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5 Organisation und Organisationsgestaltung

LK
by Lara K.

funktionale Organisationsbegriff

Der funktionale Organisationsbegriff meint die Tätigkeit des Organisierens – die Organisationsgestaltung

  • meint die Tätigkeit des Organisierens („Das Unternehmen wird organisiert.“) Organisationsgestaltung, deren Ergebnis dann die formale Organisationsstruktur ist.

  • Aufgaben der Organisationsgestaltung:

    • Gestaltung der Aufbauorganisation und der Ablauforganisation.

    • Aufbauorganisation: ist gleichsam die Blitzlichtauf-nahme der Aufgaben, Zuständig-keiten & Verant-wortungen in einem Unternehmen. Bei der Gestaltung der Aufbauorganisation wird die Gesamtaufgabe des Unternehmens zunächst in kleinste Teilaufgaben heruntergebrochen (Aufgabenanalyse) und dann zu Arbeitspaketen in Form von Stellen, Gruppen und Abteilungen wieder zusammengefügt (Aufgabensynthese). Die bei Aufgabenanalyse und -synthese anzuwendenden Kriterien sind: Funktion (z. B. Sägen, Schweißen, Nieten), Objekt (z. B. Aufgaben an Tischen, Stühlen, Schränken), Rang (Entscheidungs- und Ausführungsaufgaben), Phase (Planungs-, Realisations- und Kontrollaufgaben) und Zweck (Zweck- und Verwaltungsaufgaben). Bei der Aufgabensynthese kommen zusätzlich die Kriterien Aufgabenträger, Sachmittel, Raum und Zeit hinzu. Dadurch kommt es einerseits zu einer produktivitätsfördernden Arbeitsteilung (Differenzierung) und andererseits notwendigerweise zu einer Koordination der Einzelaufgaben durch organisatorische Regeln (Integration), die dauerhaft die Zusammenarbeit im Unternehmen gestalten sollen


Für wen eignet sich die funktionale Organisation gut ?

  • Unternehmen mit einem homogenen Produktionsprogramm ,d. h. mit nur einem Produkt oder eng verwandten Pro-dukten in einer relativ stabilen Umwelt, sodass Flexibilität nicht unbedingt gefordert ist.

  • Sollte eine Anpassung dennoch erforderlich sein, kann die Unternehmensleitung darauf schnell reagieren. Auch sollte das Unternehmen nicht zu groß sein, sodass diese Organisationsform für kleine und mittlere (Industrie-) Unternehmen (KMU) empfohlen wird. Durch Gliederung nach Funktionen können Spezialisierungsvorteile, insb Größen- & Erfahrungseffekte, realisiert werden, die eine hohe Ressourceneffizienz ergeben. Demzufolge eignet sich die funktionale Organisation besonders für eine Kosten-/ Preisführerschaftsstrategie, die ggf. in einer Nische verfolgt wird.

  • Funktionale Orga erleichtert zudem Kostenmana-gement. Ihre Marktorientierung ist prinzipiell hoch, obwohl die Gefahr besteht, dass die der Absatzfunktion vorgelagerten Funktionen Produktion und Beschaffung diese vernachlässigen könne. Dennoch sieht Simon bei richtiger Ausgestaltung in der funktionalen Organisation die „natürliche Form“ für Einprodukt-Einmarkt-Hidden-Champions. Ferner sieht er in der Multifunktionalität der Mitarbeiter – d. h., sie sind vielseitig einsetzbar – einen Vorteil der Hidden Champions gegenüber größeren Unternehmen. Demzufolge ist ihre Qualifikation breiter und ihre Motivation höher als bei höher spezialisierten Mitarbeitern von Großunternehmen. Die Motivation der Unternehmensleitung ist ebenfalls hoch, da sie die Gesamtsicht und die unternehmerische Verantwortung trägt. Diese fehlt allerdings den spezialisierten Funktionsbereichsleitern, sodass deren unternehmerische Qualifikation und Motivation gering ist, zumal sie in ihren Positionen auch nicht für eine Tätigkeit in der Unternehmensleitung vorbereitet werden und damit kaum in die Unternehmensleitung aufsteigen können


Da die Divisionen insbesondere beim Profit- und dem Investment-Center-Prinzip wie „Unternehmen im Unternehmen“ agieren, sind bereichsübergreifenden Inter-dependenzen geringer als bei der funktionalen Organisation. Existieren Leistungstransfers zwischen den Divisionen, werden diese anhand geeigneter Verrechnungspreise abgerechnet, wodurch im Unternehmen interner Markt entsteht, der durch den Preismechanismus koordiniert wird. Unternehmensleitung hat daher weniger Koordinationsaufgaben und kann sich auf strategische Management konzentrieren, z. B. anhand einer Portfolioplanung, bei der die strategischen Geschäftsfelder durch Divisionen organisatorisch abgebildet werden.

Unter dem Aspekt der rechtlichen Ausgestaltung können die Divisionen als rechtlich unselbstständige Abteilungen oder als rechtlich selbstständige Unternehmen geführt werden. Im 1. Fall liegt ein Einheitsunternehmen vor; im 2. Fall entsteht ein Konzern, in dem rechtlich selbstständige Unternehmen unter einheitlicher Leitung stehen. Für Konzernzentrale gibt es 3 Holdingkonzepte:

  • operative Holding (Stammhaus), in welcher Mutterge-sellschaft selbst operativ und strategisch tätig ist

  • Managementholding (strategische Holding), wo Mutter-gesellschaft selbst nicht operativ tätig ist, sondern nur Aufgabe der strategischen Konzernleitung Ressourcenzuweisung mittels Portfolioplanung ausübt

  • Finanzholding, die finanzielle Ziele und Mittel vorgibt und verteilt, Zielerreichung kontrolliert + damit alle operativen + strategischen Entscheidungen an Töchter delegiert


In der folgenden Abbildung ist eine Spezialisierung nach Funktionen und Produkten dargestellt. Es können aber auch andere Objektkriterien wie Region oder Kunden oder sogar Projekte als zeitlich befristete Vorhaben angewendet werden. In den Knotenpunkten (Matrixschnittstellen) sind Organisationseinheiten (Stellen, Abteilungen) angegeben, die zwei übergeordnete Instanzen (Matrixstellen) haben, sodass ein Mehrliniensystem vorliegt. Diese Organisationseinheiten erhalten also Weisungen von einem Funktions- und einem Objektmanager. Einerseits soll dadurch die Koordination verbessert werden, andererseits entstehen Konfliktfelder, die, wenn sie bewusst genutzt werden, zu innovativen Problemlösungen („produktive Konflikte“) führen können. Durch Teilung der Weisungsbefugnisse können die Konflikte verringert werden, indem der Funktionsmanager über das Wie und Wer sowie die finanziellen Mittel und der Produkt-/Regionenmanager über das Was und Wann in Bezug auf das Produkt bzw. die Region bestimmen. Die zusätzlichen Managementpositionen unterhalb der Unternehmensleitung führen zu einer geringen Entscheidungszentralisation

Wird einer der beiden Dimensionen der Matrixorganisation ein Vorrang gewährt, wird aus der echten Matrixorganisation eine abgeschwächte Form der Matrixorganisation. Damit verschwinden dann auch die Unterschiede zur divisionalen Organisation mit funktionalen Zentralbereichen. Wenn bei der echten Matrixorganisation noch eine 3. Dimension zur Aufgabenspezialisierung benutzt wird – im Beispiel können dies die Regionen sein – entsteht eine Tensororganisation

Funktionale Organisation im KH 🏥

Struktur: Das Krankenhaus ist nach Funktionen gegliedert

  • Medizinische Abteilung (alle Ärzte)

  • Pflegeabteilung (alle Pflegekräfte)

  • Verwaltungsabteilung (Buchhaltung, Personal, etc.)

  • Technik/Hauswirtschaft (Wartung, Reinigung, etc.)

Beispiel: Ein Patient kommt ins KH → durchläuft verschiedene Funktionsbereiche, aber jeder Bereich hat seine klare Spezialisierung. Funktionale Organisation

Divisionale Organisation im KH 🏩

Struktur: Das Krankenhaus ist nach Objekten (hier: Patientengruppen/Fachbereiche) gegliedert

  • Kardiologie-Division (eigene Ärzte, Pfleger, Verwaltung)

  • Orthopädie-Division (eigene Ärzte, Pfleger, Verwaltung)

  • Notaufnahme-Division (eigene Ärzte, Pfleger, Verwaltung)

Beispiel: Jede Division funktioniert fast wie ein eigenes "Mini-Krankenhaus" mit allem was sie braucht. Divisionale Organisation

Matrixorganisation im KH ⚕️

Struktur: Doppelte Zugehörigkeit - sowohl Funktion als auch Objekt

  • Pflegekraft arbeitet sowohl für die Pflegeabteilung (funktionale Linie)

  • ALS AUCH für die Kardiologie (Produkt-/Objektlinie)

Beispiel: Eine Krankenschwester bekommt Anweisungen von zwei Vorgesetzten:

  • Vom Pflegedienstleiter (WIE sie pflegt)

  • Vom Chefarzt der Kardiologie (WAS sie bei Herzpatienten macht) Matrixorganisation

Der Unterschied auf einen Blick:

  • Funktional: "Ich bin Krankenschwester"

  • Divisional: "Ich arbeite in der Kardiologie"

  • Matrix: "Ich bin Krankenschwester UND arbeite in der Kardiologie"

Fazit: Die meisten modernen Krankenhäuser nutzen tatsächlich divisionale Organisation - macht am meisten Sinn für Patientenversorgung!

Matrix evtl. Geriatrie!


ZUSAMMENFASSUNG

In der Organisationstheorie werden der institutionale („Das Unternehmen ist eine Organisation.“), der instrumentale („Das Unternehmen hat eine Organisation.“) und der funktionale Organisationsbegriff („Das Unternehmen wird organisiert.“) unterschieden, wovon die beiden letzten in der betriebswirt-schaftlichen Organisationslehre in Deutschland verwendet werden. Zu den Aufgaben der Organisationsgestaltung gehört die Gestaltung von Aufbau- & Ablauforganisation. Dabei werden Aufgaben + Abläufe in einem Unternehmen einmal aus einer statischen und einmal aus einer dynamischen Perspektive betrachtet. Die Zielkriterien der Orgagestaltung sind Marktorientierung, Ressourceneffizienz, Qualifikation und Motivation sowie Flexibilität.

Die Gestaltungsparameter von Organisationstypen sind die Art der Aufgabenspezialisierung (Funktionen und/oder Objekte), Gestaltung der Weisungsbe-fugnisse (Einlinien- o. Mehrlinien-system) und die Verteilung der Entscheidungsaufgaben (hohe & niedrige Entscheidungs-zentralisation).

Die funktionale Organisation ist unterhalb der Unternehmens-leitung nach Funktionen gegliedert, hat ein Einliniensystem und eine hohe Entscheidungszentralisation. Sie eignet sich für kleine und mittlere Einproduktunternehmen in einer stabilen Umwelt, die Kosten-/Preisführerschaftsstrategie verfolgen.

Die divisionale Organisation ist unterhalb der Unternehmens-leitung nach Objekten(Produkte, Regionen, Kunden) gegliedert, hat ein Einliniensystem und geringe Entscheidungszentra-lisation. Sie eignet sich für große Unternehmen in einer veränderlichen Umwelt, die in mehreren Produkt-Markt-Kombi tätig sind. Als Wettbewerbsstrategien können Differenzierungs- und/oder Kosten-/Preisführerschaftsstrategie verfolgt werden.

Die Matrixorganisation ist unterhalb der Unternehmensleitung gleichzeitig nach Funktionen und Objekten gegliedert, hat ein Mehrliniensystem und eine geringe Entscheidungszen-tralisation. Sie ist geeignet für große Mehrproduktunternehmen in einer dynamischen Umwelt. Es können dieselben Strategien wie bei der divisionalen Organisation verfolgt werden.

Durch die Prozessorganisation rücken die Abläufe in Orga in den Vordergrund der Gestaltung. Durch optimale Gestaltung von Prozessen und die Minimierung von Schnittstellen sollen Zeit-, Kosten & Qualitätsziele besser erreicht werden. Die Prozessorga kann in Verbindung mit der Wertkettenanalyse zur Umsetzung von Differenzierungs- und Kosten-/ Preisführerschaftsstrategie eingesetzt werden.

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Lara K.

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