Definition
Feste, trockene Körner, die durch Agglomerierung eines Pulvers erhalten werden. Sie können als Produkt zur weiteren Verarbeitung dienen oder zum Einnehmen bestimmt sein. In diesem Fall kommen sie als Einzeldosis-
zubereitung (in Einzelbehältnissen) und (mit Dosiervorrichtung) vor.
Vorteile von Granulaten gegenüber Pulvern
• Relativ einheitliche Größe, runde Gestalt → besseres Fließverhalten
• Geringere Verdichtungstendenz → bessere Dosiergenauigkeit
• Kohäsion geringer
• Geringere Entmischungstendenzen
• Weniger staubig
• Bessere Komprimierbarkeit → formschlüssige Bindung sowie höhere Porosität
• Vermeidung von Unverträglichkeiten durch Möglichkeit der getrennten Granulierung inkompatibler Bestandteile
Nachteile von Granulaten gegenüber Pulvern
• Herstellung zeitaufwendig sowie teuer
• Hoher apparativer Aufwand
Definition - Granulierung
Unter der Granulierung versteht man den Prozess der Agglomeration primärer Pulverpartikel und der Bildung größerer, multipartikulärer Aggregate (Granulatkörner) unterschiedlicher Größe.
Abbauende Granulierung
• Verlauf der Granulierung in zwei Schritten
– Schritt 1: Agglomeration (Verdichtung)
– Schritt 2: Desagglomeration (Abbau)
Verfahren
• Agglomeration und anschließende Desagglomeration
– Pressgranulation
– Schüttelgranulation
– Lochscheibengranulation
Pressgranulation
• Feuchte Masse durch ein Sieb gedrückt
• Aufbringen von mechanischer Kraft durch
Schaber oder Bürsten (Metall oder
Kunststoff) → ggf. Messer zum Kürzen der
Formlinge
• Formlinge weisen definierten Querschnitt
auf
Schüttelgranulation
• Feuchte Masse durch ein Sieb geschüttelt
• Bei der Verwendung von Sieben derselben
Maschenweite, sind Schüttelgranulate
feinkörniger als Pressgranulate
Lochscheibengranulation
• Feuchte Masse durch mechanische Kraft durch eine Lochscheibe gedrückt
• Formlinge weisen definierten Querschnitt auf
Trockengranulation
• Kompaktierung der Pulvermischung durch Walzen-
kompaktor (ggf. Unterstützung der Zufuhr mit einer Schnecke)
• Zerkleinerung des kompaktierten Gutes (z.B. rotierende
Stachelwalzen)
Eigenschaften des entstehenden Produktes
• Unregelmäßig geformtenGranulate
• Breite Partikelgrößenverteilung (ggf. Klassierung
notwendig)
Vorteile der Trockengranulierung
• Geringerer Zeitaufwand
• Geringere Feuchtigkeitsbelastung hydrolyseempfindlicher Substanzen
• Keine Lösungsmittelrückgewinnung notwendig
• Kein Energieaufwand beim Trocknen
Nachteile der Trockengranulierung
• Breite Korngrößenverteilung
• Hoher Pulveranteil
• Staubentwicklung
• Zusatz von Hilfsstoffen für Direktkompaktierung oft erforderlich
Schmelzgranulation
• Einbettung der Wirkstoffe in schmelzbare Polymere nach Mischen
• Durch einen beheizbaren Schneckenextruder wird die Masse in Richtung Düsenkopf bewegt
• Rotierendes Messer schneidet die Stränge nach Austritt aus dem Düsenkopf
• Anschließende Zerkleinerung durch Mahlvorgänge
• Herstellung von Retardarzneiformen möglich
• Regelmäßig geformte Granulate
• Enge Partikelgrößenverteilung (ggf. Klassierung notwendig)
Aufbauende Granulierung
• Aufbaugranulierung – Unterteilungen
– Partikelaufbau → Anlagerung und anschließendes Verdunsten einer feststoffhaltigen Flüssigkeit auf der Partikeloberfläche (Anzahl unverändert; Volumen bzw. Masse der Granulatkörner nimmt zu)
– Partikelanlagerung → Agglomerierung durch Druck und Scherkräfte von mit Granulierflüssigkeit befeuchteten Partikeln (Volumen bzw. Masse der Granulatkörner nimmt durch Vereinigung von Partikeln zu)
Herstellung von Granulaten
Kleinere Partikel werden durch den Prozess des Granulierens in der Partikelgröße durch die Ausbildung von Agglomeraten vergrößert (ursprüngliche
Partikel sind noch erkennbar)
Wirbelschichtgranulation
• Mischen, Befeuchten, Trocknen in einem Arbeitsgang
• Luftstrom hält Partikel in Schwebe → Besprühen mit Granulierlösung bzw.
Granuliersuspension → anschließendes Trocknen im Luftstrom
• Kontinuierlicher und diskontinuierlicher Betrieb möglich
Pellets
Sphärische Granulatkörner mit glatter Oberfläche, enger Korngrößenverteilung und Korngrößen von ca. 0,1-2 mm, die ein sehr gutes Fließverhalten aufweisen
Agglomerat
Feste Bindung von Einzelkörnern
Aggregat
Lockere Bindung von Einzelkörnern (reversibel)
Kohäsion
Anziehung zwischen gleichartigen Teilchen
Adhäsion
• Anziehung zwischen unterschiedlichen Teilchen
Absorption
Teilchen dringen in Volumen einer anderen Phase ein
Adsorption
Teilchen lagern sich auf Oberfläche einer anderen Phase an
Granulate
Bestandteile
• Wirkstoffe
• Füllstoffe
• Bindemittel
• Zerfallshilfsstoffe (Sprengmittel)
• Fließregulierungsmittel
• Netzmittel
Füllstoffe
• Hoher Anteil des Granulates
• Eigenschaften beeinflussen die Qualität der Granulate gravierend
• Füllstoffe sollen physiologisch, chemisch sowie physikalisch indifferent sein
• Beispiele
– Lactose
– Mannitol
– Sorbitol
– Saccharose
Bindemittel Klebstofflösungen
• Polyvinylpyrrolidon (PVP)
• Hydroxypropylcellulose (HPC)
• Gelatineschleim (4 %)
• Stärkekleister (2-5 %)
Krustenbildner Bindemittel
• Wasser
• Ethanol
• Isopropanol
• Methanol
Zerfallshilfsstoffe (Sprengmittel)
• Beschleunigung des Zerfalls bei Kontakt mit Wasser oder Magensaft
• Art und Menge der verwendeten Hilfsstoffe (besonders Bindemittel) sowie
Arzneistoffe haben Einfluss auf die Zerfallsgeschwindigkeit
– Stärke
– Quervernetzte Natriumcarboxymethylstärke (Primojel®)
– Quervernetzte Natriumcarboxymethylcellulose (Crosscarmellose,
Nymcel®)
– Quervernetztes Polyvinylpyrrolidon (Crospovidon)
– Natriumhydrogencarbonat
Fließregulierungsmittel
• Häufig bei Granulaten nicht notwendig
• Verbessern die Fließeigenschaften von Granulaten
durch Verringerung der interpartikulären Reibung
• Mechanismus von Fließregulierungsmitteln
– Schaffung neuer Oberflächen, zwischen denen
geringere Reibungs- und Haftkräfte wirksam
sind
– Abgerundete nichtadhärierende Gleitmittelagglomerate von
hoher Eigenbeweglichkeit
– Reduktion der Feuchtigkeit auf der Oberfläche der Granulate
• Beispiel
– Hochdisperses Siliciumdioxid (Aerosil®)
Netzmittel
• Benetzung ist Voraussetzung für Sprengmittel
• Erhöhung der Benetzbarkeit führt zur verbesserten Eigenschaft des Zerfalls
bei Tabletten sowie Granulaten
– Natriumdioctylsulfosuccinat (Docusat-Na)
Prüfungen nach Europäischem Arzneibuch
• Schütt- und Stampfdichte
• Fließverhalten
• Zerfallszeit
• Wirkstofffreisetzung aus festen Arzneiformen
• Gleichförmigkeit einzeldosierter Arzneiformen
• Friabilität von Granulaten und Pellets
Last changed22 days ago