Soziale Ungleichheit und Bildung:
Biologisch-anthropologische Begründung des Status quo
Ungleicheit ist von Gott oder von der Natur aus gegeben
Menschen sind von Natur aus unterschiedlich begabt
Grundaustattung ist in verschiedenen sozialen Schichten ungleich verteilt
Reproduktion von sozialer Ungleichheit ist also kein Problem, sondern eine natürliches Merkmal von Gesellschaften
Martin Luther: „An die Ratsherren aller Städte...“
…deutschen Lands, dass sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen“ (1524)
„So gehört es sich denn nun für die Christen, die Heilige Schrift als ihr eigenes, einziges Buch eifrig zu lesen, und es ist eine Sünde und Schande, wenn wir unser eignes Buch nicht verstehen und unsres Gottes Sprache und Wort nicht kennen.“
Bildung als Grundlage des Glaubens
Allgemeinbildung für alle (auch für Mädchen)
Staatliche Verantwortung für Bildung
Bildung als bloße Grundlage sittlich-moralischer Lebensführung
Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827)
alle sozialen Schichten und Begabungen haben gleichermaßen das Recht auf eine gute, umfassende Bildung.
Bildung muss allerdings für verschiedene soziale Schichten nicht gleich sein. Unterschiedliche Arten der Bildung werden grundsätzlich ethisch gleichwertig gesehen
Armut wird idealisiert: „Not lehrt beten, öffnet alle Sinne, treibt alle Glieder, und, was über alles geht, sie rührt das Herz und belebt mit Macht die edelsten Gefühle unserer Natur (Pestalozzi/PSW 19 1956: 161).
Reduzierung von Ungleichheit als natürlicher Prozess der gesellschaftlichen Weiterentwicklung
Friedrich Schleiermacher (1768-1824)
Bildung muss Individuum als Ganzheit fördern, damit sich die Persönlichkeit entfalten und auch ein positiver Beitrag zur Gesellschaft geleistet werden kann
Bildung sollte den ohnehin stattfindenden gesellschaftlichen Fortschritt (und die damit verbundene Ungleichheitsreduzierung) durch entsprechende Bildungsbemühungen zu unterstützen.
Grundannahme, dass im historischen Verlauf die Ungleichheit zwischen den Menschen von allein geringer wird. Je fortschrittlicher eine Gesellschaft ist, desto geringer wäre demzufolge die Ungleichheit zwischen den Menschen.
„Dagegen fast überall, wo eine höhere Bildung Eingang gefunden hat, nimmt die Ungleichheit ab“ (Schleiermacher 2000: 71)
Bildung zur Nutzung aller Potenziale
Bildung als Bürgerrecht
Ralf Dahrendorf (1929-2009)
Bildungspolitik ist mehr als eine „Magd der Wirtschaftspolitik“.
Wichtige Grundpfeiler von Bildungspolitik: (1) eine intensive Grundausbildung, die zur Übernahme staatsbürgerlicher Rechte und Pflichten befähige, (2) das Recht auf eine der eigenen Leistungsfähigkeit entsprechende Ausbildung und (3) die Verpflichtung staatlicher Institutionen, die Ausübung dieser Rechte zu gewährleisten.
„Um eine freie Gesellschaft zu errichten und zu erhalten, ist es jedenfalls tun umgänglich, daß jeder Mensch Bürger sein darf im Sinne der rechtlichen Chancen und Bürger sein kann im Sinne der sozialen Realität. “ (ebd.: 26).
Schlussfolgerung: Staat muss Bildungssystem zugänglich gestalten, Recht auf Bildung muss einklagbar sein. Benachteiligungen müssen ausgeglichen werden
Bildungsexpansion: Studienanfänger & in Deutschland
Schule als Sozialisationsinstanz
Das Schulsystem ist in allen Industriestaaten die größte soziale Institution (in Bezug auf Personal und Ausgaben)
Vier Ziele und Funktionen der Schule:
Qualifikation: Entwicklung sozialer und intellektueller Kompetenzen
Enkulturation: soziale Integration, vermittelt gesellschaftliche Normen und Werte
Emanzipation: Entwicklung von Individualität und Mündigkeit
Selektion und Allokation: Verweist Personen auf bestimmte Schulformen, Ausbildungswege, Berufe
Enkulturation: Der „heimliche“ Lehrplan
Individualismus: Schüler sollen eine unabhängige, individuelle Leistung, also eine Leistung ohne fremde Hilfe erbringen
Leistungsprinzip: Die Bewertung soll ausschließlich auf der erbrachten Leistung basieren
Spezialisierung: Unterrichtet werden spezielle Fächer von spezialisierten Fachlehrer_innen
Universalismus: Abgesehen von der erbrachten Leistung gelten alle Schüler als gleich (Universalismus)
Historisches dreigliedriges Schulsystem
Gilt das Universalitätsprinzip uneingeschränkt?
in Deutschland wurzelt das Schulsystem auf einer Theorie der angeborenen, unterschiedlichen Begabungen auf
praktische, handwerkliche Begabung – Hauptschule
theoretische Begabung – Realschule
wissenschaftliche Begabung – Gymnasium
Problem: Im Bildungssystem gibt es eine starke Pfadabhängigkeit. D.h. ein einmal eingeschlagener Bildungsweg kann nur mit Mühe korrigiert werden
und welchen Bildungsweg jemand einschlägt, wird durch die soziale Herkunft mitbestimmt
Übergangsquoten und Bundesländer
Bildungsgänge nach sozialer Herkunft
IGLU und TIMMS-Studien – Herkunft und Leistung
PISA Ergebnisse 2025:
Verschlechterung und soziale Ungleichheit
Hochschulbildung nach Bildung der Eltern
Einflussfaktoren auf dem Weg zum Bildungszertifikat
Lohnt sich höhere Bildung?
Zuletzt geändertvor 7 Tagen