Was verstehen Sie unter künstlicher Intelligenz?
Künstliche Intelligenz ist die Fähigkeit von Computern und Maschinen Aufgaben auszuführen, die normalerweise menschliche Intelligenz erfordern.
Was ist Intelligenz / intelligentes Verhalten?
Intelligenz = Zielerreichung über verschiedene Umgebungen hinweg durch Lernen, Anpassung, Planung und Problemlösen.
Was ist Autonomie / autonomes Verhalten? Welche Fähigkeiten zählen dazu?
Autonomes Verhalten ist die Fähigkeit eines Systems, auf Basis eigener Ziele, Wahrnehmungen und interner Regeln selbstständig Entscheidungen zu treffen und Handlungen auszuführen, ohne direkte menschliche Steuerung.
Fähigkeiten: Wahrnehmung, Repräsentation, Lernen, Planen, Schlussfolgern, Sprache/Interaktion, Handlungssteuerung, Umgang mit Unsicherheit.
Wie funktioniert der Turingtest?
Ein Prüfer kommuniziert verdeckt mit Mensch und Maschine; kann er sie nicht zuverlässig unterscheiden, „besteht“ die Maschine.
Was ist generative KI?
Generative KI (Generative Artificial Intelligence) bezeichnet KI-Systeme, die neue Inhalte (z. B. Text, Bild, Audio, Video oder Code) erzeugen, indem sie aus gelernten Wahrscheinlichkeitsverteilungen der Trainingsdaten sampeln.
Was ist der Aufmerksamkeitsmechanismus / wie funktioniert ein Transformer?
Transformer: Ein Transformer ist ein neuronales Netzwerk für Sequenzdaten, das mithilfe von Attention Beziehungen zwischen allen Elementen einer Sequenz gleichzeitig modelliert.
Attention: Attention ist ein Mechanismus, der berechnet, welche Teile der Eingabe für ein bestimmtes Element besonders wichtig sind, und diese stärker gewichtet.
Unterschiede menschliches Gehirn vs. LLM
Gehirn:
lernt kontinuierlich aus Erfahrung
versteht semantisch, hat Bewusstsein
eigene Ziele & Motivation
sehr flexibel und anpassungsfähig
LLM:
lernt offline aus Trainingsdaten
kein echtes Verständnis (statistisch)
keine eigenen Ziele, folgt Prompts
Anpassung nur begrenzt
Was sind Risiken generativer KI?
Halluzinationen / falsche Inhalte
Verzerrungen (Bias)
Datenschutz- und Urheberrechtsprobleme
Missbrauch (z. B. Desinformation, Deepfakes)
Abhängigkeit
Was versteht man unter Halluzination und woher kommt diese?
Halluzination bezeichnet bei generativer KI das Erzeugen von plausibel klingenden, aber faktisch falschen oder frei erfundenen Inhalten.
Ursachen:
Likelihood-Optimierung ohne Grounding (keine Anbindung an Faktenquellen)
Datenlücken oder fehlendes Wissen im Trainingsmaterial
Ungünstige Decoding-Einstellungen (z. B. hohe Temperatur, Top-k/Top-p)
Welche Rolle spielte der Mensch beim Training von ChatGPT?
Datenkurierung (Auswahl, Filterung geeigneter Trainingsdaten)
Annotation (z. B. korrekte Antworten, Klassifikationen)
RLHF (Reinforcement Learning from Human Feedback) - Bewertung und Vergleich von Modellantworten
Festlegung von Sicherheitsrichtlinien
Evaluierung
Red-Team-Tests (das Modell zu Fehlern, Regelverstößen oder Missbrauch bringen, um Schwachstellen zu finden und die Sicherheit zu verbessern)
Welche Gefahren sehen Sie bei ChatGPT?
Falschsicherheit durch überzeugend formulierte, aber falsche Antworten
Eingabe sensibler oder vertraulicher Daten
versteckte Verzerrungen (Bias) in den Antworten
veraltete oder ungeprüfte Informationen
Jailbreak- und Missbrauchsrisiken
Wovon ist die Qualität der Antwort von ChatGPT maßgeblich abhängig?
Prompt und Kontext
Modellversion
Temperatur / Decoding
Domänenabdeckung der Trainingsdaten
Optional: externer Wissenszugriff
Was ist Decoding und welche Decoding-Strategien gibt es?
Decoding = Wie das Modell entscheidet, welches nächste Wort ausgegeben wird.
Decoding-Strategien:
Greedy Decoding: immer das wahrscheinlichste Token
Sampling: zufällige Auswahl nach Wahrscheinlichkeiten
Temperatur: steuert Zufälligkeit (hoch = kreativer, niedrig = genauer)
Top-k / Top-p: beschränkt die Auswahl auf wahrscheinliche Tokens
In welchen Fällen sollten Sie ChatGPT nicht verwenden?
bei kritischen Entscheidungen (z. B. Medizin, Recht, Sicherheit)
bei vertraulichen oder sensiblen Daten
wenn faktische Korrektheit zwingend garantiert sein muss
bei aktuellen Informationen, die verifiziert sein müssen
Was unterscheidet ChatGPT 3.5 von ChatGPT 4/5?
ChatGPT-3.5: einfacher, weniger genau, kleiner Kontext
ChatGPT-4/5: genauer, besseres Reasoning, größerer Kontext, robuster
Benennen Sie die Komponenten eines wissensbasierten Systems!
Wissensbasis (enthält Fakten-, Klassen- und Regelwissen)
Inferenzmaschine (Wissensverarbeitung) (leitet neues Wissen aus der Wissensbasis ab)
Wissenserwerbskomponente (Aufnahme und Pflege von Wissen)
Erklärungskomponente (macht Schlussfolgerungen nachvollziehbar)
Benutzerschnittstelle (Interviewer-/Dialogkomponente)
Was ist der Unterschied zwischen wissensbasierten Systemen und Expertensystemen?
Wissensbasiertes System (WBS): Oberbegriff für Systeme, die Wissen explizit repräsentieren und mittels Inferenz verarbeiten.
Expertensystem: Spezielle Form eines wissensbasierten Systems, das Expertenwissen eines klar abgegrenzten Fachgebiets nachbildet und Expertenentscheidungen unterstützt.
Welchen Nutzen haben Expertensysteme? Worauf muss geachtet werden, damit sich dieser Nutzen in der Praxis einstellt?
Nutzen:
enthalten Fachwissen
ziehen begründete Schlussfolgerungen (Erklärbarkeit)
arbeiten auch mit unsicherem oder unvollständigem Wissen
entlasten Experten bei komplexen Entscheidungen
Voraussetzungen:
Einsatz in klar abgegrenzten Domänen
Expertensysteme unterstützen, ersetzen keine Experten
Pflege der Wissensbasis sicherstellen
Nennen Sie die Forderungen, die an ein wissensbasiertes System gestellt werden!
Korrektheit
Vollständigkeit
Konsistenz
Transparenz
Effizienz
Wartbarkeit
Robustheit
Aus welchen Komponenten ist ein wissensbasiertes System aufgebaut und welche Aufgaben haben diese Komponenten jeweils?
Welche Wissensarten gibt es? Was unterscheidet Faktenwissen von Klassenwissen?
Klassenwissen, Faktenwissen und Regelwissen
Klassenwissen:
beschreibt Begriffe, Klassen und deren Beziehungen
macht keine Aussage über die reale Existenz
definiert, was grundsätzlich möglich ist
Beispiel: „Ein Ventil ist ein Aktor.“
Faktenwissen:
beschreibt konkrete Instanzen und Zustände
hat direkten Bezug zur realen Welt
legt fest, was tatsächlich existiert
Beispiel: „Ventil V1 ist geöffnet.“
Welche Eigenschaften hat Regelwissen und welche Arten gibt es?
Eigenschaften:
Anwendungswissen
Beschreibt Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge
Ermöglicht das Ableiten neuen Faktenwissens
Grundlage für Handlungen und Entscheidungen
Arten von Regelwissen:
Ableitungswissen: Wenn x ein Ventil ist, dann ist x ein Aktor
Handlungswissen: Wenn Sensor X am Tankboden, dann verriegeln
Kontrollwissen: Regelt die Anwendung des Ableitungswissens
Geben Sie für jede Wissensart ein Beispiel in Form eines Tripels.
Klassenwissen: Ventil — istEin — Aktor
Ventil — istEin — Aktor
Faktenwissen: Ventil_V1 — hatZustand — geöffnet
Ventil_V1 — hatZustand — geöffnet
Regelwissen: (Sensor_X aktiv) — führtZu — Verriegeln
(Sensor_X aktiv) — führtZu — Verriegeln
Was sind die Nachteile der regelbasierten Wissensrepräsentation?
Wissen muss systematisch vorhanden oder ohne Qualitätsverlust systematisierbar sein
Wissen muss explizit formulierbar sein
intuitives und assoziatives Wissen entzieht sich der Repräsentation
Was ist Inferenz?
Inferenz ist die ein einem formalen System automatisiert erstellte Schlussfolgerung.
Benennen Sie die Inferenzarten und zeigen Sie die Unterschiede auf!
Deduktion:
allgemein 🠒 speziell
wenn die Regel stimmt, muss der Einzelfall stimmen
Induktion:
speziell 🠒 allgemein
aus vielen Beispielen wird eine wahrscheinliche Regel
Abhängig vom Erfahrungshintergrund (z.B. Stichprobenumfang)
Abduktion:
von einer Beobachtung zur besten Erklärung
man „rät“ die plausibelste Ursache
Abhängig vom Kontext
Wie arbeitet eine Inferenzmaschine bei regelbasierten Systemen?
Vorwärtsverkettung (datengetriebene Inferenz)
Ausgangspunkt sind vorhandene Fakten
Regeln, deren Prämissen erfüllt sind, werden ausgeführt
Abgeleitete Fakten werden der Wissensbasis hinzugefügt
Der Prozess läuft weiter, bis
ein Ziel erreicht ist oder
keine weiteren Ableitungen möglich sind
Ziel: Aus gegebenen Fakten möglichst viele neue Schlussfolgerungen gewinnen.
Rückwärtsverkettung (zielorientierte Inferenz)
Ausgangspunkt ist ein vorgegebenes Ziel / eine Hypothese
Die Regelbasis wird nach Regeln durchsucht, deren Konklusion dem Ziel entspricht
Deren Prämissen werden zu Zwischenzielen
Der Prozess endet, wenn
alle Prämissen durch Fakten bewiesen sind oder
keine passenden Regeln gefunden werden (Falsifizierung)
Ziel: Überprüfung bzw. Beweis einer Hypothese.
Wie funktionieren die einzelnen Suchstrategien?
Uninformierte Suchstrategien
Breitensuche (Breadth-First Search):
Start an der Wurzel
durchsucht den Baum ebenenweise
findet die kürzeste Lösung
hoher Speicherbedarf
Tiefensuche (Depth-First Search):
verfolgt einen Pfad so tief wie möglich
geringer Speicherbedarf
keine Garantie auf optimale Lösung
Tiefenbegrenzte Suche:
Tiefensuche mit maximaler Tiefe
verhindert Endlosschleifen
Lösung nur, wenn sie innerhalb der Grenze liegt
Iterative Tiefensuche:
wiederholte Tiefensuche mit schrittweise erhöhter Tiefe
kombiniert Vorteile von Breiten- und Tiefensuche
findet kürzeste Lösung bei moderatem Speicherbedarf
Informierte (heuristische) Suchstrategien
Greedy Search
wählt Knoten mit bester Heuristik
schnell, aber nicht optimal
A*-Suche
Bewertungsfunktion: f(n) = g(n) + h(n)
Kombination aus Kosten + Heuristik
optimal bei zulässiger Heuristik
Was sind Regeln und welche Form haben sie?
Regeln sind formalisierte Wissenseinheiten in wissensbasierten Systemen, mit denen aus bekanntem Wissen neues Wissen abgeleitet oder Handlungen ausgelöst werden.
Regeln haben typischerweise die Wenn–Dann-Form: WENN Prämisse(n) erfüllt sind DANN Konklusion / Aktion
Nennen Sie Anwendungsbeispiele für regelbasierte Systeme!
Regelbasierte Systeme werden überall dort eingesetzt, wo Entscheidungen durch klar formulierte Regeln getroffen werden können.
Expertensysteme (z. B. medizinische Diagnose, technische Fehlersuche)
Prozess- und Anlagensteuerung (z. B. Ampel- oder Signalsteuerung)
Fuzzy-Regelungen (z. B. Klimaanlagen, Bremsassistenten)
Konfigurationssysteme (z. B. Produkt- oder Anlagenkonfiguration)
Entscheidungsunterstützungssysteme (z. B. Kreditprüfung, Risikobewertung)
Welche Regeln würden sinnvollerweise in der Regelbasis eines Expertensystems zur Studienberatung stehen? (oder andere Beispiele)
WENN Interesse = Technik UND Mathematik gut DANN Empfehlung = Ingenieurwissenschaften
WENN Interesse = Programmieren UND Logisches Denken stark DANN Empfehlung = Informatik
WENN Abiturnote < 2,0 UND Studiengang = zulassungsbeschränkt DANN Zulassungschance = hoch
WENN Interesse = Menschen UND Kommunikation stark DANN Empfehlung = Sozial- oder Wirtschaftswissenschaften
Welche Probleme können bei einer Regelbasis auftreten?
Regelkonflikte (mehrere Regeln liefern widersprüchliche Ergebnisse)
Redundanz (gleiche oder sehr ähnliche Regeln mehrfach vorhanden)
Unvollständigkeit (nicht alle relevanten Fälle sind abgedeckt)
Inkonsistenz (Regeln widersprechen sich logisch)
Skalierbarkeit / Unübersichtlichkeit bei großer Regelanzahl
Hoher Wartungsaufwand (Änderungen haben unerwartete Nebenwirkungen)
Was unterscheidet eine Ontologie von einer Taxonomie?
Taxonomie:
reine Hierarchie / Klassifikation
Beziehungen meist nur „ist-ein“
Beispiel: Fahrzeug → Auto → Elektroauto
Ontologie:
erweiterte Wissensmodellierung
neben Hierarchien auch Relationen, Eigenschaften, Regeln und Einschränkungen
ermöglicht Schlussfolgerungen (Inferenz)
Welche Bestandteile eines WBS werden durch OWL standardisiert?
OWL (Web Ontology Language) standardisiert in einem wissensbasierten System (WBS):
Wissensbasis, genauer:
Klassen (Klassenwissen / T-Box)
Eigenschaften / Relationen (Properties)
Individuen (Faktenwissen / A-Box)
Axiome und Einschränkungen (z. B. Kardinalitäten, Äquivalenzen)
Nicht durch OWL standardisiert:
Inferenzmaschine
Such- und Ableitungsstrategien
Benutzeroberfläche
Wie ist OWL grundsätzlich aufgebaut?
OWL ist eine Sprache zur Beschreibung von Wissen in Form von Ontologien. Sie besteht aus Klassen, Eigenschaften und Individuen und erlaubt es, Beziehungen und Regeln formal zu beschreiben, sodass daraus logisch geschlossen werden kann.
Dabei unterscheidet man zwischen dem Schema der Ontologie (T-Box) und den konkreten Fakten (A-Box).
Nennen Sie die Unterschiede/Überschneidungen von RDF, RDFS und OWL.
RDF (Resource Description Framework):
Grundlegendes Datenmodell
Stellt Informationen als Tripel (Subjekt–Prädikat–Objekt) dar
Beschreibt Fakten (Aussagen)
RDFS (RDF Schema):
Erweiterung von RDF
ermöglicht Klassen, Subklassen und Properties
einfache Schema- und Strukturdefinition
begrenzte Schlussfolgerungen möglich
OWL (Web Ontology Language):
Baut auf RDF/RDFS auf
mächtige Ontologiesprache mit formaler Semantik
unterstützt Axiome, Restriktionen, Kardinalitäten
ermöglicht logische Inferenz (Reasoning)
Grundlage: Description Logic
Überschneidungen:
alle nutzen das Tripelmodell
OWL erweitert RDF/RDFS um Semantik und Logik
Was ist eine Object Property und eine Data Property, was unterscheidet die beiden?
Object Property
Beschreibt eine Beziehung zwischen zwei Individuen
Verknüpft Objekt ↔ Objekt
Beispiel: Student — belegt — Kurs
Student — belegt — Kurs
Data Property
Beschreibt eine Eigenschaft eines Individuums mit einem Datenwert
Verknüpft Objekt ↔ Literal (Zahl, Text, Bool, …)
Beispiel: Student — hatAlter — 23
Student — hatAlter — 23
Erklären Sie die Begriffe Domain und Range. Nennen Sie Beispiele.
Domain bezeichnet die Klasse, zu der das Subjekt einer Property gehört. Beispiel: Bei der Property belegt ist die Domain Student.
Range bezeichnet die Klasse oder den Datentyp, auf den die Property verweist. Beispiel: Bei der Property belegt ist die Range Kurs, bei hatAlter ist die Range Integer.
Was ist eine transistive/symmetrische Object Property? Nennen Sie ein Beispiel.
Transitive Object Property
Eine Object Property ist transitiv, wenn aus A → B und B → C automatisch A → C folgt. Beispiel: Wenn A istTeilVon B und B istTeilVon C, dann ist A istTeilVon C.
Symmetrische Object Property
Eine Object Property ist symmetrisch, wenn aus A → B automatisch B → A folgt. Beispiel: Wenn A istVerheiratetMit B, dann ist B istVerheiratetMit A.
Wie werden die Anforderungen an eine Ontologie definiert?
Die Anforderungen an eine Ontologie werden durch sogenannte Competency Questions (CQ) definiert.
Dabei handelt es sich um konkrete Fragestellungen, die die Ontologie später beantworten können muss und die den Inhalt und Umfang der Modellierung festlegen.
Was ist eine T-Box und was ist eine A-Box, was befindet sich darin jeweils?
T-Box (Terminologische Box)
Die T-Box beschreibt das Schema der Ontologie. Sie enthält Klassen, Property-Definitionen und Axiome, also das allgemeine Wissen über Begriffe und deren Beziehungen (z. B. Subklassen, Domain/Range, Restriktionen).
A-Box (Assertionale Box)
Die A-Box enthält die konkreten Fakten der Ontologie. Sie beschreibt Individuen, ihre Klassenzugehörigkeit und konkrete Beziehungen bzw. Eigenschaften in der realen Welt.
Was ist eine Onthologie?
Eine Ontologie beschreibt Wissen über eine Domäne strukturiert, formal und eindeutig.
Was ist in Bezug auf Ontologien ein „Tripel“?
In Bezug auf Ontologien ist ein Tripel die Grundform einer Aussage und besteht aus drei Teilen Subjekt – Prädikat – Objekt.
Woraus besteht ein Tripel? Geben Sie ein Beispiel.
Ein Tripel besteht aus drei Bestandteilen:
Subjekt – das beschriebene Objekt/Individuum
Prädikat – die Eigenschaft oder Beziehung
Objekt – ein anderes Objekt oder ein Datenwert
Entwerfen Sie eine einfache Ontologie für Prozesse und Modellieren Sie folgenden Sachverhalt: „Produkt_A wird produziert durch Maschine_B, durch den Prozess Fräsen“.
Klassen: Produkt, Maschine, Prozess
Produkt, Maschine, Prozess
Properties: wirdProduziertDurch(Produkt→Maschine), realisierterProzess(Maschine→Prozess)
wirdProduziertDurch(Produkt→Maschine)
realisierterProzess(Maschine→Prozess)
Tripel:(Produkt_A, wirdProduziertDurch, Maschine_B), (Maschine_B, realisierterProzess, Fraesen).
(Produkt_A, wirdProduziertDurch, Maschine_B)
(Maschine_B, realisierterProzess, Fraesen)
Wann nutzt man eine Graph-Datenbank und wann ein Modellierungstool wie Protégé?
Graph-Datenbank: Speicherung/ Abfragen im Betrieb
Protégé: Modellierung, Konsistenzprüfung, Design
Definieren Sie eine SPARQL-Abfrage, die Ihnen alle Individuen der Klasse „Prozess“ ausgibt.
SELECT ?prozess
WHERE {
?prozess rdf:type :Prozess .
}
Umreißen Sie die Grenzen der wissensbasierten Systeme!
Wissensakquisitions-Flaschenhals (Erfassung von Expertenwissen aufwendig)
hoher Wartungs- und Skalierungsaufwand
begrenzter Umgang mit Unsicherheit
geringe bzw. fehlende Lernfähigkeit
Was versteht man unter Fuzzy-Logik?
Fuzzy-Logik ist eine Logik, die unscharfe Aussagen verarbeitet, indem Wahrheitswerte nicht nur 0 oder 1, sondern beliebige Werte zwischen 0 und 1 annehmen können.
Was ist eine unscharfe Menge?
Eine unscharfe Menge (Fuzzy-Menge) ist eine Menge, bei der ein Element nicht nur ganz dazugehört oder nicht, sondern einen Zugehörigkeitsgrad zwischen 0 und 1 besitzt.
Stellen Sie die folgende Menge dar: Menge A der ganzen Zahlen in der Nähe von 9!
Was ist eine Zugehörigkeitsfunktion?
Eine Zugehörigkeitsfunktion ordnet jedem Element einer unscharfen Menge einen Wert zwischen 0 und 1 zu und gibt an, wie stark dieses Element zur Menge gehört.
Was sind linguistische Variablen und wodurch werden diese definiert? Erläutern Sie dies am Beispiel der Außentemperatur!
Linguistische Variablen sind Variablen mit sprachlichen Werten statt exakter Zahlen. Sie werden definiert durch Grundmenge und Zugehörigkeitsfunktionen.
Beispiel Außentemperatur:
Wertebereich: −20 °C bis 40 °C
Linguistische Werte: kalt, mild, warm, heiß
Zugehörigkeitsfunktionen bestimmen den Grad der Zugehörigkeit.
Erläutern Sie die unscharfen Operationen UND, ODER, NICHT!
UND (AND): Verknüpft zwei Zugehörigkeitsgrade, meist als Minimum. → µ(A UND B) = min(µ(A), µ(B))
ODER (OR): Verknüpft zwei Zugehörigkeitsgrade, meist als Maximum. → µ(A ODER B) = max(µ(A), µ(B))
NICHT (NOT): Negiert den Zugehörigkeitsgrad. → µ(NICHT A) = 1 − µ(A)
Was ist eine Fuzzy-Relation?
Eine Fuzzy-Relation ist eine unscharfe Beziehung zwischen Elementen zweier (oder einer) Mengen, bei der jedem Wertepaar ein Zugehörigkeitsgrad zwischen 0 und 1 zugeordnet wird.
Nennen und erläutern Sie die am meisten verwendete Fuzzy Relation!
Fuzzy-Ähnlichkeits- bzw. Fuzzy-Äquivalenzrelation:
Sie beschreibt, wie ähnlich sich zwei Elemente sind, wobei die Ähnlichkeit einen Wert zwischen 0 und 1 annimmt.
Reflexiv (x ist sich selbst maximal ähnlich)
Symmetrisch (Ähnlichkeit gilt in beide Richtungen)
(Max-)transitiv
Was ist Defuzzifizierung? Welche Methoden kennen Sie?
Defuzzifizierung ist der Prozess, bei dem aus einer unscharfen (fuzzy) Ergebnismenge ein konkreter, scharfer Zahlenwert bestimmt wird.
Methoden:
Schwerpunktmethode (Centroid / Center of Gravity)
Maximum-Methode
Mittelwert der Maxima (Mean of Maxima)
Links-/Rechtsmaximum
Wann würden Sie einen Fuzzy-Regler einsetzen?
Einen Fuzzy-Regler setzt man bei unsicheren, schwer modellierbaren und nichtlinearen Systemen ein, insbesondere wenn Expertenwissen in Form linguistischer Regeln vorliegt.
Zeichen Sie die Struktur eines Fuzzy-Reglers!
Fuzzifier → Regelbasis + Inferenz → Defuzzifier (mit Rückkopplung zum Prozess)
Erläutern Sie das Vorgehen beim Erstellen eines Fuzzy-Reglers!
Was verstehen Sie unter autonome Agenten?
Ein autonomer Agent ist ein Computersystem, das selbstständig Entscheidungen trifft und Schlussfolgerungen zieht, um im Sinne seines Benutzers vorgegebene Ziele ohne direkte menschliche Eingriffe zu erreichen.
Welche Agentenarten gibt es? Was sind jeweils Hauptmerkmale?
Agententyp
Hauptmerkmale
Einfache reaktive
Reagieren direkt auf aktuelle Wahrnehmungen;
kein Gedächtnis, keine Planung
Modellbasierte
Internes Weltmodell;
berücksichtigen vergangene Wahrnehmungen
Zielbasierte
Explizite Zielrepräsentation;
wählen Handlungen zur Zielerreichung
Nutzenbasierte
Optimieren eine Nutzenfunktion;
bewerten und vergleichen Alternativen
Lernende
Verbessern Verhalten durch Erfahrung;
passen Strategien an
Deliberative
Explizite Planung und logisches Schließen;
hohes Maß an Vorausschau
BDI
Mentale Zustände: Beliefs, Desires, Intentions;
erklärbares Handeln
Was unterscheidet Agenten von Objektorientierung? Was ist synchrone vs. asynchrone Kommunikation?
Agenten vs. Objektorientierung
Objektorientierung (OO): Objekte sind passiv. Sie werden durch Methodenaufrufe von außen gesteuert und handeln nicht selbstständig.
Agenten: Agenten sind aktiv und autonom. Sie treffen eigene Entscheidungen, verfolgen Ziele und kontrollieren ihr Verhalten selbst.
Synchrone vs. asynchrone Kommunikation
Synchrone Kommunikation: Sender wartet auf Antwort des Empfängers (blockierend). → z. B. klassischer Methodenaufruf
Asynchrone Kommunikation: Sender sendet Nachricht und arbeitet weiter (nicht blockierend). → Antwort ggf. später oder gar nicht
Wie kann man die Kommunikation zwischen Agenten gestalten?
Agenten kommunizieren über Nachrichten, Protokolle oder gemeinsame Wissensräume – synchron oder asynchron.
FIPA-ACL - standardisierte Agentenkommunikationssprache (performative Nachrichten)
Protokolle z. B. Request, Contract-Net (Aushandlung von Aufgaben)
Publish / Subscribe - Agenten abonnieren Ereignisse und werden asynchron informiert
Blackboard - indirekte Kommunikation über einen gemeinsamen Wissensspeicher
RPC (Remote Procedure Call) - direkte, meist synchrone Kommunikation (Methodenaufruf)
Erläutern Sie das Briefkastenprinzip.
Agenten senden asynchrone Nachrichten in den Mailbox/Briefkasten eines anderen Agenten.Der Empfänger liest und verarbeitet sie selbstständig zu einem späteren Zeitpunkt.
Aufbau und Anwendung Sequenzdiagramm
Aufbau:
Anwendung:
Darstellung des zeitlichen Ablaufs der Kommunikation
zeigt wer mit wem in welcher Reihenfolge interagiert
geeignet zur Analyse, Planung und Dokumentation von Abläufen (z. B. Agenten-, Objekt- oder Systemkommunikation)
Welche Felder umfasst eine FIPA ACL Nachricht?
Performative (z. B. request, inform, agree)
Sender
Empfänger
Inhalt (Content)
Sprache (Language)
Ontologie
Protokoll
Konversation-ID
Reply-with / In-reply-to
Zeitangaben (Reply-by)
Wie funktioniert das „contract net“? Was sind die Performative?
Das Contract-Net-Protokoll dient zur Aufgabenverteilung in Multiagentensystemen.
Ablauf:
Manager-Agent kündigt eine Aufgabe an (Call for Proposals)
Teilnehmer-Agenten senden Angebote (Proposals)
Manager bewertet die Angebote
Bestes Angebot wird akzeptiert, andere abgelehnt
Gewinner führt die Aufgabe aus und meldet das Ergebnis zurück
Wichtige FIPA-ACL-Performatives im Contract Net
cfp (call for proposal)
propose
accept-proposal
reject-proposal
inform (Ergebnis)
failure (falls Aufgabe scheitert)
Wie würde in einer Auktionsbasierten Interaktion mit dem Fall umgegangen werden, wenn keine Angebote abgegeben werden?
eine Re-Ausschreibung erfolgen
die Frist verlängert werden
die Anforderungen gelockert werden
eine alternative Zuweisung / ein Reserveplan genutzt werden
Was muss man beachten, wenn ein Agentensystem nicht innerhalb eines Unternehmens genutzt wird, sondern auf einem Unternehmens-übergreifenden Marktplatz?
Sicherheit & Authentifizierung
Interoperabilität & Standards
Datenschutz & Compliance
SLAs und vertragliche Regelungen
Vertrauen zwischen Agenten/Parteien
Latenz, Performance & Skalierbarkeit
Offene Marktplätze erfordern Sicherheit, Standards, Vertrauen und Skalierbarkeit.
Welche Phasen finden sich in (fast) allen Methoden zur Entwicklung von Agentensystemen?
Anforderungsanalyse → Analyse/ Konzeption → Entwurf (Design) → Implementierung → Test → Einsatz und Wartung
In welchen Phasen der Entwicklung eines Agentensystems finden Entwicklungsmethoden und Agentenplattformen/-Programmiersprachen jeweils Anwendung?
Entwicklungsmethoden für Analyse & Design
Agentenplattformen/-sprachen für Implementierung & Betrieb
Wobei werden autonome Agenten sinnvoll angewendet?
Autonome Agenten sind sinnvoll bei verteilten, dynamischen Problemen mit dezentraler Entscheidungsfindung
Logistik & Supply Chain Management (SCM), Energieversorgung & Smart Grids, Fertigung & Robotik
verteilte, dynamische Umgebungen vorliegen, dezentrale Entscheidungen notwendig sind, Systeme skalierbar und flexibel reagieren müssen, Kooperation oder Wettbewerb zwischen Akteuren besteht, Echtzeitreaktionen ohne permanente menschliche Steuerung erforderlich sind
Definieren Sie Rollen, Ziele, Interaktionen und Kommunikationsontologie für ein Agentenkonzept zur Steuerung einer Produktionslinie in der Automobilproduktion! (und weitere Beispiele)
Rollen: Planer, Maschinen-, Material-, QA-Agent
Ziele: Durchsatz, Qualität, Termine
Interaktionen: Auftrag→Plan, Zuweisung, Status/Alarme
Ontologie: Auftrag, Ressource, Prozess, Los, Takt, Störung; hasState, allocates, produces
Auftrag, Ressource, Prozess, Los, Takt, Störung; hasState, allocates, produces
Warum erweisen sich Agentensysteme gerade bei steigender Komplexität/zunehmender Dezentralität/ausgeprägter Variabilität/struktureller Veränderbarkeit des Gesamtsystems als vorteilhaft?
Skalierbarkeit
lokale Autonomie
flexible Rekonfiguration
Nähe zur Organisationsstruktur
Die Interaktion/Lösungsfindung in Agentensystemen kann kooperativ oder kompetitiv verlaufen. Erläutern Sie die Unterschiede und nennen Sie Anwendungsfälle in denen diese vorteilhaft eingesetzt werden können.
Kooperative Agentensysteme
arbeiten gemeinsam an einem Ziel
Informationsaustausch, Koordination und Aufgabenverteilung
Erfolg wird global bewertet (Systemnutzen)
Bsp.: Flottenkoordination
Kompetitive Agentensysteme
verfolgen eigene Ziele, oft auf Kosten anderer
Konkurrenz um Ressourcen, Preise oder Aufgaben
Erfolg wird individuell bewertet (Eigennutzen)
Bsp.: Auktionen
Erläutern Sie, warum sich die Kommunikation in einem Agentensystem oft zum Engpass entwickelt. Welche Konsequenzen lassen sich daraus ableiten?
Hohe Nachrichtenanzahl: Viele Agenten tauschen häufig Nachrichten aus → stark wachsender Kommunikationsaufwand
Asynchrone Koordination: Abstimmung (z. B. Aushandlung, Konsens) benötigt mehrere Nachrichtenrunden
Netzwerkabhängigkeit: Latenzen, Bandbreite und Ausfälle beeinflussen die Performance
Komplexe Protokolle: Standardisierte Protokolle (z. B. Contract Net) verursachen zusätzlichen Overhead
Zentrale Komponenten: Vermittler, Blackboard oder Directory Services können zum Flaschenhals werden
Welche Konsequenzen lassen sich daraus ableiten?
Kommunikation minimieren (lokale Entscheidungen bevorzugen)
Asynchrone Kommunikation statt synchroner/blockierender
Aggregation und Bündelung von Nachrichten
Dezentralisierung (keine unnötigen zentralen Knoten)
Einfache, effiziente Protokolle statt komplexer Interaktionen
Skalierbarkeit früh berücksichtigen (Designentscheidung!)
In der Übung haben Sie prototypisch ein Agentensystem in Node-RED implementiert. Welche Eigenschaften eines Agenten fehlen Ihrer Einschätzung nach für ein vollwertigeres Agentensystem?
keine formale ACL/Protokolle
begrenzte Autonomie/Planung,
kein Lernen/Belief-Modell
geringe Fehlertoleranz
Welche Wissensbasis liegt den Agenten aus Ihrer ersten Node-RED Implementierung zu Grunde? Welche Nachteile führt das mit sich?
implizite Flow-Logik/Hard-Rules
schwer erklärbar/wartbar, schlecht skalierbar, wenig Wiederverwendung
Warum gestaltet es sich schwierig das Verhalten eines Agentensystems vorherzusagen?
Dezentrale Entscheidungen: jeder Agent handelt autonom nach eigenen Zielen
Nichtlineare Wechselwirkungen: kleine Änderungen können große Effekte haben
Emergentes Verhalten: globales Systemverhalten entsteht erst aus der Interaktion
Dynamische Umgebungen: Zustände und Randbedingungen ändern sich laufend
Lernende / adaptive Agenten: Verhalten verändert sich über die Zeit
Kommunikationsverzögerungen und -ausfälle
In einem verteilten System nutzen Agenten lokale Informationen und treffen lokale Entscheidungen. Diskutieren Sie Möglichkeiten, um eine globales Leistungsverhalten sicherzustellen.
Globale Ziele/Kennzahlen
Koordinationsprotokolle
Anreiz-/Marktmechanismen
Konsens/Verträge
Monitoring/Feedback
Was ist ein Blackboard (in der Agentenkoordination)?
Gemeinsamer, geteilter Wissensspeicher, an/auf den Agenten Beiträge schreiben/lesen.
Beschreiben Sie das Gefangenendilemma.
Zwei Verdächtige werden getrennt verhört und jeder kann schweigen (kooperieren) oder verraten (defektieren).
Wenn beide schweigen: beide bekommen eine kleine Strafe (bestes gemeinsames Ergebnis).
Wenn einer verrät und der andere schweigt: der Verräter kommt sehr gut weg, der Schweigende bekommt die härteste Strafe.
Wenn beide verraten: beide bekommen eine mittlere Strafe (schlechter als gemeinsam schweigen).
Unterschied Nash-Gleichgewicht vs. Pareto-Optimum.
Nash-GG: wechselseitig beste Antwort der Spieler
Pareto-Optimum: niemand kann sich besser stellen ohne andere schlechter zu stellen
Nash muss nicht Pareto-optimal sein
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