retikulären Aktivierungssystems (ARAS) im Hirnstamm
Der Wachheitsgrad des Menschen wird durch das Aktivitätsniveau des aufsteigenden retikulären Aktivierungssystems (ARAS) im Hirnstamm gesteuert, das über Neurotransmitter wie Noradrenalin, Dopamin und Serotonin wirkt.
Perseveration (Zwangsdenken)
Die Perseveration bezeichnet das monotone Kreisen um bestimmte Gedanken oder Vorstellungen. Die Betroffenen bleiben immer wieder an denselben Denkinhalten hängen und wiederholen sie stereotyp, ohne neue Gedanken zu entwickeln oder Denkvorgänge abzuschließen. Dies führt zu gedanklichen Endlosschleifen.
Eine extreme Form dieser Störung ist die Verbigeration, bei der sinnlose Wörter oder Sätze zwanghaft wiederholt werden.
Ideenflüchtigkeit
Bei der Ideenflüchtigkeit ist das Denktempo pathologisch gesteigert. Die Betroffenen springen schnell von einem Gedanken zum nächsten, wobei neue Einfälle den laufenden Gedankengang ständig unterbrechen. Die gedanklichen Verknüpfungen wirken beschleunigt, aber gleichzeitig ungeordnet und assoziativ gelockert. Das führt zu häufigem Themenwechsel und einem unstrukturierten Redefluss, der als Logorrhoe bezeichnet wird. Trotz vieler Worte bleibt der inhaltliche Informationsgehalt gering.
Neologismen
Neologismen sind neu erfundene Wörter, die aus Silben oder Wortteilen zusammengesetzt sind und keiner bekannten Bedeutung entsprechen. Betroffene verwenden entweder völlig neue Begriffe oder geben vorhandenen Wörtern neue
Eine überwertige Idee
wenn eine Person stark von einer bestimmten Vorstellung oder Überzeugung eingenommen ist. Die Gedanken kreisen beständig um diese Idee, und die Betroffenen erscheinen regelrecht davon besetzt. Häufig versuchen sie, ihre Überzeugung kämpferisch durchzusetze
jedoch – im Gegensatz zum Wahn – die Fähigkeit zur Realitätskontrolle im Grundsatz erhalten
hartnäckige, emotional aufgeladene Leitgedanken, die das Denken dominieren, aber die Realitätskontrolle nicht vollständig aufheben.
Michael-Kohlhaas-Komplex“,
Überwertige Ideen entstehen häufig im Zusammenhang mit persönlichen Kränkungen, Frustrationen oder ungelösten Konflikten. Ein klassisches Muster ist der „Michael-Kohlhaas-Komplex“, bei dem Betroffene einen verbissenen Kampf gegen vermeintliches Unrecht führen
Wahnstimmung
beschreibbares Gefühl, dass „etwas nicht stimmt“. Dieses Gefühl kann zu Fehlinterpretationen der Realität führen, etwa zu Wahnwahrnehmungen oder „Neudeutungen“ vergangener Ereignisse (Wahnerinnerungen).
Je nach Stimmungslage gibt es verschiedene Wahnformen, z. B. einen synthymen Wahn (passend zur Stimmung) oder einen parathymen Wahn (Stimmung und Inhalt passen nicht zusammen).
pseudologische Äußerungen (Pseudologia phantastica),
Erlebnisse erfinden, oft aufgrund von Autosuggestion, ohne den Realitätsbezug völlig zu verlieren.
doppelten Buchführung
Manche Menschen können trotz eines bestehenden Wahns im Alltag weitgehend normal funktionieren und zwischen Realitätswelt und Wahnwelt hin- und herwechseln. Dies wirkt auf Außenstehende besonders irritierend.
. Zerfahrenheit bzw. Inkohärenz
Das Denken ist assoziativ gelockert, sprunghaft und unzusammenhängend. Die Betroffenen verlieren die logische Struktur ihrer Gedanken, was sich in unverständlicher oder verworrener Sprache äußert. Im Extremfall entsteht ein „Wortsalat“ (Schizophasie). Diese ausgeprägte Störung tritt besonders bei Schizophrenie, Bewusstseinsstörungen, Alkohol- oder Drogenrausch sowie fortgeschrittener Demenz auf.
Hypochondrischer Wahn (Krankheitswahn)
Hier glauben Menschen mit absoluter Gewissheit, schwer oder unheilbar krank zu sein – selbst dann, wenn medizinische Untersuchungen das Gegenteil belegen. Dieser Wahn ist nicht mit Hypochondrie als Angststörung zu verwechseln, da die Überzeugung beim hypochondrischen Wahn unerschütterlich ist.
Nihilistischer Wahn (Nichtigkeitswahn)
Der nihilistische Wahn ist eine extrem ausgeprägte Form der Verneinung. Betroffene glauben, dass nichts mehr existiert – weder sie selbst noch ihre Umgebung. Diese Vorstellung ist eine schwere psychische Störung und kann bis zum Gefühl vollständiger innerer Auslöschung führen.
Querulantenwahn
basiert auf der Überzeugung, für absolute Gerechtigkeit kämpfen zu müssen. Betroffene führen endlose juristische Auseinandersetzungen und fühlen sich unfair behandelt
Dermatozoenwahn
Beim Dermatozoenwahn glauben Betroffene, ihre Haut sei von Parasiten befallen. Missempfindungen werden fehlinterpretiert, was häufig zu massivem Kratzen und Verletzungen führt.
Symbiontischer Wahn
Der symbiontische Wahn beschreibt eine Situation, in der eine Person die Wahnvorstellungen eines nahestehenden Menschen übernimmt. Diese „geteilte Psychose“ wird auch als Folie à deux bezeichnet. Die Betroffenen akzeptieren die falschen Vorstellungen unkritisch und integrieren sie in ihr eigenes Denken.
Zweifelsucht
endlos lange disskussionen neigen, ohne Entscheidung zu treffen
Kompulsionen
Zwangshandlungen sind stereotype, ritualisierte Verhaltensmuster, die ausgeführt werden, um die durch Zwangsgedanken verursachte Anspannung zu reduzieren
Indoktrinationssyndrom
bei dem einer Person systematisch eine fremde oder alternative Weltanschauung eingepflanzt wird. Dabei wird die eigene Meinung zunehmend verdrängt oder unterdrückt – ein Vorgang, der umgangssprachlich oft als „Gehirnwäsche“ bezeichnet wird.
Apperzeption
Die bewusst gesteuerte, selektive Aufmerksamkeit nennt man Apperzeption. Sie ermöglicht es, neue und bedeutsame Inhalte aufzunehmen, zu verarbeiten und in bestehendes Wissen zu integrieren.
Der Mensch kann dabei etwa acht visuelle Eindrücke gleichzeitig erfassen
Engramme
mikrostrukturelle Veränderungen, die als Spuren früherer Wahrnehmungen dienen. Diese bilden die Grundlage für das spätere Wiedererkennen und Erinnern. Engramme sind wichtig für die Stabilität der Ich-Identität und beeinflussen nahezu alle kognitiven und exekutiven Prozesse.
Prozedurale Gedächtnisinhalte
also automatisierte motorische und sensorische Fähigkeiten
deklarative Gedächtnis
speichert Fakten und biografische Erlebnisse
Korsakow-Syndrom
Wenn die Gedächtnislücken zusätzlich durch frei erfundene, aber unbewusst erzeugte Fantasieinhalte überdeckt werden (Konfabulationen), spricht man vom Korsakow-Syndrom. Dieses tritt typischerweise bei chronischem Alkoholismus und anderen neurokognitiven Erkrankungen auf.
Hypermnesie
Gesteigerte Erinnerungsfähigkeit
Eine Hypermnesie bezeichnet eine überdurchschnittliche, teilweise extreme Erinnerungsleistung. Betroffene können schnell auf viele gespeicherte Informationen zugreifen, etwa auf Daten, Zahlen oder Kalenderdetails. Diese Fähigkeit steht nicht in direktem Zusammenhang mit Intelligenz; sie tritt zum Beispiel bei bestimmten Formen des Autismus (Savant-Syndrom) auf.
Hypomnesie
einen globalen und meist schleichenden Verlust der Erinnerungsfähigkeit. Zuerst nimmt die Merkfähigkeit ab, sodass neue Informationen schlechter gespeichert werden. Erinnerungen an frühere Lebensabschnitte bleiben zunächst relativ gut erhalten.
Paramnesien
Paramnesien umfassen Veränderungen oder Täuschungen von Erinnerungsinhalten bei deren Reproduktion. Sie entstehen oft unbewusst durch Ergänzungen oder Vereinfachungen und kommen im Alltag häufig vor.
Déjà-vu („schon gesehen“),
Déjà-vécu („schon erlebt“),
Déjà-entendu („schon gehört“),
Déjà-pensé („schon gedacht“),
Déjà-éprouvé („schon gefühlt“).
Diese Erlebnisse vermitteln eine falsche Vertrautheit und entstehen vermutlich durch kurzzeitige Funktionsstörungen im Temporalhirn.
Jamais-vu: das Gefühl, dass vertraute Situationen plötzlich fremd erscheinen.
Ekmnesie: die fehlerhafte Empfindung, in der Vergangenheit zu leben.
reaktive Aggressivität
Sie kann spontan entstehen oder durch Provokation ausgelöst werden und wird dan
Ebenso kann sie geplant und zielgerichtet erfolgen, was man als proaktive Aggressivität bezeichnet
artifizielle Störung (Münchhausen-Syndrom).
Hier erzeugen oder simulieren Betroffene – überwiegend Mädchen und Frauen – absichtlich Krankheitssymptome, meist durch Selbstverletzungen oder gefährliche Medikamente, um medizinische Aufmerksamkeit zu erhalten. Daneben werden Selbstverletzungen (z. B. Schneiden, Brennen oder Quetschen) häufig aus Spannungsabbau betrieben, typischerweise bei Borderline-Persönlichkeitsstörungen. Betroffene berichten nach der Handlung oft über Scham und Ekel.
frei flottierend“ Angst
Die spontane und objektlose Angst, die oft als „frei flottierend“ bezeichnet wird, unterscheidet sich von objektbezogener Angst, wie sie bei Phobien vorkommt. Sie äußert sich in Anspannung, Beklemmung, Benommenheit, Schwitzen, Zittern, Herzklopfen und anderen Zeichen einer sympathischen Aktivierung. Gedanklich dominieren Sorgen, Ohnmachtsgefühle und eine bedrückte Stimmung.
Hypochondrie
bezeichnet die hartnäckige, unbegründete Befürchtung, an einer ernsthaften Krankheit zu leiden
Die Betroffenen beobachten ihre Körperfunktionen übermäßig und werten normale Unpässlichkeiten über, wodurch eine ständige Besorgnis über den eigenen Gesundheitszustand entsteht. Selbst medizinische Normalbefunde beruhigen die Betroffenen nur kurzfristig, da Zweifel und Ängste schnell zurückkehren. Informationsbedürfnis über Krankheiten und das Miterleben von Erkrankungen in der Umgebung verstärken die Sorge
zirkumskripte Hypochondrien
die Angst auf einen bestimmten Körperteil gerichtet ist
Parasuizid
Selbstschädigende Handlung mit Todesabsicht oder ambivalenter Absicht
SAD PERSONS“-Skala
Ein klinisches Screening-Instrument zur Risikoabschätzung
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