Was versteht man unter der mandate und accountability-Perspektive mit Blick auf Wahlen?
• Mandate-Perspektive: Wir wählen prospektiv und beauftragen ‚gute‘ PolitikerInnen ‚gute Politik‘ umzusetzen
• Accountability-Perspektive: Wir halten PolitikerInnen für ihre Politik verantwortlich (retrospektiv)
Nennen und erklären Sie die drei unterschiedlichen Typen von Repräsentation nach Pitkin.
• Formale Repräsentation: Autorisierung
• Deskriptive Repräsentation (standing for): Repräsentant ähnelt Repräsentierten hinsichtlich relevanter Charakteristika (Geschlecht, Beruf, Einkommen, Ethnizität, Herkunft, Identität)
• Substantielle Repräsentation (acting for): Responsivität: Repräsentant handelt im Interesse der Repräsentierten
Nennen Sie die fünf Wahlrechtsgrundsetzte nach Artikel 38 des Grundgesetzes und führen Sie kurz aus, was sie bedeuten.
· Allgemein: Wahlrecht für (fast) alle Bürgerinnen und Bürger
· Gleich: „on person, one vote”
· Direkt: Unmittelbare Wirkung der Stimmen
· Frei: Wahlfreiheit
· Geheim:
Was bedeuten die Begriffe district magnitude, electoral formula und ballot structure?
• District magnitude: Anzahl Mandate pro Wahlkreis
• Electoral Formula: Mathematische Formel nach der Stimmen in Mandate umgerechnet werden (Mehrheitsregel, Verhältniswahl, Sperrklausel)
• Ballot structure: Gestaltung des Stimmzettels (Anzahl Stimmen, Wahl von Parteien oder Kadidaten, Randordnung)
Was versteht man in der Repräsentationstheorie unter dem Gegensatz von „Delegates“ und „Trustees“?
• Delegates: Abgeordnete als Beauftragte – Handeln als Sprachrohr der Wähler und setzten präzise deren Interessen und Meinungen um mit geringem eigenen Entscheidungsspielraum
• Trustees: Abgeordnete als Treuhänder – Handeln nach eigener Überzeugung und Sachkenntnis und treffen Entscheidungen im allgemeinen Interesse und sind nicht strikt an Wählermeinung gebunden
Nennen Sie ein Beispiel für einen Mikroeffekt eines Wahlsystems.
· Makro: Wahlsysteme beeinflussen die Proportionalität, das Parteiensystem und das Ausmaß von Umverteilung, eventuell sogar die Stabilität von Demokratien (vgl. Weimarer Republik) -> Bsp. Mehrheitswahlsystem führt zu zwei-Parteiensystem (Duverges Gesetz)
· Mikro: Wahlsysteme setzen Anreize (personal-vote-Anreize) für Abgeordnete sich in einer bestimmten Form zu verhalten oder begünstigen bestimmte Merkmale von Politikern -> Strategisches Wählen durch 5% Hürde (Effekt auf den Wähler) oder Fokus eines Abgeordneten auf seinen eigenen Wahlkreis (Effekt auf Abgeordneten)
Was versteht man unter einem kompensatorischen Gemischtwahlsystem?
Mehrheitswahl- und Verhältniswahlelemente kombiniert, wobei Verzerrungen aus der Mehrheitswahl durch die Verhältniswahl ausgeglichen (kompensiert) werden.
Wie entstehen Überhangmandate? Was sind Ausgleichsmandate? Was meint Zweitstimmendeckung? Was ist die Grundmandatsklausel?
· Überhangmandate ergeben sich wenn eine Partei mehr Direktmandate gewinnt, als ihr laut Zweitstimmenanteil zustehen (in einem Bundesland)
· Ausgleichsmandate gleichen Überhangsmandate aus, bis Sitzverteilung dem Verhältnis nach Zweitstimmenanteilen entspricht
· Zweitstimmendeckung: Allein das Zweitstimmenergebnis ist maßgeblich für die Sitzverteilung wodurch Überhangs- und Ausgleichsmandate wegfallen und „überzählige Wahlkreisgewinner“ entstehen können
· Grundmandatsklausel: Ausnahme von der 5%-Hürde, wenn eine Partei mindestens 3 Direktmandate gewinnt, zieht die Partei dennoch ins Parlament ein
Sie sollten in der Lage sein, ein Streudiagramm zu verstehen und den Korrelationskoeffizienten, r, mit Blick auf die Richtung und Stärke eines Zusammenhangs zu interpretieren (wird in der Vorlesung erklärt).
Korrelation meint den (statistischen) Zusammenhang zwischen zwei Variablen (z. B. je höher das Einkommen, desto höher die Wahlbeteiligung). Der Korrelationskoeffizient fasst den Zusammenhang in einer Maßzahl (-1 bis + 1) zusammen.
Inwieweit stärkt direkte Demokratie die politische Beteiligung?
Direkte Demokratie: Minimierung der Fremdbestimmung durch Vermeidung des Gegenübers von Bürger und Amtsträger (ohne institutionalisierte Verantwortung) = disjunkte Mehrheiten und Entscheidungen
Repräsentative Demokratie: verantwortete Fremdbestimmung durch institutionalisierte Übertragung von Entscheidungsvollmacht = kohärente/konsistente Entscheidungen
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