Aus welchen Komponenten sind Ribosomen aufgebaut?
Ribosom = Ribonukleoproein
(Ribosome bestehen aus rRNA und Proteinen —> Umsetzung genetischer Information von mRNA in Proteine)
Aufbau:
i) kleine Untereinheit: Ablesen der mRNA
ii) große Untereinheit: verknüpft die Aminosäuren zu einem Protein
rRNA: ist für die eigentliche Proteinherstellung (Verknüpfung der Aminosäuren) verantwortlich
Proteine: stabilisieren die Struktur des Ribosoms + unterstützen die Funktion der rRNA
Warum ist der S-Wert eines vollständigen Ribosoms nicht die Summe der S-Werte seiner Untereinheiten?
Prokaryoten: 70S-Ribosomen (30S + 50S)
Eukaryoten: 80S-Ribosomen (40S + 60S)
S-Werte nicht additiv, da:
Die Überlappung/Zusammenlagerung der Untereinheiten führt zu Formänderung und daher auch zur Änderung des S-Werts (Änderung des Sedimentationsverhaltens)
—> Ribosom wird komplakter
—> Reibungswiederstand im Medium sinkt
Welche chemische Reaktion katalysieren Ribosome?
Proteinbildung —> Peptidbindung zwischen Aminosäuren
Kondensationsreaktion (Abspaltung von Wasser):
Die Aminogruppe (NH₂) einer Aminosäure reagiert mit der Carboxylgruppe (COOH) einer anderen Aminosäure
—> Peptidbindung
(Bildung der Peptidbindung in großer Untereinheit des Ribosoms)
(—> Verknüpfung von Aminosäuren zu einer Polypeptidkette)
Was bedeutet die Einheit Svedberg (S) für ribosomale Untereinheiten?
—> beschreibt Sedimentationsverhalten (physikalisches Verhalten): Maß für die Größe und Form gemessen mittels Ultrazentrifugation
S-Wert gibt an, wie schnell ein Teilchen bei Ultrazentrifugation absinkt
—> je schneller ein Teilchen sedimentiert, desto größer sein S-Wert
S-Wert beeinflusst durch: Molekülmasse, Dichte, Form, Reibung im Medium
(zwei Moleküle ähnlicher Masse können unterschiedliche S-Werte haben, wenn sie sich z.B. in ihrer Form unterscheiden)
Sind Ribosomen Organellen?
Ribosomen sind keine Organellen, da sie keine Membran besitzen
(Ribosom = Zellbestandteil, aber nicht membranumhülltes Organell)
Vergleich von prokaryotischen und eukaryotischen Ribosomen
eukaryotische Ribosome
große UE: 60S (3 rRNA / 49 Proteine)
kleine UE: 40S (1 rRNA / 33 Proteine)
—> 80S
größer als prokaryotische Ribosomen, da:
mehr Proteine (insbesonderes in der kleinen Untereinheit)
mehr rRNA (mehr strukturgebende Proteine nötig)
—> Eukaryoten: mehr Regulationsmöglichkeiten im Ribosom (komplexer)
prokaryotische Ribosome (Bakterien)
große UE: 50S (2 rRNA / 31 Proteine)
kleine UE: 30S (1 rRNA / 21 Proteine)
—> 70S
kleiner als eukaryotische Ribosomen (weniger rRNA / weniger Proteine)
Was sind Polysomen und welchen funktionellen Vorteil bieten sie für die Proteinbiosynthese?
Polysomen (Polyribosomen) sind Verbände aus mehreren Ribosomen, die gleichzeitig dieselbe mRNA ablesen
—> parallele Translation auf einer mRNA
funktioneller Vorteil:
Effizienzsteigerung der Proteinbildung (identisch) —> Zeitersparnis
Ressourcenschonend, da Zelle weniger neue mRNA transkribieren muss
hohe Proteinausbeute bei “kurzer” mRNA-Lebensdauer
—> Polysomen ermöglichen eine schnelle und effiziente Produktion vieler Proteine aus einer mRNA
Skizzieren sie schematisch eine mRNA und kennzeichnen sie wichtige strukturelle Elemente. Vergleich sie dabei prokaryotische und eukaryotische mRNAs.
mRNA wird in 5´—>3´Richtung abgelesen / von N- zu C-Terminus synthetisiert
5´Ende: Startpunkt (andocken des Ribosoms)
5´UTR: Signale für den Start der Translation
Startcodon: für Methionin (legt Leseraster fest)
CDS: bestimmte Aminosäuresequenz des Proteins
Stopcodon: beendet Transaltion (codiert keine Aminosäre) z.B. UAA, UAG, UGA
3´UTR: wichtig für Stabilität und Regualtion
prokaryotisch:
5` — SD-Sequenz — Startcodon (AUG) — CDS — Stopcodon — 3´
eukaryotisch:
5´Cap — 5´UTR — Startcodon — CDS — Stopcodon — 3´UTR — Poly-A-Schwanz
(Exon: codierender Abschnitt, Intron: nicht codierender Abschnitt —> splicing)
Wie werden Aminosäuren für die Proteinbiosynthese aktiviert?
Aminoacylierung (ATP liefert Energie)
1) Aminosäure + ATP → Aminoacyl-AMP + PPi
Aminosäure wird aktiviert durch Bindung an AMP (Adenosinmonophosphat)
[PPi: Pyrophosphat wird in 2 Phosphate gespalten —> Reaktion wird irreversibel]
(Energie wird durch ATP geliefert / ATP wird hydolisiert)
2) Aminoacyl-AMP + tRNA → Aminoacyl-tRNA + AMP
aktivierte Aminosäure wird auf passende tRNA (3´OH) übertragen
—> Aminoacyl-tRNA, bereit für die Translation (energiereich gebunden)
Ziel der Aktivierung:
Eine Aminosäure muss an ihr passendes tRNA-Molekül gebunden werden, damit sie ins Ribosom eingebaut werden kann. Ohne Aktivierung kann die Aminosäure keine Peptidbindung bilden.
—> Aminosäure benötigt energiereiche Bindung, um später die Peptidkette zwischen Aminosäuren auszubilden
Beschreiben sie den Aufbau einer tRNA (Skizze). Welche Rolle spielen chemische Modifikationen von tRNAs?
Aufbau tRNA:
2D: Kleeblattstruktur
3D:L-förmige Struktur (sorgt für identische Bindung am Ribosom)
—> vier “Arme” + 3 Schleifen
Struktur entsteht durch Falten der Kette, sowie Bildung von Wasserstoffbrückenbindungen
tRNA: 73-93 Nukleotide —> bilden Ribonukleotidketten
am 3´ Ende: Bindung der aktivierten Aminosäure als Ester
Modifikationen:
—> tRNAs sind stark modifiziert (sorgt für schnelle Anpassung)
1) Struktur und Stabilität:
Modifikationen sichern die korrkete 3D-Faltung + schützen tRNAs vor Abbau
2) Genauigkeit und Decodierung:
Modifikationen verbessern Codon-Erkennung bzw. verhindern Fehler, indem sie die Codon-Erkennung einschränken + Modifiaktionen steuern Wobble-Paarung
3) Anpassung an zelluläre Bedingungen (Translationstegulation):
Modifikationen passen sich z.B. Stress / Nährstoffmangel an —> Translation bestimmter Proteine bevorzugt bzw. gedrosselt
Was versteht man unter dem 3-Stellen-Modell des Ribosoms?
Ribosom besitzt 3 Bindestellen für tRNA während der Translation (Bindestellen verbinden Untereinheiten des Ribosoms miteinander)
tRNA —> A-Stelle —> P-Stelle —> E-Stelle
1) A-Stelle (Codon-Erkennung)
neue Aminoacyl-tRNA bindet an Codon (tRNA mit aktivierter Aminosäure beladen)
Bindung nur, wenn Codon (mRNA) und Anti-Codon (tRNA) komplementär sind
—> tRNA rutscht weiter auf P-Stelle
—> A-Stelle wird von neuer tRNA besetzt
2) P-Stelle (Peptidbindung)
Riobsom katalysiert Peptidbindung zwischen neuer Aminosäure und Carboxylende der wachsenden Polypeptidkette
Verknüpfung der Aminosäuren zu Peptidbindung
—> tRNA (unbeladen) rutscht nun weiter auf E-Stelle
3) E-Stelle (Translokation)
—> entladene tRNA (ohne Aminosäure) verlässt das Ribosom
Ribosom zerfällt in seine Untereinheiten
Kann eine mRNA mehrmals translatiert werden?
Ja, eine mRNA kann mehrmals translatiert werden (solange mRNA stabil ist), da
i) nach Abschluss eine Translation wird die mRNA nicht verbraucht oder zertstört (nicht nachweisbar, ob bzw. wie oft eine mRMA translatiert wurde)
aber: mRNA wird durch Enzyme (RNasen/Ribonukleasen) abgebaut
ii) mehrer Ribosome können gleichzeitig die selbe mRNA translatieren —> Polysom
mRNA hat “begrenzte Lebensdauer”
—> kurzlebige mRNA: schnelle Anpassung möglich
—> langlebige mRNA: viel Proteinproduktion
In welche Phasen unterteilt man die Proteinbiosynthese?
Proteinbiosynthese: DNA —> mRNA —> Protein
1) Transkription
DNA wird in mRNA umgeschrieben
2) RNA-Prozessierung bei Eukaryoten
5´Cap
Poly-A-Schwanz
Splicing —> Introns entfernen “Lasso”
prä-mRNA wird zu reifen-mRNA
3) Translation (Ribosome)
mRNA wird in Aminosäurekette übersetzt
4) Posttranslationale Modifikationen
Protein wird gefaltet, chemisch Verändert (Glykosylierung), transportiert
Phasen der prokaryotischen Proteinbiosynthese
a) Transkription
—> DNA wird in mRNA umgeschrieben
b) Translation
i) Initiation: Ribosom bindet mRNA, Binden der Initiator-tRNA am Startcodon
Prokaryoten:
30S-Untereinheit erkennt Shine-Dalgarno-Sequenz auf mRNA
Korrekte Positionierung des AUG-Start-Codons / Beladung der P-Stelle mit fMet-tRNA (spezielle Initiator-tRNA)
50S-Untereinheit lagert sich an —> vollständiges 70S Ribosom
Drei Initiationsfaktoren (IF1, IF2, IF3)
Startaminosäure = formyliertes Methionin fMet
—> Aufbau des funktionsfähigen Ribosoms am Startcodon
ii) Elongation: Verlänerung der Polypeptidkette (belandene tRNA)
Anlagerung der Aminoacyl-tRNA —>Passende tRNA bindet an die A-Stelle
Peptidbindung —> Polypeptidkette wird von der tRNA in der P-Stelle auf die Aminosäure in der A-Stelle übertragen.
Translokation
Ribosom rückt um ein Codon (5' → 3') weiter (RNAs rutschen weiter: A → P → E, entladene tRNA verlässt das Ribosom)
—> Wobble-Hyothese (Position 3 des Codons): Erlaubt nicht-kanonische Basenpaarung (z.B.: G-U)
iii) Termination: Abbruch der Proteinbiosynthese bei Erreichen eines Stop-Codons (UAA, UAG, UGA)
—> mRNA wird in Aminosäurekette übersetzt
—> Ribosom zerfällt in seine Untereinheiten (kann erneut genutzt werden)
c) Modifikation
—> Protein wird gefaltet, transportiert, chem. verändert
Initiation der Translation in Prokaryoten
mRNA Erkennung: Die 30s-Untereinheit erkennt die Shine-Dalgarno-Sequenz auf der mRNA
Initiationsfaktoren: 3 Faktoren
IF 1: Stabilisiert die BIndung der Untereinheit und blockiert die A-Stelle während der Initiation
IF 2: Liefert die Initiator-tRNA zur P-Stelle und fördert die Subunit-Assemblierung
IF 3: Verhindert vorzeitige Untereinheitsassoziation und sichert die korrekte Startcodon-Erkennung
Energieverbrauch:
IF 2 hydrolisiert GTP zu GDP für die nötige Energie der Initiation
mRNA-Form:
inear
Start-Aminosäure:
fMet (N-Formylmethionin)
Ribosom nach Subunitjointing:
70s (30s+50s)
Initiation der Translation in Eukaryoten
mRNA Erkenung:
die 40s-Ribosomenuntereinheit erkennt die 5’-Cap-Struktur und bindet mit dieser
Initiationsfaktoren: mehr als 13 Initiationsfaktoren
eIF 1, eIF 2, eIF 3, …
GTP wird durch eIF 2 hydrolisiert
ATP Verbrauch durch wandern des Präinitationskomplexes entlang der mRNA
Zirkulär: 5’-Cap- und 3’-Poly(A)-Schwanz verbinden sich zu geschlossenem Loop
Met (Methionin)
80s (40s+60s)
Beschreiben Sie den Ablauf eines Elongationszyklus der Translation und erklären Sie, wofür dabei GTP benötigt wird
Nach Subunitjointing (der Zusammensetzung des Ribosoms) beginnt die Elongationsphase:
Codonerkennung
Neue Aminoacyl “beladene” tRNA bindet an Codon in A-Stelle
Knüpfung der Peptidbindung
Ribosom katalysiert Peptidbindung zwischen neuer Aminosäure und Carboxylende der wachsenden Polypeptidkette
tRNA (mRNA gebunden) rückt von A-Stelle zur P-Stelle
Die jetzt unbeladene tRNA rückt von der P-Stelle zur E-Stelle (Exit)
—> Freisetzung des Ribosoms für nächsten Zyklus
GTP-abhängige Elongationsfaktoren:
Bindung der zum Codon passenden Aminosäure-tRNA in die A-Stelle (EF-Tu+GTP)
Verlängerung der Polypeptidkette um die neue Aminosäure (Peptidyl-Transferase)
Weiterrücken der mRNA um 3 Basen (Translokation —> EF-G+GTP)
Was versteht man unter dem Begriff „degeneriert“ im Zusammenhang mit dem genetischen Code?
“Degeneriert" beim genetischen Code bedeutet Redundanz: Mehrere verschiedene Basentripletts (Codons) können für dieselbe Aminosäure kodieren.
1. und 2. Base des Codons sind relevant, die 3. Stelle kann variieren (Wobble-Hypothese)
z.B.: Codons von Valin:
GUU
GUC
GUA
GUG
-> 3. Stelle ist degeneriert
Was besagt die Wobble-Hypothese? Welche Positionen des Codons unterliegen strikter Watson-Crick-Basenpaarung, und warum?
Die Wobble-Hypothese besagt, dass für die Positionen 1 und 2 des Codons strikt eine kanonische Watson-Crick-Basenpaarung mit dem Anticodon erforderlich ist.
-> 3. Position kann variieren (Wobble-Position): Das erlaubt nicht-kanonische Basenparrungen
Die Position 1 und 2 sind strikt da:
Geometrische Überprüfung: perfekte Helix-Form, tritt nur bei kanonischen Watson-Crick-Paarungen auf.
Spezifität: 1. und 2. Base legen meist die chemische Eigenschaft der Aminosäure fest
Energetik: Die Bindungen an 1 und 2 liefern die notwendige Stabilität, um die tRNA für die Peptidbindung festzuhalten.
-> Position 1 und 2 unterliegen der aktiven Qualitätskontrolle durch das Ribosom, während Position 3 passiv toleriert wird
-> Translation wird genauer, da Fehlertoleranz steigt
Wie erfolgt die Termination der Translation?
Stoppcodon (keine Existenz passender tRNA) bindet an A-Stelle des Ribosoms
Statt tRNA binden RFs (Releasefaktoren) an das Codon und bewirken, dass die Peptidyl-Kette auf ein Wassermolekül anstelle einer Aminosäure-tRNA übertragen wird
Durch diese Hydrolyse löst sich die Verbindung zum Ribosom und das fertige (ungefaltete) Protein kann vom Ribosom abdissoziieren
Die Ribosom-Dissoziation ist GTP/ATP-abhängig und die Ablösung der RF1/RF2 ist GTP-abhängig
Das Ribosom wird recycelt
Was versteht man unter Ribosomen-Stalling? Nennen Sie mindestens drei Ursachen. Warum sind Ribosomen-Rettungssysteme notwendig?
Unter Ribosomen-Stalling versteht man das ungeplante oder Stocken eines Ribosoms während der Elongationsphase der Translation. Das Ribosom kommt an einer bestimmten Stelle der mRNA nicht mehr weiter.
Ursachen dafür:
Polyprolinsequenzen
Ungeladene tRNAs
Niedrige tRNA-Verfügbarkeit (“langsame Codons”)
Gekürzte mRNAs (Transkriptionsfehler)
Die Folge: Ribosome collisions
Ribosomen-Rettungssysteme sind notwendig um:
Kollisionen zwischen Ribosomen zu verhindern (Stau)
Fehlerhafte mRNA abzubauen
Blockierte Ribosomen wieder freizugeben (recycling)
-> Ribosomenaufbau extrem energieaufwendig
Kann man menschliche Proteine in Bakterien herstellen? Welche molekularen Probleme können dabei auftreten?
Ja (z.B. Insulin)
Grund: schnelle Vermehrungsrate + Proteinsynthese in Bakterien
Wie? Modifizierung von bakteriellen Plasmiden, Einbau des entsprechenden Gens
Probleme + Lösungen:
- Während Transkription: bakterieller Promotor benötigt (Pribnow-Box etc.), Introns müssen vorher herausgeschnitten werden (reine Exon-DNA)
- Translation: Shine-Dalgarno-Sequenz benötigt, Codons müssen auf Bakterien optimiert werden (zum Beispiel auf tRNAs)
- Faltung: Chaperone nötig, Anpassung äußerer Bedingungen (zum Beispiel Temperatur) für optimale Faltung
Warum ist das Ribosom ein häufiges Ziel von Antibiotika? Beschreiben Sie den Wirkmechanismus von Puromycin auf molekularer Ebene.
Ribosomen sind essenzielle Bestandteile von Organismen; ohne Translation von mRNA in Proteine kann eine Bakterienzelle keine Stoffwechsel aufrecherhalten
Antibiotika greifen gezielt porkaryotische Ribosomen an
Wirkungsmechanismus von Puromycin:
Puromycin kann aufgrund seiner Strukturähnlichkeit zu einer mit Tyrosin beladenen Aminoacyl-tRNA in die A-Stelle eines Ribosoms
Die Peptidyl-Transferase überträgt die Polypeptidkette auf Puromycin, wodurch es zu einer frühzeitigen Termination der Translation kommt
Das unfertige Protein löst sich vom Ribosom ab -> das Ribosom zerfällt -> die Proteinsynthese wird gestoppt
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