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by Iris S.

Erklären Sie folgende Begriffe: Kokristalle, Polymorphie, Pseudopolymorphie und damit verbunden Hydrate und Solvate; nüchtern und zur Mahlzeit; physiologische Verfügbarkeit, pharmazeutische Verfügbarkeit und pharmazeutische Äquivalenz; Delayed Release und Repeat Action Release; Solubilisierung und Amorphisierung!

1. Kokristalle: Mehrkomponentenkristalle, die aus einem neutralen Wirkstoff und einem (meist inertem und bei 20 °C festen) Zusatzstoff (Hilfsstoff, Koformer) bestehen. Durch die Änderungen der intermolekularen Wechselwirkungen in der Kristallstruktur ändern sich auch die Eigenschaften (z.B. Löslichkeit) des Feststoffs.


2. Polymorphie: Verschiedene Kristallstrukturen bei exakt gleicher chemischer Zusammensetzung der Kristallformen. Dieser Begriff darf nur angewendet werden, wenn verschiedene Kristallformen exakt gleiche chemische Zusammensetzung zeigen - heißt Solvate und Hydrate sind da ausgenommen.


3. Pseudopolymorphie: Kristallform, die zusätzlich noch Lösungsmittel enthält.


4. Solvate: Molekül und Lösungsmittel bilden zusammen einen Kristall


5. Hydrate: Molekül und Wasser bilden zusammen einen Kristallgitter


6. Nüchtern: Nüchtern bedeutet Einnahme auf leeren Magen, d.h. mindestens 8 Stunden nach der letzten Nahrungsaufnahme; der Magen ist in diesem Zustand besonders sauer, was sich z. B. auf den Ionisierungsgrad und die chemische Stabilität von Arzneistoffen auswirkt


7. Zur Mahlzeit: Einnahme während oder kurz nach der Nahrungsaufnahme; der Mageninhalt wirkt als Puffer, der den pH-Wert anhebt (weniger sauer); kann sowohl die Löslichkeit als auch die Resorptionsrate beeinflussen; auch die Verweildauer im Magen verlängert sich, was für bestimmte Wirkstoffe günstig oder ungünstig sein kann


8. Physiologische Verfügbarkeit: Bioverfügbarkeit, die in Bezug auf Ausmaß u. Geschwindigkeit der Resorption ein Optimum darstellt. Sie ist abhängig von den Gegebenheiten am Resorptionsort (z.B. pH-Wert im Magen).


9. Pharmazeutische Verfügbarkeit: Jener Anteil der Arzneistoffdosis, der aus einer Arzneiform am Applikationsort freigesetzt wird und für die Absorption verfügbar ist.


10. Pharmazeutische Äquivalenz: Zwei Arzneimittel sind pharmazeutisch äquivalent, wenn sie die gleiche Menge der gleichen aktiven Substanz(en), in gleicher Qualität in der gleichen Darreichungsform enthalten, die auf die gleiche Weise verabreicht wird.


11. Delayed Release: Zeitversetzte Freisetzung des Wirkstoffs



12.Repeat Action Release: in bestimmten Zeitintervallen mehrere Dosen nacheinander schnell freigesetzt


13.Solubilisierung: Verbesserung der Sättigungslöslichkeit eines unlöslichen Stoffes in einem Lösungsmittel durch Zusatz eines „Lösungsvermittlers“. Wenn das Lösungsmittel Wasser ist, spricht man von Hydrotropie.


14. Amorphisierung: Überführung eines kristallinen Wirkstoffs in eine amorphe, ungeordnete Struktur; Eigenschaften sind: Isotrop (keine Richtungsabhängigkeit der Eigenschaften), spröde, thermodynamisch labil (Neigung zur Rekristallisierung), deutlich besser wasserlöslich als kristalline Formen

Mit welchen galenischen Methoden kann man die Bioverfügbarkeit erhöhen?

Nennen Sie jeweils arzneimittelbezogene Beispiele!

1. Mikronisierung (Verkleinerung der Partikelgröße):

Erhöht die Oberfläche und damit die Auflösungsgeschwindigkeit. Beispiel: Griseofulvin (Antimykotikum) – kleinere Partikel erhöhen die Resorption.


2. Amorphisierung:

Umwandlung in eine amorphe Form mit höherer Löslichkeit.

Beispiel: Novobiocin – amorphe Form zeigt bessere Bioverfügbarkeit.


3. Salzbildung: Erhöht die Löslichkeit und Auflösungsgeschwindigkeit. Beispiel: Beispiel: Penicillin V – Natriumsalz zeigt bessere Resorption als die freie Säure.


4. Feste Dispersionen: Wirkstoff wird in einem hydrophilen Träger verteilt.

Beispiel: Griseofulvin/Polyvinylpyrrolidon (PVP) – verbessert die Löslichkeit und Resorption.


5. Cyclodextrine: Einschluss des Wirkstoffs in Cyclodextrine zur Erhöhung der Löslichkeit.

Beispiel: Piroxicam – Beta-Cyclodextrin verdoppelt die Bioverfügbarkeit.


6. Nanosuspensionen: Wirkstoff in nanokristalliner Form suspendiert, stabilisiert durch Tenside.

Beispiel: Itraconazol – Nanosuspension verbessert die Resorption.


7. Prodrugs: Erhöhte Bioverfügbarkeit durch Aktivierung des aktiven Metaboliten durch den First-Pass-Effekt.

Beispiel: Erythromycin-Ester – Wird durch den First-Pass-Effekt in den aktiven Metaboliten Erythromycin umgewandelt.


8. Solubilisierung: Verbesserung der Sättigungslöslichkeit eines unlöslichen Stoffes in einem Lösungsmittel durch Zusatz eines „Lösungsvermittlers“.

Beispiel: Amphotericin B – Solubilisierung durch Lipidkomplexe.


9. Kokristalle: Mehrkomponentenkristalle, die aus einem neutralen Wirkstoff und einem (meist inertem und bei 20 °C festen) Zusatzstoff (Hilfsstoff, Koformer) bestehen.

Beispiel: Itraconazol-L-Maleinsäure-Kokristall – erhöhte Löslichkeit und Resorption.

Benennen Sie die Grenzen bezüglich Dosierung, Lipophilie und Molekülgröße für die sublinguale, pulmonale, nasale und perorale Darreichung!

1. Sublinguale Darreichung (am Beispiel von Nitroglycerin)

Dosierung:

• Max. ca. 3mg und darunter; geringe Fläche des Applikationsortes (Nitroglycerin-Sublingualtabletten typischerweise zwischen 0,3 - 0,6mg)

Lipophilie:

• Wirkstoff sollte sowohl ausreichend lipophil für die Membranpassage als auch genügend wasserlöslich sein für das Lösen im Speichel (logP(Nitroglycerin) = 1,6-2,1)

Molekülgröße:

• Ideal klein, d.h. unter 500 Da (Nitroglycerin = 227 Da), da die Resorption hauptsächlich passiv über das mehrschichtige Epithel erfolgt


2. Pulmonale Darreichung (am Beispiel von Salbutamol)

Dosierung:

• Max. ca. 5mg und darunter; Reinigungsmechanismus der Lunge wichtiger Faktor; lokale und systemische Wirkungen möglich (Salbutamol-Einzeldosis 100–200 μg; lokale Wirkung!)

Lipophilie:

• Je nach gewünschtem Effekt; bei lokal wirksamen Arzneistoffen geringer logP erwünscht, bei systemisch wirksamen Arzneistoffen höherer logP erwünscht

(logP(Salbutamol) = 0,3-0,6 -> wenig lipophil)

Molekülgröße:

• Optimal unter 500 Da für systemische Resorption; Über 1000 Da optimal für lokale Wirkung (Salbutamol ca. 240 Da, aber durch hohe Hydrophilie lokal verbleibend)


3. Nasale Darreichung (am Beispiel von Oxytocin)

Dosierung:

• Max. ca. 3 mg und darunter; geringes Volumen des Applikationsortes (Oxytocin-Einzeldosis = ca. 4 IE bzw. ca. 8 μg; geringes Volumen des Sprühstoßes)

Lipophilie:

• Hoher logP bevorzugt für systemische Wirkung und ZNS-Gängigkeit (logP(Oxytocin) = -4.5 bis -3.5, d.h. eigentlich schwer ZNS-gängig -> gelangt über N. olfactorius und trigeminale Bahnen aber trotzdem in das ZNS)

Molekülgröße:

• Kein absoluter Grenzwert, aber: Peptide und hochmolekulare Moleküle möglich; Endozytose & aktive Transportmechanismen ergänzen passive Diffusion (Oxytocin = ca. 1007 Da; Peptidhormon)


4. Perorale Darreichung (am Beispiel von Paracetamol)

Dosierung:

• Max. ca. 1000 mg und darunter; problemloses Verabreichen von größeren Mengen

(typische Paracetamol-Einzeldosis = 500 – 1000 mg)

Lipophilie:

• Sollte LogP < 5 sein; Werte über 5 bedeuten: sehr lipophil → schlechte Benetzbarkeit und damit reduzierte Resorption (logP(Paracetamol) = ca. 0.5)

Molekülgröße:

• Sollte < 500 Da sein; entspricht: „Rule of 5“ für orale Bioverfügbarkeit; zusätzlich: max. 5 H-Brücken-Donatoren, max. 10 H-Brücken-Akzeptoren (Paracetamol = ca. 151 Da)

Vergleichen Sie die a) Lipinsky Rule of Five mit b) MAP- und c) dem BCS-Klassifizierungssystem. Welche Parameter werden einbezogen? Vergleichen Sie die Aussagekraft in Bezug auf perorale, schnell freisetzende Arzneiformen!

a) Lipinski Rule of Five

Definition:

• Die Lipinski-Regel („Rule of Five“) ist ein heurisysches (= auf Erfahrung basierendes) Modell zur Abschätzung der oralen Bioverfügbarkeit kleiner Moleküle basierend auf deren molekularen Eigenschazen

Kriterien:

• Ein Arzneistoff hat eine schlechte perorale Resorpyon, wenn mehr als eines der folgenden Kriterien verletzt ist:

1. Molekulargewicht > 500 Da

2. Log P (Verteilungskoeffizient) > 5

3. > 5 H-Brücken-Donoren

4. > 10 H-Brücken-Akzeptoren

Charakteristik:

• Betrachtet nur den Molekülaufbau

• Gilt besonders für passiv resorbierte Moleküle

• Einfache und schnelle Abschätzung in der Frühphase der Wirkstoffentwicklung

• Keine Aussage über galenische Einflüsse, Lösungsgeschwindigkeit, Metabolismus, Ionisierungsgrad, Azidität oder Basizität


b) MAP – Modifiziertes Absorptionspotenzial

Definition:

• MAP ist ein mathemayscher Ausdruck zur Abschätzung der oralen Absorpyon schwacher Elektrolyte im Vergleich zu anderen Stoffen mit ähnlichem Profil

Formel (MAP):


Mit:

• P .... Verteilungskoeffizient (wahrer)

• cₛ,₀ .... Sättigungslöslichkeit bei 37 °C

• x₀ .... Arzneistoffdosis

Besonderheiten:

• Ermöglicht quantitative Bewertung der Resorption

• Besonders geeignet für Vergleich zwischen Stoffen mit ähnlichem Profil

• Gilt nur für schwache Elektrolyte


c) BCS – Biopharmazeutisches Klassifizierungssystem

Definition:

• Das Biopharmazeutiche Klassifikayonssystem (BCS) ist ein Konzept zur Einteilung von Arzneistoffen basierend auf ihrer Löslichkeit und Permeabilität. Es dient dazu, die Bioverfügbarkeit von peroral verabreichten Arzneistoffen einzuschätzen und zu entscheiden, ob auf kostspielige in-vivo-Bioäquivalenzstudien verzichtet werden kann (Biowaiver).

Parameter:

• Löslichkeit: Wirkstoff ist „hoch löslich“, wenn sich die höchste Einzeldosis in ≤250 mL Wasser bei pH 1,2–6,8 löst

• Permeabilität: Bioverfügbarkeit ≥85 % (EMA), ≥90 % (FDA)

Klasseneinteilung:

Bedeutung:

• Relatv simple Klassifizierung von Arzneistoffen nach physikochemischen und pharmakokineyschen Eigenschazen hat zu einer Verkürzung bei Arzneimittelzulassungen geführt (kostengünstger!)

• Wird heute auch intensiv in der frühen pharmazeutschen Entwicklung verwendet und wird bei neuen Wirkstoffen in den Zulassungsdokumenten angeführt

• ist u.a. ein wichtger Anstoß für wiss. Arbeiten, die das Verständnis für Auflösungsprofile, in vitro in vivo-Korrelayonen, Bedeutung von Transporter-Systemen, Metabolismen, etc. stark verbessert haben

Mit welchen galenischen Methoden kann die Arzneistofffreisetzung verzögert werden? Nach welcher Freisetzungsordnung erfolgt die Freisetzung dann?

Die Hauptziele der Arzneistoffverzögerung sind:

• Konstanter Wirkstoffspiegel über längeren Zeitraum

• Reduzierte Einnahmefrequenz

• Minimierung von Nebenwirkungen durch Vermeidung von Plasmaspiegelschwankungen

• Höhere Patientencompliance


1. Membrankontrollierte Diffusion:

• Freisetzung durch wasserunlösliche oder poröse Membranen

• Freisetzung erfolgt nach 0. Ordnung


2. Matrixkontrollierte Diffusion:

• Diffusion aus einer unlöslichen Gerüstmatrix (porenfrei oder porenhaltig)

• Freisetzung nach Quadratwurzelgesetz (oder komplexer durch Quellung)


3. Quellungskontrollierte Freigabe (Hydrogel-Matrix):

• Freisetzung durch Quellung, Diffusion und Erosion der Matrix

• Komplexer Freisetzungsmechanismus


4. Bioerosionssysteme:

• Erosionsdepots, Freisetzung durch biochemischen Abbau

• Komplexer Freisetzungsmechanismus


5. Osmotische Systeme (OROS):

• Einkammer- oder Zweikammersysteme nach Push-Pull-Mechanismus

• Freisetzung nach 0. Ordnung

• pH-Wert-unabhängig


6. Gastroretentive Darreichungsformen (GRDFs):

• Retardarzneiformen, die mehrere Stunden im Magen verweilen, während sie den Wirkstoff freisetzen; Erhöhung der Gesamtverweildauer im GIT durch Verlängerung der Verweilzeit im Magen

• Spezielle Unterform: Flotayonssysteme (FDDS) -> Aufschwimmen des Arzneimittels im Magensaft durch geringere Dichte (Bsp.: Madopar-Depot Schwimmkapsel – Levodopa+Benserazid); Freisetzung nach Higuchi-Modell oder Korsmeyer-Peppas-Modell

Erklären Sie, was Cyclodextrine sind! Aus welchen Gründen werden sie

eingesetzt? Nennen Sie Anwendungsbeispiele!

1. Definition und Struktur von Cyclodextrinen:

Cyclodextrine (CDs) sind zyklische Zuckermoleküle (Abbauprodukte der Stärke), die in der Lage sind eine Vielzahl organischer Verbindungen in ihrem Hohlraum einzuschließen. Diese Fähigkeit der Cyclodextrine nutzt man in der Pharmazie und Kosmetik.

Man unterscheidet:

• α-Cyclodextrin: 6 Glucose-Einheiten

• β-Cyclodextrin: 7 Glucose-Einheiten

• γ-Cyclodextrin: 8 Glucose-Einheiten


2. Eigenschaften von Cyclodextrinen:

• Nicht toxisch bei peroraler Applikaton

• Bildung von Wirt-Gast-Komplexen (Monomolekularer Einschluss in gut wasserlöslichem Material)

• Verbesserung der Wasserlöslichkeit schwer löslicher Arzneistoffe (z.B. Aripiprazol durch Sulfobutylether-Beta-Cyclodextrine)

• Verbesserung der Bioverfügbarkeit (z.B. Prioxicam perorale Bioverfügbarkeit wird verdoppelt durch Beta-Cyclodextrine)

• Geruchs-/Geschmacksmaskierung (z.B. Dextrometorphan ist extrem bitter; Geschmack wird aufgewertet durch Beta-Cyclodextrinen)

• Erhöhung der Stabilität und Haltbarkeit (z.B. Prostaglandine sind oxidatonsempfindlich; Erhöhung der Stabilität durch Alpha-Cyclodextrine)

• Verminderung von Reizungen physiologischer Barrieren

• Verminderung von Wechselwirkungen zwischen Arznei- und/oder Hilfsstoffen


3. Anwendungen von Cyclodextrinen:

• Schutz des Gastmoleküls (Chem. Zersetzung, Reaktvität, Oxidatonsschutz, Verdunstung)

• Verbesserung besymmter Eigenschazen ( Erhöhung der Wasserlöslichkeit, Resorpyonsverbesserung, emulsionsstabilisierend, Überführung flüssiger Stoffe in Festform)

• Verbesserung nachteiliger Eigenschafen (Geschmacks-/Geruchsmaskierung, Hautrritationen in Kosmetika)


Der Einfluss der Nahrung: Erklären Sie, wie es zu

a) erhöhter Bioverfügbarkeit oder

b) erniedrigter Bioverfügbarkeit durch die Einnahme von AS mit Nahrung kommt (klar und eindeutig gliedern)!

a) Erhöhte Bioverfügbarkeit durch Nahrung

1. Stimulation der Gallensekretion (lipophile Arzneistoffe werden besser absorbiert)

2. Verzögerte Magenentleerung (Erhöhte Resorptionszeit für Arzneistoffe mit einem Resorptionsfenster im proximalen Dünndarm)

3. Anregung der Durchblutung im GIT (Steigerung der resorptiven Kapazität durch bessere Durchblutung der Schleimhaut)

4. Verbesserte Löslichkeit schwach lipophiler Wirkstoffe (durch WW mit

Nahrungsbestandteilen (z. B. Emulgatoren, Lipide) oder pH-Veränderungen im Magen-Darm-Trakt)

5. Beeinflussung von Transportproteinen (Hemmung von Efflux-Transportern (z. B. PGlykoprotein) durch Bestandteile der Nahrung → mehr Wirkstoff wird aufgenommen)


b) Erniedrigte Bioverfügbarkeit durch Nahrung

1. Komplexbildung mit Nahrungsbestandteilen (z. B. mit mehrwertigen Kationen (Ca²⁺, Mg²⁺, Fe³⁺) in Milchprodukten oder Mineralstoffpräparaten; z.B. Tetracycline und Fluorchinolone)

2. Adsorption an Nahrungsbestandteile (Adsorption an Ballaststoffe oder Proteine → Wirkstoffbindung, keine Resorption)

3. pH-Verschiebung im Magen (Nahrung erhöht den pH-Wert → verminderte Löslichkeit von schwachen Basen)

4. Enzymatische Inaktivierung oder Abbau (Inaktivierung z. B. durch bakterielle oder enzymatische Spaltung (v.a. bei Proteinen/Peptiden))

5. Verzögerte Magenpassage (Nahrung verzögert Magenentleerung → zu späte Freisetzung von Arzneistoffen mit kurzem Resorptionsfenster (z. B. im Duodenum))

6. Sättigung von Transportern (Nahrung blockiert aktive Transportmechanismen → Weniger Wirkstoff wird aufgenommen)

Bioäquivalenzstudien – Erklären Sie schrittweise die Durchführung und

anschließende statistische Auswertung!

Die Bioäquivalenzstudie ist eine kontrollierte, pharmakokinetisch orientierte Untersuchung zur Vergleichbarkeit zweier Arzneimittel hinsichtlich ihrer Bioverfügbarkeit. Ziel ist der Nachweis therapeutischer Gleichwertigkeit (z. B. zwischen Originalpräparat und Generikum), ohne aufwändige klinische Studien durchführen zu müssen.


I. Studiendesign – Schrittweise Durchführung

1. Auswahl des Designs

• Meist: Crossover-Design (z. B. „lateinisches Quadrat“)

• Jeder Proband erhält Test- und Referenzpräparat nacheinander mit ausreichender Auswaschphase (mind. 5–6 Halbwertszeiten)

• Vorteil: interindividuelle Variabilität wird ausgeschaltet, da jeder Proband seine eigene Kontrolle ist

2. Auswahl der Probanden

• Gesunde Erwachsene (18–55 Jahre, BMI im Normbereich)

• Ausschlusskriterien: Erkrankungen, Medikamenteneinnahme,

Alkohol/Nikotin/Suchtmittel, Schwangerschaft

• Typischerweise: mind. 12, meist bis 20 Probanden

3. Applikationsplan

• Randomisierte Verabreichung beider Präparate unter standardisierten Bedingungen (z. B. nüchtern, definierte Flüssigkeitszufuhr)

• Strenge Kontrolle von Nahrungsaufnahme, körperlicher Aktivität und Tageszeit der Einnahme

4. Blutentnahme und Messung

• 13–15 Messzeitpunkte, insbesondere dicht getaktet in der frühen Phase

• Dauer: je nach Arzneistoff mehrere Halbwertszeiten (z. B. 24–48 h)

• Messparameter im Plasma mittels validierter Methode, typischerweise HPLC

5. Analytik

• Methodenanforderungen: selektiv, präzise, exakt

• Zielgrößen:

o AUC (area under the curve): Maß für das Ausmaß der Bioverfügbarkeit

o cₘₐₓ (maximale Plasmakonzentration): Marker für die Wirkintensität

o tₘₐₓ (Zeit bis zum Konzentrationsmaximum): Indikator für Wirkungseintritt


II. Statistische Auswertung

1. Log-Transformation der Daten

• Die Werte für AUC und cₘₐₓ werden logarithmisch transformiert, um Normalverteilung zu erreichen

2. Berechnung der relativen Bioverfügbarkeit (frel)

• Quotient der Mittelwerte:


3. Konfidenzintervall (CI)

• Berechnung des 90 %-Konfidenzintervalls (Westlake-Grenzen) für das Verhältnis der Mittelwerte (Test/Referenz)

• Anforderungen der EMA:

90% − CI, frel, AUC und C muss vollständig im Intervall 80% − 125% liegen

4. Bewertung der Bioäquivalenzfälle


5. cₘₐₓ und tₘₐₓ

• Auch für cₘₐₓ gilt: 90 %-CI muss meist in 80–125 % liegen (für sensible Wirkstoffe: 75–

133 %)

• tₘₐₓ wird deskriptiv bewertet (nur bei klinisch relevantem raschen Wirkungseintritt wichtig)


Beschreibe die Motilität des Dünndarms! Wie ist der Bezug auf die Nahrung bei schnell freisetzenden Arzneimitteln, magensaftresistenten Arzneimitteln und bei Retard-Arzneimitteln?

1. Allgemeine Einteilung:

• Interdigestive Motilität (transportiert unverdauliches Material über den gesamten Dünndarm)

• Digestive Motilität (Transport des Chymus über kürzere Abschnitte)


2. Interdigestive Motilität (Motorischer Migrationskomplex):

• Massive peristalysche Kontraktionen, die mit den langsamen Wellen vom Duodenum (Schrittmacherzone) bis zum Ende des Ileums ablaufen

• Funktion: Abtransport unverdaulichen Materials durch den ileozäkalen Sphinkter in den Dickdarm und verhindert Ausbreitung von Darmbakterien in den Dünndarm


3. Digestive Motilität:

• Rhythmische Segmentationen (mehrere Kontraktionen der Ringmuskulatur über mehrere cm, die nach einigen Sekunden wieder an anderer Stelle auzreten)

• Peristalyscher Weitertransport über kurze Strecken (wonach wieder rhythmische Segmentayonen auzreten)

• Funktion: Mischung und intensiver Kontakt des Chymus mit der Darmwand


4. Schnell freisetzende Arzneiformen:

• Nahrungsaufnahme kann den Magenentleerungszeitpunkt verzögern und dadurch

erreichen Wirkstoffe den Dünndarm später

• Bei schneller Freisetzung im Dünndarm wird die Einnahme nüchtern bevorzugt


5. Retard-Arzneiformen:

• Geben den Wirkstoff über längere Zeit kontrolliert ab -> weniger abhängig von Magenpassage

• Nahrungsaufnahme kann Freisetzungsrate beeinflussen (z.B. pH-Wert-Veränderungen, mechanische Belastung, etc.)

• Konsequenz ist, dass der Wirkungseintritt bei Nahrungsaufnahme meist verzögert und verlängert eintritt; Interaktion mit Nahrung ist geringer als bei sofort freisetzenden Formen oder Retard-Formen, aber nicht ausgeschlossen


6. Magensaftresistente Arzneiformen:

• Lösen sich erst im Dünndarm auf (Schutz vor Magensäure); Nahrungsaufnahme verzögert die Magenpassage deutlich

• Einnahme auf nüchternen Magen führt zur schnelleren Passage und früherem Wirkungseintritt

Vergleiche Single Unit Dose und Multi Unit Dose in Bezug auf magensaftresistente Arzneiformen und Retardarzneiformen!

1. Single Unit Dose bei magensaftresistenten Arzneimitteln:

• Einzelne Arzneiformeinheit besitzt gesamte Wirkstoffmenge

• Ganze TableÅe ist mit magensazresistenten Film überzogen

• Wirkstofffreisetzung erfolgt punktuell an einer Stelle im Dünndarm

• Nachteil: bei beschädigtem Überzug ist Freisetzung bereits im Magen möglich


2. Single Unit Dose bei Retard-Arzneimitteln:

• Einzelne Arzneiformeinheit besitzt gesamte Wirkstoffmenge

• Retardmechanismus bezieht sich auf die gesamte Einheit (Matrix, Membran, Osmosesystem)

• Risiko bei Defekt: Dosisdumping (gesamte Wirkstoffmenge wird plötzlich freigesetzt)


3. Multi Unit Dose bei magensaftresistenten Arzneimitteln:

• Viele kleine Einheiten (z. B. Pellets, Granulat-Kügelchen), die einzeln überzogen sind und zusammen in einer Kapsel oder einem Sachet vorliegen

• Jede Einheit ist einzeln magensazresistent überzogen

• Vorteil: Defekte betreffen nur wenige Einheiten, nicht die gesamte Dosis

• Wirkstofffreisetzung erfolgt gleichmäßiger verteilt im Dünndarm → bessere und konstantere Resorption


4. Multi Unit Dose bei Retard-Arzneimitteln:

• Viele kleine Einheiten (z. B. Pellets, Granulat-Kügelchen), die einzeln überzogen sind und zusammen in einer Kapsel oder einem Sachet vorliegen

• Jede Einheit hat ihre eigene Retard-Hülle

• Vorteil: Kombinayon verschiedener Freisetzungsprofile möglich und geringes Risiko von Dosedumping

• Gleichmäßigere Plasmaspiegel, da die Pellets über eine längere Darmstrecke freigesetzt werden

Was sind implantierbare therapeutische Systeme? Nenne Beispiele, Anwendungsgebiete und Vorteile/Nachteile!

1. Definition:

Implantierbare therapeutische Systeme sind Arzneiformen oder Geräte, die chirurgisch oder minimal-invasiv in den Körper eingebracht werden, um über einen längeren Zeitraum kontrolliert Wirkstoffe freizusetzen.


2. Einteilung mit Beispielen:

• Implantierbare Pumpensysteme: mechanisch (z.B. Insulinpumpen) oder osmoysch (z.B. ALZET®, DUROS®)

• Implantierbare Polymere: Keimfreie Depotarzneiform, die entweder durch einen chirurgischen Eingriff oder mit einem Injektor in das Unterhautgewebe implantiert werden; Unterscheidung in Nicht-abbaubare Polymer-Implantate und bioabbaubare Polymer-Implantate


3. Vor- und Nachteile von Implantaten:

• Vorteile:

o Konstante, verlässliche Blutspiegel über lange Zeit

o keine Einnahme von Arzneimitteln zu bestimmten Zeiten notwendig

o Compliance

o Potential für gesteuerte Freisetzung nach zirkadianen Rhythmus oder

Anpassung an bestimmten Metabolismus

o Potential für bioresponsive Freisetzung, Freisetzungsgeschwindigkeit von Interaktion mit einer chem. Substanz abhängig, ‚chemisches Venyl‘

o Einstellbarkeit der Freisetzungsrate

o Verwendung verschiedener Polymere, Geometrien, etc.

• Nachteile:

o invasiv-chirurgischer Eingriff

o nicht abbaubar und müssen wieder entfernt werden

o Versagen durch falsche Applikation

o beschränkt auf potente Wirkstoffe (z.B. Hormone)

o hohe lokale Wirkstoöonzentrayon am Freisetzungsort

o hohe Entwicklungskosten –> teuer

Beschreibe den peroralen Weg in Bezug auf physiologische Gegebenheiten und die damit verbundenen arzneimittelrelevanten Effekte!

1. Mund:

• Fläche: ca. 100cm2

• pH-Wert (Speichel, nüchtern): 6.5 bis 7

• pH-Wert (Speichel, nach Nahrung): ca. 5.5

• Verweildauer des Chymus: wenige Sekunden

• Liter/Tag (Speichel): 1 bis 2

• Wichyge Verdauungsenzyme/-Bestandteile: Amylasen (Ptyalin)


2. Magen:

• Fläche: ca. 0.1m2

• pH-Wert (nüchtern): 1

• pH-Wert (voll): 1.7 bis 3.5

• Verweildauer des Chymus: wenige Minuten bis drei Stunden

• Liter/Tag (Magensaz): 2 bis 3

• Wichtige Verdauungsenzyme/-Bestandteile: Salzsäure (spaltet Eiweiße), Pepsine (spaltet Eiweiße), Mucus (Magenschutz)


3. Dünndarm:

• Fläche: ca. 100-200m2 (durch Falten, Zotten, Mikrovilli)

• pH-Wert (Pankreassaft): 7.5 bis 8.8

• pH-Wert (Darmsaft): 6.5 bis 8

• pH-Wert (Galle): 6.5 bis 8.5

• Verweildauer des Chymus: 3 bis 5 Stunden

• Liter/Tag (Pankreassaft): 1 bis 2

• Liter/Tag (Darmsaft): 2 bis 3

• Liter/Tag (Galle): bis 1.2

• Wichtige Verdauungsenzyme/-Bestandteile (Pankreassaft): Lipase, Erepsin, Enterokinase, Trypsin, Chymotrypsin, Amylase, Carboxypepydasen, Nukleasen

• Wichtige Verdauungsenzyme/-Bestandteile (Darmsaft): Amylase, Maltase, Lactase, Saccharase, Mucus

• Wichtige Verdauungsenzyme/-Bestandteile (Galle):Gallensäuren, Cholesterol, Lecithin


4. Dickdarm:

• Fläche: ca. 1m2

• Wichtige Verdauungsenzyme/-Bestandteile: Bakterielle Enzyme (Azoreduktasen, Glucosidasen, Glucuronidasen, Amylasen), Mucus

• Verweildauer des Chymus: 3 bis 30 Stunden


5. Rektum:

• Fläche: 200 bis 400cm2

• Verweildauer des Chymus: ca. 20 bis 30 Stunden

Welche Arzneistoffe eignen sich für die Entwicklung von Retardarzneiformen? Warum?

1. Passende Indikation:

• konstanter Blutspiegel muss erwünscht sein

• Therapie von chronischen Erkrankungen wie z.B. bei Antihypertonika oder Herztherapeutika

• keine Retardierung erstrebenswert bei z.B.: Hypnotika, Andtiiabetika oder ACEHemmern


2. Gute und rasche Resorption im GIT:

• Arzneistoff muss rasch resorbiert werden, damit die Freisetzung der geschwindigkeitsbestimmende Schritt ist (Resorption – HWZ < 1.5h); Voraussetzung: ausreichende Löslichkeit und Lipophilie mit nicht zu hoher Molekülgröße

• Nicht eignen sich z.B.: starke Säuren und Basen aufgrund schlechter Resorption und Stoffe, die bei den physiologischen Bedingungen im GIT zersetzt werden wie z.B. Erythromycin im Magen

• Nur bedingt eignen sich: Substanzen, die nur in bestimmten Abschnitten des GIT resorbiert werden -> Bedingung wäre, dass die Retardarzneiform lange im Magen verbleibt (Absorptionsfenster)


3. Kurze bis mittlere Eliminationshalbwertszeiten:

• Retardierung nicht sinnvoll bei Arzneistoffen mit langen biologischen Halbwertszeiten (über 10 Stunden), da die HWZ sonst länger als die Magen-Darm-Passagezeit (ca. 7 Stunden) ist und dadurch kein Vorteil gegenüber der normalen Arzneiform gegeben ist

• Am besten sind Arzneistoffe mit mittleren Halbwertszeiten zwischen 1 und 10 Stunden geeignet

• Bei extrem kurzen Halbwertszeiten müssen große Wirkstoffdosen vorliegen, was aber zu Problemen mit der Arzneiformgröße führt (zu große Tabletten)


4. Geringe Einzeldosis:

• Retardarzneiformen enthalten ein Mehrfaches der Einzeldosis

• Bei hoch dosierten Arzneistoffen werden Retardarzneiformen zu groß und sind nicht mehr applizierbar

Beschreibe die Änderungen, die mit Insulin auf supramolekularer, molekularer, galenischer und applikativer Ebene durchgeführt werden!

1. Supramolekulare Ebene:

• Zink-Insulin: Kristallisayon des Insulins möglich; 6 Insulin-Moleküle umgeben 2 Zinkatome -> in Lösung zerfällt dieses in Mono- und Dimere (geschwindigkeitsbesymmender Schritt)

• Protamin-Zink-Insulin (NPH): zusätzliches Verwenden von Protamin (Arginin-reiches, basisches Pepyd) -> langsame Resorption, da es beim pH-Wert des Gewebes schwer löslich ist

• Surfen-Insulin: Komplexierung des Insulins mit Aminoquinurid, welches bei pH = 3.5 gelöst ist, im Gewebe bei neutralen pH-Wert aber amorph ausfällt


2. Molekulare Ebene:

• Insulin-Lispro: Prolin und Lysin platzmäßig ausgetauscht, wodurch es schneller bioverfügbar ist, schneller von Hexameren in Monomere zerfällt und trotz dessen gleich affin an Rezeptoren bindet wie das Normalinsulin

• Determir-Insulin: Threonin wird am Ende der B-Kette entfernt und Lysin mit Myrisynsäure versetz -> dadurch bindet es sehr stark an Albumin, wodurch die Wirkung verlängert wird

• Glargin-Insulin: Asparagin gegen Glycin ausgetauscht + eine Verlängerung von 2 Arginin-Einheiten -> im Sauren ist es eine Lösung, fallen aber bei s.c. Applikation in schlecht lösliche Mikropräzipitate aus = Verzögerte Freisetzung + Lange Wirkdauer


3. Galenische Ebene:

• Lösungen

• Suspensionen


4. Applikation:

• Subkutane Insulinpumpen

• Nicht invasive Injektion von Insulin (über Druck)

• Inhalation

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Iris S.

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