Aus welchen Elementen besteht das Rahmenmodell der Führung (Nerdinger)?
Führungsperson → Führungsverhalten → geführte Mitarbeiter → Führungserfolg
• Zusätzlich wirkt die Führungssituation auf den Prozess ein
Warum betrachtet man Führungsverhalten statt nur Eigenschaften der Führungsperson?
• Eigenschaftsansätze zeigen nur geringe bis moderate Zusammenhänge zwischen (angeborenen) Persönlichkeitseigenschaften und Führungserfolg
• Leitfrage daher: Welche Verhaltensweisen unterscheiden erfolgreiche von weniger erfolgreichen FK?
Definiere Führungsverhalten (Führungsstil).
Relativ stabiles Verhaltensmuster, das die Interaktion der FK mit ihren Mitarbeitenden unabhängig von der Situation beschreibt.
(in Anlehnung an Kauffeld et al., 2019)
In welche drei Kategorien lässt sich Führungsverhalten einteilen und welche Ansätze gehören dazu?
• Aufgabenorientiert: Struktur geben (Initiating Structure), transaktional (kontingente Belohnung, Management by Exception)
• Mitarbeiterorientiert: Berücksichtigung (Consideration), Empowering, Partizipativ, Servant
• Veränderungsorientiert: Transformational, Charismatisch
Was beschreibt der Ohio-Ansatz und welche zwei Dimensionen unterscheidet er?
Zweidimensionaler Führungsstil (Ohio-Studien):
• Initiating Structure = Aufgabenorientierung
• Consideration = Mitarbeiterorientierung
Beide Dimensionen sind unabhängig voneinander kombinierbar.
Was kennzeichnet eine aufgabenorientierte FK (Initiating Structure)?
• Initiiert und organisiert das Handeln der Gruppe
• Betont Einhaltung von Standards und Terminen
• Definiert und strukturiert eigene Rolle und Rollen der Gruppenmitglieder
• Entscheidet im Detail, was von wem getan wird
Was kennzeichnet eine mitarbeiterorientierte FK (Consideration)?
• Zeigt Wertschätzung für gute Arbeit
• Stärkt den Selbstwert der Mitarbeitenden
• Behandelt sie gleichwertig
• Greift Vorschläge der Mitarbeitenden auf
Was zeigen die meta-analytischen Befunde zu Initiating Structure und Consideration (Judge et al., 2004)?
• Beide wirken positiv auf Führungserfolg
• Consideration stärker bei: Führungserfolg allgemein (.52 vs. .39), MA-Zufriedenheit (.46 vs. .22), Zufriedenheit mit FK (.78 vs. .33), Motivation (.50 vs. .40)
• Bei Gruppenleistung etwa gleich (.30 IS vs. .28 C)
Beschreibe das Verhaltensgitter (Managerial Grid) von Blake und Mouton.
Zwei Achsen (je 1 bis 9): Aufgabenorientierung (x), Mitarbeiterorientierung (y)
• 1.1 Überlebensmanagement: minimale Anstrengung
• 1.9 Glacéhandschuh-Management: nur Rücksicht auf MA-Bedürfnisse
• 9.1 Befehl-Gehorsam-Management: nur Arbeitsergebnis zählt
• 5.5 Organisationsmanagement: Gleichgewicht, angemessene Leistung
• 9.9 Team-Management: hohe Leistung durch engagierte MA (Idealstil)
Nenne Stärken und Schwächen zweidimensionaler Führungsstile (Ohio, Managerial Grid). [ergänzt]
Stärken:
• Einfach, anschaulich, gut in Praxis übertragbar
• Verhalten ist erlernbar (anders als Eigenschaften)
• Empirisch belegt (Judge et al.)
Schwächen:
• Situation wird ausgeblendet (kein universell bester Stil)
• Nur zwei Dimensionen, stark vereinfacht
• 9.9 als Ideal empirisch nicht eindeutig belegt
Definiere transaktionale Führung (TSL).
Beruht auf dem lerntheoretischen Prinzip der Verstärkung: Die FK kontrolliert den Weg der MA zur Zielerreichung und die Zielerreichung selbst. Zielerreichung wird belohnt, Zielverfehlung bestraft.
(Nerdinger, 2019)
Welche zwei Komponenten hat transaktionale Führung?
(1) Kontingente Belohnung: FK lenkt Verhalten direkt durch bedingte Belohnung, v. a. Zielvereinbarungen und Rückmeldungen
(2) Management by Exception:
• passiv: Eingreifen nur im Notfall bzw. bei Zielabweichung
• aktiv: Standards setzen, Leistung überwachen, korrektiv eingreifen
→ Ergebnis: erwartete Leistung
Wodurch ist die Beziehung zwischen FK und MA bei transaktionaler Führung gekennzeichnet?
• Austauschbeziehung: Leistung gegen Gegenleistung (Belohnung)
• FK unterstützt den Prozess aktiv
• FK kennt Bedürfnisse und Qualifikationen der MA und nutzt sie zur Verhaltenssteuerung
• Extrinsische Motivation soll erreicht, erhalten bzw. gestärkt werden
Definiere Ziele.
Ziele sind bewusste Vornahmen einer Person, die sich auf zukünftige Handlungsresultate beziehen.
(Kauffeld et al., 2019)
Wofür steht SMART bei der Zielformulierung?
• Spezifisch: Ergebnis konkret beschrieben?
• Messbar: Zielerreichung eindeutig erkennbar?
• Akzeptiert: Konsens über das Ziel?
• Realistisch: umsetzbar und fordernd?
• Terminiert: Zeitpunkt der Zielerreichung festgelegt?
Erkläre die Zielsetzungstheorie nach Locke & Latham (1990).
Ziele (spezifisch, schwierig, aber erreichbar) → Wirkmechanismen → höhere Leistung
• Wirkmechanismen: Anstrengung, Ausdauer, Aktivierung, Aufmerksamkeitsausrichtung
• Einflussfaktoren: Zielbindung, ausreichende Fähigkeiten, Feedback, geeignete Arbeitsressourcen, geringe Aufgabenkomplexität
Bewerte die Zielsetzungstheorie.
Positiv:
• In konkrete Handlungsanweisungen für FK übersetzbar
• Für Einzelpersonen empirisch gut belegt (weniger für Gruppen)
Negativ:
• Zu enge Ziele: steigern Einzelleistung, schaden Kooperation und Gesamtergebnis
• Zu herausfordernde Ziele: Druck, Stress, unethisches Verhalten (gefälschte Zahlen)
• Fokus auf Leistungs-, nicht Lernziele
• Widersprüchliche Ziele und Zielanpassung nicht berücksichtigt
Definiere transformationale Führung.
Setzt an Zielen, Werten, Einstellungen und Wünschen der MA an und versucht, diese dauerhaft zu wandeln, d. h. auf eine „höhere“ Stufe zu transformieren.
Wie hängen transaktionale und transformationale Führung zusammen?
• Transaktionale Führung (kontingente Belohnung, MbE) → erwartete Leistung
• Transformationale Führung baut darauf auf (idealisierter Einfluss, inspirierende Motivation, intellektuelle Stimulation, individuelle Wertschätzung) → Leistung über die Erwartung hinaus
→ Ergänzung statt Gegensatz (Augmentationseffekt)
Nenne und erkläre die vier Basisstrategien transformationaler Führung.
• Idealisierter Einfluss (Charisma): zeigt Überzeugung, betont Vertrauen, bezieht Position, übernimmt ethische Verantwortung
• Inspirierende Motivation: attraktive Zukunftsvisionen, betont Bedeutung der Aufgaben, optimistisch und enthusiastisch
• Intellektuelle Stimulation: fördert kritische Haltung zum Status quo, belohnt kreative Lösungen
• Individualisierte Wertschätzung: berücksichtigt individuelle Bedürfnisse und Fähigkeiten
Warum ist transformationale Führung so erfolgreich?
Sie wirkt über Emotionen:
• Idealisierter Einfluss → Stolz und Respekt
• Inspirierende Motivation → Enthusiasmus und Optimismus
• Individuelle Wertschätzung → positive Emotionen durch Eingehen auf Bedürfnisse
→ Positive Emotionen der FK übertragen sich positiv auf die Emotionen der MA
Was zeigen Meta-Analysen zu transformationaler Führung (Maneethai et al., 2026)?
Positive Effekte auf:
• Arbeitsleistung, Teamleistung
• Extraproduktives Verhalten (OCB)
• Arbeitszufriedenheit, Zufriedenheit mit FK
• Vertrauen
Negative Effekte auf:
• Kontraproduktives Verhalten (CWB)
• Wechselabsichten
Nenne Stärken und Schwächen transformationaler Führung. [ergänzt]
• Höhere Leistung, Motivation und Commitment
• Fördert Innovation und Wandelbereitschaft
• Empirisch gut belegt
• Konzept unscharf, die 4 Komponenten überschneiden sich
• Stark personenzentriert („Heldenbild“), Situation vernachlässigt
• Missbrauchsgefahr durch Charisma (Manipulation)
• Abhängigkeit von der FK, Gefahr der Überforderung der MA
Vergleiche transaktionale und transformationale Führung anhand von 6 Kriterien. [ergänzt]
(transaktional vs. transformational)
• Leitgedanke: Tausch Leistung gegen Belohnung vs. Wandel von Werten durch Vision
• Koordination: Ziele, Regeln, Kontrolle vs. gemeinsame Vision und Werte
• Motivation: extrinsisch (Bonus, Sanktion) vs. intrinsisch (Sinn, Identifikation)
• Rolle FK: Verwalter, Kontrolleur vs. Vorbild, Inspirator, Coach
• Rolle MA: erfüllt vereinbarte Aufgaben vs. Mitgestalter, übertrifft Erwartungen
• Zeitlicher Fokus: kurzfristig vs. langfristig
Warum wird charismatische Führung (House, 1976) bei den verhaltenswissenschaftlichen Ansätzen behandelt?
• Charisma ist ursprünglich eine Persönlichkeitseigenschaft (eigenschaftsorientierte Ansätze)
• Charismatische FK zeigen aber typische Verhaltensweisen mit spezifischer Wirkung auf die Geführten
• Forschung konzentriert sich daher auf diese Verhaltensweisen
Nenne Eigenschaften, Verhaltensweisen und Wirkungen charismatischer Führung nach House.
Eigenschaften: Dominanz, Selbstbewusstsein, Wunsch Einfluss zu nehmen, starke moralische Werte
Verhalten: Vorbild sein, Kompetenz zeigen, Ziele artikulieren, hohe Erwartungen kommunizieren, Vertrauen ausdrücken, Emotionen wecken
Wirkung auf Follower: Vertrauen in FK und Vision, Loyalität/Gefolgschaft, Identifikation mit Vision, Zuneigung, emotionale Beteiligung, hohe Ziele
Definiere Empowering Leadership (ermächtigende Führung).
Befähigung der MA, ihre arbeitsbezogenen Aktivitäten eigenständig und zielgerichtet zu gestalten und sich selbst zu motivieren.
(Stock-Homburg & Groß, 2019)
Grenze Empowering Leadership von Self-Leadership und psychologischem Empowerment ab.
• Self-Leadership: Folge von EL, MA werden befähigt, sich selbst zu führen
• Psychologisches Empowerment: kognitiv-motivationaler Zustand der MA aus Sinnhaftigkeit, Kompetenz, Selbstbestimmung und Einfluss. EL kann ihn fördern und dadurch Arbeitsergebnisse verbessern
→ EL = Verhalten der FK, die anderen beiden = Ergebnis bzw. Zustand beim MA
Was ist der gemeinsame Kern der verschiedenen Konzeptualisierungen von Empowering Leadership?
Führungsverhalten, das die Geführten beständig unterstützt und ihr autonomes Verhalten ermöglicht.
Typische Elemente: Vorbild sein, Partizipation an Entscheidungen, Coaching, Informieren, Autonomie gewähren, Sinnhaftigkeit stärken, Vertrauen in hohe Leistung ausdrücken
Vergleiche klassische (transaktionale) und ermächtigende Führung.
(klassisch vs. Empowering)
• Ziel: Verhaltensbeeinflussung vs. zielorientierte Selbststeuerung der MA
• Mechanismus: Fernsteuerung durch FK vs. Selbstführung durch MA
• Verhalten: Anweisungen, Zielvereinbarungen, Belohnungen, Überzeugung vs. Befähigung zur Selbstführung, Belohnung positiver Selbstführung, Self-Leadership-Kultur
• Reaktion MA: berechnender Gehorsam bzw. Commitment zur Vision der FK vs. unternehmerisches Denken, Commitment zu eigenen Aufgaben und Zielen
Was zeigen Meta-Analysen zu Empowering Leadership (Lee et al., 2017)?
• Arbeitsleistung und OCB (Extraproduktives Verhalten)
• Kreativität
• Psychologisches Empowerment
• Wissensaustausch
Definiere partizipative Führung und nenne ihre Formen.
Umfang, in dem MA von der FK in für sie relevante Entscheidungen eingebunden werden.
Formen nach…
• Art: direkte vs. indirekte Partizipation
• Umfang: Partizipation an Entscheidungsvorbereitung, Entscheidungsfindung, Entscheidungsumsetzung
Nenne Vor- und Nachteile partizipativer Führung.
Vorteile:
• Breiteres Spektrum an Perspektiven
• Höhere Motivation der MA, Entscheidungen umzusetzen
Nachteile:
• Höhere Komplexität der Entscheidungsfindung
• Höherer Zeitbedarf
Welche Voraussetzungen müssen für sinnvolle Partizipation gegeben sein?
• MA verfolgen dieselben Ziele wie die FK
• MA haben nötige Kenntnisse bzw. Erfahrung
• MA haben hohes Bedürfnis nach Selbstbestimmung
• Akzeptanz der Entscheidungen ist gesichert
• Entscheidung berührt Interessen der MA nachhaltig
Definiere Servant Leadership (dienende Führung).
(1) Auf andere ausgerichteter (mitarbeiterorientierter) Ansatz, bei dem (2) individuelle Bedürfnisse und Interessen der Geführten im persönlichen Kontakt Vorrang haben und (3) die FK ihre Aufmerksamkeit von sich weg auf andere richtet: in Organisation und Gemeinschaft.
(Eva et al., 2019)
Erkläre die drei Kernelemente dienender Führung: Motive, Mode, Mindset.
• Motive (Motiv): „Ich diene, indem ich führe“ (Servant as Leader). Abkehr von Selbstorientierung, altruistisches Selbstverständnis, erfordert psychologische Reife
• Mode (Ansatz): jeder Geführte ist einzigartig, Fokus auf dessen Wachstum (Wohlbefinden, emotionale Reife, ethische Weisheit)
• Mindset (Haltung): FK als Steward (Treuhänder), verantwortlich für Geführte, Ressourcen und Gemeinschaft
Nenne die 8 Dimensionen dienender Führung (van Dierendonck & Nuijten, 2011).
• Ermächtigung (Empowerment)
• Rechenschaft (Accountability)
• Bescheidenheit (Standing back)
• Demut (Humility)
• Authentizität (Authenticity)
• Mut (Courage)
• Akzeptanz (Interpersonal acceptance)
• Verantwortung (Stewardship)
Erkläre die Servant-Dimensionen Ermächtigung, Rechenschaft, Bescheidenheit und Demut.
• Ermächtigung: FK befähigt MA zu Autonomie und Eigeninitiative
• Rechenschaft: MA übernehmen Verantwortung für Ergebnisse
• Bescheidenheit: FK stellt Interessen anderer voran, hält sich nach Erfolg im Hintergrund
• Demut: FK schätzt Kompetenzen der MA, lässt Kritik zu, holt Unterstützung bei eigenen Grenzen
Erkläre die Servant-Dimensionen Authentizität, Mut, Akzeptanz und Verantwortung.
• Authentizität: Aufrichtigkeit über eigene Werte, mit Eigenschaften und Schwächen offen umgehen
• Mut: tritt auch gegen Widerstände für Überzeugungen ein, geht Risiken für neue Ideen ein
• Akzeptanz: Empathie, verzeiht Fehler, nicht nachtragend
• Verantwortung (Stewardship): stellt eigene Bedürfnisse zurück, motiviert zum Handeln im gemeinsamen (auch gesellschaftlichen) Interesse
Was zeigen Meta-Analysen zu Servant Leadership (Hoch et al., 2018)?
• Vertrauen in die FK
• Arbeitszufriedenheit
• Arbeitsengagement
• Arbeitsleistung
• OCB Extraproduktives Verhalten
Wie wirkt dienende Führung (Wirkmodell nach Eva et al., 2019)?
• Persönlichkeit der FK: Verträglichkeit (+), Kern-Selbstbewertung (+), Extraversion (−), Narzissmus (−)
• Wirkmechanismen: Vertrauen in FK, Engagement, Commitment, Integrität der FK (+)
• Führungserfolg: OCB und Leistung (+), Wechselabsicht und kontraproduktives Verhalten (−)
• Einflussfaktoren: Organisation (Struktur, Kultur, Strategie, Klima), Wettbewerbsintensität, Persönlichkeit der MA
Inwiefern erklärt Führungsverhalten den Führungserfolg (DeRue et al., 2011)?
Erklärte Varianz (R²) durch Führungsverhalten insgesamt:
• Effektivität der FK: .47
• Gruppenleistung: .20 (am geringsten)
• Arbeitszufriedenheit: .51
• Zufriedenheit mit FK: .70 (am höchsten)
→ Verhalten erklärt v. a. Zufriedenheit, Leistung deutlich weniger
Welches Führungsverhalten erklärt laut DeRue et al. (2011) jeweils am meisten Varianz?
• Effektivität der FK: transformational (22,8 %)
• Gruppenleistung: Initiating Structure (32,9 %)
• Arbeitszufriedenheit: kontingente Belohnung (43,9 %)
• Zufriedenheit mit FK: Consideration (44,9 %)
• Negativ wirken: Laissez-faire und passives Management by Exception
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