Cholelithiasis
Gallensteine (=Vorhandensein von Steinen in der Gallenblase und/oder den Gallenwegen)
Wann spricht man von Gallensteinleiden?
Sobald die Cholelithiasis Symptome in Form von Gallenkoliken oder aber Komplikationen wie z.B. eine Cholezystitis oder eine Cholangitis verursacht.
Cholezystolithiasis
Vorliegen von Gallensteinen in der Gallenblase.
Hepatolithiasis
Vorliegen von Gallensteinen in den intahepatischen Gallenwegen.
Sludge
Viele kleine Gallensteine / Gries in der Gallenblase werden auch als Sludge (Gallengrieß) bezeichnet.
Epidemiologie bzgl. Cholelithiasis:
Frauen etwa 2x mehr betroffen als Männer.
Prävalenz bei ca. 20% der Bevölkerung.
Häufigkeit nimmt im Alter zu und erreicht bei 50-60J. ein Plateau.
Hauptrisikofaktoren, die eine Cholelithiasis begünstigen:
Die 6F:
fourty
female
fat
fertile
fair
family
Weitere Risikofaktoren, die eine Cholelithiasis begünstigen:
Cholesterinsteine:
Diab. m.
Ernährung: parenterale Ernährung, Fasten, längere Nahrungskarenz
Gallensäureverlust-Syndrom, z.B. bei Morbus Crohn
Medis: Östrogene, Fibrate, Ceftiaxon, Somatostatinanaloga
Hypomobilität der Gallenblase
braune Pigmentsteine:
Cholestase und Entzündung der Gallenwege bzw. der Gallenblase
schwarze Pigmentsteine:
Hyperbilirubinanämie z.B. im Rahmen von hämolytischen Erkrankungen
Wie entstehen Gallensteine?
Das Konzentrationsverhältnis zw. unlöslichem Cholesterin der Gallenflüssigkeit, konjugierter Gallensäure und der Phospholipide (durch Mizellenbildung) verschiebt sich zugunsten des Cholesterins. Als Folge ist die Galle mit Cholesterin übersättigt und das Cholesterin fällt aus.
Ursache für die Entstehung von Gallensteinen ist…
…entweder eine erhöhte Cholesterinkonzentration oder eine verminderte Konzentration der Lösungsvermittler.
Wie kann unlösliches Cholesterin der Gallenflüssigkeit in Lösung gehalten werden?
Nur in Anwesenheit von konjugierter Gallensäuren und Phospholipide durch Mizellenbildung.
Woraus bestehen Bilirubinsteine?
= Pigmentsteine
bestehen hauptsächlich aus unkonjugiertem Bilirubin
Wie entstehen schwarze Bilirubinsteine?
Als Folge einer erhöhten Konzentration des unkonjugierten Bilirubins in der Gallenflüssigkeit der Gallenblase.
Ursächlich in den meisten Fällen ist eine chronische Hämolyse, seltener eine Leberzirrhose mit verminderter Kapazität zur Bilirubinkonjugierung.
Wie entstehen braune Bilirubinsteine?
entstehen durch bakterille Dekonjugierung des konjugierten Bilirubins;
treten bei bakterieller Infektion der Gallenwege z.B. aszendierend nach weiter Papillotomie oder bei Gallengangstenosen auf, und werden daher auch als Infektsteine bezeichnet.
Was ist eine Gallenblasenhypomobilität?
längere Verweildauer der Galle in der Gallenblase, was die Bildung von Kristallen ermöglicht;
zudem führt die Einlagerung von Cholesterin in die Gallenblasenwand zu einer chronischen subklinischen Entzündung und fördert damit die Hypomobilität.
Wieviel Prozent der Steinträger entwickeln eine symtomatisch-unkomplizierte Cholezystolithiasis?
20-40%
Symptomatik eine Chole(zyto)lithiasis:
Leitsymptom: Gallenkolik
Schmerzen im Epigastrium und/oder re. Oberbauch, die teils krampfartig, teils auch dumpf beschrieben werden und
die in den Rücken oder die re. Schulter ausstrahlen können.
Mögliche vegetative Symptome:
Übelkeit und Erbrechen
Schweißausbrüche
Symptome halten i.d.R. >15 Min.
Auslöser können fettreiche Mahlzeiten sein.
Dedinition: Kolik
bewegungsunabhängiger Schmerz
meist wellenförmigem Verlauf
wehenartiger Charakter
Nenne die Ursache einer Kolik!
Spastische Kontraktion der glatten Muskulatur von Hohlorganen.
Definition: Gallenkolik
kolikartige Schmerzen im re. Oberbauch oder Epigastrium aufgrund von Steinen in der Gallenblase (symptomatische Cholezytolithiasis)
ohne Vorliegen einer Entzündung
es wird dann auch von “unkomplizierten Gallensteinleiden” gesprochen
Zähle die möglichen Komplikationen auf, die je nach Krankheitsmanifestation der Cholelithiasis auftreten können!
Cholezystitis
Choledocholithiasis
Cholestase
Cholangitis
biliäre Pankreatitis
Gallenblasenkarzinom
Labordiagnostik bei der unkomplizierten Cholezystolithiasis:
i.d.R. keine Laborauffälligkeiten
Körperliche Untersuchung bei der unkomlizierten Cholezystolithiasis:
kann völlig unauffällig sein
bei schweren Schmerzattacken lassten Pat. u.U. eine Untersuchunf aus Angst vor Schmerzverstärkung nicht zu
Pat. weisen auf einen Druckschmerzen im re. Oberbauch auf
Was ist die Methode der Wahl bei Verdacht auf eine Erkankung des Gallensystems?
Sono Abd.
Was ergibt sich aus dem Sono Abd. bei der unkomlizierten Cholezystolithiasis?
echoreicher, bogenförmiger Reflex im Gallenblasenlumen mit dorsalem Schallschatten.
Weitere apparative Diagnostik bei Verdacht auf eine Erkrankung des Gallensystems:
Endosonografie
MRCP
ERC
Was ist MRCP?
Magnet-resonanz-cholangio-pankreatikografie
nicht invasives, MR-tomografisches Verfahren zur Darstellung von Gallen- und Pankreassytemen
Was ist ERC?
Endoskopische retrograde Cholangiografie
endoskopische Methode, mit der die intra- und extrahepatischen Gallengänge radiologisch dargestellt werden können
hierdurch möglich: endoskopisch therapeutische Eingriffe (wie Steinextraktionen oder Stenteinlagen)
Welche apparative Diagnostik kann durchgeführt werden, um in unklaren Fällen (bei Verdacht auf Erkrankungen des Gallensystems) eine Abklärung von Diff.-Diagnosen zu erreichen?
Abd.-CT
Zähle die wichtigen Diff.-Diagnosen der Gallenkolik auf!
Myokardinfarkt
Lungenembolie
rechtsbasale Pneumonie
akute Gastritis, gastroduedenales Ulkus
Appendizitis
akute Pankreatitis
Mesenterialinfarkt
Nierenkolik
akute Pyelonephritis
(diab.) Pseudoperitonitis
akute intermittierende Porphyrie
Auffälligkeiten in der Diff.-Diagnose Myokardinfarkt statt Gallenkolik:
v.a. bei Hinterwandinfarkt häufig Übelkeit und Oberbauchschmerzen
typische EKG-Veränderungen
erhöhtes Troponin
Auffälligkeiten in der Diff.-Diagnose Lungenembolie statt Gallenkolik:
Thoraxschmerzen, die mitunter auch infradiaphragmal projizieren
Auffälligkeiten in der Diff.-Diagnose rechtsbasale Pneumonie statt Gallenkolik:
atemabhängiger Schmerz
Husten
Fieber
Dyspnoe
Rasselgeräusche
Lungeninfiltrat in Sono oder Röntgen Thorax
Auffälligkeiten in der Diff.-Diagnose akute Gastritis/gastroduodendales Ulkus statt Gallenkolik:
Schmerzen im Oberbauch, allerdings eher epigastrisch und weniger kolikartig
Besserung nach der Gabe von PPI
Auffälligkeiten in der Diff.-Diagnose Appendizitis statt Gallenkolik:
v.a. bei Lagevariation der Appendix im re. Oberbauch
Auffälligkeiten in der Diff.-Diagnose akute Pankreatitis statt Gallenkolik:
diffuse Oberbauchschmerzen
erhöhte Lipase
Auffälligkeiten in der Diff.-Diagnose Mesenterialinfarkt statt Gallenkolik:
zweizeitiger Verlauf
erhöhtes Laktat
häufig Vorhofflimmern
Auffälligkeiten in der Diff.-Diagnose Nierenkolik statt Gallenkolik:
stärkster einseitiger Flankenschmerz
(Mikro-)Hämaturie
ggf. sonografischer Nachweis eines Steins bzw. Aufstaus
Auffälligkeiten in der Diff.-Diagnose akute Pyelonephritis statt Gallenkolik:
Flankenschmerzen
klopfschmerzhafte Nierenlager
Leukozyturie & Bakteriurie
Auffälligkeiten in der Diff.-Diagnose (diab.) Pseudoperitonitis statt Gallenkolik:
gespanntes Abdomen
BZ-Entgleisung
Auffälligkeiten in der Diff.-Diagnose akute intermittierende Porphyrie statt Gallenkolik:
ggf. gefärbter Urin
unauffällige Sono
Akuttherapie einer Gallenkolik:
eine passagere Nahrungskarenz
Analgetika:
NSAR
Metamizol
bei starken Schmerzen Opioide (z.B. Pethidin)
Spasmolytika (z.B. Butylscopolamin)
Nitroglycerin
Was spricht gegen die Gabe von NSAR als Therapievorschlag für Gallenkoliken?
Bei unklaren Oberbauchschmerzen ist das Vorliegen eines Ulkus ventriculi möglich (Kontraindikation für NSAR!).
Was ist bei der Gabe von Metamizol als Therapie gegen Gallenkoliken zu bedenken?
Pro: spasmolytische Wirkung
Contra: potentielles Risiko einer Agranulozytose
Was ist bei der Gabe von Nitroglycerin als Therapie gegen Gallenkoliken zu beachten?
Wird nur in der dt. Leitlinie als Therapieoption genannt, spielt allerdings in der Praxis eine nur nachrangige Rolle.
Wie sieht die Standardtherapie der symptomatischen Cholezystolithiasis aus?
elektive laproskopische Cholezystektomie
nur sehr selten eine konventionelle OP erforderlich
Was sollte gemacht werden, wenn neben der symptomatischen Cholezystolithiasis ebenfalls Steine in den Gallenwegen vorliegen?
Im Rahmen eines sog. therapeutischen Splittings sollten diese Steine prä-/intra- oder postoperativ mittels ERC entfernt werden.
Wann und warum wird auch bei asymptomatischen Cholezystolithiasis ebenfalls eine elektive Cholezystoktomie empfohlen?
Vorliegen einer Porzellangallenblase
Vorhandensein eines Steins >3cm
zusätzlich zu Steinen vorhandene Polypen >1cm
Grund: Verhinderung der Entwicklung eines Gallenblasenkarzinoms
Wann ist eine konservative Behandlungs von Gallenblasensteinen durch medikamentöse Litholyse möglich?
Nur selten indiziert, bei:
Kontraindikationen für eine operative Steinentferung oder
auf ausdrücklichen Patientenwunsch
Was sind die Voraussetzungen für eine orale Lyse als Therapie gegen Gallenblasensteine?
Vorliegen weniger unverkalkter Cholesterinsteine mit einem Durchmesser <5-10mm oder Sludge
kontraindikationsfähige Gallenblase und frei durchgängiger Ductus cysticus (Nachweis durch sonografischen Kontraindikationsnachweis vor und 1h nach Einnahme einer Mahlzeit)
Verlauf und Prognose einer Cholezsytolithiasis:
kann durch eine Cholezystoktomie geheilt werden
je nach Indikationsstellung kann es im Anschluss edoch in unterschiedlicher Häufigkeit zu einem sog. Postcholezystektomie-Syndrom mit Persistenz bzw. Wiederauftreten der Beschwerden kommen.
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