Was sind Emotionen?
Physische und mentale Zustände, die mit neurophysiologischen Veränderungen assoziiert sind
Kurzfristige, adaptive Reaktionsmuster, die sich auf mehreren Ebenen manifestieren:
Subjektives Erleben (Gefühl) -> bewusstes emotionales Erleben als Ganzes
Kognitive Bewertung (Appraisal) -> kognitive Ebene, Geschichte die ich mir erzähle, sprachliche Interpretation
Physiologische Aktivierung
Ausdruck (Mimik, Stimme)
Handlungstendenzen/ Motivation (Annäherung vs. Vermeidung)
Es gibt keinen wissenschaftlichen Konsens zur Definition
Wie lassen sich Emotionen klassifizieren?
Basis-/Primäremotionen
Trauer, Wut, Angst, Ekel, Überraschung, Freude
Universell bzw. kulturübergreifend
Teilweise in anderen Spezies vorkommend
Sekundäremotionen
Entstehen erst durch kognitive Bewertung (Appraisal), sind also abstrakter bzw. komplexer
Bsp.: Nostalgie, Sehnsucht, Eifersucht, Rachsucht
Dimensionen in denen sich Emotionen einordnen lassen:
Angenehm vs. Unangenehm
Erregend vs. Entspannend (Arousal)
Dominanz vs. Unterlegenheit
Wie ist der Zusammenhang zwischen Emotionen und Gesichtsausdruck?
James-Lange-Theorie:
Physiologische Veränderungen (z.B. Weinen) führt zur Emotion
Starke Version der Theorie: Komplette Kontrolle der physiologischen Merkmale über subjektive Emotionen —> Physiologie = Emotion
Schwache Version: Physiologische Merkmale können die Emotion modulieren —> Physiologie erklärt Emotion teilweise
Botox-Studie: In fMRT-Studie, bei Nachahmung von wütendem Gesichtsausdruck, weniger Aktivierung in der Amygdala als in Kontrollen (Hennenlotter et al., 2009)
Welche Rolle spielt die Amygdala beim Lernen von Assoziationen?
Gelernte Assoziation von neutralem Stimulus & Angst (z.B. Luftballons): Klassische Konditionierung
Amigdala-Läsionsstudien in Mäusen:
Assoziationen zwischen neutralem Stimulus & Angst werden nicht gelernt
Wenn die Läsion nach dem Lernen durchgeführt wird, kommt die Assoziation abhanden
In Menschen mit Läsion in Amygdala:
Keine physiologischen Indikatoren für Stress bei einem konditionierten Reiz
Aber Verbalisierung: ”Beim blauen Quadrat bekomme ich einen Elektroschock
Welche Rolle spielt die Insula bei der Verarbeitung von Gefühlen?
Komplexe Rolle:
Bewusste Wahrnehmung von Emotionen
Aktivierung bei emotionalen vs. neutralen Erinnerungen
Ekel: Bei Läsion, Schwierigkeiten bei Erkennung von Ekel in Gesichtsausdrücken, Stimme
Moraler “Ekel” —> nicht der physische, basale Ekel zum Schutz vor Infektionen, sondern Ekel der durch das Überschreiten sozialer Normen ausgelöst wird (kognitive Abwertung)
Welche Rolle spielt der orbitofrontale Kortex bei der emotionalen Bewertung?
OFC als Bewertungs-/ Entscheidungsareal
Extinction: Ein Reiz, der vorher mit Belohnung verbunden wurde, ist nicht mehr belohnend (z.B. zu viel Schokolade) →Reversal learning beeinträchtigt bei Läsion
Top-Down Effekte:
Wein-Studie: Derselbe Wein mit verschiedenen ausgedachten Preisen wird bewertet
Verhaltensdaten: Weine werden als mehr angenehm beschrieben, wenn man denkt, dass der Preis höher ist
fMRT-Daten: Unterschied in der wahrgenommen Annehmlichkeit
korreliert mit Aktivierung in Orbitofrontaler Kortex
Inwiefern sind Geruchssinn und Emotionen miteinander verbunden?
Anatomische Nähe der Primary Olfactory Cortex zu den Strukturen der Emotionsverarbeitung
Höhere Rate von Depression bei PatientInnen mit Anosmia (Minderung oder vollständiges Fehlen der Geruchswahrnehmung) (Soudry et al., 2011)
Stärkere emotionale Assoziationen mit Geruch als mit anderen Modalitäten (Herz et al., 2004)
Welche neuronalen Korrelate für die Emotionserkennung gibt es?
Kein einzelnes neuronales Korrelat für Emotionserkennung
Superior Temporal Sulcus (fMRT-Studien)
Amygdala, Insula (Läsionsstudien)
Haxby (2000):
Zeit-invariante Aspekte, z.B. Identität → Fusiform Face Area
Zeit-variante Aspekte: z.B. Gefühle, Intentionen → Distribuiert
Was sagt die Simulationstheorie im Kontext der Emotionsforschung aus?
Simulationstheorie
Wir erkennen Emotionen in Gesichtern, indem wir dieselbe Emotion bei uns aktivieren
Co-Aktivierung der sensomotorischen Areale
Evidenz:
Electromyographie: Aktivierung von Gesichtsmuskulatur bei entsprechenden visuell präsentierten Gesichtern (auch bei unterbewusster Wahrnehmung)
Kugelschreiber zwischen Zähnen halten (”Lächeln”, s. Folie 4) beeinträchtigt die Identifizierung von Glück in Ausdrücken
Botox beeinträchtigt Identifizierung von Gesichtsausdrücken
Welche Rolle spielt die Identifikation der Blickrichtung bei der Emotionserkennung?
Eye direction detector (Baron-Cohen)
Angeborene Fähigkeit, Augenkontakt wahrzunehmen (Babies, Affen)
Basis für Verständnis der Interaktionen zwischen Menschen und Objekten
“Mama sieht Papa”
”Papa sieht das Eis”
“In welche Richtung schaut dieses Gesicht?” → Aktivierung von Superior Temporal Sulcus, nicht Fusiform Face Area
Was drückt die Theory of Mind aus?
Die Fähigkeit, mentale Zustände eines Anderen als Ursache für die Handlungen zu verstehen
Beeinträchtigt in Kindern mit Autismus
Neuronale Korrelate:
Superior Temporal Sulcus
Amygdala
Was ist die Jingle-Jangle Fallacy?
Wenn zwei verschiedene Konzepte unter demselben Namen beschrieben werden (Jingle) oder zwei identische oder stark überlappende Konzepte mit verschiedenen Namen (Jangle)
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