Kohlenstoffanteil im Boden nach Eiszeit skizzieren & erklären (typischer Verlauf)
nach Eiszeit (fast) kein organischer Kohlenstoff im frisch freigelegten Mineralmaterial
mit der Zeit steigt C-Anteil, weil Vegetation entsteht und Streu/Wurzeln C eintragen
später flacht Kurve ab, weil Abbau/Verluste den Eintrag zunehmend ausgleichen
Was passiert dabei im Boden?
Start nach dem Eisrückzug: sehr wenig C
Boden entsteht durch Bodenbildungsfaktoren (Klima, Organismen, Relief, Ausgangsmaterial, Zeit)
Zeit ist dabei ausdrücklich entscheidender Faktor der Bodenentwicklung
C-Aufbau durch Vegetation (Input)
Photosynthese ist Primärquelle für C im Boden: ober- und unterirdische Streu + mikrobieller Eintrag
für steigende SOC-Vorräte ist „Increase of the input“ zentral (mehr Eintrag → mehr SOC-Potenzial)
Klima steuert Eintrag organischer Substanz (über Vegetation) und Abbau
Humus-/Horizontbildung: erst Auflage, dann Ah-Horizont
in Profilentwicklung wird organische Substanz zuerst oben angereichert: O-Auflage und Ah-Horizont (Anreicherung org. Substanz)
Abbau + Stabilisierung bestimmen Form der Kurve
Mikroorganismen regulieren Abbau/Umsatz organischer Substanz
Teil des C wird stabilisiert, v. a. durch Wechselwirkungen mit Mineralen und Aggregierung
Warum flacht die Kurve später ab?
mit zunehmendem SOC steigen auch Abbau-/Verlustpfade, bis sich annäherndes Gleichgewicht (Eintrag ≈ Abbau/Verluste) einstellt
-> Netto-Aufnahme in ein langlebiges Reservoir“/C-Sequestrierung
Warum reichert sich C mit der Zeit im Boden an?
mehr Eintrag durch Vegetation (Quelle des Boden-C)
Kohlenstoff kommt über Photosynthese in Biomasse und gelangt dann als ober- und unterirdische Streu + mikrobieller Eintrag in Boden
entscheidend für steigende SOC-Vorräte ist: „Increase of the input = key for increasing SOC stocks“
Netto-Zunahme, wenn Eintrag > Abbau
„C-Sequestrierung“ ist als Netto-Aufnahme in langlebiges Reservoir (z. B. Boden) beschrieben – also Zunahme der C-Vorräte über die Zeit, wenn Bilanz positiv ist
Abbau wird gesteuert (und ist nicht „sofort weg“)
Klima beeinflusst Eintrag organischer Substanz (Vegetation) und Abbau organischer Substanz
Mikroorganismen regulieren Abbau/Umsatz der organischen Substanz
Stabilisierung: Ein Teil des C wird „festgelegt“
SOC wird im Boden durch Mechanismen stabilisiert, v. a. Wechselwirkungen mit Mineralen und Aggregierung
Zeit & Horizontbildung
„Zeit = bedeutender Faktor der Bodenentwicklung“ – mit der Zeit bilden sich Horizonte, u. a. Ah = Anreicherung organischer Substanz (und O-Auflage)
Warum kommt es zur C-Sättigung (auch ohne Menschen)?
Endliche „Stabilisierungskapazität“ an Mineraloberflächen
großer Teil des langlebigen SOC wird über Mineralassoziation stabilisiert
-> schützt organische Substanz vor Abbau
aber: reaktive Oberflächen, Ladungen und funktionelle Gruppen sind begrenzt
sind gut bindende Plätze „belegt“, kann zusätzlicher C weniger effektiv in stabile Formen überführt werden
Begrenzung & Nicht-Linearität durch Aggregierung/physikalische Abschirmung
physikalischer Schutz passiert u. a. in Aggregaten/Mikroaggregaten mit organo-mineralischen Assoziationen
Strukturen können nicht beliebig immer mehr C „wegschließen“; zudem können sie durch Prozesse wie schnelle Wiederbefeuchtung destabilisiert/zerstört werden (was geschützten C wieder zugänglich macht)
Mikrobielle Prozesse holen „auf“, je mehr Substrat zugänglich ist
ob eingetragener C im Boden bleibt oder als CO₂ wieder rausgeht, hängt stark von Substratzugang und mikrobieller Effizienz sowie vom Mikroklima/Redox ab
wenn zusätzlicher C nicht mehr gut mineralgebunden/abgeschirmt wird, bleibt er mikrobiell leichter erreichbar → Mineralisierung steigt, und Netto-Zunahme flacht ab
Natürliche Störungen/Klimaextreme verhindern dauerhaftes „Durchladen“
Dürre, Hitze, Frost, Feuer, Schädlingsfolgen können CO₂-Flüsse stark negativ verschieben und so C-Aufbau immer wieder zurücksetzen
Beobachtetes Muster: abnehmender Grenznutzen („diminishing returns“)
C-Sequestrierung ist begrenzt und Effektivität der Corg-Akkumulation nimmt mit der Zeit ab
Sauerstoffzehrung
Sauerstoffzehrung = Verbrauch von O₂ durch biologische/chemische Oxidationsprozesse
typisch: O₂ wird schneller verbraucht als nachgeliefert
→ Boden wird reduktiver/anaerober
Beispiel (N-Kreislauf im Boden):
Nitrifikation verbraucht direkt Sauerstoff: NH₄⁺ + 2 O₂ → NO₃⁻ + 2 H⁺ + H₂O (führt zudem zur Versauerung)
Was passiert, wenn O₂ “weggezehrt” ist?
bei sinkendem Redoxpotential ist irgendwann „O₂ nicht nachweisbar“; danach setzt u. a. Denitrifikation ein
Denitrifikation läuft unter anaeroben Bedingungen und reduziert Nitrat bis N₂O/N₂
begünstigt durch Wassersättigung (weniger O₂)
Warum ist der Treibhausgasefekt schlecht? Was passiert dabei genau?
Treibhauseffekt an sich ist nicht „schlecht“ – ohne ihn wäre die Erde deutlich kälter
problematisch ist erhöhter anthropogener Treibhauseffekt
Sonnenlicht (kurzwellige Strahlung) kommt durch Atmosphäre und erwärmt Boden, Wasser und Vegetation
erwärmte Erdoberfläche sendet Wärmestrahlung zurück Richtung Atmosphäre
Treibhausgase nehmen einen Teil der Wärmestrahlung auf und strahlen sie in alle Richtungen wieder ab – auch zurück zur Erdoberfläche
wichtigste Treibhausgase:
CO₂
Wasserdampf
Methan (CH₄)
Lachgas (N₂O)
Energiebilanz der Erde wird verschoben: mehr Wärme bleibt im Klimasystem und globale Temperatur steigt
Diese Erwärmung hat Kettenfolgen, z. B.:
mehr und stärkere Klimaextreme
Rückkopplungen über Ökosysteme und Böden: Wärme kann mikrobielle Zersetzung und Wurzelatmung steigern, sodass mehr CO₂ aus Böden freigesetzt wird → verstärkt Erwärmung weiter
Permafrost als „Zeitbombe“: Auftauen aktiviert Mikroorganismen; unter aeroben Bedingungen entsteht CO₂, unter nassen/anaeroben Bedingungen auch CH₄
große Bedeutung, weil Böden riesige C-Speicher sind: Böden können Quelle oder Senke sein
Rezession
Nach Rezession startet Bodenentwicklung auf (relativ) „frischem“ Ausgangsmaterial
Bodenentwicklung wird als Funktion der Faktoren Klima, Organismen, Relief, Ausgangsmaterial und Zeit beschrieben (clorpt)
dabei ist Zeit ein bedeutender Faktor: Je länger ein Standort „Zeit hatte“, desto weiter kann Bodenentwicklung voranschreiten
Mit der Zeit nimmt der C-Eintrag zu (Vegetation → Biomasse → Boden)
C-Sequestrierung wird als Netto-Aufnahme von C in Boden erklärt, über CO₂-Aufnahme durch Pflanzen → Biomasse → Eintrag in den Boden
für steigende SOC-Vorräte ist laut Folie zentral: „Increase of the input = key for increasing SOC stocks“
Ein Teil des eingetragenen C wird stabilisiert → echte Anreicherung
in der Zusammenfassung: Photosynthese = Primärquelle für C im Boden; Stabilisierung v. a. durch Wechselwirkungen mit Mineralen und Aggregierung
Das sieht man auch an der Profilentwicklung (Horizonte)
mit fortschreitender Entwicklung bilden sich Horizonte, u. a. O-Auflage und Ah: Anreicherung organischer Substanz
Was könnte einen C-Abfall und späteren Wiederanstieg erklären (Kurve „runter und wieder hoch“)?
Landnutzungsänderung (Rodung, Ackerbau, Pflügen) → C-Verlust
Erosion/Brand/Entwässerung → C-Verlust
Renaturierung/Grünland/mehr Eintrag → Wiederanstieg
3 Möglichkeiten der Stabilisierung von Kohlenstoff im Boden
Mineralassoziation (Bindung an Ton/Silt-Minerale, Oxide)
Aggregation (physikalischer Schutz in Aggregaten)
Chemische Recalcitranz/Umwandlung + Einbau in stabile Fraktionen (je nach Kurs)
Was ist C-Sequestrierung?
langfristige (möglichst „dauerhafte“) Speicherung von Kohlenstoff
Ziel: C der Atmosphäre entziehen (Klimarelevanz)
Zusammenhang diversere Streu → langfristig mehr C (warum nicht sofort)?
mehr (und stabilerer) Input
Artenreiche Pflanzengemeinschaften nutzen Ressourcen komplementär → höhere/stabilere NPP und damit tendenziell mehr Streu- und Wurzeleinträge
mehr mikrobieller Umsatz → mehr „mikrobenbürtiger“ stabiler C
aus Streu (ober-/unterirdisch) entsteht stabile organische Bodensubstanz stark über mikrobielle Umwandlung
dabei nehmen pflanzenbürtige Verbindungen ab und mikrobiell abgeleitete Verbindungen zu – das ist zentral für stabile SOM
Stabilisierung braucht Mechanismen wie Mineralbindung & Aggregierung (MAOM)
langfristige C-Anreicherung passiert vor allem, wenn organische Substanz an Mineraloberflächen bindet oder in Aggregaten/Poren unzugänglich wird
führt zur Bildung/Anreicherung von MAOM (mineralassoziierte organische Substanz, eher stabil)
Zersetzung ist erstmal der erste Schritt – mit CO₂-Abgabe
Litter decomposition ist Start der SOM-Bildung, dabei gibt es CO₂-Verluste, bevor überhaupt stabiler SOM entsteht
ob C gespeichert wird, hängt von mikrobieller Effizienz ab
kurzfristig kann mehr/„besser verwertbare“ Streu den mikrobiellen Umsatz pushen
wenn Carbon Use Efficiency niedrig ist, wird mehr C als CO₂ freigesetzt statt in Biomasse/Mikrobenreste eingebaut
Stabilisierung ist langsam (Senkenwirkung langfristig)
Quellenwirkung schnell, Senkenwirkung langfristig – weil „Einbau“ in geschützte/gebundene Pools Zeit braucht
Wie beeinflusst Kohlenstoffanreicherung Biomasse & Biodiversität im Boden?
mehr C ⇒ mehr „Futter“ ⇒ mehr Biomasse der Bodenorganismen
Boden-C ist nicht nur „toter Humus“, sondern auch lebende Biomasse: Wurzeln und das Edaphon (Bodenbiota) sind Anteile des gesamten organischen C; innerhalb des Edaphons machen Mikroorganismen den größten Teil aus
gleichzeitig wird Bildung/Umsetzung von SOM als Prozess dargestellt, der durch Mikroorganismen und Bodenfauna läuft („continuous degradation and transformation processes“)
mehr Input/mehr SOM bedeutet damit mehr Substrat → mehr mikrobielle/faunistische Biomasse
mehr C ⇒ bessere Habitatbedingungen ⇒ mehr Nischen ⇒ höhere Biodiversität
SOM-Bildung ist mit Bodenfunktionen verknüpft – mehr stabile organische Substanz bedeutet auch geeignetere Lebensräume
Effekt einer Anreicherung organischer Substanz: „Increasing biodiversity“
indirekt über Pflanzenbiomasse (Rückkopplung)
Pflanzen bestimmen Eintrag organischer Substanz
Bodenfauna beeinflusst Bodenstruktur
Mikroorganismen beeinflussen Abbau/Umsatz
mehr SOM fördert bessere Bodenbedingungen → mehr Pflanzen-/Wurzelbiomasse → mehr C-Eintrag
Hinweis: OM-Rückgang und Biodiversitätsrückgang hängen zusammen
„Soil biodiversity decline“ und „Organic matter decline“ stehen nebeneinander als zentrale Degradationsprozesse – unterstreicht enge Kopplung beider Größen
Warum viel Nitrat-Eintrag/Auswaschung im Herbst?
weniger Pflanzenaufnahme (Vegetationsende)
mehr Niederschläge/Drainage → Auswaschung
Mineralisation/Nitrifikation laufen weiter (temperaturabhängig)
Stickstoffkreislauf im Boden: wichtige N-Formen
organischer N (in Humus/Biomasse)
NH₄⁺ (Ammonium)
NO₃⁻ (Nitrat)
Wichtige Prozesse im N-Kreislauf (Kurzüberblick)
Mineralisation (org. N → NH₄⁺)
Nitrifikation (NH₄⁺ → NO₃⁻)
Denitrifikation (NO₃⁻ → N₂/N₂O bei O₂-Mangel)
Immobilisierung (Aufnahme in Biomasse)
Wie gelangt Nitrat ins Grundwasser?
NO₃⁻ ist mobil (negativ geladen, wenig Bindung)
wird mit Sickerwasser ausgewaschen
Nitratauswaschung vs. Phosphorauswaschung – warum unterschiedlich?
NO₃⁻: gut löslich, bindet schlecht → hohe Auswaschungsgefahr
Phosphat: bindet stärker an Bodenbestandteile (v. a. Oxide/Tone) → eher partikelgebunden/standortabhängig
Bodenfilterung: wovon hängt sie ab? (Oberfläche & Ladung)
große spezifische Oberfläche (Ton, Humus) → mehr Bindungsplätze
permanente Ladung (v. a. Tonminerale)
variable Ladung (pH-abhängig, Oxide/Humus)
3 Arten von Bindungen
Elektrostatische Bindung → unspezifische Adsorption (v. a. Austausch/Kationenaustausch; meist schnell & reversibel)
Ionische Bindung → spezifische Adsorption (stärker, selektiver, nicht immer vollständig reversibel)
Kovalente Bindung → spezifische Adsorption (sehr starke, selektive Bindung; oft schwer reversibel)
Welchen Einfluss hat die Oberfläche?
je größer spezifische Oberfläche, desto mehr Bindungs-/Adsorptionsplätze → stärkere Filter- und Pufferfunktion
feine Partikel = viel Oberfläche
mehr Oberfläche wirkt zusammen mit Ladungen/Funktionsgruppen:
Reaktivität hängt nicht nur von Fläche ab, sondern auch von Oberflächenladung (permanent/variabel) und funktionellen Gruppen
Beispiel Biochar:
sehr große Oberfläche → kann organisches Material/Mikroorganismen stark adsorbieren
Welche Ladung haben viele Schwermetalle im Bodenwasser?
häufig als Kationen (z. B. Cu²⁺, Zn²⁺, Pb²⁺)
deshalb Bindung an negativ geladene Oberflächen oft möglich
Trockener Boden + Starkregen: was passiert?
Regentropfen wirken als Dispersions- und Verdichtungs-Agenten: schlagen Bodenpartikel los (Rainsplash) und können die Poren an der Oberfläche verstopfen, wodurch sich Oberflächenkruste bildet
Kruste senkt die Infiltration zusätzlich → Wasser läuft leichter oberflächlich ab
bei sehr schneller Wiederbefeuchtung dringt Wasser zuerst in größere Poren ein; in kleineren Poren bleibt Luft eingeschlossen
wenn Wasser weiter eindringt, steigt Luftdruck in Lufteinschlüssen – Aggregate werden destabilisiert und können auseinanderbrechen
-> Ergebnis: mehr feine, leicht transportierbare Partikel
sobald Oberflächenspeicher/Depressionsspeicher oder Bodenwasserspeicherung überschritten sind, entsteht Oberflächenabfluss
Abfluss löst und transportiert Material: erst flächig (Sheet/Schichterosion), dann in Linien (Rillen/Gräben)
On-site (am Standort):
Boden geht verloren
Struktur bricht weiter runter
organische Substanz & Nährstoffe nehmen ab
Fruchtbarkeit und nutzbare Bodenfeuchte sinken
Off-site (außerhalb):
Sedimente/Nährstoffe belasten Gewässer
Überflutungsrisiko steigt
P & N fördern Eutrophierung
Dürre/Hitze → Pflanzensterben → weniger Vegetationsbedeckung -> Erosion begünstigt
Nährstoffverluste und schlechtere Bodenqualität
Vegetationsrückkehr wird erschwert
Starkregen/Überflutung kann ebenfalls Erosion/Nährstoffverluste fördern und Bodenqualität verschlechtern
Birch-Effekt
nach Trockenheit sinkt mikrobielle Aktivität stark; bei Wiederbefeuchtung kann es zu einem Birch-Effekt kommen (plötzlich erhöhte CO2-Freisetzung)
DOC/“Humus-Flush” in Gewässer
lange Trockenperioden + Starkregen sind Treiber für Transport von DOC ins Gewässer
dabei können hohe Humus- und Aromatenanteile im DOC auftreten
Luftsprengung (Slaking): kurz erklären
trockene Aggregate werden schnell benetzt
eingeschlossene Luft + schnelle Quellung → Zerfall
mehr feine Partikel → Erosionsanfälligkeit steigt
Erosion: Prozesse
Ablösung (Detach)
Transport
Ablagerung
Erosivität vs. Erodierbarkeit
Erosivität: „Angriffskraft“ von Regen/Abfluss (Wetter/Energie)
Erodierbarkeit: „Anfälligkeit“ des Bodens (Textur, Struktur, Humus)
Welche Bodenart ist oft besonders von Wassererosion betroffen – warum?
häufig Schluff (mittlere Partikel, leicht ablösbar, geringe Stabilität)
(Ton: eher kohäsiv; Sand: schwer zu transportieren, aber kann abfließen)
On-Site vs. Off-Site Schäden der Wassererosion (Beispiele)
On-Site: Verlust fruchtbarer Oberboden, Humus/Nährstoffe, Ertragseinbußen
Off-Site: Sedimentation in Gewässern, Kolmation, Nährstoff-/Pestizideintrag
Warum sind landwirtschaftliche Böden oft stärker wassererosionsgefährdet?
weniger permanente Bodenbedeckung
Bearbeitung/Pflügen schwächt Struktur
Fahrspuren/Verdichtung → mehr Abfluss
Bodenabtraggleichung (USLE-Idee): warum ist Hanglänge wichtig + Maßnahme
längere Fließwege → mehr Abflussenergie → mehr Abtrag
Maßnahmen: Querstreifen/Grünstreifen, Terrassierung, Konturbewirtschaftung
Relevanz/Bedeutung von Aggregaten
Bodenaggregate (Krümel/Strukturkörper aus Mineralpartikeln + organischer Substanz) sind wichtig, weil sie Bodenstruktur und damit viele Bodenfunktionen steuern:
Wasser-, Luft- und Wurzelhaushalt:
Aggregate schaffen stabiles Porengefüge → bessere Durchwurzelbarkeit, Belüftung und Wasserhaushalt
Erosionsschutz / Erodierbarkeit:
Erosion hängt von Aggregatstabilität und Infiltrationskapazität ab (instabile Aggregate ⇒ leichter ablösbar)
Luftsprengung kann Aggregate destabilisieren und zerreißen -> Loslösung
Kohlenstoffspeicher & C-Stabilisierung:
schützen organische Substanz physikalisch
wenn Aggregate bei Erosion zerstört werden, wird eingeschlossene SOM für Mikroben zugänglich → Mineralisierung und CO₂-Freisetzung
Lebensraum/Hotspots für Bodenbiologie:
Mikroaggregate sind eng mit organomineralischen Assoziationen und Wurzel-/Pilzstrukturen verknüpft (wichtige Mikrobiom-Habitate)
(Wieder-)Stabilisierung nach Umlagerung:
bei Deposition kann es zur Re-Aggregierung und Bildung von MAOM kommen → potenziell langfristigere C-Stabilisierung
Filterfunktion: 2 Bodentypen vergleichen (Porosität)
Sandboden
große Poren → Wasser läuft schnell durch → geringe Filter-/Pufferleistung
wenig Oberfläche → geringe Sorption
Ton-/Lehmboden
viele kleine Poren + große Oberfläche → hohe Retention (Wasser, Ionen)
höhere Kationenaustauschkapazität (je nach Ton/Humus)
Porosität
Volumenanteil der Hohlräume (Poren) am Gesamtvolumen des Bodens
Poren sind nicht fest -> gehören zur Wasserphase (Bodenlösung) und Gasphase (Bodenluft)
Boden ist 3-Phasensystem (fest, flüssig, gasförmig)
Bodenfilterung: permanente vs. variable Ladung
permanente Ladung
v. a. Tonminerale (isomorpher Ersatz) → „dauerhaft“ negativ
bindet v. a. Kationen (z. B. Ca²⁺, Mg²⁺, Schwermetalle)
variable Ladung
pH-abhängig (Humus, Oxide) → kann +/− sein
wichtig für Spezialadsorption (z. B. Phosphat an Fe/Al-Oxiden)
Bodenfunktionen (Kernliste)
Produktionsfunktion (Biomasse, Nahrung/Futter)
Filter-/Puffer-/Transformationsfunktion (Schadstoffe/Nährstoffe/Wasser)
Lebensraumfunktion (Biodiversität, Bodenorganismen)
Regulationsfunktion (Wasserhaushalt, Klima/C-Speicher)
Standort-/Trägerfunktion (Bauen, Infrastruktur)
Lieblingsbodentyp: so beantwortest du’s prüfungstauglich
Beispiel Braunerde
Bodentyp + Standort
Braunerde
typisch auf silikatischem Ausgangsgestein (z. B. Granite/Gneise/Sandsteine)
häufig in Mittelgebirgslagen und auf nicht-kalkreichen Standorten (gemäßigt-humides Klima)
Kennzeichen
Horizonte: meist Ah – Bv – C
Ah: humoser Oberboden
Bv: „verbraunter/verlehmter“ Unterboden (braune Färbung, Strukturentwicklung)
C: wenig verändertes Ausgangsmaterial
Textur/Poren: oft lehmig bis sandig-lehmig
mittlere Wasserhaltefähigkeit (abhängig von Sand/Schluff/Ton)
i. d. R. bessere Durchlüftung/Infiltration als stark tonige Böden
Prozesse (Pedogenese)
Verbraunung: Bildung/Umwandlung von Eisenoxiden/-hydroxiden → braune Farbe
Verlehmung: chemische Verwitterung von Silikaten → Tonminerale entstehen
Bioturbation & Humusbildung im Oberboden (Ah)
(Abgrenzung: Lessivierung wäre typisch eher für Parabraunerde; Podsolierung eher für Podsol)
Typische Vegetation / Nutzung
natürlich oft Laub- oder Mischwald (z. B. Buche/Eiche je nach Region)
Nutzung: Forst sehr häufig; Acker möglich, wenn nicht zu flachgründig/steinig und ausreichend nährstoffreich
bei sandigeren Varianten: eher Forst/Grünland, Acker eingeschränkt
Kohlenstoffspeicherung auf Weide: Möglichkeiten/Management
dauerhafte Bodenbedeckung (Grünland erhalten statt Umbruch)
Wurzeln & Wurzelumsatz fördern (artenreiche, tiefwurzelnde Bestände)
schonende Beweidung
nicht überweiden → Bodenstruktur erhalten
Verdichtung vermeiden (nasse Böden meiden)
organische Inputs (Mist/Kompost gezielt, standortangepasst)
Erosion minimieren (Randstreifen, Hangmanagement)
Kohlenstoffkreislauf
CO₂ aus Atmosphäre wird durch Photosynthese aufgenommen und als Biomasse aufgebaut -> Primärquelle für C im Boden
Eintrag in Boden kann stabilisiert werden (u. a. durch Wechselwirkungen mit Mineralen und Aggregierung), oder wieder destabilisiert werden
Rückfluss in Atmosphäre passiert v. a. über Atmung und Zersetzung
ob Land insgesamt Senke oder Quelle ist, entscheidet Bilanz zwischen Aufnahme und Abgabe
≈48 % der anthropogenen CO₂-Emissionen bleiben in Atmosphäre
≈29 % gehen in Ozean
≈26 % von Landbiosphäre aufgenommen
Größte Speicher an Land (terrestrisch):
Böden und Vegetation + Streu
Permafrostböden
Auswaschungsdynamik auf landwirtschaftlichen Flächen
hoch, wenn:
viel mineralischer N im Boden (Düngung/ Mineralisation)
wenig Pflanzenaufnahme (Herbst/Winter, bracher Boden)
viel Sickerwasser (Regen, Drainage)
senken durch:
Zwischenfrüchte/Begrünung
zeit- und bedarfsgerechte Düngung
Bodenstruktur/Poren erhalten (Infiltration statt Abfluss)
Nitratauswaschung vs. Phosphorauswaschung (Ladung!)
Nitrat (NO₃⁻): negativ, sehr mobil → leicht auswaschbar
Phosphat (PO₄³⁻): negativ, aber bindet oft stark (Fe/Al-Oxide, Ca) → eher
partikelgebunden (Erosion) oder
standortabhängig fixiert / begrenzt mobil
Stickstoffkreislauf + C/N-Verhältnis
N-Formen:
organischer N (Humus/Biomasse)
NH₄⁺, NO₃⁻
Prozesse:
Mineralisation: org. N → NH₄⁺
Nitrifikation: NH₄⁺ → NO₃⁻
Denitrifikation: NO₃⁻ → N₂/N₂O (O₂-arm)
Immobilisierung: Aufnahme in Biomasse
C/N
niedriges C/N → schnellere Mineralisation (N wird „frei“)
hohes C/N → Immobilisierung (Mikroben „binden“ N)
Schwierigkeiten bei C-Vorratsermittlung im Boden
räumliche Heterogenität (sehr variable SOC-Gehalte)
Umrechnung Konzentration → Vorrat braucht:
Bulk Density (Dichte), Steingehalt/Skelett
definierte Tiefe oder Equivalent Soil Mass
Horizonte/Management verändern Dichte und SOC → Vergleich schwierig
Mess-/Probenfehler: Probentiefe, Verdichtung, Mischproben, Laborverfahren
Weitere Methoden zur C-Vorratsermittlung (neben Inventur)
digitale Bodenkarte/Soil Mapping (Modelle + Punktdaten + Covariates)
Spektroskopie (NIR/MIR) + Bodenspektralbibliotheken (Kalibration nötig)
proximale Sensorik (z. B. geophysikalische Karten + Modellierung)
Modelle (z. B. SOC-Modelle) zur Extrapolation/Trendabschätzung
wiederholte Messungen + Geostatistik (Monitoring-Design)
Tiefengradient SOC: natürlich vs. „menschlich“ + Ackerkurve geknickt
natürlich: hoher SOC oben, dann relativ kontinuierliche Abnahme mit Tiefe
menschlich/Acker: oft
starker SOC-Verlust im Oberboden (Bearbeitung, Mineralisation)
„Knick“ durch Pflugschicht/Umbruch: oben stark verändert, darunter weniger
Gründe:
Pflügen/Mischen, beschleunigter Abbau, weniger C-Rückführung
Podsol: warum kann die natürliche Kurve anders aussehen?
Podsolierung:
Auswaschung organischer Stoffe/Fe/Al aus Oberboden (E-Horizont „ausgebleicht“)
Anreicherung in Bhs/Bs (tieferer Horizont kann relativ mehr C tragen)
Ergebnis: nicht nur „oben viel, unten wenig“, sondern tieferes Maximum möglich
USLE/Bodenabtraggleichung: Komponenten + Hanglänge + Maßnahmen
USLE (Prinzip): A = R · K · LS · C · P
R: Niederschlags-/Abfluss-Erosivität
K: Bodenerodierbarkeit
LS: Hanglänge & Hangneigung
C: Bodenbedeckung/Bewirtschaftung
P: Schutzmaßnahmen (Kontur, Terrassen, Streifen)
Warum Hanglänge wichtig?
längerer Abflussweg → mehr Wasser sammelt sich → Energie/Transportkapazität ↑
Maßnahmen:
Grünstreifen quer zum Hang, Konturbewirtschaftung, Terrassierung
Wege-/Abflussmanagement, dauerhafte Bodenbedeckung
Wovon ist Selbstreinigung/Bindung von Böden abhängig?
hängt von Reaktivität mineralischer und organischer Oberflächen ab
je größer spezifische Oberfläche, desto mehr Sorptions-/Bindungsplätze für Nähr- und Schadstoffe
steigt stark mit feinen Fraktionen und Humus: Ton hat viel höhere Werte als Sand
-> Mehr Ton + mehr Humus = mehr Oberfläche = mehr Bindungskapazität
Reaktivität hängt davon ab, welche Ladungen auf den Oberflächen sitzen und welche funktionellen Gruppen vorhanden sind
entsteht durch isomorphen Ersatz in Silikaten (v. a. 2:1-Tonminerale) → dauerhaft negativ → zieht Kationen an → Kationenaustausch
Protonierung von OH-Gruppen (z. B. 1:1-Tonminerale, Oxide/Hydroxide)
Dissoziation organischer Gruppen → kann positiv bei niedrigem pH und negativ bei hohem pH sein
dadurch sind Kationen- und Anionenaustausch möglich (je nach pH)
unspezifische Adsorption: elektrostatisch, oft als Austausch (Kationenaustausch)
Spezifische Adsorption: Ionen-/kovalente Bindung, selektiver, teils nicht vollständig reversibel
NH4⁺ wird wegen negativer Ladung der festen Phase angezogen und über Kationenaustausch adsorbiert
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