Was sind Normen?
Normen sind offiziell anerkannte, freiwillige Regeln und Standards, die einheitliche Vorgaben für Produkte, Dienstleistungen, Prozesse oder Qualifikationen definieren. Ihr Hauptziel ist es, Sicherheit, Qualität, Verbraucherschutz, Kompatibilität (die reibungslose Zusammenarbeit verschiedener technischer Systeme) und den globalen Handel zu gewährleisten.
Normen werden nicht von einzelnen Unternehmen oder Regierungen im Alleingang verfasst, sondern in demokratischen und transparenten Prozessen von offiziellen Normungsorganisationen. An diesen Prozessen arbeiten Experten aus Industrie, Wissenschaft, Verbraucherschutz und Behörden gemeinsam in Arbeitskreisen und Komitees aus.
Man unterscheidet im Wesentlichen zwischen drei Ebenen:
Nationale Normungsorganisationen:
DIN (Deutsches Institut für Normung) in Deutschland.
ANSI (American National Standards Institute) in den USA.
AFNOR in Frankreich oder BSI in Großbritannien.
Europäische Normungsorganisationen:
CEN (Europäisches Komitee für Normung) – zuständig für allgemeine technische Normen.
CENELEC (für den Bereich Elektrotechnik).
ETSI (für Telekommunikation).
Hinweis: Europäische Normen (EN) werden oft direkt in das nationale Regelwerk der EU-Mitgliedstaaten übernommen (z. B. als DIN EN...).
Internationale Normungsorganisationen:
ISO (International Organization for Standardization) – die weltweite Vereinigung nationaler Normungsorganisationen für fast alle Industriebereiche.
IEC (International Electrotechnical Commission) – speziell für elektrotechnische und elektronische Normen.
Prüfungstipp auf den Punkt gebracht: Normen sind freiwillige Standards für Sicherheit, Qualität und Kompatibilität. Sie werden von anerkannten Organisationen auf nationaler (DIN), europäischer (CEN/CENELEC) und internationaler Ebene (ISO/IEC) in gemeinschaftlicher Expertenarbeit (Industrie, Behörden, Verbände) erarbeitet.
Was regelt die Norm IEC 26514?
The IEC 26514 covers the development process for designers and developers of information for users of software. It describes how to establish what information users need, how to determine the way in which that information should be presented, and how to prepare the information and make it available.
Man kann sie sich wie das „Pendant zur DIN EN IEC 82079-1“ vorstellen, allerdings mit einem klaren Schwerpunkt auf Software, digitale Systeme und IT-Dokumentation.
Die wichtigsten Inhalte und Regelungsbereiche der Norm sind:
Die Norm begleitet den Erstellungsprozess von Anwenderinformationen (wie Handbüchern, Online-Hilfen, Quick-Start-Guides oder APIs) von der ersten Planung und Zielgruppen-/Aufgabenanalyse über das eigentliche Schreiben, Reviewen und Testen bis hin zur Veröffentlichung und späteren Wartung.
Sie definiert Best Practices, wie Redaktionsteams methodisch vorgehen müssen, um qualitativ hochwertige Anweisungen zu erstellen. Dabei stehen zentrale Qualitätsmerkmale im Fokus:
Usability (Gebrauchstauglichkeit): Anwender müssen die Informationen leicht finden und verstehen können.
Klarheit und Prägnanz: Verständliche Sprache, Vermeidung von unnötigem Ballast (Minimalismus).
Konsistenz und Korrektheit: Einheitliche Terminologie, Stilvorgaben und fachlich fehlerfreie Inhalte.
Barrierefreiheit (Accessibility): Zugänglichkeit der Informationen auch für Menschen mit Einschränkungen (z. B. barrierefreie digitale Formate, Alternativtexte für Grafiken).
Da Software heute längst nicht mehr nur in gedruckten Handbüchern erklärt wird, deckt die Norm eine breite Palette an modernen Ausgabemedien und Inhalten ab:
Online-Hilfen, kontextsensitive Hilfe und elektronische Dokumentation
API-Dokumentationen für Entwickler (inkl. Struktur von Request/Response-Informationen)
Grafiken, Icons, Warnhinweise, Oberflächen-Elemente (wie Tastaturbefehle oder Touchscreen-Interaktionen)
Neuere Formate wie Chatbots, Voice-Response-Systeme oder User-Generated Content
Die Norm gibt zudem vor, wie die Erstellung der Dokumentation organisatorisch eng mit dem eigentlichen Software-Entwicklungszyklus (z. B. agilen Prozessen) verzahnt werden muss, damit Neuerungen oder Änderungen im Programm zeitnah in der Dokumentation landen.
Prüfungstipp auf den Punkt gebracht:
Die ISO/IEC/IEEE 26514 regelt die anforderungs- und prozessgerechte Entwicklung von Anwenderinformationen für Software und IT-Systeme. Sie legt den Fokus auf den gesamten Lebenszyklus der Dokumentation, die Gebrauchstauglichkeit (Usability), Barrierefreiheit sowie die korrekte Darstellung technischer Inhalte (von klassischen Handbüchern bis hin zu APIs und Online-Hilfen).
Was regelt die Norm IEEE 1063?
Die Norm IEEE 1063 (offiziell IEEE Std 1063 bzw. in der aktuellsten Fassung IEEE Std 1063-2001) ist ein international anerkannter Standard des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) für die Erstellung von Software-Anwenderdokumentation (Standard for Software User Documentation).
Sie regelt im Wesentlichen die folgenden Kernbereiche:
Die Norm legt fest, welche strukturellen Mindestanforderungen und Informationsinhalte ein Software-Handbuch oder eine elektronische Dokumentation (wie Online-Hilfen) aufweisen muss. Dabei konzentriert sie sich stark auf die technische Substanz und weniger auf rein stilistische Vorgaben.
Die Norm definiert empfohlene Abschnitte und Kapitelstrukturen, die in einem Benutzerhandbuch enthalten sein sollten, um die Auffindbarkeit und Nutzbarkeit sicherzustellen. Dazu gehören typischerweise:
Eine verständliche Einführung in das Softwareprodukt
Installations- und Bedienungsanweisungen
Beschreibungen von Software-Befehlen, Menüs oder Funktionen
Hinweise zur Fehlerbehebung (Troubleshooting)
Der Standard gilt gleichermaßen für traditionelle, gedruckte Handbücher als auch für elektronische Dokumentationsformen (wie PDFs, E-Books oder Online-Hilfesysteme).
Die IEEE 1063 regelt die Mindestanforderungen an Struktur, Inhalt und Format von Software-Benutzerdokumentationen. Sie dient Entwicklern und Technischen Redakteuren als Leitfaden, damit Software-Handbücher (gedruckt oder digital) alle notwendigen technischen Informationen logisch und nutzerfreundlich aufgebaut enthalten.
Was regelt die ANSI Z535?
Die Normenreihe ANSI Z535 (herausgegeben vom American National Standards Institute) regelt in den USA die einheitliche und rechtssichere Gestaltung von Sicherheitswarnungen, Schildern, Etiketten und Warnhinweisen in Bedienungsanleitungen. Sie ist damit das US-amerikanische Standardregelwerk für visuelle Sicherheitskommunikation und das Pendant zu den internationalen ISO-Normen.
Die Normenreihe unterteilt sich in mehrere Teile, die gezielt festlegen, wie Gefahren für Mensch und Sachwerte kommuniziert werden müssen:
Die ANSI Z535 definiert eine strikte Hierarchie von Signalwörtern, kombiniert mit spezifischen Farben und dem Safety Alert Symbol (dem dreieckigen Ausrufezeichen ⚠️):
DANGER (Gefahr): Weist auf eine unmittelbare Gefahr hin, die bei Nichtbeachtung mit Sicherheit zum Tod oder zu schwersten Verletzungen führt (typische Signalfarbe: Rot).
WARNING (Warnung): Weist auf eine potenzielle Gefahr hin, die zu schweren Verletzungen oder zum Tod führen kann (typische Signalfarbe: Orange).
CAUTION (Vorsicht): Weist auf eine Situation hin, die zu leichten oder mittleren Verletzungen führen kann (typische Signalfarbe: Gelb).
NOTICE (Hinweis): Dient nicht dem Personenschutz, sondern weist auf potenzielle Sachschäden oder wichtige technische Besonderheiten hin (typische Signalfarbe: Blau oder Schwarz-Weiß).
ANSI Z535.4 (Product Safety Signs and Labels): Regelt, wie Warnschilder und Aufkleber direkt auf Maschinen und Produkten für den US-Markt gestaltet sein müssen.
ANSI Z535.6 (Product Safety Information in Product Manuals, Instructions, and Other Collateral Materials): Ist besonders wichtig für Technische Redakteure. Sie regelt, wie Warnhinweise innerhalb von gedruckten oder digitalen Betriebsanleitungen strukturiert, platziert und formuliert werden müssen.
Prüfungstipp auf den Punkt gebracht: Die ANSI Z535 regelt im US-Raum den verbindlichen Aufbau von Sicherheitswarnungen und Etiketten (an Produkten und in Handbüchern). Sie schreibt klare Signalwörter (Danger, Warning, Caution, Notice), Farbkonzepte und Layouts vor, um Anwender zu schützen und im Falle von Produkthaftungsklagen (Product Liability) rechtlich abgesichert zu sein.
Was regelt die ISO 3864?
Die Normenreihe ISO 3864 regelt die internationalen Anforderungen an Sicherheitsfarben und Sicherheitszeichen in Arbeitsstätten, im öffentlichen Raum und an Produkten. Ihr Hauptziel ist es, durch eine weltweit einheitliche und leicht verständliche visuelle Kennzeichnung Unfälle, Brandschäden und Gesundheitsgefahren zu verhüten sowie Rettungswege zu markieren.
Die Normenreihe ist in mehrere zentrale Teile unterteilt:
ISO 3864-1 (Design-Prinzipien): Regelt die grundlegenden Sicherheitsfarben (z. B. Rot für Verbote/Gefahr, Gelb für Warnungen, Blau für Gebote, Grün für Rettung und sicheren Zustand) sowie die dazugehörigen geometrischen Formen (Dreieck, Kreis, Quadrat).
ISO 3864-2 (Produktsicherheits-Etiketten): Bestimmt, wie Warnschilder und Sicherheitsetiketten direkt auf Produkten und Maschinen gestaltet sein müssen, um Anwender vor verbleibenden Risiken zu warnen.
ISO 3864-3 (Grafische Symbole): Enthält Gestaltungsregeln für die Erstellung von Symbolen, die in Sicherheitszeichen verwendet werden.
ISO 3864-4 (Farbbeschaffenheit): Legt die exakten kolorimetrischen und photometrischen Eigenschaften (Farbwerte und Lichttechniken) fest, damit Sicherheitsfarben unter verschiedenen Bedingungen eindeutig erkennbar sind.
Im globalen Kontext bildet die ISO 3864 das internationale Gegenstück zu US-amerikanischen Standards wie der ANSI Z535. Technische Redakteure nutzen die Vorgaben der ISO 3864, um Piktogramme und Warnfarben in Betriebsanleitungen und auf Maschinenschildern normgerecht zu gestalten, damit sie Sprachbarrieren überwinden und weltweit intuitiv verstanden werden.
Prüfungstipp auf den Punkt gebracht: Die ISO 3864 regelt die weltweite Normierung von Sicherheitsfarben, geometrischen Formen und Sicherheitszeichen zur Unfallverhütung und Gefahrenabwehr (wichtig für Piktogramme und Produktschilder in der Technischen Dokumentation).
Was regelt die DIN EN 82079?
Die Norm DIN EN IEC 82079-1 (oft einfach DIN EN 82079-1 genannt) ist die internationale und europäische Grundnorm für die Erstellung von Gebrauchsanleitungen (engl. Preparation of instructions for use — Structuring, content and presentation).
Sie gilt branchenübergreifend für fast alle Arten von technischen Produkten – egal ob Haushaltsgeräte, Industriemaschinen oder Software – und regelt, wie verständliche, sichere und nutzerfreundliche Anleitungen aufgebaut sein müssen.
Die Norm regelt im Wesentlichen folgende Kernbereiche:
Nutzerorientierung: Informationen müssen exakt auf die jeweilige Zielgruppe (z. B. Laien vs. Fachpersonal) und deren Wissensstand abgestimmt sein.
Gebrauchstauglichkeit (Usability): Die Dokumentation muss so gestaltet sein, dass Anwender die benötigten Informationen schnell finden, verstehen und fehlerfrei umsetzen können.
Sprachliche und visuelle Klarheit: Vorgaben für eine einfache, prägnante Sprache (kontrollierte Sprache) und den sinnvollen Einsatz von Grafiken und Piktogrammen.
Die Norm legt fest, welche Mindestbestandteile eine Betriebsanleitung enthalten muss, darunter:
Bestimmungsgemäße Verwendung und Vorhersehbare Fehlbedienung
Transport, Montage und Installation
Bedienung und Betrieb des Produkts
Wartung, Pflege und Instandhaltung
Fehlerbehebung (Troubleshooting) und Entsorgung
Ein zentraler Aspekt ist die korrekte Einbindung von Warnhinweisen und Restrisiken. Die Norm definiert, wie Sicherheitsinformationen optisch hervorgehoben und direkt vor den jeweiligen Handlungsanweisungen platziert werden müssen, um Unfälle zu verhindern.
Die Norm betrachtet die Technische Dokumentation als Teil des gesamten Produktlebenszyklus. Sie regelt nicht nur die Erstellung, sondern auch die Aktualisierung, die Bereitstellung in verschiedenen Medien (Print, digital, Online-Portale) und die Kennzeichnung von Versionsständen.
Prüfungstipp auf den Punkt gebracht: Die DIN EN IEC 82079-1 ist die wichtigste branchenübergreifende Leitnorm für Technische Redakteure. Sie regelt die grundlegenden Anforderungen an Struktur, Inhalt, Verständlichkeit und Sicherheit von Gebrauchsanleitungen für technische Produkte aller Art.
Was regelt die DIN ISO 9000?
Die DIN EN ISO 9000 (oft einfach ISO 9000 genannt) regelt die Grundlagen und Begriffe des Qualitätsmanagements (engl. Quality management systems — Fundamentals and vocabulary). Sie ist das konzeptionelle Fundament der gesamten ISO-9000-Normenfamilie.
Im Gegensatz zu ihrer bekannten Schwester, der ISO 9001, kann man sich nach der ISO 9000 nicht zertifizieren lassen. Sie enthält keine konkreten Prüf- oder Checklistenanforderungen für Unternehmen, sondern erfüllt zwei wesentliche Aufgaben:
Die Norm schafft ein einheitliches, branchenübergreifendes Verständnis für alle wesentlichen Fachbegriffe, die im Qualitätsmanagement (QM) genutzt werden. Dazu gehören Definitionen für:
Qualität: Der „Grad, in dem ein Satz inhärenter Merkmale eines Objekts Anforderungen erfüllt“ (also das Verhältnis zwischen Erwartung und tatsächlicher Erfüllung).
Prozess: Ein „Satz zusammenhängender oder sich gegenseitig beeinflussender Tätigkeiten, der Eingaben in Ergebnisse umwandelt“.
Qualitätsmanagementsystem (QMS): Ein Teil eines Managementsystems bezüglich der Qualität (inkl. Strukturen, Verantwortlichkeiten und Prozessen).
Die ISO 9000 definiert die sieben universellen Leitprinzipien, auf denen jedes moderne und funktionierende Qualitätsmanagementsystem aufbaut:
Kundenorientierung: Ausrichtung aller Aktivitäten auf die Erfüllung und das Übertreffen von Kundenanforderungen.
Führung: Klare Ziele und Vorbildfunktion der Führungsebene, um ein motivierendes Umfeld zu schaffen.
Engagement von Personen: Einbindung, Kompetenzförderung und Wertschätzung aller Mitarbeitenden.
Prozessorientierter Ansatz: Ganzheitliche Steuerung von Abläufen statt isolierter Abteilungsdenkweise.
Verbesserung: Das Streben nach einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP / PDCA-Zyklus).
Faktengestützte Entscheidungsfindung: Entscheidungen auf Basis von Daten, Analysen und Kennzahlen treffen (statt auf reinen Bauchgefühl).
Beziehungsmanagement: Nachhaltige Pflege von Beziehungen zu Lieferanten, Partnern und anderen Stakeholdern.
Während die ISO 9001 die konkreten Anforderungen für die Zertifizierung eines Qualitätsmanagementsystems regelt, liefert die ISO 9000 das theoretische Fundament, definiert die Fachbegriffe und beschreibt die 7 Grundsätze des Qualitätsmanagements.
Inwiefern betrifft die DIN ISO 9000 die Technische Dokumentation?
Die ISO 9000 definiert einen Prozess als eine Abfolge von Tätigkeiten, die Eingaben in Ergebnisse umwandeln. Für die Technische Dokumentation bedeutet das:
Eine Betriebsanleitung entsteht nicht „zufällig“ oder auf den letzten Drücker vor der Auslieferung, sondern folgt einem definierten Erstellungsprozess (z. B. Recherche, Konzeption, Schreiben, Terminologieprüfung, Übersetzung, Review und Freigabe).
Dieser Prozess muss im Qualitätsmanagementsystem (QMS) dokumentiert und geregelt sein (z. B. über Arbeitsanweisungen im Redaktionsleitfaden).
Einer der 7 QM-Grundsätze ist die Kundenorientierung. In der Technischen Dokumentation schlägt sich das direkt nieder in:
Gebrauchstauglichkeit (Usability): Das Endprodukt (die Anleitung) muss so beschaffen sein, dass der Kunde (Anwender, Servicetechniker) sein Problem schnell und sicher lösen kann.
Die Information muss exakt auf die Wissensstufe der Zielgruppe zugeschnitten sein (keine Über- oder Unterforderung).
Ein zentraler Aspekt von ISO-konformen Systemen ist der kontinuierliche Verbesserungsprozess (PDCA-Zyklus).
Wenn Kunden sich beim Support über unklare Anleitungen beschweren oder Servicetechniker merken, dass ein Arbeitsschritt in der Montageanleitung fehlt, muss dieser Fehler systematisch erfasst und in die nächste Revision der Dokumentation einfließen.
Die Technische Dokumentation ist somit ein lebendiges Produkt, das stetig optimiert wird.
Ein funktionierendes QMS verlangt klare Zuständigkeiten. Für die Technische Dokumentation muss im Unternehmen klar geregelt sein:
Wer darf Inhalte schreiben? (Technische Redakteure)
Wer muss die technischen Fakten prüfen? (Konstruktion, Entwicklung)
Wer gibt das Dokument rechtlich und sicherheitstechnisch frei? (Produktverantwortliche, Redaktionsleitung)
Prüfungstipp auf den Punkt gebracht: Die ISO 9000 (bzw. das darauf aufbauende QMS nach ISO 9001) betrifft die Technische Dokumentation vor allem prozessual und organisatorisch. Sie sorgt dafür, dass die Erstellung von Anleitungen kein willkürlicher Zustand ist, sondern ein qualitätsgesicherter, nachvollziehbarer und kundenorientierter Unternehmensprozess.
Was sind die wichtigsten Normen für die technische Redaktion?
DIN EN 82079 — Grundnorm für die Erstellung von Gebrauchsanleitungen
DIN EN ISO 12100 — Sicherheit von Maschinen (Anleitung für die Risikobeurteilung)
IEC 26514 — Systems and software engineering
IEEE 1063 — Erstellung von Software-Anwenderdokumentation
ANSI Z535 — Gestaltung von Sicherheitshinweisen
ISO 3864 — Gestaltung von Sicherheitsfarben und Sicherheitszeichen
DIN EN ISO 9000 — Grundlagen und Begriffe des Qualitätsmanagements
ISO 3864 / DIN EN ISO 7010 / ISO 3864-2: Dies ist der internationale Standard für Sicherheitsfarben, -zeichen und Produktsicherheitslabels. Er arbeitet stark mit genormten Symbolen (Piktogrammen in Dreiecken, Kreisen etc.) und einer festen Farbcodierung.
Was ist der Unterschied zwischen Richtlinien, Verordnungen und Gesetzen?
Was sie sind: Gesetze sind formelle, allgemein verbindliche Rechtsnormen, die vom Parlament (z. B. dem Deutschen Bundestag oder dem US-Kongress) nach einem festgelegten demokratischen Verfahren beschlossen werden.
Verbindlichkeit: Sie gelten unmittelbar und uneingeschränkt für alle Bürger, Unternehmen und Behörden im Geltungsbereich.
Charakteristik: Gesetze bilden das rechtliche Fundament und regeln grundsätzliche Fragen (z. B. das Produktsicherheitsgesetz). Sie sind oft abstrakt-generell gehalten und müssen häufig durch Verordnungen näher ausgeführt werden.
Was sie sind: Verordnungen sind ebenfalls rechtlich verbindliche Regeln, sie werden jedoch nicht direkt vom Parlament erlassen, sondern von der Exekutive (also der Regierung, Ministerien oder Behörden). Das Parlament muss der Regierung im jeweiligen Gesetz dafür eine Ermächtigung (Verordnungsermächtigung) erteilen.
Besonderheit im EU-Recht: Im europäischen Recht hat der Begriff eine noch stärkere Bedeutung: Eine EU-Verordnung gilt nach ihrem Inkrafttreten unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten und muss nicht erst in nationales Recht umgesetzt werden (z. B. die EU-Maschinenverordnung).
Charakteristik: Sie enthalten konkrete Ausführungsvorschriften, technische Details oder Grenzwerte, die flexibler und schneller angepasst werden können als Gesetze.
Was sie sind: Richtlinien sind Rechtsakte der Europäischen Union (oder anderer internationaler Organisationen), die sich an die Mitgliedstaaten richten und nicht direkt an den Bürger.
Verbindlichkeit (Umsetzungspflicht): Eine EU-Richtlinie gibt ein verbindliches Ziel vor, das die Mitgliedstaaten bis zu einem bestimmten Stichtag in nationales Recht umsetzen müssen (z. B. durch ein nationales Gesetz oder eine Verordnung).
Charakteristik: Die Mitgliedstaaten haben bei der Umsetzung (der sogenannten Transposition) einen gewissen Spielraum hinsichtlich der Form und der Methoden. Erst durch die nationale Umsetzung greift die Richtlinie für die Unternehmen und Bürger vor Ort (z. B. wurde die alte EU-Maschinenrichtlinie in Deutschland durch das Produktsicherheitsgesetz und entsprechende Verordnungen umgesetzt).
Vergleich auf den Punkt gebracht:
Ein Gesetz kommt vom Parlament und gilt direkt.
Eine Verordnung kommt von der Regierung/Behörde und konkretisiert Gesetze (oder gilt als EU-Verordnung sofort in der gesamten EU).
Eine Richtlinie (EU) gibt ein Ziel vor, das die Länder erst noch in nationales Recht umwandeln müssen.
Für welche Produkt gilt die Maschinenrichtlinie?
Die Maschinenrichtlinie (bzw. die novellierte Maschinenverordnung (EU) 2023/1230) gilt für eine breite Palette technischer Produkte. Der Geltungsbereich umfasst im Wesentlichen sechs Produktkategorien sowie einen wichtigen Sonderfall:
Eine Gesamtheit von untereinander verbundenen Teilen oder Vorrichtungen, von denen mindestens eines beweglich ist und die für eine bestimmte Anwendung zusammengefügt sind (z. B. Werkzeugmaschinen, Industrie-Roboter, Verpackungsanlagen).
Wichtiges Kriterium: Sie verfügen über ein eigenes Antriebssystem (das nicht direkt durch menschliche oder tierische Muskelkraft erzeugt wird).
Geräte, die nach der Inbetriebnahme einer Maschine vom Betreiber selbst angebracht werden, um die Funktion der Maschine zu verändern oder um eine neue Funktion hinzuzufügen (z. B. Anbaugeräte für Baumaschinen oder landwirtschaftliche Traktoren).
Bauteile, die eine Sicherheitsfunktion erfüllen, eigenständig auf den Markt gebracht werden und deren Ausfall die Sicherheit von Personen gefährdet (z. B. Lichtgitter, Not-Halt-Schalter, verriegelnde Schutzeinrichtungen).
Bauteile oder Ausrüstungen, die nicht an den Hebezeugen befestigt sind, sondern das Halten oder Ergreifen der Last ermöglichen (z. B. Hebegreifer, Traversen, Vakuumheber).
Speziell für Hebezwecke konstruierte und hergestellte Ketten, Seile und Gurte, die als Teil von Hebezeugen oder Lastaufnahmemitteln eingesetzt werden.
Mechanische Kraftübertragungsgeräte zur Verbindung einer Zugmaschine/eines Traktors mit einer angetriebenen Maschine.
Baugruppen, die zwar fast eine Maschine darstellen, für sich genommen aber keine bestimmte Anwendung erfüllen können (z. B. ein einzelner Industriemotor oder ein Getriebe). Für sie gilt nicht die vollständige CE-Konformitätserklärung, sondern eine spezielle Einbauerklärung.
Nennen Sie 3 mögliche Kategorien (Buchstaben), in die Normen eingeteilt werden können. Beschreiben Sie kurz die jeweilige Kategorie.
Typ-A-Normen: Grundlegende Sicherheitsnormen mit allgemeinen Gestaltungsleitsätzen für alle Maschinen.
Typ-B-Normen: Sicherheitsbezogene Fachnormen für bestimmte Aspekte (B1) oder Schutzeinrichtungen (B2).
Typ-C-Normen: Maschinenspezifische Normen für konkrete Maschinengruppen.
Beschreibung: Diese Normen enthalten grundlegende Begriffe, Gestaltungsleitsätze und allgemeine Prinzipien, die für alle Arten von Maschinen anwendbar sind. Sie bilden das Fundament der Maschinensicherheit.
Beispiel: DIN EN ISO 12100 (Allgemeine Gestaltungsleitsätze zur Risikobeurteilung und Risikominderung).
Beschreibung: Diese Normen behandeln einen spezifischen Sicherheitsaspekt oder eine bestimmte Art von Schutzeinrichtung, die für eine Vielzahl von Maschinen verwendet werden kann. Sie sind unterteilt in:
Typ B1: Für spezifische Sicherheitsaspekte (z. B. Sicherheitsabstände gegen das Erreichen von Gefahrstellen, Lärm).
Typ B2: Für bestimmte Schutzeinrichtungen (z. B. Zweihandschaltungen, Verriegelungseinrichtungen).
Beispiel: DIN EN ISO 13849-1 (Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen).
Beschreibung: Dies sind produktspezifische Normen, die detaillierte Sicherheitsanforderungen für eine bestimmte Maschinenart oder eine definierte Gruppe von Maschinen festlegen (z. B. für Industrieroboter, Verpackungsmaschinen oder Holzbearbeitungsmaschinen). Wenn eine C-Norm existiert, hat sie Vorrang vor den allgemeineren A- und B-Normen.
Beispiel: DIN EN ISO 10218 (Sicherheitsanforderungen für Industrieroboter).
Wer erarbeitet eine Norm?
In den Normungsausschüssen arbeiten ehrenamtliche Experten aus verschiedenen Bereichen zusammen, um sicherzustellen, dass eine Norm technisch machbar, sicher und wirtschaftlich sinnvoll ist. Typischerweise sind folgende Interessengruppen (die sogenannten Kreise) beteiligt:
Hersteller und Industrie: Sie bringen ihr technisches Know-how ein und wissen, was produktionstechnisch und wirtschaftlich umsetzbar ist.
Anwender und Betreiber: Sie achten darauf, dass die Produkte in der Praxis gut zu handhaben und sicher im Betrieb sind.
Wissenschaft und Forschung: Sie liefern fundierte, wissenschaftliche und technologische Erkenntnisse (z. B. zu Materialeigenschaften oder physikalischen Grenzen).
Behörden, Versicherungen und Gesetzgeber: Sie sorgen dafür, dass die gesetzlichen Sicherheitsanforderungen und der Arbeitsschutz gewahrt bleiben.
Verbraucherschutz und Prüforganisationen (z. B. TÜV): Sie vertreten die Interessen der Endnutzer und der unabhängigen Sicherheitsexperten.
Antrag & Konsens: Jede interessierte Partei kann einen Antrag auf Normung stellen. Wenn ein Bedarf besteht, wird ein Gremium (Normungsausschuss) einberufen.
Entwurf & Öffentlichkeitsbeteiligung: Der Arbeitskreis erarbeitet einen Entwurf. Dieser wird als Norm-Entwurf öffentlich veröffentlicht (z. B. als DIN-Entwurf).
Einspruchsverfahren: Während dieser Phase kann die Öffentlichkeit (Unternehmen, Verbände, Privatpersonen) Einwände oder Verbesserungsvorschläge einreichen.
Konsensfindung & Veröffentlichung: Alle Einsprüche werden im Ausschuss geprüft und diskutiert. Erst wenn ein Konsens (eine breite Übereinstimmung) erzielt ist, wird die endgültige Norm offiziell veröffentlicht.
Prüfungstipp auf den Punkt gebracht: Normen werden von Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Behörden und Verbänden in ehrenamtlichen Ausschüssen erarbeitet. Sie entstehen nach dem Prinzip des Konsenses und unterliegen vor ihrer Veröffentlichung einem öffentlichen Einspruchsverfahren.
Welche nationalen oder internationalen Normungsinstitute kennen Sie?
ISO (International Organization for Standardization)
Bedeutung: Die weltgrößte Vereinigung nationaler Normungsorganisationen. Sie deckt fast alle technischen Bereiche ab (außer Elektrotechnik und Telekommunikation).
IEC (International Electrotechnical Commission)
Bedeutung: Das internationale Pendant zur ISO, spezialisiert auf Elektrotechnik, Elektronik und verwandte Technologien.
CEN (European Committee for Standardization / Europäisches Komitee für Normung)
Bedeutung: Erarbeitet europäische Normen (EN), die oft parallel als ISO-Normen abgestimmt werden (z. B. CEN/ISO-Kooperation).
CENELEC (European Committee for Electrotechnical Standardization)
Bedeutung: Das europäische Pendant für den elektrotechnischen Bereich (arbeitet eng mit der IEC zusammen).
ETSI (European Telecommunications Standards Institute)
Bedeutung: Zuständig für Normen im Bereich der Telekommunikation und Rundfunktechnik (z. B. Mobilfunkstandards).
Jedes industrialisierte Land hat meist ein führendes, staatlich anerkanntes Normungsinstitut:
DIN (Deutsches Institut für Normung e. V.) – Deutschland
BSI (British Standards Institution) – Großbritannien
AFNOR (Association Française de Normalisation) – Frankreich
ANSI (American National Standards Institute) – USA (ANSI selbst schreibt meist keine Normen, koordiniert und akkreditiert aber US-Standards wie ASME, ASTM oder IEEE).
SAC (Standardization Administration of China) – China (verantwortlich für die nationalen GB-Standards).
JISC (Japanese Industrial Standards Committee) – Japan (verantwortlich für die JIS-Standards).
Prüfungstipp auf den Punkt gebracht: Auf internationaler Ebene dominieren ISO (allgemein) und IEC (Elektrotechnik). In Europa greifen CEN und CENELEC, deren Standards (EN) oft direkt in nationale Regeln wie das deutsche DIN übernommen werden.
Was ist die ICEE?
Das IECEE (vollständig: IEC System for Conformity Assessment Schemes for Electrotechnical Equipment and Components) ist keine eigenständige Normungsorganisation, sondern ein weltweites System zur Konformitätsbewertung und Zertifizierung im Bereich der Elektrotechnik. Es ist direkt bei der internationalen Normungsorganisation IEC angesiedelt.
Für Hersteller, die international elektrische oder elektronische Geräte (von Haushaltsgeräten bis hin zu IT-Komponenten) vertreiben wollen, spielt das IECEE eine extrem wichtige Rolle:
Das bekannteste Instrument des IECEE ist das sogenannte CB-Verfahren (Certification Body Scheme). Es löst ein massives globales Problem im Export:
Das Problem: Wenn ein Unternehmen ein elektronisches Produkt in 20 verschiedene Länder exportieren möchte, verlangt theoretisch jedes Land eigene nationale Prüfungen, Zertifikate und Testberichte nach den dortigen Vorschriften. Das kostet enorm viel Zeit und Geld.
Die Lösung durch das IECEE: Das CB-System basiert auf dem Prinzip: „One test, accepted worldwide“ (Ein Test, weltweit anerkannt).
Ein anerkanntes Prüflabor (CBTL) testet das Produkt einmalig auf Basis internationaler IEC-Normen.
Es stellt einen universellen Prüfbericht und ein CB-Zertifikat aus.
Mit diesem Zertifikat kann das Produkt bei den nationalen Zertifizierungsstellen (NCBs) in über 50 teilnehmenden Ländern (darunter die EU-Staaten, die USA, China, Japan u. a.) eingereicht werden. Die nationalen Behörden erkennen den Test in der Regel ohne erneute technische Prüfungen an und ertegen die nationale Zulassung.
Reibungsloserer Marktzugang: Es beschleunigt die weltweite Produkteinführung drastisch, da technische Barrieren abgebaut werden.
Schnittstelle zur Dokumentation: Zu einem vollständigen CB-Prüfzertifikat und der anschließenden nationalen Zulassung gehört immer auch die Prüfung, ob die landessprachliche Dokumentation, die Warnhinweise und die Typenschilder den jeweiligen normativen Anforderungen des Zielmarktes entsprechen.
Was ist die DIN?
Langversion: Deutsches Institut für Normung e. V.
Beschreibung: DIN ist die nationale Normungsorganisation Deutschlands mit Sitz in Berlin. Sie ist ein eingetragener Verein, der in Zusammenarbeit mit Wirtschaft, Wissenschaft, Staat und Gesellschaft nationale Normen (DIN-Normen) erarbeitet. Ziel ist die Rationalisierung, Qualitätssicherung, Sicherheit und Verständigung in der Wirtschaft und Technik. Viele nationale DIN-Normen fließen direkt in europäische (EN) oder internationale (ISO) Normen ein.
Was ist die ISO?
Langversion: International Organization for Standardization (Hinweis: ISO ist kein Akronym, sondern leitet sich vom griechischen Wort „isos“ (gleich) ab, weshalb die Abkürzung weltweit einheitlich ISO lautet).
Beschreibung: Die ISO ist die internationale Vereinigung nationaler Normungsorganisationen mit Sitz in Genf, Schweiz. Sie entwickelt und veröffentlicht weltweite, freiwillige Standards für fast alle Bereiche von Wirtschaft, Technologie und Wissenschaft (mit Ausnahme der Elektrotechnik und Telekommunikation). Die ISO sorgt für globale Kompatibilität und erleichtert den internationalen Handel.
Was ist die IEC?
Langversion: International Electrotechnical Commission (Internationale Elektrotechnische Kommission)
Beschreibung: Die IEC ist ebenfalls eine weltweite Organisation mit Sitz in Genf, Schweiz. Im Gegensatz zur ISO ist die IEC jedoch exklusiv auf den Bereich der Elektrotechnik, Elektronik und verwandte Technologien (wie Energietechnik, Halbleiter oder Informationstechnik) spezialisiert. Sie erarbeitet internationale Normen und betreibt weltweite Konformitätsbewertungssysteme (wie z. B. das zuvor erwähnte IECEE/CB-System).
Wie wird eine Norm international (und umgekehrt)?
Der Weg einer Norm verläuft meist in Form von Kooperationen und Übernahmeabkommen zwischen den Organisationen (wie der Vienna Agreement zwischen ISO und CEN). Die Richtungen funktionieren wie folgt:
1. Der Weg von unten nach oben (National zu International / Europäisch)
Ein nationales Institut (z. B. das DIN in Deutschland) entwickelt einen neuen technischen Ansatz oder Standard, weil ein Bedarf in der Industrie besteht.
Wenn dieses Thema auch für andere europäische oder globale Märkte relevant ist, wird der Entwurf an das europäische (CEN) oder internationale (ISO) Gremium herangetragen.
Nach erfolgreichen Abstimmungen und Konsensverfahren wird daraus eine EN- oder ISO-Norm.
2. Der Weg von oben nach unten (International zu National / „Harmonisierung“)
Eine internationale Organisation (z. B. die ISO) erarbeitet einen weltweiten Standard.
Europäische Harmonisierung: Das CEN prüft diese ISO-Norm und übernimmt sie (oft fast textgleich) als Europäische Norm (EN ISO).
Nationale Übernahme: Die nationalen Mitgliedsorganisationen (wie das DIN in Deutschland, die AFNOR in Frankreich oder das BSI in Großbritannien) sind im Regelfall verpflichtet, diese europäische Norm als nationale Norm in ihr eigenes System zu spiegeln.
Im Zuge dieser Übernahme wird die bisherige nationale Norm (sofern sie im Widerspruch stand) zurückgezogen, und es entsteht die offizielle DIN EN ISO-Norm, die nun im ganzen Land einheitlich angewendet werden kann.
Zusammenfassend: Durch weltweite und europäische Kooperationen wird sichergestellt, dass das Rad nicht in jedem Land neu erfunden wird. Normen wandern meist als internationale oder europäische Vorlage in die nationalen Regelwerke und sorgen so für globale Kompatibilität und einen reibungslosen internationalen Handel.
Was ist das Ziel der internationalen Normung?
Beseitigung von Handelshemmnissen: Wenn verschiedene Länder unterschiedliche technische Anforderungen haben, wird der Export massiv erschwert. Einheitliche internationale Normen sorgen dafür, dass Produkte weltweit nach denselben Kriterien gebaut und geprüft werden können.
Sicherheit und Schutz: Der Schutz von Mensch, Tier, Umwelt und Sachgütern steht im Vordergrund. Internationale Normen definieren einen weltweiten Mindeststandard für Sicherheit (z. B. im Maschinenbau oder bei Elektrotechnik).
Kompatibilität und Interoperabilität: Sie stellen sicher, dass Produkte, Systeme und Software verschiedener Hersteller weltweit problemlos miteinander funktionieren und zusammenpassen (z. B. in der Informationstechnik oder Telekommunikation).
Wirtschaftlichkeit und Effizienz: Durch gemeinsame Standards wird die Produktion rationalisiert, die Entwicklung beschleunigt und Kosten für Unternehmen gesenkt, da das "Rad nicht in jedem Land neu erfunden" werden muss.
Verständigung und Vertrauen: Sie schaffen eine globale "technische Sprache", die Transparenz und Vertrauen zwischen Herstellern, Kunden, Behörden und Prüforganisationen über Ländergrenzen hinweg ermöglicht.
Was ist der Unterschied zwischen einer horizontalen und einer vertikalen Norm?
Definition und Reichweite: Horizontale Normen gelten bereichsübergreifend für eine sehr große, universelle Vielzahl von Produkten oder Maschinen, unabhängig von ihrer spezifischen Branche oder Art. Sie regeln grundlegende Sicherheitsaspekte, Prinzipien oder Prüfverfahren.
Bezug auf das Normensystem: Sie entsprechen den Typ-A-Normen (grundlegende Gestaltungsleitsätze wie die DIN EN ISO 12100) und Typ-B-Normen (allgemeine Sicherheitsaspekte oder Schutzeinrichtungen wie Sicherheitsabstände oder Not-Halt).
Beispiel: Eine Norm für Not-Halt-Einrichtungen gilt für fast jede Maschine, egal ob Fräsmaschine, Förderband oder Industrieroboter – sie ist daher horizontal angelegt.
Definition und Reichweite: Vertikale Normen sind branchen- oder produktspezifisch. Sie richten sich gezielt auf eine bestimmte Maschinenart oder eine eng definierte Gruppe von Produkten aus.
Bezug auf das Normensystem: Sie entsprechen den Typ-C-Normen (z. B. Sicherheitsanforderungen für Verpackungsmaschinen, Holzbearbeitungsmaschinen oder Industrieroboter).
Besonderheit (Priorität): Wenn für eine spezifische Maschine eine vertikale (Typ-C-)Norm existiert, hat diese im Regelfall Vorrang vor den allgemeineren horizontalen Normen, da sie die speziellen Gefahren dieser einen Maschinenart am genausten abdeckt.
Auf den Punkt gebracht:
Horizontal = Übergreifend für viele Maschinen (wie die Basisregeln oder allgemeine Schutzeinrichtungen).
Vertikal = Speziell für eine bestimmte Maschinenart (maßgeschneidert für einen konkreten Maschinentyp).
Nennen und erläutern Sie stichpunktartig 5 Grundsätze der Normungsarbeit.
1. Freiwilligkeit
Erläuterung: Die Erarbeitung einer Norm sowie deren spätere Anwendung geschehen prinzipiell auf freiwilliger Basis. Es gibt keinen gesetzlichen Zwang, eine Norm zu nutzen – es sei denn, der Gesetzgeber oder Vertragspartner schreiben dies explizit vor (z. B. zur Erfüllung gesetzlicher Schutzziele).
2. Beteiligung aller interessierten Kreise (Allparteilichkeit)
Erläuterung: Normen werden nicht im stillen Kämmerlein geschrieben. An den Ausschüssen wirken alle relevanten Parteien mit (Hersteller, Anwender, Wissenschaft, Behörden und Verbraucherschutz). Dadurch wird sichergestellt, dass keine einseitigen Wirtschaftsinteressen dominieren.
3. Konsensprinzip
Erläuterung: Der Inhalt einer Norm wird nicht per Mehrheitsentscheid durchgedrückt, sondern im Zuge eines fairen Ausgleichs erarbeitet. Das Ziel ist eine von allen Beteiligten getragene, allgemeine Zustimmung (ein sachlich begründeter Konsens).
4. Öffentlichkeit und Transparenz
Erläuterung: Bevor eine Norm in Kraft tritt, wird sie als öffentlich zugänglicher Norm-Entwurf veröffentlicht. In einer festgelegten Frist kann jedermann (die Öffentlichkeit) Einwände oder Verbesserungsvorschläge einreichen, die im Gremium geprüft und verhandelt werden müssen.
5. Ausrichtung am Stand von Wissenschaft und Technik
Erläuterung: Normen sind keine starren Dogmen, sondern spiegeln den aktuellen, technologisch und wissenschaftlich machbaren Entwicklungsstand wider. Sie werden fortlaufend überprüft und an technische Innovationen angepasst.
Auch wenn das Ziel der Konsens ist, sind Normen keineswegs immer "rein objektiv". Sie sind oft das Ergebnis zäher Verhandlungen, bei denen wirtschaftlicher Wettbewerb und politische Interessen aufeinandertreffen.
Was versteht man unter einer Werksnorm? Wo und wofür wird sie eingesetzt?
Eine Werksnorm (auch Unternehmensnorm oder Firmennorm genannt) ist ein interner, firmenintern verbindlicher Standard, den ein einzelnes Unternehmen für seine eigenen Produkte, Prozesse, Materialien oder Dokumentationen festlegt.
Im Gegensatz zu offiziellen nationalen (z. B. DIN), europäischen (EN) oder internationalen (ISO) Normen, die von externen Gremien im Konsens erarbeitet werden, wird eine Werksnorm eigenverantwortlich vom jeweiligen Unternehmen herausgegeben. Sie gilt ausschließlich innerhalb dieses Unternehmens sowie für dessen unmittelbare Zulieferer und Vertragspartner, sofern diese vertraglich dazu verpflichtet werden.
Während klassische Werksnormen in Unternehmen oft technische Bauteile, Materialvorgaben oder Konstruktionsrichtlinien regeln, tut ein Redaktionsleitfaden exakt dasselbe für die Technische Dokumentation.
Werksnormen kommen dort zum Einsatz, wo allgemeine Normen nicht ausreichen, zu allgemein formuliert sind oder wo ein Unternehmen unternehmensspezifische Prozesse und Qualitätsansprüche durchsetzen möchte. Typische Einsatzbereiche und Zwecke sind:
Unternehmensinterne Standardisierung:
Festlegung von einheitlichen Konstruktionsrichtlinien, Bauteilen (z. B. Verwendung bevorzugter Schrauben oder Elektronikkomponenten) oder Software-Tools, um die Entwicklung zu beschleunigen und Lagerbestände zu minimieren.
Vorgaben für die Technische Dokumentation:
Definition eines unternehmensweiten Corporate Designs für Handbücher: Wie müssen Warnhinweise aussehen? Welche Typenschilder werden verwendet? Welche Terminologie (Glossare) ist verpflichtend? Wie ist die Struktur einer Betriebsanleitung aufgebaut?
Qualitätssicherung und Produktion:
Festlegung spezifischer Prüfverfahren, Fertigungstoleranzen oder Qualitätsstandards, die über die gesetzlichen Mindestanforderungen oder Standard-Normen hinausgehen, um eine gleichbleibende Produktqualität zu sichern.
Lieferantenintegration (Einkauf):
Unternehmen stellen ihre Werksnormen oft ihren Zulieferern zur Verfügung. Externe Zulieferer müssen diese Vorgaben einhalten, damit die zugelieferten Teile nahtlos in das eigene Gesamtsystem passen (Schnittstellendefinition).
Wichtiges Zusammenspiel: Eine Werksnorm darf niemals im Widerspruch zu geltenden Gesetzen (dem Spirit of the Law) stehen. Sie baut meist auf bestehenden Normen auf (z. B. wird eine DIN EN ISO Norm als Basis genommen) und verschärft oder konkretisiert diese für die speziellen Bedürfnisse des eigenen Unternehmens und dessen Produkte.
Geben Sie 3 Beispiele für mögliche Inhalte einer Werksnorm.
Inhalt: Vorgaben für die Erstellung von technischen Zeichnungen und 3D-Modellen, die über allgemeine ISO-Normen hinausgehen.
Beispiel: Festlegung, wie Passungen, Oberflächengüten, Schweißnähte oder Toleranzen in CAD-Systemen (z. B. Creo oder SolidWorks) zeichnerisch darzustellen sind, damit jeder Konstrukteur im Haus und weltweite Werke die Pläne exakt gleich lesen.
Inhalt: Festlegung von bevorzugten Standardteilen, Rohstoffen oder Lieferanten (sogenannte „Vorzugsreihen“).
Beispiel: Eine Werksnorm bestimmt, dass für alle Eigenbauten im Maschinenbau nur bestimmte Schraubengrößen, O-Ringe oder Elektromotoren eines fest definierten Herstellers verwendet werden dürfen. Das reduziert die Lagerhaltungskosten drastisch und bündelt das Einkaufsvolumen.
Inhalt: Interne Standards für Qualitätsprüfungen, Messverfahren und Abnahmekriterien in der Fertigung.
Beispiel: Eine Werksnorm regelt, wie und mit welchen Prüfmitteln eine bestimmte Schweißnaht oder elektronische Leiterplatte vor der Auslieferung getestet werden muss, inklusive der genauen Dokumentation der Messwerte im Prüfprotokoll.
Wie werden Normen rechtsverbindlich?
Wie es funktioniert: Der Gesetzgeber (oder eine Verordnungsbehörde) erlässt ein Gesetz oder eine Verordnung (z. B. eine Maschinenverordnung oder das Produktsicherheitsgesetz) und verweist darin explizit auf eine bestimmte Norm.
Beispiel: Im Text heißt es dann: „...werden die Anforderungen erfüllt, wenn die einschlägigen harmonisierten Normen (z. B. DIN EN ISO 12100) eingehalten werden.“
Wirkung: Dadurch erhalten Normen den sogenannten „Vermutungstatbestand“. Das bedeutet: Hält der Hersteller die Norm ein, wird vermutet, dass er automatisch auch die gesetzlichen Sicherheitsanforderungen (Schutzziele) einhält. (Man spricht hier oft von einer "De-facto-Verbindlichkeit").
Wie es funktioniert: Zwei Vertragspartner (z. B. ein Auftraggeber und ein Maschinenbauer) vereinbaren in einem privatrechtlichen Vertrag, dass ein Produkt oder eine Dienstleistung zwingend nach einer bestimmten Norm (oder einer Werksnorm) gefertigt und geprüft werden muss.
Wirkung: Die Norm wird damit zum vertragsrechtlichen Bestandteil. Wird die Norm nicht eingehalten, ist das ein Vertragsbruch (Mangel), was zivilrechtliche Folgen wie Schadensersatz oder Gewährleistungsansprüche nach sich ziehen kann.
Wie es funktioniert: Behörden (z. B. das Gewerbeaufsichtsamt, das Luftfahrt-Bundesamt oder TÜV-Abnahmebehörden) verlangen im Rahmen von Einzelgenehmigungen oder Betriebserlaubnissen die Einhaltung bestimmter technischer Normen, um Gefahren abzuwenden.
Wirkung: Ohne die Erfüllung dieser normbasierten Auflagen erteilt die Behörde keine Betriebserlaubnis für die Anlage oder das Produkt, wodurch es rechtlich nicht betrieben oder verkauft werden darf.
Was ist die Funktion der Checklisten in Normen?
Funktion: Sie stellen sicher, dass bei komplexen Aufgaben (wie der Konstruktion einer Maschine, einer Risikobeurteilung oder einem Qualitätsaudit) kein wichtiger Aspekt vergessen wird.
Beispiel: Die DIN EN ISO 12100 (Risikobeurteilung) enthält im Anhang oder in begleitenden Handbüchern standardisierte Gefährdungslisten (z. B. mechanische, elektrische Gefährdungen). Der Konstrukteur geht diese Liste Punkt für Punkt durch, um nachzuweisen, dass er an jede mögliche Gefahr gedacht hat.
Funktion: Sie sorgen dafür, dass Prozesse, Prüfungen oder Dokumentationen immer nach demselben Schema ablaufen – unabhängig davon, wer sie gerade durchführt.
Dadurch wird subjektives, fehleranfälliges "Raten" vermieden und eine europa- oder weltweite Vergleichbarkeit geschaffen.
Funktion: Anstatt ein dickes Normenkapitel jedes Mal komplett neu zu interpretieren, liefert eine normenbasierte Checkliste einen vorgefertigten Leitfaden.
Entwickler, Ingenieure oder Technische Redakteure können sofort sehen: Welche Kriterien muss mein Produkt erfüllen? Welche Dokumente fehlen noch? Das beschleunigt Entwicklungsprozesse massiv.
Funktion: In vielen Normen (besonders im Qualitätsmanagement nach ISO 9001 oder bei der CE-Kennzeichnung) dienen Checklisten als Nachweisführung.
Wenn ein Auditor oder eine Behörde (z. B. bei einem Unfall oder einer Marktüberwachung) wissen will, ob alle Normvorgaben eingehalten wurden, dient die abgehakte und dokumentierte Checkliste als gerichtsfester Beweis („Wir haben Punkt X, Y und Z systematisch geprüft“).
Kurz gesagt:
Checklisten in Normen verwandeln graue, abstrakte Theorie in praktische, fehlerfreie Handlungsanweisungen und geben Unternehmen die Sicherheit, alle gesetzlichen und normativen Vorgaben lückenlos erfüllt zu haben.
Welche Prüf- und Gütesiegel kennen Sie? Nennen Sie exemplarisch ein Siegel und erläutern Sie es.
CE-Kennzeichnung: Streng genommen kein „Prüfsiegel“ von einer unabhängigen Stelle, sondern eine Kennzeichnung des Herstellers in Eigenverantwortung, dass ein Produkt alle geltenden EU-Anforderungen erfüllt.
GS-Zeichen (Geprüfte Sicherheit): Ein staatlich anerkanntes deutsches Prüfzeichen für Produktsicherheit. Es wird von unabhängigen Prüfstellen (wie TÜV oder Dekra) vergeben und bestätigt, dass ein Produkt den Anforderungen des Produktsicherheitsgesetzes entspricht.
TÜV- und Dekra-Siegel: Bekannte Prüfzeichen, die die technische Sicherheit, Funktionsfähigkeit und Qualität von Autos, Maschinen, Anlagen oder Konsumgütern bescheinigen.
VDE-Zeichen: Das Zeichen des Verbands der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik. Es steht für die Prüfung elektrischer Geräte, Kabel und Komponenten hinsichtlich ihrer elektrischen Sicherheit und Brandschutzaspekte.
GSK / UL-Zeichen (Underwriters Laboratories): Ein international anerkanntes Prüfzeichen (besonders wichtig für den US-Markt), das die Einhaltung spezifischer Sicherheitsstandards bei elektrischen und industriellen Produkten bescheinigt.
ISO 9001 Zertifikat: Kein Produkt-, sondern ein Unternehmenssiegel, das bescheinigt, dass ein Betrieb ein funktionierendes Qualitätsmanagement-System eingeführt hat.
ISO 14001 / EMAS: Siegel für ein zertifiziertes Umweltmanagement-System.
Blauer Engel: Das bekannte offizielle Umweltzeichen der Bundesregierung für besonders umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen.
Öko-Test / Stiftung Warentest (Prüfzeichen): Unabhängige Test-Siegel, die Produkte auf Herz und Nieren prüfen und mit Noten (wie „sehr gut“ oder „gut“) bewerten.
CE / RoHS / WEEE (auf Elektronik): Zeugen von der Einhaltung bestimmter Umwelt- und Entsorgungsstandards (z. B. Verzicht auf gefährliche Stoffe in Elektrogeräten).
Was ist das GS-Kennzeichen?
Das GS-Kennzeichen (steht für "Geprüfte Sicherheit") ist ein staatlich anerkanntes deutsches Prüfzeichen für Produktsicherheit.
Hier sind die wichtigsten Merkmale des GS-Zeichens im Überblick:
Bedeutung: Es bescheinigt, dass ein verwendungsfertiges Produkt (wie Elektrogeräte, Werkzeuge, Möbel oder Kinderspielzeug) die Anforderungen des deutschen Produktsicherheitsgesetzes (ProdSG) hinsichtlich der Gewährleistung von Sicherheit und Gesundheitsschutz erfüllt.
Unabhängige Prüfung: Im Gegensatz zur CE-Kennzeichnung, die der Hersteller meist in Eigenverantwortung anbringt, darf das GS-Zeichen nur von einer zugelassenen, unabhängigen Prüfstelle (z. B. TÜV, Dekra oder VDE) vergeben werden. Dafür werden sowohl das Produkt im Labor getestet als auch die Produktionsstätte des Herstellers regelmäßig inspiziert.
Freiwilligkeit: Die Anbringung des GS-Zeichens ist für Hersteller freiwillig. Es dient jedoch im Handel und bei Verbrauchern als starkes Qualitäts- und Vertrauensargument, da es ein hohes Maß an geprüfter Sicherheit garantiert.
Reichweite: Obwohl es ein nationales deutsches Zeichen ist, ist es aufgrund seiner hohen Sicherheitsstandards europaweit und international im Handel hoch angesehen.
Welche Relevanz hat das GS-Kennzeichen für die techn. Dokumentation?
Eine unabhängige Prüfstelle (z. B. TÜV, VDE) darf ein GS-Zeichen nur dann vergeben, wenn das Produkt komplett geprüft wurde – und dazu gehört zwingend auch die mitgelieferte Betriebsanleitung.
Die Prüfer kontrollieren im Rahmen der Zertifizierung, ob die Dokumentation den gesetzlichen Vorgaben entspricht (z. B. ob alle notwendigen Warnhinweise vorhanden, die Restgefahren beschrieben und die Bedienung verständlich sind).
Ist die Betriebsanleitung fehlerhaft, unvollständig oder unverständlich, wird das GS-Zeichen verweigert – selbst wenn das technische Gerät absolut sicher gebaut ist.
Damit die Technische Dokumentation den strengen Anforderungen der Prüfstellen standhält, muss sie folgende Kriterien erfüllen:
Sprachliche Richtigkeit: Die Anleitung muss in der Amtssprache des Landes verfasst sein, in dem das Produkt auf den Markt kommt (in Deutschland also zwingend auf Deutsch).
Vollständigkeit der Sicherheitsinformationen: Alle durch die Risikobeurteilung ermittelten Restgefahren müssen im Text und durch korrekte Warnhinweise (z. B. nach aktuellen Normen) abgedeckt sein.
Zielgruppenorientierung: Die Handhabung des Produkts muss für den vorgesehenen Benutzer (Laie oder Fachkraft) klar und unmissverständlich erklärt sein.
In der Praxis hilft das GS-Zeichen dem Redakteur im Unternehmen enorm: Wenn die Entwicklung oder das Management an der Dokumentation sparen will („Das braucht doch keiner ausführlich zu beschreiben!“), hat der Redakteur mit dem GS-Zeichen ein rechtliches und wirtschaftliches Argument zur Hand.
Ohne eine norm- und rechtssichere Anleitung scheitert die GS-Zertifizierung, was den Markteintritt des Produkts blockiert.
Prüfungs-Wissen auf den Punkt gebracht: Das GS-Kennzeichen ist für die Technische Redaktion der Beweis, dass die Betriebsanleitung kein lästiges "Anhängsel" ist, sondern ein rechtlich relevanter Bestandteil des Produkts, ohne den die erfolgreiche Prüfung und Vergabe des Zeichens unmöglich ist.
Was müssen techn. Redakteure bei der Anwendung von Normen im Unternehmen grundsätzlich beachten?
Der Grundsatz: Normen sind privatwirtschaftliche Empfehlungen und nicht automatisch Gesetz.
Was der Redakteur beachten muss: Er muss wissen, dass die Anwendung von harmonisierten Normen (z. B. im Rahmen der Maschinenverordnung) den sichersten Weg darstellt, die gesetzlichen Schutzziele zu erreichen (Vermutungswirkung). Weicht das Unternehmen von einer Norm ab, muss lückenlos dokumentiert und begründet werden, warum der gewählte Alternativweg mindestens genauso sicher ist.
Der Grundsatz: Gesetze und Richtlinien stehen immer über jeder Norm.
Was der Redakteur beachten muss: Ein Redakteur darf sich nicht blind auf eine Norm verlassen, wenn diese im Widerspruch zum Spirit of the Law (dem Sinn und Zweck des Gesetzes) steht oder veraltet ist. Gilt eine Norm beispielsweise noch, aber die Technik oder der wissenschaftliche Erkenntnisstand haben sich weiterentwickelt ("Stand von Wissenschaft und Technik"), greift im Schadensfall das Gesetz, nicht der veraltete Normtext.
Der Grundsatz: Es gibt eine strikte Rangfolge bei Sicherheitsnormen.
Was der Redakteur beachten muss: Bei der Recherche für die Dokumentation muss der Redakteur prüfen, welche Normen greifen. Existiert eine produktspezifische Typ-C-Norm (Vertikalnorm) für die Maschine, hat diese Vorrang vor den allgemeineren Typ-A- und Typ-B-Normen (Horizontalnormen). Wer hier die falsche Norm zitiert oder anwendet, dokumentiert fehlerhaft.
Prüfungs-Kernsatz: Ein Technischer Redakteur wendet Normen nicht mechanisch an, sondern nutzt sie als rechtssicheres Fundament (Vermutungswirkung), gleicht sie mit dem übergeordneten Gesetz ab und übersetzt sie unter Beachtung unternehmensinterner Vorgaben (Werksnormen/Redaktionsleitfaden) in eine rechtssichere und verständliche Dokumentation.
Welche Aufgaben übernimmt ein Lastenheft? Welche ein Pflichtenheft?
Das Lastenheft wird vom Auftraggeber (oder Kunden) erstellt. Es beschreibt die Gesamtheit der Forderungen an die Lieferungen und Leistungen eines Projekts.
Funktionen und Aufgaben:
Bedarfsbeschreibung: Definition was das Produkt leisten soll und welche Ziele der Auftraggeber verfolgt.
Rahmenbedingungen festlegen: Vorgabe von Budgets, Terminen, geltenden Normen, Gesetzen und Einsatzbedingungen (inklusive der Anforderungen an die Technische Dokumentation).
Grundlage für Angebote: Dient als Basis, damit verschiedene Lieferanten vergleichbare Angebote abgeben können.
Vertragsbestandteil: Wird oft Teil des Vertrages und legt fest, was am Ende geschuldet wird.
Das Pflichtenheft wird vom Auftragnehmer (oder Hersteller/Entwickler) als Antwort auf das Lastenheft erstellt. Es beschreibt detailliert, wie die Anforderungen des Lastenhefts technisch umgesetzt werden.
Realisierungskonzept: Detaillierte Beschreibung der technischen Lösung, der Architektur, der Funktionen und der einzelnen Entwicklungsschritte.
Machbarkeitsnachweis: Der Auftragnehmer zeigt, dass und auf welche Weise er die Wünsche des Kunden erfüllen kann.
Prüf- und Abnahmegrundlage: Dient am Ende des Projekts als Messlatte (Soll-Ist-Vergleich), ob das Produkt vertrags- und anforderungsgerecht geliefert wurde.
Schnittstelle für Fachabteilungen: Auch die Technische Redaktion kann hier frühzeitig einsehen, welche Produktmerkmale und Funktionen dokumentiert werden müssen.
Kurz zusammengefasst:
Lastenheft: Der Kunde sagt, was er braucht.
Pflichtenheft: Der Entwickler sagt, wie er es umsetzt.
Was regelt die "DIN EN ISO 12100 – Sicherheit von Maschinen”?
Die DIN EN ISO 12100 („Sicherheit von Maschinen – Allgemeine Gestaltungsleitsätze – Risikobeurteilung und Risikominderung“) ist die weltweit wichtigste Grundnorm (Typ-A-Norm) für die Maschinensicherheit.
Sie regelt im Wesentlichen zwei Kernbereiche für die sichere Konstruktion von Maschinen:
Die Norm gibt einen systematischen, iterativen Ablauf vor, den Hersteller durchlaufen müssen:
Bestimmung der Maschinengrenzen: (Einsatzbereich, Lebensphasen, vorhersehbare Fehlbedienung).
Identifizierung von Gefährdungen: (Mechanische, elektrische, thermische Risiken etc.).
Risikoabschätzung und -bewertung: Analyse von Schadensschwere und Eintrittswahrscheinlichkeit.
Lässt sich ein Risiko nicht konstruktiv ausschließen, schreibt die Norm eine feste Rangfolge vor:
Inhärent sichere Konstruktion: Gefahren bereits bei der Planung konstruktiv minimieren (z. B. scharfe Kanten entschärfen).
Technische Schutzmaßnahmen: Physische oder steuerungstechnische Schutzvorrichtungen anbringen (z. B. Verkleidungen, Lichtgitter, Not-Halt).
Benutzerinformation (Schnittstelle zur Technischen Dokumentation): Verbleibende Restrisiken müssen durch Warnhinweise, Piktogramme und Betriebsanleitungen kommuniziert werden.
Da die Norm im EU-Amtsblatt gelistet ist, entfaltet sie eine sogenannte Vermutungswirkung. Das bedeutet: Wer sich strikt an die DIN EN ISO 12100 hält, kann rechtlich davon ausgehen, dass er die grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen (z. B. der EU-Maschinenrichtlinie) erfüllt.
In welchem Zusammenhang bzw. wann wird eine Baumusterprüfung durchgeführt?
Bei Produkten mit erhöhtem Gefährdungspotenzial (Risikobereich):
Wenn ein Produkt zu bestimmten gesetzlich definierten Risikokategorien gehört (z. B. besonders gefährliche Maschinen nach Anhang I der Maschinenverordnung, Druckbehälter, Aufzüge oder Medizintechnik), ist eine Baumusterprüfung oft gesetzlich vorgeschrieben um die Markterlaubnis zu erhalten.
Wenn keine oder nicht alle harmonisierten Normen angewendet werden:
Normalerweise wendet ein Hersteller harmonisierte Normen an, um die Konformität selbst zu erklären. Baut ein Hersteller eine Maschine jedoch ohne oder nur teilweise nach diesen Normen (oder gibt es für neue Technologie noch gar keine passenden Normen), greift häufig verpflichtend das Verfahren der Baumusterprüfung.
Vor der Serienproduktion (Inverkehrbringen):
Die Prüfung findet im Entwicklungsprozess statt, bevor das Produkt in Serie produziert und auf den europäischen Markt gebracht wird. Das Ziel ist der Erhalt einer EU-Baumusterprüfbescheinigung.
Wie verläuft ein CE-Konformitätsbewertungsverfahren? Beschreiben Sie den Ablauf.
Ein CE-Konformitätsbewertungsverfahren ist der gesetzlich vorgeschriebene Prozess, den ein Hersteller (oder sein Bevollmächtigter) durchlaufen muss, bevor er ein Produkt mit der CE-Kennzeichnung versehen und auf dem europäischen Markt bereitstellen darf. Es ist quasi der formale Weg, um nachzuweisen, dass ein Produkt alle grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen der relevanten EU-Richtlinien oder -Verordnungen erfüllt.
Der genaue Ablauf folgt in der Regel einem strukturierten, mehrstufigen Schema:
Was passiert: Da es kein allgemeines „CE-Gesetz“ für alles gibt, muss der Hersteller zuerst herausfinden, welche spezifischen EU-Rechtsakte für sein Produkt gelten (z. B. Maschinenverordnung, EMV-Richtlinie, Niederspannungsrichtlinie).
Was passiert: Anhand der Richtlinien werden die spezifischen Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen ermittelt, die das Produkt erfüllen muss.
Was passiert: Die EU-Rechtsakte stellen sogenannte „Module“ zur Auswahl (ein Baukastensystem von Modul A bis H). Das Verfahren hängt stark vom Gefahrenpotenzial des Produkts ab:
Interne Fertigungskontrolle (Modul A): Der Hersteller prüft in Eigenregie (typisch für standardmäßige, weniger gefährliche Produkte).
Einschaltung einer Benannten Stelle (Notified Body): Bei hohem Risiko oder neuen, ungeprüften Technologien sind Module mit externer Prüfung (z. B. EU-Baumusterprüfung) vorgeschrieben.
Was passiert: Der Hersteller ermittelt systematisch alle potenziellen Gefahren des Produkts, bewertet das Risiko und dokumentiert, wie diese Gefahren konstruktiv oder durch Schutzmaßnahmen minimiert wurden.
Was passiert: Alle Nachweise werden gesammelt. Dazu gehören Konstruktionszeichnungen, Berechnungen, die Risikobeurteilung, Prüfberichte – und als zentraler, gesetzlich vorgeschriebener Bestandteil die Betriebsanleitung.
Was passiert: Der Hersteller stellt ein offizielles Dokument aus – die EU-Konformitätserklärung. Darin erklärt er rechtlich bindend in alleiniger Verantwortung, dass das Produkt die Anforderungen der geltenden EU-Vorschriften erfüllt.
Was passiert: Erst nach erfolgreichem Abschluss aller vorherigen Schritte darf das CE-Kennzeichen gut sichtbar, lesbar und dauerhaft auf dem Produkt (oder dem Typenschild) angebracht werden. Danach darf das Produkt in den Verkehr gebracht werden.
Prüfungs-Merkposten: Das CE-Konformitätsbewertungsverfahren ist keine einfache "Prüfung am Ende", sondern ein begleitender Prozess von der Entwicklung bis zur Dokumentation, der im Regelfall in Eigenverantwortung des Herstellers stattfindet – es sei denn, das Produkt hat ein erhöhtes Risiko, weshalb eine Benannte Stelle hinzugezogen werden muss.
Wer darf ein Verfahren zur CE-Konformitätsbewertung durchführen? Nennen Sie die entsprechenden Akteure.
Da das CE-Zeichen kein Prüfsiegel von Behörden ist, sondern eine rechtliche Eigenerklärung des Inverkehrbringers, liegt die Verantwortung komplett beim Unternehmen. In der Praxis arbeiten dafür verschiedene innerbetriebliche Abteilungen eng zusammen:
Konstruktion & Entwicklung: Verantwortlich für die sichergerechte Konstruktion, die Durchführung der Risikobeurteilung und die Auswahl geeigneter Normen.
Technische Redaktion: Verantwortlich für die Erstellung der sicherheitsrelevanten Technischen Dokumentation (insbesondere der Betriebsanleitung inklusive aller Restgefahren und Warnhinweise), die zwingend Teil der Akte sein muss.
Qualitätsmanagement / Compliance: Überwachen den Gesamtprozess, prüfen die Vollständigkeit der Unterlagen und stellen sicher, dass alle formalen gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden.
Die Geschäftsführung (oder ein bevollmächtigter Leiter): Unterzeichnet am Ende die EU-Konformitätserklärung in alleiniger unternehmerischer Verantwortung.
Hinweis: Falls das Produkt ein hohes Risiko aufweist und laut Richtlinie eine Benannte Stelle (z. B. TÜV) einbezogen werden muss, koordiniert das Unternehmen diesen externen Prüfprozess zwar intern, die eigentliche Konformitätsbewertung und Freigabe für den Markt bleibt jedoch eine gemeinsame Aufgabe aus interner Vorbereitung und der offiziellen Begutachtung durch den externen Dritten.
Gibt es unterschiedliche internationale gesetzliche und normative Anforderungen, die aus Herstellersicht beim Erstellen von Sicherheitshinweisen und Warnhinweisen in mehrsprachigen Benutzerinformationen und in internationaler Fachkommunikation zu beachten sind?
Die Art und Weise, wie Warnhinweise aufgebaut, farblich gestaltet und strukturiert werden, unterscheidet sich maßgeblich zwischen dem europäischen/internationalen Raum und den USA:
ANSI Z535 (insbesondere ANSI Z535.4 für Labels und ANSI Z535.6 für Dokumentationen): Dies ist der in den USA maßgebliche Standard. Er unterscheidet sich in entscheidenden Punkten von ISO:
Signalwörter: Während in Europa nach ANSI/ISO oft Gefahr/Danger, Warnung/Warning und Vorsicht/Caution genutzt werden, verlangt das US-Recht (basierend auf ANSI) eine sehr strikte Risikodifferenzierung.
Aufbau des Warnhinweises: ANSI-Warnhinweise verlangen zwingend eine strukturierte Dreiteilung: Signalwort + Art/Quelle der Gefahr + Folgen bei Nichtbeachtung + Maßnahmen zur Vermeidung. Zudem wird visuell stark mit sogenannten Safety Alert Symbols (dem Ausrufezeichen im Dreieck) und spezifischen Farb-Panels gearbeitet.
Hinweis für Redakteure: Wer Maschinen in die USA exportiert, muss oft ANSI-konforme Warnhinweise in die Dokumentation integrieren, da Produkthaftungsklagen (Product Liability) in den USA extrem streng gehandhabt werden und das Fehlen „ANSI-gerechter“ Warnungen als Konstruktions- oder Instruktionsfehler gewertet wird.
In Europa (Code Law) ist die Technische Dokumentation stark durch konkrete Gesetze und harmonisierte Normen (z. B. Maschinenverordnung) geregelt. Wer die Normen einhält, hat gute Karten.
In den USA (Case Law / Präzedenzrecht) gibt es weniger starre gesetzliche Detailvorgaben, dafür aber ein gnadenloses Zivilrecht. Wenn ein Bediener verunfallt, weil ein Warnhinweis in der Anleitung nach Ansicht einer US-Jury „nicht auffällig genug“ oder „nicht umfassend genug vor stupidity (fahrlässiger Fehlbedienung) gewarnt“ hat, drohen astronomische Schadensersatzzahlungen. Deshalb sind US-Anleitungen oft sehr viel textlastiger und „übervorsichtiger“ formuliert.
Fazit für die Prüfung:
Der Technische Redakteur darf mehrsprachige Dokumentation nicht als reine Sprachübersetzung begreifen, sondern muss sie als länderrechtliche Anpassung (Localization) verstehen. Je nach Zielmarkt müssen unterschiedliche Normenwelten (ISO/EN vs. ANSI), sprachliche Pflichtvorgaben der jeweiligen Landesgesetzgeber und kulturelle Besonderheiten bei der Gestaltung von Sicherheits- und Warnhinweisen zwingend berücksichtigt werden.
Zuletzt geändertvor 10 Tagen