(Folie 5) Was verrät die Statistik 2021/22 über die „Gender-Gap“ bei der Studienwahl in MINT- vs. Sozial-Fächern?
Es zeigt sich eine deutliche geschlechtsspezifische Aufteilung:
• Männer: Dominieren stark in Ingenieurwissenschaften (40 % vs. 10 % bei Frauen).
• Frauen: Überwiegen deutlich in Geisteswissenschaften sowie Kunst/Kunstwissenschaft.
• Details merken: Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sind bei beiden Geschlechtern ähnlich beliebt (M: 32 %, F: 44 %).
(Folie 6) Wenn man die „Top 3“ Ausbildungsberufe (2016) vergleicht: Wo liegen die Welten zwischen Männern und Frauen?
Die Wahl fällt fast gegensätzlich aus:
• Männer: Fokus auf Technik/Handwerk (Kfz-Mechatroniker, Industriemechaniker, Elektroniker).
• Frauen: Fokus auf Kaufmännisches/Dienstleistung (Kauffrau Büromanagement, Med. Fachangestellte, Einzelhandel).
(Folie 8) Welche vier psychologischen Grundströmungen lassen sich den großen Berufswahl-Modellen zuordnen?
Man unterscheidet nach dem psychologischen Fokus:
1. Differentialpsychologisch: Passung Individuum ↔ Umwelt (Holland).
2. Entwicklungspsychologisch: Berufswahl als Prozess über das Leben (Super).
3. Handlungspsychologisch: Ziele & Lebensplanung (Abele).
4. Sozial-Kognitiv: Erwartungen & Selbstwirksamkeit (Lent).
(Folie 10-11) Was ist der Kernmechanismus im „Hexagonalen Modell“ (RIASEC) von Holland?
Das Prinzip der Kongruenz (Passung).
• Menschen suchen Umwelten, die zu ihrem Persönlichkeitstyp passen.
• Eine hohe Übereinstimmung führt zu höherer Arbeitszufriedenheit und stabilerer Karriere.
(Folie 11) Wofür steht das Akronym RIASEC in Hollands Modell?
Es steht für die 6 Interessentypen:
• Realistic (handwerklich-technisch)
• Investigative (untersuchend-forschend)
• Artistic (künstlerisch-kreativ)
• Social (erziehend-pflegend)
• Enterprising (führend-verkaufend)
• Conventional (ordnend-verwaltend)
(Folie 12) Führt eine hohe Interessen-Passung (Kongruenz) nach Holland automatisch zu mehr Leistung?
Nein, nicht zwingend.
• Kongruenz steigert vor allem die Zufriedenheit und das Wohlbefinden.
• Der Zusammenhang mit der objektiven Leistung ist eher gering.
(Folie 13) In welchen zwei RIASEC-Bereichen unterscheiden sich Männer und Frauen am stärksten (Effektstärken)?
Die Schere geht hier weit auseinander:
• Männer: Sehr hohe Werte bei Realistic (Dinge/Technik, d=0,84).
• Frauen: Stärkere Ausprägung bei Social (Menschen/Helfen, d=-0,68).
• Hinweis: Bei „Enterprising“ (Unternehmerisch) gibt es fast keinen Unterschied.
(Folie 15) Wie unterscheidet sich Donald Supers „Laufbahnmodell“ grundlegend von Hollands Typen-Ansatz?
Super sieht Berufswahl nicht als punktuelles Ereignis, sondern als kontinuierlichen Entwicklungsprozess.
• Zentral ist die Entwicklung eines Selbstkonzeptes.
• Präferenzen und Kompetenzen ändern sich über die Lebensspanne.
(Folie 17) Welche Phase in Supers 5-Stufen-Modell ist für junge Erwachsene (15–25 Jahre) entscheidend?
Die Stufe der Exploration.
• Hier werden verschiedene berufliche Bedingungen erkundet und ausprobiert.
• Davor liegt das „Wachstum“, danach folgt die „Festlegung“ (ab 25 Jahren).
(Folie 19) Was ist das Besondere am „Modell der Lebensplanung“ von Abele im Vergleich zu reinen Berufsmodellen?
Es betrachtet Beruf UND Privatleben gemeinsam.
• Es geht um die Wechselwirkung von beruflichen und privaten Zielen/Erwartungen.
• Beide Bereiche beeinflussen die Zufriedenheit und Entwicklung („Work-Life-Interaction“).
(Folie 21) Welche zwei Erwartungs-Typen steuern im Sozial-kognitiven Modell (Lent) unser Handeln?
1. Selbstwirksamkeitserwartung (SWE): „Kann ich das tun?“ (Traue ich mir die Handlung zu?).
2. Ergebniserwartung: „Was passiert, wenn ich es tue?“ (Welche Folgen hat die Handlung?).
• Wichtig: Man kann wissen, dass eine Handlung zum Erfolg führt (Ergebnis), sie aber trotzdem nicht tun, weil man es sich nicht zutraut (SWE).
(Folie 22-23) Welche Rolle spielen „Persönliche Ziele“ im Modell von Lent?
Ziele fungieren als Motor für das Handeln.
• Sie unterteilen sich in Choice Goals (Absicht, etwas zu tun, z.B. Studium wählen) und Performance Goals (Leistungsziel, z.B. gute Note).
• Ziele werden aber auch immer wieder an die eigene Selbstwirksamkeit angepasst (Feedback-Schleife).
(Folie 28) Welche zwei gegensätzlichen Mechanismen prägen laut Folie den Berufsweg?
Es ist ein Zusammenspiel aus:
1. Selektion: Auswahlprozesse (z. B. Selbstselektion durch den Bewerber oder Fremdselektion durch die Firma).
2. Sozialisation: Die Prägung und Anpassung des Menschen an die Arbeitswelt.
(Folie 28) In welchen drei Phasen läuft die „Sozialisation“ im Berufsleben ab?
Sie verläuft chronologisch:
1. Vorberufliche Sozialisation: Findet in Familie und Schule statt (endet mit Berufswahl).
2. Sozialisation für den Beruf: Geschieht während der Ausbildung.
3. Sozialisation durch den Beruf: Passiert durch die spätere Arbeitstätigkeit und Organisation.
(Folie 29) Wenn man Berufswahl als „Problemlöseprozess“ betrachtet: Welche Schritte gehören dazu?
Der Prozess umfasst 5 Schritte:
• Orientierung
• Exploration
• Lösungsfindung
• Entscheidung
• Evaluation
(Folie 30) Was sind die drei Dimensionen der „Exploration“ (Erkundung) bei der Berufswahl?
1. Internale Exploration: Blick nach innen (eigene Interessen, Fähigkeiten).
2. Externale Exploration: Blick nach außen (Gespräche, Firmenbesuche, Broschüren).
3. Planfülle: Wie systematisch und zielgerichtet suche ich nach Infos?.
(Folie 32) Vergleich „Gestern vs. Heute“: Wie hat sich das klassische Karrieremuster verändert?
Ein radikaler Wandel der Strukturen:
• Gestern: Vertikaler Aufstieg (Karriereleiter), Sicherheit, Loyalität zur Firma.
• Heute: Horizontale Wechsel, Patchwork-Biographien, Eigenverantwortung für die Beschäftigungsfähigkeit („Employability“).
(Folie 33) Was versteht man unter dem „Proteischen Laufbahnmodell“?
Benannt nach dem wandlungsfähigen Meeresgott Proteus:
• Die Verantwortung liegt beim Individuum, nicht bei der Organisation.
• Die Laufbahn wird autonom nach eigenen Werten und Interessen gestaltet.
• Erfordert hohe Anpassungsfähigkeit (Self-Management).
(Folie 35) Welche drei zentralen Säulen umfasst die „Beratungspraxis“ zur Berufswahl?
Berater unterstützen durch:
1. Vermittlung von Kenntnissen: Über die Arbeitswelt (Anforderungen, Branchen) und die eigene Person (Kompetenzen, Ziele).
2. Abbau von Barrieren.
3. Aufbau von Selbstwirksamkeitserwartung (Mut zusprechen).
(Folie 36) Welche Trends prägen die heutige Berufswahl und müssen in der Beratung beachtet werden?
• Zunehmende Eigenverantwortung und Eigeninitiative.
• Notwendigkeit für Lebenslanges Lernen.
• Biografien mit vermehrtem Umorientieren und Brüchen.
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