:
Kontext
Inhalt
Prozess
In welchem Umfeld handeln wir? Was wollen wir erreichen? Wie gehen wir dabei vor?
Definition von T. Wiechmann
bedeutung?
Planung bedeutet:
Heute systematisch Entscheidungen vorbereiten, die zukünftige räumliche Entwicklungen und Handlungen beeinflussen.
Dabei braucht man entsprechendes Wissen über
Raum
Planung
Methoden
Entscheidungsprozesse
Planung entscheidet nicht unbedingt jede konkrete Handlung selbst.
Sie schafft vielmehr Rahmenbedingungen und Grundlagen, anhand derer spätere Entscheidungen getroffen werden können
—> Als systematisches Vorgehen zur Formulierung von Entscheidungsprämissen für zukünftige raumrelevante Handlungen auf Grundlage von raumwissenschaftlichem und planungsmethodischem Wissen.
Warum Planungstheorie?
Die Planungstheorie soll sich mit einer
„kritisch-reflexiven Beschäftigung mit der Stadt- und Regionalplanung“ auseinandersetzen.
—> Perspektive von Gualini.
es geht nicht nur darum : “Wie können wir möglichst effizient planen?“
->Sondern auch:
Warum planen wir auf diese Weise? Welche Vorstellungen und Interessen stecken dahinter? Ist die zugrunde liegende Rationalität gesellschaftlich angemessen?
Planungstheorie bietet eine kritische Reflexion über Verständnisse, Handlungsfelder und Praktiken der Stadtplanung als Disziplin.
Das heißt:
Planungstheorie untersucht nicht einfach nur Planung, sondern reflektiert kritisch darüber, wie Planung verstanden und praktiziert wird.
1. Gesellschaftliche und politische Aushandlungsprozesse beleuchten
Insbesondere:
Wie wird Raum gesellschaftlich produziert?
Denn unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen haben unterschiedliche Interessen und Ansprüche an Raum.
2. Raumproduktion mit Ansprüchen vergleichen
Die tatsächlichen Prozesse der Raumproduktion werden den
disziplinären Ansprüchen
und kollektiven Ansprüchen
gegenübergestellt.
Was passiert tatsächlich?
vs.
Was sollte aus Sicht der Planung bzw. Gesellschaft passieren?
Planungstheorie
Übersicht der Planungsverständnisse
Handlungsfeld der Stadtplanung definiert:
Handlungsfeld der Stadtplanung definiert
—>Stadtplanung beschäftigt sich damit,
gesellschaftliche Raumansprüche und die damit verbundenen Bodennutzungen zu steuern
Aber:
Zum Beispiel verändern sich:
Raumansprüche
gesellschaftliche Vorstellungen
Ansprüche bezüglich der Steuerung
Deshalb kann Planung nicht immer gleich funktionieren.
Planung ist nicht einheitlich.
Es gibt unterschiedliche
Verständnisse
Herangehensweisen.
Und:
Planung ist dynamisch und verändert sich mit der Zeit.
Wiechmann beschreibt vier große Veränderungen:
Früher: Planung eher als technische/administrative Aufgabe.
Später: Planung wird als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden.
Früher: Wissenschaft sucht nach der optimalen Lösung.
Später: Planung wird stärker als kollektiver Lernprozess verstanden.
Also nicht: „Wir finden einmal die perfekte Lösung.“
Sondern: „Akteure lernen gemeinsam und entwickeln Lösungen im Prozess.“
Früher: Planer führen Vorgaben aus.
Später: Planungsakteure werden als politisch handelnde Akteure verstanden.
Sie gestalten und beeinflussen politische Prozesse selbst.
Phasenmodell und Schichtenmodell
Phasenmodell nach Albers Frage: Was zeigt das Phasenmodell nach Albers?
Schichtenmodell nach Selle Frage: Was ist der zentrale Unterschied zwischen Phasen- und Schichtenmodell?
Phasenmodell:
Planung verändert sich im Zeitablauf.
Schichtenmodell:
Frühere Formen bleiben bestehen und werden durch neue Formen ergänzt.—> können weiterhin parallel vorkommen
Heute kann eine Stadt gleichzeitig:
Mindeststandards sichern,
private Bautätigkeit regulieren,
Entwicklungsprojekte koordinieren,
Bürger beteiligen,
mit Investoren kooperieren.
Das sind unterschiedliche „Schichten“ von Planung.
Antwort: Eine zeitliche Entwicklung unterschiedlicher Planungsphasen von Anpassungsplanung über Auffang- und Entwicklungsplanung bis zur Perspektivplanung.
Antwort: Das Phasenmodell stellt eine zeitliche Abfolge dar; das Schichtenmodell zeigt, dass ältere Planungsformen weiterbestehen und mit neuen Formen überlagert werden können.
kritische Planungsgeschichte gegenüber von Planung als Quelle von Wohlstand und gesellschaftlicher Entwicklung
kann auch unterdrückende Dimensionen haben.
Planung kann beispielsweise dazu beitragen,
bestimmte Gruppen auszuschließen,
Raum ungleich zu verteilen,
Interessen bestimmter Gruppen durchzusetzen
oder gesellschaftliche Machtverhältnisse zu stabilisieren.
Die Folie zeigt dafür unter anderem das Buch „Against the Commons“ von Álvaro Sevilla-Buitrago.
Positive Planungsgeschichte:
Planung schafft Ordnung, Wohlstand und Entwicklung.
Kritische Planungsgeschichte:
Planung kann auch Macht ausüben, ausschließen und unterdrücken.
Ambiguität = Mehrdeutigkeit / Spannungsverhältnis.
Planung bewegt sich zwischen zwei Polen:
Steuerung des Raumes für alle
Privateigentum als „Inbegriff des subjektiven Individualrechts“
Das Problem:
Eine Planung, die das Gemeinwohl verfolgt, muss möglicherweise private Grundstücksnutzungen regulieren.
aber : Privateigentum bedeutet gleichzeitig, dass Individuen bestimmte Rechte an ihrem Eigentum haben.
Sie soll einerseits:
den Raum im Interesse der Allgemeinheit gestalten
und muss andererseits:
individuelle Eigentumsrechte berücksichtigen.
sie kann also gleichzeitig: Gemeinwohl fördern und individuelle Freiheit begrenzen.
Grafik von Yiftachel (1983).
was zeigt es ?
Die Grafik zeigt die Entwicklung der Planungstheorie anhand verschiedener Debatten und Planungsansätze.
Die obere Ebene unterscheidet drei grundlegende Fragen:
„What is Urban Planning?“
→ Was ist Stadtplanung überhaupt?
„What is a Good Urban Plan?“
→ Wie sieht ein guter Stadtplan bzw. eine gute Stadt aus?
„What is a Good Planning Process?“
→ Wie sieht ein guter Planungsprozess aus?
→ Gartenstadt
→ Band-/Lineare Stadt
→ Architektur bzw. Entwurf als wesentlicher Zugang
→ umfassender städtebaulicher Gesamtplan
→ systematischer Entwurfs-/Planungsprozess
→ Rational Choice Planning
also Planung auf Grundlage rationaler Entscheidungsfindung.
Um etwa 1960/70 kommt es zum:
Paradigm Breakdown
Das bisher dominierende Planungsparadigma gerät in eine Krise.
Warum ist das wichtig?
Weil man zunehmend erkennt:
Die Realität ist komplexer, als sie durch ein einziges rationales, umfassendes Planungsmodell abgebildet werden kann.
Danach entstehen viele unterschiedliche Ansätze.
—> Nach dem Zusammenbruch eines einheitlichen Planungsparadigmas entstehen viele unterschiedliche Planungsverständnisse und theoretische Ansätze.
—> 👉 Die Planungstheorie wird im Laufe der Zeit immer vielfältiger und kritischer.
Daneben werden andere Sitzungen genannt:
Rationalität
Legitimität
Position
Fortschritt
Und unten wieder:
Effektivität
Legitimitä
Was ist die Aussage?
Die Planungstheorie beschäftigt sich heute nicht mit einer einzigen richtigen Theorie.
Stattdessen gibt es verschiedene Perspektiven darauf,
was Planung ist, wie sie funktioniert und wie sie gesellschaftlich gerechtfertigt werden kann.
Gesamtübersicht der Entwicklung
-> zeigen die zeitliche Entwicklung der wichtigsten Planungsparadigmen.
Rationalismus / Synoptische Planung / Comprehensive Planning
↓
Inkrementalismus
Anwaltsplanung / Equity Planning / Just City
Kommunikatives Planungsparadigma
Strategischer Planungsansatz
Weiterentwicklung und neue kritische/alternative Ansätze.
Planung in liberalen Demokratien: Deutschland nach 1945
Damit stellt sich eine enorme planerische Aufgabe:
Wiederaufbau.
Die Stadtplanung muss also mit einer völlig veränderten räumlichen und gesellschaftlichen Situation umgehen.
-> Kollektivplan, erstellt vom Planungskollektiv unter Leitung von Hans Scharoun für den Magistrat von Berlin, 1946.
-> Das zeigt:
Planung wurde nach dem Krieg als Möglichkeit verstanden, die zerstörten Städte grundlegend neu zu ordnen und wiederaufzubauen.
Synoptisches Planungsparadigma / Comprehensive Planning
Das synoptische Planungsparadigma bzw. Comprehensive Planning steht für einen umfassenden, rational-systematischen Planungsansatz.
Der Hintergrund wird mit zwei gesellschaftlichen/economic concepts erklärt: Fordismus
-> basiert auf einem: Wachstumsparadigma mit: Massenproduktion, Massenkonsum, Fortschrittsglaube, Effizienz
Geschaftsmodell des Fordismus:
Es basiert auf:
sozialem Aufstieg
bürgerlicher Kleinfamilie
bestimmten Rollenbildern
Homogenität
—>Das ist wichtig, weil Planung nie unabhängig von gesellschaftlichen Vorstellungen entsteht.
Die damalige Planung passt zu einer Gesellschaft, die stark auf
Wachstum + Produktion + Konsum + Effizienz
ausgerichtet ist.
Nach John Maynard Keynes.
Das ist ein wirtschaftspolitischer Ansatz zur:
Steuerung von Wachstum.
Dies geschieht unter anderem durch:
Produktions-/Nachfrageanreize
Staatsausgaben
expansive Geldpolitik
Der Keynesianismus ist eng mit dem Aufbau des Sozialstaats gekoppelt.
Fordismus beschreibt eher das Produktions-/Gesellschaftsmodell.
Keynesianismus beschreibt den wirtschaftspolitischen Ansatz zur Steuerung dieser Wirtschaft.
Beides bildet einen wichtigen gesellschaftlichen Hintergrund für das damalige Planungsverständnis.
Städtebauliche Paradigmen
sichtbar, wie sich diese Denkweise räumlich in der Stadtplanung ausdrückt.
Unterschiedliche Funktionen werden räumlich getrennt:
Wohnen
Arbeiten
Versorgung/Zentrum
Produktion usw.
Das Zentrum wird zum:
Central Business District (CBD)
ausgebaut.
Wohngebiete werden stärker von anderen Funktionen getrennt.
Produktion wird in dafür vorgesehene Gebiete ausgelagert.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil:
Autogerechte Stadt
Die Stadt wird stark auf den motorisierten Individualverkehr ausgerichtet.
Das passt zur damaligen Vorstellung von
Wirtschaftswachstum + Massenkonsum + Automobilisierung.
Warum ist das hier in der Planungstheorie?
Das ist ein besonders interessantes Beispiel dafür, wie das Planungsparadigma rechtlich institutionalisiert wird.
Die Folie zeigt die:
BauNVO, ursprüngliche Fassung 1962
und das
Bundesbaugesetz 1960
als Vorgänger des heutigen BauGB.
Kürzel
Bedeutung
WS
Kleinsiedlungsgebiete
WR
reine Wohngebiete
WA
allgemeine Wohngebiete
WB
besondere Wohngebiete
MD
Dorfgebiete
MI
Mischgebiete
MK
Kerngebiete
GE
Gewerbegebiete
GI
Industriegebiete
SO
Sondergebiete
Grundflächenzahl
→ Wie viel der Grundstücksfläche darf grundsätzlich überbaut werden?
Geschossflächenzahl
→ Wie viel Geschossfläche darf bezogen auf die Grundstücksfläche entstehen?
—>Weil die BauNVO die Funktionstrennung und Ordnung der Stadt rechtlich konkretisiert.
Die Stadt wird in unterschiedliche Nutzungsarten und Baugebiete gegliedert.
Die Planung wird dadurch:
systematisiert, standardisiert und rechtlich kodifiziert.
Die Festlegung von Nutzungen erfolgt nicht einfach nach persönlicher Willkür.
Sie wird:
rechtlich geregelt und institutionell abgesichert.
Und Entscheidungen werden in demokratisch legitimierten Organen getroffen.
Erste Stadterneuerungsprogramm für West-Berlin, 1963
und ein Zitat von Willy Brandt:
Das Ziel war, den Wedding so zu erneuern, dass das „Odium der Zweitklassigkeit“ verschwindet und ein intaktes Stadtbild Ausdruck einer intakten Gesellschaft wird.
Das Beispiel zeigt sehr gut das damalige Planungsverständnis:
Städtebauliche Erneuerung sollte nicht nur Gebäude verändern.
Sie sollte gleichzeitig:
gesellschaftliche Probleme lösen bzw. gesellschaftliche Verhältnisse verbessern.
Das Stadtbild wird dabei als Ausdruck gesellschaftlicher Zustände verstanden.
Beispielen der Stadtsanierung
Synoptisch= Die Stadt soll möglichst umfassend analysiert werden und anschließend soll eine möglichst optimale Gesamtlösung geplant werden.
Die Planung erfolgt dabei stark:
wissenschaftlich
rational
umfassend
von oben nach unten (Top-down)
Man geht davon aus, dass man eine Stadt bzw. ein Problem ausreichend analysieren kann und daraus eine optimale Lösung ableiten kann.
Ziel der Sanierung: „Beseitigung der städtebaulichen Missstände“
Das ist sehr wichtig.
Die Planer sahen bestimmte Stadtquartiere als städtebaulich problematisch an.
Dazu gehörten beispielsweise:
schlechte Bausubstanz
enge Bebauung
schlechte hygienische Verhältnisse
fehlende Infrastruktur
schlechte Wohnverhältnisse
Aber die Kritik der Folie geht noch weiter.
Die Sozialstudie von 1969 beschreibt beispielsweise ein:
„Milieu von Armut, Alter und Unbildung“
Das bedeutet: Das Problem wurde nicht nur baulich, sondern auch sozial gesehen.
Und genau hier entsteht ein Problem:
Wenn man einfach die Gebäude abreißt und neue Gebäude baut, verschwinden dadurch nicht automatisch die sozialen Probleme.
Die Folie formuliert:
Wenn die Gebäude erneuert werden, kann die Sanierung die sozialpolitischen Ziele nicht erreichen.
Die Planung konzentriert sich auf die physische Stadt:
Gebäude schlecht → Gebäude abreißen → neue Gebäude bauen
soziale Probleme ≠ automatisch durch neue Gebäude lösbar
Das ist ein wichtiger Begriff.
Kahlschlagsanierung = großflächiger Abriss bestehender Bebauung und anschließender Neubau.
Also nicht:
vorhandene Strukturen vorsichtig verbessern
sondern eher:
Abriss → komplette Neuordnung → Neubau
Das passt zum modernen Planungsverständnis:
Modernität + umfassende Planbarkeit
Und deshalb steht auf der Folie auch:
Die Entscheidungen werden überwiegend von Planungsinstitutionen bzw. staatlichen Akteuren von oben getroffen.
Die Bewohner sind nicht diejenigen, die die Planung maßgeblich bestimmen.
Beispiel Oranienplatz / Kreuzberg
Die nächste Folie zeigt die geplante Kreuzung von A106 und A102 am Oranienplatz in Kreuzberg.
gutes Beispiel dafür, wie stark eine solche Planung in den Stadtraum eingreifen konnte.
—>Die Festlegung der Infrastruktur beeinflusst anschließend die gesamte weitere Entwicklung des Stadtteils.Auf der Folie stehen beispielsweise:
Häuser, die abgerissen werden sollen, werden nicht modernisiert
besonders günstige Wohnungen
Ankunftsquartier für Einwanderer, Mittellose und alternative Lebensentwürfe
Eine planerische Entscheidung über eine Straße ist nicht nur eine Verkehrsentscheidung.
Sie beeinflusst: Verkehr → Gebäude → Wohnungen → Bewohner → soziale Struktur → Entwicklung des Stadtteils
Planung produziert bzw. verändert soziale und räumliche Strukturen.
Sie ist also keineswegs neutral.
Die nächste Abbildung zeigt die geplante Lower Manhattan / Mid Manhattan Expressway.
Das Beispiel verdeutlicht erneut:
Eine rational-technische Planung kann enorme Auswirkungen auf bestehende Stadtstrukturen und Bevölkerungsgruppen haben.
Es geht also nicht mehr nur um die Frage:
„Ist die Straße technisch sinnvoll?“
sondern zunehmend auch:
„Für wen ist diese Planung sinnvoll?“
„Wer profitiert?“
„Wer trägt die Kosten?“
—> Und genau daraus entwickelt sich die Kritik am bisherigen Stadtentwicklungsmode
Er steht für eine eher:
staatliche, technokratische Planung
Die Idee ist vereinfacht:
Experten und staatliche Institutionen wissen, wie die Stadt entwickelt werden soll.
Sie steht für ein anderes Verständnis:
Planung soll der Bevölkerung dienen.
Dabei sollen:
gewachsene soziale Strukturen
bauliche Strukturen
alltägliche Nutzungen
lokale Bedürfnisse
berücksichtigt werden.
ÜBERGANG:
-> Planer → entscheiden → Bevölkerung bekommt Ergebnis
Planer + Bevölkerung + unterschiedliche Interessen → gemeinsam über Stadtentwicklung sprechen
Damit entstehen neue Ansätze wie:
behutsame Stadterneuerung
Partizipation
Advocacy Planning
Equity Planning
kommunikative Planung
Proteste und gesellschaftliche kritik
der 1960er/70er Jahre
Frauenbewegung
Bürgerrechtsbewegung / Antirassismus
Arbeiterbewegung
Protest gegen bestimmte Stadtentwicklungsmaßnahmen
Das ist nicht einfach nur „Hintergrundgeschichte“.
Die gesellschaftlichen Veränderungen beeinflussen auch die Planungstheorie.
Denn immer mehr Gruppen fragen:
Wer entscheidet eigentlich über die Stadt?
und:
Wer wird bei diesen Entscheidungen berücksichtigt?
Drei wichtige Kritikrichtungen
Planung darf nicht ausschließlich wirtschaftlichen Interessen dienen.
Planung berücksichtigt möglicherweise vor allem die Perspektiven bestimmter gesellschaftlicher Gruppen und ignoriert andere.
Auch ethnische bzw. rassistische Ungleichheiten werden als relevant für Planung betrachtet.
Harvey - Welche Rolle hat Planung innerhalb der kapitalistischen gesellschaftlichen Prozesse?
—> also: Welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen bestimmen überhaupt, wie Städte produziert werden?
„Built environment“ und Kapital
Harvey auf der Folie
Die gebaute Umwelt funktioniert als eine Art Nutzwert für die Produktion und Akkumulation von Kapital.
Das musst du verstehen.
Eine Stadt baut:
Straßen
Fabriken
Büros
Wohnungen
Infrastruktur
Diese Dinge sind nicht nur „Stadtgestaltung“.
Sie ermöglichen auch:
Produktion + Transport + Handel + Investitionen + Gewinn
Die Stadt bzw. der Raum kann zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen.
Beispielsweise:
Verkehrswege
ermöglichen wirtschaftliche Produktion.
Auch das Bauen selbst ist ein Wirtschaftszweig:
Baustoffindustrie
Wohnungsbau
Dienstleistungen
Bauindustrie
Developer
Wer Land besitzt, kann daraus Profit erzielen.
Stadt als „Growth Machine—>“Logan/Molotch (1987
grundidee??
Die Grundidee:
Stadtentwicklung kann durch das Zusammenspiel von politischen und ökonomischen Eliten geprägt werden
.— >Politik + Grundstückseigentümer + Investoren + Unternehmen
—>Man kann Stadtplanung nicht völlig losgelöst von Macht und ökonomischen Interessen betrachten.
Das ist die Reaktion auf die Kritik an der Kahlschlagsanierung.
unterschied:
Kahlschlagsanierung:
Abriss → Neuordnung → Neubau
Behutsame Stadterneuerung:
Bestehende Stadtstrukturen erhalten → verbessern → Bewohner und bestehende Strukturen berücksichtigen
Damit verschiebt sich das Planungsverständnis.
Nicht mehr:
„Wir wissen, wie die Stadt aussehen soll.“
sondern zunehmend:
„Wie können wir vorhandene Strukturen verbessern, ohne sie einfach zu zerstören?“
—>Advocacy Planning, verbunden mit Paul Davidoff (1965).
Der Planer soll nicht zwangsläufig neutral für „die Stadt insgesamt“ sprechen.
Stattdessen kann er als eine Art Anwalt bestimmter Gruppen auftreten.
Daher:
Advocacy = Interessenvertretung
warum braucht man andovacy planning
Nicht alle gesellschaftlichen Gruppen verfügen über gleich viel:
Geld
Wissen
politische Macht
Zugang zu Entscheidungsträgern
Deshalb können bestimmte Gruppen im Planungsprozess unterrepräsentiert sein.
Der Planer unterstützt dann beispielsweise solche Gruppen.
Informationen vermitteln
Betroffene über Folgen der Planung informieren
Ideen der Betroffenen klären
Erwartungen formulieren helfen
Interessen und Werte vertreten
Pläne für diese Gruppen entwickeln
zB Eine einkommensschwache Nachbarschaft soll umgebaut werden.
Ein großer Investor hat:
Anwälte
Planer
Gutachter
Die Bewohner haben diese Ressourcen nicht.
Der Advocacy Planner kann die Bewohner fachlich unterstützen, damit ihre Interessen im Planungsprozess überhaupt artikuliert werden können.
KRITIK:
kritischer Punkt.
Denn: eigentlich will man Menschen stärken.
Aber: Wenn der professionelle Planer für sie spricht, kann genau das Gegenteil passieren:
Die Bewohner werden wieder abhängig vom Experten.
Deshalb ist die Frage:
Vertrete ich die Menschen oder befähige ich sie, selbst zu handeln?
Das ist ein zentraler Gedanke für die späteren kommunikativen und partizipativen Ansätze.
Hier geht es noch stärker um:
soziale Gerechtigkeit
Die Folie beschreibt Planung als einen Prozess, bei dem Planer versuchen, Ressourcen, politische Einflussmöglichkeiten und Beteiligungsmöglichkeiten zugunsten sozial benachteiligter bzw. ärmerer Bevölkerungsgruppen zu verschieben.
Nicht nur:
„Alle dürfen theoretisch mitmachen.“
Benachteiligte Gruppen sollen tatsächlich bessere Möglichkeiten bekommen, ihre Interessen durchzusetzen.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
just city
Was ist überhaupt eine gerechte Stadt?
Die Folie nennt mehrere Kriterien:
→ gerechte Verteilung von Ressourcen und Chancen
Soziale Ungleichheit entsteht nicht nur durch Geld.
Auch relevant sind beispielsweise:
Kultur
Gender
Ethnie
Religion
Repräsentation
Mitspracherecht
zeitliche Nachhaltigkeit
sondern auch:
nicht-menschliche Komponenten / Umwelt
—> können in spannung stehen , es gibt nicht zwangsläufig eine lösung
Städtische Räume sind immer geschlechtlich codiert.
Stadtstrukturen können bestimmte gesellschaftliche Rollen und Machtverhältnisse widerspiegeln.
Patsy Healey —> kommunikative / collaborative planning
ie Folie sagt:
Kritik des modernen Planungsmodells als unfair, undemokratisch etc.
Selbst Advocacy Planning und Equity Planning können teilweise noch auf einem modernen Verständnis beruhen.
Deshalb stellt sich die Frage:
Kann Planung demokratischer und kommunikativer organisiert werden?
Hier kommt Patsy Healey ins Spiel.
Ladder of Participation
Sherry Arnstein entwickelte 1969 die:
= Leiter der Partizipation
Die zentrale Aussage:
Beteiligung ist nicht gleich Beteiligung.
Es gibt unterschiedliche Intensitäten.
Die Bevölkerung wird scheinbar beteiligt, tatsächlich geht es aber darum, sie zu beeinflussen.
Beteiligung dient eher dazu, Menschen zu „behandeln“ bzw. ihre Einstellung zu verändern.
➡️ keine echte Macht
Die Bevölkerung bekommt Informationen.
Sie kann die Entscheidung nicht wirklich beeinflussen.
Die Menschen dürfen ihre Meinung äußern.
Die Entscheidung bleibt bei den Planenden.
Die Bevölkerung bekommt etwas mehr Einfluss, aber die tatsächliche Entscheidungsmacht bleibt begrenzt.
Planer und Bevölkerung arbeiten gemeinsam.
Die Bevölkerung erhält tatsächlich Entscheidungsmacht in bestimmten Bereichen.
Die Bevölkerung hat weitgehende Kontrolle über Entscheidungen.
-> von Manipulation → über Information und Anhörung → zu Partnerschaft → Bürgerkontrolle
Jetzt wird erklärt, wie Planung innerhalb dieses Paradigmas verstanden wird.
Planung ist nicht nur:
Daten sammeln → rechnen → optimale Lösung finden.
Sondern:
Menschen diskutieren unterschiedliche Sichtweisen, Werte und Erfahrungen.
Dazu gehören auch:
moralische Fragen
ästhetische Erfahrungen
unterschiedliche Perspektiven
Unterschiedliche Gruppen haben unterschiedliche:
Bedeutungssysteme
Zwei Gruppen können denselben Ort völlig unterschiedlich verstehen.
Ein Investor sieht:
„ungenutzte Fläche“
Ein Bewohner sieht:
„wichtigen Treffpunkt“
Beide haben unterschiedliche Bedeutungen und Interessen.
Die verschiedenen Perspektiven sollen:
anerkannt
wertgeschätzt
angehört
übersetzt
werden.
Man versucht also, gegenseitiges Verständnis herzustellen.
Die Aufgabe der Planer besteht nicht nur darin, einen fertigen Plan zu zeichnen.
Sie sollen:
Räume und Möglichkeiten schaffen, in denen unterschiedliche Pläne, Programme und Konflikte gemeinsam bearbeitet werden können.
Der Planungsprozess selbst wird damit wichtiger.
Planung soll unterschiedliche Dimensionen berücksichtigen:
Verstehen
Werte
Erfahrungen
Beurteilungen
und Wege finden, mit:
konkurrierenden Handlungsansprüchen
umzugehen.
KRITIK am kommunikativen Paradigma
Eine Annäherung an neoliberale Vereinbarungen bzw. Konsens kann die Suche nach einem gemeinsamen Verständnis fördern, aber auch die Kritik an neoliberaler Politik erschweren.
Wenn alle Beteiligten unbedingt einen Konsens finden sollen, besteht die Gefahr:
Konflikte und Machtunterschiede werden zu stark „wegkommuniziert“.
Investor und Bewohner haben völlig unterschiedliche Machtpositionen.
Ein gemeinsamer Kompromiss kann entstehen.
Ist dieser Kompromiss automatisch gerecht?
Nicht unbedingt.
Das ist eine wichtige Kritik an kommunikativer Planung.
Neoliberalismus:
Ideologie und Politikansatz, der Marktorientierung propagiert.
Dabei werden drei Formen genannt:
Der Staat zieht sich aus bestimmten Bereichen zurück.
Privatisierung
Individualisierung / „Eigenverantwortung“
Marktorientierte Politik wird aktiv eingeführt:
Steuersenkungen
Standortförderung
betriebswirtschaftliche Orientierung öffentlicher Institutionen
PPPs
Der Staat bzw. Institutionen übernehmen bzw. adaptieren neoliberale Logiken.
Dadurch nimmt die Bedeutung von Finanzkapital zu.
Es geht zunehmend um:
Finanzrenditen statt nur um produktive Investitionen.
Auch Bereiche wie:
Immobilien
Altersvorsorge
öffentliche Versorgung
können stärker als Finanzanlagen betrachtet werden.
Grundstücke und Immobilien werden nicht nur als Orte zum Wohnen oder Arbeiten betrachtet.
Sie können auch sein:
Investitions- und Finanzprodukte.
Das ist für Stadtplanung sehr relevant.
waurm verändert das planung?
Die Gesellschaft verändert sich.
Die klassische Vorstellung einer relativ homogenen Gesellschaft funktioniert immer weniger.
Stattdessen gibt es:
mehr unterschiedliche Lebensweisen + Interessen + soziale Gruppen.
Gleichzeitig entstehen neue soziale Ungleichheiten.
Genannt werden:
Schwächung kommunaler Finanzen
Einstellung öffentlicher Ressourcen für soziale Projekte
Privatisierung von Wohnungsbeständen
Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen
Privatisierung von Versorgungsinfrastruktur
betriebswirtschaftliche Orientierung öffentlicher Körperschaften
Die Stadt soll zunehmend:
wirtschaftlich effizient und wettbewerbsfähig
funktionieren.
Die nächste Folie zeigt eine zentrale Folge.
Städte konkurrieren miteinander.
Zum Beispiel um:
Unternehmen
Headquarters
Finanzstandorte
kaufkräftige Bevölkerungsgruppen
Touristen
Events
Leuchtturmprojekte
Die Stadt versucht also, sich auf einem Wettbewerb um Investitionen und Aufmerksamkeit zu positionieren.
Ein spektakuläres Projekt kann das Image einer Stadt verändern.
Ein bekanntes Gebäude bzw. Kulturprojekt wird genutzt, um:
Touristen anzuziehen
Investoren anzuziehen
die Stadt international bekannt zu machen
Das wird häufig als:
Bilbao-Effekt
bezeichnet
Beim öffentlichen Raum bedeutet das:
Öffentliche Räume werden zunehmend nach ihrem wirtschaftlichen Nutzen bzw. ihrer Vermarktbarkeit betrachtet.
Platz → nicht nur Aufenthaltsort für Menschen
Standort für Konsum, Events, Investitionen und Immobilienwertsteigerung.
Was bedeutet Festivalisierung?
Städte nutzen:
Großveranstaltungen
spektakuläre Projekte
zur Stadtentwicklung und Imagebildung.
Dadurch sollen beispielsweise:
Investitionen
Besucher
Aufmerksamkeit
wirtschaftliche Entwicklung
erzeugt werden.
Die IBA Emscher Park zeigt dabei, wie einzelne Projekte und Maßnahmen schrittweise zur Transformation einer ganzen Region beitragen können.
Strategische Planung bedeutet vereinfacht:
Nicht mehr versuchen, die gesamte zukünftige Stadt vollständig vorauszuplanen, sondern langfristige Ziele und Strategien entwickeln und flexibel auf Veränderungen reagieren.
→ ungefähr ab den 1950er Jahren
Dann:
Inkrementalismus → stärker pragmatisch, schrittweise
Dann: Advocacy Planning / Equity Planning / Just City → stärkere Beschäftigung mit:
Macht
Gerechtigkeit
sozialer Ungleichheit
Dann: Kommunikatives Planungsparadigma
→ Beteiligung → Kommunikation → unterschiedliche Perspektiven → gemeinsames Aushandeln
Auf der Folie werden besonders hervorgehoben:
Die Finanzkrise zeigt, dass die starke Orientierung an Finanzmärkten und Finanzkapital erhebliche Auswirkungen auf Städte und Gesellschaften haben kann.
Das passt zu dem vorherigen Thema:
Neoliberalismus + Finanzialisierung
Die Klimakrise stellt die Stadtplanung vor neue Herausforderungen:
Wie sollen Städte mit Klimawandel umgehen?
Wie kann Stadtentwicklung ökologisch verträglich werden?
Wie können Ressourcen verteilt werden?
Wer trägt die Kosten?
Wie kann Stadtentwicklung langfristig funktionieren?
Auch die Pandemie stellt bestehende Vorstellungen von Stadt und Planung infrage.
Zum Beispiel:
Nutzung des öffentlichen Raums
Mobilität
Dichte
Gesundheit
soziale Infrastruktur
->entstehen immer neue gesellschaftliche Probleme, auf die Planung reagieren muss.
Deshalb steht später:
„und nun?“
—> Die gesellschaftliche Realität ist so komplex, dass möglicherweise verschiedene neue Planungsansätze notwendig sind.
—> Beim synoptischen Denken:
Es gibt ein Problem → wir analysieren es umfassend → wir finden eine rationale Lösung.
Hier dagegen:
Gesellschaft ist vielfältig, konfliktreich und veränderlich → deshalb gibt es unterschiedliche Perspektiven und unterschiedliche Planungsansätze.
—> neue Planungsansätze
Die Entwicklung der Planungstheorie endet nicht beim kommunikativen Planungsparadigma.
Stattdessen wird auch dieses Paradigma hinterfragt und weiterentwickelt.
Konflikte sind inhärent zur Stadtentwicklung.
„Inhärent“ bedeutet hier:
Konflikte gehören grundsätzlich zur Stadtentwicklung dazu.
Konflikte sind ein Fehler, den gute Planung beseitigen muss.
Unterschiedliche Interessen und Machtpositionen führen zwangsläufig zu Konflikten.
vereinfacht:
Wir bringen unterschiedliche Gruppen zusammen und versuchen, gegenseitiges Verständnis und möglichst Konsens herzustellen.
sagt:
Wir müssen nicht unbedingt Konsens herstellen. Konflikte können produktiv sein und sollen sichtbar gemacht werden.
Die Folie sagt:
Konflikte entlarven (raumbezogene) Interessen und Machtpositionen.
Das ist entscheidend.
Stell dir beispielsweise eine Stadtfläche vor, auf der Wohnungen gebaut werden sollen.
Es gibt:
Investor → möchte wirtschaftlich bauen
Stadt → möchte Wohnraum schaffen
Anwohner → möchten vielleicht Freiraum erhalten
Mieterinitiativen → wollen bezahlbaren Wohnraum
Naturschutzgruppen → wollen Grünflächen erhalten
Es gibt also unterschiedliche Interessen.
Die agonistische Planung würde nicht so tun, als könnten diese Interessen einfach verschwinden.
Sie macht den Konflikt sichtbar und politisch verhandelbar.
Das ist ein Satz, den du dir merken solltest.
Denn:
Wenn unterschiedliche Interessen miteinander konkurrieren, muss entschieden werden, welche Interessen wie berücksichtigt werden.
Damit ist Planung immer auch eine politische Tätigkeit.
Die Folie sagt auch:
„doch in der Praxis vergleichbar mit kommunikativer Planung, obwohl ‚Macht‘ explizit gemacht wird“
Die Vorgehensweise kann weiterhin ähnlich sein:
Akteure zusammenbringen → diskutieren → Interessen aushandeln
Der Unterschied liegt vor allem darin, dass:
stärker auf Verständigung/Konsens setzt,
während
Konflikt, Macht und unterschiedliche Interessen ausdrücklich anerkennt.
„Insurgent“ bedeutet ungefähr:
aufständisch / widerständig / rebellisch
Hier wird Planung als:
widerständige Praxis
verstanden.
stellt sich gegen neoliberale Stadtpolitiken und Pläne
Also beispielsweise gegen Stadtentwicklung, die stark durch:
Markt
Investoren
Verwertung
bestimmt wird.
Durch:
selbstbestimmte Lösungsansätze
und insbesondere:
zugunsten marginalisierter Stimmen
Also Gruppen, die im normalen Planungssystem wenig Einfluss haben, sollen selbst aktiv werden.
Positioniert sich außerhalb öffentlicher Planung.
Insurgent Planning findet nicht unbedingt innerhalb des offiziellen kommunalen Planungssystems statt.
Es kann beispielsweise aus einer:
Bürgerinitiative
sozialen Bewegung
Nachbarschaftsgruppe
selbstorganisierten Gruppe
heraus entstehen.
Laien eignen sich Räume an und definieren sie selbstbestimmt neu.
Menschen nutzen einen Raum auf eine Weise, die nicht unbedingt ursprünglich von der offiziellen Planung vorgesehen war.
Eine Fläche ist offiziell:
leerstehendes Gebäude
Eine Gruppe von Menschen sagt:
„Wir nutzen diesen Raum für Kultur, soziale Projekte und gemeinschaftliche Aktivitäten.“
Damit bekommt der Raum eine neue soziale Bedeutung.
Weil hier Menschen selbst:
Räume verändern
Nutzungen organisieren
Bedürfnisse formulieren
Alternativen ausprobieren
Stadtverwaltung plant → Bürger nutzen
Bürger eignen sich Raum an → entwickeln Nutzung → erzeugen möglicherweise neue Formen von Stadtentwicklung
Die Folie verweist außerdem auf:
Urban Catalyst
Das passt zum Gedanken, dass zunächst kleine, alternative Nutzungen Veränderungen im Stadtraum auslösen können.
Ko = gemeinsam
Produktion = herstellen
Stadt wird gemeinsam produziert.
Nicht ausschließlich durch:
Verwaltung
Politik
sondern gemeinsam mit:
Zivilgesellschaft
Bewohnern
Initiativen
anderen Akteuren
Vorher:
Raumaneignung findet außerhalb des offiziellen Planungssystems statt.
Jetzt kann die öffentliche Planung solche Prozesse aufgreifen und integrieren.
Damit entsteht:
Verwaltung + Zivilgesellschaft → gemeinsames Entwickeln
Das ist wichtig:
Die Verwaltung plant etwas und fragt:
„Was haltet ihr davon?“
Die Akteure arbeiten:
von Anfang an gemeinsam an der Entwicklung.
Die Bürger sind also nicht nur Kommentatoren eines fertigen Plans, sondern können Mitproduzenten sein.
wiederholung
1) Experte → Analyse → rationale Lösung
2) Nicht alles planen → Schritt für Schritt handeln.
3)Wer bekommt was? Wer hat Macht? Wer wird benachteiligt?Ist die Stadtentwicklung gerecht?
4) Ist die Stadtentwicklung gerecht?-> Akteure miteinander ins Gespräch bringen.
5)Die neueren Ansätze:
nachvollziehbar + systematisch + rational
→ Legitimation durch Rationalität
realisierbar + effizient + greifbar
→ Legitimation durch praktische Umsetzbarkeit
ethisch + substantiell legitim
→ beispielsweise durch:
Hier geht es also nicht nur darum, ob ein Verfahren korrekt durchgeführt wurde.
Ist das Ergebnis bzw. Ziel gerecht?
transparent + plural + prozedural legitim
→ Legitimation durch einen möglichst offenen und beteiligungsorientierten Prozess.
Vorlesung 9
Planungstheorie: Rationlität
Wir können eine zukünftige Stadt rational entwerfen, planen und technisch organisieren.
—> Die Stadt wird nicht einfach historisch gewachsen, sondern erscheint als etwas, das man bewusst konstruieren und steuern kann
—> Damit passt das Beispiel zu den später behandelten Vorstellungen von: Rationalität, Planbarkeit, wissenschaftlicher Steuerung, umfassender Planung, technischer Machbarkeit
The Line → Vision einer umfassend planbaren Zukunft → rational-technische Planungsvorstellung
Reallabor der Universität Stuttgart gezeigt:
„Visionen für den Wandel der Autostadt“
Ein Reallabor arbeitet mit einem konkreten gesellschaftlichen bzw. räumlichen Problem und untersucht neue Lösungen in der Praxis.
Sie dient hier als Einordnung.
Der erste große Planungsansatz ist:
Danach folgen unter anderem:
Advocacy Planning / Equity Planning / Just City
strategische Planung
spätere kritische Ansätze
Jetzt wird der erste Ansatz genauer untersucht:
Rationalismus / synoptische Planung
Sondern unterschiedliche Vorstellungen davon,
was Planung ist,
was Planer:innen tun,
welches Wissen relevant ist,
wie Entscheidungen getroffen werden,
welche Rolle Wissenschaft spielt,
welche Rolle Politik spielt.
Die verschiedenen Planungsparadigmen sind unterschiedliche Antworten auf die Frage:
Wie soll Planung funktionieren?
Nicht einfach:
„Was ist Planung?“
Warum planen wir auf diese Weise? Welche Annahmen stecken dahinter? Welche Folgen hat diese Art zu planen?
Die Folie nennt:
Wie entsteht Raum eigentlich?
Nicht nur durch Architektur oder Bau.
Sondern durch:
Gesellschaft
Interessen
wirtschaftliche Prozesse
Man schaut:
und vergleicht das mit:
Was sollte passieren?
Eine Planung behauptet, dem Gemeinwohl zu dienen.
Dann kann Planungstheorie fragen:
Dient diese Planung tatsächlich dem Gemeinwohl?
Planungstheorie untersucht nicht nur, WAS geplant wird, sondern auch WARUM, WIE und auf Grundlage WELCHER Annahmen geplant wird
Definitionen der Planung
Die Professorin zeigt:
Schon die Definition von „Planung“ verändert sich je nach theoretischem Verständnis.
Hier wird nur noch eine Definition hervorgehoben:
Planung ist die Anwendung von rationalen Methoden zur Formulierung gesellschaftlicher Ziele und deren Übersetzung in konkrete Aktionsprogramme.
Warum wird diese Definition isoliert?
Weil sie perfekt zum Thema der Vorlesung passt:
Das ist die Grundlage des Rationalismus
Art der Rationalität
Darunter versteht die Folie:
Epistemologie der Planung
Epistemologie = Erkenntnistheorie
Also die Frage:
Wie entsteht Wissen und was gilt überhaupt als Wissen?
Auf Planung bezogen:
Auf welchen Prämissen beruhen Planungswissen und Planungshandlungen?
—> „basic premises underlying planning activities (Rationalität), and the way in which planners conceive of and play out their roles (Positionalität)“
Welche Vorstellungen davon, was rationales/wahres Wissen und vernünftiges Handeln ist, liegen der Planung zugrunde?
Welche Rolle bzw. Position nimmt der Planer selbst ein?
Grundlage: Was wird in einem bestimmten Planungsverständnis als rational, vernünftig und wissensbasiert angesehen?
Wurzeln: Aufklärung
die Aufklärung als wichtigen Ausgangspunkt der:
liberalen Demokratien und der Planung
—> Abwendung von Irrationalität, Religiosität und Tradition
Stattdessen: Glaube an die Vernunft
und: naturwissenschaftliche Rationalität
—> Die Welt soll zunehmend durch:
Beobachtung
Vernunft
Wissenschaft
systematisches Denken
verstanden werden.
Der Mensch wird als jemand verstanden, der:
selbst handeln und seine Umwelt gestalten kann.
Das ist wichtig für die spätere Vorstellung:
Gesellschaft kann bewusst gestaltet werden.
Staatliches Handeln soll nicht einfach auf:
„Der Herrscher entscheidet.“
beruhen.
Stattdessen braucht staatliches Handeln:
Legitimation
zum Beispiel durch:
Demokratie
Gewaltenteilung
Gemeinwohl
Entscheidungen sollen nicht willkürlich sein.
begründbar und nachvollziehbar
sein.
Und hier kommen wir direkt zur Planung:
Wenn Menschen mithilfe von Vernunft und Wissenschaft Gesellschaft verstehen können, entsteht auch die Vorstellung, dass Gesellschaft gezielt gestaltet bzw. geplant werden kann.
->
Legitimation lautet:
Wohlstandsversprechen
Planung soll dazu beitragen, dass die Stadt:
effizienter
geordneter
funktionaler
wird.
Die Folie nennt: effiziente Stadtentwicklung / Bebauung / Stadttechnik / …
Hier kommt:
Le Corbusier – „Plan Macià“ für Barcelona, 1932
Das ist ein besonders radikales Beispiel moderner Stadtplanung.
Die bestehende Stadt wird nicht einfach nur schrittweise verändert.
Stattdessen wird eine umfassende neue räumliche Ordnung entworfen.
Die Stadt soll nach bestimmten Prinzipien:
geordnet
funktional
effizient
systematisch
organisiert werden.
-Staatliche Steuerung und statistische Entwicklung
als Motor einer:
auf wissenschaftlichen Grundlagen basierenden Stadtplanung
Weil man mit statistischen Daten versucht, die Stadt messbar zu machen.
Bevölkerungsdichte
Bevölkerungsverteilung
Verkehrsströme
Nutzungen
räumliche Verteilung
Dadurch entsteht:
Wissen über die Stadt
und dieses Wissen kann wiederum Grundlage für Planung werden
-Kette:
Daten sammeln
→ analysieren
→ Stadt verstehen
→ Planungsentscheidung treffen
-wissenschaftliche rationalität und zonierung
„Zoning“ (land-uses, Funktionstrennung)
beispielsweise:
Gewerbe
Erholung
werden räumlich getrennt.
—>Warum rational?
Die dahinterstehende Vorstellung lautet:
Wenn wir die unterschiedlichen Funktionen der Stadt erkennen und räumlich ordnen, können wir die Stadt effizienter organisieren.
Das ist typisch für das rationalistische Denken.
Rationalität: Effiziente Stadtentwicklung / Bebauung / Stadttechnik
Die Bilder zeigen wieder moderne, systematisch gedachte Stadtstrukturen.
Die zentrale Idee:
Stadt kann durch rationale Ordnung effizienter funktionieren.
zeigt, dass „rationale Planung“ nicht automatisch moralisch gut oder demokratisch ist.
—>Hier wird deutlich:
Wissenschaftliche, systematische und räumlich umfassende Planung kann auch für undemokratische und menschenverachtende politische Ziele eingesetzt werden.
Rationalität ≠ automatisch Gerechtigkeit
Eine Planung kann:
wissenschaftlich organisiert
sein und trotzdem Ziele verfolgen, die ethisch nicht akzeptabel sind.
Damit wird die Frage wichtig:
Wer bestimmt die Ziele?
Welche Werte stehen hinter der scheinbar rationalen Planung?
Rationale Planung als „Demokratisierungsprozess“
Karl Mannheim
Außerdem:
Die Folie spricht von einer:
Phase der Planungseuphorie ca. 1965–1973
Es herrschte der Glaube an:
umfassende Planbarkeit
von:
gesellschaftlicher Entwicklung
wirtschaftlicher Entwicklung
räumlicher Entwicklung
Man glaubte also:
Mit genügend Wissen, Wissenschaft und Planung können gesellschaftliche Probleme systematisch gelöst werden.
—> Glaube an eine rationale Ordnung
Die Stadt und Gesellschaft sollen nicht chaotisch entstehen.
Stattdessen soll man:
eine rationale Ordnung herstellen.
Die Planung steht außerdem im Zusammenhang mit:
Verbesserung der Lebensbedingungen für breite Bevölkerungsschichten.
Planung wird damit auch als Instrument des Wohlfahrtsstaates verstanden.
→ unterschiedliche Nutzungen werden getrennt.
→ Stadt wird stark auf den motorisierten Individualverkehr ausgerichtet.
Jetzt wird erklärt, wie Rationalität konkret gedacht wird.
Planung soll: rationalen, sachlichen, objektiven und wissenschaftlichen Kriterien genügen.
Hier entsteht eine wichtige Unterscheidung:
Nicht: gut / schlecht
sondern: richtig / falsch
Die Vorstellung ist: Wenn wir genügend objektives Wissen besitzen, können wir feststellen:
Welche Entscheidung ist sachlich richtig?
Die Idee:
Menschen sollen nicht einfach aufgrund von:
Emotionen
Vorurteilen
subjektiven Vorstellungen
entscheiden.
Stattdessen sollen Entscheidungen: nachvollziehbar und plausibe sein.
Hier wird zwischen zwei Arten von Objektivität unterschieden.
Objektives Wissen durch das Zusammentragen verfügbarer Informationen und Fakten.
Frage: Ist das Wissen über die Rahmenbedingungen und Ziele objektiv und „richtig“?
Also: Wir versuchen herauszufinden: Was ist tatsächlich der Fall?
Wie viele Menschen wohnen dort?
Wie viel Wohnraum gibt es?
Wie hoch ist die Verkehrsbelastung?
Wie groß ist die Fläche?
Hier geht es um den: Entscheidungsprozess
Frage: Ist die Entscheidungsfindung objektiv?
Also nicht nur: „Sind unsere Daten richtig?“
sondern: „Haben wir aus diesen Informationen rational und nachvollziehbar entschieden?“
Substanzielle Objektivität → betrifft Wissen / Fakten / Inhalt
Prozedurale Objektivität → betrifft Entscheidungsverfahren / Prozess
Die Entscheidungen sollen:
hinsichtlich ihrer möglichen Konsequenzen nachvollziehbar sein.
und: die richtige Entscheidung unter den gegebenen Umständen ermöglichen
Der Ausgangspunkt:
Gegenwart / Status quo
Das Ziel: Zukunft / gesellschaftliche Ziele
Dazwischen: Planung als Mittel zur Umsetzung
Also: Status quo—> Planung
gesellschaftlich gewünschte Zukunft
Das ist entscheidend. Beim synoptischen Modell denkt man:
Es gibt einen Ausgangspunkt und ein Ziel.
Dann geht man systematisch Schritt für Schritt dorthin.
Nicht ständig zurückspringen oder das gesamte Ziel verändern.
Die Planung ist außerdem in die:
demokratische Staatsstruktur
eingebunden.
Auf kommunaler Ebene beispielsweise:
Gemeinderat
Jetzt wird der Prozess in 10 Schritte aufgeteilt.
Das solltest du tatsächlich können.
Es wird erkannt: Es gibt ein Problem.
Was genau ist das Problem?
Was wollen wir erreichen?
Welche Daten und Fakten benötigen wir?
Die Informationen werden analysiert.
Welche verschiedenen Lösungen gibt es?
Welche Alternative ist besser geeignet?
Man entscheidet sich für eine Lösung.
Die ausgewählte Lösung wird umgesetzt.
Man überprüft:
Hat die Maßnahme funktioniert?
Problem
→ Problem definieren
→ Ziel festlegen
→ Informationen sammeln
→ Informationen analysieren
→ Alternativen entwickeln
→ Alternativen bewerten
→ beste Alternative auswählen
→ umsetzen
→ Erfolg kontrollieren
Und das Wort synoptisch bedeutet: umfassend / einen Gesamtüberblick herstellend
wichtige begriffe:
Systematisierung
Planungsmittel und -methoden
Die Aussage ist im Grunde:
Die moderne Gesellschaft entwickelt immer bessere Methoden, Wissen systematisch zu ordnen und daraus Planung abzuleiten.
→ Wissen
→ Systematisierung
→ Rationalität
→ Planung
Die Planung wird dadurch zu einem zentralen Instrument moderner Gesellschaft.
Jetzt sehen wir einen konkreten Ausdruck dieser Denkweise.
Informationsbeschaffung und -verarbeitung, um objektives Wissen zu erzeugen
Das ist genau der Ablauf:
→ Daten ordnen
→ Zusammenhänge erkennen
→ Wissen erzeugen
→ Entscheidung treffen
Die abgebildete Matrix ist ein Beispiel für den Versuch, komplexe Zusammenhänge systematisch darzustellen.
Das passt perfekt zum Rationalismus:
Komplexität soll durch systematische Informationsverarbeitung beherrschbar werden.
Synoptisch = umfassend
Alles ist planbar.
Die Rolle der Planung ist:
die Gesamtheit zu planen.
Man versucht nicht nur einen einzelnen Aspekt zu betrachten.
die gesamte Situation und ihre Zusammenhänge.
Die Stadt wird als System miteinander verbundener Elemente verstanden.
Wenn man an einer Stelle etwas verändert, hat das Auswirkungen auf andere Bereiche.
Deshalb:
Die Gesamtheit ist mehr als die Summe ihrer Teile.
Wenn du eine neue Straße baust, verändert das möglicherweise:
Grundstückswerte
Wohnqualität
Lärm
Nutzungsverteilung
weitere Infrastruktur
Darum muss man im synoptischen Denken möglichst alles gleichzeitig berücksichtigen
Was bedeutet Technokratie?
Technokratie: Entscheidungen bauen auf vermeintlich sozial neutralem wissenschaftlichem und technischem Wissen auf.
Die dahinterliegende Annahme:
Es gäbe ideologie- und interessenfreie Wege, das Gemeinwohl sicherzustellen.
Denn die entscheidende Frage lautet:
Kann Planung tatsächlich vollkommen neutral sein?
—> Kann ein Planer wirklich nur objektive Fakten betrachten und völlig unabhängig von:
Werten
politischen Vorstellungen
entscheiden?
Das wird später problematisiert.
Realität vs. rationales Ideal
-> Meyerson/Banfield sagen sinngemäß:
Rationales Entscheiden ist ein Ideal, das für die Analyse nützlich ist.
reale Organisationen und Menschen entscheiden nicht in einer vollständig rationalen Weise.
Das synoptische Modell beschreibt einen:
Idealtyp
Es sagt:
So würde perfekte rationale Planung funktionieren.
Aber echte Menschen haben:
begrenzte Informationen
begrenzte Zeit
unterschiedliche Interessen
unterschiedliche Werte
politische Zwänge
Unsicherheiten
Deshalb funktioniert die Realität nicht so perfekt wie das Modell.
Kritik an rationalistischer Planung setzt oftmals an zwei Punkten an.
Der erste Punkt:
Es gibt eine:
liberale Skepsis gegenüber staatlicher Gesamtplanung.
Wenn man sagt:
„Wir können die gesamte Gesellschaft rational planen.“
dann entsteht eine sehr große Macht beim Staat bzw. bei den Planenden.
Die Frage lautet:
Wer entscheidet, wie die ideale Gesellschaft aussehen soll?
Darf eine zentrale Stelle die Gesellschaft als Ganzes planen?
Der zitierte Gedanke des „Stückwerk-Ingenieurs“ bedeutet:
Nicht:
Gesellschaft komplett neu entwerfen.
kleine, schrittweise Eingriffe vornehmen und deren Wirkungen überprüfen.
Das ist genau die Gegenposition zur umfassenden synoptischen Planung.
Du solltest diesen Gegensatz unbedingt verstehen:
„Wir betrachten das Ganze und planen umfassend.“
Das ist möglicherweise zu komplex und birgt die Gefahr zu großer zentraler Steuerung.
„Wir verändern schrittweise und überprüfen die Folgen.“
kleine Schritte statt Gesamtplanung
was ist das Problem daran ?
Rationalistische bzw. synoptische Planung versteht Planung als einen umfassenden, systematischen und rationalen Entscheidungsprozess. Auf Grundlage wissenschaftlich gewonnener Informationen sollen gesellschaftliche Ziele formuliert, verschiedene Handlungsalternativen entwickelt und bewertet und schließlich die beste Alternative umgesetzt werden. Planung wird dabei als weitgehend linearer Prozess vom Status quo zu einer gewünschten Zukunft verstanden. Dahinter steht die Annahme, dass gesellschaftliche und räumliche Entwicklung grundsätzlich plan- und steuerbar ist.
—> Kritisiert wird insbesondere die starke Technokratie- und Rationalitätsorientierung: Die Vorstellung einer objektiven und interessenfreien Planung ist problematisch, da reale Planungsprozesse von unterschiedlichen Werten, Interessen, Machtverhältnissen und begrenztem Wissen geprägt sind. Außerdem besteht bei umfassender staatlicher Gesamtplanung die Gefahr einer übermäßigen zentralen Steuerung.
Rational bedeutet zunächst:
systematisch, begründbar, wissenschaftlich bzw. methodisch nachvollziehbar.
Es bedeutet nicht automatisch:
gerecht, demokratisch, sozial gut oder moralisch richtig.
Das sieht man besonders an Folie 19 zum Nationalsozialismus.
Eine Planung kann hochgradig systematisch und rational organisiert sein und trotzdem auf problematischen oder menschenfeindlichen Zielen beruhen.
Damit wird die entscheidende Frage vorbereitet:
Nicht nur: „Wie rational planen wir?“ – sondern auch: „Welche Ziele verfolgen wir, wer bestimmt sie und auf welcher Grundlage?“
– Kritik des Rationalismus: Begrenzte Rationalität
-> Mangelnde Praktikabilität
In der beobachtbaren, empirischen Realität scheitern synoptische Planungen regelmäßig.
Das Problem ist nicht nur, dass eine umfassende Planung möglicherweise zu viel Macht konzentriert.
Es gibt auch ein ganz praktisches Problem:
Eine vollständige, umfassende und vollkommen rationale Planung ist in der Realität kaum umsetzbar.
Warum?
Weil die Realität viel zu komplex ist.
Man kann nicht:
alle Informationen kennen,
alle zukünftigen Entwicklungen vorhersehen,
alle möglichen Alternativen untersuchen,
alle Konsequenzen berechnen.
—>Bounded Rationality – begrenzte Rationalität
Hier kommt Herbert A. Simon ins Spiel.
Wörtlich: begrenzte Rationalität
Aber ganz wichtig: Begrenzte Rationalität ≠ Irrationalität
Der Mensch versucht durchaus, rational zu handeln.
Aber seine Rationalität ist begrenzt. Zum Beispiel durch:
Kosten der Informationsbeschaffung
Unsicherheit
Ungewissheit
begrenzte menschliche Verarbeitungskapazität
Entscheidungen werden durch Gliederung in überschaubare Teilprobleme in ihrer Komplexität reduziert.
„Wir lösen die gesamte Stadtplanung auf einmal.“
Gesamtproblem
↓ zerlegen
kleinere Teilprobleme
↓ bearbeiten
Teilentscheidung
Durch die Zerlegung können die:
Entscheidungsfolgen im Entscheidungsprozess rückgekoppelt werden.
Das ermöglicht:
adaptives Lernen
Entscheidung treffen
→ Wirkung beobachten
→ daraus lernen
→ nächste Entscheidung anpassen.
„Wir müssen möglichst alles wissen, bevor wir entscheiden.“
„Wir können nicht alles wissen. Deshalb bearbeiten wir überschaubare Probleme und lernen aus den Folgen.“
Das ist die theoretische Grundlage für den:
Sein Ansatz wird bezeichnet als:
The Science of „Muddling Through“
„Muddling through“ kann man hier ungefähr verstehen als:
sich schrittweise durch eine komplexe Situation hindurcharbeiten / sich durchwursteln.
Das klingt erstmal negativ, ist aber hier eine bewusste Alternative zur umfassenden Planung.
Der Planer versucht nicht mehr:
die perfekte Gesamtlösung zu finden.
Stattdessen:
kleine, begrenzte Entscheidungen treffen und daraus weiterarbeiten.
—> Beim inkrementellen Ansatz werden Ziele nicht vollständig im Voraus festgelegt.
Stattdessen werden:
Ziele und Mittel gleichzeitig betrachtet.
Ziele
Mittel bestimmen
Alternative auswählen
umsetzen
↔ mögliche Mittel
↔ mögliche Ziele
↔ nächster kleiner Schritt
↔ Ergebnis
↻
Dann geht der Prozess weuter
Hier steht:
Unkoordinierte kleine Schritte, Durchwursteln
Die beste Lösung in jedem Einzelfall wird zur besten Gesamtlösung führen
Das ist die Grundidee des Pragmatismus.
Man versucht nicht, von Anfang an die perfekte Gesamtordnung festzulegen.
Man löst konkrete Probleme, die gerade anstehen.
Die Planung entwickelt sich dadurch schrittweise.
Links:
Gegenwärtiges Teilproblem
Dann folgen viele kleine Kästchen.
In jedem steht:
TP = Teilproblem M/Z = Mittel/Ziel
Die Pfeile gehen nicht einfach linear nach rechts.
Sie gehen:
vorwärts
zurück
seitlich
zwischen verschiedenen Teilproblemen.
Planungsrealität ist nicht linear.
Ein neues Ergebnis kann dazu führen, dass man eine frühere Entscheidung verändert.
Stell dir vor, eine Stadt möchte ein problematisches Gebiet entwickeln.
gesamtes Gebiet analysieren
langfristiges Ziel bestimmen
alle Alternativen entwickeln
alle Alternativen vergleichen
Gesamtplan erstellen
erstes konkretes Problem erkennen
kleine Maßnahme durchführen
Wirkung beobachten
neues Problem erkennen
nächste Maßnahme
wieder beobachten
Planung entsteht aus einer Folge kleiner Entscheidungen.
„Stückwerktechnik“
Beim Rationalismus steht eher:
Plan → Umsetzung
Beim Inkrementalismus:
kleine Projekte → Erfahrungen → weitere Projekte
Die Planung entsteht also zunehmend aus konkreten Einzelmaßnahmen.
Perspektivischer Inkrementalismus - Weiterentwicklung
Denn bisher könnte man denken:
Inkrementalismus = völlig planloses Herumprobieren.
Das ist nicht richtig. Die Folie zeigt:
Es gibt weiterhin: gesellschaftliche Ziele
in der Zukunft. Aber diese Ziele werden nicht mehr durch einen vollständigen Gesamtplan direkt angesteuert.
Stattdessen: Teilproblem
→ kleine Maßnahme
→ nächste Maßnahme
→ usw.
Und gleichzeitig bleibt das: langfristige Ziel als Perspektive bestehen.
eher „sich durchwursteln“
kleine Schritte, aber mit einer langfristigen Richtung im Hintergrund.
Umfassende Ermittlung von Werten und Zielformulierungen
Die Ziele werden möglichst klar formuliert.
Die Problembeschreibung kommt grundsätzlich vor der empirischen Untersuchung und politischen Alternativen.
Also: erst Ziele → dann Untersuchung
Zusammenhang von Problembeschreibung und empirischer Analyse. Hier gehen: Ziele + Mittel Hand in Hand.
Warum?—> Weil man Ziele nicht immer unabhängig von den tatsächlich verfügbaren Mitteln bestimmen kann.
Die Bedeutung einzelner Werte kann:
kontextabhängig
veränderlich
relativ sein.
Zuerst Ziele, danach Mittel.
Ziel → Mittel
Mittel und Ziele werden gleichzeitig festgelegt.
Das ist extrem wichtig. Denn manchmal merkt man erst durch die verfügbaren Mittel: welches Ziel überhaupt realistisch erreichbar ist.
Man fragt: Wurden die Ziele erreicht?
und: Wurden die geeigneten Mittel gewählt?
Man fragt ebenfalls: Wurden die Ziele erreicht?
Aber: Maßnahmen werden als Teil der Errungenschaften beschrieben. Also der Prozess selbst erzeugt schrittweise Ergebnisse.
Umfassende Analyse Alles „Wichtige“ soll einbezogen werden.
Außerdem: langfristige Ziele Das entspricht wieder der Vorstellung: möglichst vollständiges Wissen + langfristige Gesamtplanung.
Begrenzte Analyse
Die Analyse wird bewusst reduziert.
Man vergleicht beispielsweise: ähnliche bestehende Politiken
und untersucht hauptsächlich: die Unterschiede.
Das nennt Lindblom eine starke Vereinfachung.
—> Weil eine vollständige Analyse praktisch unmöglich wäre.
Der inkrementelle Ansatz fragt stärker: Was ist tatsächlich machbar?
Nicht: „Welche perfekte Lösung könnten wir theoretisch entwickeln?“
Sondern: „Welche Veränderung können wir unter den gegebenen Bedingungen tatsächlich erreichen?“
Hier kommt ein interessanter Punkt: In einem System mit verschiedenen Interessengruppen hat jedes Interesse seinen eigenen: „Wächter“
Das bedeutet: verschiedene Akteure achten auf unterschiedliche Interessen. Dadurch entsteht eine Art:
gegenseitige Kontrolle / Anpassung
Die Verhandlung unterschiedlicher Werte erhält dadurch einen:
inkrementellen Charakter.
Der Politikprozess basiert auf: allgemeinen, abstrakten Grundsätzen.
Politik nähert sich schrittweise einem gewünschten Zustand.
Wichtig: Vergangene Politik liefert Hinweise auf die zu erwartenden Folgen.
Vergangenheit
→ Erfahrungen
→ nächste Entscheidung
→ neue Erfahrung
werden Erwartungen im nächsten Schritt getestet
können Fehler schnell korrigiert werden
sind große Schritte nicht notwendig
Lernen durch schrittweises Handeln.
Hier wird der:
Emscher Landschaftspark
als Beispiel gezeigt.
Stückwerktechnik durch Projekte und Schichten
Perspektivischer Inkrementalismus: Projekte verfolgen ein definiertes Ziel
Das ist genau die Anwendung des vorher erklärten Prinzips.
Es gibt nicht zwingend einen einzigen riesigen Masterplan.
viele Projekte
die zusammen schrittweise zu einer bestimmten Entwicklung beitragen.
Pragmatismus
Lindblom noch einmal mit dem Begriff:
verbunden.
Das Zitat von James Zit sagt sinngemäß:
Pragmatismus bedeutet:
offen für Möglichkeiten und Veränderungen zu bleiben und keine endgültige Gewissheit über eine spezielle Lösung zu behaupten.
Pragmatismus ist eine Methode, keine Garantie für ein bestimmtes Ergebnis.
Der Ansatz sagt nicht:
„Diese Lösung ist absolut richtig.“
„Wir probieren einen gangbaren Weg aus und lernen daraus.“
neuer Kritikpunkt
Bisher ging es stark um: naturwissenschaftliche Rationalität.
Jetzt:
Hier kommen: Horst Rittel und Melvin Webber
ins Spiel. Ihre zentrale Frage:
Kann man gesellschaftliche Probleme überhaupt so behandeln wie naturwissenschaftliche Probleme?
„Bösartige Probleme“
= bösartige Probleme
Rittel und Webber argumentieren:
Gesellschaftliche Planungsprobleme unterscheiden sich grundsätzlich von naturwissenschaftlichen Problemen.
Weil gesellschaftliche Probleme nicht einfach objektiv definiert und anschließend technisch gelöst werden können.
—> Beispiel
Ein naturwissenschaftliches Problem könnte beispielsweise sein:
Wie verhält sich ein bestimmtes Material unter einer bestimmten Belastung?
Man kann:
Bedingungen definieren
messen
experimentieren
Ergebnis überprüfen.
„Wie soll Wohnraum in einer Stadt verteilt werden?“
Hier gibt es unterschiedliche Vorstellungen:
mehr bezahlbarer Wohnraum
mehr Eigentum
mehr Grün
mehr Dichte
weniger Verkehr
Es gibt keine rein technische Antwort.
—>warum keine „optimale Lösung“?
Es gibt in einer pluralistischen Gesellschaft kein unbestreitbares allgemeines Wohl.
Es existiert nicht automatisch eine einzige objektive Definition von:
„Gemeinwohl“
verschiedene Gruppen können unterschiedliche Vorstellungen haben.
Deshalb kann man bei gesellschaftlichen Problemen nicht einfach sagen:
„Diese Lösung ist wissenschaftlich richtig.“
Was als gute Lösung gilt, hängt auch von Wertvorstellungen und politischen Entscheidungen ab.
Man kann ein gesellschaftliches Problem nicht endgültig und eindeutig definieren.
Es gibt keinen eindeutigen Punkt, an dem man sagen kann:
„Jetzt ist das Problem endgültig gelöst.“
gut/schlecht
Weil es um Wertentscheidungen geht.
Man kann nicht sofort eindeutig feststellen:
„Diese Lösung war definitiv richtig.“
Für die Lösung eines wicked problem gibt es:
nur einen Versuch
Denn man kann gesellschaftliche Realität nicht einfach unter identischen Bedingungen zurücksetzen.
Es gibt nicht:
2 oder 3 exakt definierte Lösungen.
Es gibt viele mögliche Varianten.
Jedes gesellschaftliche Problem besitzt:
seinen eigenen Kontext.
Ein Problem kann wiederum durch ein anderes Problem verursacht werden.
Wie man ein Problem interpretiert, beeinflusst:
welche Lösung man überhaupt entwickelt.
Das klingt zunächst komisch, ist aber wichtig.
Der Planer trägt Verantwortung für Entscheidungen, obwohl es bei Wicked Problems keine absolute Sicherheit gibt.
kein eindeutiges Problem
→ kein Stop
→ nicht richtig/falsch
→ nicht endgültig überprüfbar
→ nur ein Versuch
→ viele Lösungen
→ jedes Problem einzigartig
→ Problem kann Symptom sein
→ Definition beeinflusst Lösung
→ Planer trägt Verantwortung
Weil Planung nicht nur technische Fragen beantwortet.
Sobald es um gesellschaftliche Ziele und Verteilung geht, geht es auch um:
Konflikte
politische Entscheidungen.
Übergang zur kommunikativen Rationalität
Wie kann Planung mit einem demokratischen Verständnis vereinbar sein?
Wie kann man Entscheidungen treffen, wenn es keine vollkommen objektive, systematisch rationale Lösung gibt?
—> damit entsteht; Kommunikative Rationalität
Planung durch Diskussion / Debatte
kommunikatives Planungsparadigma
Perspektivwechsel!!!!—> Planung durch Diskussion / Debatte
Experten sammeln Wissen → analysieren → entscheiden.
unterschiedliche Akteure → kommunizieren → argumentieren → verständigen sich → handeln.
Warum kommunikative Planung?
Wie kann Planung mit einer demokratischen Haltung vereinbar sein?
Das rationale Modell wird kritisiert als:
unfair
undemokratisch
zu technokratisch
Lyotard.
Also die Vorstellung, dass es:
eine große Wahrheit
gibt.
Außerdem wird hinterfragt:
die eine Wahrheit
wissenschaftliche Rationalität als alleinige Grundlage
Fortschrittsglaube
Diese Kritik verdichtet sich in den:
1980er Jahren im Konzept der Postmoderne.
Gibt es eine postmoderne und demokratische Form von Planung?
Healeys Antwort:
intersubjektive, kommunikative Rationalität
—> Objektiv:
Eine Wahrheit existiert unabhängig von den Beteiligten.
Jeder hat seine eigene persönliche Sicht.
Bedeutung und Verständigung entstehen zwischen Menschen durch Kommunikation.
Nicht ein einzelner Experte besitzt automatisch die Wahrheit.
Wissen und Verständigung werden im Austausch zwischen verschiedenen Akteuren hergestellt.
Jürgen Habermas (1981)
eingeführt.
Rationalität wird neu gedacht.
Nicht mehr ausschließlich:
instrumentelle Rationalität
kommunikatives Handeln
—> . Instrumentelle Rationalität vs. kommunikative Rationalität
Das ist eine sehr wichtige Gegenüberstellung.
Frage: Wie erreiche ich ein bestimmtes Ziel möglichst effektiv?
Beispiel: Wie kann ich möglichst schnell 500 Wohnungen bauen?
Es geht um: Mittel → Zweck
Frage: Wie können Menschen durch Kommunikation zu gemeinsamem Verständnis und zu einer begründeten Entscheidung gelangen?
Also: Verständigung → gemeinsames Handeln
Was bedeutet kommunikative Rationalität?
Reformulierung des modernen Verständnisses von Rationalität.
Anstatt Rationalität nur als:
reine Logik / wissenschaftlichen Empirismus
zu verstehen, wird Rationalität im:
kommunikativen Handeln
gesehen.
→ Verfügung über:
Subjekte
Natur
→ Menschen versuchen:
einander zu verstehen
Kommunikative Rationalität ist wichtig für:
soziales Handeln
Sie entstehen in der:
öffentlichen Sphäre
durch:
Interaktion und Kommunikation
Wissen wird nicht einfach nur vom Experten „geliefert“.
Es entsteht auch durch:
Austausch zwischen den Beteiligten.
Argumentation dient dazu:
Konsens oder Entscheidungsfindung
zu ermöglichen.
Und dieser Prozess bildet die:
Legitimationsgrundlage des Handelns.
Legitimation:
wissenschaftlich-rationale Analyse
argumentative Verständigung zwischen Beteiligten
Die Welt ist grundsätzlich rational erfassbar und planbar.
→ Ziele bestimmen
→ beste Lösung auswählen
Problem:
Umfassende Planung kann zu starker zentraler Steuerung führen.
Popper:
Stückwerk-Ingenieur
→ kleine Schritte
Die Realität ist zu komplex für vollständige Planung.
Simon:
Bounded Rationality
→ begrenztes Wissen
→ Teilprobleme
→ Lernen
Muddling Through
perfekte Gesamtlösung
kleine Schritte + begrenzte Vergleiche + Lernen
Nicht völlig ziellos!
kleine Projekte verfolgen eine langfristige Richtung.
Noch grundsätzlicher:
Gesellschaftliche Probleme sind keine technisch eindeutig lösbaren Probleme.
keine eindeutige Problemdefinition
keine eindeutige Lösung
keine endgültige Überprüfung
Planung kann nicht vollständig von Politik, Interessen und Werten getrennt werden.
Die Frage:
Wie kann man trotzdem rational und demokratisch planen?
Antwort:
durch Kommunikation, Argumentation, Verständigung und intersubjektive Rationalität.
Synoptisch
Inkrementalistisch
Kommunikativ
Grundidee
umfassend planen
schrittweise vorgehen
durch Kommunikation verständigen
wissenschaftlich/objektiv
begrenzt/pragmatisch
intersubjektiv
möglichst vollständig
begrenzt
entsteht auch durch Kommunikation
vorher festlegen
gemeinsam mit Mitteln entwickeln
werden kommunikativ ausgehandelt
linear
schrittweise/rückgekoppelt
diskursiv
Lösung
beste Alternative
gangbare Verbesserung
legitimierte Verständigung/Entscheidung
Rolle Planer
Experte
pragmatischer Problemlöser
Moderator/Teilnehmender im Kommunikationsprozess
Problemverständnis
grundsätzlich planbar
komplex, daher begrenzen
gesellschaftlich, wert- und interessengeprägt
Stichwort
Comprehensive Planning
Planning through Debate
Was ist der große Wandel?
von „Ich kann die Gesellschaft rational planen“ → zu „Ich kann nur begrenzt und schrittweise handeln“ → zu „Gesellschaftliche Planung muss durch Kommunikation und Verständigung legitimiert werden“.
Warum darf ein Planer überhaupt etwas planen, verändern oder in die Gesellschaft eingreifen?
Woher bekommt Planung ihre Legitimation?
„Weil die Planung dem Gemeinwohl dient.“
—> Was ist überhaupt das Gemeinwohl?
Und genau daraus entwickelt sich die gesamte Vorlesung:
Legitimation → Gemeinwohl → Fortschritt → Kritik an der Vorstellung, dass man objektiv weiß, was „Fortschritt“ und „Gemeinwohl“ sind → Frage nach demokratischer Legitimation.
1. Was bedeutet Legitimation?
Kollektive Zustimmung, dass Ziele und Mittel den gesellschaftlichen Werten und Erwartungen entsprechen.
Einfach gesagt:
Legitimation = Warum akzeptieren Menschen eine Entscheidung oder Planung als berechtigt?
Es reicht also nicht unbedingt, dass ein Plan technisch funktioniert.
Die Menschen müssen ihn auch als:
angemessen
gerechtfertigt
akzeptabel
gesellschaftlich vertretbar
ansehen.= Vertrauensvorschuss
Vier dimensionen der legitimation
Hier geht es darum:
Entspricht das Ziel gesellschaftlichen Vorstellungen von richtig und gerecht?
Teilhabe
Gleichheit
Ein Plan kann also technisch hervorragend funktionieren, aber trotzdem moralisch problematisch sein.
Hier geht es um:
Das tatsächliche Ergebnis bzw. den Inhalt der Planung.
Hat die Planung tatsächlich das erreicht, was sie erreichen sollte?
Quellen substantieller Legitimation sind beispielsweise:
Expertise
Erfahrung
Handlungsfähigkeit
Fachwissen
Aber entscheidend ist:
Wird das Ziel tatsächlich erreicht?
Jetzt geht es nicht darum, was entschieden wurde, sondern:
Wie wurde entschieden?
War das Verfahren transparent?
Waren die Akteure unabhängig?
Gab es Rechenschaft?
War der Entscheidungsprozess nachvollziehbar?
Das ist:
Prozesslegitimation
Legitimation basiert letztlich auf:
kollektiver Zustimmung.
In einer repräsentativen Demokratie sind:
Wahlen eine zentrale Quelle politischer Legitimation.
Aber die Folie sagt ausdrücklich:
Auch öffentliche Zustimmung über:
Medien
Beteiligungsverfahren
kann eine wichtige Legitimationsquelle sein.
Legitimation kann sich sowohl aus dem WAS einer Planung als auch aus dem WIE ihrer Entstehung ergeben.
Das führt direkt zu:
systemgerechtigkeit der öffenltichen planung
—> § 3 Abs. 1 GG
und beschreibt Anforderungen an öffentliche Planung.
sie muss siche auf politisch legitimierte Ziele stützen.
Also beispielsweise Ziele, die durch demokratische politische Entscheidungen festgelegt wurden.
Planung soll nach: einheitlichen Maßstäben erfolgen.
Warum? Damit nicht zwei vergleichbare Fälle völlig unterschiedlich behandelt werden.
Wenn Fälle vergleichbar sind:—> Gleichbehandlung
Aber: Eine Abweichung im Einzelfall kann möglich sein.
Wichtig ist dabei: Willkürverbot
Das bedeutet: Eine unterschiedliche Behandlung darf nicht einfach ohne sachlichen Grund erfolgen.
Die Planung muss: insgesamt erforderlich
Also: Brauchen wir diesen Eingriff überhaupt?
Die vorgeschlagene Lösung muss: geeignet sein, das festgestellte Problem zu lösen.
Beispiel: Wenn das Problem Verkehrsüberlastung ist, muss die Maßnahme überhaupt geeignet sein, diese Verkehrsüberlastung zu reduzieren.
Die Maßnahme muss: verhältnismäßig
sein. Insbesondere: Wenn es ein anderes, weniger eingreifendes Mittel gibt, das genauso geeignet ist, soll nicht unnötig stark in Rechte Dritter eingegriffen werden.
Woher bezieht planerisches Handeln seine Legitimation?
-> einteilung in zwei kathegorien
Frage:
bzw.
Wie ist der Eingriff inhaltlich zu rechtfertigen?
Die Planung soll:
fachtechnisch sinnvoll sein
erforderlich sein
dem Bedarf entsprechen
verhältnismäßig sein
dem Wohl der Allgemeinheit dienen
Wie wurde geplant?
Das Verfahren soll:
repräsentativ-demokratisch legitimiert sein
Gleichbehandlung gewährleisten
nicht willkürlich sein
auf Neutralität der Planenden beruhen
Interessen berücksichtigen
Partizipation ermöglichen
Substanz = WAS wird entschieden?
Prozess = WIE wird entschieden?
Berücksichtigung von Interessen, Partizipation → reicht für eine Demokratisierung?“
Beteiligung allein bedeutet noch nicht automatisch demokratische Planung.
Stell dir vor:
100 Menschen dürfen ihre Meinung sagen.
Aber am Ende entscheidet trotzdem jemand vollständig anders.
Dann gab es zwar:
aber die Frage bleibt:
Wie viel tatsächliche Mitwirkung hatten die Beteiligten?
Begriffe ergänzt
—> Substanzlegitimation
→ Rechenschaft: Planende bzw. politische Akteure müssen ihre Entscheidungen begründen können.
→ Kontrollinstanzen: Es muss Möglichkeiten geben, Entscheidungen zu überprüfen.
→ Transparenz: Der Entscheidungsprozess soll nachvollziehbar sein.
→ Mitwirkung: Betroffene bzw. Interessierte sollen beteiligt werden können.
Legitime Planung benötigt nicht nur eine gute Entscheidung.
Sie braucht auch Strukturen, durch die nachvollziehbar und kontrollierbar ist:
wer entschieden hat, wie entschieden wurde und warum.
—> „Planung muss dem Gemeinwohl dienen.“
Wer entscheidet, was Gemeinwohl ist?
Eine Stadt möchte ein großes Einkaufszentrum bauen.
Für manche bedeutet Gemeinwohl:
Arbeitsplätze + Steuereinnahmen + Versorgung.
Andere sagen:
Grünfläche erhalten + weniger Verkehr + kleine Geschäfte schützen.
Welche Definition ist nun:
„das Gemeinwohl“?
Genau hier beginnt die theoretische Problematik.
Ein Planer kann nicht planen, ohne irgendeine Vorstellung vom öffentlichen Interesse zu haben. weil: Planung immer Ziele braucht.
Maßnahmenempfehlungen, um Ziele zu erreichen.
Das heißt: Ziel
→ bestimmt Maßnahmen
Ziele drücken ein bestimmtes Verständnis vom Gemeinwohl aus.
Ohne Ziele keine Planung.
Wenn Ziele eine Vorstellung vom Gemeinwohl ausdrücken, müssen auch diese Ziele legitimiert sein.
Und laut Folie:
demokratisch legitimiert
-> die folie nennt:
normativ-aprioristisch, substanziell
Das bedeutet vereinfacht:
Man geht davon aus, dass es ein:
inhaltlich bestimmbares Gemeinwohl
Der:
unabhängige, allwissende Experte / Wissenschaftler
Die Vorstellung lautet:
Ein Experte kann aus einem objektiven Standpunkt heraus rational erkennen, welche Entscheidung für die Gesellschaft richtig ist.
1. moralisches Ethos
→ Er sieht sich dem Gemeinwohl verpflichtet.
2. Fachwissen
→ Er besitzt wissenschaftliche bzw. fachliche Kompetenz.
3. Gemeinwohlorientierung
→ Er handelt angeblich nicht für private Interessen, sondern für die Allgemeinheit.
Der Planer kann seinen Glauben an die Rationalität des eigenen Handelns mit dem Glauben vermischen:
„höhere Ziele“ zu vertreten.
Der Planer denkt vielleicht:
„Ich weiß aufgrund meiner Expertise, was für die Gesellschaft richtig ist.“
Woher weiß er eigentlich, was „richtig“ für die Gesellschaft ist?
—>„Planer als Gott-Vater“
Das ist bewusst provokant formuliert.
Gemeint ist:
Der Planer nimmt eine Position ein, als könne er:
die Gesellschaft überblicken
Probleme erkennen
richtige Lösungen bestimmen
für die Allgemeinheit entscheiden.
Also eine Art:
allwissende, übergeordnete Instanz.
Und genau diese Vorstellung wird später durch demokratische und kommunikative Planung kritisiert.
Er beschreibt die traditionelle Rolle des Planers als:
„righter of wrongs“
„corrector of imbalances“
„defender of the public interest“
Also sinngemäß:
Planer als jemand, der gesellschaftliche Missstände korrigiert und das öffentliche Interesse verteidigt.
Der Planer sagt:
„Ich greife ein, weil ich soziale Probleme beseitigen möchte.“
Armut
Ungleichheit
schlechte Infrastruktur
Wer entscheidet:
Was ist ein „Missstand“?
Was ist „Ungleichgewicht“?
Was ist „öffentliches Interesse“?
Er sagt sinngemäß:
Planung tritt zwar als progressive Kraft auf.
Die Definition dessen, was als öffentliches Interesse, Ungleichheit oder Missstand gilt, ist nicht neutral.
Sie hängt von den Bedingungen der gesellschaftlichen Ordnung ab.
Auf der Folie:
kapitalistische Gesellschaftsordnung
—> Was bedeutet das für dich?
Der Planer glaubt vielleicht:
„Ich korrigiere objektiv eine Ungerechtigkeit.“
Aber seine Vorstellung davon, was:
„gerecht“
oder:
„ungerecht“
ist, entsteht nicht im luftleeren Raum.
Sie wird von gesellschaftlichen:
Institutionen
Machtverhältnissen
wirtschaftlichen Strukturen
beeinflusst.
Deshalb: Gemeinwohl ist nicht einfach eine objektiv vorgegebene Tatsache.
Und damit wird die rationalistische Vorstellung vom:
allwissenden, neutralen Planer
problematisch.
-> Wenn Planung legitimiert werden soll, weil sie dem Gemeinwohl dient – woran wird dieses Gemeinwohl festgemacht?
zusammenhang: Fortschritt + Rationalismus + Fordismus + Keynesianismus
Fordismus basiert laut Folie auf einem:
Wachstumsparadigma
mit:
Massenproduktion
Massenkonsum
Effizienz
Die Vorstellung:
Mehr Produktion → mehr Konsum → wirtschaftliches Wachstum → bessere Lebensbedingungen.
Außerdem wird eine Gesellschaft vorausgesetzt, die relativ:
homogen
gedacht wird.
Mit:
festen Rollenbildern
wirtschaftspolitische Steuerung des Wachstums
beispielsweise durch:
enge Verbindung mit dem Sozialstaat.
Weil der Staat glaubt:
Gesellschaftliche Entwicklung kann aktiv gesteuert werden.
Das passt perfekt zum:
synoptischen Planungsmodell.
Man kann Ziele festlegen und anschließend systematisch Maßnahmen planen.
Planung als „gedankliche Vorwegnahme des zukünftigen Handelns“
Planung beschäftigt sich immer mit etwas, das:
noch nicht existiert.
Der Planer versucht:
die Zukunft gedanklich vorwegzunehmen.
Die Folie definiert Fortschritt als:
grundlegende Verbesserungen durch bedeutende Veränderungen bestehender Zustände oder Abläufe in menschlichen Gesellschaften.
Heute
→ Veränderung
→ bessere Zukunft
Planung sagt:
„Wir kennen einen besseren zukünftigen Zustand und können Schritte entwickeln, um dorthin zu gelangen.“
Jetzt wird erklärt, woher diese Fortschrittsidee kommt.
Ein wichtiger Ausgangspunkt:
Sie ist eng verbunden mit der Entwicklung:
liberaler Demokratie
moderner Wissenschaft
rationaler Gesellschaftsvorstellungen
Fortschritt wird als Gegensatz zum:
„wilden“ Naturzustand
Also: Naturzustand
→ gesellschaftliche Ordnung
→ Zivilisation.
Fortschritt wird zum:
Prinzip der Weltgeschichte der Menschheit.
Er entwickelt eine Vorstellung von: drei Phasen gesellschaftlicher Entwicklung
und einer parallelen Entwicklung von: Individuum + Gesellschaft.
Gesellschaft kann sich: von einem weniger entwickelten zu einem weiter entwickelten Zustand bewegen.
fortschrittsidee positiv dargestellt
Fortschritt“ bedeutet hier nicht nur:
mehr Technik.
Es bedeutet eine umfassende Vorstellung gesellschaftlicher Verbesserung.
politisch + sozial + wissenschaftlich + moralisch
Das ist ein sehr wichtiger Begriff.
Zimmer sagt sinngemäß:
Zunächst gibt es:
Man beobachtet:
„Die Gesellschaft hat sich verändert und bestimmte Dinge sind besser geworden.“
Dann entsteht: „In Zukunft wird es wahrscheinlich noch besser werden.“
Dann wird daraus: „Die Gesellschaft wird sich grundsätzlich weiterentwickeln.“
Der Fortschritt wird schließlich zu einer:
grundlegenden Vorstellung darüber, wie Gesellschaft sich entwickeln soll.
Erfahrung → Erwartung → Glaube → Ideologie
Das würde ich tatsächlich auswendig können.
Diese Folie wiederholt im Wesentlichen die Definition:
Fortschritt ist eine spezifische europäische Entwicklung des 18. und 19. Jahrhunderts.
Hier geht es also darum, dass die Vorstellung von Fortschritt:
historisch und kulturell spezifisch
ist.
Sie ist nicht einfach eine universelle Wahrheit, die schon immer überall gegolten hat.
Schattenseite des Fortschrittsbegriffs.
Jetzt kommt die Schattenseite des Fortschrittsbegriffs.
Die zentrale Annahme lautet:
Gesellschaftliche Entwicklung soll einem bestimmten Pfad folgen.
Und welcher Pfad gilt als Vorbild?
der des globalen Nordens
Wenn eine Gesellschaft anders organisiert ist, kann man sagen:
„Diese Gesellschaft ist noch nicht so weit entwickelt.“
Rückständigkeit
Die Zuschreibung:
„rückständig“
kann als Begründung verwendet werden, bestimmte Lebensverhältnisse zu beseitigen.
Ressourcen aneignen
indigene Bevölkerung als Arbeitskraft verwenden
Märkte ausweiten
Fortschritt und Kolonialismus
Turgot formulierte 1750:
Es gebe ein allgemeines, universales Gesetz des Fortschritts, dem alle Kulturen unterworfen seien – lediglich in unterschiedlichem Tempo.
Diese Vorstellung erzeugt ein Modell:
Gesellschaft A
= „weiter entwickelt“
Gesellschaft B
= „noch nicht so weit“
Gesellschaft B soll sich:
nach dem Modell von A entwickeln.
Wer definiert eigentlich, was „weiter“ bedeutet?
Wer darf bestimmen, welchen Entwicklungsweg andere Gesellschaften nehmen sollen?
Wohnungspolitischer Diskurs
Die Folie zeigt zwei unterschiedliche Tendenzen.
Hier wird Wohnen verstanden als:
Grundbedürfnis
Ziel:
soziale Ungleichheiten reduzieren.
Dazu beispielsweise:
Bodenreform
Hier wird Wohnen mit Vorstellungen verbunden über:
Haushalt
Familie
Lebensführung
Moral
Das Wohnproblem wird teilweise als:
Sittenproblem
„Rückständigkeit“
interpretiert.
Weil zwei Planungslogiken dasselbe Problem völlig unterschiedlich definieren können.
Menschen brauchen bessere Wohnbedingungen.
Die Menschen leben „falsch“ und müssen gesellschaftlich verändert werden.
Jetzt kommt das Beispiel:
Hier wird das konkret am:
ersten Stadterneuerungsprogramm für West-Berlin, 1963
gezeigt.
Die Aussage von Willy Brandt beschreibt das Ziel, Wedding so zu erneuern, dass:
das „Odium der Zweitklassigkeit“ verschwindet.
Ein Stadtteil wird nicht nur als:
baulich problematisch
beschrieben.
Er wird mit einer gesellschaftlichen Bewertung versehen:
„zweitklassig“
Bauliche Situation und gesellschaftliche Bewertung werden miteinander verbunden.
Hier wird die Denkweise noch deutlicher.
„Beseitigung der städtebaulichen Missstände“
Was gilt als Missstand?
In der damaligen Problemwahrnehmung:
die gesamte gründerzeitliche Bebauung.
Zusätzlich werden:
soziale Missstände
definiert.
Alter
„Unbildung“
„überalterte und veraltete Sozialstrukturen“
Die Planer gehen davon aus:
Wenn man die Gebäude erneuert, aber die sozialen Strukturen unverändert lässt, wurden die sozialpolitischen Ziele nicht erreicht.
Es geht nicht mehr nur um:
Gebäude
sondern um:
gesellschaftliche Veränderung durch Stadtplanung.
Hier kommt die Verbindung zur Moderne:
Man geht davon aus:
Wenn wir die Stadt umfassend verändern, können wir auch gesellschaftliche Probleme lösen.
Das ist wieder sehr stark mit dem:
synoptischen Planungsdenken verbunden.
Phasenmodell (Albers) und Schichtenmodell (Selle)
-> ① Phasenmodell nach Albers
Abfolge verschiedener Entwicklungsphasen
Auf der Folie erscheinen:
Die Planung entwickelt sich historisch von einer eher reaktiven Funktion hin zu stärker zukunftsorientierten Formen.
Planung reagiert auf bestehende Probleme.
Mindeststandards
Brandschutz
Hygiene
Versorgung
Freiraumsicherung
Probleme bewältigen, die bereits vorhanden sind.
Planung fängt Entwicklungen auf, die bereits stattfinden.
Planung versucht stärker:
zukünftige Entwicklungen aktiv zu gestalten.
Jetzt geht es um:
langfristige Zukunftsperspektiven.
Wo soll sich die Gesellschaft bzw. Stadt langfristig hin entwickeln?
Das ist etwas anderes.
Hier werden nicht einfach alte Phasen durch neue ersetzt.
Neue Formen von Planung lagern sich über ältere Formen.
Das ist mit dem Begriff:
Schichten
gemeint.
Die Folie will zeigen:
Planung „schreitet“ nicht einfach linear von A nach B.
Alte Aufgaben verschwinden nicht vollständig.
Sie bleiben bestehen und werden durch neue Planungsformen ergänzt.
Eine Stadt braucht weiterhin:
Brandschutz / Hygiene / Mindeststandards
aber gleichzeitig:
kooperative Prozesse
Marktsteuerung
usw.
A → B → C → D
A bleibt bestehen + B kommt dazu + C kommt dazu + D kommt dazu.
Das ist ein sehr guter Klausurunterschied.
Das ist eine alternative Vorstellung davon, welche Grundlage Planung haben sollte.
Statt:
Der Mensch gestaltet die Landschaft vollständig nach seinen gesellschaftlichen und technischen Vorstellungen.
steht hier stärker:
Die natürlichen bzw. landschaftlichen Bedingungen sollen die Planung bestimmen.
Die Landschaft wird nicht nur als etwas betrachtet, das:
„geplant und beherrscht“
werden soll.
Sie wird selbst zu einem bestimmenden Ordnungsprinzip
Jetzt kommt die Kritik am Fortschrittsgedanken.
Infolge des 1. und 2. Weltkriegs wird der Fortschrittsgedanke zunehmend infrage gestellt.
Besonders: ab den 1970er Jahren wird diese Kritik stärker.
Die Moderne hatte stark an: Wissenschaft
→ Technik
→ Fortschritt
→ bessere Gesellschaft
geglaubt.
Aber die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts zeigen:
Wissenschaft und Technik führen nicht automatisch zu einer besseren Gesellschaft. Technischer Fortschritt kann beispielsweise auch:
Zerstörung
Krieg
Herrschaft
Ausbeutung ermöglichen.
Die Folie nennt Hegel: Fortschritt folgt Zwecken und Interessen.
Also: Fortschritt ist kein Naturprozess.
Und:Rückschritt ist ebenfalls möglich.
Denn wenn Fortschritt kein Naturgesetz ist, kann man nicht einfach sagen: „Die Geschichte wird automatisch immer besser.“
Die Folie verbindet die Kritik mit drei Strömungen:
→ Kritik an der Moderne und damit auch an ihrem Fortschrittsprojekt.
→ Kritik an vermeintlichen:
Grundwahrheiten
→ Kritik am: „Fortschrittsprojekt“ des globalen Nordens
insbesondere an der Vorstellung, dass der Entwicklungsweg des globalen Nordens universell für alle Gesellschaften gelten müsse.
Auf Folie 13 stand: „Wohl der Allgemeinheit → Wie wird das definiert?“
Später wurde daraus:
Gemeinwohl → Fortschritt
Aber dann wird zunehmend gefragt: Wer definiert Fortschritt?
Und: Warum soll genau dieser Entwicklungsweg der richtige sein?
Die letzte Folie zeigt deshalb wieder:
Was geplant wird, muss:
fachtechnisch sinnvoll
erforderlich
verhältnismäßig
gemeinwohlorientiert
Aber jetzt steht:
„dient dem Wohl der Allgemeinheit → definiert durch Fortschritt (zunehmend in Frage gestellt)“
🔥 Das ist einer der wichtigsten Sätze der gesamten Vorlesung.
Denn ursprünglich:
Gemeinwohl = Fortschritt
Was ist Fortschritt?
Wenn Fortschritt nicht objektiv definiert werden kann, wird auch die Berufung auf:
Substanzlegitimation = Ist die Planung inhaltlich sinnvoll?
Prozesslegitimation = Ist das Verfahren legitim?
„Die Planung muss dem Wohl der Allgemeinheit dienen.“
Im rationalistischen Denken:
Der objektive, fachkundige Planer kann erkennen, was dem Gemeinwohl dient.
Der Planer ist nicht wirklich:
allwissend + neutral + objektiv.
Seine Vorstellung vom Gemeinwohl ist ebenfalls von:
gesellschaftlichen Strukturen
geprägt.
„Eine Planung ist gut, wenn sie gesellschaftlichen Fortschritt erzeugt.“
Historisch wurde ein bestimmter Entwicklungsweg – insbesondere der des europäischen/globalen Nordens – teilweise als:
universeller Fortschrittspfad
Das kann zur Konstruktion von:
„modern“ vs. „rückständig“
führen.
Und diese Unterscheidung kann wiederum zur Legitimation von Eingriffen dienen.
Und genau daraus entwickeln sich später die:
postmoderne Planungskritik
poststrukturalistische Planungskritik
postkoloniale Planungskritik
kommunikative Planung usw.
„Woher bezieht planerisches Handeln seine Legitimation?“
Planerisches Handeln bezieht seine Legitimation sowohl aus der Substanz als auch aus dem Prozess. Substanzlegitimation betrifft das, was geplant bzw. in was eingegriffen wird. Die Planung soll fachlich sinnvoll, erforderlich, verhältnismäßig und am Wohl der Allgemeinheit orientiert sein. Prozesslegitimation betrifft dagegen das Verfahren, durch das eine Entscheidung zustande kommt. Dazu gehören demokratische Legitimation, Gleichbehandlung, Transparenz, Rechenschaft, Kontrollmöglichkeiten, Neutralität und die Berücksichtigung von Interessen bzw. Partizipation.
Das Problem besteht darin, dass das Gemeinwohl nicht einfach objektiv und eindeutig vorgegeben ist. Welche Ziele als dem Gemeinwohl dienend gelten, hängt von gesellschaftlichen Wertvorstellungen und politischen Aushandlungen ab. Im rationalistischen Planungsverständnis wurde dagegen teilweise angenommen, dass ein unabhängiger und fachlich kompetenter Planer aus objektiver Perspektive erkennen könne, was dem Gemeinwohl entspricht. Diese Vorstellung wird als problematisch kritisiert.
„Welche Rolle spielt Fortschritt für die Legitimation von Planung?“
Fortschritt diente historisch als Begründung und Legitimationsgrundlage von Planung: Planung sollte durch gesellschaftliche, technische und wirtschaftliche Entwicklung eine bessere Zukunft herstellen. Damit wurde das Gemeinwohl teilweise über die Vorstellung von Fortschritt definiert. Später wurde jedoch zunehmend infrage gestellt, ob Fortschritt einen objektiven oder universellen Entwicklungsweg darstellt. Besonders postmoderne, poststrukturalistische und postkoloniale Ansätze kritisieren diese Vorstellung.
Wachstum
Zuletzt geändertvor 11 Tagen