Was bedeutet „ökologischer Zustand“ bei Fließgewässern?
Bewertung der ökologischen Qualität eines Gewässers anhand von Biologie (zentral)
unterstützend: Chemie und Morphologie/Struktur
Einordnung in Zustandsklassen (sehr gut bis schlecht)
Wie viele Fließgewässer sind ungefähr in Deutschland in mäßigem oder schlechterem Zustand?
Ca. 90 % sind mäßig oder schlechter (deutliches Degradationsproblem)
Wie ist die Situation speziell in Sachsen (guter Zustand)?
< 7 % der Fließgewässer in Sachsen sind in gutem ökologischem Zustand
Welche Wasserkörper-Typen unterscheidet die WRRL grundsätzlich?
natürliche Wasserkörper
erheblich veränderte Wasserkörper (HMWB)
künstliche Wasserkörper (AWB)
Was ist der Unterschied zwischen „gutem ökologischem Zustand“ und „gutem ökologischem Potenzial“?
guter Zustand: Ziel für natürliche Wasserkörper
gutes Potenzial: Ziel für erheblich veränderte/künstliche Gewässer (realistisches „Bestmögliches“ trotz Nutzung/Verbauten)
Was ist die EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)?
EU-weites Schutzkonzept für Wasserqualität
Fokus auf Struktur und Biologie der Gewässer
gilt einheitlich für alle EU-Mitgliedstaaten
führt frühere Gewässerschutzrichtlinien zusammen
in Kraft seit 22.12.2000
Was meint „integrierter Gewässerschutz“ in der WRRL?
betrachtet zusammen: Grundwasser, oberirdische Binnengewässer, Küstengewässer
Management auf Ebene der Flussgebiete statt nur einzelner Abschnitte
Was ist das zentrale Ziel der WRRL?
Sicherung/Erreichung des guten ökologischen Zustands (bzw. Potenzials)
Was bedeutet „kombinierter Ansatz“ (Emission & Immission) in der WRRL?
Emissionsregelungen: Begrenzung von Einleitungen/Einträgen an der Quelle
Immissionsregelungen: Einhaltung von Qualitätszielen im Gewässer (z. B. Grenzwerte/EQS)
Warum spielt die „ökonomische Betrachtungsweise“ in der WRRL eine Rolle?
Maßnahmenplanung basiert auch auf wirtschaftlicher Analyse
Ziel: wirksame Maßnahmen + realistische Umsetzung im Flussgebiet
Was sind „Flussgebietseinheiten“ (FGE) nach WRRL?
Planungsräume für die WRRL-Umsetzung
insgesamt 10 FGE (Art. 3 WRRL)
Grundlage für Bewirtschaftungspläne und Maßnahmen
Welche FGE (Flussgebietseinheiten) sind für Sachsen relevant?
Elbe (IKSE)
Oder (IKSO)
In welchem Rhythmus werden Bewirtschaftungspläne fortgeschrieben?
Alle 6 Jahre (Fortschreibung)
Wie läuft der WRRL-Planungszyklus grob ab (Beispiel mit Jahren)?
Bestandsaufnahme → Überwachung → Bewirtschaftungsplan & Maßnahmenprogramm → Umsetzung → Zielprüfung
beispielhafte „Meilensteine“ über Zyklen bis 2027 (Zielerreichung prüfen)
Was ist ein Bewirtschaftungsplan (WRRL)?
zentrales Planungsdokument je Flussgebietseinheit
enthält Ziele, Belastungen, Monitoring, Maßnahmen, Zuständigkeiten
Welche Inhalte stehen typischerweise im Bewirtschaftungsplan?
Welche weiteren Inhalte gehören dazu?
Beschreibung von Flussgebiet und Grundwasser
Zusammenfassung signifikanter Belastungen/Einwirkungen
Kartierung Schutzgebiete + Überwachungsnetz
Liste der Umweltziele
wirtschaftliche Analyse
Maßnahmen & Maßnahmenprogramme
zuständige Behörden
Information/Anhörung der Öffentlichkeit (Beteiligung)
Fortschreibung alle 6 Jahre
Wie wird ein Fließgewässerabschnitt bewertet?
Beurteilung repräsentativer Gewässerabschnitte
nach standardisierten Methoden zur Erhebung/Auswertung der Qualitätskomponenten
Vergleich mit Referenzzuständen
Warum sind Referenzzustände wichtig (Fließgewässerabschnitt)?
liefern das Leitbild (Vergleichsmaßstab)
Bewertung = „Wie stark weicht der Ist-Zustand vom Referenzzustand ab?“
Was bedeutet „potenziell natürlicher Zustand“ als Leitbild?
Zustand, der sich heute einstellen würde, wenn der Mensch nicht eingreift
Grundlage für Referenzzustände (je Gewässertyp)
Welche Aspekte umfasst der Referenzzustand/Leitbild?
Gewässermorphologie
Wasserqualität
Abflussgeschehen
Lebensgemeinschaften
Nutzung von Bioindikatoren
Was heißt „indexbasiert bzw. mit Bioindikatoren“?
Organismen(-gruppen) werden in Indizes/Metriken übersetzt
Ergebnis liefert eine Zustandsklasse (z. B. sehr gut–schlecht)
Welche 5 ökologischen Zustandsklassen gibt es?
sehr gut
gut
mäßig
unbefriedigend
schlecht
Welche drei Qualitätskomponenten (QK) werden in der Bewertung genutzt?
biologische QK (entscheidend)
chemische QK (unterstützend)
morphologische QK (unterstützend)
Wie wird der chemische Zustand dargestellt (Qualitätskomponenten)?
Nur zwei Klassen: gut oder nicht gut
Wann ist der „gute ökologische Zustand“ erreicht?
alle biologischen Qualitätskomponenten mindestens „gut“
Umweltqualitätsnormen (EQS) für flussgebietsspezifische Schadstoffe eingehalten
„allgemeine Bedingungen“ so, dass Ökosystem-Funktion gewährleistet ist
Was ist ein Bioindikator (Grundidee)?
Organismus/Teil eines Organismus/Gemeinschaft, der Information über Umweltqualität trägt
reagiert auf Belastungen durch Veränderung von Lebensfunktionen
eignet sich als Zeiger, weil er eng mit Umweltfaktoren korreliert
Was ist ein Bioindikationssystem?
qualitative + quantitative Erfassung von Wasserorganismen
betrachtet Interaktion Organismen ↔ Umwelt
Reaktion der Organismen („Hinreaktion“) und Rückwirkung („Rückreaktion“)
Welche biologischen Qualitätskomponenten nutzt die WRRL in Fließgewässern?
Fischfauna
Makrozoobenthos
Phytobenthos
Makrophyten
Was zeigt die Fischfauna typischerweise an?
Gewässerkontinuum (Längsvernetzung)
Morphologie (Sohl-/Uferstruktur)
Sauerstoff
Schadstoffe
Was zeigt Makrozoobenthos typischerweise an?
Sauerstoff/Saprobie (organische Belastung)
Substrat/Mikrohabitate
Was zeigt Phytobenthos typischerweise an?
Nährstoffe
Licht/Beschattung
Aufenthaltszeit/Aufstau
Toxizität
Was zeigen Makrophyten typischerweise an?
Sedimentbewegung
Warum ist Makrozoobenthos besonders häufig als Bioindikator geeignet?
viele Arten mit unterschiedlichen Toleranzen
relativ ortstreu → zeigen lokale Belastungen
reagieren auf Chemie und Struktur/Habitat
Welche typischen Verfahren/Metriken werden beim Makrozoobenthos genannt?
Saprobienindex (organische Belastung/Sauerstoff)
PERLODES / ASTERICS (u. a. allgemeine Degradation, Saprobie, Versauerung, Extra-Metrics)
SPEARpesticides (Pestizid-Einfluss)
Wofür stehen die genannten Online-Tools zur Gewässerbewertung (Prinzip)?
Tools unterstützen die standardisierte Auswertung der Qualitätskomponenten
Beispiele: Makroinvertebraten, Makrophyten/Phytobenthos, Fische (je eigenes Verfahren)
Warum gibt es Fließgewässertypen in der Bewertung?
Referenzzustand hängt vom Typ ab
Typen sind bedingt durch Klima, Relief, Substrat
in Deutschland: 23 Fließgewässertypen
Nenne die drei großen Typ-Regionen in der Liste (Fließgewässertypen).
Alpen & Alpenvorland
Mittelgebirge
Norddeutsches Tiefland (+ zusätzlich ökoregion-unabhängige Typen)
Was ist „Gewässerstrukturgütekartierung“?
systematische Erfassung der morphologischen/strukturellen Qualität
unterstützt die ökologische Bewertung (Habitatqualität)
Welche Hauptbereiche werden in der Strukturgütekartierung betrachtet und was macht sie aus?
Sohle
Ufer
Land/Gewässerumfeld
Welche Gewässerstrukturklassen (Veränderungsgrad) gibt es?
1 unverändert
2 gering verändert
3 mäßig verändert
4 deutlich verändert
5 stark verändert
6 sehr stark verändert
7 vollständig verändert
Was sind zentrale Ursachen für die Verfehlung der WRRL-Ziele bei Fließgewässern?
zu hohe Nährstoffeinträge (v. a. Landwirtschaft)
unzureichende Gewässerstruktur (Morphologie des Gewässerbetts)
fehlende Durchgängigkeit durch Querbauwerke
hohe Nutzungsintensität (LW, Industrie, Schifffahrt, Wasserkraft, Siedlungswasserwirtschaft, Freizeit)
Warum ist „fehlende Durchgängigkeit“ ökologisch so problematisch?
unterbricht Wanderwege (z. B. Fische)
stört Sedimenttransport und Habitatdynamik
verändert Strömung/Staubereiche → Lebensräume verschieben sich
Was sagt die Darstellung zu Trend/Ziel 2027 aus (Prinzip)?
Anteil „mind. gut/gutes Potenzial“ ist bislang niedrig (nur wenige %)
Ziel 2027 ist die deutliche Ausweitung (im Diagramm als Zielmarke dargestellt)
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