Barker-Hypothese
Niedriges Geburtgewicht + Untergewicht in der frühen Kindheit -> Spätere Anfälligkeit für kardiovaskuläre Erkrankungen im Erwachsenenalter
Zwei Nachkriegkohorten
Niederländische Hungerwinter (1944/45) -> Einen Winter lang: 400-1000 kcal pro Tag
Leningrader Blockade (1941-1944) -> Hungernot über 800 Tage
Niederländische Hungerwinter
Hunger der Mutter im 1. Trimenon = danach kein Hunger mehr -> Geburtsgewicht normal, schnelle Gewichtszunahme, später: atherogenes Lipidprofil, höherer BMI
Hunger der Mutter im 3. Trimenon = davor kein Hunger -> niedriges Geburtsgewicht, schnelle Gewichtszunahme, später: reduzierte Glukosetoleranz
Bei beiden: Erkrankungsrisiko im späteren Leben erhöht
Entscheidend, wann die Hungernot während der Schwangerschaft auftrat -> Unterschiedliche Entwicklungsschritte/Organe betroffen
Mismatch-Hypothese
Die intrauterine Umwelt hatte die Kinder auf eine schlechtere Versorgungssituation vorbereitet -> “Energiesparmodus” (thrifty phenotype”), die dann nach der Geburt nicht vorlag:
Pränatal -> hypokalorische Ernährung
Postnatal -> iso-/hyperkalorische Ernährung
Leningrader Blockade
Energiemangel während gesamter Schwangerschaft + in den ersten Lebensjahren -> Geburtsgewicht niedrig, langsame Gewichtszunahme, später: kein atherogenes Lipidprofil, reduzierte Glukosetoleranz oder höherer BMI
-> Erkrankungsrisiko nicht erhöht
Thrifty-phenotype-Hypothese
Warum ist das Erkrankungsrisiko bei der Leningrader Blockade nicht erhöht?
Pränatale hypokalorische Ernährung
-> Entwicklung eines “Energiesparmodus” (“thrifty phenotype”) = Anpassung an Mangelsituation (“predictive adaptive responses”)
-> half die postnatale hypokalorische Ernährung zu überstehen
-> könnte als Schutz gegen chronische Erkrankungen gewirkt haben
Was bedeuten die ersten 1000 Tage?
frühe “innere Umwelt” scheint sich “einzuprägen”, indem sie eine Art Eichprogramm für fundamentale Lebensfunktionen darstellt
Einwirkung eines Stimulus (z.B. Ernährung oder Stress) legt langfristig die Strukturen und Funktionen des Körpers fest
Frühe Prägung während kritischer Entwicklungsphasen entscheidend für spätere Gesundheit
270 Tage Schwangerschaft + 365 Tage 1. Lebensjahr (Stillzeit + Beikost) + 365 Tage 2. Lebensjahr (Beikost + Kleinkindalter)
Einflussfaktoren in den ersten 1000 Tagen
Bewegung, Stress und soziales Umfeld
Schwangerschaft: Ernährung der Mutter -> BMI, Gewichtszunahme
Stillzeit: Ernährung der Schwangerschaft, Stillen (ja/nein), Stilldauer
Beikost: Qualität und Quantität
Kleinkindalter: Familienkost -> Qualität und Quantität
Wann findet Prägung statt?
Prägung durch Fehlernährung in verschiedenen Lebensphasen
pränatal:
hypokalorisch unspezifisch oder
hyperkalorisch unspezifisch oder
isokalorisch, aber zuckerbetont
postnatal:
hyperkalorisch durch Protein
prä- und postnatal in Kombination:
pränatal hypokalorisch + postnatal hyperkalorisch unspezifisch oder
pränatal hypokalorisch + postnatal hyperkalorisch durch Protein
Pränatale hyperkalorische Fehlernährung - Ursache
maternale Hyperglykämien wuden nicht (ausreichend) behandelt
Pränatale hyperkalorische Fehlernährung - Folge
fetale Fehlprägung
Fetale, hypokalorische Fehlernährung, Glukose Überangebot
übermäßige Fetteinlagerung, Hormonalterationen (Hyper-Insulinämie, Hyper-Leptinämie) -
Fett- und beta-Zellhyperplasie: Hyperinsulinämie -> verstärkter Wachstum, höhere Fett- und Glykogeneinlagerung in Gewebe und neuronale Dysplasie: neuronale Resistenz gegenüber peripheren Sättigungssignalen Insulin, Leptin
Pränatale hyperkalorische Fehlernährung - Risiko
Makrosomie
hohes Geburtsgewicht
Fehlbildungen
Geburtskomplikationen/höhere Sectio-Rate (akutes Risiko kurz nach der Geburt: postnatale Hypoglykämie)
-> Dauerhaft erhöhtes kardiometabolisches Erkrankungsrisiko
-> fuel-mediated in utero hypothesis
Fuel-mediated in utero-Hypothese
hoher BMI der Mutter (v.a. im adipösen Bereich) + übermäßige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft. Gestationsdiabetes
-> Erhöhtes Risiko für Makrosomie
-> höhere Fettmasse + erhöhtes Risiko für Adipositas im Kindes- und Jugendalter (höhere Adipozytenzahl -> bleibt lebenslang erhalten)
-> neidrigerer Energieverbrauch
Adipositasprävention bei Kindern = Ernährrungsberatung/Gewichtsreduktion bei adipösen Frauen mit Kinderwunsch
Fetale Makrosomie - Definition
Geburtsgewicht > 4500 g
Weltweit: 3-15 % der Geburten betroffen
Deutschland 2013: 1,6 % der Jungen und 0,7 % der Mädchen
Fetale Makrosomie - Ursachen
Mütterlicher Diabetes -> Gestationsdiabetes-Prävalenz in Deutschland: 13,2 %
Adiposistas und metabolisches Syndrom der Mutter
Hohe Gewichtszunahme in der Schwangerschaft = positive Energiebilanz
Große und ältere Eltern
Fetale Makrosomie - Folgen
Erhöhtes Komplikationsrisiko für Mutter und Kind bei Geburt
höheres Risiko für Typ 2 Diabetes als mit niedrigerem Geburtsgewicht -> U-förmige Beziehung
Gestationsdiabetes - Diagnostik
“kleiner“ Zuckerbelastungstest in der 24. bis 28. SSW: 50 g Glukose -> nach 60 min Blutglukose messen -> Glukose ≥135 mg/dl -> „großer“ Zuckerbelastungstest
„großer“ Zuckerbelastungstest: 75 g Glukose in 300 ml Wasser (Standard-OGTT) -> nach 0, 60, 120 min Blutglukose messen
Gestationsdiabetes : nüchtern ≥92 mg/dl und/oder
nach 60 min ≥180 mg/dl und/oder
nach 120 min ≥153 mg/dl
Gestationsdiabetes - Folgen für das Kind
Geburtskomplikationen -> erhöhtes Risiko für Kaiserschnitt, Hypoglykämie, Atemprobleme und Neugeborenen-Gelbsucht
höhere Fettmasse + höhere Adipozytenzahl -> erhöhtes Risiko für Adipositas im Kindes- und Jugenalter -> Fehlprogrammierung
Postnatale hyperkalorische Fehlernährung - Ursache
postnatale Überernährung
Postnatale hyperkalorische Fehlernährung - Folge
Fehl-Prägung nach der Geburt
hyperkalorische Fehlernährung, unspezifisch (Energie) oder spezifisch (Protein, Gkukose)
Postnatale hyperkalorische Fehlernährung - Risiko
Dauerhaft erhöhtes kardiometabolisches Erkrankungsrisiko
bei Protein -> accelerated postnatal growth hypothesis
Wie wirkt sich der Zuckerkonsum in den ersten 1000 Tagen auf die lebenslange Gesundheit aus?
geringe Zuckerzufuhr in den ersten 1000 Tagen: Verzögerung der Erkrankung an Diabetes mellitus Typ 2 und Adipositas, ebenfalls für Bluthochdruck
Vermutung: Geschmacksvorlieben, speziell Süßpräferenz wird während der ersten 1000 Tagen geprägt + hat ein Leben lang Bestand
Die frühe Proteinhypothese - Ursache
postnatale Überernährunf durch Protein
Die frühe Proteinhypothese - Folge
hyperkalorische Fehlernährung mit zu viel Protein -> erhöhte Konzentration von Aminosäuren in Plasma und Gewebe -> erhöhte Sekretion von Wachstumsfaktoren (IGF-1) + Insulin -> höhere Gewichtszunahme, adipogene Aktivität und Adipozytendifferenzierung
Die frühe Proteinhypothese - Risiko
ggf. verhältnismäßig zu schnelles Wachstum, verhältnismäßig höhere Körperfetteinlagerung -> dauerhaft erhöhtes kardiometabolisches Erkrankungsrisiko -> early protein hypothesis
Die frühe Proteinhypothese - Fazit
Schnellere Gewichtszunahme = Im Alter von 6 Jahren höherer BMI (ca. +0,51) und 2,4-faches Risiko für Adipositas
niedrige Proteinkonzentration ähnlich wie gestillt
Säuglingsnahrung mit niedrigerer Proteinzufuhr, könnte zu einer Verringerung der Fettleibigkeit im Kindesalter beitragen
EU-Gesetz zur Zusammensetzung von Säuglingsnahrung wurde entsprechend angepasst: geringerer Proteinanteil vorgeschrieben
Pränatale hypo- und postnatale hyperkalorische Fehlernährung - Ursache
Maternale Hypoglykämie (durch Nahrungsmangel)
Pränatale hypo- und postnatale hyperkalorische Fehlernährung - Folge
Fetale Fehl-Prägung
Fetale, hypokalorische Fehlernährung -> Intrauterine Stoffwechsel-Anpassung an Nahrungsmangel (ggf. verlangsames Wachstum, “Thrifty phenotype”) -> Postnatale Speicherreaktion (“Aufhohlwachstum”/”Catch up growth”)
Pränatale hypo- und postnatale hyperkalorische Fehlernährung - Risiko
erst verringertes Geburtsgewicht, Frühgeburten, Entwicklung eines „Energiesparmodus“, später ggf. „Aufholwachstum“
-> dauerhaft erhöhtes kardiometabolisches Risiko
-> mismatch-Hypothese/catch-up growth-Hypothese/Barker-Hypothese
Die Barker-Hypothese - gestörte Glukosetoleranz
Niedirges Geburtsgewicht weltweit
Fetale Unterernährung ist nach wie vor ein Problem in Entwicklungsländern
Erhöhtes Risiko für mismatch-Hypothese = z.B. höheres Adipositas- und Diabetes-Risiko
Mechanismen zur Mismatch-Hypothese - A
Postnatale hyperkalorische Ernährung
Erhöhtes Risiko für Diabetes mellitus Typ 2: erhöhte Dysregulation des Insulinweges
Mechanismen zur Mismatch-Hypothese - A: Pränatale hypokalorische Ernährung
erhöhte hepatische Glukoneogenese
niedrigere beta-Zell-Anzahl + -Funktion = weniger Insulin
Mechanismen zur Mismatch-Hypothese - A: Postnatale hyperkalorische Ernährung
= erhöhtes catch-up-growth
erhöhte viszerale Fettspeicherung
niedrigere insulinabhängige Glukoseaufnahme in Adipozyten
geringere Verstoffwechselung von freien Fettsäuren in Adipozyten
-> Fetteinlagerung in der Leber -> erhöhtes Risiko für MASLD
Mechanismen zurr Mismatch-Hypothese - B
erhöhtes Risiko für Übergewicht -> erhöhte Dysregulation des Leptinsignalwegs
Mechanismen zurr Mismatch-Hypothese - B: Pränatale hypokalorische Ernährung
niedrigere Leptin-Werte bei Geburt
Leptin vermittelt im Hypothalamus Hemmung der Nahrungsaufnahme + Erhöhung des Energieverbrauchs
Mechanismen zurr Mismatch-Hypothese - B: Postnatale hyperkalorische Ernährung
= höhere Fettmasse = höhere Leptin-Werte -> Leptinresistenz im Hypothalamus -> ausbleibende Hemmung der Nahrungsaufnahme = Hyperphagie + ausbleibende Erhöhung des Energieverbrauchs
Schwangerschaftsübelkeit - Wann?
bis 7. Woche bis 12. bis 20. Woche
Schwangerschaftsübelkeit - Was?
Übelkeit und ggf. Erbrechen
schwankt zwischen “Morgenübelkeit” und Symptomen über den ganzen Tag
Schwangerschaftsübelkeit - Mögliche Folgen
keine/leichte Gewichtsabnahme
Sodbrennen
Schwangerschaftsübelkeit - Wer?
ca. 70 % der Schwangeren betroffen
Schwangerschaftsübelkeit - Bewertung
unbedenklich für Mutter und Kind
Hyperemesis gravidarum (HG) - Wann?
v.a. 1. Trimenon
selten auch über gesamte Schwangerschaft
Hyperemesis gravidarum (HG) - Was?
Starke, anhaltende Übelkeit mit mehrmaligem Erbrechen pro Tag -> Nahrung und Flüssigkeit kann kaum aufgenommen werden
Hyperemesis gravidarum (HG) - Mögliche Folgen
Gewichtsabnahme >5 % Körpergewicht
Dehydratation
Elektrolytanomalien
Stoffwechselstörung wie Hypoglykämie, Ketose
Hyperemesis gravidarum (HG) - Wer?
ca. 1 % der Schwangeren betroffen
Hyperemesis gravidarum (HG) - Bewertung
Risiko für Mutter und Kind
Kann unbehandelt zur Mismatch-Hypothese führen
Schwere Schwangerschaftsübelkeit
schneller Östrogen-Anstieg
schneller Anstieg des Beta-hCG (Untereinheit des humanen Choriongonadotropins)
Hormon GDF15 (Growth/differentiation factor 15) -> von Fetus produziert
Hormon GDF15
Fetale Produktion + mütterliche Sensitivität tragen beide zum HG-Risiko bei
erhöhte mütterliche Blutspiegel Ende 1. Trimester + 2. Trimester -> erhöhtes HG-Risiko
niedrige mütterliche Blutspiegel vor Schwangerschaft -> erhöhtes HG-Risiko
erhöhte mütterliche Blutspiegel vor Schwangerschaft -> niedrigeres HG-Risiko
-> Sensitivität/Desensibilisierung
Hormon GDF15 - Therapieansatz
GDF15-Aktivität unterbinden mit Antagonisten
Hormon GDF15 - Präventionsansatz
geringe Dosen GDF15 zur Desensibilisierung vor der Schwangerschaft
Einfluss der väterlichen Gesundheit
väterliches Übergewicht bei Konzeption verdoppelt Adipositas-Risiko des Kindes + vermindert metabolische Gesundheit (bei schlanker Mutter)
Adipositas-Risiko des Kindes steigt weiter bei väterlicher Adipositas bei Konzeption
hoher väterlicher BMI = geringere kindliche Insulinsensitivität
väterliches Gewicht hat Einfluss auf die Mitochondrienfunktion = Energiestoffwechsel des Kindes
Lebenstil des Vaters
auch der Lebensstil des Vaters hat Einfluss auf lebenslange Gesundheit des Kindes! -> auch Männer mit Kinderwunsch sollten vor der Zeugung Normalgewicht anstreben, sich gesund und abwechslungsreich ernähren, sich ausreichend bewegen und auf Drogen (Alkohol, Nikotin, Cannabin, etc.) verzichten -> möglichst gesund Spermien
Was ist Epigenetik ?
Faktoren, die “zusätzlich zu Genetik” Entwicklung beeinflussen = nachträgliche Veränderungen der DNA
Epigenetik ist die Interaktion der Gene mit der Umwelt, die den Phänotyp hervorbringt
Epigenetische Modifikationen zu Stilllegung von Genen: DNA-Methylierung von Cytosin in der Promotorregion, Histonmodifikation (z.B. Deacetylierung)
Epigenetik - Einfluss der ersten 1000 Tage
Gene allein bestimmen nicht alles
während sensibler Zeitfenster können Umweltfaktoren die Aktivität bestimmter Gene dauerhaft verändern (= Programmierung)
Bindeglied zwischen Genen und Umwelt ist die Epigenetik
Epigenetik und Prägung
Innerhalb der Genetik kann sich die Aktivität der Gene an die individuellen Umweltbedingungen und Lebensumstände anpassen → Genaktivität wird „geprägt“
Prägung zeitgt sich bei der Regulation des Stoffwechsels (z.B. Menge der Insulinproduktion) sowie im Weiteren bei der Entwicklung von Zellen und Geweben (z.B. Makrosomie)
Epigenetische Prägung
DNA-Methylierung & Histonmodifikation beeinflussen die Chromatinstruktur
Reversible Regulierung der Genexpression
keine Veränderung der DNA-Sequenz
Moduliert durch Umwelt
Epigenotyp transgenerationell vererbbar
Histonmodifikation
z.B. Deacetylierung an Histon H4
Acetylierung
DNA-Methylierung
Reisverschluss = Genetik
Basen passen perfekt zusammen
Zellteilung findet statt
Stecknadel = Epigenetik
Methylgruppen lagern sich an Cytosin in der Promoterregion der DNA an - durch DNA-Methyltransferase
Gene werden ausgeschaltet
Welchen Einfluss hat der Faktor Ernährung auf die Schaffung des Epigenotyps und somit auf metabolische Veränderungen?
Schaffung des Epigenotyps während der Embryogenese reagiert sehr empfindlich auf Umweltbedingungen
-> Qualität und Quantität der Nahrung steuern die Aktivierungsgrad der Gene - insbesondere in der Schwangerschaft und den ersten Lebenswochen = Damit werden entscheidende Weichen für Gesundheit und Krankheit gelegt
Vererbung des Methylierungsmusters - Lebensphasen
Nach der Befruchtung
Entwicklung der Keimzellen
Nach der Implantation
Kindheit bis Erwachsenenalter
Veränderung des Methylierungsmusters - Lebensphasen: Nach der Befruchtung
Globale Demethylierung, außer bei Imprinting-Genen
Veränderung des Methylierungsmusters - Lebensphasen: Entwicklung der Keimzellen
Zweite Welle der Demethylierung, danach geschlechtsspezifische Remethylierung
Veränderung des Methylierungsmusters - Lebensphasen: Nach der Implantation
De-novo-Remethylierung und Etablierung zelltypspezifischer Muster
Veränderung des Methylierungsmusters - Lebensphasen: Kindheit bis Erwachsenenalter
weitgehen stabil, aber modulierbar durch Umwelt, Lebenstil und Alterungsprozesse
Genomic imprinting (genomische Prägung)
Expression von Genen abhängig von deren elterlichen Herkunft -> Prägung
Gene die dem Imprinting unterliegen sind “ausgeschaltet” -> nur väterliches oder nur mütterliches Gen wird exprimiert
diese Gene werden in der embryonalen Entwicklung nicht neu methyliert
<1 % aller Gene sind imprinted (ca. 200-600 Gene)
Imprinting-Muster = vererbar
Genomic imprinting (genomische Prägung) - Mechanismus
hauptsächlich DNA-Methylierung, auch Histonmodifikation
Imprinting-Erkrankungen
Störungen im genomischen Imprinting können zu Erkrankungen führen z.B.
Prader-Willi-Syndrom -> paternal vererbt
Angelman-Syndrom -> maternal vererbt
Defekt auf Chromosom 15 -> körperliche + geistige Symptome
1:15.000
Prader-Willi-Syndrom
Mütterlicher Genabschnitt auf Chromosom 15 imprinted = stillgelegt
-> allein die väterliche Information sorgt für die korrekte Entwicklung -> fehlende/fehlerhafte Expression bestimmter Gene = Prader-Willi-Syndrom
-> Hypothalamus + neuronale Entwicklung betroffen
Prader-Willi-Syndrom - Hauptsymptome
fehlendes Sättigungsgefühl, Ess-Lust, Ess-Sucht
herausforderndes Verhalten, wie z.B. Wutausbrüche und psychische Veränderungen
Muskelhypotonie/Kleinwuchs/hohe Schmerzwelle
Hautzupfen durch gestörte Impulskontrolle
Unterentwicklung der Geschlechtsorgane, ebi Jungen oft Hodenhochstand
kognitive Beeinträchtigungen, geistige Behinderung/Sprachbehinderung
Angelman-Syndrom
Väterlicher Genabschnitt auf Chromosom 15 imprinted = stillgelegt
-> allein die mütterliche Information sorgt für korrekte Entwicklung -> fehlende/fehlerhafte Expression bestimmter Gene = Angelman-Syndrom
Angelman-Syndrom - Hauptsymptome
schwere Entwicklungsverzögerung und Sprachlosigkeit
motorische Störungen und Bewegungsaufälligkeiten (Gleichgewichtsstörungen, Schielen, …)
Typisches fröhliches Verhalten
Epilepsie und neurologische Besonderheiten (Wahrnehmungstörungen, vermindertes Schmerzempfinden)
körperliche Auffälligkeiten
Hyperaktivität und Verhaltensauffälligkeiten (z.B. übermäßige Kaubewegung, Konzentrationsschwierigkeiten)
Ein Beispiel für epigenetische Vererbung - Niederländische Hungersnot
Weniger als 1000 kcal/Tag bei der Schwangeren führte nachweislich zu Mangelernährung des Fötus/Baby
IGF2 = insulinähnlicher Wachstumsfaktor: ein wichtiger Wachstumsfaktor bei Babys, der aber auch für bei der Insulinresistenz (Diabetes) und der Hungerregulation eine Rolle spielt
Bei Müttern mit zu geringer Kalorienaufnahme wird beim Baby mehr IGF2 abgerufen -> langfristig mehr Hunger mit erhöhten Blutzuckerspritzen führen und Diabetes begünstigen
EInfluss der Ernährung auf die Epigenetik - Agouti-Mäuse
Aktivierung des Agouti-Gens -> Phänotyp mit gelbem Fell und erhöhtem Risiko für Adipositas, Diabetes und bestimmte Tumorerkrankungen
Nachkommen variieren in Fellfarbe von Gelb bis Braun (Wildtyp), Fellfarbe korreliert eng mit dem Körpergewicht der Nachkommen
Agouti-Gen kann durch spezielle methylenreiche Diät (Folsäure, Vitamin B12, Cholin, Betain) deaktiviert werden
Wird trächtige Maus damit gefüttert -> Wurf mit höherem Anteil des braunen Wildtyps
-> Bereits während der intrauterinen Phase hat die Ernährung einen Einfluss auf die spätere Gesundheit
Pränatale Einflüsse - Exogene Stimuli/Insulte
Ernährung
Stress
Medikamente (Steroide, Acetaminophen etc.)
Toxen (Nikotin, Alkohol etc.)
Mikrobiome/Infektionen
Unbekannte Umwelteinflüsse
Pränatale Einflüsse - Endogene Stimuli/Insulte
Übergewicht der Mutter
Hormone
Immunsystem
Plazentafunktion
Genom/Epigenom
Unbekannte endogene Umwelteinflüsse
Pränatale Einflüsse - Mögliche Krankheitsrisiken
Insulinresistenz/Diabetes mellitus Typ 2
Dyslipidämie
Arterielle Hypertonie
KHK
Apoplex
Glomerulosklerose
Cholestase/Steatosis hepatis
Asthma bronichale/Heuschnupfen
Allergien
Atopische Dermatitis
Diabetes mellitus Typ 1
Infektanfälligkeit
ADHS
Autismus
Depression, Ängstlichkeit, bipolare Störung
Schizophrenie
Leukämie, Non-Hodgkin Disease, Hodgkin-Lymphoma
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