(Folie 4) Was zeigt die Alterspyramide für 1950 vs. 2050 – wie verändert sich die Bevölkerungsstruktur?
Die Grafik zeigt eine Verschiebung der Altersstruktur in der EU:
• 1950: breite Basis → viele junge Menschen
• 2050: deutlich breitere oberen Altersgruppen → mehr ältere Menschen
➜ Die Bevölkerung wird insgesamt älter
(Quelle: Eurostat, demo_pjan und proj_tbp_pop)
(Folie 5) Welche drei Hauptursachen nennt die Folie für den demographischen Wandel?
Der demographische Wandel beruht auf:
• Anhaltend niedrige Fruchtbarkeitsziffern
• Hohe Lebenserwartung
• Alternde geburtenstarke Jahrgänge
➜ Prognose: 2050 ist jede dritte Person 60+
(Folie 6) Wie hat sich die Erwerbstätigenquote der 55–64-Jährigen zwischen 2002 und 2018 entwickelt?
Die Grafik zeigt einen kontinuierlichen Anstieg:
• Männer: deutlicher Anstieg
• Frauen: ebenfalls Anstieg
• Insgesamt: steigende Beschäftigungsquote
➜ Ältere Menschen bleiben zunehmend länger erwerbstätig
(Folie 7) Was zeigt der Ländervergleich 2021 zur Erwerbstätigkeit 55–64-Jähriger?
Die Balkengrafik zeigt:
• Unterschiede zwischen europäischen Ländern
• Unterschiede zwischen Männern und Frauen
➜ Erwerbstätigenquote variiert stark zwischen Ländern
(Folie 10) Ab wann gilt man als „alt“ – und warum gibt es keine einheitliche Grenze?
Die Folie unterscheidet drei Perspektiven:
• Wissenschaftlich: > 55 Jahre (IAB)
• Praktisch: > 45 Jahre (Bundesagentur für Arbeit) → schwer vermittelbar
• Rechtlich: > 67 Jahre (Renteneintritt)
➜ „Alt“ ist definitionsabhängig
(Folie 11) Welche fünf Definitionen von „Alter“ unterscheidet das Modell?
Die Grafik nennt:
• Chronologisches Alter
• Funktionales Alter
• Psychosoziales Alter
• Organisationales Alter
• Lebensspannenalter
➜ Alter ist mehrdimensional definiert
(Folie 12) Welche physiologischen Fähigkeiten nehmen mit dem Alter ab?
Genannt werden:
• Reaktionsgeschwindigkeit
• Wahrnehmungsfähigkeit (Hören, Sehen)
• Kraft & Ausdauer
• Gleichgewichtssinn
• Beweglichkeit
Wichtig:
Bei normalem Alterungsprozess sind die Abbauprozesse bis 60 Jahre gering und reichen für die meisten Tätigkeiten aus.
(Folie 13) Welche kognitiven Veränderungen treten im Alter auf?
Eingeschränkt sind:
• Merkfähigkeit
• Auffinden von Informationen
• Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung
Gegenläufig:
• Abnahme fluider Intelligenz
• Zunahme kristalliner Intelligenz
Bis ca. 60–65 Jahre nicht bedeutsam für Arbeitsaufgaben (bei normalem Alterungsprozess).
(Folie 14) Wie stark hängen Alter und Arbeitsleistung tatsächlich zusammen?
Ergebnisse:
• Korrelationen reichen von –.44 bis .66
• Metaanalysen: r = .06 (sehr geringer Zusammenhang)
Abhängig von Messart:
• Objektive Kriterien → positiver Zusammenhang
• Subjektive Einschätzungen → negativer Zusammenhang
➜ Zusammenhang abhängig von Art der Aufgabe
(basale Fähigkeiten vs. Erfahrung)
(Folie 15) Welche Kernaussage transportiert die Karikatur zu Alter & Leistung?
Die Zeichnung zeigt:
• Eine ältere Person im Rollstuhl
• Aussage: „Ich hab nen schwarzen Gürtel in Erfahrung und Effizienz. Das hilft!“
➜ Erfahrung und Effizienz können Leistungsanforderungen kompensieren
(Folie 16) Welche drei Strategien umfasst das SOK-Modell?
Das SOK-Modell (Baltes & Baltes, 1989) besteht aus:
Selektion
Optimierung
Kompensation
➜ Ziel: Umgang mit Verlusten zielbezogener Mittel
(Folie 16) Was bedeutet elektive vs. verlustbasierte Selektion?
Elektive Selektion:
• Bildung & Auswahl von Zielen
• Ausbildung eines Zielsystems
• Zielverpflichtetheit
Verlustbasierte Selektion:
• Rekonstruktion des Zielsystems
• Bildung neuer Ziele
• Anpassung des Zielstandards
• Fokussierung auf wichtigstes Ziel
(Folie 16) Wodurch zeichnet sich Optimierung im SOK-Modell aus?
Optimierung umfasst:
• Erwerb neuer Fertigkeiten/Ressourcen
• Übung & Anstrengung
• Investieren von Zeit
• Aufmerksamkeitsfokussierung
• Modellierung erfolgreicher anderer
• Selbst-Motivierung
(Folie 16) Wie funktioniert Kompensation im SOK-Modell?
Kompensation bedeutet:
• Einsatz substitutiver Fertigkeiten/Ressourcen
• Mobilisierung latenter Reserven
• Vermehrte Übung & Zeitinvestition
• Gebrauch externer Hilfen
• Therapeutische Intervention
(Folie 17) Wie zeigt sich Selektion im Pflege-SOK-Fragebogen?
Beispiele:
• „Ich erledige immer zuerst die wichtigsten Aufgaben“
• „Ich beginne erst eine neue Aufgabe, wenn die vorherige erledigt ist“
• „Ich konzentriere mich auf die Aufgaben, auf die es ankommt“
➜ Fokus auf Wichtiges priorisieren
(Folie 18) Wie wird Optimierung im Pflege-SOK-Fragebogen operationalisiert?
• „Ich halte mich fit“
• „Ich informiere mich ständig über aktuellen Stand des Fachwissens“
• „Ich nutze rückenschonende Hebe- und Tragetechniken“
➜ Aktiver Kompetenzerhalt und -ausbau
(Folie 19) Wie zeigt sich Kompensation im Pflege-SOK-Fragebogen?
• Unterstützung von Kolleg*innen holen
• Nutzung von Hebe- oder Tragehilfen
• Arbeit so organisieren, dass Belastungen ausgeglichen werden
➜ Einsatz externer Unterstützung & Anpassung
(Folie 20) Wie unterscheidet sich die Weiterbildungsbereitschaft zwischen Altersgruppen?
• 35–49-Jährige: 31 % bilden sich weiter
• 50–65-Jährige: 17 %
Zusatz:
• Ältere bevorzugen andere Ausbildungsinhalte
• Frage: fehlende Motivation oder fehlende Angebote?
(Folie 21) Was ist die Selektionsfalle bei Altersstudien?
Selektionsfalle:
• Leistungsgeminderte sind bereits in Frührente
• → „Healthy Worker Effekt“
➜ Verbleibende Ältere sind systematisch leistungsfähiger
(Folie 21) Was bedeutet Generalisierungsfalle?
Generalisierungsfalle:
• Prognosen über zukünftige Ältere
• basierend auf heutigen Älteren
Problem:
Zukünftige Generationen haben andere Lebens- & Umweltbedingungen
(Folie 21) Was beschreibt die Kriterienfalle?
Kriterienfalle:
Beispiel: Briefe schreiben
• Ältere: weniger Anschläge/Minute
• Aber: bessere Gesamtleistung
➜ Leistung hängt vom gewählten Kriterium ab
(Folie 22) Wie sollten Arbeitstätigkeiten gestaltet werden, damit sie für alle Altersstufen zumutbar sind?
Die Folie nennt vier Gestaltungsprinzipien:
Tätigkeitsspielräume gestalten
Planende, disponierende Aktivitäten übertragen
Inhaltliche Flexibilität sichern
Soziale Integration
➜ Ziel: Arbeitsbedingungen altersübergreifend zumutbar gestalten
(Folie 22) Welche flexiblen Arbeitszeitstrukturen werden empfohlen?
Häufigere, individuell nutzbare Kurzpausen
Arbeitszeitverkürzungen
Flexiblere Ruhestandsregelungen
Teilzeitarbeitsverhältnisse
➜ Anpassung der Arbeitszeit an altersbezogene Bedürfnisse
(Folie 23) Welche Arbeitsbedingungen gelten als kontraindiziert für ältere Arbeitnehmer?
Die Folie nennt:
Arbeit unter Zeitdruck
Zwang zu hoher Bewegungsgeschwindigkeit
Steuer- und Kontrollaufgaben mit hohen Vigilanzanforderungen
Mehrschichtarbeit
Hohe Akkommodationsanforderungen an die visuelle Wahrnehmung
(Bamberg et al., 2012)
(Folie 25) Wann spricht man laut Definition von einer „Gruppe“?
Eine Gruppe ist:
Mehrzahl von Personen
Über längere Zeit
In direktem Kontakt
Mit ausdifferenzierten Rollen
Mit entwickelten Normen
Mit Kohäsion (Wir-Gefühl)
(Folie 26) Was ist Gruppenkohäsion und wovon hängt sie ab?
Gruppenkohäsion = Ausmaß wechselseitiger positiver Gefühle
→ Mitglieder sprechen von „Wir“
Abhängig von:
• Gemeinsamen Motiven
• Attraktivität des Ziels
• Erwartung, das Ziel zu erreichen
• Vorerfahrungen mit Gruppen
(Folie 27) Welche Funktionen erfüllen Normen in Gruppen?
Normen sind:
• Regeln für Verhalten in bestimmten Situationen
• Regeln für Denken & Handeln
• Grundlage gemeinsamer Kommunikation & Kooperation
Funktion:
• Verhalten ist vorhersehbar
• Personen wissen, wie sie sich verhalten sollen
• Abweichungen werden bestraft
(Folie 28) Welche fünf Phasen der Gruppenentwicklung unterscheidet Tuckman?
Forming – Kennenlernen, Orientierung
Storming – Konflikte, Widerstände
Norming – Gemeinsame Normen, Akzeptanz
Performing – Leistungsfähigkeit
Adjourning – Auflösung & Abschied
(Tuckman, 1965)
(Folie 29) Was zeigt die Grafik zur Gruppenleistung in Abhängigkeit von Gruppenzugehörigkeit?
Die Streudiagramm-Grafik zeigt:
• Zusammenhang zwischen Dauer der Gruppenzugehörigkeit (Jahre)
• und Leistung der Projektgruppen
(Nerdinger et al., 2008)
(Folie 30) Warum kann allein die Anwesenheit anderer die Leistung steigern?
Die Folie beschreibt:
• Anwesenheit anderer (mere presence)
→ erhöht Anstrengung und Leistungsfähigkeit
• Gilt besonders bei geübten Aufgaben
Begriff: Social Facilitation
(Folie 30) Wann steigern Personen ihre Leistung, obwohl andere wenig beitragen?
Voraussetzungen:
• Eigener Beitrag hat Effekt auf Gruppenleistung
• Andere können nur wenig beitragen
• Gruppenaufgabe ist bedeutsam
Begriff: Social Compensation
(Folie 30) Wie beeinflusst Identifikation mit der Gruppe die Leistung?
• Identifikation mit der Gruppe
→ Steigerung der eigenen Leistung
• Beispiel: Wettbewerbssituation
Begriff: Social Labouring
(Folie 31) Was versteht man unter Social Loafing?
• Unbewusste Reduktion der individuellen Leistung im Team
Begriff: Social Loafing
(Folie 31) Was ist der Free-Rider-Effekt?
• Bewusste Zurücknahme eigener Anstrengung
• Grund: Eigener Einsatz erscheint nicht notwendig für Gruppenziel
Begriff: Free Rider
(Folie 31) Was beschreibt der Sucker-Effekt?
• Reduktion eigener Anstrengung als Protest gegen „faule“ Mitglieder
• Ziel: Gerechtigkeit herstellen
Begriff: Sucker-Effekt
(Folie 31) Wie wirkt Social Anxiety im Team?
• Bei ungeübten, komplexen Tätigkeiten
• Zuschauer können individuelle Leistung hemmen
• Angst, sich zu blamieren
Begriff: Social Anxiety
(Folie 31) Was bedeutet Soldiering?
• Reduktion eigener Anstrengung
• Als Protest gegen überhöhte Anforderungen von außen
Begriff: Soldiering
(Folie 32) Was ist Groupthink laut Janis (1972)?
Groupthink ist ein:
• Denkmodus in hoch kohäsiven Gruppen
• Bemühen um Einmütigkeit übertönt
• Motivation, alternative Wege realistisch zu bewerten
➜ Kritische Bewertung wird unterdrückt
(Folie 33) Welche Bedingungen begünstigen laut Modell Groupthink?
Die Grafik zeigt u.a.:
• Hohe Gruppenkohäsion
• Strukturelle Fehler der Organisation
• Provozierende situative Kontexte
→ führen zu Konsensus-Fehlern im Entscheidungsprozess
(Nerdinger et al., 2018)
(Folie 35) Welche zwei Arten von Diversitätsmerkmalen unterscheidet die Folie?
Es werden zwei Dimensionen unterschieden:
Aufgabenrelevante Merkmale
Beziehungsrelevante Merkmale
Zusätzlich:
• Offensichtliche Kriterien
• „Verborgene“ Kriterien
(Landy & Conte, 2010)
(Folie 35) Welche Beispiele nennt die Folie für aufgabenrelevante Merkmale?
Genannt werden u.a.:
• Abteilung
• Organisationszugehörigkeit
• Titel / Position
• Qualifikation
• Wissen / Erfahrung
• Kognitive Fähigkeiten
• Physische Fähigkeiten
(Folie 35) Welche Beispiele nennt die Folie für beziehungsrelevante Merkmale?
• Geschlecht
• Sozioökonomischer Status
• Alter
• Ethnie / Herkunft
• Religion
• Politische Einstellungen
• Nationale Herkunft
• Sexuelle Orientierung
• Gender
• Einstellungen / Werte
• Persönlichkeit
• Identität
(Folie 36) Wie wirkt beziehungsbezogene Diversität auf die Teamleistung?
Metaanalyse (Joshi & Roh, 2009):
• Negativer Effekt auf Teamleistung
Beziehungsbezogene Diversität umfasst:
Geschlecht, Alter, Ethnie/Herkunft
(Folie 36) Wie wirkt aufgabenbezogene Diversität auf Leistung und Innovation?
Metaanalysen zeigen:
• Positiver Effekt auf Gruppenleistung
• Positiver Effekt auf Innovation
(Hülsheger et al., 2009)
(Folie 37) Was sagt die Theorie der sozialen Informationsverarbeitung zu Diversität?
• Heterogene Teams profitieren von Informationen & unterschiedlichen Perspektiven
• Besonders wirksam für Problemlösefähigkeit
(Van Dick et al., 2008)
(Folie 37) Was sagt die Theorie der sozialen Identität zu Diversität?
• Mitglieder heterogener Teams identifizieren sich weniger mit der Gruppe
• Es entstehen mehr Konflikte
• Wirkung abhängig von Diversitätsüberzeugungen
(Folie 38) Welche Prozesse zeigt das Modell zu Altersdiversität in Teams?
Die Grafik zeigt:
• Age diversity in teams
• Einfluss von Age Salience
• Positives vs. negatives Teamklima
• Emotionale vs. kognitive Konflikte
• Auswirkungen auf Group Effectivity
(Wegge et al., 2012)
(Folie 39) Wann zeigen altersdiverse Teams bessere Leistungen?
• Bei komplexen Aufgaben
Empfehlungen:
• Komplexe Aufgaben ohne Zeitdruck
• Reduktion der Salienz von Altersunterschieden
• Förderung der Wertschätzung von Diversität
• Positives Teamklima
• Altersdiskriminierung reduzieren
• Altersdifferenzierte Führung
(Folie 40) Was ist Diversity Management laut Definition?
Diversity Management ist ein Management-Ansatz, der darauf abzielt:
• Potentielle Vorteile der Vielfalt zu maximieren
• Potentielle Nachteile zu minimieren
Dies geschieht durch:
• Ganzheitliche, positive Berücksichtigung
• Anerkennung und Wertschätzung der Vielfalt
(Cox, 1993 zit. nach Watrinet, 2007)
(Folie 41) Auf welchen drei Ebenen setzt Diversity Management an?
Organisationsentwicklung
Individualentwicklung
Gruppen-/Teamentwicklung
(Watrinet, 2007)
(Folie 41) Welche Maßnahmen gehören zur Organisationsentwicklung im Diversity Management?
• Unternehmenskultur
• Arbeitskonzepte (z.B. Home Office, Gleitzeiten, Lebenszeitmodelle)
• Strategie
• Struktur
(Folie 41) Welche Maßnahmen betreffen Individual- und Teamentwicklung?
Individualentwicklung:
• Empathische Kommunikation
• Ambiguitätstoleranz
• Umgang mit Wahrnehmungen
• Sicherheit im Umgang mit sich selbst
Gruppen-/Teamentwicklung:
• Adaptive PE-Maßnahmen
• Tandempartnerschaften
• Mentoring-Programme
• Gesundheitsförderung
(Folie 42) Welches Problem zeigen Studien zu Bewerbungsverfahren?
• Bewerber*innen mit ausländischem Namen
→ werden seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen
(Bertrand & Mullainathan, 2004; Carlsson & Rooth, 2007; Kaas & Manger, 2010)
(Folie 42) Wie wirken anonymisierte Bewerbungen?
Modellprojekt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes:
• Bewerbungen ohne Foto, Geschlecht, Alter
→ erhöhen Wahrscheinlichkeit der Einladung
für Bewerber*innen mit ausländischem Namen
(Folie 44) Welche Bedingungen gelten als ungünstig für den Übergang in den Ruhestand?
• Übergang aus der Erwerbslosigkeit
• Zwang zum Austritt (Zwangs-Frühverrentung)
• Hohe Bindung an Arbeit, protestantische Arbeitsethik, hohe Zentralität der Erwerbsarbeit, eingeschränktes (Sozial-)Leben
• Eintritt aus gering qualifizierter Position
→ schlechtere finanzielle Lage
→ geringere Aktivitätenvielfalt
→ geringere Bewältigungskompetenz
(vgl. Lang von Wins, Mohr & von Rosenstiel, 2004)
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