Wie wird Biochar hergestellt und was entsteht dabei?
Pyrolyseverfahren
Ausgangsstoff: organische Biomasse
Produkte: Pflanzenkohle (Biochar), Biogas, Bioöl, Wärme, Elektrizität
Was ist typisch für den Aufbau/Struktur von Biochar?
bei Pyrolyse bleibt ca. 50 % des Kohlenstoffs langfristig erhalten
chemische Struktur variiert je nach Ausgangsmaterial & Pyrolysebedingungen
meist Mischung verschiedener C-Verbindungen (z. B. graphitisch/aromatisch, Kohlenwasserstoffe, „Kohlenhydrate“)
Welche Eigenschaften von Biochar sind besonders wichtig?
große Oberfläche → Adsorption organischer Stoffe & Mikroorganismen
Bildung stabiler organischer Verbindungen
hoher C-Gehalt
molares H/C-Verhältnis 0,1–0,6 → hohe Stabilität
oft hohe Nährstoffgehalte, Schwermetallbindung
Einfluss auf pH-Wert
aehr große spez. Oberfläche (bis 900 m²/g)
Wofür wird Biochar angewendet?
Verbesserung der Bodengesundheit
Optimierung Wassermanagement
Kohlenstoffbindung
Förderung nachhaltiger Landwirtschaft
Bestandteil von Terra Preta
Beitrag zur Kreislaufwirtschaft
Wovon hängen „Arten von Biochar“ ab und welche Beispiele werden genannt?
abhängig von Ausgangsmaterial
Papierherstellungs-Abfälle → gesteigerte Keimfähigkeit
Sägespäne → bessere Wasserhaltefähigkeit
Grünschnitt → höchste Ertragssteigerung
Geflügelmist → höhere Verfügbarkeit von N, P, K, Ca, Mg
abhängig vom Pyrolyseverfahren/Temperatur
langsame Pyrolyse → Biochar
Mikrowellen-unterstützte Pyrolyse → hochwertigere/optimierte Produkte
Welche Reaktionen zeigt Biochar im Boden kurz-, mittel- und langfristig?
kurzfristig (1–3 Wochen):
Wasser löst organische/mineralische Verbindungen heraus
Leitfähigkeit & pH der Bodenlösung steigen; erst schnell, dann langsamer
mittelfristig (1–6 Monate):
Wurzeln interagieren mit Biochar
mikrobielle Biomasse steigt
langfristig (>6 Monate):
Wechselwirkungen mit Mineralien & Mikroben
Restwirkungen auf pH & Erträge
Alterung von Biochar
Welche Nachteile/Limitierungen von Biochar werden genannt?
langfristige Forschung nötig
hoher Energieaufwand
Biomassebedarf nicht sinnvoll über Monokulturen deckbar
Kosten
Warum ist Biochar relevant für den Kohlenstoffkreislauf?
hohe Resistenz → sehr stabil
mittlere Verweilzeiten ca. 100–1000 Jahre
Instrument zur Kohlenstoffbindung
Bindung von >920 kg CO₂ pro Tonne Biomasse
Wie beeinflusst Biochar die Bodengesundheit (KAK, pH, Aggregate)?
KAK (Kationenaustauschkapazität):
frische Biochar: geringe KAK
negative Ladungsstellen binden/halten Nährstoffkationen
abhängig von Ausgangsmaterial, Pyrolysetemperatur, Zugabemenge
Austausch auch von Anionen & organischen Komponenten möglich
pH-Wert:
wirkt meist basisch (Carbonate/Oxide/Hydroxide)
besonders effektiv in sauren Böden
Vorteile: mehr Nährstoffverfügbarkeit (Hinweis: „– P“), weniger Pathogene, schnellere Humusbildung
Aggregatbildung/Durchwurzelbarkeit:
mehr Wasser/Luft, C-Speicher, weniger Erosion, mehr mikrobielles Leben
Prozess (vereinfacht): Wasserlösliches löst sich → Oberfläche „chemisch repariert“ → Mikroaggregate entstehen → Interaktionen in Aggregaten
Welche Mechanismen zur Oberflächenbindung und Wasserspeicherung werden beschrieben?
Oberflächenbindung:
physikalisch (Poren, Rauigkeit)
chemisch (funktionelle Gruppen)
Adsorption organischer/anorganischer Verbindungen
Halt von Biochar & bakteriellen Zellwänden
Erhöhung Wasserspeicher (Prozesse):
Wasserspeicherung in Poren
Beitrag über Bodenaggregate
funktionelle Gruppen ziehen Wasser über Wasserstoffbrücken an
Wie wirkt Biochar auf Bodenlebewesen?
Lebensraum:
Poren als Schutzräume
große spezifische Oberfläche
verbesserte Lebensbedingungen, mehr Diversität
Sorption:
Bindung von Toxinen (toxische Substanzen)
Bindung/Beinflussung chemischer Signale (z. B. Flavonoidsignale von Mykorrhizen)
Was wird zu „Klimaresilienz“ und „Lebensmittelsicherung“ gesagt?
Biochar → Bodenverbesserung (damit auch „Lebensmittel-Verbesserung“) & Klimaresilienz
besonders wirksam auf Extremstandorten
auf gut versorgten Standorten: teils Abnahme des Bodenlebens
Begründung: bei N-/P-Überschuss sinkt Pflanzenabhängigkeit von mikrobiellen Symbiosen
Lebensmittelsicherung:
2050 ca. 9,7 Mrd. Menschen
Biochar als „überzeugende Alternative“
Wie beeinflusst Biochar Lachgas (N₂O)?
beeinflusst Denitrifikation (biologischer Prozess)
Reduktion um 10–90 % (angegebener Bereich)
Hauptwirkungen:
„Elektronenshuttle“ (durch Chinone)
„Liming effect“ (Pufferung/Neutralisierung ohne starke pH-Änderung)
Zielrichtung im Schema: N₂O → N₂
Wie wirkt Biochar auf Methan (CH₄) – und wann gibt es Ausnahmen?
unterdrückte Methanproduktion:
Methanproduktion ist anaerob
Biochar → bessere Bodenbelüftung (Porosität)
mehr Methanoxidation:
mehr O₂ + mehr Habitat für Mikroorganismen → mehr Oxidation
Ausnahme:
Reisfelder/nasse Felder: Biochar kann CH₄ teils erhöhen
mehr Kohlenstoff, kein Sauerstoff
Was bedeutet „Priming Effect“ und was wird zu CO₂ gesagt (Klimawandel)?
Priming Effect: Veränderung der Abbaurate von bereits vorhandenem organischem Bodenkohlenstoff
„positiv“ (im Vortragssinn): Mikroorganismen bauen mehr „alten“ Bodenkohlenstoff ab
„negativ“: Biochar bremst den Abbau
CO₂:
Biochar chemisch stabil (Graphit-Struktur/Black Carbon), mikrobiell schwer abbaubar
geringe Abbauraten
teilweise kurzfristig höhere Atmung durch labile C-Fraktion möglich
Was wird zur Mobilisierung/ zum Transport von Black Carbon in Ozeane erklärt?
Black Carbon kann ausgewaschen werden
Alterung von Black Carbon im Boden erhöht Löslichkeit
Oxidation
funktionalisierte aromatische Ringe (Hydroxyl-/Carboxylgruppen)
„Black Carbon Paradox“: Teil der Erklärung über gelösten Transport
ein Teil gelangt ins Sediment → langfristige C-Sequestrierung
Aussage: in jedem untersuchten Flusssystem weltweit beobachtet
Wie steht es um die politische/ökonomische Umsetzung (EU-Kontext)?
keine verpflichtende EU-weite Regulierung
seit 2010 freiwilliges Zertifikat: „Europäisches Pflanzenkohlezertifikat“
Wirtschaftlichkeit als Problem:
Finnland-Studie: bei aktuellen Biochar-Kosten & EU-ETS-Preis (88 €/t CO₂eq im Vortrag) kaum rentabel
rentabel eher bei:
Biochar-Kosten < 1/3 des heutigen Durchschnitts oder
2–9× höheren EU-ETS-Preisen
Welche konkreten Vorteile werden für den Extremstandort Brandenburg genannt?
sandige Böden → verbesserte Wasserhaltefähigkeit
arme Böden → Nährstoffverbesserung, auch über höhere Kationenaustauschkapazität
geringe mikrobielle Aktivität → pH-Werte steigern
langfristige Kohlenstoffspeicherung
Last changed8 days ago