Notwendigkeit des Vorverfahrens
Grundsätzlich: Immer erforderlich
> Speziell: § 54 II S.1 BeamstG für Klagen im Beamtenrecht
> Allgemein: § 68 I S.1 II VwGO, §§ 26, 30 I S.1 AZG: Anfechtungsklage § 68 I S.1 VwGO, Verpflichtungsklage § 68 II VwGO, FFK § 113 I S.4 VwGO (umstritten)
Ausnahmsweise: Widerspruchsverfahren nicht erfoderlich
> Durchführung des Widerspruchs ist unzulässig und wird von der Wiederspruchsbehörde zurückgewiesen: § 68 I S.2 1. HS VwGO ( §§ 26 II S.1, III, 30 I AZG), § 68 I S.2 Nr.1 VwGO (Oberste Landes- oder Bundesbehörde, in Berlin Senatsverwaltung), § 68 I S.2 Nr.2 VwGO (Erstmalige Beschwer im Abhilfe- oder Widerspruchsbescheid)
=> Klagefrist nach § 74 I S.2, II VwGO
> Durchführung des Widerspruchs ist entbehrlich: Erneuter Erlass eines bereits mit Widerspruch angegriffenen VA
Form- und Fristgerechter Widerspruch
> Widerspruch des Klägers: Beteiligtenfähigkeit §§ 79, 11 VwVfG, Handlungsfähigkeit §§ 79, 12 VwVfG (selten relevant)
> Einhaltung der Widerspruchsfrist
> Fristbeginn § 70 I S.1 VwGO: Ab Zustellung des VA (§ 41 V VwVfG i.V.m. § 7 VwVfG Berlin i.V.m. §§ 2 ff. VwZG) wenn eine Rechtsvorschrift oder behördliche Anordnung dies bestimmt § 1 VwZG, Ab Bekanntgabe § 41 I, II VwVfG (Regelfall), Ab fingierten Zugang durch öffentliche Bekanntgabe § 41 IV VwVfG
> Dauer der Widerspruchsfrist: 1 Monat nach Bekanntgabe § 70 I VwGO ODER 1 Jahr nach Bekanntgabe bei fehlerhafter Rechtsbehelfsbelehrung §§ 70 II, 58 II VwGO
> Fristberechnung: Entweder nach § 31 I VwVfG, §§ 187ff. BGB oder nach § 57 II VwGO, § 222 I ZPO, §§ 187 BGB im Ergebnis identisch
> Fristwahrung: Durch Einlegung bei der zuständigen Behörde (Ausgangs oder Widerspruchsbescheid) oder durch fristgerechte Weiterleitung von der unzuständigen Behörde)
> Fristheilung: Problem der Heilung durch Entscheidung der Behörde über verspäteten Widerspruch => Zwei Konstellationen, Die Behörde weist den Widerspruch als unzulässig zurück weil sie davon ausgeht dazu verpflichtet zu sein (möglicherweise als Ermessensnichtgebrauch ermessensfehlerhaft) oder sie entscheidet über einen verfristeten Widerspruch
E.A.: Die Widerspruchsbehörde ist nicht befugt sachlich über einen verspäteten Widerspruch zu entscheiden
DAFÜR: Die Fristvorschrift dient der Rechtssicherheit und steht nicht zur Disposition der Behörde, uferloses Prozessieren soll verhindert werden, §§ 70 II, 60 VwGO regeln das Fristversäumnis abschließend, Es gibt keinen sachlichen Grund in einem Fall zu entscheiden und in einem anderen nicht (möglicher Verstoß gegen Art. 3 I GG)
A.A. (H.M.): Grundsätzlich hat die Behörde die Befugnis über einen verspäteten Widerspruch zu entscheiden, Ausnahme => bei begünstigendem VA mit belastender Drittwirkung (Drittanfechtung) ist §§ 68ff. VwGO keine Grundlage für die Aufhebung der Begünstigung
DAFÜR: Widerspruchsfrist dient dem Schutz der Behörde (disponibel), auch bei Bestandskraft kann Bürger nach § 51 VwVfG bzw. §§ 48, 49 VwVfG prozessieren, §§ 70 II, 60 VwGO trifft keine Aussage über die sachliche Kompetenz der Widerspruchsbehörde
Die Widerspruchsbehörde hat als Herrin des Verfahrens uneingeschränkte Sachherrschaft
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