Was unterscheidet Fließgewässer grundsätzlich von Standgewässern?
Strömung → starke Durchmischung
meist kürzere Verweilzeit des Wassers
Hydromorphologie (Form/Struktur) wird stark durch Flussdynamik geprägt
offenes/verbundenes System: Austausch mit Ufer & Einzugsgebiet, Extremereignisse wirken direkt
Wie definiert die WRRL ein Fließgewässer?
Binnengewässer, das größtenteils an der Erdoberfläche fließt
kann teilweise auch unterirdisch fließen
Wie werden Fließgewässer nach Breite grob kategorisiert?
Rinnsal: < 1 m
Bach: 1–3 m (berichtspflichtig nach WRRL)
kleiner Fluss: 3–10 m (berichtspflichtig nach WRRL)
großer Fluss/Strom: > 10 m (berichtspflichtig nach WRRL)
Welche Kategorien von Fließgewässern unterscheidet die WRRL?
natürliche Fließgewässer
erheblich veränderte Fließgewässer (HMWB)
künstliche Fließgewässer
Welche Einteilung gibt es nach deutschem Wasserrecht (grob)?
Gewässer I., II., III. Ordnung
dient u. a. der verwaltungsrechtlichen Einordnung (z. B. Zuständigkeiten/Unterhaltung)
Was ist die Flussordnungszahl nach Strahler (1952)?
hierarchisches System zur Einordnung von Gewässerabschnitten im Netzwerk
nutzt Verzweigungen: kleine Quellbäche → niedrige Ordnung; Zusammenfluss gleicher Ordnung → Ordnung steigt
Wofür ist die Strahler-Flussordnung wichtig?
Grundlage hydrographischer Indikatoren, z. B.:
Verzweigungsverhältnis
Flussdichte
Flusshäufigkeit
Warum ist das Einzugsgebiet (EZG) für Fließgewässer so zentral?
liefert Wasser, Sediment, Nährstoffe, organisches Material
Landnutzung/Extremereignisse im EZG wirken direkt auf das Gewässer
Welche „Dimensionen“ von Fließgewässern werden genannt?
longitudinal (stromauf–stromab)
lateral (Ufer–Aue/seitlicher Austausch)
vertikal (Wasser–Sediment/Grundwasser)
zeitliche Skala (tages- bis jahrzehntliche Dynamik)
Wovon hängt die Fließgeschwindigkeit ab?
vor allem von Gefälle und Querschnittsfläche des Gewässers
Was zeigt das Längsprofil (Oberlauf–Unterlauf) typischerweise?
Oberlauf: hohe Energie → Erosion
Mittellauf: Übergangsbereich
Unterlauf/Mündung: geringere Energie → Ablagerung/Sedimentation
Was bedeutet „Geschiebesortierung“ entlang eines Flusses?
stromauf meist grobes Material (Steine/Kies)
stromab zunehmend feineres Material (Sand/Feinsediment) durch Transport & Abrieb
Was meint „longitudinale Zonierung“?
Einteilung des Fließgewässers in Abschnitte entlang des Verlaufs, die sich in
Physik (Gefälle, Temperatur, Substrat)
Biologie (Artengemeinschaften, Nahrung) unterscheiden
Was ist die Kernaussage des River-Continuum-Konzepts?
Fließgewässer zeigen kontinuierliche Gradienten stromabwärts:
Energie-/Nahrungsquellen
Partikelgrößen (CPOM → FPOM/DOM)
Produzenten/Konsumenten und ihre Anteile
Was bedeuten „allochthon“ und „autochthon“?
allochthon: organisches Material von außen (v. a. Ufer/Einzugsgebiet, z. B. Laub)
autochthon: Produktion im Gewässer (z. B. Algen/Periphyton)
Was ist CPOM, FPOM und DOM?
CPOM: grobes partikuläres organisches Material (z. B. Laub)
FPOM: feines partikuläres organisches Material
DOM: gelöste organische Substanz
Was bedeutet P/R in Fließgewässern?
Verhältnis Produktion (P) zu Respiration (R)
zeigt, ob ein Abschnitt eher „produktions-“ oder „zersetzungs-/verbrauchsdominiert“ ist
Welche Primärproduzenten werden für Fließgewässer genannt?
Periphyton (Aufwuchs auf Steinen/Pflanzen)
Makrophyten (Wasserpflanzen)
Phytoplankton (v. a. in langsam fließenden/unteren Abschnitten relevanter)
Warum ist Periphyton in vielen Fließgewässern so wichtig?
haftet an Substraten → bleibt trotz Strömung im System
zentrale Nahrungsquelle für Grazer/Weidegänger
Welche Primärkonsumenten-Typen gibt es?
Graser/Weidegänger
Detritivore/Collectors (Sammler)
Shredder (Zerkleinerer)
Filter Feeders (Filtrierer)
Was machen Shredder (Zerkleinerer)?
zerkleinern v. a. CPOM (z. B. Laub)
erzeugen dabei u. a. FPOM, das weiter genutzt wird
Was machen Collectors/Sammler?
nutzen FPOM/Detritus
sammeln Partikel aus Sediment/Strömung (je nach Typ)
Was machen Filtrierer (Filter Feeders)?
filtern FPOM/DOM-nahe Partikel aus der Wassersäule
sind typisch, wo genug schwebendes Material verfügbar ist
Welche Sekundärkonsumenten gibt es?
Omnivore (Allesfresser)
wirbellose Räuber (Invertebrate predators)
Wer sind typische Endkonsumenten im Fließgewässer?
Fische (als obere trophische Ebene)
Was zeigt das Beispiel-Nahrungsnetz „Bach“ vereinfacht?
Energiepfade:
CPOM → Shredder
FPOM → Sammler/Filtrierer
Periphyton → Weidegänger
Räuber (inkl. Fische) stehen „oben“ und verknüpfen die Pfade
Warum spricht man im Fließgewässer von einer „Nährstoffspirale“ statt einem Stoffkreislauf?
wegen einseitiger Strömung: Stoffe werden stromabwärts transportiert
gleichzeitig werden sie unterwegs gebunden und später wieder freigesetzt → „Spirale“
Was beschreibt das Nutrient-Spiraling-Konzept (Grundidee)?
Nährstoffe:
werden mit der Strömung transportiert
zwischendurch biologisch/chemisch gebunden
nach einer Zeit rückgelöst und weitertransportiert
Wovon kann das Nährstoffangebot im Oberlauf besonders abhängen?
stark von der Ufervegetation (Eintrag organischer Substanz/Nährstoffe)
Was bedeutet „Nährstoffanreicherung im Längsverlauf“?
stromabwärts kann die Konzentration/Verfügbarkeit zunehmen, weil
kontinuierlich Stoffe nachgeliefert werden
Prozesse/Retention über Strecke wirken
Was ist das hyporheische Interstitial?
Bereich im/unter dem Flussbett-Sediment, in dem Flusswasser und Grundwasser austauschen können (Infiltration/Exfiltration)
Warum ist das hyporheische Interstitial ökologisch wichtig?
mehr Besiedlungsraum
Refugium bei extremer Strömung/Austrocknung
Bewegungsraum
Schutz vor Räubern
Wiederbesiedlungsreservoir
Temperaturrefugium
Was kennzeichnet ein intaktes Fließgewässer als Lebensraum?
hohe Heterogenität (Strömung & Substrat)
große innere Oberfläche
Mosaik verschiedener Habitate
starke Vernetzung Land–Wasser
hohe Biodiversität
hohes Selbstreinigungspotenzial
Was bedeutet „Leben in der Grenzschicht“ im Fließgewässer-Kontext?
Nutzung der strömungsarmen Mikrozone direkt am Substrat
ermöglicht Organismen „mit“ der Strömung zu leben, ohne weggespült zu werden
Was ist die „Totwasserzone“ und warum ist sie relevant?
strömungsarme Bereiche (z. B. hinter Steinen/Uferstrukturen)
bieten Ruheraum/Refugium und sammeln oft organisches Material
Was meint „Leben als passive Filtrierer“?
Organismen nutzen die Strömung, um Nahrung aus dem Wasser zu filtern
benötigen passende Standorte/Strömungsbedingungen
Welche Anpassungen helfen Organismen, im Fließgewässer nicht verdriftet zu werden?
Verankerungsmechanismen (Haften/Klammern)
Beschwerung/stromlinienförmige Gestalt (geringer Widerstand)
Was ist „organismische Drift“?
stromabwärtiger Transport von Organismen (aktiv/passiv)
wichtiger Prozess für Verteilung & Wiederbesiedlung, aber auch Risiko des „Verlusts“ aus Habitaten
Was bedeutet „räumliche Trennung“ als Besonderheit von Fließgewässern?
Lebensräume/Nahrung/Organismen sind entlang des Flusses räumlich verteilt
Interaktionen passieren oft über Transport/Drift und nicht nur „am Ort“
Was meint „Nahrungsspirale“?
Nahrung/organisches Material wird stromabwärts weitergegeben
Verarbeitung/Umwandlung entlang der Strecke (analog zur Stoff-/Nährstoffspirale)
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