Was ist ein Argument
strukturierte Begründung, die ein Publikum davon überzeugen soll, dass eine Aussage wahr, stichhaltig oder als Handlungsgrundlage geeignet ist
Argument
= These + Schlussregel + Auswirkung
Claim + Warrant + Impact
Die These (Claim)
Die zentrale Behauptung, Aussage oder Forderung, die dein Publikum akzeptieren soll.
Klarheit: Eindeutige Sprache. Vermeidet vage Begriffe und legt Geltungsbereich und Grenzen klar fest.
Präziser Fokus: Konzentriert sich auf einen einzelnen, konkreten Sachverhalt oder Mechanismus, statt pauschale Aussagen über mehrere Themen zu treffen.
Strittigkeit: Muss diskutierbar und nicht offensichtlich sein. Ihre Anerkennung erfordert Belege und eine Begründung. Eine allgemein anerkannte Tatsache ist keine solche These.
Die Schlussregel (Warrant)
Das ausdrücklich genannte oder unausgesprochene logische Prinzip, das deine Belege oder Daten mit deiner These verbindet.
„Warum stützen diese Daten diese These?“
Sechs Arten von Schlussregeln
Art
Logik
Prinzipienbasiert / ethisch
Stützt sich auf einen gemeinsamen moralischen Wert, ein Menschenrecht oder eine gesellschaftliche Norm.
Kausal: Ursache und Wirkung
Erklärt Schritt für Schritt den direkten Mechanismus, durch den Handlung A zu Ergebnis B führt.
Verallgemeinerung / induktiv
Geht davon aus, dass das, was für eine repräsentative Stichprobe gilt, auch auf die größere Grundgesamtheit zutrifft.
Analogie / vergleichbarer Fall
Geht davon aus, dass zwei strukturell ähnliche Situationen unter gleichen Bedingungen zu ähnlichen Ergebnissen führen.
Autorität / rechtlicher Präzedenzfall
Stützt sich auf ein geltendes Gesetz, eine behördliche Vorschrift, eine institutionelle Regel oder ein anerkanntes fachliches Modell.
Anzeichen / Indikator
Deutet ein beobachtbares Phänomen als klares Anzeichen für einen tiefer liegenden Sachverhalt.
Die Auswirkung (Impact)
Erklärt die praktische Bedeutung und die Folgen des Arguments.
„Was folgt daraus? Wer erleidet Nachteile oder profitiert, und warum ist das relevant?“
Zentrale Merkmale einer überzeugenden Auswirkung
Ausmaß / Reichweite: Gibt an, wie viele Menschen, Organisationen oder Systeme betroffen sind.
Schwere / Intensität: Erklärt, wie tiefgreifend die Konsequenzen sind, beispielsweise irreversible Schäden, strukturelle Verluste oder Beeinträchtigungen von Menschenrechten.
Wahrscheinlichkeit: Zeigt, dass das Ergebnis eine realistische, unmittelbare Folge und kein übertriebenes Szenario ist.
Typische Fehler bei der Darstellung von Auswirkungen
Fehlende Auswirkung: Nachweisen, dass ein Argument logisch zutrifft, aber nicht erklären, warum es jemanden interessieren sollte.
Extreme Dramatisierung: Behaupten, dass eine geringfügige politische Änderung zum vollständigen gesellschaftlichen Zusammenbruch führt. Das entspricht einem Dammbruchargument.
Vage Verallgemeinerungen: Leere Aussagen wie „Das ist schlecht für die Gesellschaft“ verwenden, statt konkrete betroffene Gruppen und Folgen zu benennen.
Prüffragen zur Bewertung von Argumenten
Bestandteil
Frage zur Selbstprüfung
These (Claim)
„Welche konkrete Regelung oder Grenze fordere beziehungsweise behaupte ich?“
Schlussregel (Warrant)
„Welche der sechs logischen Brücken verbindet meine Fakten mit meiner These?“
Auswirkung (Impact)
„Wer ist betroffen, wie schwerwiegend sind die Folgen und warum ist die Angelegenheit dringend?“
Zuletzt geändertvor 8 Stunden