Buffl

Krankheiten/Nützlinge

vs
by ve S.





Krankheit: Birnenschorf (Venturia pirina)

Art: Schlauchpilze (Ascomycota)


Vorkommen: -> nur Pyrus communis

Schadbild:

-> viel häufiger als Zweiggrind als bei Apfelschorf!

  • an den Blättern verursacht der Birnenschorf samtartige, oliv-grüne, später braune, rundliche (Durchmesser 5-10 mm) Flecken

    • ausgiebigen Konidienbildung

  • an Blattadern und Blattstielen sind längliche Flecken

  • an den Früchten sind dunkelbraune bis schwarze Schorfflecken

    • Bei starkem Befall ist das Gewebe rissig und verkorkt

    • häufig unförmige Früchte

    • Spät befallene Früchte zeigen runde, dunkle, samtige Flecken mit wenigen Konidien

  • junge, neu gebildete Triebe werden ebenfalls befallen

    • braune bis schwarze Flecken, die sich später zu krebsartigen Geschwüren entwickeln

    ! -> Hier kann der Pilz auch überwintern und im Frühjahr Konidien bilden

Lebensweise:

  • überwintert hauptsächlich in abgefallenen, infizierten Birnenblättern

    • während der Wintermonate wachsen in den Blättern auf dem Boden die Pseudothecien mit den Asci und den Ascosporen

    • im Frühjahr werden bei günstigen Bedingungen – Regen oder starker Tau - ab Vegetationsbeginn die Ascosporen aus den Asci geschleudert und mit der Luftströmung oder durch Regen auf junge Blätter oder Früchte übertragen

    • Die ersten Ascosporen sind etwa beim Stadium „Knospenschwellen“ der Birne reif und zur Zeit der Blüte ist die Anzahl ausgeschleuderter Ascosporen am grössten

      • während der folgenden 6 – 8 Wochenkönnen weitere Sporen entlassen werden.

  • Überwinterung seltener auch als Myzel in Trieben

    • im Frühjahr werden an diesen Infektionsstellen Konidien gebildet, die Primärinfektionen an Blättern und Früchten auslösen können

  • Bei ausreichend langer Blattnässedauer keimen die Ascosporen und bilden Appressorien

    • eine Penetrationshyphe dringt durch die Kutikula (Wachsschicht) der Blätter und Laufhyphen wachsen zwischen Epidermis und Kutikula (parasitische Lebensphase)

    • In regelmässigen Abständen werden Hyphengeflechte (Stromata) gebildet aus denen sich Konidienträger entwickeln, welche die Kutikula durchbrechen und auf der Blattoberfläche Konidien bilden

      • der Erreger des Birnenschorfs dringt nicht in die Epidermiszellen oder in andere Zellen des Wirtes ein

  • Neu gebildete Konidien infizieren benachbarte junge Blätter und Früchte (Sekundärinfektionen)

    • mit Wind und Regen verbreitet

    • Während der Vegetationsperiode können mehrere Infektionszyklen vorkommen

  • Durch die Schorfinfektionen wird die Kutikula zerstört

    • Dies führt zu Wasserverlust und das Blatt fällt vorzeitig ab

  • Nach dem Blattfall beginnt erneut die saprophytische Phase des Schorfpilzes und das Pilzmyzel dringt ins Innere des Blattes

Befall:

  • für das Ausschleudern der Ascosporen aus den Asci ist Regen oder starker Tau nötig

  • eine Infektion geschieht innerhalb eines Temperaturbereichs von 4 bis 28 °C (Optimum 20 °C)

    • Zusätzlich ist je nach Temperatur eine mehr oder weniger lang anhaltende Blattnässe nötig

    • Ascosporen und Konidien brauchen bei einer Temperatur von 15-25 °C eine minimale Blattnässedauer von 9-11 Stunden

      • Bei kühleren Temperaturen muss sie für eine erfolgreiche Infektion noch länger dauern

  • Die ersten Symptome erscheinen 2-3 Wochen nach der Infektion

    • je nach Temperatur und Alter der Blätter oder Früchte dauert die Inkubationszeit aber länger

  • Junge Blätter und Früchte sind anfälliger als alte

    • Letztere werden aber trotzdem befallen, falls die Nässeperiode länger dauert

Bekämpfung:

  • robuste und wenig anfällige Sorten wählen

    • wenig anfällig: Trévoux, Guyot, Harrow Sweet, Conférence und Concorde

      • mittel anfällig: Kaiser Alexander, Packhams, Pierre Corneille, Williams

      • stark anfällig: Hardy und Gute Luise

  • Falllaub entfernen

    • Laubsauger

    • Verrottung fördern -> Harnstoffgabe auf den Boden; häckseln, mulchen, einfräsen

      -> Die Beseitigung des Laubes vermindert die Menge Ascosporen, die im Frühjahr Primärinfektionen auslösen können

  • Baumkrone auslichten, dadurch wird die Blattnässedauer reduziert.

  • Angepasste Düngung: vor allem nicht zuviel Stickstoffdüngung

  • Direkte Massnahmen im Biolandbau:

    • Anwendungen von Kupferpräparaten, Schwefel oder Schwefelkalk sind zugelassen

      -> ! keine Schwefelanwendungen ab Beginn der Blüte, da Birne darauf schlecht reagiert !


Konventioneller Anbau:







Walnussfruchtfliege

Rhagoletis completa

Familie: Bohrfliegen - Tephritidae


Art: Insekt - Fliege

Herkunft: Nordamerika, seit Ende 80er in der Schweiz, danach Italien, Slowenien, Kroatien; 2004 zuerst in Deutschland/Freiburg, von dort am Rhein entlang bis nach Hessen und Köln; 2007 in Frankreich; 2013 Berlin-Brandenburg;

Vorkommen: Juglandaceae (Walnußgewächsen)

-> in Nordamerika Schwarznuss und Kalifornische Walnuss (Juglans californica)

-> in Europa Juglans regia, selten Prunus persica

Merkmale:

-> Fliegen 8-10mm, gelblichen bis weißlichen Körper mit bräunlichen Streifen, Flügel sind durchsichtig und gezeichnet mit drei schwarzen Binden -> Mimikry Springspinne

->Larven 8–10 Millimetern, einen Durchmesser von 2–2,5mm und haben einen gelblich-weiß gefärbten Körper mit schwarzen Mundwerkzeugen

Lebensweise:

Die Weibchen der Walnussfruchtfliege legen insgesamt bis zu 400 Eier und je Nuss bis zu 15 Eier als Gelege unterhalb der Epidermis unreifer Nüsse ab. Zusätzlich geben sie nach der Eiablage ein Pheromon ab, das als Kennzeichnung für andere Weibchen dient. Nach etwa 5 Tagen schlüpfen die gelblichen Larven. Für 3-5 Wochen fressen sie im Fruchtfleisch der Walnuss (der grünen Schale über der Nuss). Danach verlassen die jetzt madenartigen Tiere die Walnüsse, lassen sich zu Boden fallen und graben sich einige Zentimeter tief in den Erdboden ein, wo sie sich verpuppen und überwintern. Die meisten Fliegen schlüpfen von Juli bis September des nächsten Jahres – einige verbleiben auch für zwei oder mehrere Jahre im Boden.

Schadbild:

Das Fruchtfleisch der befallenen Nüsse beginnt durch die Fraßtätigkeit der Larven zu faulen und sich schwarz zu verfärben – wobei es eine weiche Konsistenz annimmt oder auch bisweilen antrocknet.

Je später der Befall erfolgt, umso besser kann sich die Nuss entwickeln. Allerdings lässt sich das Fruchtfleisch kaum vollständig entfernen, weshalb ein Verzehr unattraktiv wird. Zudem ist die Lagerfähigkeit der Nüsse eingeschränkt.

Befall:

  • seit 2015 erhebliche Ernteausfälle in Deutschland

  • es sind in der Regel bis zu 3/4 des Ertrags eines Baumes betroffen

Bekämpfung:

Chemisch:

Handelsbezeichnung

Zul.-Nr.  

Zul.-Ende

Wirkstoff

Wirkungsbereich

Mit mindestens einer Anwendung in/für:

Mittel mit geringem Risiko


HuK

Erwerbsanbau

Berufliche Anwender

Nichtberufliche Anwender








Basamid Granulat

00A117-00

31.08.27

Dazomet

Fungizid, Herbizid, Insektizid, Nematizid

Nein

Ja

Ja

Nein


Danjiri

005655-60

28.02.27

Acetamiprid

Insektizid

Nein

Ja

Ja

Nein


Mospilan SG

005655-00

28.02.27

Acetamiprid

Insektizid

Nein

Ja

Ja

Nein


Mechanisch:

  • Entfernen befallener Früchte -> Restmüll oder Verbrennen, nicht Kompost!

  • Abdeckung des Bodens vor der Zeit des Schlupfes der Fliegen (MItte Juni) um das Fliegen zu verhindern oder vor dem Fruchtfall im Sommer/Herbst (ca. Ende August bis Mitte Anfang/Mitte Oktober), damit die Larven nicht zur Verpuppung bzw. Überwinterung in den Boden gelangen können

  • Aufhängen von Gelbtafeln (mit Lockstoff bspw Ammoniak oder Pheromonen) in der Flugzeit der Insekten (Anfang Juli bis August) um Befallsdichte anzuzeigen und evtl Verringern der Populationsdichte(?)


Nützlinge

  • Hühner gegen die im Boden überwinternden Larven

  • es gibt Studien zum Einsatz von Nematoden der Art Steinernema carpocapsae und Heterorhabditis bacteriophora. Nematoden sind jedoch teuer und das Gelingen hängt von vielen Faktoren ab, wie Bodenfeuchtigkeit, Temperatur, Bodentyp und Timing.





Grauschimmel-Fruchtfäule

Botrytis cinerea

Art: Schimmelpilz

Vorkommen:

  • Gartenerdbeere (Fragaria x Ananassa) <- relevantester pilzliche Schädling im Anbau

  • Weinrebe (vitis vinifera)


Lebensweise:

Wie alle Botrytis-Arten lebt der Grauschimmelpilz als Parasit, dabei induziert sie die Apoptose der befallenen Zellen im befallenen Gewebe der infizierten Pflanzen. Dies führt zum fortschreitenden Zerfall des Gewebes (Fäule). Bei jungen Trauben wirkt sich der Befall dabei necrotroph aus, bei älteren Trauben dagegen biotroph – der Parasit erzeugt Löcher in der Beerenhaut, sodass Wasser verdunstet und die Zuckerkonzentration ansteigt. Alle anderen Arten der Gattung sind dabei auf einen oder wenige Wirte spezialisiert, nur die Grauschimmelfäule kann als Generalist mehr als 235 Wirtspflanzen befallen.


Die Art kann sich sexuell fortpflanzen, tut dies aber nur sehr selten. Die Konidien werden über den Wind verbreitet. Die Pilze überwintern als Mycel im Boden innerhalb der faulenden Pflanze, oder bei generativer Vermehrung als Sklerotien


Gartenerdbeere

-> je nach Niederschlag und Temperatur zur Blütezeit und Ernte

Schadbild: verbräunte Stellen an unreifer Frucht -> Frucht wird weich und bekommt grauen Pilzrasen;

Befall: Hauptinfektion wärend der Blüte, Spätinfektion der Kelchblätter nach der Blüte bei feuchter Witterung möglich; Überwinterung an Pflanzeresten (Blattstiele, Fruchtmumien); beste Keimbedingungen für Sporen bei 15-20° und hoher Luftfeuchtigkeit

Bekämpfung:

Vorbeugende Maßnahme:

  • nicht übermäßig Stickstoff zu düngen (max. 40–80 kg/ha)

  • Stroheinlage kurz vor Blühbeginn

  • Entfernen von altem Laub und befallenen Früchten

  • Verzicht auf mehrjährige Anlagen

  • Sortenwahl;

  • Fungizide bei Blühbeginn

  • Blattnässe durch Tröpfchen- statt Überkronenbewässerung zu verringern



Weinrebe





Art: Lederbeerenfäule (Phytophthora cactorum)

Vorkommen: Gartenerdbeere (Fragaria x Ananassa),


Gartenerdbeere (Fragaria x Ananassa)

-> verdichtete Böden, regnerisches Wetter, zur Zeit der Fruchtentwicklung können zu Fruchtfäule und/oder Rhizomfäule führen

Schadbild: übliche Infektion unreifer Früchte führt zu Braunfärbung und gummi-/lederartigen Substanz; bei eher seltener Infektion kurz vor Ernte entstehen wässrig-weiche Stellen; befallene Früchte färben sich milchig-weiß bis blassrosa, lila oder blauviolett, Gefäßbündel bräunen sich; Früchte schmecken bitter

Befall: Infektion über Sporen und vegetative Dauerkörper im Boden, die durch heftige Niederschläge an die Früchte gelangen können; weitere Ausbreitung bei anhaltenden Niederschlägen und hohen Temperaturen an bodennahen Früchten

Bekämpfung: Strohunterlage kurz vor Blühbeginn; Folienkultur


1. Art

Der Erreger Phytophthora cactorum (Leb. et Cohn) Schroet. ist ein Oomyceten(Wasserpilz), kein echter Pilz. Im Erdbeeranbau ist er der spezifische Auslöser der Lederbeerenfäule (engl. Leather Rot). Der Erreger befällt sowohl die Früchte als auch das vegetative Gewebe (Wurzeln, Crown/Krone) der Erdbeerpflanze. Er zeichnet sich durch die Bildung von beweglichen Zoosporen in Wasserfilmen aus und ist ein klassischer Boden- und Wasserpathogen.

2. Vorkommen

  • Geografisch: Weltweit verbreitet, besonders in Regionen mit hohen Niederschlägen, Staunässe oder intensiver Beregnung.

  • Wirtspflanzen:

    • Hauptwirt: Erdbeere (Fragaria × ananassa).

    • Nebenwirte: Apfel, Birne, Kirsche, Pfirsich, Himbeere, Zierpflanzen (siehe Steckbrief Kragenfäule).

  • Standortfaktoren:

    • Boden: Schwere, tonige Böden mit schlechter Drainage sind extrem risikobehaftet. Auch sandige Böden bei Staunässe durch Beregnung oder Starkregen.

    • Klima: Feuchtwarme Bedingungen (Bodentemperaturen >15°C) begünstigen die Sporenfreisetzung.

    • Anbausystem: Besonders gefährdet sind Freilandbestände nach Starkregenereignissen und Tunnelkulturen mit hoher Luftfeuchtigkeit und Bodenfeuchte.

  • Sortenanfälligkeit:

    • Es gibt keine vollständig resistenten Sorten, aber deutliche Unterschiede in der Toleranz.

    • Häufig betroffene Sorten: Viele gängige Sorten wie 'Elsanta', 'Murano', 'Senga Sengana' zeigen bei Infektion starke Symptome.

    • Tolerantere Sorten: Neuere Züchtungen weisen oft eine gewisse Toleranz auf, sind aber nicht immun.

3. Schadbild

Das Schadbild ist je nach Befallsort (Frucht vs. Pflanze) unterschiedlich, aber die Fruchtsymptome sind namensgebend:

  • Fruchtschäden (Lederbeerenfäule):

    • Farbe: Infizierte Früchte verfärben sich von grün über hellbraun bis dunkelbraun oder fast schwarz.

    • Konsistenz: Die Beere verliert ihren Saft und wird lederartig fest und elastisch (daher der Name). Sie lässt sich nicht leicht eindrücken, ist aber innen oft wässrig oder trocken-schwammig.

    • Geschmack: Bei starkem Befall entwickeln sich oft bittere oder unangenehme Geschmacksnoten (chemische Abwehrstoffe des Pilzes).

    • Aussehen: Die Oberfläche wirkt oft glatt, manchmal mit einer dünnen, weißlichen Sporenschicht (bei hoher Luftfeuchtigkeit).

    • Zeitpunkt: Befall kann schon im Grünen Stadium beginnen, manifestiert sich aber oft erst bei der Reife oder während der Lagerung.

  • Pflanzenschäden (Wurzel- und Kronenfäule):

    • Wurzeln: Braune bis schwarze Nekrosen an den Feinwurzeln, oft ohne klare Abgrenzung.

    • Krone (Crown): Dunkle, wasserdurchtränkte Nekrosen im Kronenbereich (Verbindung von Wurzeln und Blattstielen).

    • Symptome: Plötzliches Welken der Pflanzen, besonders bei warmem Wetter, da der Wassertransport unterbrochen ist. Oft Absterben ganzer Pflanzen.

    • Verwechslung: Kann leicht mit Verticillium-Welke oder physikalischem Hitzestress verwechselt werden.

4. Lebensweise und Befall

  • Überdauerung:

    • Der Erreger bildet Oosporen, die jahrelang im Boden überdauern können (auch ohne Wirt).

    • Infizierte Früchte am Boden dienen als wichtige Infektionsquelle für die nächste Saison.

  • Infektionszyklus:

    1. Keimung: Bei warmer Witterung (>15°C) und hoher Bodenfeuchte bilden sich aus Oosporen Sporangien.

    2. Zoosporen: In diesen entwickeln sich begeißelte Zoosporen, die im Wasserfilm aktiv schwimmen (Chemotaxis zu Wurzeln/Früchten).

    3. Infektion der Früchte:

      • Direkter Kontakt der Früchte mit infiziertem Boden (Liegefrüchte).

      • Spritzwasser: Regen oder Beregnung schleudert Sporen vom Boden auf die hängenden Früchte.

      • Infektion erfolgt oft über den Kelch oder kleine Verletzungen.

    4. Infektion der Pflanze: Über Wurzeln oder Wunden im Kronenbereich.

    5. Ausbreitung: Das Myzel wächst im Fruchtfleisch oder im Pflanzengewebe.

  • Verbreitungswege:

    • Wasser (Regen, Beregnung, Überschwemmung).

    • Verschleppung durch Maschinen, Werkzeuge, Schuhwerk.

    • Infiziertes Pflanzgut (Setzlinge).

    • Bodenpartikel an Früchten.

  • Begünstigung:

    • Lange Feuchtperioden.

    • Bodenkontakt der Früchte (fehlendes Mulchmaterial oder zu dünne Mulchschicht).

    • Dichte Bestände mit schlechter Belüftung.

    • Beregnung zur Kühlung oder Frostschutz in der Reifezeit.

5. Bekämpfung

Eine kurative Behandlung infizierter Früchte ist nicht möglich. Der Fokus liegt strikt auf Prävention und Hygiene.

  • Kulturelle Maßnahmen (Priorität 1):

    • Bodenmanagement:

      • Sicherstellung guter Drainage (Hochbeete, Dämme, Drainagerohre).

      • Vermeidung von Staunässe.

    • Fruchtstand:

      • Mulchen: Einsatz von Stroh, Rasenschnitt oder Kunststofffolie, um den Bodenkontakt der Früchte zu verhindern.

      • Sortenwahl: Anbau von toleranteren Sorten bei Risikostandorten.

    • Bewässerung:

      • Vermeidung von Beregnung während der Reifezeit (Tropfbewässerung bevorzugen).

      • Bewässerung nur bei trockenem Wetter und nicht direkt auf die Früchte.

    • Hygiene:

      • Sofortige Entfernung aller befallenen Früchte (auch solche am Boden liegenden).

      • Reinigung von Werkzeugen und Maschinen zwischen Beständen.

      • Vermeidung von Arbeitsgängen bei nasser Witterung.

  • Chemische Bekämpfung:

    • Fungizide: Es gibt einige zugelassene Wirkstoffe im Erdbeeranbau (z. B. Fosetyl-Al, Metallocyan, Fluopicolid), die präventiv wirken können.

    • Anwendung:

      • Meist als Bodenguss oder Gießanwendung bei hoher Infektionsgefahr (z. B. nach Starkregen).

      • Spritzungen auf die Früchte sind oft unwirksam, da die Infektion meist vom Boden ausgeht.

      • Hinweis: Die Zulassungssituation ist streng und variiert je nach Land und Jahr. Immer aktuelle Pflanzenschutzmittel-Datenbanken konsultieren.

    • Wirkungsweise: Die Mittel wirken meist systemisch und schützen das neue Gewebe, können aber bereits infiziertes Gewebe nicht heilen.

  • Biologische Maßnahmen:

    • Einsatz von antagonistischen Mikroorganismen (z. B. Trichoderma-Stämme) zur Besiedlung der Rhizosphäre.

    • Förderung eines gesunden Bodenlebens durch organische Düngung und Fruchtfolge.

Quellenbasis (Aktuelle Fachliteratur & Institutionen)

Die Informationen basieren auf Synthesen aktueller Erkenntnisse folgender Institutionen und Publikationen:

  1. Julius Kühn-Institut (JKI) – Institut für Pflanzenschutz in Obst-, Gemüse- und Weinbau: Datenbanken zu Phytophthora-Arten und aktuellen Befallslagen im Erdbeeranbau.

  2. Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee (KOB) – Fachberatung und Leitfäden zu Bodenpilzen und Fruchtfäulen im Erdbeeranbau.

  3. Agroscope (Schweiz) – Forschungsberichte zu Wurzelkrankheiten und Fruchtfäulen bei Erdbeeren.

  4. Fachzeitschriften: Erwerbs-Obstbau (Springer), Journal of Plant Diseases and Protection, Acta Horticulturae – Aktuelle Studien zu Epidemiologie, Resistenzmanagement und chemischem Schutz.

  5. Pflanzenschutzdienst der Länder (z. B. Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen): Aktuelle Warnhinweise und Beratungsunterlagen für Erdbeererzeuger.





Steckbrief: Bitterfäule (Neofabraea alba) im Obstbau

1. Art

Neofabraea alba (Peck) L. Lombard, Crous & M.J. Wingf. (Synonyme: Cryptosporiopsis alba, Cryptosporiopsis perennans, Physalospora alba) ist ein Schlauchpilz (Ascomycota) aus der Familie der Valsaceae. Er ist ein Wundparasit, der spezifisch das Fruchtfleisch von Kernobst befällt und die Bitterfäule (Bitter Rot) verursacht. Im Gegensatz zu Neonectria ditissima ist er weniger aggressiv gegenüber dem Holz des Baumes, konzentriert sich aber stark auf die Frucht und kann dort tiefgreifende, bitter schmeckende Nekrosen verursachen.

2. Vorkommen

  • Geografisch: Weltweit verbreitet, aber besonders häufig in kühlen, feuchten Klimazonen (Nord- und Westeuropa, Kanada, Neuseeland). In Deutschland tritt er gehäuft in Norddeutschland und in Höhenlagen auf.

  • Wirtspflanzen:

    • Kernobst: Apfel (Malus domestica) ist der Hauptwirt.

    • Birne: Wird seltener befallen, aber möglich.

    • Nebenwirte: Vor allem Buche (Fagus sylvatica) und andere Laubbäume, auf denen der Pilz als Saprophyt oder schwacher Parasit lebt und Sporen produziert (wichtige Infektionsquelle!).

  • Standortfaktoren:

    • Begünstigt durch feuchtkühles Wetter während der Reifezeit (Spätsommer/Herbst).

    • Häufig in Beständen mit vielen abgestorbenen Ästen oder Buchen in der Umgebung (als Sporenreservoir).

    • Lagerung: Hohe Luftfeuchtigkeit und moderate Temperaturen in der Lagerung begünstigen das Ausbrechen der Symptome.

  • Sortenanfälligkeit:

    • Hohe Anfälligkeit: 'Golden Delicious', 'Cox Orange', 'Elstar', 'Boskoop', 'Jonagold'.

    • Toleranz: 'Discovery', 'James Grieve', 'Goldrush' (oft weniger betroffen).

3. Schadbild

Das Schadbild ist der von Neonectria ditissima sehr ähnlich, zeigt aber einige subtile Unterschiede:

  • Eintrittsstelle: Oft beginnt der Befall an kleinen Verletzungen (Insektenfraß, Hagel, Astkontakt) oder an der Kelchgrube.

  • Nekrose:

    • Es entsteht eine konische, tief in die Frucht eindringende braune bis schwarze Nekrose.

    • Der Rand ist oft scharf abgegrenzt, kann aber einen rötlichen bis violetten Hofhaben.

    • Das Gewebe ist fest und trocken (nicht weich wie bei Botrytis).

  • Geschmack: Das infizierte Fruchtfleisch schmeckt intensiv bitter (Bitter Rot). Der Geschmack diffundiert oft in benachbarte, noch gesunde Bereiche.

  • Sporenträger (Diagnosemerkmal):

    • Auf der Oberfläche der Nekrose bilden sich im Spätherbst/Winter oder in der Lagerung kleine, weiße bis cremefarbene Pusteln(Konidienfruchtkörper/Acervuli).

    • Im Gegensatz zu N. ditissima (orange/rote Perithezien) sind die Fruchtkörper von N. alba oft weißlich und erscheinen als kleine Punkte oder Warzen.

    • Bei hoher Luftfeuchtigkeit können weiße Sporenmassen austreten.

  • Verlauf: Die Fäule breitet sich langsam aus. Symptome treten oft erst kurz vor der Ernte oder, sehr häufig, während der Lagerung (Lagerfäule) auf. Die Frucht kann mummifiziert werden.

4. Lebensweise und Befall

  • Überdauerung:

    • Der Pilz überwintert primär in abgestorbenen Ästen (besonders von Buche und Apfel) und in mummifizierten Früchten am Boden oder hängend am Baum.

    • Auch in Rindenrissen und alten Wunden.

  • Infektionszyklus:

    1. Sporenfreisetzung: Bei feuchter Witterung (Regen, Tau) werden Konidien aus den Acervuli auf totem Holz oder mumifizierten Früchten freigesetzt.

    2. Verbreitung: Durch Regentropfen (Splash) und Wind auf die Früchte.

    3. Infektion: Die Sporen dringen primär über Wunden ein (Hagel, Insekten, Astkontakt). Auch direkte Infektion durch den Kelch ist möglich.

    4. Wachstum: Das Myzel wächst langsam in das Fruchtfleisch ein. Die Inkubationszeit ist oft lang (Wochen bis Monate).

    5. Saisonalität: Infektionen finden hauptsächlich im Spätsommer und Herbst statt. Symptome treten oft erst in der Lagerung auf (Lagerfäule).

  • Verbreitungswege:

    • Wasser (Regen, Beregnung).

    • Wind (Sporen von benachbarten Bäumen, insbesondere Buchen).

    • Infiziertes Pflanzgut (selten).

  • Begünstigung:

    • Hohe Luftfeuchtigkeit und Regen in der Reifezeit.

    • Vorhandensein von Buchen in der Nähe des Obstgartens (wichtiges Reservoir!).

    • Späte Ernte und lange Hangzeit.

    • Hagelschäden oder Insektenfraß.

    • Hohe Luftfeuchtigkeit in der Lagerung.

5. Bekämpfung

Da eine Heilung infizierter Früchte unmöglich ist, steht die Reduktion der Infektionsquelle (insbesondere totes Holz und Buchen) und Vorbeugung im Vordergrund.

  • Kulturelle Maßnahmen (Priorität 1):

    • Entfernung von Reservoiren:

      • Radikales Entfernen aller abgestorbenen Äste und Zweige im Bestand (auch kleine Ästchen).

      • Entfernung von Buchen in unmittelbarer Nähe des Obstgartens, wenn möglich, oder regelmäßige Entnahme von totem Holz an diesen Bäumen.

    • Hygiene:

      • Entfernung aller mummifizierten Früchte (am Baum und am Boden).

      • Gründliche Reinigung des Bestands im Herbst.

    • Schnitt:

      • Schnitt nur bei trockener Witterung.

      • Desinfektion von Werkzeugen.

      • Förderung einer offenen Krone für bessere Belüftung und schnelleres Trocknen.

    • Hagelschutz: Einsatz von Hagelnetzen, um Wunden zu vermeiden.

    • Erntemanagement: Rechtzeitige Ernte, Vermeidung von Verletzungen bei der Ernte.

  • Chemische Bekämpfung:

    • Fungizide: Es gibt keine spezifischen "Bitterfäule-Mittel". Der Schutz erfolgt durch Breitband-Fungizide, die auch gegen Neofabraea wirken.

    • Wirkstoffe: Kupferhaltige Mittel (z. B. Kupferoxychlorid), Chlorothalonil (Zulassung prüfen!), oder systemische Mittel wie Difenoconazol, Fluopyram oder Cyprodinil+Fludioxonil (je nach Zulassungslage).

    • Anwendung:

      • Wichtigster Zeitpunkt: Nach dem Laubfall (Herbstspritzung) und vor dem Austrieb (Frühjahr).

      • In der Vegetationsperiode: Schutzspritzungen bei hoher Infektionsgefahr (Regenperioden in der Reifezeit).

      • Hinweis: Die Wirksamkeit ist begrenzt, wenn viele abgestorbene Äste oder Buchen in der Nähe vorhanden sind.

  • Lagerung:

    • Infizierte Früchte sollten nicht gelagert werden.

    • Gute Lagerbedingungen (kühl, trocken, gute Belüftung, CO2-Management) verlangsamen die Ausbreitung.

    • Regelmäßige Kontrolle der Lagerbestände.





Steckbrief: Bitterfäule (Neofabraea perennans) im Obstbau

1. Art

Neofabraea perennans (Ellis & Everh.) L. Lombard, Crous & M.J. Wingf. (Synonym: Cryptosporiopsis perennans, Physalospora perennans) ist ein Schlauchpilz(Ascomycota) aus der Familie der Valsaceae. Er ist ein Wundparasit, der spezifisch das Fruchtfleisch von Kernobst befällt und die Bitterfäule (Bitter Rot) verursacht. Im Gegensatz zu Neonectria ditissima (Kernobstkrebs) ist N. perennans oft weniger aggressiv gegenüber dem lebenden Holz, kann aber an perennierenden (jahrelang offenen) Wunden und Krebsstellen am Baum überdauern und von dort aus die Früchte infizieren.

2. Vorkommen

  • Geografisch: Weltweit verbreitet, besonders in gemäßigten bis kühlen Klimazonen(Europa, Nordamerika, Neuseeland). In Deutschland tritt er in allen Anbaugebieten auf, besonders in Regionen mit feuchtem Herbstklima.

  • Wirtspflanzen:

    • Kernobst: Apfel (Malus domestica) ist der Hauptwirt.

    • Birne: Wird seltener, aber ebenfalls befallen.

    • Nebenwirte: Verschiedene Laubbäume (z. B. Buche, Ahorn), auf denen der Pilz saprophytisch leben kann, aber der Apfelbaum selbst dient als primäres Reservoir durch überdauernde Wunden.

  • Standortfaktoren:

    • Begünstigt durch feuchtwarmes Wetter während der Reifezeit und hohe Luftfeuchtigkeit.

    • Häufig in Beständen mit viele alten Wunden, Schnittwunden oder Krebsstellen(auch wenn diese nicht aktiv wachsen), die als Sporenproduzenten dienen.

    • Lagerung: Hohe Luftfeuchtigkeit und moderate Temperaturen in der Lagerung begünstigen das Ausbrechen der Symptome (Lagerfäule).

  • Sortenanfälligkeit:

    • Hohe Anfälligkeit: 'Golden Delicious', 'Cox Orange', 'Elstar', 'Boskoop', 'Jonagold', 'Idared'.

    • Toleranz: 'Discovery', 'James Grieve', 'Goldrush' (oft weniger betroffen).

3. Schadbild

Das Schadbild ist der von Neofabraea alba und Neonectria ditissima sehr ähnlich, zeigt aber spezifische Merkmale:

  • Eintrittsstelle: Oft beginnt der Befall an kleinen Verletzungen (Insektenfraß, Hagel, Astkontakt) oder an der Kelchgrube.

  • Nekrose:

    • Es entsteht eine konische, tief in die Frucht eindringende braune bis schwarze Nekrose.

    • Der Rand ist oft scharf abgegrenzt, kann aber einen rötlichen bis violetten Hofhaben.

    • Das Gewebe ist fest und trocken (nicht weich wie bei Botrytis).

  • Geschmack: Das infizierte Fruchtfleisch schmeckt intensiv bitter (Bitter Rot). Der Geschmack diffundiert oft in benachbarte, noch gesunde Bereiche.

  • Sporenträger (Diagnosemerkmal):

    • Auf der Oberfläche der Nekrose bilden sich im Spätherbst/Winter oder in der Lagerung kleine, weiße bis cremefarbene Pusteln(Konidienfruchtkörper/Acervuli).

    • Bei hoher Luftfeuchtigkeit können weiße Sporenmassen austreten.

    • Im Gegensatz zu Neonectria ditissima (orange/rote Perithezien) sind die Fruchtkörper von N. perennans oft weißlich und erscheinen als kleine Punkte oder Warzen.

  • Verlauf: Die Fäule breitet sich langsam aus. Symptome treten oft erst kurz vor der Ernte oder, sehr häufig, während der Lagerung (Lagerfäule) auf. Die Frucht kann mummifiziert werden.

4. Lebensweise und Befall

  • Überdauerung:

    • Der Pilz überwintert primär in perennierenden Wunden und Krebsstellen an den Ästen und Zweigen des Apfelbaums selbst (daher der Name perennans = "dauernd").

    • Auch in mummifizierten Früchten am Boden oder hängend am Baum.

    • In abgefallenen Blättern und Zweigen.

  • Infektionszyklus:

    1. Sporenfreisetzung: Bei feuchter Witterung (Regen, Tau) werden Konidien aus den Acervuli auf den überdauernden Wunden oder mumifizierten Früchten freigesetzt.

    2. Verbreitung: Durch Regentropfen (Splash) und Wind auf die Früchte.

    3. Infektion: Die Sporen dringen primär über Wunden ein (Hagel, Insekten, Astkontakt). Auch direkte Infektion durch den Kelch ist möglich.

    4. Wachstum: Das Myzel wächst langsam in das Fruchtfleisch ein. Die Inkubationszeit ist oft lang (Wochen bis Monate).

    5. Saisonalität: Infektionen finden hauptsächlich im Spätsommer und Herbst statt. Symptome treten oft erst in der Lagerung auf (Lagerfäule).

  • Verbreitungswege:

    • Wasser (Regen, Beregnung).

    • Wind (Sporen von benachbarten Ästen und Wunden im eigenen Bestand).

    • Infiziertes Pflanzgut (selten).

  • Begünstigung:

    • Hohe Luftfeuchtigkeit und Regen in der Reifezeit.

    • Vorhandensein von alten Wunden und Krebsstellen im Bestand (wichtiges Reservoir!).

    • Späte Ernte und lange Hangzeit.

    • Hagelschäden oder Insektenfraß.

    • Hohe Luftfeuchtigkeit in der Lagerung.

5. Bekämpfung

Da eine Heilung infizierter Früchte unmöglich ist, steht die Reduktion der Infektionsquelle (insbesondere alte Wunden und mumifizierte Früchte) und Vorbeugungim Vordergrund.

  • Kulturelle Maßnahmen (Priorität 1):

    • Entfernung von Reservoiren:

      • Radikales Entfernen aller abgestorbenen Äste, Zweige und Krebsstellen im Bestand (auch kleine Ästchen und alte Wunden).

      • Entfernung von mumifizierten Früchten (am Baum und am Boden).

      • Gründliche Reinigung des Bestands im Herbst.

    • Schnitt:

      • Schnitt nur bei trockener Witterung.

      • Desinfektion von Werkzeugen.

      • Förderung einer offenen Krone für bessere Belüftung und schnelleres Trocknen.

      • Wundbehandlung: Bei großen Schnittwunden kann eine Wundversiegelung (in der Praxis umstritten, oft eher mechanischer Schutz) helfen, aber die primäre Maßnahme ist das Entfernen von infiziertem Gewebe.

    • Hagelschutz: Einsatz von Hagelnetzen, um Wunden zu vermeiden.

    • Erntemanagement: Rechtzeitige Ernte, Vermeidung von Verletzungen bei der Ernte.

  • Chemische Bekämpfung:

    • Fungizide: Es gibt keine spezifischen "Bitterfäule-Mittel". Der Schutz erfolgt durch Breitband-Fungizide, die auch gegen Neofabraea wirken.

    • Wirkstoffe: Kupferhaltige Mittel (z. B. Kupferoxychlorid), Chlorothalonil (Zulassung prüfen!), oder systemische Mittel wie Difenoconazol, Fluopyram oder Cyprodinil+Fludioxonil (je nach Zulassungslage).

    • Anwendung:

      • Wichtigster Zeitpunkt: Nach dem Laubfall (Herbstspritzung) und vor dem Austrieb (Frühjahr).

      • In der Vegetationsperiode: Schutzspritzungen bei hoher Infektionsgefahr (Regenperioden in der Reifezeit).

      • Hinweis: Die Wirksamkeit ist begrenzt, wenn viele alte Wunden oder Krebsstellen im Bestand vorhanden sind.

  • Lagerung:

    • Infizierte Früchte sollten nicht gelagert werden.

    • Gute Lagerbedingungen (kühl, trocken, gute Belüftung, CO2-Management) verlangsamen die Ausbreitung.

    • Regelmäßige Kontrolle der Lagerbestände.




Steckbrief: Anthraknose / Bitterfäule (Glomerella acutata) im Obstbau

1. Art

Glomerella acutata (Simmonds) Crous & M.J. Wingf. (Anamorph: Colletotrichum acutatum Simmonds) ist ein Schlauchpilz (Ascomycota) aus der Familie der Glomerellaceae. Er ist ein Wundparasit und ein oberflächlicher Endophyt, der in vielen Fällen asymptomatisch in der Fruchthaut oder im Blattgewebe überdauern kann, bevor er unter Stressbedingungen (Reife, Lagerung, Verletzung) pathogen wird. Er verursacht eine Fruchtfäule, die oft als Anthraknose oder Bitterfäule (im Sinne von Colletotrichum-Fäule) bezeichnet wird.

2. Vorkommen

  • Geografisch: Weltweit verbreitet, aber in wärmeren, feuchten Klimazonen(Südeuropa, USA, Neuseeland) besonders aggressiv. In Mitteleuropa tritt er gehäuft in warmen Jahren mit regenreichen Phasen während der Reife auf.

  • Wirtspflanzen:

    • Kernobst: Apfel (Malus domestica) ist der Hauptwirt.

    • Birne: Wird ebenfalls befallen, oft mit ähnlichen Symptomen.

    • Andere Wirte: Der Pilz hat ein sehr breites Wirtsspektrum (über 300 Arten), inkl. Beerenobst (Erdbeere, Himbeere), Steinobst und Zierpflanzen. Dies macht ihn zu einem ubiquitären Erreger im Gartenbau.

  • Standortfaktoren:

    • Begünstigt durch warme Temperaturen (Optimum 25–28°C) und hohe Luftfeuchtigkeit während der Reifezeit.

    • Häufig in Beständen mit dichter Belaubung (schlechtes Trocknungsverhalten) und später Ernte.

    • Lagerung: Hohe Temperaturen und Feuchtigkeit in der Lagerung fördern das Ausbrechen.

  • Sortenanfälligkeit:

    • Hohe Anfälligkeit: 'Golden Delicious', 'Gala', 'Fuji', 'Elstar', 'Jonagold'.

    • Toleranz: 'Boskoop', 'Granny Smith' (oft etwas resistenter, aber nicht immun).

3. Schadbild

Das Schadbild unterscheidet sich deutlich von der Neonectria/Neofabraea-Bitterfäule:

  • Eintrittsstelle: Oft beginnt der Befall an kleinen Verletzungen (Insektenfraß, Hagel) oder direkt durch die Kutikula (da der Pilz endophytisch sein kann).

  • Nekrose:

    • Es entstehen runde bis ovale, eingesunkene Flecken auf der Fruchtoberfläche.

    • Die Nekrose breitet sich konzentrisch aus (Ringbildung).

    • Das Gewebe ist weich und faulig (im Gegensatz zum festen Gewebe bei Neonectria), kann aber auch trocken werden.

    • Farbe: Von hellbraun über rötlich bis dunkelbraun/schwarz.

  • Sporenträger (Diagnosemerkmal):

    • Bei hoher Luftfeuchtigkeit (besonders in der Lagerung oder bei Regen) bilden sich auf der Nekrose salmonfarbene bis orange-rosa Sporenpolster(Konidienmassen). Dies ist das charakteristischste Merkmal von Colletotrichum-Fäulen.

    • Die Sporen sind in zähen Schleimklumpen eingebettet.

  • Geschmack: Das infizierte Fruchtfleisch schmeckt oft bitter oder unangenehm, kann aber auch neutral sein, solange die Fäule nicht weit fortgeschritten ist.

  • Verlauf: Die Fäule breitet sich schnell aus, besonders bei warmen Lagerbedingungen. Die Frucht kann komplett verrotten.

4. Lebensweise und Befall

  • Überdauerung:

    • Der Pilz kann als Endophyt in gesunden Blättern, Trieben und sogar unreifen Früchten überdauern, ohne Symptome zu verursachen.

    • Auch in abgefallenen Blättern, mummifizierten Früchten und auf Unkraut in der Reihe.

    • Keine Bildung von harten Überdauerungsstrukturen (wie Sklerotien), aber lange Lebensfähigkeit der Konidien in feuchtem Milieu.

  • Infektionszyklus:

    1. Sporenfreisetzung: Bei Regen oder Tau werden Konidien aus den Acervuli (auf infiziertem Gewebe oder Endophyten) freigesetzt.

    2. Verbreitung: Durch Regentropfen (Splash), Wind und Insekten.

    3. Infektion: Die Sporen keimen bei feuchter Witterung und dringen direkt durch die Kutikula oder über Wunden ein.

    4. Latente Infektion: Oft erfolgt die Infektion bereits im Frühsommer (wenn die Früchte klein sind), aber der Pilz bleibt inaktiv (latent), bis die Frucht reif wird oder Stressfaktoren (Temperaturanstieg, Verletzung) eintreten. Dann bricht die Fäule aus.

    5. Saisonalität: Infektionen ganzjährig möglich, aber kritisch im Spätsommer/Herbst (Reife). Symptome treten oft erst kurz vor der Ernte oder in der Lagerung auf.

  • Verbreitungswege:

    • Wasser (Regen, Beregnung).

    • Wind.

    • Insekten (z. B. Obstfliegen, die den Pilz verschleppen).

    • Infiziertes Pflanzgut (selten, aber möglich).

  • Begünstigung:

    • Warme, feuchte Witterung in der Reifezeit.

    • Späte Ernte.

    • Hohe Luftfeuchtigkeit in der Lagerung.

    • Vorhandensein von Unkraut oder abgefallenen Blättern im Bestand.

5. Bekämpfung

Da der Pilz oft latent infiziert und erst spät symptomatisch wird, ist die Vorbeugung und Reduktion der Infektionslast entscheidend.

  • Kulturelle Maßnahmen (Priorität 1):

    • Hygiene:

      • Entfernung aller abgefallenen Blätter und mummifizierten Früchte im Herbst (Reduktion der Inokulumquelle).

      • Unkrautkontrolle in der Reihe.

    • Bestandsführung:

      • Förderung einer offenen Krone für bessere Belüftung und schnelleres Trocknen nach Regen.

      • Vermeidung von übermäßigem Stickstoff, der zu dichtem Laub führt.

    • Hagelschutz: Einsatz von Hagelnetzen, um Wunden zu vermeiden (Eintrittspforten).

    • Erntemanagement:

      • Rechtzeitige Ernte (nicht zu spät ernten).

      • Vorsichtige Ernte, um Verletzungen zu minimieren.

      • Sortierung: Befallene Früchte sofort aussortieren und vernichten (nicht lagern!).

  • Chemische Bekämpfung:

    • Fungizide: Es gibt keine spezifischen "Anthraknose-Mittel". Der Schutz erfolgt durch Breitband-Fungizide, die auch gegen Colletotrichum wirken.

    • Wirkstoffe:

      • Dithiocarbamate (z. B. Mancozeb) – oft als Schutzmittel.

      • Systemische Mittel: Difenoconazol, Fluopyram, Cyprodinil+Fludioxonil, Boscalid (je nach Zulassungslage).

      • Kupfer: Kann präventiv wirken, aber oft limitiert im ökologischen Anbau.

    • Anwendung:

      • Wichtigster Zeitpunkt: Von der Blüte bis zur Ernte (besonders bei Regenperioden in der Reifezeit).

      • Da die Infektion oft latent ist, müssen Spritzungen vor der Infektionsperiode (z. B. bei Regenwarnungen) erfolgen.

      • Hinweis: Die Wirksamkeit ist begrenzt, wenn die Infektion bereits latent vorliegt.

  • Lagerung:

    • Kühle Lagerung (nahe 0°C) verlangsamt die Entwicklung der Fäule drastisch.

    • Kontrolle der Luftfeuchtigkeit (nicht zu hoch).

    • Regelmäßige Kontrolle der Lagerbestände und Entfernen befallener Früchte.

    • CA-Lagerung (Controlled Atmosphere) kann helfen, die Entwicklung zu hemmen.





Krankheit: Apfelschorf (Venturia inequalis)

Art: Schlauchpilze (Ascomycota)

Vorkommen: Apfel (Malus domestica) + humide Klimagebiete

-> bedeutendste Krankheit im Kernobstanbau

  • bis zu 2/3 aller Applikationen werden gegen Schorf verwendet

    • Resistenzentwicklung des Pilzes

    • gerade bei monoresistenten Züchtungen gibt es Durchbrüche und


Schadbild:

-> tritt an Laub- und Blütenblättern, Früchten auf; selten an grünen Trieben und Knospen

  • oft schon kurz nach dem Austrieb auf den Blattoberseiten runde samtartige, olivgrüne bis dunkelbraune Flecken

  • zum Sommer hin dehnen sie sich weiter aus (auch Unterseite) und trocknen ein, wodurch sich das Blatt wellig deformiert

    • am Rand bleibt häufig ein schwarzes Myzel aktiv

    • der Baum stößt die Blätter vorzeitig ab und steht mitunter im August fast nackt da

  • auch auf den heranwachsenden Früchten treten dunkle Flecken auf, die oft von einem silbrig-weißen Rand umgeben sind

    • Schale verkorkt an diesen Stellen, wächst nicht mehr mit, und wird rissig,

    • Fruchtfleisch sinkt ein

    • deformierte Früchte bei starkem Frühbefall

      • fallen teilweise vorzeitig ab

  • Spätschorf macht sich meist erst als Lagerschorf bemerktbar

    • später Befall (6 Wochen vor der Ernte)

    • häufig nur kleine punktförmige, schwarze Befallstellen auf den Früchten

    • als Flächenschorf auf den Blättern

  • seltener Befall an Knospen und Zweigen

    • olivegrüne bis graue Flecken an Knospenschuppen

    • Pusteln oder Zweiggrind an Trieben (bspw Cox Orange, Gloster)

      • braunschwarzer krustenartiger, mehrere Zentimeter langer, Überzug bei starkem Vorjahresbefall

!Äpfel sind noch essbar, nur nicht mehr so lange lagerfähig!

-> frühzeitiger Blattfall schwächt den Baum und reduziert den Fruchtansatz im Folgejahr


Lebensweise/Befall:

Überwinterung und primäre Infektion:

  • Venturia inaequalis überwintert saprophytisch im Falllaub auf dem Boden

    -> selten auch an den Zweigen (bei starkem Befall im Vorjahr), was zu frühzeitiger Infektion über Konidien führt

    • hier entwickeln sich in den Früchtkörper (Pseudothezien) die geschlechtlich gebildeten Ascosporen

      • zur Apfelblüte werden die Sporen ausgeschleudert (ca 3cm über dem Boden) und vom Wind weitergetragen

      -> die Intensität des Ascosporenausstoßes hängt von der Belichtungsstärke ab

      • bei Dunkelheit werden nur 5% der Sporen ausgeschleudert

    • der Ascosporenaustoß ist um die Blüte am stärksten und endet je nach Region zwischen Ende Mai und Mitte Juni

Keimung und sekundäre Infektion:

  • nach Niederschlägen keimen die Ascosporen auf den jungen Blättern

    • sobald Konidien oder Ascosporen auf grüne Pflanzenteile treffen, bilden sie abhängig von Feuchte und Temperatur einen in die Pflanze eindringenden Keimschlauch aus

    • das Myzel bettet sich ins Gewebe ein

-> parasitische Nebenfruchtform Spilocaea pomi

  • nach 8-20 Tagen Inkubationszeit bilden sich Konidien und der Pilz wird als runde Flecken sichtbar

    -> Konidien bilden sich bis zum Blattfall (abnehmender) und werden jederzeit (unabhängig der Belichtung) verbreitet

    • die Verbreitung findet innerhalb eines Baumes statt, weniger zwischen Baumreihen

Infektionsbedingungen:

-> relevant sind Temperatur, relative Luftfeuchte (rF) udn Sonneneinstrahlung

  • vor allem Infektion bei hoher Luftfeuchtigkeit und wenn die Blätter lange Zeit nicht abtrocknen

    • nur feuchte Pflanzenorgane können infiziert werden

      • wenn die Blätter vor Infektionsabschluß abtrocknen kann die Infektion unterbrochen werden

-> Angaben:

  • bei rF 90% = 16h Mindesttrockendauer (Mtd)

  • bei rF <90% = 12h Mtd

  • bei rF <70% + Sonnenschein + warm = 8-10h Mtd



Bekämpfung:

Vorbeugende Maßnahmen ->

  • schorfresistente Sortenwahl (bspw. Topaz, Santana, Rubinola (?))

  • licht- und Luftdurchlässige Baumreihen für kurze Benetzungdauer

  • Beschleunigung Falllaubabbau -> Reduktion der Pseudothezien-Entwicklung

    • Erhalt/Förderung von Bodenleben

    • Vinasse/Harnstoff für Laubabfall bzw kurz danach

    • Kalkstickstoff (max. 2,0 dt/ha) vor dem Austrieb zur Verätzung des Schorf-Fruchtkörpers

  • Harnstoff (5%) auf den Boden zur Verringerung der Ascosporen

  • ruhig wachsender Baum mit frühem Triebabschluß (Unterlage, Schnitt, Wurzelschnitt, angepasste Stickstoffdüngung) zur Verkürzung des Ansteckungszeitraums über hochanfällige Pflanzenteile und reduzierte oder gar vermiedene Bildung von “Winterkonidien”

Direktmaßnahmen

Fungizide

-> zum Erhalt der Schorfresistenz minimiertes Spritzprogramm mit ca 4-6 Applikationen in der primären Phase/Blütezeitraum

-> computergestütze Prognosesimulationsprogramme nutzen bspw RIMpro

Einsatzart:

  • vorbeugendes Kontaktfungizid zum Knospenaufbruch

    • gegen Infektion überwinternder Konidien am Baum

  • vorbeugende Behandlung vor prognostizierten Infektionsereignissen

  • kurative Applikation nach Infektionsereignissen

  • nach dem Ascosporenflug können Spritzabstände ausgedehnt werden solange kein Schorfbefall da ist

    • vorrangig dann Mittel gegen Fruchtfäule und Schorf

    • bei Schorfbefall Spritzabstände nicht über 10 Tage (je nach Infektionsbedingungen)

Mittel:

  • Sterolsynthesehemmer (bspw. Score, Belanty) -> nicht mehr als 2 Andwenungen/Saison wegen Resistenzen; in Mischung mit Kontaktfungiziden empfohlen

  • Azole und Anilinopyrimidine (bspw. Chorus, Scala) -> kurativ (bis zu 24h); unzureichende Wirkung gegen Fruchtschorf -> daher nur bis Ende der Blütezeit; max 2-3 Anwendungen/Saison

    • problemtisch: wirken in manchen Anbaugebieten nicht mehr!

  • vorbeugende Belags-/Kontaktfungizide: Dithianon-, Captan-, Kupfer-, oder Schwefelpräparate

    • !-> maximale Wirkungsdauer von 3 Tagen (hohe Sporenzahl, hohe Pflanzenzuwachsrate) bis 7 Tagen (niedrige Temperaturen, gerineg Pflanzenzuwachsrate)

      • zwischenzeitliche Niederschläge über 25mm verringern die Wirkdauer noch

    • Kupfer aufgrund phytotoxischer Reaktion nur zum Austrieb anwenden

    • Schwefel kann bei hoher Strahlungsintensität zu Schäden an den Früchten führen

      • Achtung in den Sommermonaten

      • Schwefelkalk auf das nasse Blatt appliziert ist sehr wirksam

  • Dodine- und strobilurinhaltige Präparate zur vorbeugenden Behandlung

    • problematisch: es wurden schon Resistenzen gegen diese Mittel nachgewiesen!

-> zur Resistenzvermeidung können Fungizide kombiniert werden!

  • Gibellerine mindern die Berostungsgefahr


Was kann man tun? Wegen des ähnlichen Lebensrhythmus der Erreger greifen die gleichen Vorbeugemaßnahmen wie bei der Blattfleckenkrankheit: Halten Sie die Krone durch den Winterschnitt stets offen und luftig. Entfernen Sie Falllaub vor dem Austrieb und unterstützen Sie dessen Zersetzung, z.  B. auch durch Gießen mit Brennnesseljauche im März. Wer will, kann kleinere Bäume zur Pflanzenstärkung im Frühjahr mit Schachtelhalmbrühe spritzen. Bei Neuanpflanzungen schorftolerante Sorten wählen, wie ‘Topaz’, ‘Retina’, ‘Florina’.






Steckbrief: Neonectria ditissima im Obstbau

1. Art

Neonectria ditissima (A.B. Franklin) Rossman & Samuels (früher Nectria galligena) ist ein asexuell und sexuell fruktifizierender Schlauchpilz (Ascomycota). Er ist der bedeutendste Erreger des Kernobstkrebses (Apple Canker) in Europa und weltweit. Der Pilz befällt das Holz und die Rinde von Gehölzen, führt zu nekrotischen Wucherungen (Krebsgeschwüren) und kann bei starkem Befall zum Absterben ganzer Äste oder Bäume führen. Er gilt als Wundparasit, der jedoch bei Stressfaktoren auch gesundes Gewebe infizieren kann.

2. Vorkommen

  • Geografisch: Weltweit verbreitet, besonders in gemäßigten Klimazonen mit niederschlagsreichen, kühlen Sommern (z. B. Mitteleuropa, Großbritannien, Neuseeland).

  • Wirtspflanzen im Obstbau:

    • Kernobst: Apfel (Malus domestica) ist der Hauptwirt. Auch Birne (Pyrus) wird befallen, jedoch seltener und oft weniger aggressiv.

    • Nebenwirte: Buche, Ahorn, Weide, Pappel (im Wald und als Hecken).

  • Standortfaktoren:

    • Begünstigt durch feucht-kühle Klimazonen und hohe Luftfeuchtigkeit.

    • Häufig in Beständen mit hoher Frostgefährdung (Frostschäden als Eintrittspforten).

    • Schwache, gestresste Bäume (z. B. durch Trockenstress, Nährstoffmangel oder mechanische Verletzungen) sind anfälliger.

  • Sortenanfälligkeit: Deutliche genetische Unterschiede.

    • Hohe Anfälligkeit: 'Golden Delicious', 'Cox Orange', 'Idared', 'Elstar', 'Boskoop'.

    • Toleranz/Resistenz: 'Discovery', 'James Grieve', 'Goldrush', sowie viele moderne Züchtungen mit Resistenzgenen (z. B. aus Malus floribunda).

3. Schadbild

Das Schadbild ist charakteristisch und entwickelt sich über Jahre:

  • Krebsgeschwüre (Cankers):

    • Frühstadium: Kleine, runde, braune Flecken an der Rinde, oft um eine Wunde (Frost, Schnitt, Insektenfraß) herum.

    • Progression: Die Rinde stirbt ab, wird rissig und brüchig. Der Pilz wächst in das darunterliegende Holz ein.

    • Reaktion des Baumes: Der Baum versucht, das nekrotische Gewebe durch Wundholz (Callus) einzukapseln. Dies führt zu typischen konkretischen Wucherungen (Ringwälle).

    • Jahresringe: Bei jährlichem Wachstum des Pilzes und jährlicher Reaktion des Baumes entstehen charakteristische Zonenringe (ähnlich wie Jahresringe), die im Querschnitt sichtbar sind.

  • Aststerben: Bei starkem Befall sterben ganze Äste ab, oft beginnend an der Spitze und zurückgehend zum Stamm.

  • Fruchtschäden: Selten direkte Fruchtfäule, aber befallene Äste tragen keine Früchte mehr.

  • Laubveränderung: Bei starkem Astbefall kann das Laub vorzeitig welken oder gelb werden.

  • Sporenträger: Im Spätherbst/Winter sind auf der abgestorbenen Rinde kleine, rote bis orangefarbene Fruchtkörper (Perithezien) sichtbar, die wie kleine Knöpfe aussehen.

4. Lebensweise und Befall

  • Überdauerung: Der Pilz überwintert in abgestorbenen Krebsgeschwüren an Bäumen und auf abgefallenen, infizierten Blättern und Zweigen am Boden.

  • Infektionszyklus:

    1. Sporenfreisetzung: Bei feuchter Witterung (Regen, Tau) werden Konidien (asexuelle Sporen) und Ascosporen (sexuelle Sporen) aus den Fruchtkörpern freigesetzt.

    2. Verbreitung: Sporen werden durch Regentropfen (Splash) und Wind über kurze bis mittlere Distanzen verbreitet.

    3. Infektion: Die Sporen keimen und dringen primär über Wunden ein (Schnittwunden, Frostrisse, Insektenfraß, Blattstielnarben im Herbst).

    4. Wachstum: Das Myzel wächst im Kambium und Holz, tötet das Gewebe ab und breitet sich aus.

    5. Saisonalität: Hauptinfektionszeiten sind der Herbst (Blattfall, Wundheilung) und das Frühjahr (Knospenaufbruch, Frostschäden).

  • Begünstigung:

    • Lange Feuchtperioden.

    • Häufige Frostschäden (Winter).

    • Unsachgemäßer Schnitt (zu große Wunden, nicht desinfizierte Werkzeuge).

    • Dichte Bestände mit schlechter Belüftung (hohe Luftfeuchtigkeit).

5. Bekämpfung

Da eine Heilung bestehender Krebsgeschwüre kaum möglich ist, steht die Vorbeugungund Hygiene im Vordergrund.

  • Kulturelle Maßnahmen (Priorität 1):

    • Sortenwahl: Anbau von resistenten oder toleranten Sorten und Unterlagen.

    • Schnitttechnik:

      • Schnitt nur bei trockener Witterung (kein Regen, kein Tau).

      • Vermeidung großer Wunden; bei großen Schnitten Wundverschlussmittel (in der Praxis umstritten, oft eher mechanischer Schutz).

      • Desinfektion von Schnittwerkzeugen zwischen Bäumen (z. B. mit Alkohol oder speziellen Mitteln), besonders in infizierten Beständen.

      • Schnitt im Sommer (Juli/August) kann das Risiko senken, da die Wundheilung schneller erfolgt und die Sporenaktivität geringer ist als im Herbst.

    • Hygiene:

      • Entfernung befallener Äste: Krebsgeschwüre müssen radikal herausgeschnitten werden (bis ins gesunde Holz, mind. 10–15 cm unterhalb des Krebses).

      • Entsorgung: Befallenes Schnittgut muss aus dem Bestand entfernt und vernichtet werden (nicht kompostieren!).

      • Laubentsorgung: Abgefallene Blätter im Herbst entfernen oder tief einarbeiten, um die Sporenquelle zu reduzieren.

  • Chemische Bekämpfung:

    • Fungizide: Es gibt keine spezifischen "Krebsmittel". Der Einsatz von kupferhaltigen Mitteln (z. B. Kupferoxychlorid) oder Schutzmitteln (z. B. auf Basis von Chlorothalonil – Zulassung prüfen!) kann präventiv wirken, insbesondere nach dem Laubfall im Herbst oder vor dem Austrieb im Frühjahr.

    • Anwendung: Meist als Spritzung nach dem Laubfall ("Herbstspritzung") und im Frühjahr vor dem Knospenaufbruch.

    • Hinweis: Die Wirksamkeit ist begrenzt und hängt stark vom Zeitpunkt und der Witterung ab.

  • Biologische Maßnahmen:

    • Förderung der natürlichen Wundheilung durch optimale Nährstoffversorgung (Kalium, Bor).

    • Einsatz von antagonisitischen Mikroorganismen (z. B. Bacillus-Stämme) zur Wundbehandlung (in Entwicklung/Testung).

Quellenbasis (Aktuelle Fachliteratur & Institutionen)

Die Informationen basieren auf Synthesen aktueller Erkenntnisse folgender Institutionen und Publikationen:

  1. Julius Kühn-Institut (JKI) – Institut für Pflanzenschutz in Obst-, Gemüse- und Weinbau: Aktuelle Forschungsberichte zu Kernobstkrebs und Resistenzscreening.

  2. Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee (KOB) – Fachberatung und Leitfäden zu Schnittmaßnahmen und Krankheitsmanagement im Kernobst.

  3. Agroscope (Schweiz) – Forschungsprojekte zu Neonectria ditissima, Sortenempfehlungen und Schnitttechniken.

  4. Fachzeitschriften: Erwerbs-Obstbau (Springer), Plant Pathology, Journal of Plant Diseases and Protection – Aktuelle Studien zu Epidemiologie, Genetik der Resistenz und chemischem Management.

  5. Pflanzenschutzdienst der Länder (z. B. Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen): Aktuelle Beratungshinweise und Warnsysteme für Obstbauern.


Marssonina

Art:

Vorkommen:

Lebensweise:

Schadbild:

Diese Krankheit tritt leider besonders in Hausgärten und Bio-Anlagen auf. Die Blätter der Apfelbäume zeigen ab Juni Symptome, oft auch erst im Juli oder August. Unregelmäßige graubraune Verfärbungen erscheinen auf der Lauboberseite. Dazwischen vergilben die Blätter oft. Das Gemeine ist: Bei jeder Apfelsorte sieht das etwas anders aus. Während die Flecken bei ‘Golden Delicious’  als abgestorbenes, nekrotisches Gewebe graubraun bleiben und langsam ineinander laufen oder sich fein verästeln, vergilben die Blätter am ‘Boskoop’ und zeigen nur noch kleine grüne Punkte. 

Der Baum wirft die Blätter oft vorzeitig ab, was Fruchtertrag und -qualität beeinträchtigt und den Baum für die Folgesaison schwächt. Die Früchte bleiben hängen, können aber ebenfalls dunkle, eingesunkene Flecken aufweisen.

Befall:

Ursache: Dahinter steckt ein Pilz, Marssonina coronaria. Er stammt ursprünglich aus Süd-Ost-Asien und tritt bei uns erst in jüngerer Zeit im Zuge des Klimawandels auf (2010 erstmals in der Bodenseeregion). Er überwintert im Falllaub. Ab der Blütezeit infizieren seine Sporen die Blätter, vor allem nach längeren Regenperioden, wenn die Blätter lange Zeit nass bleiben. Höhere Temperaturen über 15 °C leisten dem Vorschub.

Bekämpfung:

Was kann man tun? Vorbeugend entfernt man Falllaub im Winter und sorgt durch Schnitt für eine offene luftige Krone, damit die Blätter schnell abtrocknen. Außerdem ist alles hilfreich, was die Umsetzung des restlichen Falllaubs am Boden beschleunigt und dem Pilz die Lebensgrundlage entzieht: z. B. Hacken oder Mulchen der Baumscheibe oder reifen Kompost darauf ausbringen.


Nützlinge



Zu beachten:





Krankheit: Apfelmehltau (Podosphaera leucotricha)

Art: Pilz

Echter Mehltau (Erysiphaceae)

-> Schlauchpilze (Ascomycota)

Vorkommen: Malus domestica

-> neben dem Schorf der häufigste Schaderreger am Apfelbaum

Lebensweise:

->biotropher Ektoparasit

  • oberflächliches Wachstum auf den Blättern

    • dringt lediglich zur Nahrungsaufnahme mit Haustorien in die Zelle ein

  • überwintert als Mycel in den Blatt- und Blütenknospen, vor allem an den Triebspitzen

  • beim Knospenaufbruch und Austrieb im Frühjahr beginnt das Pilzmycel die jungen Blättchen mit einem weißlichen Pilzgeflecht zu überziehen (Primärbefall)

  • gleichzeitig beginnt die Ausbildung von Sporen (Konidien), die durch Wind, Insekten und Regentropfen verbreitet werden (Sekundärbefall)

    • Sporenkeimung kann zwischen 4-28° erfolgen

      • Optimal sind 20-25°

  • !Blattnässe ist für die Keimung der Sporen, im Gegensatz zu anderen Pilzerkrankungen, wie zum Beispiel dem Apfelschorf, nicht notwendig!

    • tropfbares Wasser ist sogar hinderlich für die Infektion



Befall:

  • die Hauptinfektionszeit des Echten Mehltaus liegt zwischen Ende Mai und Anfang Juli

    • solange laufend neue Blätter gebildet werden

  • gefährdet sind vor allem die jüngeren Blätter

    • nach cirka 14 Tagen sind die Blätter schon widerstandsfähiger und eine starke Infektion ist nicht mehr wahrscheinlich

  • im Sommer werden auch die neuen Knospen infiziert, die für das nächste Jahr ausgebildet werden

    • entweder wächst das Pilzmycel direkt über den Blattstiel von befallenen Blättern in die noch ungeschützten, neuen Knospen

    • oder wird verbreitet durch Regen oder Wind

      • so wird bereits im Sommer die Voraussetzung für die Neuinfektion im folgenden Jahr geschaffen!

  • Der Befall erfolgt meist bei Temperaturen um 20–24°C und einer hohen relativen Luftfeuchte -> schwülwarmer Witterung

    • !Ganz anders als die meisten Pilze brauchen Mehltaupilze nicht unbedingt feuchtes Laub zum Keimen, sie infizieren auch trockene Blätter!

  • Während langanhaltender Regenperioden mit tiefen Temperaturen ist das Infektionsrisiko dagegen gering

    • Bei sehr tiefen Temperaturen unter –20°C im Winter sterben die infizierten Knospen ab. Nach sehr kalten Wintern ist also ein geringeres Infektionsrisiko im Frühjahr zu erwarten.

Schadbild:

Herbst/Winter:

  • Befallene Knospen sind matt und runzlig, gegenüber gesunden Knospen wirken sie verkümmert

    • Sie treiben im Frühjahr nur spärlich oder nicht mehr aus.


Durch Echten Mehltau verkahlte Apfeltriebe


Frühjahr/Sommer:

  • Junge Blätter und Triebe sind bald nach dem Austrieb von einem pudrig weißen, mehligen Belag überzogen (später graugrün)

    -> auch auf der Unterseite

    • infizierten Blätter sind steil aufwärts gerichtet und schmal; bleiben in der Entwicklung zurück; rollen sich ein; vertrocknen allmählich vom Rand her und fallen ab

    • Ganze Triebe können so, bis auf ein Blattbüschel mit kleinen, verkümmerten Blättern am Triebende, verkahlen

    • ganze Triebspitzen filzig weiß

  • die Assimilationsleistung der Blätter ist eingeschränkt bei starkem Befall

    • beeinträchtigt die Fruchtqualität

  • Zum Teil ist auf den Blättern neben dem weißen Pilzbelag eine violett-rötliche Verfärbung zu erkennen

  • Bei einem Befall der Blütenbüschel entwickeln sich die Blüten nicht mehr vollständig, die Blütenblätter bleiben schmal und vergrünen

    • es wird kein Fruchtansatz gebildet

  • Bei starkem Befallsdruck können auch die Früchte von empfindlichen Sorten befallen werden

    • Sie weisen dann eine netzartige Berostung auf


Bekämpfung:

Vorbeugende Maßnahmen:

  • Sortenwahl

    • stark anfällig: ’Weißer Klarapfel’, ’Cox Orange’, ’Jonathan’, ’Jonagold’, ’Idared’, ’Boskoop’, ’Gala’, oder ’Goldparmäne’.

    • evtl weniger anfällig die Re-Sorten aus Pillnitz, Alkmene, Piros, Enterprise…

      • Angaben von Sorten mit geringer Anfälligkeit haben oft wenig Wert, da bei hoher Mehltaugefahr fast alle Sorten mehr oder weniger stark befallen werden

    • Auf eine ausgewogene Düngung ist zu achten, überhöhte Stickstoffgaben machen die Pflanzen generell anfälliger für Pilzinfektionen.

Direkte Bekämpfung:

  • regelmäßiges Wegschneiden oder Ausbrechen befallener Stellen

    • im Winter Kontrolle auf befallene Knospen, insbesondere an den weiß bepuderten Triebspitzen

    • ab Austriebsbeginn bis Triebabschluß die Triebe, Blätter und die Blüten beobachten

  • früher Triebabschluß und ruhiges Triebwachstum fördern

  • zusätzlich chemische PSM:

    • teilsystemische Fungizide (Triazole)

    • Strobilurine

    • carboxamidhaltige PSM (mit Nebenwirkung auf Schorf)

    !-> besonders wichtig während des Triebabschluß zum Schutz zukünftiger Blüten- und Blattknospen!


Wie lässt sich Echter und Falscher Mehltau unterscheiden

Echter Mehltau

  • Symptome: Weißer, mehlartiger, abwischbarer Belag auf der Blattoberseite, häufig auch an Triebspitzen.

  • Merkmale: Wächst nur oberflächlich auf dem Blatt.

  • Bedingungen: Warme, sonnige Tage in Kombination mit kühlen, feuchten Nächten mit Taubildung. Deshalb auch „Schönwetterpilz“ genannt.

  • Besonders anfällig: Äpfel, Beerenobst, Gurken, Kürbis, Rosen, Stauden.


    Echter Mehltau an der Rose

Falscher Mehltau

  • Symptome: Weißlich bis grau-violetter, nicht abwischbarer Belag auf der Blattunterseite; auf der Oberseite gelbe bis braune Flecken.

  • Merkmale: Dringt tief ins Blattgewebe ein.

  • Bedingungen: Kühles, niederschlagsreiches Wetter – häufig im Frühjahr und Herbst.

  • Besonders anfällig: Gurken, Salat, Spinat sowie verschiedene Zierpflanzen.

Der Falsche Mehltau zeigt sich durch einen Pilzrasen auf der Blattrückseite, hier an einem Weinblatt.

Hinweis: Sporen können viele Jahre im Boden überdauern. Befallene Pflanzenteile daher niemals auf den Kompost geben!

Vorbeugende Maßnahmen

  • Frühbeetkästen und Gewächshäuser sollten regelmäßig und reichlich gelüftet werden.

  • Befallene Blätter oder – wenn nötig – ganze Pflanzen, entfernen und entsorgen.

  • Gehölze so schneiden, dass Luft durch die Blätter geht und diese gut abtrocknen können.

  • Gemüse so säen, dass die Pflanzen nicht zu dicht stehen und ausreichend belüftet werden.

  • Widerstandfähige Sorten verwenden, beispielsweise bei Spinat oder Gurken.

  • Eine übermäßige Stickstoffdüngung sollte vermieden und stattdessen besser eine kalibetonte Düngung bevorzugt werden, da diese die Zellen festigt und die Widerstandskraft der Pflanze stärkt.

  • Beim Gießen die Blätter möglichst wenig benetzen.

  • Ein regelmäßiger Fruchtwechsel im Gemüsebeet hilft gegen viele Pflanzenkrankheiten.


Obstbaumspinnmilbe

Die Obstbaumspinnmilbe ist nicht wählerisch, sie befällt Äpfel wie Pflaumen gleichermaßen, mitunter saugt sie auch an Birne, Kirsche und Pfirsich. Zunächst fallen winzige weißliche Flecken auf den Blattoberseiten auf. Später werden die Blätter matt, verfärben sich silbrig bronzefarben und fallen frühzeitig ab. An den Blattunterseiten sieht man feine Spinnfäden. 

Ursache: Hier ist kein Pilz am Werk, sondern die winzige Obstbaumspinnmilbe, Panonychus ulmi. Das karminrote Weibchen der achtbeinigen Krabbler ist nur rund 0,5 mm groß und verursacht die Blattschäden durch seine Saugtätigkeit. 

So erkennt man nur mit der Lupe, dass ihr Körper helle Warzen mit Borsten trägt. Die Männchen und die nur sechsbeinigen Larven sind gelblich bis rötlich und noch kleiner. Ab Mitte Mai tummeln sich erwachsene Tiere und Larven gleichzeitig auf den Blattunterseiten. Trocken-heiße Witterung beschleunigt die massenhafte Vermehrung. Den Winter überstehen die Milben als dunkelrote Eier, die in Kolonien in Knospennähe oder Astgabeln liegen. Daraus schlüpfen kurz vor der Apfelblüte die Larven. Ab Mitte Mai legen die Weibchen Sommereier, woraus nach wenigen Tagen (je nach Temperatur) neue Larven schlüpfen. Bis zu acht Generationen können so pro Saison heranwachsen.

Was kann man tun? Gelassen bleiben. Im Naturgarten sind ausreichend Gegenspieler unterwegs, wie Raubmilben, Florfliegen- und Schwebfliegenlarven, Marienkäfer und Wanzen.


Art:

Vorkommen:

Lebensweise:

Schadbild:

Befall:


Bekämpfung:



Nützlinge



Zu beachten:





Birnengitterrost (Gymnosporangium sabinae)

Art: Rostpilze (Pucciniales)

Vorkommen: Pyrus communis;

Überwinterung: Sadebaum (J. sabinae) und Zierwacholder (J. chinensis und J. virginiana)

-> wirtswechselnder pflanzenpathogener Pilz


-> kaum wirtschaftlich relevanter Schaden für Birnbäume

  • nur starker Befall mit frühzeitigem Blattfall kann Bäume schwächen


Lebensweise:

  • benötigt, um sich vollständig zu entwickeln, neben Birnbäumen als Nebenwirt, Wacholdersträucher (Juniperus) als Hauptwirt

  • im Holz des Wacholders überwintert er und bildet im Frühling an verdickten Zweigen gallertartige Sporenlager (Teleutosporen)

  • die Sporen keimen sofort nach der Reife und bilden Basidiosporen

    • diese infizieren den Birnbaum

  • Herrscht im April und Mai feuchte, kühle Witterung, fördert das die Infektion

    • 13-15° und >80% rF

  • Je nach Witterung erscheinen 9-26 Tage später die typischen Flecken auf der Blattoberseite

  • Im Juli und August entwickeln sich die knorpeligen Wucherungen der Blattunterseite und darin so genannte Aecidiosporen, die wiederum Wacholderbüsche infizieren

    • andere Birnbäume können sie nicht anstecken


Schadbild/Befall:

  • im Frühsommer leuchtend orangefarbene bis rostbraune Flecken von bis zu 1 cm Größe auf der Blattoberseite

    • oft sind kleine schwarze Punkte darauf zu erkennen

  • im Spätsommer entstehen auf den Blattunterseiten gelblich bis hellbraune knorpelige Pusteln mit 4 -16 jeweils 2-3mm großen, kegelförmigen Gitterkörbchen

    • anfangs noch von einer Haut umschlossen

    • später zu einem gitterartigen Netz auseinanderfallen

      • Manchmal sind sie auch auf den Blattstielen und Früchten zu sehen

  • gelegentlich werden auch Früchte, Fruchtstiele und Triebe (krebsartige Verdickungen) befallen

  • Bei starkem Befall verliert der Baum noch im Sommer seine Blätter, was ihn für das Folgejahr natürlich schwächt


Bekämpfung:

  • Fungizidbehandlungen gegen Birnenschorf von April bis Ende Mai/Anfang Juni erfassen auch Birnengitterrost

  • befallene Wacholdersträucher im Umkreis von 500 m um den Birnbaum entfernen

    • ein einmal infizierter Wacholder bleibt ein Leben lang infektiös

      • wobei der Pilz den Gemeinen Wacholder (J. communis) verschont, gerne befällt er dagegen Sadebaum (J. sabinae) und Zierwacholder (J. chinensis und J. virginiana).






Krankheit: Kragenfäule

Phytophthora cactorum


Art: Oomycota - Eipilze

Vorkommen: Breiter Wirtspflanzenkreis

Schadbild:

Lebensweise:

Befall:


Bekämpfung:


Steckbrief: Phytophthora cactorum im Obstbau

1. Art

Phytophthora cactorum (Leb. et Cohn) Schroet. ist ein Oomyceten (Wasserpilz), kein echter Pilz. Er zählt zu den bodenbürtigen Pathogenen und ist neben P. fragariae und P. cambivora einer der wichtigsten Erreger von Wurzel- und Kragenfäulen im modernen intensiven Obstbau. Er befällt vorwiegend das Kambium (Bast- und Kambiumgewebe) und führt zum Absterben der Rinde, während das Holz zunächst intakt bleiben kann.

2. Vorkommen

  • Geografisch: Weltweit verbreitet, besonders in gemäßigten Klimazonen mit niederschlagsreichen Perioden.

  • Standortfaktoren: Tritt gehäuft auf schwereren, tonigen oder staunassen Böden mit schlechter Drainage. Auch in sandigen Böden bei hoher Bewässerungsdichte möglich.

  • Wirtspflanzen im Obstbau:

    • Kernobst: Apfel (Malus domestica) und Birne (Pyrus communis) sind die Hauptwirte. Besonders gefährdet sind junge Bäume in der Anwuchsphase sowie ältere Bestände nach Stressfaktoren (z.B. Frost).

    • Steinobst: Kirsche, Pflaume und Pfirsich (oft als Wurzelsystemfäule).

    • Beerenobst: Erdbeere (Lederbeerenfäule), Himbeere.

  • Sortenanfälligkeit: Es gibt deutliche Unterschiede.

    • Hohe Anfälligkeit: Sorten wie 'Cox Orange', 'Idared', 'Topaz' und 'Elstar'.

    • Resistente Unterlagen: Moderne Unterlagen wie M.9 sind oft anfällig, während Unterlagen wie M.26 oder bestimmte Wildarten unterschiedliche Toleranzen aufweisen. Die Unterlage EM IX zeigte in historischen Studien zwar Resistenz gegen andere Arten, ist aber nicht pauschal immun.

3. Schadbild

Das Schadbild variiert je nach Befallsort und Wirt, zeigt aber charakteristische Merkmale:

  • Kragenfäule (Crown Rot): Der klassische Befall im Apfelbau. Die Rinde stirbt im Bereich der Veredlungsstelle (Krone) ab.

    • Symptom: Dunkle, wasserdurchtränkte, oft rötlich-braune Nekrosen unter der Rinde.

    • Verlauf: Die Rinde lässt sich leicht ablösen („Gummibärchen-Test": unter der Rinde ist das Gewebe matschig und dunkel).

    • Folge: Der Stofftransport wird unterbrochen -> Welke der Krone, Absterben von Gerüstästen, oft plötzlicher Totalausfall des Baumes, besonders im Frühjahr nach einem kalten Winter.

  • Wurzelfäule: Braune bis schwarze Verfärbungen der Feinwurzeln und Hauptwurzeln, oft ohne klare Abgrenzung zum gesunden Gewebe.

  • Fruchtfäule: Bei Erdbeeren und am Boden liegenden Äpfeln entsteht eine feste, lederartige Fäule („Lederbeere"), die sich nicht leicht eindrücken lässt.

  • Verwechslungsgefahr: Oft fälschlicherweise als Frostschaden interpretiert, da die Symptome nach strengen Wintern massiv auftreten.

4. Lebensweise und Befall

  • Überdauerung: Der Erreger bildet Oosporen (ruhende Sporen), die jahrelang im Boden überdauern können, auch ohne Wirt. Er kann saprophytisch auf abgestorbenem Pflanzenmaterial leben.

  • Infektionszyklus:

    1. Freisetzung: Bei warmer Witterung (>15 °C Bodentemperatur) und hoher Bodenfeuchtigkeit bilden sich aus Oosporen Sporangien.

    2. Zoosporen: In diesen entwickeln sich begeißelte Zoosporen, die im Wasserfilm aktiv schwimmen können (Chemotaxis zu Wurzelausscheidungen).

    3. Infektion: Die Zoosporen heften sich an Wurzeln oder den Stamm (besonders bei Verletzungen oder am Veredlungsplatz) und dringen ein.

    4. Ausbreitung: Das Myzel wächst im Rindengewebe nach oben und unten.

  • Verbreitungswege:

    • Wasser (Bewässerung, Starkregen, Überschwemmung).

    • Verschleppung durch Maschinen, Werkzeuge oder Schuhwerk (Bodenkontakt).

    • Infiziertes Pflanzgut (Baumschulware).

    • Spritzwasser von infizierten Früchten am Boden auf den Stamm.

  • Begünstigung: Staunässe, schwere Böden, tiefe Pflanzung (Veredlungsstelle zu tief), Frostschäden an der Rinde (Eintrittspforten).

5. Bekämpfung

Eine kurative Heilung bereits infizierter Bäume ist kaum möglich; der Fokus liegt auf Prävention und integriertem Management.

  • Kulturelle Maßnahmen (Priorität 1):

    • Bodenverbesserung: Sicherstellung guter Drainage, Anlegen von Hochbeeten oder Dämmen bei schweren Böden.

    • Pflanztechnik: Veredlungsstelle muss deutlich über dem Boden liegen (mind. 10–15 cm), um Spritzwasser zu vermeiden.

    • Hygiene: Entfernung von abgefallenen Früchten (besonders im Herbst), Desinfektion von Werkzeugen bei Arbeiten in infizierten Beständen.

    • Sortenwahl: Nutzung toleranter Sorten und Unterlagen bei Risikostandorten.

  • Chemische Bekämpfung:

    • Fungizide: Wirkstoffe wie Fosetyl-Al (z.B. Aliette) oder Metallocyan (in bestimmten Kulturen/Zulassungen prüfen) können präventiv eingesetzt werden.

    • Anwendung: Meist als Bodenguss oder Gießanwendung im Frühjahr und Herbst, wenn die Gefahr der Zoosporen-Freisetzung besteht. Eine Behandlung bereits symptomatischer Bäume hat oft nur noch geringen Effekt.

    • Hinweis: Die Zulassungssituation für Fungizide im Obstbau ändert sich regelmäßig; immer aktuelle Pflanzenschutzmittel-Datenbanken konsultieren.

  • Biologische Maßnahmen:

    • Einsatz von antagonistischen Mikroorganismen (z.B. Trichoderma-Stämme) zur Besiedlung der Rhizosphäre und Verdrängung des Erregers.

    • Förderung eines gesunden Bodenlebens durch organische Düngung.

Quellenbasis (Aktuelle Fachliteratur & Institutionen)

Die Informationen basieren auf Synthesen aktueller Erkenntnisse folgender Institutionen und Publikationen:

  1. Julius Kühn-Institut (JKI) – Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen: Datenbanken zu pflanzenpathogenen Oomyceten und aktuellen Befallslagen im Obstbau.

  2. Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee (KOB) – Fachberatung und aktuelle Leitfäden zu „Kragenfäule" und Bodenpilzen im Kernobst.

  3. Agroscope (Schweiz) – Forschungsberichte zu Wurzelkrankheiten und Sortenresistenzen im modernen Anbausystem.

  4. Fachzeitschriften: Erwerbs-Obstbau (Springer), Journal of Plant Diseases and Protection – Aktuelle Studien zu P. cactorum Epidemiologie und Resistenzmanagement.

  5. Pflanzenschutzdienst der Länder (z.B. Baden-Württemberg, Bayern): Aktuelle Warnhinweise und Beratungsunterlagen für Obstbauern.


Unterschied Echter und Falscher Mehltau

Echter Mehltau

Die zu den Schlauchpilzen (Ascomycota) gehörenden Erreger des Echten Mehltaus (Erysiphaceae) befallen hauptsächlich Blätter. Diese werden zunächst von einem mehlartigen Belag überzogen, später verfärben sie sich braun und vertrocknen. Zu den Echten Mehltaupilzen zählen u. a. der Gräser-Mehltau (Blumeria graminis), der Getreidearten und Weidegräser befällt, und der Weinreben-Mehltau (Erysiphe necator).[1]

Echter Mehltau überwintert in kleinen Sporengehäusen an der Pflanze oder als Myzel, z. B. auf den Knospenschuppen von Obstbäumen oder an den Zweigen, auch auf Unkräutern. Trockenes Wetter begünstigt die Verbreitung (Schönwetterpilz), ebenso schwül-warme Witterung und der starke Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht im Herbst. Eine Luftfeuchte von 70 Prozent für die Sporen genügt, da sie von Haus aus mit Nährstoffen und Wasser versorgt sind. Optimal ist eine Temperatur um 20 °C für die Verbreitung.


Falscher Mehltau

Die zu den Eipilzen (Oomycota) gehörenden Erreger des Falschen Mehltaus (Peronosporaceae) dringen meist tiefer in die Pflanze ein und erzeugen oft einen weißlichen Belag an der Unterseite der Blätter. Wichtige Pflanzenparasiten sind der Falsche Mehltau des Weines (Plasmopara viticola), der Blauschimmel des Tabaks (Peronospora tabacina) und die ebenfalls relativ wirtsspezifischen Phytophthora-Arten. Durch Resistenzzüchtungen mithilfe von Gift-Lattich relativ bekannt geworden ist auch der Falsche Mehltau des Salats (Bremia lactucae).[1]









Krankheit: Apfelwickler (Cydia pomonella)

Art:

Vorkommen:

  • Der Apfelwickler ist der wichtigste Obstbaumschädling. Seine Raupe, die bekannte Obstmade oder der "Wurm", verursacht durch seine Fraßtätigkeit im Apfel erhebliche Schäden.Die Larve verlässt dabei die Frucht zur Überwinterung.

  • Außer dem Apfel können auch Birnen und Quitten und gelegentlich sogar Weißdorn und Walnuss befallen werden.


Schadbild:

Aussehen:

Der Apfelwickler ist ein Kleinschmetterling aus der Familie der Wickler. Sein Körper ist gräulich gefärbt, die Vorderflügel sind hellgrau mit dunkelbraunen Bändern und einem dunklen Fleck mit je drei goldglänzenden Streifen. Die Hinterflügel sind hellgraubraun. Die Flügelweite beträgt 14-22 mm.


Lebensweise:

Tagsüber sitzt der Falter mit zusammengefalteten Flügeln unscheinbar auf der Rinde von Ästen oder am Stamm. Flugaktiv ist er erst in der Dämmerung und nachts und nur bei Temperaturen über 15-16°C. Bei zu kühlem, regnerischem Wetter fliegt er fast nicht.Die Falter der 1. Generation treten ab Mitte Mai auf, bei ungünstiger Witterung kann der Flug auch erst im Juni beginnen. Ab Anfang Juni legen die Weibchen 30 bis 60 Eier auf die sich entwickelnden Früchte, aber auch an Blätter und Triebe. 8-14 Tage nach der Ablage schlüpfen die ersten Räupchen. 3-4 Tage später bohren sie sich in die Frucht ein. Der Kot wird zuerst durch das Einbohrloch, später durch einen größeren, eigens dazu gebohrten zweiten Gang nach außen geschafft. Entgegen der landläufigen Meinung sind die mit Kotkrümeln bedeckten Löcher in den „wurmigen“ Äpfeln nicht die Einbohrlöcher der Räupchen. Nach cirka 4 Wochen Fraß im Apfel ist die Raupe ausgereift. Sie verlässt im Juli die Frucht und sucht ein Überwinterungsversteck auf (meist unter der Rinde).

In warmen Jahren verpuppt sich ein Teil der Larven Ende Juli, so dass im August Falter der 2. Generation auftreten. Die Larven der 2. Generation verursachen einen erheblichen Schaden in der reifenden Frucht. Die entwickelten Larven verlassen die Äpfel und überwintern, wie bereits die der 1. Generation, unter der Borke oder bisweilen auch im Boden in einem selbstgesponnenen festen und dichten, weißen Kokon. Die Verpuppung erfolgt üblicherweise erst im April oder Mai des nächsten Jahres.

Befall:


Kontrolle:

  • Pheromonfallen

    • etwa eine Woche vor erwartetem Flugbeginn (Warndienstmeldung) Fallen aufhängen

    • eine Falle je Schmetterlingsart und Hektar

    • Anbringung in Augenhöhe im Kronenbereich, Falleneingänge müssen frei zugänglich sein

    • Fallen gleicher Schädlingsarten müssen in einem Abstand von mindestens 50 m aufgehängt werden, für unterschiedliche Arten reicht ein Abstand von 10 m

    • Pheromonköder hat eine Wirkungsdauer von 6-8 Wochen, danach muss er erneuert werden

    • Leimboden bei starker Verschmutzung auswechseln

    • wird der Fallenkörper über mehrere Jahre hinweg verwendet, sollten von Jahr zu Jahr nur Köder der gleichen Schmetterlingsart eingesetzt werden; Mischfänge werden so vermieden

Bekämpfung:

-> hat Resistenzen gegen chemische PSM und Granuloseviren entwickelt

  • Verwirrungstechnik (synthetische Kopien des weiblichen Lockstoffs auf Dispenser aufgebracht)

    • etwa 500 Stück je Hektar

      • Grundsätzlich gilt: je größer die zu verwirrende Fläche, desto besser die Wirkung; Anlagen unter 0,5 ha eignen sich nicht für die Verwirrung

    • Ausbringungszeitpunkt: kurz vor Beginn des Falterfluges

    • Gleichmäßige Verteilung der Dispenser in der Anlage, dabei die Ampullen im oberen Baumdrittel aufhängen

    • Dispenser sollten in der Schattenzone aufgehängt werden

    • Randbehandlung: in den Randreihen die Ampullen in engerer Abfolge aufhängen; Hecken, Solitärbäume und Streuobstwiesen in näherer Umgebung (10-100 m) mitbehandeln

  • Granulosevirus

    • ab Schlüpfen der ersten Larven, bei Befall, nach der Eiablage

Befallene Früchte im Juni/Juli absammeln (1. Generation), um den Neubefall im August (2. Generation) zu reduzieren. Fallobst ist oft nicht mehr "bewohnt".

Der Einsatz von "Fanggürteln" (Wellpaperinge um den Stamm herum befestigt) hat keine ausreichende Wegfangwirkung, da es für die Räupchen viele andere Verpuppungsplätze gibt. Lockstofffallen dienen nur zur Überwachung der Flugaktivität, nicht zur Bekämpfung. Der Einsatz chemischer Präparate scheitert im Hausgarten i.d.R. an der Ermittlung des Eiablagetermins. Die Verwirrungsmethode ist im Hausgarten nicht zugelassen.


Nützlinge

Der Einsatz von Nützlingen, z.B. Schlupfwespen (Trichogramma), muss erst noch weiter in der Praxis getestet werden, da bisherige Erfahrungen nicht immer positiv waren.













Krankheit: Falscher Mehltau (Peronosporales)

Art: Eipilze (Oomycota (veraltet) /Peronosporomycetes)

Vorkommen: Weinreben (Plasmopara viticola)

Schadbild:

Blattunterseite einen gräulich-bläulichen Pilzrasen.

Lebensweise/Befall:

Die Infektion erfolgt entweder als Primärinfektion im Frühjahr durch Oosporen, die im Boden überwintern können oder durch Zoosporen, die von den befallenen Primärherden gebildet werden. Die frei beweglichen Sporen (Zoosporen) dringen über Spaltöffnungen ins Wirtsgewebe ein, wo sie zwischen den Zellen (interzellulär) das Pilzgeflecht (Hyphen) ausbilden. Über Ernährungsorgane (Haustorien), welche in die lebenden Zellen eingebracht werden, entnehmen die Pilze der Pflanze Nährstoffe und schädigen sie dadurch. Zur Fortpflanzung wachsen Hyphen aus den Spaltöffnungen aus und bildet verzweigte Fruchtkörper (Sporangienträger). Der Nährstoffverlust lässt die befallenen Blätter vergilben und abfallen. Falscher Mehltau verbreitet sich vor allem unter feuchtwarmen Bedingungen im Feld und auch in Glashauskulturen.



Bekämpfung:

Bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts standen nur Kupferverbindungen zur Bekämpfung des Falschen Mehltau zur Verfügung. Wegen der Schädigung des Bodenlebens beim Einsatz dieses Metalls wurde die Verwendung eingeschränkt. In der aktuellen Nutzpflanzenproduktion werden prophylaktisch überwiegend synthetisch hergestellte systemische Fungizide und Kontaktfungizide eingesetzt. Ein wirksames Mittel ist der Einsatz von Phosphonsäure (seit 2014 nicht mehr zulässig im ökologischen Landbau). Eine besondere Rolle bei der Mehltaubekämpfung in der Landwirtschaft und im Weinbau spielt der Pflanzenschutz-Warndienst. Dieser wird von staatlichen Pflanzenschutzämtern und wissenschaftlichen Instituten während der Vegetationsperiode herausgegeben und gibt regional Auskunft darüber, wann auf Grund der Niederschlagsmenge und Temperaturen Bekämpfungsmaßnahmen in Freilandkulturen zu ergreifen sind. Zur Reduzierung des Fungizid-Einsatzes werden des Weiteren auch Peronospora-Warngeräte eingesetzt, die lokal mithilfe der kontinuierlichen Aufzeichnung und Auswertung von Feuchtigkeits-, Wärme- und weiteren Umweltfaktoren die Ausbruchswahrscheinlichkeit berechnen.[1]

Darüber hinaus erfolgen besondere Forschungsanstrengungen einerseits zwecks Einsatz von Naturstoffen zur Auslösung von Resistenzen gegen den Falschen Mehltau in Nutzpflanzen und andererseits zwecks Züchtung mehltauresistenter Pflanzensorten.



Nützlinge



Zu beachten:















Krankheit: Echter Mehltau (Erysiphaceae)

Art: Schlauchpilze (Ascomycota)

Vorkommen:

-> Apfel, Pfirsich, Tafeltraube, Stachelbeere

Schadbild:

Auf der Blattoberfläche oder auf Früchten bildet sich ein Pilzgeflecht, das als weißer, abwischbarer Belag erscheint.

Lebensweise:

biotrophe Ektoparasiten (oberflächlich, von lebendem Gewebe ernährend)


Erysiphaceenarten wachsen oberflächlich auf ihrem Wirt. Auf der Blattoberfläche bildet sich ein Pilzgeflecht, das als weißer, abwischbarer Belag erscheint. Dieser bildet so genannte Haustorien aus. Dies sind spezielle Saugorgane des echten Mehltaus, die sich in den Zellen der Epidermis verankern. So wird der Pilz mit Nährstoffen versorgt. Dabei durchstoßen die Haustorien zwar die Zellwand, nicht jedoch die Plasmamembran. Durch den Entzug von Nährstoffen welkt das Blatt und fällt schließlich ab. Aus dem oberflächlichen Mycel entwickeln sich Konidienträger, auf denen Konidien (Sommersporen) angeordnet sind. Die sich nun verbreitenden Konidien sorgen für die Massenvermehrung während der Vegetationsperiode. Fruchtkörper entstehen am Ende der Vegetationsperiode durch die Verschmelzung unterschiedlich ausgeprägter Pilzfäden an der Oberfläche der befallenen Pflanzenorgane. Diese sogenannten Kleistothezien oder Chasmothecien[1] enthalten Ascosporen, die kleiner sind als Konidien.[2] Der echte Mehltau überwintert mit seinem Mycel in den Knospen der befallenen Pflanze und beginnt mit deren Austrieb wieder zu wachsen. Das heißt, er breitet sich erneut zu einem Geflecht aus und bildet Konidienträger. Die Konidien werden vom Wind verbreitet und bilden neue Infektionsherde.

Befall:


Bekämpfung:



Nützlinge

Echter Mehltau ist für einige mycetophage Marienkäferarten lebensnotwendig. So ernähren sich z. B. der Sechzehnfleckige und der Zweiundzwanzigpunkt-Marienkäfer ausschließlich von Mehltau.


Zu beachten:

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