(Folie 6) Welche drei lernpsychologischen Forscher bilden die Grundlage der Verhaltenstherapie?
Die lernpsychologischen Grundlagen stammen von:
• Iwan P. Pawlow → Klassische Konditionierung
• John B. Watson → Behaviorismus
• Burrhus F. Skinner → Operante (instrumentelle) Konditionierung
Diese Theorien bilden das Fundament der frühen Verhaltenstherapie.
(Folie 7–8) Wie funktioniert klassische Konditionierung am Beispiel von Pawlows Hund?
Grundprinzip: Ein neutraler Reiz wird durch Kopplung mit einem unkonditionierten Reiz bedeutungsvoll.
Vor der Konditionierung:
• US (Futter) → UR (Speichelfluss)
• NS (Ton) → keine Reaktion
Während der Konditionierung:
• NS (Ton) + US (Futter) → UR (Speichelfluss)
Nach der Konditionierung:
• CS (Ton) → CR (Speichelfluss)
→ Der ehemals neutrale Reiz wird zum konditionierten Stimulus (CS).
(Folie 9) Was zeigt Watsons „Little Albert“-Experiment?
Das Experiment demonstriert die Erlernbarkeit von Angst durch klassische Konditionierung.
Ablauf:
• Zunächst keine Angst vor Tieren
• Tier wird mit lautem Knall (US) gekoppelt
• Tier wird zum CS
• Ergebnis: konditionierte Furchtreaktion (CR)
→ Angst kann durch Reizkopplung entstehen.
(Folie 10–11) Was ist das Grundprinzip der operanten Konditionierung nach Skinner?
Zentrales Prinzip:
→ Die Konsequenz eines Verhaltens beeinflusst seine zukünftige Auftretenswahrscheinlichkeit.
Vier Konsequenztypen:
Reaktionszunahme
• Positive Verstärkung (C+) → angenehmer Reiz tritt auf
• Negative Verstärkung (C-) → unangenehmer Reiz fällt weg
Reaktionsabnahme
• Direkte Bestrafung (C-) → unangenehmer Reiz tritt auf
• Indirekte Bestrafung (C+) → angenehmer Reiz wird entzogen
→ Lernen erfolgt über Verhaltenskonsequenzen.
(Folie 12/23) Warum teilt man die Verhaltenstherapie in Entwicklungsphasen ein – und was ist die 1. Phase?
Die Folien unterscheiden Entwicklungsphasen, weil sich die VT historisch inhaltlich erweitert hat.
1. Phase: Behaviorismus (seit 50er Jahren)
• Fokus: Lerntheorien
• v. a. klassische und operante Konditionierung
(Folie 12/23) Was kennzeichnet die 2. Phase der Verhaltenstherapie?
2. Phase: Kognitive Wende / kognitiv-behaviorale Phase (seit 70er Jahren)
• Ergänzung durch kognitive Modelle
• Ergänzung durch soziale Lerntheorien
(Folie 23) Was ist die Idee der „Dritten Welle“ in der VT?
3. Phase: „Dritte Welle“ (seit 90er Jahren)
• Integrative Ansätze
• Einbezug von Emotionen und Achtsamkeit
• außerdem: spezifische Therapien
(Folie 14) Welche Grundannahme steckt hinter der sozialen Lerntheorie (Bandura, Lazarus)?
• Menschen sind soziale Wesen
• Lernen geschieht durch Modelle (Modelllernen)
(Folie 15) Warum ist Banduras „Bobo Doll“-Material ein so starkes Bild für Modelllernen?
Die Folie zeigt in Bildern, dass Kinder Verhalten durch Beobachtung übernehmen:
• Kinder sehen ein Modell, das eine Puppe schlägt
• viele zeigen danach ähnliches Verhalten gegenüber der Puppe
Details merken:
• In deiner Mitschrift: Wenn das Modell im Film kritisiert wird, fällt das Verhalten der Kinder wieder weniger gewaltvoll aus (Kritik/Lob werden also „mitgelernt“).
(Folie 16) Was bedeutet die „kognitive Wende“ für die (kognitive) Verhaltenstherapie?
• Die rein behaviorale Perspektive wird um eine kognitive Perspektive erweitert
• laut Folie: Beginn ab den 60er Jahren
(Folie 16–17) Was soll Köhlers Affenexperiment (als Bild/Video) zeigen?
Es steht für „Lernen durch Einsicht“:
• Problemlösen durch kognitive Prozesse (Einsicht)
• Folie nennt: Köhlers Arbeiten wurden erst ab den 50er Jahren wissenschaftlich stärker beachtet (Buch 1917).
(Folie 18) Was ist der Kern der kognitiven Perspektive im Epiktet-Zitat?
Kernaussage:
Nicht die Dinge selbst beunruhigen Menschen, sondern ihre Vorstellungen davon.
→ Das lenkt den Blick auf kognitive Prozesse als zentrale Einflussgröße.
(Folie 19) Welche Annahme über Kognitionen steckt hinter der kognitiven Perspektive?
• Erleben, Verhalten und Körperreaktionen werden maßgeblich durch kognitive Prozesse beeinflusst.
• Kognitionen umfassen laut Folie u. a.: Wahrnehmungen, Erwartungen, Interpretationen, Bewertungen, Lebensregeln, Schemata, Überzeugungen, Grundannahmen, innere Bilder.
(Folie 20) Welche zwei Begriffe markieren die Schwerpunkte von Ellis vs. Beck?
• Ellis (Rational-Emotive Therapie, ab 1957): Bedeutung „irrationaler Annahmen“
• Beck (Kognitive Therapie): Rolle „automatischer Gedanken“ und Grundannahmen
(Folie 21) Was zeigt das ABC-Schema der kognitiven Therapie (als Diagramm)?
Das Diagramm ordnet eine Situation in drei Schritte:
• A – Activating event (auslösendes Ereignis)
• B – Belief (Bewertung/Gedanke)
• C – Consequence (Reaktion/Folge)
(Folie 22) Wie verbindet Becks Modell Grundannahmen mit automatischen Gedanken?
Die Folie zeigt eine Kette:
• Grundannahmen/Schemata (z. B. „Ich bin nicht liebenswert“, „Allein bin ich hilflos“)
→ führen zu
• Regeln / bedingten Annahmen
→ prägen
• automatische Gedanken in Situationen
→ beeinflussen
• Emotion/Verhalten
(Folie 22) Wie sieht das Beck-Beispiel auf der Folie konkret aus?
Beispielkette der Folie:
• Situation: Bekannte erscheint nicht zur Verabredung
→ automatische Gedanken: „Ich muss etwas falsch gemacht haben… Ich bin schuld…“
→ Reaktion: Traurigkeit, Schamgefühl/Rückzug, Vermeidung des Sportvereins
(Folie 24) Wie wird Verhaltenstherapie (VT) offiziell definiert?
Verhaltenstherapie (VT):
• Erklärung und Behandlung psychischer Störungen mittels lerntheoretischer Prinzipien
• Offizieller Name eines Richtlinienverfahrens
(Folie 24) Was kennzeichnet die Kognitive Therapie (KT)?
Kognitive Therapie (KT):
• Zentrale Rolle dysfunktionaler Kognitionen bei Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen
• Therapie: Veränderung der Kognitionen
(Folie 24) Was ist die Grundannahme der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT)?
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT):
• Psychische Störungen entstehen durch Lernprozesse und kognitive Prozesse
• Therapie erfolgt mit behavioralen und kognitiven Methoden
• Am gebräuchlichsten, oft synonym für VT verwendet
(Folie 25) Welche neun Grundprinzipien strukturieren die Verhaltenstherapie?
Die Folie nennt neun Prinzipien:
Orientierung an der empirischen Psychologie
Orientierung an aktuellen Problemen
Bezug auf prädisponierende, auslösende und aufrechterhaltende Bedingungen sowie Ressourcen
Zielorientierung
Handlungsorientierung
Alltagsbezug
Transparenz
Hilfe zur Selbsthilfe
Evaluation, Ausdifferenzierung, Weiterentwicklung
(Folie 26) Welche drei großen Strategiebereiche zeigt die Grafik zu Methoden der VT?
Die Grafik unterscheidet drei Hauptbereiche:
Fertigkeiten-/verstärkungsbasierte Strategien
Kognitive Strategien
Expositionsbasierte Strategien
(Folie 26) Welche Methoden gehören zu den fertigkeiten-/verstärkungsbasierten Strategien?
Laut Grafik:
• Selbstbeobachtung
• Entspannung
• Verhaltensaktivierung
• Verhaltensverträge
• Münzverstärkung (Token Economy)
• Problemlösetraining
(Folie 26) Welche Methoden zählt die Grafik zu den kognitiven Strategien?
• Grundüberzeugungen ändern
• Imagination und kognitive Probe
• Kognitive Umstrukturierung
• Modelldarbietung
• Kognitionsevozierung
(Folie 26) Welche Methoden gehören zu den expositionsbasierten Strategien?
• Exposition und Konfrontation
• Reaktionsverhinderung
• Cue Exposure
• Imagery Rescripting and Reprocessing
(Folie 28 & 31) Welche grundlegenden Schritte zeigt der Therapieablauf in der Verhaltenstherapie?
Der Ablauf gliedert sich laut Folie in:
• Anmeldung, Zuweisung, Vorkontakt
• Erstgespräch / Sprechstunden
• Probatorische Sitzungen
• ärztliches Konsil
(Folie 31) Welche diagnostischen Bausteine gehören zum Erstgespräch?
Im Erstgespräch werden erhoben:
• Anamnese der Symptomatik
• Klassifikatorische Diagnostik (ICD-10)
• Psychopathologischer Befund
• Psychometrische Diagnostik
• Abklärung körperlicher Faktoren
(Folie 31) Was ist Schwerpunkt der probatorischen Sitzungen?
• Persönlichkeitsdiagnostik
• Biographische Anamnese
• Analyse von Lebensbedingungen
• Funktions- und Bedingungsanalyse (SORKC)
(Folie 35) Was sind die Ziele der Diagnostik in der Verhaltenstherapie?
Die Folie nennt zwei Kernziele:
• Grundverständnis für die Problematik gewinnen
• Ziele und Ansatzpunkte für die Therapie ableiten
(Folie 36) Welche Schritte umfasst der therapeutische Prozess als Problemlöseprozess?
Die Grafik zeigt folgende Abfolge:
Problemstellung
Problemanalyse
Zielanalyse
Mittelanalyse
Erprobung / Bewertung
(Folie 37) Wann wird laut Folie ein Zustand zu einem „Problem“?
Nach Dörner (1976):
Ein Problem entsteht, wenn eine Person sich in einem unerwünschten Zustand befindet und nicht über die Mittel verfügt, diesen in einen erwünschten Zustand zu überführen.
(Folie 37) Nach welchen Kriterien wird ein Problem für die Therapie ausgewählt?
Die Folie nennt fünf Kriterien:
Leidensdruck
Dringlichkeit
Veränderungsbereitschaft
Erfolgsaussichten / Realisierbarkeit
Äußerer Druck / Folgen eines Aufschubs
(Folie 38) Was ist das Ziel der Bedingungs- und Funktionsanalyse?
Ziele laut Folie:
• Problemverhalten beschreiben, verstehen, erklären und vorhersagen
• Ein schlüssiges Störungs- und Behandlungsmodell entwickeln
• Ein Bedingungs- und Funktionsmodell für die Therapieplanung erstellen
• Daraus Therapieziele ableiten und passende Methoden auswählen
(Folie 39) Was unterscheidet horizontale und vertikale Ebene der Verhaltensanalyse?
Horizontale Ebene (Mikroanalyse):
• Beschreibung des symptomatischen Problemverhaltens
• Verhalten verursacht Leidensdruck, hat dysfunktionale Konsequenzen oder blockiert Ziele/Werte
Vertikale Ebene (Makroanalyse):
• Analyse der Bedingungen der Entstehung
• Analyse der Aufrechterhaltung der Störung
(Folie 40) Wofür steht das SORKC-Modell?
S – Stimulus
O – Organismus
R – Reaktion
K – Kontingenz
C – Konsequenz
→ Instrument der Mikroanalyse (Kanfer & Saslow, 1974)
(Folie 42) Auf welchen vier Ebenen wird die Reaktion (R) im SORKC-Modell analysiert?
Die Folie differenziert:
• Kognitiv (Gedanken)
• Emotional (Gefühle)
• Physiologisch (Körperreaktionen)
• Verhaltensbezogen (Motorik)
(Folie 44) Welche Funktion hat das „O“ (Organismus) im Modell?
Das O ist Schnittstelle zur Makroanalyse.
Es umfasst:
• Biologisch-physiologische Faktoren
• Psychosoziale Faktoren
• Konsequenzen der Lebensgeschichte
• Persönlichkeitsstruktur
• Kognitiv-emotionale Schemata
• Grundbedürfnisse, Ziele, Werte, Pläne/Regeln
(Folie 46) Was untersucht die Bedingungsanalyse?
Fokus: Entstehung der Störung
• Prädisponierende Bedingungen
• Auslösende Faktoren
(Folie 46) Was untersucht die Funktionsanalyse?
Fokus: Aufrechterhaltung
• Funktionalität der Symptome
• Erklärung der aufrechterhaltenden Bedingungen
• Entwicklung eines schlüssigen Störungs- und Behandlungsmodells
(Folie 47) Welche drei zentralen Elemente zeigt das Vulnerabilitäts-Stress-Modell?
Die Grafik nennt drei Kernbereiche:
Prädisponierende Faktoren (Vulnerabilität)
Auslösende Faktoren (Ausbruch / Exazerbation)
Aufrechterhaltende Faktoren (Zukunftserwartungen)
Zusätzlich dargestellt:
• Personmerkmale × Umwelt-Interaktion
• Eigendynamik der Störung
(Folie 52) Welche drei Schritte stehen nach Diagnostik und Probatorik vor Beginn der Therapie?
Die Folie nennt:
Indikationsentscheidung
Therapieziele & Prognoseeinschätzung
Therapieplanung
Danach folgt: Durchführung der Psychotherapie mit Monitoring, Prozess- und Verlaufsdiagnostik sowie Beurteilung der Wirksamkeit / Zielerreichung.
(Folie 53) Welche übergeordneten Ziele verfolgt Psychotherapie?
Die Folie nennt vier Zielbereiche:
• Reduktion von Leiden und Beeinträchtigung
• Reduktion von Symptomatik
• Veränderung belastender oder gefährlicher Verhaltens-, Emotions- und Einstellungsmuster
• Entwicklung der Fähigkeit zur erfolgreichen Lebens- und Problembewältigung
(Folie 54) Was wird zu Beginn der Therapie gemeinsam geklärt?
Zu Therapiebeginn:
• Klärung und Definition der Erwartungen
• Gemeinsame Festlegung der Therapieziele
Dabei wichtig:
• Therapiemotivation (Beginn & Fortführung der Therapie)
• Veränderungsmotivation (Bereitschaft zur Veränderung des eigenen Leidens)
(Folie 56) Was ist das Ziel der therapeutischen Beziehungsgestaltung?
Ziel:
• Der Patient soll sich gut aufgehoben fühlen
• Er soll sich öffnen können
Diese Beziehung unterstützt:
• Anamnese & Diagnostik
• Erarbeitung des Behandlungsplans
• Umsetzung auch belastender Interventionen (z. B. Konfrontation bei Angststörungen)
(Folie 57) Welche Basistechniken gehören zur Gesprächsführung in der VT?
• Aktives Zuhören
• Empathie
• Akzeptanz (achtsam, respektvoll, nicht wertend)
• Transparenz
• Struktur
• Konkretisieren, Präzisieren, Spezifizieren
• Geleitetes Entdecken
• Zusammenfassen & Rückmelden
(Folie 58) Welche praktischen Maßnahmen stärken die therapeutische Beziehung?
• Positive Erfolgserwartung
• Vermittlung eines glaubwürdigen Erklärungsmodells
• Vorbereitung auf therapeutische Übungen
• Soziale Verstärkung
• Häufige Zusammenfassungen & Rückmeldungen
• Motivorientierte Beziehungsgestaltung
• Unterstützung durch nonverbales Verhalten
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