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Klinische Sozialarbeit

MS
by Martin S.

Was meint der “Person-in-ihrer-Umwelt” Ansatz (PIE) im Kontext klinischer Sozialer Arbeit?

Der PIE-Ansatz geht davon aus, dass Probleme einer Person nicht nur in ihr selbst liegen, sondern in der Wechselwirkung zwischen Person und Umwelt entstehen.

  • Beispiel: Depression kann durch biologische Faktoren, familiäre Konflikte, Arbeitslosigkeit oder gesellschaftlichen Druck beeinflusst werden.

  • Ziel der Sozialen Arbeit ist es, sowohl die Person zu stärken als auch die Umweltbedingungen zu verändern, die Stress oder Belastungen verursachen.


Zentrale Komponenten

  1. Person: individuelle Faktoren wie:

    • Fähigkeiten und Ressourcen

    • psychische Gesundheit

    • körperliche Gesundheit

    • Persönlichkeit und Coping-Strategien

  2. Umwelt: soziale und physische Umgebung, z. B.:

    • Familie, Freunde, soziales Netzwerk

    • Arbeitsplatz, Schule

    • Wohnsituation

    • gesellschaftliche Strukturen, ökonomische Bedingungen

  3. Wechselwirkung:

    • Die Person beeinflusst ihre Umwelt, z. B. durch Verhalten oder Kommunikation.

    • Die Umwelt beeinflusst die Person, z. B. durch Stressoren, Unterstützung oder Barrieren.


Relevanz in der klinischen Sozialen Arbeit

In der klinischen Sozialarbeit (z. B. Therapie, Beratung, Case Management) wird PIE genutzt, um:

  • Probleme ganzheitlich zu verstehen → nicht nur Symptome, sondern Ursachen im Umfeld analysieren.

  • Interventionen gezielt zu planen → Unterstützung kann auf mehreren Ebenen erfolgen:

    • Individuelle Ebene (Skills, Coping, Therapie)

    • Familiäre Ebene (Beratung, Mediation)

    • Soziale Ebene (Netzwerkaktivierung, Ressourcenvermittlung)

    • Gesellschaftliche Ebene (z. B. Wohnen, Job, Behörden)


Was sind die Komponenten diagnostischen Fallverstehens und wo setzt die klinische Soziale Arbeit an?

Klassifikatorische Diagnostik (Was liegt vor?)

-> Ziel: Einordnung von Problemen in standardisierte Kategorien (ICD/DSM), oft medizinisch oder psychologisch orientiert. Dient dazu, klar zu kommunizieren, diagnostisch abzusichern und ggf. rechtliche/administrative Maßnahmen zu begründen.

  • Orientierungsdiagnostik

    -> Erste schnelle Einordnung des Problems, oft zu Beginn einer Kontaktaufnahme.

    Beispiel: Bei Vorstellung in Klinik → Erste Einschätzung, ob psychische Störung, Notfall oder soziale Krise vorliegt.

    Ziel: Richtung für weitere Diagnostik oder Behandlung festlegen


  • Risikodiagnostik

    -> Einschätzung möglicher Gefährdungen, z. B. Selbstverletzung, Suizid, Kindeswohlgefährdung.

    Ziel: Frühzeitig Maßnahmen planen, um Schaden zu vermeiden


  • Zuweisungsdiagnostik

    -> Bestimmt, welche Einrichtung, Fachkraft oder Maßnahme passend ist. Beispiel: Soll der Klient in Psychotherapie, psychiatrische Klinik, Sozialpädagogische Nachsorge oder Tagesgruppe?


Rekonstruktive (lebens-, subjekt- und situationsnah) Diagnostik (Wie erlebt Kient*in Situation?)

-> Ziel: Verstehen der individuellen Lebenswelt und subjektiven Sichtweise der Person

Fokus: Erfahrungen, Bedeutungen, soziale Zusammenhänge

Grundlage: qualitative Methoden (Interviews, Fallanalysen, biografische Methoden)

Zeigt dir, wie die Person die Situation erlebt, welche Umweltfaktoren und Ressourcen relevant sind, und warum die Probleme entstanden sind.

  • Gestaltungsdiagnostik (Was kann verändert werden?)

    -> Ziel: Handlung, Intervention, aktive Veränderung der Situation

    • Person stärken: Therapie zur sozialen Angst, Aufbau von Coping-Strategien

    • Umwelt anpassen: Schulbegleitung, schrittweise Rückkehr zur Schule, soziale Gruppen/Unterstützung

    • Wechselwirkung nutzen: Aktivitäten, die Selbstvertrauen und soziale Kontakte fördern → Teufelskreis aus Isolation und Depression durchbrechen

    💡 Ergebnis: Konkreter Maßnahmenplan, der Lebenswelt und individuelle Bedürfnisse berücksichtigt, um Probleme zu reduzieren und Ressourcen zu nutzen


Klinische Soziale Arbeit setzt an der Person-Umwelt-Passung an, rekonstruiert belastende Lebenszusammenhänge und gestaltet soziale Bedingungen so, dass psychische Stabilisierung möglich wird.


Was ist das Ziel des Erkennens dysfunktionaler Kognitionen?


Automatische Bewertungsprozesse führen oftmals dazu, dass wir

angesichts schwieriger Situationen automatisch zu dysfunktionalen

Kognitionen (Gedanken, Bewertungen) tendieren

• Oftmals auf sich selbst gerichtete dysfunktionale Kognitionen:

Selbstabwertung, Selbstzweifel, Verlust an Selbstwirksamkeit

• ABER auch Abwertung von Interaktionspartner*innen möglich, d.h.

gestörte Sozialbeziehungen


-> PROBLEM: Unsere Situationsbewertungen werden direkt im

Erleben und Verhalten sichtbar, d.h. prägen unsere Emotionen,

Körperempfindungen, Handlungen und auch weiterführende

Gedanken


Innere Kritiker

  • Innerer Kritiker (vgl. Schematherapie) als ermahnender, fordernder innerer Anteil (Antreiber / Kritiker), der gnadenlos zu Höchstleistungen antreibt.

  • Abgeleitet aus früheren Erfahrungen und daraus entstandenen dysfunktionalen Grundannahmen

  • FUNKTION: Der Innere Kritiker ist kein „Feind per se“, sondern

    möchte vor angesichts der dysfunktionalen Grundannahmen

    eigentlich hilfreich sein:

    • Schutz vor psychischen Belastungen, die der innere Kritiker infolge dysfunktionaler Grundannahmen befürchtet (z.B. Schutz vor Ablehnung, Ausgrenzung, Kritik)

    • Motivation zu Höchstleistungen durch Aktivierung entsprechender „Tugenden“

    • Weiterentwicklung durch neue Ideen, Anregungen, Ziele

    -> PROBLEM: Seine UNERBITTLICHKEIT

  • Keine Berücksichtigung von Grenzen oder Bedürfnisse: Der innere Kritiker verbietet kleinste Fehler, Misserfolge, Pausen oder Erholung

  • Oftmals lässt er sich emotional für alle und alles verantwortlich fühlen (->Schuldgefühle!). Dies führt zur hohen Sensibilität für die Bedürfnisse anderer bei gleichzeitiger Vernachlässigung eigener Bedürfnisse

  • Typisch sind fordernde Botschaften, die in ihrer Konsequenz zu

    Selbstabwertung, Selbstkritik, Selbsthass, Scham oder extremen Druck führen

  • Methoden des Inneren Kritikers:

    – Perfektionistische Ansprüche

    – Sätze mit „müssen“

    – Katastrophisieren

    – Alles- oder-Nichts-Denken

    – Generalisieren

    – Negative Gedanken anderer lesen

    – Mit zweierlei Maß messen

Methoden

-> Grundannahmen bewusst werden lassen und kritisch hinterfragen


Übung: „Den inneren Kritiker in seine Schranken weisen“




Übung: „ABC-Modell für alternative Bewertungen“ (Reframing)








Was ist das Ziel des Erlebens von Selbstverantwortung und

Handlungskompetenz?

Im Zuge psychischer Erkrankungen treten Problemverhalten und

dessen negative Folgen zunehmend in den alleinigen Fokus der

Selbstaufmerksamkeit


Folge

  • Immer stärker werdendes Rückzugs- und Vermeidungsverhalten

  • Immer stärker werdender Verstärkerverlust

-> CHRONIFIZIERUNG DER PSYCHISCHEN STÖRUNG


Daraus resultiert:

-> Notwendigkeit einer gezielten Förderung positiven Selbsterlebens

  • durch die Motivation zu Selbstverantwortung

  • durch das Erleben von Handlungskompetenz


Einsicht in die Notwendigkeit von Selbstverantwortung

-> z.B. Erkenntnis, dass man das eigene Wohlbefinden selbst beeinflussen kann, man der Erkrankung nicht hilflos ausgeliefert ist


Protokolle über Stimmung zum Beispiel


Aufbau positiver Aktivitäten

Kritische Momente:


Klient*innen mit psychischen Erkrankungen erleben durch ihre

Erkrankung eine zumeist negative Verstärkung (-> sekundärer

Krankheitsgewinn)


DAHER: Bisheriges Problemverhalten ist für Klient*in auf gewisse

Weise funktional und wird daher nur abgelegt, wenn eine

höherwertige Verstärkung für das Alternativverhalten erfolgt!


Fragen:

  • Zu welchen Aktivitäten ist eine Klient*in in der aktuellen Situation überhaupt in der Lage?

  • Gilt es, Aktivitäten zu verstärken, oder ggf. das Aktivitätsniveau

    zu reduzieren / zu verändern (vgl. exzessives Verhalten)?


„Ich würde das gerne machen, aber dazu muss es mir erst besser gehen. Ich habe gerade dafür keine Energie übrig“

Zentrale Botschaft: selbst aktiv werden, um Antrieb zu erlangen

– NICHT auf Antrieb warten

– SONDERN: „das Gefühl rückt nach“


Stichwort: Triade: Gefühle, Verhalten (Ansatzpunkt), Gedanken


… Ja, früher bin ich gerne Wandern gegangen, aber ich schaffe das heute nicht mehr. Nach 5 Minuten bin ich schon total erschöpft. Das macht gar keinen Sinn für mich, rauszugehen“


Setzen eines realistischen Anspruchsniveaus: Ein Leistungssportler, der sich das Bein gebrochen hat, kann auch nicht gleich wieder seine alte Leistung bringen. DAHER: Mini-Aktivitäten planen


„Ich brauche keine Aktivitäten. Mir geht’s insgesamt auch ganz gut, wenn ich einfach gemütlich in meinem Zimmer bleiben kann“


Diskutieren Sie mit der Klient*in, welche Folgen das von ihr/ihm klassisch durchgeführte Verhalten mit sich bringt – sowohl KURZFRISTIG, als auch LANGFRISTIG. Diskutieren Sie dies auch bzgl. aktivierender Verhaltensweisen! -> vgl. Problemlösestrategien / Vier-Felder-Schema


Methoden


Übung: “Welche Aktivitäten habe ich früher als positiv erlebt?"



Übung: "Wochenplan"



Author

Martin S.

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