Definition
Halbfeste Zubereitungen sind zur lokalen oder transdermalen Wirkstofffreisetzung bestimmt und können eine schützende oder erweichende Wirkung auf die Haut ausüben. Sie bestehen aus einer einfachen oder zusammengesetzten Grundlage, in der meistens ein oder mehrere Wirkstoffe gelöst oder dispergiert
sind.
Grundlagen
Die Grundlage kann auch ohne Wirkstoff einen Effekt haben (Kühlung, Abdeckung, Vehikelfunktion). Grundlagen beeinflussen die Wirkung der Zubereitung.
Grundlagen können aus natürlichen oder synthetischen Substanzen bestehen und Ein- oder Mehrphasensysteme sein.
Hilfsstoffe
Geeignete Hilfsstoffe sind Konservierungsmittel, Antioxidanzien, Stabilisatoren, Emulgatoren, Verdickungsmittel, Penetrationsbeschleuniger.
Übersicht
Salben
Salben bestehen aus einer einphasigen Grundlage, in der feste oder flüssige Wirkstoffe gelöst oder dispergiert sind. Bei Salben handelt es sich um wasserfreie Zubereitungen. Sie werden entsprechend ihrem Verhalten gegenüber Wasser in
hydrophile, hydrophobe oder wasseraufnehmende Salben eingeteilt.
Hydrophile Salben
Hydrophile Salben sind Zubereitungen, deren Grundlagen mit Wasser mischbar sind. Sie bestehen üblicherweise aus Mischungen von flüssigen und festen Macrogolen (Polyethylenglycolen). Sie können in geeigneten Mengen Wasser
enthalten (im Gegensatz zu allen anderen Salben)
Macrogolsalbe DAC: 1 T Macrogol 300 + 1 T Macrogol 1500
Hydrophile Salben Eigenschaften
• Reizlos
• Gutes Haft- und Verteilungsvermögen, aber nicht okklusiv
• Mit Wasser leicht abwaschbar → Anwendung auf behaarten Körperstellen z.B. am Kopf
• Durch osmotische Aktivität wirken Macrogolsalben austrocknend → Wundsekretaufnahme (oft Einsatz im Bereich der antiseptischen und antimykotischen Zubereitungen
Hydrophobe Salben
• Hydrophobe Salben bestehen aus unpolaren Komponenten und können deshalb nur kleine Mengen Wasser aufnehmen
• Fertigarzneimittel werden häufig als Fettsalbe bezeichnet
Hydrophobe Salben Grundlagen
– Vaselin
– Hartparaffin
– Dickflüssiges und dünnflüssiges Paraffin
– Pflanzliche Öle
– Tierische Fette
– Synthetische Glyceride
– Wachse
– Flüssige Polyalkylsiloxane
Hydrophobe Salben → Kohlenwasserstoffgele
Vaselin (gelb und weiß)
• Rückstand aus der Erdöldestillation → Naturprodukt
• Weißes Vaselin = stärkere Raffination von gelbem Vaselin (ungesättigte Kohlenwasserstoffe weitgehend entfernt)
• Innere Struktur: Fransenmizellen
• Bei längerer Lagerung kann sich das Gelgerüst verdichten und flüssige Bestandteile trennen sich ab = Bluten des Vaselins
• Eigenschaften als Salbengrundlage:
– Nahezu inert
– Kaum durchlässig für Feuchtigkeit → Okklusionseffekt:
Verstärkte Durchblutung, Hydratation und Quellung des
Stratum corneums → besserer Durchtritt von
Wirkstoffen
Hydrophobes Basisgel DAC
• Herstellung ausschließlich industriell (schmelzen bei 130 °C und rasches Abkühlen)
• Hergestellt aus 5 % Hochdruckpolyethylen (Mr 21.000) und 95 % dickflüssigen Paraffin
• Vorteil: Konsistenz im Temperaturbereich von -15 °C bis +60 °C annähernd gleich
• Laut Ph.Eur. als Oleogel einzuteilen
Hydrophobe Salben → Lipogele
• Gemisch aus festen und flüssigen Triglyceriden
• Eigenschaften werden durch Kettenlängen und Anzahl an ungesättigten Bindungen bestimmt
• Natürlich: Schweineschmalz (aufgrund hoher Oxidationsempfindlichkeit nur noch in Ausnahmen)
• Halbsynthetisch: Softisan 378 ®
– Gewonnen durch Umesterung
– Fettsäurereste C8-C18
• Lipogele sind polarer als Kohlenwasserstoffgele → weniger okkludierend
Wasseraufnehmende Salben
Wasseraufnehmende Salben sind wasserfreie Grundlagen, die größere Mengen Wasser aufnehmen können und damit in Abhängigkeit vom Typ des Emulgators Wasser-in-Öl-Emulsionen oder Öl-in-Wasser-Emulsionen bilden können.
Grundlagen der Wasseraufnehmenden Salben sind die der Hydrophoben Salben.
Wasseraufnehmende Salben werden auch als lipophile bzw. hydrophile Adsorptionsbasen bezeichnet.
Wasseraufnehmende Salbe + Wasser → Creme
Cremes
Cremes sind mehrphasige Zubereitungen, die aus einer lipophilen und einer wässrigen Phase bestehen. Sie entstehen durch Einarbeitung von Wasser in Wasseraufnehmende Salben. Cremes sind in der Regel emulgatorhaltige Systeme. Endprodukt ist ein emulsionsartiges System, in dem das Wasser entweder als disperse Phase (lipophile Creme) oder als kontinuierliche Phase (hydrophile Creme) vorliegt.
Lipophile Cremes (W/O)
• Geringes Kontaminationsrisiko → bei geringem Wassergehalt kann auf ein Konservierungsmittel verzichtet werden
• Wirken fettend und werden bevorzugt bei trockener Haut eingesetzt
• Zubereitungen lassen sich mit Wasser nicht abwaschen und hinterlassen Fettfilm auf der Haut
• Inkompatibilitäten v.a. mit hydrophilen amphiphilen Wirkstoffen (z.B. Polidocanol)
Lipophile Cremes – gebräuchliche offizinelle Grundlagen
Wollwachsalkoholcreme (Unguentum alcoholum lanae aq.) DAB
• Auch bekannt als Eucerin cum aqua
• Hergestellt aus Wollwachsalkholsalbe (Unguentum alcoholum lanae) DAB
– 0,5 T Cetylstearylakohol + 6 T Wollwachsalkohole + 93,5 T Vaselin
– Wasseraufnahmevermögen: 200 %
• 50 T Wollwachsalkoholsalbe + 50 T Wasser = Wollwachsalkoholcreme
Kühlcreme DAB
• Enthält keinen Emulgator
• Wasserphase ist in der Creme weitestgehend mechanisch stabilisiert → Quasiemulsion
• Wasseraustritt bei Applikation erzielt gewünschten Kühleffekt
• Instabiles System → kaum für die Einarbeitung weiterer Wirkstoffe geeignet
– Keine oberflächenaktiven Substanzen
– Ggf. Glucocorticoide möglich
• Keine Konservierung vom DAB vorgesehen → Aufbrauchfrist max. 4 Wochen
• Fertigware enthält Antioxidans (BHT oder Tocopherol)
• Zusammensetzung: 7 T Gelbes Wachs + 8 T Cetylpalmitat + 60 T Erdnussöl + 25 T Wasser
Hydrophile Cremes
• Höheres Kontaminationsrisiko → Konservierung erforderlich
• Zusatz von Feuchthaltemitteln möglich → verhindern vollständiges Verdunsten der Wasserphase nach der Applikation
– Glycerol, Propylenglycol, Sorbitol
• Häufigster Grundlagentypus → gute Verträglichkeit, nicht okklusiv
- Klassische Konservierungsmittel: Sorbinsäure, PHB-Ester, (Propylenglycol)
Hydrophile Cremes → gebräuchlich offizinelle Grundlagen
Wasserhaltige hydrophile Creme DAB (Unguentum emulsificans aquosum
DAB)
• Hergestellt aus Hydrophiler Salbe DAB
– 30 T Emulgierender Cetylstearylalkohol Typ A (Lanette N) + 35 T dickflüssiges Paraffin + 35 T weißes Vaselin
– Wird auch Lanette-Salbe genannt
– Enthält ionischen Emulgator (Na-Cetylstearylsulfat) → CAVE
Inkompatibilitäten mit kationischen Wirkstoffen
• 30 T Hydrophile Salbe DAB + 70 T Wasser = UEA
• Kann mit Wasser stark verdünnt werden, ohne zu brechen
• Wärmeanwendung destabilisiert die Zubereitung
• Kommerziell hergestellte Wasserhaltige hydrophile Creme → konserviert mit
0,1 % Sorbinsäure 24
– auch 20 % Propylenglycol → nicht mehr nach DAB
Amphiphile Cremes → Zwischenstellung
Basiscreme DAC (wichtigster Vertreter)
• Trikohärentes System: alle Phasen miteinander
verwoben → keine Unterscheidung nach Innen-
und Außenphase
• Zusammensetzung: 4 T Glycerolmonostearat 60 +
6 T Cetylalkohol + 7,5 T mittelkettige Triglyceride +
25,5 T weißes Vaselin + 7 T Macrogol-20-
glycerolmonostearat + 10 T Propylenglycol + 40 T
Wasser
• Einarbeitung von lipophilen und hydrophilen
Bestandteilen möglich
• Durch Propylenglycol ausreichend konserviert
– Bei Verdünnung mit Wasser muss nachkonserviert werden
Allgemeine Herstellanweisung - Grundlagen
1. 2. Einwiegen aller Bestandteile in eine Fantaschale
Schmelzen der Bestandteile (ca. 50-70 °C)
3. Kaltrühren
Allgemeine Herstellanweisung - Grundlagen Cremes
1. Einwiegen von lipophilen Komponenten und Emulgatoren in eine Fantaschale
2.Schmelzen der Bestandteile (ca. 50-70 °C)
3.Einwiegen der hydrophilen Komponenten und Wasser in ein Becherglas, ggf.
auf gleiche Temperatur erwärmen wie die Schmelze
4. Einarbeitung der wässrigen Phase bei gleicher Temperatur
5. Kaltrühren
6. Wasserverlust ergänzen (Tara vorher notieren → Inprozesskontrolle)
Allgemeine Herstellanweisung – Einarbeiten von Wirkstoffen
Suspensionsalben + -cremes
1.Kristalline Arzneistoffe zerkleinern → Homogenität
2.Arzneistoff sieben (180) und abwiegen
3.Arzneistoff vorlegen und mit kleinem Anteil der Grundlage anreiben
4.Ansatz anteilsweise mit restlicher Grundlage verdünnen („Aufstocken“) und homogenisieren → häufiges Abschaben
5. Ggf. Dreiwalzenstuhl zur Zerkleinerung von Pulveragglomeraten (bei hohem Feststoffanteil)
Lösungssalben sowie Lösungscremes (feste Arzneistoffe)
1. Kristalline Arzneistoffe zerkleinern und sieben → schnelleres Lösen
2. Arzneistoff abwiegen
3. Arzneistoff vorlegen und mit kleinem Anteil der Grundlage verarbeiten
4. Ansatz anteilsweise mit restlicher Grundlage vermengen
Bei Herstellung der Grundlage, können Arzneistoffe auch gleich eingearbeitet werden, wenn diese hitzestabil sind (CAVE: Harnstoff)
Allgemeine Herstellanweisung – Inprozesskontrollen
• Rückwägung der Wägeunterlage
• Farbe einer Anreibung oder einer halbfesten Zubereitung
• Gleichmäßiges Aussehen
• Abwesenheit von Agglomeraten, Aggregaten und Klumpen
• Durchschmelzen eines Ansatzes
• Klarheit, Opaleszenz, Trübung, Farblosigkeit oder Farbe der Flüssigkeit
• Ergänzung des Wasserverlustes
Verpackung
• Primärpackmittel: Tuben, in der Apotheke auch Spenderdosen
– Kruken sollten aufgrund der hohen Kontaminationsgefahr vermieden werden → Ausnahme sehr hohe Konsistenz
• Chemische Kompatibilität ist zu berücksichtigen
– Keine Konststoffbehälter bei Macrogolsalben → können Kunststoffe anlösen
Prüfung von Salben/ Cremes nach Ph. Eur.
• Entnehmbare Masse oder entnehmbares Volumen (2.9.28)
• Sterilität (2.6.1)
• Viskosität
• pH-Wert
• Prüfung der Konsistenz durch Penetrometrie (2.9.9)
• Emulsionstyp
• Emulsionsstabilität: Tröpfchengrößenverteilung
• Partikelgröße von suspendierten Stoffen
• Wassergehalt
• Wasserzahl (für wasserfreie Grundlagen)
• Ölzahl
Emulsionstyp
- Leitfähigkeit
- Färbemethode
- Verdünnbarkeit
Pasten
Pasten sind halbfeste Zubereitungen zur kutanen Anwendung und enthalten in der Grundlage große Anteile von fein dispergierten Pulvern. Der Feststoffanteil beträgt dabei üblicherweise 30-50 %, wird im Arzneibuch jedoch nicht genau
definiert, um Pasten von Suspensionssalben zu unterscheiden. Pasten können dilatantes und rheopexes Fließverhalten zeigen.
Hydrophile Pasten
– Feststoff feinverteilt in Hydrogel
– Seltener vertreten als hydrophobe Pasten
Hydrophobe Pasten
– Enthalten meist anorganische Feststoffe (z.B. Zinkoxid) oder eventuell auch Stärke
– Abdeckende Wirkung vordergründig
Allgemeine Herstellanweisung
1.Feste Arzneistoffe zerkleinern (Grund: Homogenität in der Grundlage)
2.Arzneistoff sieben und anschließend wiegen
3.Arzneistoff vorlegen und mit geringen Mengen der Grundlage anreiben
4.Restliche Grundlage ergänzen und homogenisieren
5.Zubereitung mit dem Dreiwalzenstuhl verarbeiten (zur Zerkleinerung von Pulveragglomeraten)
6. Verpacken
7. Etikettieren
Gele
Gele sind Zubereitungen, die aus einer gelierten Flüssigkeit bestehen. Gele
werden mit Hilfe geeigneter Quellmittel hergestellt.
Lipophile Gele
Grundlagen bestehen üblicherweise aus dickflüssigem Paraffin mit Zusatz von Polyethylen oder aus fetten Ölen, die durch Zusatz von hochdispersem Siliciumdioxid, Aluminium- oder Zinkseifen geliert werden
Hydrophile Gele
– Grundlagen bestehen üblicherweise aus Wasser, Glycerol oder
Propylenglycol, die mit einem geeigneten Quellstoff (z.B. Poloxameren, Stärke, Cellulosederivaten, Carbomeren oder Magnesium-Aluminium-Silicaten) geliert werden
Struktur von Gelen
• Bikohärente Systeme,
• Gegenseitige Durchdringung
• Keine Phasentrennung sichtbar- einphasige Systeme
• Struktur wird vom geometrischen Aufbau und Eigenschaften der dispergierten Phase bestimmt
Vorteile Nachteile
Vorteile
• Verdunstung der flüssigen Komponente → kühlender Effekt
• Leicht aufzutragen und zu verteilen
Nachteile
• Austrocknungsgefahr bei hohem Wassergehalt
• Mikrobiologisch anfällig (hoher Wasseranteil)
• Synäresegefähr während der Lagerung
• Z.T. lange Gelbildungszeiten
Übersicht der hydrophilen Gelbildner
Polyacrylsäure (Carbomer)
• Chemische Strukturformel
Herstellhinweise
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