Aufgabe 1: Theorie der Schule als Institution und Organisation (SB 1)
1.1 Auf europäischer Ebene gibt es unterschiedliche Schulsysteme. Arbeiten Sie drei Unterscheidungsmerkmale zwischen dem französischen und dem deutschen Schulsystem heraus.
Das französische Schulsystem ist zentral organisiert, nicht föderalistisch, wie in Deutschland.
Der Elementarbereich/Vorschulbereich zählt in Frankreich zum Schulsystem und ist für Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren kostenfrei. In Deutschland zählt der Kindergarten nicht zum Schulsystem und ist nicht flächendeckend kostenfrei.
Die Primarstufe dauert in Frankreich 5 Jahre, in Deutschland im Regelfall 4 Jahre (Berlin/Brandenburg 6 Jahre).
Die französische Grundschule ist überall als Ganztagsschule organisiert, es gibt zwei freie Nachmittage. In Deutschland gibt es z. T. auch Ganztagsangebote, aber bisher nicht verpflichtend.
In der Sekundarstufe I besuchen alle Schülerinnen und Schüler das College, in dem es undifferenzierten Unterricht für alle gibt. Es gibt hier keine Unterscheidung zwischen verschiedenen Schulformen wie in Deutschland.
Die Sekundarstufe II beginnt in Frankreich mit der 10. Klasse (in Deutschland Klasse 11).
1.2 Erläutern Sie, welche Auswirkung die Reformation auf das Schulwesen in Deutschland hatte.
Martin Luther unterstützte das niedere Schulwesen, denn gerade die unteren Volksmassen sollten mit der Idee der Reformation bekannt gemacht werden. In den „deutschen“ Schulen mit Muttersprachunterricht wurde Religion mit zum wichtigsten Fach. Daneben wurde Lesen, Schreiben, Rechnen und berufsorientierter Unterricht abgehalten. Auch Mädchen wurden in Lesen und Schreiben unterrichtet. Zunächst gab es durch die Reformation z. T. eine Schulkrise, da ursprünglich viele Schulen an Klöster angeschlossen waren. Bald darauf gründeten v. a. Landesfürsten politisch motivierte Schulen, um ihre Macht zu stabilisieren und auszuweiten. Die Entwicklungen in der Reformationszeit gelten als der Ursprung des heutigen staatlichen Schulwesens in Deutschland.
Aufgabe 2: Lehrplantheorie und Lehrplanentwicklung (SB 2)
2.1 Schule erfüllt in unserer Gesellschaft verschiedene Funktionen. Skizzieren Sie die drei Grundfunktionen von Schule in der heutigen Zeit.
Integrations- und Legitimationsfunktion: Eingliederung der jungen Generation in die jeweilige Gesellschaft, ihre politisch-gesellschaftlichen und ethischen Rahmenbedingungen, ihre verbindlichen Ordnungen und Verhaltensregeln und zugleich die Funktion ihrer Rechtfertigung.
Ausbildungs- und Qualifizierungsfunktion: Vermittlung tätigkeitsrelevanter Kenntnisse, Fähigkeiten und Einstellungen für das Beschäftigungssystem.
Selektions- und Allokationsfunktion: Über die Leistungsbewertung nimmt Schule Einfluss auf die weiteren Lebenschancen, insbesondere auf Berufschancen. Die Schulleistungen ermöglichen oder verhindern (selektieren) die Zugänge zu bestimmten Berufswegen.
2.2 Für den Fachausdruck Lehrplan gibt es in der pädagogischen Literatur zahlreiche bedeutungsähnliche Begriffe wie z. B. Richtlinie, Stoffverteilungsplan, Curriculum. Grenzen Sie diese drei Begriffe vom Fachausdruck Lehrplan ab.
Richtlinie
Richtlinien unterscheiden sich von den herkömmlichen staatlichen Lehrplänen durch den Konkretheitsgrad der vorgegebenen Ziele und Inhalte und einen Empfehlungscharakter. Richtlinien haben eher eine allgemeine Orientierungsfunktion.
Stoffverteilungsplan
Ein Stoffplan, genauer als Stoffverteilungsplan bezeichnet, ist ein Instrument der systematischen Unterrichtsplanung von Lehrenden. Mithilfe eines Stoffverteilungsplanes organisieren Lehrkräfte Ihren Unterricht über längere Zeiträume (z. B. für ein Schulhalbjahr oder ein ganzes Schuljahr). Der Stoffverteilungsplan ist Teil der mittel- und langfristigen Unterrichtsplanung der Lehrkräfte.
Curriculum
Während ein Lehrplan in der Regel auf die Aufzählung der Unterrichtsinhalte beschränkt ist, enthält ein Curriculum darüber hinaus auch Lehrziele, den Ablauf des Lehr- und Lernprozesses sowie Hinweise zur Überprüfung der Lernergebnisse (3 Punkte)
Aufgabe 3: Theorie und Planung des Unterrichts (SB 3)
3.1 Die Frage, was einen guten Unterricht ausmacht, beschäftigt schon Generationen von Pädagoginnen und Pädagogen in der Ausbildung. Daher gibt es zahlreiche Merkmalskataloge guten Unterrichts. Nennen und beschreiben Sie stichwortartig vier Merkmale guten Unterrichts.
Merkmale guten Unterrichts (SB 3, S. 14)
Beschreibung
1. Klare Strukturierung des Unterrichts
Prozess-, Ziel- und Inhaltsklarheit; Rollenklarheit, Absprache von Regeln, Ritualen und Freiräumen
2. Hoher Anteil echter Lernzeit
Durch gutes Zeitmanagement, Pünktlichkeit; Auslagerung von Organisatorischen Themen; Rhythmisierung des Tagesablaufs
3. Lernförderliches Klima
Durch gegenseitigen Respekt, verlässlich eingehaltene Regeln, Verantwortungsübernahme, Gerechtigkeit und Fürsorge
4. Inhaltliche Klarheit
Durch Verständlichkeit der Aufgabenstellung, Monitoring des Lernverlaufs, Plausibilität des thematischen Gangs, Klarheit und Verbindlichkeit der Ergebnissicherung
5. Sinnstiftendes Kommunizieren
Durch Planungsbeteiligung, Gesprächskultur, Schülerkonferenzen, Lerntagebücher und Schülerfeedback
6. Methodenvielfalt und Methodentiefe
Reichtum an Inszenierungstechniken; Vielfalt der Handlungsmuster; Variabilität der Verlaufsformen und Ausbalancierung der methodischen Großformen
7. Individuelles Fördern
Durch Freiräume, Geduld und Zeit; durch innere Differenzierung und Integration; durch individuelle Lernstandsanalysen und abgestimmte Förderpläne; besondere Förderung von Schülerinnen bzw. Schülern aus Risikogruppen
8. Intelligentes Üben
Durch Bewusstmachen von Lernstrategien, passgenaue Übungsaufgaben und gezielte Hilfestellungen, methodische Variation und Anwendungsbezüge
9. Klare Leistungserwartungen und klare Rückmeldungen
Durch Passung und Transparenz gerecht und zügig
10. Vorbereitete Umgebung
= verlässliche Ordnung, geschickte Raumregie, Bewegungsmöglichkeiten und Ästhetik der Raumgestaltung
3.2 Planen Sie Ihren eigenen Unterricht. Überlegen Sie für welches Unterrichtsfach bzw. Lernfeld, für welche Zielgruppe und für welche Lerneinheit Sie eine Unterrichtsplanung schreiben wollen. Beschreiben Sie alle relevanten Aspekte wie z. B. welche Medien und Methoden Sie einsetzen möchten und warum. Benutzen Sie dabei das Didaktische Sechseck als Planungshilfe.
Beispielthema: Moralische Dilemmata im Berufsleben am Beispiel Sterbehilfe
Zielgruppe: 18 Schüler/innen, Alter 16-20 Jahre
Ziele: (1) Die TN kennen verschiedene Arten der Sterbehilfe. (2) Die TN können das Thema Sterbehilfe aus unterschiedlichen ethischen/moralischen Blickwinkeln beleuchten.
Inhalte: Standpunkte verschiedener Akteure (Ärzte/Ärztinnen, Betroffene, Kirche, Staat, Angehörige etc.) zum Thema Sterbehilfe. Differenzierung zwischen verschiedenen Formen der Sterbehilfe. Moralische Urteile zum Thema Sterbehilfe aus verschiedenen Blickwinkeln.
Medien: Rollenkarten der Akteure des Rollenspiels (A4), Namensschilder
Raum: Klassenraum, Tische und Stühle für eine Podiumsdiskussion angeordnet
Methoden: Podiumsdiskussion mit vorgegebenen Rollen
Zeit: 45min (Vorbereitung der Rollen/Methode bereits in der Stunde davor)
Aufgabe 4: Beurteilen und Evaluieren von Lehr-Lern-Prozessen (SB 4)
4.1 a) Erklären Sie anhand von fünf Aspekten was unter der Portfoliomethode zu verstehen ist.
Ein Portfolio ist eine zielgerichtete Sammlung von Arbeiten, welche die individuellen Bemühungen, Fortschritte und Leistungen der Lernenden auf einem oder mehreren Gebieten zeigt. Die Sammlung muss die Beteiligung der Lernenden an der Auswahl der Inhalte, der Kriterien für die Auswahl, der Festlegung der Beurteilungskriterien sowie Hinweise auf die Selbstreflexion der Lernenden einschließen.
4.1 b) Nennen und beschreiben Sie fünf Merkmale der Portfolioarbeit.
Der Inhalt des Portfolios und die Entscheidungen hinsichtlich der Auswahl der einzelnen Dokumente sowie der Interaktionen zwischen den Lehrenden und den Lernenden wird durch den jeweiligen Zweck und auch das Ziel der Portfolioarbeiten bestimmt. Diese werden in einem individuellen Gespräch vereinbart und verbindlich festgesetzt.
Ein Portfolio dient keinem Selbstzweck und muss eingebettet sein in einen entsprechenden Lehr-Lern-Prozess. So ist es wichtig, dass eine konkrete Frage- oder Problemstellung bzw. eine bestimmte Aufgabe festgelegt wird, die jedoch offen und komplex sein sollte.
Die festgelegten Ziele sollen durch das Portfolio am Ende dokumentiert und nachgewiesen werden. Wichtigstes Kriterium dieser Ziele sind Transparenz und Einsichtigkeit, d. h. die bzw. der Lernende muss diese Ziele für sich akzeptieren und nachvollziehen können. So wird eine Grundlage geschaffen für die Eigenbeurteilung und die Fremdbeurteilung.
In der Arbeitsphase werden im Hinblick auf die Bearbeitung des komplexen Sachverhalts Dokumente selbst erstellt und gesammelt, die Nachweise zur Rekonstruktion des jeweiligen Lernprozesses sind und deren Vielfältigkeit das zentrale Qualitätsmerkmal darstellt.
Zentral bei der Portfolioarbeit ist die Selbstreflexion als metakognitive Interpretation des eigenen Lernprozesses. Das Portfolio einerseits, aber auch die Reflexion über das Portfolio durch die Schülerin bzw. den Schüler andererseits ermöglicht das Nachdenken über das eigene Lernen und über das anschließende Weiterlernen und somit nicht nur die Präsentation von Materialien, die als Antwort auf den zu bearbeitenden Fragenkomplex dienen.
Die Schülerinnen und Schüler werden in die Lage versetzt, eine Selbsteinschätzung ihres jeweiligen Lernfortschritts vornehmen zu können. Aus diesem Grund sollten neben den jeweiligen Lernzielen auch Standards bzw. Beurteilungsmaßstäbe – auch hier idealerweise in Gesprächen und Absprache mit den Schülerinnen und Schülern – transparent dargelegt und vereinbart werden.
Auch die Evaluation des Lernprozesses ist kommunikativ angelegt. Neben Beratungsgesprächen während der Arbeit am Portfolio, die mit anderen Schülerinnen und Schülern, mit Lehrenden aber auch mit Expertinnen bzw. Experten stattfinden können, ist vor allem das Abschlussgespräch, verbunden mit einer Präsentation des Portfolios, von Bedeutung, da hierbei die vereinbarten Ziele überprüft werden.
Aufgabe 5: Störungen und Konflikte im Schulalltag (SB 5) (14 Punkte)
5.1 Als Interventionsmaßnahme können bei problematischem Verhalten Verhaltensverträge abgeschlossen werden. Lesen Sie die Beispielsituation. Formulieren Sie einen zu dem Problem passenden Vertrag.
Beispielsituation:
Marie kommt morgens regelmäßig zu spät in den Unterricht. Wird sie auf das Problem angesprochen, dann gibt sie an, dass sie rechtzeitig aufsteht, aber ihr immer etwas dazwischenkommt. Zu Hause kann sie sich nicht entscheiden, was sie nun tatsächlich anziehen und frühstücken soll oder sie vergisst die Zeit beim Schreiben von Nachrichten am Handy. Wenn sie dann aus dem Haus geht, ist die Zeit schon knapp.
Maries Vertrag
Bevor ich schlafen gehe, lege ich schon die Kleidung für den morgigen Tag auf den Stuhl, damit ich morgens diese direkt anziehen kann.
Ich stelle nach dem Abendbrot bereits mein Besteck und mein Essen für das Frühstück bereit, das nicht im Kühlschrank gelagert werden muss. Im Kühlschrank habe ich eine eigene Ecke, in der ich auch schon meine Frühstücksachen bereitstelle.
Ich mache mein Handy erst an, nachdem ich gefrühstückt habe. Ich kontrolliere nur meine Mails und Nachrichten (falls beispielsweise Schulausfall ist). Ich beantworte Nachrichten erst nach der Schule.
Wenn ich den Vertrag eingehalten habe und spätestens um 7:30 Uhr auf dem Weg zur Schule bin, dann darf ich mir in der 1. Pause am Schulkiosk eine kleine Süßigkeit kaufen.
5.2 Im Bereich der Lern- und Leistungsstörungen gibt es vier verschiedene zentrale Arten, die am häufigsten vorkommen. Nennen Sie diese.
Erwartungswidrige Schulleistungen (Underachievement)
Teilleistungsstörungen im Bereich Lesen, Schreiben und Rechnen
Aufmerksamkeit und Konzentration
Hyperaktivität und Impulsivität
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