Was wird unter dem Begriff „Zwangsgedanken“ im Sinne einer inhaltlichen Denkstörung verstanden?
Zwangsgedanken sind ein stereotypes Wiederholen von Gedanken oder Grübeln, die oft zu einem Konzentrationsverlust auf das Wesentliche führen.
Wie lange müssen Zwangssymptome mindestens bestehen, damit die Diagnose einer Zwangsstörung nach den gängigen Kriterien gestellt werden kann?
Eine Dauer von mindestens zwei Wochen ist für die Diagnosestellung ausreichend.
Welches Merkmal ist entscheidend für die Einordnung von Gedanken und Handlungen als Zwang im Gegensatz zu einer Ich-Störung?
Die Gedanken und Handlungen müssen vom Betroffenen als seine eigenen angesehen werden, sie sind nicht von außen eingegeben worden, die stammen nicht von fremden Mächten.
Was bedeutet der Begriff „ich-dyston“ im Zusammenhang mit Zwangserkrankungen?
„Ich-dyston“ bedeutet, dass die Betroffenen ihre Zwänge als unangenehm, quälend oder sinnlos empfinden und diese nicht als zu ihrer Persönlichkeit zugehörig erleben.
Worin unterscheidet sich eine Zwangsstörung von einer zwanghaften (anankastischen) Persönlichkeitsstörung?
Eine Zwangsstörung tritt meist selektiv auf, während sich das Verhalten bei einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung in allen Lebensbereichen zeigt.
Wie unterscheidet sich das subjektive Erleben des eigenen Verhaltens bei einer Zwangsstörung von dem bei einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung?
Während Zwänge bei der Zwangsstörung ich-dyston (als fremd/sinnlos) erlebt werden, ist das Verhalten bei der Persönlichkeitsstörung ich-synton, fühlt sich also zugehörig und richtig an.
Welches wesentliche Unterscheidungsmerkmal besteht zwischen einem Zwang und einem Wahn bezüglich der Korrigierbarkeit?
Ein Wahn gilt als unkorrigierbar, während beim Zwang oft sogar der ausdrückliche Wunsch der Betroffenen besteht, das Verhalten oder die Gedanken zu korrigieren.
Welcher Entwicklungsphase wird eine Zwangsstörung in der tiefenpsychologischen Erklärung nach Freud zugeordnet?
Die Tiefenpsychologie sieht die Ursache in einer Fixierung auf die anale Phase der psychosexuellen Entwicklung.
Wie erklärt die Lerntheorie die Aufrechterhaltung von Zwangshandlungen?
Die Ausführung der Zwangshandlung führt zu einer kurzfristigen Erleichterung (Angstreduktion), was als Belohnung wirkt und das Verhalten verstärkt.
Welche Hirnregionen weisen bei Zwangsstörungen häufig eine Dysregulation auf?
Es zeigt sich oft eine Dysregulation in den Basalganglien sowie im präfrontalen Cortex.
Nenne drei typische Beispiele für Zwangshandlungen.
Kontrollzwang, also z.B. mehrfaches Prüfen von Türen, Kontrolle von Herdplatten, Fenstern oder Wasserhähnen sowie wiederholtes Zurückgehen zur Kontrolle.
Wasch- und Reinigungszwang, wiederholtes Reinigen von Gegenständen oder dem eigenen Körper aus Angst vor Kantamination.
Ordnungszwänge, bei denen alles geordnet werden muss, zum Beispiel im rechten Winkel angeordnet, immer nach Norden ausgerichtet, nach Farben oder Größe sortiert usw.
Zählzwänge, bei denen alles Möglich gezählt werden muss.
Welche psychische Erkrankung tritt besonders häufig als Komorbidität zu einer Zwangsstörung auf?
Zwangsstörungen sind oft komorbid mit Depressionen. Aber auch Angststörungen und Persönlichkeitsstörungen sind häufig sowie Suchterkrankungen.
Welche Medikamentengruppe wird standardmäßig zur Behandlung von Zwängen eingesetzt?
Es werden hochdosierte Antidepressiva aus der Gruppe der selektiven Serotonin Wiederaufnahmehemmer (SSRI) eingesetzt.
Warum werden Zwangsstörungen oft erst sehr spät professionell behandelt?
Aufgrund von Schamgefühlen und Ängsten der Betroffenen wird eine Behandlung oft verzögert, wodurch sich die Zwänge bereits festigen und ausdehnen können.
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