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Aufmerksamkeit: visuelle und auditive Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit und Leistung

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by nils R.

Warum widerspricht das Cocktailparty-Phänomen der Flaschenhalstheorie?

Nach dem Flaschenhalsmodell, gelangen gleichzeitig dargebotene Reize zunächst in einen sensorischen Speicher. Von allen Reizen, die hier hineingelangen, darf nur einer den Filter passieren. Der andere Reiz wird blockiert. Dieser Filter sei laut Vertretern der Theorie notwendig, da der Mensch über ein dem Filter nachgelagertes, seriell arbeitendes Verarbeitungssystem verfügt, welches in seiner Kapazität sehr limitiert ist und das durch diesen Filter vor Überlastung geschützt werden muss. Dieses System verarbeitet die eingehende Information semantisch. Nur Reize, die dieses System durchlaufen, werden bewusst. Damit geht diese Theorie von einem "„Alles-oder-Nnichts-Prinzip" aus und es folgt daraus, dass eine Teilung der Aufmerksamkeit zwischen zwei oder mehrere Kanälen ein rasches uUmschalten des Filters zwischen den Kanälen erforderlich macht. Hier zeigt sich aber, dass auch Informationen des nicht beachteten Kanals verarbeitet werden. Hierfür spricht das sogenannte Cocktailpartyp-Phänomen. Im Zuge einer Cocktailparty herrscht ein ständiges Rauschen von Gesprächen und Stimmen. Menschen können in solch einem Setting einem Gespräch unter vielen anderen folgen, während all diese anderen Gespräche nun in den Hintergrund treten. Es ist zudem möglich, die Aufmerksamkeit zu einem anderen Gespräch zu wechseln bzw. mehreren Gesprächen im Wechsel zu folgen. Insgesamt kann nur einem Gespräch aufmerksam gefolgt werden. Ist die Aufmerksamkeit ausgerichtet, erscheinen alle anderen Gespräche im allgemeinen Geräuschpegel unterzugehen. Dies entspricht den Annahmen der Flaschenhalstheorie. Hier zeigt sich aber, dass die in den anderen Gesprächen enthaltenen Informationen nicht vollständig ausgeblendet werden. Wird nämlich der Name der Person in einem nicht verfolgten Gespräch genannt, zieht dies unwillkürlich die Aufmerksamkeit auf sich. Anscheinend wurde dieses andere Gespräch dennoch wahrgenommen, ohne dass die Person sich dessen bewusst war. Im Rahmen dieses Cocktailpartyp-Phänomens zeigt sich also, dass Personen ihren eigenen Namen auch im nicht beachteten Kanal entdecken, was mit der Flaschenhalstheorie nicht vereinbar ist.

Beschreiben Sie die Annahmen der Theorien der zentralen Kapazität sowie die Annahmen der modularen Theorien

Theorien der zentralen Kapazität gehen von einem einzigen zentralen All-Zweck-Prozessor mit limitierter Kapazität aus.  Diese strikt limitierte zentrale Verarbeitungskapazität kann für verschiedene Aufgaben genutzt bzw. auf verschiedene Aufgaben verteilt werden. Die Leistung in den Aufgaben ist abhängig von den Anforderungen, welche die Aufgaben an die Ressourcen stellen. Wenn die kombinierten Aufgaben die Ressourcen der zentralen Verarbeitungskapazität übersteigen, kommt es zu Aufgabeninterferenz, und die Leistung sinkt ab. Damit ist im Rahmen dieser Theorien die kritische Determinante der Mehrfachaufgabenperformanz die Aufgabenschwierigkeit.  Je schwieriger die Aufgabe, desto schneller ist die Kapazitätsgrenze erreicht und es muss eine Selektion stattfinden.

Modulare Theorien nehmen dagegen multiple spezifische, also modulare Verarbeitungssysteme bzw. Verarbeitungsressourcen an.  Es wird demnach angenommen, dass es mehrere Verarbeitungssubsysteme für verschiedene Sinnesmodalitäten gibt (visuell, akustisch etc.). Werden zur Bewältigung von Aufgaben mehrere dieser Subsysteme gleichzeitig angesprochen, dann können diese Aufgaben parallel bewältigt werden. Sprechen mehrere Aufgaben dagegen dasselbe Subsystem an, entsteht Interferenz, und es muss eine Selektion stattfinden. Damit ist im Rahmen dieser Theorien die kritische Determinante der Mehrfachaufgabenperformanz die Aufgabenähnlichkeit. Beanspruchen Aufgaben dieselben Ressourcen bzw. dieselben Subsysteme, muss eine Selektion stattfinden.

Erläutern Sie die drei Determinanten der Mehraufgabenperformanz

Die Determinanten der Mehrfachaufgabenperformanz sind die Aufgabenähnlichkeit, die Aufgabenschwierigkeit und Übung.

Aufgabenähnlichkeit : Die Performanz fällt schlechter aus, wenn die Aufgabe gleiche spezialisierte Mechanismen bzw. Ressourcen der Informationsverarbeitung nutzt.  Dies konnten z. B. Allport, Antonis und Reynolds (1972) zeigen. Die Autoren baten Probanden, auditiv dargebotene Nachrichten nachzusprechen (beschatten). Dabei wurden zwei Versuchsgruppen realisiert. Eine Gruppe hatte die Aufgabe, gleichzeitig Wörter, die auditiv dargeboten wurden, zu erinnern. Die andere Gruppe hatte die Aufgabe, Bilder, die visuell dargeboten wurden, zu erinnern. Hier zeigte sich, dass die Gedächtnisleistung in der Gruppe, die auditiv dargebotene Wörter erinnern sollte, deutlich geringer war, als die Gedächtnisleistung der Gruppe, die Bilder erinnern sollte. Dieser Befund wird mit der Aufgabenähnlichkeit bei der Gruppe, die Wörter erinnern sollte, erklärt.  Während einmal zwei auditive Reize verarbeitet werden mussten, war es in dem anderen Fall ein auditiver und ein visueller Reiz. Solche Befunde sprechen für die oben genannten modularen Theorien der Informationsverarbeitung, die davon ausgehen, dass multiple spezifischer Verarbeitungssysteme bzw. -ressourcen existieren.  Die im oben dargestellten Experiment ähnlichen Aufgaben des Nachsprechens der auditiv dargebotenen Nachrichten und des Erinnerns der ebenfalls auditiv dargebotenen Wörter beanspruchten ähnliche bzw. gleiche Ressourcen. Somit kam es hier zur Interferenz und zu einer verminderten Leistung. Die unähnlichen Aufgaben des Nachsprechens der auditiv dargebotenen Nachrichten und des Erinnerns der visuell dargebotenen Bilder, beanspruchten dagegen unterschiedliche Ressourcen. Somit kam es hier zu keiner Interferenz und zu höherer Leistung. Unähnliche Aufgaben können demnach besser und leichter gemeinsam bearbeitet werden als ähnliche Aufgaben. So fällt es leicht, neben dem Bügeln einer Fernsehsendung zu folgen, aber schwer, neben dem Fernsehen noch einer Radiosendung zu folgen.

Aufgabenschwierigkeit:  Die Performanz fällt schlechter aus, wenn die zu bewältigenden Aufgaben vergleichsweise schwierig sind. Dabei wird davon ausgegangen, dass schwierige Aufgaben größere Anforderungen an eine limitierte zentrale Informationsverarbeitungsinstanz stellen.  Vor dem Hintergrund, dass Aufmerksamkeit eine limitierte Ressource ist, erfordern schwierige Aufgaben mehr Aufmerksamkeit als einfache Aufgaben. Damit wird es umso weniger möglich, Aufmerksamkeit auf mehrere Aufgaben zu verteilen, je mehr Aufmerksamkeit durch eine besonders schwierige Aufgabe gebunden ist. So kann es möglich sein, dass neben einer leichten Konversation noch Nachrichten auf dem Smartphone geprüft/gelesen werden können. Dies ist jedoch nicht möglich, während eines schwierigen Verhandlungsgesprächs oder während des Haltens eines Fachvortrags in einer fremden Sprache.

Übung: Die Mehrfachaufgabenperformanz kann durch Übung deutlich gesteigert werden, was auch auf die Automatisierung von Teiltätigkeiten zurückgeführt wird.  Spelke, Hirst und Neisser (1976) ließen zwei Versuchspersonen über 4 Monate hinweg gleichzeitig Kurzgeschichten zum eigenen Verständnis lesen und dabei diktierte Wörter aufschreiben. Während zu Beginn sowohl das Verständnis der Texte, als auch die Korrektheit der diktierten Wörter unter der Mehrfachaufgabe litt, waren die beiden Probanden am Ende der Zeit in der Lage, die Kurzgeschichten unter der Diktatbedingung beinahe so schnell zu lesen und zu verstehen, wie beim alleinigen Lesen der Geschichten.  Je länger die Übung und je gewohnter ein Ablauf, desto leichter ist die Bewältigung von Mehrfachaufgaben. So ist es für Fahranfänger problematisch, neben der Bedienung des Fahrzeugs und der Beachtung des Straßenverkehrs noch ein Gespräch mit dem Beifahrer zu führen. Für geübte Fahrer ist dies kein Problem.

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nils R.

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