Was ist „Unaufmerksamkeitsblindheit “?
Eine Situation, in der ein Stimulus, dem keine Aufmerksamkeit gewidmet wird, auch nicht wahrgenommen wird, selbst wenn eine Person diesen direkt ansieht.
Was sind „Automatische Prozesse“ ?
Während kontrollierte Prozesse Aufmerksamkeit erfordern, erfordern automatische Prozesse dies nicht. Während es oft schwierig ist, mehrere kontrollierte Prozesse gleichzeitig auszuführen, weil diese sich wechselseitig stören (interferieren), lassen sich automatische Prozesse parallel zu anderen Aufgaben ausführen
Was wird unter „visueller Wahrnehmungstäuschung“ verstanden?
Fehlerhafte visuelle Wahrnehmung aufgrund der Mehrdeutigkeit oder der fehlerhaften Interpretation des Gesehenen.
Was wird unter „Mehrfachaufgabenperformanz“ verstanden?
Hier stellt sich die Frage, inwieweit mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältigt werden können, wenn all diese Aufgaben Aufmerksamkeit erfordern. Die Leistung in solchen Aufgabenkombinationen wird als Mehrfachaufgabenperformanz bezeichnet
Was ist „Aufmerksamkeit“?
Psychischer Zustand konzentrierter Bewusstheit, der mit der wachen Bereitschaft einhergeht, auf äußere oder innere Reize zu reagieren und die Funktion hat, Informationen zu selektieren, um diese dem Bewusstsein und damit der Steuerung von Denken und Handeln zugänglich zu machen. Eine Zuteilung kognitiver Ressourcen zu laufenden Prozessen.
Was ist „Aufmerksamkeitsbindung“?
Tritt auf, wenn ein auffälliger Stimulus (Salienz) eine Verschiebung der Aufmerksamkeit bewirkt.
Was ist „Selektive Aufmerksamkeit “?
Konzentration des Bewusstseins auf einen bestimmten Stimulus
Was sind die Determinanten der Mehrfachaufgabenperformanz?
Aufgabenschwierigkeit, Aufgabenähnlichkeit, Übung
Wovon gehen Theorien der zentralen Kapazität im Rahmen der Mehrfachaufgabenperformanz aus?
Theorien der zentralen Kapazität gehen von einem einzigen zentralen All-Zweck-Prozessor mit limitierter Kapazität aus. Wenn die kombinierten Aufgaben die Ressourcen der zentralen Verarbeitungskapazität übersteigen, kommt es zu Aufgabeninterferenz, und die Leistung sinkt ab.
Welche Funktion erfüllt die Aufmerksamkeit?
Die Aufmerksamkeit stellt einen Aspekt des Bewusstseins dar und kann als psychischer Zustand konzentrierter Bewusstheit, der mit der wachen Bereitschaft einhergeht, auf äußere oder innere Reize zu reagieren, definiert werden. Vor dem Hintergrund der großen Mengen an visuellen, auditiven, taktilen und anderen Reizen, denen der Organismus fortlaufend ausgesetzt ist und den dadurch angestoßenen Wahrnehmungsvorgängen, wird die Bedeutung von Selektionsprozessen deutlich. Hier muss aus der Menge aller eingehenden Informationen eine entsprechend relevante Teilmenge ausgewählt werden, um zielgerichtetes und störungsfreies Handeln zu ermöglichen. Somit besteht die Funktion der Aufmerksamkeit in der Selektion von Informationen, mit dem Ziel, bestimmte Informationen dem Bewusstsein und damit der Steuerung von Denken und Handeln zugänglich zu machen.
Warum widerspricht das Cocktailparty-Phänomen der Flaschenhalstheorie?
Nach dem Flaschenhalsmodell, gelangen gleichzeitig dargebotene Reize zunächst in einen sensorischen Speicher. Von allen Reizen, die hier hineingelangen, darf nur einer den Filter passieren. Der andere Reiz wird blockiert. Dieser Filter sei laut Vertretern der Theorie notwendig, da der Mensch über ein dem Filter nachgelagertes, seriell arbeitendes Verarbeitungssystem verfügt, welches in seiner Kapazität sehr limitiert ist und das durch diesen Filter vor Überlastung geschützt werden muss. Dieses System verarbeitet die eingehende Information semantisch. Nur Reize, die dieses System durchlaufen, werden bewusst. Damit geht diese Theorie von einem "„Alles-oder-Nnichts-Prinzip" aus und es folgt daraus, dass eine Teilung der Aufmerksamkeit zwischen zwei oder mehrere Kanälen ein rasches uUmschalten des Filters zwischen den Kanälen erforderlich macht. Hier zeigt sich aber, dass auch Informationen des nicht beachteten Kanals verarbeitet werden. Hierfür spricht das sogenannte Cocktailpartyp-Phänomen. Im Zuge einer Cocktailparty herrscht ein ständiges Rauschen von Gesprächen und Stimmen. Menschen können in solch einem Setting einem Gespräch unter vielen anderen folgen, während all diese anderen Gespräche nun in den Hintergrund treten. Es ist zudem möglich, die Aufmerksamkeit zu einem anderen Gespräch zu wechseln bzw. mehreren Gesprächen im Wechsel zu folgen. Insgesamt kann nur einem Gespräch aufmerksam gefolgt werden. Ist die Aufmerksamkeit ausgerichtet, erscheinen alle anderen Gespräche im allgemeinen Geräuschpegel unterzugehen. Dies entspricht den Annahmen der Flaschenhalstheorie. Hier zeigt sich aber, dass die in den anderen Gesprächen enthaltenen Informationen nicht vollständig ausgeblendet werden. Wird nämlich der Name der Person in einem nicht verfolgten Gespräch genannt, zieht dies unwillkürlich die Aufmerksamkeit auf sich. Anscheinend wurde dieses andere Gespräch dennoch wahrgenommen, ohne dass die Person sich dessen bewusst war. Im Rahmen dieses Cocktailpartyp-Phänomens zeigt sich also, dass Personen ihren eigenen Namen auch im nicht beachteten Kanal entdecken, was mit der Flaschenhalstheorie nicht vereinbar ist.
Durch welche grundlegenden Prozesse wird die visuelle Aufmerksamkeit determiniert?
Die menschliche visuelle Aufmerksamkeit kann auf der einen Seite durch unwillkürliche Prozesse determiniert werden, indem auffällige Reize die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Auf der anderen Seite kann die visuelle Aufmerksamkeit durch willkürliche Prozesse determiniert werden, indem diese durch Absichten, Ziele und Erwartungen gesteuert wird. Im Rahmen von unwillkürlichen Prozessen bestimmt die Stimulussalienz die Lenkung der Aufmerksamkeit. Der Begriff Salienz bezieht sich dabei auf sensorischen Merkmale wie Farbe, Kontrast oder Bewegung eines Objekts, welche die Aufmerksamkeit unwillkürlich auf sich ziehen. Zieht ein salientes Objekt die Aufmerksamkeit auf sich, wird dies auch Bindung der Aufmerksamkeit genannt. Im Rahmen von willkürlichen Prozessen wird die Aufmerksamkeitslenkung nicht durch die Salienz bestimmt, sondern durch Top-Ddown-Prozesse. Diese sind abhängig von internen persönlichen Faktoren wie z. B. kurzfristige oder überdauernde persönliche Interessen.
Erläutern Sie ein Experiment anhand dessen gezeigt werden konnte, dass Aufmerksamkeit die Reaktionsfähigkeit verbessert.
Wird die Aufmerksamkeit auf Objekte gerichtet, werden diese bewusst. Vor diesem Hintergrund zeigt sich, dass schneller auf solche Objekte reagiert wird, auf welche die Aufmerksamkeit gerichtet wird. Wird die Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Ort gelenkt, steigert dies die Fähigkeit einer Person, auf Reize, die im Bereich dieses Orts präsentiert werden, zu reagieren. Hierzu kann experimentell gezeigt werden, dass Probanden, die einen Punkt fixieren und eine entsprechende Taste betätigen sollen, wenn um den Punkt herum ein Quadrat auftaucht (verdeckte Aufmerksamkeit), schneller mit einem Tastendruck reagieren, wenn ein zuvor gezeigter Pfeil den richtigen Ort anzeigt, an dem das Quadrat danach zu sehen war.
Was ist ein unilateraler visueller Neglect?
Bei einer Schädigung einer der beiden Hirnhemisphären, kann es zu einer vergleichsweise schweren Form der Aufmerksamkeitsstörung kommen. Diese wird unilateraler visueller Neglect genannt. Patienten mit einer rechtsseitigen Schädigung ignorieren die gesamte linke Seite des Blickfeldes. Patienten mit einer linksseitigen Schädigung ignorieren die gesamte rechte Seite des Blickfeldes. Dieser Effekt geht bisweilen so weit, dass Patienten sich lediglich eine Gesichtshälfte rasieren können.
Beschreiben Sie die Annahmen der Theorien der zentralen Kapazität sowie die Annahmen der modularen Theorien
Theorien der zentralen Kapazität gehen von einem einzigen zentralen All-Zweck-Prozessor mit limitierter Kapazität aus. Diese strikt limitierte zentrale Verarbeitungskapazität kann für verschiedene Aufgaben genutzt bzw. auf verschiedene Aufgaben verteilt werden. Die Leistung in den Aufgaben ist abhängig von den Anforderungen, welche die Aufgaben an die Ressourcen stellen. Wenn die kombinierten Aufgaben die Ressourcen der zentralen Verarbeitungskapazität übersteigen, kommt es zu Aufgabeninterferenz, und die Leistung sinkt ab. Damit ist im Rahmen dieser Theorien die kritische Determinante der Mehrfachaufgabenperformanz die Aufgabenschwierigkeit. Je schwieriger die Aufgabe, desto schneller ist die Kapazitätsgrenze erreicht und es muss eine Selektion stattfinden.
Modulare Theorien nehmen dagegen multiple spezifische, also modulare Verarbeitungssysteme bzw. Verarbeitungsressourcen an. Es wird demnach angenommen, dass es mehrere Verarbeitungssubsysteme für verschiedene Sinnesmodalitäten gibt (visuell, akustisch etc.). Werden zur Bewältigung von Aufgaben mehrere dieser Subsysteme gleichzeitig angesprochen, dann können diese Aufgaben parallel bewältigt werden. Sprechen mehrere Aufgaben dagegen dasselbe Subsystem an, entsteht Interferenz, und es muss eine Selektion stattfinden. Damit ist im Rahmen dieser Theorien die kritische Determinante der Mehrfachaufgabenperformanz die Aufgabenähnlichkeit. Beanspruchen Aufgaben dieselben Ressourcen bzw. dieselben Subsysteme, muss eine Selektion stattfinden.
Erläutern Sie die drei Determinanten der Mehraufgabenperformanz
Die Determinanten der Mehrfachaufgabenperformanz sind die Aufgabenähnlichkeit, die Aufgabenschwierigkeit und Übung.
Aufgabenähnlichkeit : Die Performanz fällt schlechter aus, wenn die Aufgabe gleiche spezialisierte Mechanismen bzw. Ressourcen der Informationsverarbeitung nutzt. Dies konnten z. B. Allport, Antonis und Reynolds (1972) zeigen. Die Autoren baten Probanden, auditiv dargebotene Nachrichten nachzusprechen (beschatten). Dabei wurden zwei Versuchsgruppen realisiert. Eine Gruppe hatte die Aufgabe, gleichzeitig Wörter, die auditiv dargeboten wurden, zu erinnern. Die andere Gruppe hatte die Aufgabe, Bilder, die visuell dargeboten wurden, zu erinnern. Hier zeigte sich, dass die Gedächtnisleistung in der Gruppe, die auditiv dargebotene Wörter erinnern sollte, deutlich geringer war, als die Gedächtnisleistung der Gruppe, die Bilder erinnern sollte. Dieser Befund wird mit der Aufgabenähnlichkeit bei der Gruppe, die Wörter erinnern sollte, erklärt. Während einmal zwei auditive Reize verarbeitet werden mussten, war es in dem anderen Fall ein auditiver und ein visueller Reiz. Solche Befunde sprechen für die oben genannten modularen Theorien der Informationsverarbeitung, die davon ausgehen, dass multiple spezifischer Verarbeitungssysteme bzw. -ressourcen existieren. Die im oben dargestellten Experiment ähnlichen Aufgaben des Nachsprechens der auditiv dargebotenen Nachrichten und des Erinnerns der ebenfalls auditiv dargebotenen Wörter beanspruchten ähnliche bzw. gleiche Ressourcen. Somit kam es hier zur Interferenz und zu einer verminderten Leistung. Die unähnlichen Aufgaben des Nachsprechens der auditiv dargebotenen Nachrichten und des Erinnerns der visuell dargebotenen Bilder, beanspruchten dagegen unterschiedliche Ressourcen. Somit kam es hier zu keiner Interferenz und zu höherer Leistung. Unähnliche Aufgaben können demnach besser und leichter gemeinsam bearbeitet werden als ähnliche Aufgaben. So fällt es leicht, neben dem Bügeln einer Fernsehsendung zu folgen, aber schwer, neben dem Fernsehen noch einer Radiosendung zu folgen.
Aufgabenschwierigkeit: Die Performanz fällt schlechter aus, wenn die zu bewältigenden Aufgaben vergleichsweise schwierig sind. Dabei wird davon ausgegangen, dass schwierige Aufgaben größere Anforderungen an eine limitierte zentrale Informationsverarbeitungsinstanz stellen. Vor dem Hintergrund, dass Aufmerksamkeit eine limitierte Ressource ist, erfordern schwierige Aufgaben mehr Aufmerksamkeit als einfache Aufgaben. Damit wird es umso weniger möglich, Aufmerksamkeit auf mehrere Aufgaben zu verteilen, je mehr Aufmerksamkeit durch eine besonders schwierige Aufgabe gebunden ist. So kann es möglich sein, dass neben einer leichten Konversation noch Nachrichten auf dem Smartphone geprüft/gelesen werden können. Dies ist jedoch nicht möglich, während eines schwierigen Verhandlungsgesprächs oder während des Haltens eines Fachvortrags in einer fremden Sprache.
Übung: Die Mehrfachaufgabenperformanz kann durch Übung deutlich gesteigert werden, was auch auf die Automatisierung von Teiltätigkeiten zurückgeführt wird. Spelke, Hirst und Neisser (1976) ließen zwei Versuchspersonen über 4 Monate hinweg gleichzeitig Kurzgeschichten zum eigenen Verständnis lesen und dabei diktierte Wörter aufschreiben. Während zu Beginn sowohl das Verständnis der Texte, als auch die Korrektheit der diktierten Wörter unter der Mehrfachaufgabe litt, waren die beiden Probanden am Ende der Zeit in der Lage, die Kurzgeschichten unter der Diktatbedingung beinahe so schnell zu lesen und zu verstehen, wie beim alleinigen Lesen der Geschichten. Je länger die Übung und je gewohnter ein Ablauf, desto leichter ist die Bewältigung von Mehrfachaufgaben. So ist es für Fahranfänger problematisch, neben der Bedienung des Fahrzeugs und der Beachtung des Straßenverkehrs noch ein Gespräch mit dem Beifahrer zu führen. Für geübte Fahrer ist dies kein Problem.
Erläutern Sie die Kennzeichen automatischer Prozesse an einem Beispiel.
Während kontrollierte Prozesse Aufmerksamkeit erfordern, erfordern automatische Prozesse dies nicht. Während es meist schwierig ist, mehrere kontrollierte Prozesse gleichzeitig auszuführen, weil diese sich wechselseitig stören, lassen sich automatische Prozesse parallel zu anderen Aufgaben ausführen. Dabei sind automatische Prozesse durch folgende Kennzeichen charakterisiert:
Geschwindigkeit: Automatische Prozesse laufen rasch ab.
Aufmerksamkeitsbeanspruchung: Automatische Prozesse reduzieren nicht die Aufmerksamkeitskapazität, die für andere Aufgaben verfügbar ist, beanspruchen also nicht die Aufmerksamkeit.
Unvermeidbarkeit: Automatische Prozesse sind in dem Sinne unvermeidbar, als sie immer ausgelöst werden, wenn ein geeigneter Stimulus auftritt.
Unzugänglichkeit für das Bewusstsein: Automatische Prozesse sind dem Bewusstsein nicht zugänglich.
So bremsen geübte Autofahrer automatisch an einer rot leuchtenden Ampel. Die Bremsung erfolgt schnell bzw. sofort und beansprucht keine Aufmerksamkeit in dem Sinne, dass der Fahrer darüber nachdenken muss, wie zu bremsen ist. Des Weiteren ist das Bremsen unvermeidbar, da der geübte Fahrer stets automatisch bremst, wenn dieser eine rote Ampel sieht. Schließlich verarbeitet der Fahrer das Rotsignal beiläufig bzw. unbewusst, und es erfordert im Nachhinein bewusstes Nachdenken, um zu erklären, wie in der Situation gehandelt wurde.
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