Kapitel 1 Grundlagen und Terminologie der Wirtschafts- und Unternehmensethik
1.1) Erläutern Sie anhand folgender Aussage: „Du sollst nicht töten!“ die Begriffe Ethik und Moral.
Die generelle Aussage ist Ausdruck eines moralischen Grundsatzes, der vermutlich von der Mehrheit der Bevölkerung geteilt wird.
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Ethik würde die Frage stellen, weshalb töten nicht erlaubt ist und gegebenenfalls sogar Fragen, ob dieser Satz ausnahmslos Bestand haben kann. Kann er beispielsweise auch in einer Notwehrsituation für das Opfer einer rechtswidrigen Attacke gelten?
1.2) Erläutern Sie, was gegen die Aussage: „The social responsibility of business is to increase its profits“ spricht.
Spätestens seit der Finanzkrise ist klar, dass Unternehmen Ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung nicht nur dadurch nachkommen, dass sie ihren Profit mehren und Steuern zahlen. Vielmehr ist es ihre Aufgabe, nachhaltig ihrer gesellschaftlichen Funktion nachzukommen und die Allgemeinheit mit Gütern und Dienstleistungen zu versorgen, ohne die Existenzgrundlage für die Zukunft künftige Generationen zu zerstören.
Kapitel 2 Analyse der Situation/Theorie sozialer Funktionssysteme
2.1) Erläutern Sie, welche gesellschaftlichen Funktionssysteme den Fall der Drogeriemarktkette Schlecker beobachteten und welche binären Codes genutzt wurden.
Die Vorgänge um den die Drogeriemärkte Schlecker wurden mindestens von folgenden Funktionssystemen beobachtet, die dabei ihren jeweils eigenen Code anwandten:
Medien: Code: Nachricht/keine Nachricht
Recht: Code: Legal/Illegal
Wirtschaft: Code: Zahlung/keine Zahlung
Moral/Ethik: Code: Achtung/Missachtung
2.2) Erklären Sie den Begriff „strukturelle Kopplung“.
Wenn ein soziales Funktionssystem in seiner Umwelt Beobachtungen macht, die zu einer Irritation der internen Kommunikation führen, ist diese System gezwungen darauf zu reagieren. Eigene Kommunikationsstrukturen müssen dann geändert oder nicht mehr genutzt. Das ist seine einzige Möglichkeit, auf die Umwelt zu reagieren. Diesen Vorgang bezeichnet man als strukturelle Kopplung.
2.3) „Kein Geschäft der Welt ist es wert, gültige Gesetze, Regeln oder ethische Normen zu verletzen“ wird Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche zitiert (Manager Magazin, 2012). Zu dieser Zeit ist der Daimler Konzern bereits Teil eines Lkw Preiskartells. 2016 wird deswegen gegen Daimler von der EU-Kommission ein Bußgeld in Milliardenhöhe verhängt (Körkemeier & Schwartz, 2016)
Bitte entwerfen und erklären Sie ein Dilemmaquadrat zu diesen Meldungen!
Die Aussage des Vorstandsvorsitzende von Daimler im Jahr 2010 wirkte sehr moralisch und schien einen kategorischen Imperativ für die Wirtschaftswelt zu enthalten. Das wirkt positiv für Investoren und Kunden und ist deshalb ökonomisch profitabel
Mit der Entdeckung der Kartellbeteiligung, ihre Publikation und letztlich Bestrafung wird dieses Vertrauen erschüttert und da Unternehmen muss finanzielle Mittel aufnehmen, um den Vertrauensverlust bei Investoren, Behörden und Kunden wieder zu kompensieren. Dies lässt sich graphisch wie folgt darstellen:
(Dilemmaquadrat Daimler)
Oben (Vertikale Achse oben): Ethisch vertretbar
Unten (Vertikale Achse unten): Ethisch nicht vertretbar
Links (Horizontale Achse links): Profit / Niedrig
Rechts (Horizontale Achse rechts): Profit / Hoch
Feld 1 (Rechts oben): 1. Reputation Daimlers 2010 bei Einführung des Vorstandpostens „Integrity and Legal“
Übergang von 1 nach 2: Beteiligung am LKW Kartell
Feld 2 (Rechts unten): 2. Reputation Daimlers vor Bekanntwerden des Kartells
Übergang von 2 nach 3: EU-Geldbuße
Feld 3 (Links unten): 3. Reputation Daimlers nach Bekanntwerden des Kartells
Kapitel 3 Grundlagen der Wirtschaftsethik und des praktischen Wertemanagements
3.1) Skizzieren Sie in einigen Sätzen den Unterschied zwischen deontologischen und konsequentialistischen Theorien der Ethik am Beispiel des ersten kategorischen Imperativs und des Handlungsutilitarismus.
Konsequentialistische Ansätze, insbesondere der Handlungsutilitarismus messen die Frage, ob eine Handlung ethisch korrekt ist oder nicht, an deren Folgen für die Allgemeinheit. Erzielt die Entscheidung zu einer bestimmten Handlungsweise mehr Nutzen als jede andere denkbare Alternative, so ist diese Handlung ethisch korrekt
Der kategorische Imperativ als Ausdruck der wohl bekanntesten deontologischen Ethik Theorie bestimmt das Gute und damit die ethisch korrekte Entscheidung zu einer bestimmten Handlung ausschließlich anhand eines Leitwerts, der es verdient, zum allgemeine Gesetz erhoben zu werden. Einem solchen Wert muss gefolgt werden, gleichgültig ob und wie vielen Individuen dies einen Vorteil bringt.
3.2) In der Unternehmenskultur von Volkswagen wurde der Wert „Loyalität“ sehr hoch geschätzt. Erstellen Sie ein Werteviereck zu der Tugend „Loyalität“, in dem die positiven und negativen korrespondierenden Werte dargestellt sind.
Ein Werteviereck um die Tugend der Loyalität könnte wie folgt aussehen:
Obere Zeile (Positive Werte): Loyalität (oben links) — IDEAL (Mitte oben) — Eigenverantwortung (oben rechts)
Untere Zeile (Negative Gegenwerte / Entartungen): Unterwürfigkeit (unten links) — Verrat (unten rechts)
Bitte beachten Sie, dass diese Zusammenstellung nicht nach dem Muster „richtig/falsch“ betrachtet werden kann. In einem anderen Kontext als der Automobilindustrie oder sogar nur in einer anderen Abteilung könnten die Mitarbeitenden andere, für sie viel wichtigere Werte und „Unwerte“ einstellen. Dies ist eine Entscheidung der Gruppe!
3.3) Beschreiben Sie in einigen Sätzen die Kernaussagen der Ethik der Governance.
Der theoretische Ansatz der Ethik der Governance beruht auf zwei Säulen. Zum einen basiert er auf der Theorie sozialer Systeme, unterscheidet sich aber in wesentlichen Punkten von dieser. Zum anderen werden wesentliche Elemente aus der Tugendethiklehre übernommen und mit weiteren theoretischen Modellen verknüpft.
Im Unterschied zu Luhmann geht Wieland zum einen davon aus, dass die gesellschaftlichen Funktionssysteme „polylingual“ sind, das heißt, dass jedes System sehr wohl den code anderer von ihm beobachteter Systeme versteht und interpretieren kann.
Zum anderen weist die Ethik der Governance der Ethik und der Moral eine Funktion im Wirtschaftssystem zu und erkennt sie so als gesellschaftliches Funktionssystem an. Nach diesem Modell weisen Ethik und Moral einem Unternehmen solche Werte wie Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Respekt, Fairness und Kooperationsbereitschaft zu und bestimmen so unter anderem die Höhe von Transaktionskosten und die Chance neue Geschäftsbeziehungen erfolgreich zu beginnen mit.
Kapitel 4 Ursachen unerwünschten Verhaltens
4.1) Bitte erläutern Sie die Unterschiede zwischen strukturellen und kulturellen Ursachen ethisch unerwünschten Verhaltens in Unternehmen.
Unter der Organisations- oder Unternehmenskultur werden die gemeinsamen Wertvorstellungen der Angehörigen einer Organisation, hier also eines Unternehmens, verstanden. Der Unterschied zu der Unternehmensstruktur liegt darin, dass Letztere bis ins Detail spezifizierte Rollenbeschreibungen wie Arbeitsplatzbeschreibungen, Berichtswesen oder Verantwortungsbereiche festlegt. Die Organisationskultur liegt demgegenüber auf einer abstrakteren Ebene. Sie bestimmt die Erwartungen, wie die Mitarbeitenden in Einzelfällen ihren Handlungsspielraum nutzen.
4.2) Geben Sie drei Beispiele für Systemzwänge, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu veranlassen können, mit ethisch unerwünschten Mitteln vorzugehen.
Klassische Systemzwänge, die von Mitarbeitenden genannt werden, wenn es zu unerwünschten oder gar illegalen Handlungen gekommen ist sind:
Korruption: wenn alle bestechen, müssen wir das auch tun.
Rein quantitative Vorgaben: wenn ich die vereinbarten Umsatzziele erreichen will, muss ich die Kunden über Konsequenzen im Unklaren lassen.
Arbeitsbelastung: wenn ich meine Aufgaben in einer halbwegs vertretbaren Zeit erledigen will, muss ich das eine oder andere ungenau machen.
4.3) Beschreiben Sie, was man unter einer „hedonistischen Grundeinstellung“ einer Managerin oder eines Mangers versteht.
Eine hedonistische Grundeinstellung bedeutet, dass Freizeit und materieller Wohlstand als Wesensmerkmal eines erfolgreichen Lebens gesehen werden, dem alles andere untergeordnet wird.
Kapitel 5 Wirtschaftsethik als Wertemanagement
5.1) Beschreiben Sie in zwei bis drei Sätzen die Charakteristika zwischen resonanter und dissonanter Führungsstile nach Goleman.
Resonante Führungsstile sind mehr coachend, visionär und diskursiv.
Dissonante Führungsstile sind fordernd und befehlend.
5.2) Skizzieren Sie, welche Ethiktheorien sich besser in einen resonanten Führungsstil einfügen.
Resonante Führungsstile harmonieren in erster Linie mit tugend- und gemeinwohlorientierten Ethiktheorien.
Dissonante Führungsstile zeigen sich häufig in der Form von institutionenethischen Ansätzen und kategorischen Imperativen.
5.3) Beschreiben Sie die Vor- und Nachteile allgemeiner Ethik und CSR Standards wie der ISO 26000.
Der Vorteil solcher Standards und Richtlinien wie der ISO 26000 ist darin zu sehen, dass relativ vage ethischen Zielvorstellungen in konkrete Handlungsfelder umgewandelt werden und somit konkrete Managementmaßnahmen ergriffen werden können.
Der Nachteil dieser Handreichungen, liegt darin, dass das Management in der Rege dazu neigen wird, diese „Checklisten“ abzuarbeiten und die Zieleerreichung zu überprüfen. Nur wenige werden darüberhinausgehende Projekte entwickeln, um die gesteckten ethisch-moralischen Ziele über den Standard hinaus gehend zu verfolgen.
Zuletzt geändertvor 7 Tagen