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Prüfung PG

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by Julius W.

Erläutern Sie den Unterschied zwischen Euler, Heun (RK2) und RK4 bei der Lösung einer Differentialgleichung 1. Ordnung.

Bitte:

  • Prinzip

  • Genauigkeitsordnung

  • Vor- /Nachteile

  • Wann würde man welches Verfahren bevorzugen?

Geben Sie typische Schrittweiten an, wovon die abängen und wann diese ungenau werden!


  • bei Euler wird die Steigung am Anfang des Intervals verwendet, um den nächsten Wert zu bestimmen. Es ist ein Verfahren 1. Ordnung, das heißt der globale Fehler ist proportional zur Schrittweite h. Es ist einfach und schnell, kann jedoch bei größeren Schrittweiten ungenau oder instabil werden

  • Heun-Verfahren, auch explizit Runge-Kutta-Verfahren 2. Ordnung, berechnet zunächst eine Euler-Vorhersage und verwendet dann die gemittelte Steigung aus Anfangs- und Endpunkt. Dadurch erreicht es eine Genauigkeit zweiter Ordnung.

  • RK4-Verfahren verwendet vier Steigungen pro Schritt und kombiniert diese gewichtet. Es besitzt Fehlerordnung vier und liefert bei gleicher Schrittweite deutlich genauere und stabliere Ergebnisse als Euler oder Heun. Es stellt daher einen guten Kompromiss zwischen Rechenaufwand und Genauigkeit dar.

  • Wenn du die Schrittweite halbierst:

    • Euler → Fehler halbiert sich

    • Heun → Fehler wird etwa 4-mal kleiner

    • RK4 → Fehler wird etwa 16-mal kleiner

    👉 Das ist der riesige Unterschied.

  • Man unterscheidet:

    • Lokaler Fehler (Fehler pro Schritt)

    • Globaler Fehler (Fehler über das gesamte Intervall)

  • Die Ordnung eines Verfahrens beschreibt, wie sich der globale Fehler mit der Schrittweite verhält. Beim Euler-Verfahren ist der Fehler proportional zu hhh, also erster Ordnung. Halbiert man die Schrittweite, halbiert sich auch der Fehler.

Schrittweite:

Schrittweiten hängen ab von:

  • Glattheit der Funktion

  • Krümmung

  • gewünschter Genauigkeit

Allgemein gilt:

  • Euler: benötigt sehr kleine Schrittweiten wegen Fehlerordnung O(h)

  • RK2: größere Schritte möglich, Fehler O(h^2)

  • RK4: deutlich größere Schritte möglich, Fehler O(h^4)

Euler wird ungenau:

  • bei stark gekrümmten Lösungen

  • bei zu großen Schrittweiten

  • bei instabilen Differentialgleichungen

Je höher die Potenz, desto schneller sinkt der Fehler bei kleiner werdendem h.


Was ist der fundamentale unterschied zwischen:

  • geometrischer Höhe

  • orthometrischer Höhe

  • Normalhöhe

Erkläre dazu den Unterschied zwischen Geoid und Quasigeoid!


Höhe

Bezugsfläche

Besonderheit

Geometrisch (h)

Ellipsoid (z.B. WGS84)

GNSS-Höhen, keine Schwereinformation

Orthometrisch (H)

Geoid

Physikalisch korrekt, braucht mittlere reale Schwere entlang Lotlinie

Normalhöhe (HN)

Quasigeoid

Praktische Lösung mit Normalschwere, unabhängig von inneren Erdschichten

  • Der fundamentale Unterschied liegt im Bezugsniveau und im verwendeten Schwerefeld.

    1️⃣ Geometrische (ellipsoidische) Höhe h

    Die geometrische Höhe ist der rein geometrische Abstand entlang der Ellipsoidnormalen zwischen einem Punkt und einem Referenzellipsoid (z. B. World Geodetic System 1984).

    Sie enthält keine Information über das Erdschwerefeld. GNSS liefert direkt diese Höhe.

  • 2️⃣ Orthometrische Höhe HHH

    Die orthometrische Höhe ist der Abstand eines Punktes vom Geoid, gemessen entlang der Lotlinie.

    Sie ist physikalisch definiert über die Potentialdifferenz zwischen Punkt und Geoid:

    H=C/g​

    Dabei ist C die geopotentielle Zahl und g quer​ die mittlere reale Schwere entlang der Lotlinie.

    👉 Problem: Die mittlere reale Schwere im Erdinneren ist nicht direkt messbar.

  • Normalhöhe NHN

    Die Normalhöhe wird ebenfalls aus der geopotentiellen Zahl bestimmt, jedoch mit der Normalschwere des Referenzellipsoids statt der realen Schwere:

    NHN=C/γ​

    Sie bezieht sich auf das Quasigeoid.

    👉 Vorteil: Man benötigt keine Kenntnis der inneren Massenverteilung. Deshalb sind Normalhöhen praktisch realisierbar und werden in vielen Ländern verwendet.

  • Kernunterschied in einem Satz

    • Geometrische Höhe → rein geometrisch, kein Schwerebezug

    • Orthometrische Höhe → physikalisch korrekt, aber innenliegende Schwere unbekannt

    • Normalhöhe → praktische physikalische Lösung mit Normalschwere


  • Geoid: Äquipotentialfläche des realen Erdschwerefeldes. Bezugsfläche für orthometrische Höhen.

  • Quasigeoid: Bezugsfläche der Normalhöhen; entsteht aus dem Störpotential unter Verwendung der Normalschwere. Es ist keine Äquipotentialfläche des realen Schwerefeldes.

Der entscheidende Unterschied:

👉 Das Geoid ist eine physikalische Äquipotentialfläche. 👉 Das Quasigeoid ist eine rechnerische Referenzfläche im Normalschwerefeld.

  • Im Gebirge unterscheiden sich reale Schwere und Normalschwere stärker aufgrund der Topografie und Massenverteilung. Daruch wächst die Differenz zwischen orthometrischer Höhe und Normalhöhe, was zu größeren Abweichungen zwischen Geoid und Quasigeoid führt.


Was ist das Störpotential T und wie hängt es mit dem realen Potential W und dem Normalpotential U zusammen?

  • T=W-U (Störpotential=Erdschwerepotential minus Normalpotential)

  • Das Störpotential T ist die Differenz zwischen dem realen Erdschwerepotential W und dem Normalpotential U des Referenzellipsoids.

  • beschreibt die Abweichungen des realen Schwerefeldes vom idealisierten Normalfeld und ist die zentrale Größe zur Bestimmung von Geoid, Schwereanomalien und Lotabweichungen.

  • direkt proportional zur Geoidundulation

  • Da die Geoidundulation proportional zum Störpotential ist, ist dessen Bestimmung zentral für die Geoidberechnung.


Zuerst: Potential-Bezeichnungen sauber halten

In der physikalischen Geodäsie gilt:

  • W = reales Erdschwerepotential (Gravitation + Zentrifugalanteil der realen Erde)

  • U = Normalpotential (Potential eines idealisierten Referenzellipsoids)

  • T = Störpotential

Und jetzt kommt die zentrale Beziehung:

T=W−U​

also:

W=U+T

Was ist das Störpotential?

Das Störpotential T beschreibt die Abweichung des realen Erdschwerefeldes vom Normalfeld des Referenzellipsoids.

Physikalisch bedeutet das:

  • Wenn die Erde perfekt rotationsellipsoidisch wäre → T=0

    Alle Massenanomalien (Gebirge, Dichteunterschiede, Ozeanbecken etc.) erzeugen T

Warum ist T so wichtig?

Weil:

👉 Geoid, Schwereanomalien und Lotabweichungen lassen sich direkt aus T ableiten.

Zum Beispiel:

  • Geoidundulation N ≈ proportional zu T

  • Schwereanomalie hängt mit Ableitungen von T zusammen

Das gesamte praktische Rechnen der physikalischen Geodäsie läuft im Prinzip über das Störpotential.




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Julius W.

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