Agnosien
Eine Agnosie (vom griechischen agnosia = „Unkenntnis“) bezeichnet eine Störung der Erkennensfähigkeit, obwohl die Sinnesorgane selbst intakt sind. Das bedeutet, dass die betroffene Person zwar Reize wahrnimmt, diese aber nicht richtig identifizieren oder einordnen kann.
Agnosien entstehen meist infolge einer lokalen Hirnschädigung. Je nach betroffener Hirnregion können sie sich in verschiedenen Sinnesbereichen zeigen (z. B. visuell, akustisch, taktil).
Eine verwandte Erscheinung sind halbseitige Wahrnehmungsausfälle (Neglekt), die häufig nach Schädigungen des Parietal- oder Temporallappens auftreten. Dabei werden Reize auf der gegenüberliegenden Körperseite vernachlässigt.
Prosopagnosie
Die Prosopagnosie bezeichnet die Unfähigkeit, vertraute Gesichter zu erkennen, obwohl die visuelle Wahrnehmung ansonsten intakt ist. Das Problem betrifft also speziell das Erkennen von physiognomischen Merkmalen (Gesichtszügen).
Dysgrafie / Agrafie
Trotz normaler Motorik der Hand ist das flüssige, korrekte Schreiben nicht mehr möglich. Das Schriftbild ist fehlerhaft, unvollständig oder unleserlich. Ursache ist keine motorische Störung, sondern eine zentrale Verarbeitungsstörung im Gehirn.
Dyslexie / Legasthenie
Dies ist eine Lese- und Rechtschreibschwäche, bei der Buchstaben oder Wörter nicht sicher erkannt oder verstanden werden können. Sie gilt als literale oder verbale Agnosie.
Aphasie
Die Aphasie ist ein Verlust oder eine Störung der Sprache infolge einer Hirnschädigung. Sie betrifft das Sprechen, Verstehen, Lesen oder Schreiben, je nach betroffenem Sprachzentrum.
Anosognosie
Die Anosognosie beschreibt das Nicht-Erkennen oder Verleugnen einer eigenen Krankheit, z. B. von Blindheit, Lähmung oder Taubheit.Betroffene geben häufig ausweichende oder rationalisierende Erklärungen ab (z. B. „Ich sehe nur schlecht, weil die Brille fehlt“).
Dyspraxie / Apraxie
Trotz intakter Motorik und Wahrnehmung ist die zielgerichtete Ausführung von Bewegungen gestört. Beispiele:
Ideomotorische Apraxie: Schwierigkeiten beim Nachahmen einfacher Bewegungen (z. B. Handstellungen)
Ideatorische Apraxie: Probleme beim Planen komplexer Handlungsabläufe Im Gegensatz dazu beruhen Werkzeugstörungen auf Defekten der ausführenden Organe selbst.
Autoreferenzialität
Ein reifes Selbstbewusstsein erlaubt es, sich als handelndes Subjekt von der Umwelt zu distanzieren und sich selbst als Objekt des eigenen Denkens zu erkennen
Wahrscheinlich hängt diese Entwicklung auch mit der sexuellen Identitätsbildung zusammen
ich-dyston
Bei der Depersonalisation erleben Betroffene sich selbst als fremd, künstlich oder unwirklich. Sie empfinden, als hätten sie ihre eigene Lebendigkeit verloren – Handeln, Denken und Sprechen erscheinen automatisiert oder roboterhaft. Der Körper oder einzelne Körperteile werden als verändert oder unbelebt wahrgenommen.
Dieses Erleben ist meist ich-dyston, d. h. es wird als störend und nicht zur eigenen Person gehörend empfunden. Das Bewusstsein bleibt in der Regel klar, auch wenn es eingeengt sein kann. Wichtig ist, dass Depersonalisation nicht mit neurologisch bedingten Störungen wie Agnosien verwechselt wird
Ich-Demarkation
Schwerwiegendere Ich-Störungen betreffen die Ich-Umwelt-Abgrenzung, also die Fähigkeit, das Selbst von der Umwelt klar zu unterscheiden. Diese Abgrenzung wird auch als Ich-Demarkation bezeichnet. Wenn sie gestört ist, erleben Betroffene häufig, dass ihr Denken, Fühlen oder Handeln von außen kontrolliert wird. Sie fühlen sich nicht mehr als „Herr im eigenen Haus“ ihres Selbst, was ein Gefühl der Fremdbeeinflussung oder des „Gemachten“ erzeugt.
Betroffene verlieren die normalerweise als selbstverständlich empfundene Ich-Gewissheit. Sie fühlen sich schutzlos äußeren Einflüssen ausgesetzt und erleben Ohnmacht, Verwirrung, Hilflosigkeit und Angst. Gleichzeitig können sie nicht mehr klar zwischen realen und unwirklichen Erfahrungen unterscheiden. Die Folgen sind oft Depression, sozialer Rückzug und Isolation.
Transitivismus
Hier übertragen Betroffene ihren eigenen psychischen Zustand auf andere. Sie nehmen beispielsweise an, andere Personen seien selbst psychisch gestört, und bringen manchmal Angehörige mit zur Behandlung, ohne Krankheitseinsicht zu besitzen.
amentielles Syndrom
Heute bezeichnet er vor allem akute, organisch bedingte Verwirrtheitszustände, die häufig durch Desorientiertheit, Erregung und Sinnestäuschungen geprägt sind.
Betroffene erscheinen ratlos, kritiklos und oft zeitlich, örtlich sowie zur Situation desorientiert. Sie zeigen Ängstlichkeit, Unruhe oder Aggressivität.
Begriff für einen akuten Zustand der Verwirrung mit Desorientierung, Halluzinationen, Ratlosigkeit und Denkstörungen, typischerweise als Reaktion auf eine Hirnschädigung oder eine körperlich begründete Psychose
=delir
Verworrenheit
Verwirrtheit unterscheidet sich von Verworrenheit, wie sie bei schizophrenen oder organischen Psychosen vorkommt, da letztere stärker durch desorganisiertes, inkohärentes Denken geprägt ist.
Delir
bezeichnet eine Bewusstseinsstörung, die sowohl quantitative als auch qualitative Aspekte umfasst. Es zeigt sich durch Bewusstseinstrübung, begleitende Denkstörungen und Sinnestäuschungen.
Heute versteht man darunter vor allem akute hirnorganische Störungen.
In den aktuellen Diagnoseschemata (ICD-10-GM, DSM-5) wird das Delir als unspezifischer, hirnorganisch bedingter Zustand definiert. Charakteristisch sind Störungen von Bewusstsein, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Denken, Gedächtnis, Psychomotorik, Emotionalität und Schlaf-Wach-Rhythmus. Phänomenologisch ähnelt es der Verwirrtheit.
Betroffene sind oft desorientiert und erleben Sinnestäuschungen, vor allem optischer Art.
Typisch sind tageszeitliche Schwankungen, mit einer nächtlichen Zunahme der Symptomatik. Vorläufererscheinungen wie Unruhe, einzelne Verkennungen und Angst werden als Prädelir bezeichnet. Besonders beim Entzugsdelir (Delirium tremens) können schwere vegetative Symptome auftreten, darunter Schwitzen, Tachykardie, Bluthochdruck, Schlafstörungen, Zittern und manchmal auch Krampfanfälle. Nach Abklingen der akuten Phase tritt meist eine Amnesie auf.
Dämmerzustand
quantitative und qualitative Bewusstseinsstörung, unterscheidet sich aber durch eine Bewusstseinseinengung als Leitsymptom. Dabei ist die Wahrnehmung der Umwelt eingeschränkt, vergleichbar mit einem Tunnelblick.
Betroffene befinden sich in einer tranceähnlichen Bewusstseinslage, in der ihre Aufmerksamkeit und Denkinhalte stark auf bestimmte Themen fokussiert sind. Die Orientierung kann teilweise gestört sein, was zu Verkennungen der Umgebung oder Situation führen kann.
Halluzinose / psychogene Dämmerzustände
Nichtorganische, psychogene Dämmerzustände können nach schweren psychischen Traumata auftreten, z. B. nach Schockerlebnissen, Panikattacken oder Katastrophen. Sie zeigen sich als Regungslosigkeit (Stupor) oder ratloses Umherirren mit ängstlicher Erregtheit und ähneln äußerlich echten Dämmerzuständen.
Prädisponiert sind Personen mit verminderter Frustrationstoleranz und Empfindlichkeit gegenüber Kränkungen. Die Abgrenzung zu dissoziativen Störungen, wie dem Ganser-Syndrom, ist oft schwierig. Bei Straftaten kann die Frage der Schuldfähigkeit durch psychiatrisch-psychologische Gutachten geklärt werden.
Dermatozoenwahn
die Betroffenen wahnhaft überzeugt sind, von Parasiten befallen zu sein. Sie erleben reale Empfindungen wie Krabbeln oder Stechen auf der Haut, obwohl keine Schädlinge vorhanden sind. Dieser Zustand ist meist chronisch und schwer behandelbar.
Die Halluzinose ist durch anhaltende Sinnestäuschungen (akustisch, visuell, haptisch) bei klarer Bewusstseinslage und erhaltener Orientierung gekennzeichnet. Die Krankheitseinsicht ist meist aufgehoben. Ursachen sind häufig Alkoholkonsum, Drogen oder organische Hirnerkrankungen.
Oneiroid
Die traumhafte Verworrenheit, auch Oneiroid genannt (von griechisch oneiros = „Traum“), ist ein eher selten beobachteter Zustand, der sowohl quantitative als auch qualitative Bewusstseinsstörungen umfasst. Er ähnelt in vieler Hinsicht einem Delir, unterscheidet sich aber durch das vorherrschende traumähnliche Erleben.
Die Betroffenen erscheinen verlangsamt, in sich versunken, geistesabwesend und ratlos. Das Bewusstsein ist getrübt, die Orientierung stark beeinträchtigt, und das Denken wirkt verworren. Im Vordergrund stehen traumähnliche, flüchtige und bruchstückhafte Szenen, die innerlich erlebt werden, ähnlich wie bei einem lebhaften Traum oder Tagtraum.
Zusätzlich können illusionäre Verkennungen (also Fehlinterpretationen realer Reize) und andere Sinnestäuschungen vorkommen. Mitunter treten auch wahnhafte Erlebnisse auf. Die Stimmungslage schwankt zwischen ängstlich-angespannt und ekstatisch-beglückt. Nach Abklingen des Zustands bleiben meist nur lückenhafte Erinnerungen an die Erlebnisse zurück.
Persönlichkeitsmerkmale wie hohe Fantasie und Eidetik (Fähigkeit, innere Bilder außergewöhnlich lebhaft zu erleben) scheinen das Auftreten eines Oneiroid-Zustands zu begünstigen.
. Illusionäre Verkennung (Illusion)
Die illusionäre Verkennung bezeichnet eine Fehldeutung tatsächlich vorhandener Sinneseindrücke. Der Begriff „Illusion“ stammt vom lateinischen illusio und bedeutet „Täuschung“. Betroffene nehmen reale Reize wahr, deuten diese aber falsch. Sie verkennen Personen, Gegenstände oder Situationen, oft ohne dies zu bemerken oder korrigieren zu können.
Illusionäre Verkennungen sind keine reinen Erfindungen (wie Halluzinationen), sondern beruhen auf realen, vorhandenen Sinneseindrücken, die fehlerhaft interpretiert werden. Ein Beispiel wäre, in der Dunkelheit einen Baumstumpf für eine Person zu halten.
Illusionäre Verkennungen entstehen häufig durch eine Kombination aus erschwerten Wahrnehmungsbedingungen und dispositionellen (persönlichen) Faktoren:
Erschwerte Wahrnehmungsbedingungen: Dazu gehören schlechte Lichtverhältnisse, Dunkelheit, Flüchtigkeit des Eindrucks, unübersichtliche Situationen, mangelnde Struktur oder unscharfe Konturen des Objekts. Das Gehirn „ergänzt“ fehlende Informationen, wodurch Fehldeutungen entstehen können.
Dispositionelle Faktoren der Person: Dazu zählen Ermüdung, Erschöpfung, Unaufmerksamkeit, Ablenkung, Suggestibilität (Beeinflussbarkeit), emotionale Gestimmtheit, Erwartungsspannung, Motivation, Reizoffenheit und Vorstellungsvermögen. Das bedeutet: Wie wir uns fühlen, was wir erwarten und worauf wir achten, beeinflusst stark, was wir zu „sehen glauben“.
Pareidolien
Eine besondere Form der Illusion sind Pareidolien (vom griechischen para = neben, eidolon = kleines Bild). Dabei entstehen phantasievolle, meist positiv gefärbte Bilder oder Figuren aus unstrukturierten visuellen oder akustischen Reizen. Beispiele:
Man sieht Gesichter in Wolken oder Mustern.
Man hört Stimmen in gleichförmigem Rauschen.
Halluzination
ist eine Trugwahrnehmung von Sinneseindrücken, denen kein äußerer Reiz zugrunde liegt. Der lateinische Ursprung alucinari bedeutet „im Traum umherwandeln“.
Betroffene erleben Halluzinationen lebhaft, intensiv und real, obwohl sie objektiv nicht existieren. Sie sind überzeugt, etwas tatsächlich zu sehen, zu hören oder zu spüren.
Bei Leibhalluzinationen erleben die Betroffenen halluzinatorische Veränderungen körperlicher Empfindungen.
Eine besondere Form sind Dermatozoen- oder Enterozoenwahn, bei denen Betroffene überzeugt sind, kleine Lebewesen in oder unter ihrer Haut zu spüren.
Akoasmen (von griech. akousma = das Gehörte) sind einfache Geräuschhalluzinationen wie Klingeln, Pfeifen, Klopfen, Zischen oder Zwitschern.
Photismen (von griech. phos = Licht) sind einfache optische Halluzinationen wie Blitze, Lichtpunkte, Schatten oder Farbkleckse.
Eine Pseudohalluzination (von griech. pseudein = täuschen) ist eine Trugwahrnehmung, die im Gegensatz zur echten Halluzination als unwirklich erkannt wird. Das bedeutet: Die Betroffenen erleben zwar Sinneseindrücke, die real erscheinen, erkennen aber gleichzeitig, dass diese nicht der Realität entsprechen.
Beim Charles-Bonnet-Syndrom
treten visuelle Pseudohalluzinationen infolge einer schweren Sehbehinderung auf.Die Betroffenen sehen lebhafte Bilder, Gesichter oder Szenen, wissen aber, dass diese nicht real sind.
Zönästhesien
Bei Zönästhesien (von griech. koinós = allgemein, aisthesis = Wahrnehmung) handelt es sich um Störungen dieser Leibempfindungen, die nicht durch eine körperliche Krankheit erklärbar sind.
Die Betroffenen verspüren quälende, unangenehme, schwer beschreibbare Körpersensationen, etwa:
Schweregefühl in Gliedmaßen,
Druck- oder Kloßgefühl im Kopf, Hals, Brust oder Bauch,
brennende, bohrende, stechende oder kribbelnde Empfindungen,
wechselnde Lokalisation und Intensität.
Manchmal äußern sich Zönästhesien als globale Erschöpfung, Schwäche, Unwohlsein, Hitzegefühl oder Frösteln.
Zirkumskripte Hypochondrie: Hier beziehen sich die Beschwerden monoton auf einen bestimmten Körperteil (z. B. Mund-, Anal- oder Genitalbereich) und werden als Brennen, Stechen oder Jucken beschrieben.
psychohydraulisches Modell Lorenz
Nach Lorenz entsteht Verhalten durch das Zusammenspiel von innerer Antriebsenergie und äußeren Schlüsselreizen.
Antriebsenergie
Baut sich spontan im Organismus auf (auch ohne äußeren Reiz).
Schlüsselreiz
Ein spezifischer äußerer Reiz, der das Verhalten auslöst.
Endhandlung
Das artspezifische Verhalten (z. B. Aggression, Balz, Flucht).
Volition
Volition bezeichnet den Prozess der willentlichen Handlungssteuerung, insbesondere die Umsetzung einer bereits gebildeten Intention (Vorsatz) in konkretes Handeln. Der Begriff geht u. a. auf Kurt Lewin zurück und grenzt sich von der Motivation (Zielbildung) ab.
Motivation → Was will ich? (Zielwahl)
Volition → Wie setze ich es um? (Durchhalten, Handeln)
Hyperbulie
Übersteigertes Wollen (Hyperbulie) beschreibt ein übermäßiges, oft zwanghaftes Streben nach Zielen, begleitet von Fanatismus, Intoleranz und Starrsinn. Betroffene handeln mit missionarischem Eifer und Rücksichtslosigkeit. Dieses Verhalten tritt häufig bei narzisstischen oder soziopathischen Persönlichkeitsstörungen, bei hirnorganischen Erkrankungen oder infolge ideologischer Indoktrination auf.
Ambitendenz
beschreibt das gleichzeitige Auftreten gegensätzlicher Handlungsimpulse, die zu einer Blockade führen. Äußerlich zeigt sich dies in wechselnder Unruhe und Erstarrung bis zur Katalepsie. Ambitendenz tritt insbesondere bei psychotischen Störungen, emotionaler Instabilität und Zwangsstörungen auf.
Ambitendenz bezeichnet das gleichzeitige Auftreten gegensätzlicher Handlungsimpulse, die sich gegenseitig blockieren und dadurch zu Handlungshemmung oder -abbruch führen.
Psychomotilität
Psychomotilität bezeichnet die durch psychische Prozesse beeinflusste willkürliche Motorik.
👉 Sie umfasst:
Bewegungsaktivität
Körpersprache
Mimik und Gestik
Sprechmotorik
motorische Unruhe oder Verlangsamung
Sie ist nicht unwillkürlich und nicht primär vegetativ gesteuert.
Hypokinese
Hypokinese beschreibt eine deutliche Verarmung der Bewegungen bis hin zur völligen Reglosigkeit (Akinese). Sie kann von einer verminderten Spontanmotorik und erstarrter Mimik begleitet sein, häufig ohne sprachliche Äußerungen. Dadurch entsteht der Eindruck von Teilnahmslosigkeit, Verwirrtheit oder Ratlosigkeit.
Katalepsie
regloses Verharren in unnatürlichen Körperhaltungen, die über einen langen Zeitraum aufrechterhalten werden können. Charakteristisch ist, dass die betroffenen Personen äußeren Veränderungen oder Bewegungsimpulsen kaum oder gar nicht nachgeben. Die Haltung wirkt oft bizarr, und die Gliedmaßen zeigen eine ungewöhnliche, „puppenartige“ Biegsamkeit, die als Flexibilitas cerea („wächserne Biegsamkeit“) bezeichnet wird.
Negativismus
bezeichnet ein sperrendes, sich widersetzenendes Verhalten gegenüber äußeren Bewegungsimpulsen oder Anweisungen. Die Betroffenen verweigern Bewegungen oder leisten aktiven Widerstand gegen jede Form äußerer Einflussnahme. Dieses Verhalten wirkt häufig übermäßig kontrolliert, verkrampft und stark spannungsgeladen.
Negativismus kann im Rahmen mutistischer Trotzreaktionen auftreten, ist aber besonders typisch für katatone Schizophrenie.
Stereotypien
Während Hypo- und Hyperkinesen quantitative Störungen der Motorik darstellen, umfassen Stereotypien und Automatismen qualitative Veränderungen. Diese äußern sich durch monotone, wiederholte, nicht zielgerichtete Bewegungen oder sprachliche Äußerungen, die automatisiert wirken und sich der willentlichen Kontrolle entziehen.
Stereotypien sind starre, sich wiederholende Bewegungsmuster oder sprachliche Äußerungen ohne erkennbaren Zweck.
Bewegungsstereotypien (Parakinesen) können sich zeigen als:
Reiben, Kratzen, Wischbewegungen
Blinzeln, Grimassieren
monotones Auf- und Abgehen
Händereiben oder Rumpfschaukeln
Sprechstereotypien äußern sich als automatisiert wiederholte, inhaltsleere Lautabfolgen wie Verbigeration, Palilalie oder Logoklonie.
Tics sind ebenfalls unwillkürliche, plötzliche motorische oder vokale Bewegungen, die häufig aus innerem Spannungsaufbau heraus entstehen. Sie können einfach oder komplex sein, z. B. Zwinkern, Schulterzucken, Räuspern oder Springen.
Ein klassisches Störungsbild in diesem Bereich ist das Tourette-Syndrom, das durch komplexe motorische und vokale Tics gekennzeichnet ist.
Echopraxie
automatische, oft sinnlose Nachahmen von Bewegungen oder der Mimik anderer Menschen. Häufig tritt parallel eine Echolalie auf, also das zwanghafte Wiederholen von Worten oder ganzen Sätzen. Beide Phänomene zählen zu den Befehlsautomatismen.
Automatismen
Automatismen sind Bewegungen, die weder beabsichtigt noch willentlich steuerbar sind. Sie treten spontan auf und können ruckartige, schleudernde Bewegungen der Extremitäten umfassen oder stereotype mimische Abläufe wie Kauen, Schlucken, Schmatzen oder Schnalzen.
Eine besondere Form ist der Zwangsgreifreflex („Magnetapraxie“), bei dem Betroffene Gegenstände reflexhaft greifen und nicht mehr loslassen können.
Das Alien-Hand-Syndrom stellt eine extreme Variante dar, bei der eine Hand scheinbar eigenständig handelt und komplexe motorische Abläufe ohne Kontrolle der Person ausführt.
Parathymie
bedeutet eine inadäquate oder paradoxe Gefühlsäußerung. Das gezeigte Gefühl passt nicht zum situativen Inhalt oder zu den eigenen Gedanken. Mimik, Prosodie und Verhalten stehen quer zum erwarteten Affekt (z. B. Lachen beim Erzählen tragischer Inhalte).
Auch Paramimie (unangepasste Mimik) ist typisch.
Wenn Gefühle als „von außen gemacht“ erlebt werden, handelt es sich um eine Ich-Störung, nicht um Parathymie.
Alexithymie
bedeutet die Unfähigkeit, eigene und fremde Gefühle wahrzunehmen, zu differenzieren und sprachlich auszudrücken. Typisch ist fehlende Fantasie, geringe Empathie und eingeschränkte affektive Resonanz.
Betroffene nehmen oft Körperempfindungen stärker wahr als Emotionen und zeigen kaum Leidensdruck.
Hyperthymie
Hyperthymie ist eine anhaltend übermäßig positive, leicht euphorische Grundstimmung, gepaart mit Sorglosigkeit, Oberflächlichkeit und geringer emotionaler Tiefe. Häufig zeigt sich Umtriebigkeit, Sprunghaftigkeit und Betriebsamkeit.
Sie liegt zwischen normaler Heiterkeit und hypomaner Stimmung.
Vorkommen
Persönlichkeitsmerkmal („Frohnatur“)
ADHS
Dysthymia (klinischer Begriff, heute: Persistierende depressive Störung)
chronisch-depressive Stimmung über Jahre
Hauptsymptome: Müdigkeit, Grübeln, Schlafstörungen, geringe Freude
weniger schwer als Major Depression, aber langanhaltend
Dysphorie / Dysthymie (nicht klinisch)
gereizt-traurige Verstimmung
eher alltägliche emotionale Reaktion
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