Definiere den Begriff „Phobie“ anhand von mindestens drei wesentlichen Merkmalen.
Eine Phobie zeichnet sich durch eine persistente, krankhafte Angst und Panik aus, die objektbezogen ist (konkrete Auslöser). Wesentlich sind zudem das ausgeprägte Vermeidungsverhalten („Hau ab!“) sowie die vorhandene Krankheitseinsicht, also das Wissen, dass die Angst irrational bzw. unverhältnismäßig ist.
Erläutere das Vulnerabilitäts-Stress-Modell im Kontext der Entstehung von Phobien.
Dieses Modell besagt, dass die Störung durch das Zusammenwirken einer biologischen oder psychischen Vulnerabilität (Verletzbarkeit) und aktuellen belastenden Lebensereignissen (Stress) ausbricht. Zu den Vulnerabilitätsfaktoren zählen etwa genetische Veranlagungen oder eine erhöhte Sensibilität der Angstnetzwerke im Gehirn.
Welche zwei Hauptgruppen werden bei der Unterteilung von Phobien unterschieden?
Es wird zwischen isolierten oder spezifischen Phobien (bezogen auf einzelne Objekte) und kombinierten Phobien (wie Agoraphobie oder Soziale Phobie) unterschieden.
(Differentialdiagnose) Wie grenzt sich eine isolierte Phobie von einer generalisierten Angststörung ab bezüglich der Symptomfreiheit?
Bei einer isolierten Phobie herrscht in der Abwesenheit der spezifischen Auslöser Symptomfreiheit. Im Gegensatz dazu ist eine generalisierte Angst (oder frei flottierende Angst) nicht auf konkrete Objekte oder Situationen beschränkt und besteht dauerhaft.
Nenne vier Beispiele für typische Objekte oder Situationen bei isolierten Phobien (F 40.2).
Typische Beispiele sind Tiere (Spinnen, Hunde), Höhen, Flugzeuge, Donner, Dunkelheit oder Zahnarztbesuche.
Welche vegetativen Symptome können bei einer Phobie im Körper auftreten?
Es kommt zu einer „Explosion“ im Körper durch vegetative Symptome sowie Reaktionen im Bereich von Thorax (Brustkorb) und Abdomen (Bauchraum). Schwitzen, Zittern, Atemnot….
(Differentialdiagnose): Die Agoraphobie wird oft fälschlicherweise nur als „Platzangst“ bezeichnet. Was ist das eigentliche psychologische Kernproblem hinter der Angst vor weiten Plätzen oder Menschenmengen?
Das wichtigste Diagnosekriterium ist nicht der Platz an sich, sondern die Angst, keinen Fluchtweg zu haben oder im Notfall keine Hilfe zu bekommen.
Erkläre die Merkhilfe „MÖRE“ für die Agoraphobie.
„MÖRE“ steht für die typischen agoraphobischen Auslöser: Menschenmengen, Öffentliche Plätze, Reisen und Entfernung von Zuhause.
(Differentialdiagnose) Warum ist es für die Diagnose einer Agoraphobie wichtig festzustellen, ob die Symptome auf Wahn oder Zwangsgedanken beruhen?
Nach ICD-10 müssen die Symptome primäre Manifestationen der Angst sein. Beruhen sie auf anderen Symptomen wie Wahn (z. B. Verfolgungswahn) oder Zwangsgedanken, liegt primär eine andere Störung vor und keine reine Agoraphobie.
Welche Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) treten häufig zusammen mit einer Agoraphobie auf?
Agoraphobien treten häufig kombiniert mit einer Panikstörung (F 40.01) auf und sind oft komorbid mit Zwängen und Depressionen.
Was ist das Leitsymptom der Sozialen Phobie (F 40.1)?
Das Hauptmerkmal ist die Angst vor prüfender Betrachtung durch andere Menschen, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen und sich peinlich oder erniedrigend zu verhalten.
(Differentialdiagnose): Nennen Sie drei spezifische körperliche Symptome, die besonders charakteristisch für die Soziale Phobie sind und diese von anderen Phobien abgrenzen können.
Charakteristisch sind Erröten, Händezittern sowie Harndrang oder Übelkeit/Angst, sich zu erbrechen.
Welche Gefahren bestehen bei Patienten mit einer Sozialen Phobie aufgrund ihres hohen Leidensdrucks?
Es besteht eine erhöhte Gefahr für Substanzmissbrauch (z. B. Alkohol oder Benzodiazepine zur „Selbstmedikation“) sowie eine gesteigerte Suizidalität.
Welcher Abwehrmechanismus wird in der Tiefenpsychologie häufig für die Entstehung von Phobien verantwortlich gemacht?
Die Tiefenpsychologie geht von einer Symptombildung durch Verschiebung aus (Verschiebung eines inneren Konflikts auf ein äußeres Objekt).
Welche Therapieform gilt als besonders wirksam bei isolierten Phobien? Nenne zwei konkrete Verfahren.
Konfrontationstherapien (Reizkonfrontation) sind sehr wirksam. Konkrete Verfahren sind die systematische Desensibilisierung und das Flooding.
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