Was ist ein wissensbasiertes System?
Software, die Wissen in geeigneter Form repräsentiert und Verfahren enthält, die dieses Wissen systematisch verknüpfen.
Klare Trennung zwischen Wissensbasis (anwendungsabhängig) und Wissensverarbeitung/ Inferenz (anwendungsunabhängig)
Welche zentrale Trennung ist charakteristisch für wissensbasierte Systeme?
Systematische Trennung von Wissen (Wissensbasis) und der Verarbeitung des Wissens (Inferenzmaschine)
—> Dadurch sind Problembeschreibung und Problemlösung klar voneinander getrennt
Wann sind wissensbasierte Systeme besonders erfolgreich?
Wenn sie für einen klar definierten, begrenzten Aufgabenbereich konzipiert und eingesetzt werden (Expertensystemen)
Welche zentralen Anforderungen werden an wissensbasierte Systeme gestellt?
Klare und verständliche Wissensrepräsentation
Änder- und Erweiterbarkeit der Wissensbasis
Berücksichtigung unsicheren Wissens
Fähigkeit, Schlussfolgerungen zu erklären und zu begründen
Nenne Potenziale/ Vorteile von WBS?
können die örtliche und zeitliche Abhängigkeit von Experten aufheben
Entlastung von Experten bei Routinetätigkeiten
Softwarekomponenten können wiederverwendet werden
Trennung von Wissen und Verarbeitung —> Wiederverwendung der WBS-Wissensbasis für weitere Anwendungen (z.B. Schulungszwecke in Unternehmen)
Zeige den Aufbau eines wissensbasierten Assistenzsystems mit Wissensbasis und Wissensverarbeitung!
Wissensverarbeitung
Inferenzkomponente ist der wesentliche Bestandteil der Verarbeitungskomponente. Sie feuert das Regelwissen unter Berücksichtigung des Klassenwissens auf das Faktenwissen und generiert so ggf. neuen Wissens oder Initiierung eine Handlung
Wissenserwerbskomponente ermöglicht es dem Wissensingenieur, sein Wissen in das WBS einzupflegen bzw. zu warten
Interviewerkomponente dient dem Einlesen/ Ausgeben von Daten und führt den Dialog mit dem Benutzer, weshalb sie auch als Dialogkomponente bezeichnet wird
Steuerungskomponente koordiniert das Zusammenwirken der Problemlösungs-, Interviewer- und Erklärungskomponente. Dazu zählen u. a. das Initialisieren von Prozessen in den jeweiligen Komponenten und die Steuerung des Wissensflusses zwischen diesen
Erklärungskomponente hilft sowohl dem Benutzer als auch dem Experten (welcher das Wissen in der Wissensbasis einpflegt und wartet), der Lücken, Fehler, etc. in der Wissensbasis lokalisieren möchte
Wissensbasis
Klassenwissen (terminologisches Wissen über mögliche Objekte)
Faktenwissen (Aussagen über tatsächlich existierende Objekte und ihre Eigenschaften)
Regelwissen (prozedurales Wissen in Form von Wenn-Dann-Regeln —> Ursache-Wirkungs-Beziehungen)
Was ist der Unterschied zwischen deklarativem und prozeduralem Wissen in WBS?
deklarativ: semantisches Wissen, Fakten, Objekte und Zusammenhänge bzw.: Wissen, was
prozedural: Handlungswissen bzw.: Wissen, wie (typischerweise in Form von Regeln)
—> zur Ableitung neuer Fakten oder zur Initiierung von Handlungen
Welche drei grundlegenden Wissensarten werden in wissensbasierten Systemen unterschieden?
Unterschied zwischen Klassenwissen und Faktenwissen:
Klassenwissen beschreibt mögliche Objekte, Eigenschaften und Beziehungen einer Domäne, ohne Aussagen über deren Existenz zu treffen. Faktenwissen beschreibt konkrete Instanzen und deren tatsächliche Existenz in der realen Welt
Welche drei Arten von Regelwissen werden unterschieden?
Ableitungswissen (Ableitung neuer Fakten)
—> WENN X ein Ventil, DANN ist X auch ein Aktor
Handlungswissen (Auslösen von Aktionen)
—> WENN Wert_Sensor_X = Y DANN Ventil öffnen
Kontrollwissen (Steuerung der Anwendung der anderen Regeln durch Eingrenzung des Suchraums)
—> WENN: Tank vollständig gefüllt, DANN keine zusätzliche Medieneingabe in den Tank mehr erlauben
Welche Rolle spielt die Logik in wissensbasierten Systemen und welche Logikformen werden verwendet?
Logik bildet die formale Grundlage für Wissensrepräsentation und Schlussfolgern in WBS
Aussagenlogik (Boolesche Logik)
Zusammenhänge zwischen einfachen, nicht weiter zerlegbaren Aussagen (Atomen), die entweder wahr oder falsch sind. Diese Aussagen werden mit logischen Junktoren wie ¬ (nicht), ∧ (und), ∨ (oder), ⇒ (Implikation) und ⇔ (Äquivalenz) verknüpft
Prädikatenlogik (Logik erster Stufe)
erweitert die Aussagenlogik um Variablen, Prädikate, Funktionen und Quantoren (∀ „für alle“, ∃ „es existiert“). Sie erlaubt Aussagen über Objekte und deren Eigenschaften sowie Beziehungen
z.B. ∀x (Bahnsteig(x) ∧ belegt(x) ⇒ Weiche_rot(x))
Was macht die Inferenz-Komponente und welche drei grundlegenden Inferenzarten werden in wissensbasierten Systemen unterschieden?
Schlussfolgerungen aus dem Wissen in regelbasierten Systemen
Deduktion (allgemein → speziell, immer wahr)
1. Wenn ein Auto eine leere Batterie hat, dann startet das Auto nicht
2. Bei meinem Auto ist die Batterie leer —> Mein Auto wird nicht starten
Induktion (speziell → allgemein, nicht zwingend wahr)
1. Ein Auto startet nicht und hat eine leere Batterie
2. Ein anderes Auto startet nicht und hat eine leere Batterie —> Ein Auto, das eine leere Batterie hat, startet nicht
Abduktion (Erklärung eines beobachteten Sachverhalts, plausibel, aber nicht sicher)
2. Mein Auto startet nicht —> Bei meinem Auto ist die Batterie leer
Worin unterscheiden sich Vorwärtsverkettung und Rückwärtsverkettung (Inferenz)?
Vorwärtsverkettung (datengetriebene Inferenz): leitet aus vorhandenen Fakten alle möglichen Schlussfolgerungen ab
—> abgeleitete Fakten gehen als neues Wissen in den Inferenzprozess ein
Fakten: B1 ist belegt
Regel: WENN ein Bahnsteig belegt ist, DANN ist die zugehörige Weiche rot.
Ablauf: Aus dem Fakt B1 ist belegt wird durch Anwendung der Regel automatisch der neue Fakt W1 ist rot abgeleitet. Dieser neue Fakt kann wiederum weitere Regeln auslösen (z. B. Signale auf rot setzen). → Die Inferenz startet bei den vorhandenen Daten und schreitet schrittweise voran
Rückwärtsverkettung (zielorientierte Inferenz): Beweis einer Hypothese durch Ableitung oder Widerlegung
—> Regelbasis wird nach Regeln durchsucht, die das Ziel in der
Konklusion enthalten
Ziel (Hypothese): S1 ist rot
Regel: WENN W2 = rot UND W3 = rot, DANN S1 = rot.
Ablauf: Das System prüft, ob die Prämissen W2 = rot und W3 = rot erfüllt sind. Falls diese noch nicht bekannt sind, werden sie als neue Zwischenziele betrachtet und durch weitere Regeln oder Fakten überprüft. → Die Inferenz startet beim Ziel und arbeitet sich rückwärts zu bekannten Fakten vor
Was versteht man unter unsicherem Schließen in wissensbasierten Systemen?
Die Fähigkeit, mit vorläufigem oder unvollständigem Wissen zu schließen und Schlussfolgerungen bei neuen Informationen zu revidieren (non-monotonic reasoning)
Nenne zwei Suchstrategien in Regelbasen!
Breitensuche, Tiefensuche
Nachteile von regelbasierter Wissenspräsentation?
Wissen muss systematisch vorhanden sein oder ohne Qualitätsverlust systematisierbar sein
Wissen muss explizit formulierbar sein
Intuitives und assoziatives Wissen entzieht sich dieser Repräsentation
Die Regelbasis kann zu inkonsistenten Ableitungen führen
Für welche Problemklassen lassen sich WBS und regelbasierte Systeme (RBS) einsetzen
Analyse
Diagnose
Gestaltung
Wofür eignen sich regelbasierte Systeme (RBS) im Kontext der Automatisierungstechnik besonders?
RBS eignen sich zur Steuerung klar strukturierter Abläufe, bei denen sicherheitskritische Restriktionen und logische Abhängigkeiten explizit formuliert werden können, z. B. bei der Signal- und Weichensteuerung im Eisenbahnverkehr
Hauptunterschiede zwischen Regel- und fallbasierten Systemen (RBS vs CBR)?
RBS: transparent, konsistent, aber unflexibel und wartungsintensiv
CBR: flexibel, lernfähig, aber fallbasisabhängig und weniger erklärbar
Explizites, transparentes Wissen
Hohe Konsistenz: Gleiche Eingaben führen zu gleichen Ergebnissen
Leicht überprüfbar
Regeln müssen explizit von Experten formuliert werden.
Geringe Flexibilität
Schlechte Skalierbarkeit: Große Regelmengen werden unübersichtlich und schwer wartbar
Ungeeignet für unscharfe oder schlecht strukturierte Probleme
Keine implizite Lernfähigkeit ohne zusätzliche Mechanismen
Nutzung von Erfahrungswissen statt expliziter Regeldefinition.
Hohe Flexibilität und Adaptivität bei neuen oder leicht abgewandelten Problemen.
Lernfähig durch Hinzufügen neuer Fälle.
Geeignet für schwach strukturierte Domänen, in denen Regeln schwer formulierbar sind.
Abhängigkeit von einer umfangreichen und qualitativ guten Fallbasis.
Probleme bei völlig neuen Situationen ohne ähnliche Fälle.
Ähnlichkeitsmaß und Indizierung sind kritisch und oft schwer zu definieren.
Geringere formale Erklärbarkeit im Vergleich zu regelbasierten Systemen.
Wartung der Fallbasis (Redundanzen, veraltete Fälle) erforderlich
Auf welchen zwei grundlegenden Annahmen beruht das fallbasierte Schließen?
Anforderungen an dieses System?
Ähnliche Probleme haben ähnliche Lösungen
Problemtypen wiederholen sich, auch wenn einzelne Fälle variieren
Anforderungen
Umfangreiche Fallbasis
Fähigkeit, neue Situationen mit bereits gespeicherten in Verbindung zu bringen
Geeigneter Algorithmus, um neue Lösungen zu evaluieren und eventuell zu korrigieren
Neue Ergebnisse/ Fälle müssen geschickt in die Fallbasis integriert werden
Welche zwei Arten des fallbasierten Schließens werden unterschieden?
Problemlösendes, fallbasiertes Schließen zur Lösungsfindung
interpretatives fallbasiertes Schließen zur Bewertung und Einordnung einer Situation
Welche Schritte umfasst der Zyklus des fallbasierten Schließens, mit einem Beispiel des case law (USA)?
Der Zyklus des fallbasierten Schließens beinhaltet folgende Schritte:
Selektierung der ähnlichsten Fälle
Wiederverwendung des Wissens aus diesen Fällen
Evaluierung/ Überprüfung der gefundenen Lösung
Aufnahme des Falls in die Fallbasis
Aus welchen Komponenten besteht ein Fall in einem CBR-System?
Problembeschreibung/ Situationsbeschreibung
mit Zielvorgaben und Ausgangssituation
Lösung und Lösungsschritten
Resultat inklusive Bewertung und Verbesserungshinweisen
Warum ist die Indizierung von Fällen in CBR-Systemen notwendig?
Welche Anforderungen werden an diese gestellt?
Indizierung ermöglicht es, relevante Fälle voneinander zu unterscheiden und ähnliche Fälle mithilfe von Distanzmaßen effizient zu finden —> Fälle maschinenlesbar machen
(Anforderungen) Indizes müssen
ausreichend abstrakt sein, um viele Situationen abzudecken
zugleich hinreichend genau, um relevante Fälle eindeutig identifizieren zu können
—> Suche ähnlicher Fälle erfolgt später anhand von Distanz-Metriken zwischen Fällen
Trotz der gegebenen Potenziale wissensbasierter Systeme können sie nicht ...
intuitiv schlussfolgern
assoziativ schlussfolgern
wichtiges vom unwichtigen unterscheiden
feststellen, wo sie Wissenslücken haben
Allgemeinwissen einbeziehen („common sense“)
Mehrdeutigkeiten von Begriffen kontextabhängig auflösen
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