Embryo
bis zur 9. Schwangerschaftswoche
Fetus oder Fötus
ab 9. Schwangerschaftswoche bis Geburt
Säugling (infant, baby)
Kind im ersten Lebensjahr
Neugeborenes (newborn)
Kind in den ersten 4 Lebenswochen
Kleinkind
Kind bis zum 6. Geburtstag
Kleinstkind (toddler)
Kind vom 1. bis 3. Geburtstag
Vorschulkind
Kind vom 3. bis 6. Geburtstag
Schulkind
ab dem 6. Geburtstag
Erstes Trimenon
1. bis 12. SSW
Befruchtung der Eizelle und Einnistung im Uterus
Bis zur 9. SSW = Embryo
Ab der 9. SSW = Fetus
Ab 12. SSW Ernährung des Fetus über Plazenta
Zweites Trimenon
13. bis 27. SSW
bis zu 13. SSW alle Organe ausgebilet, nehmen weiter an Größe zu und voll Funktionfähigkeit auf
Ab 14. SSW äußere Geschlechtsorgane unterscheidbar
Ab 16. SSW Kolostralmilch möglich
Drittes Trimenon
28. bis 40. SSW
Ab 32. SSW Fetus voll ausgebildet aber noch mager
Bis zur 36. SSW vermehrte Bildung von subkutanem Fettgewebe
Geburt
Schwangerschaftsdauer
40 Wochen
Zwei Zählweisen - Schwangerschaftsdauer vs. Alter des Fetus
SSW 1: ab dem 1. Tag der letzten Periode -> 40 SSW (280 Tage nach der letzten Periode)
Alter des Fetus: ab Befruchtung -> 38 SSW (266 Tage ab Befruchtung, Beginn der kindlichen Entwicklung)
2 Wochen Differenz zwischen SSW und Alter des Fetus
ET
erechneter Termin
Bedeutung der frühkindlichen Ernährung
Zusammenhanf zwischen Malnutrition und diversen (Zivilisations-)Krankheiten
Bedeutung der 1000 Tage: pränatale Prägung des Stoffwechsels
Prävention?
Gründe ein Fehlernährung des Fetus
Unzureichender Transport von Nährstoffen
zu geringe Aufnahme der Mutter
Dysfunktion der Plazenta
Zu hohe Nährstoffaufnahme der Mutter
Gründe ein Fehlernährung des Fetus - Folgen
Fehlerhaftes bzw. eingeschränktes fetales Wachstum -> zu hohes/zu niedriges Geburtsgewicht als Indikator einer intrauterinen Über-/Unterversorgung
Beurteilung der Entwicklung des Fetus
Perzentilen - oder Wachstumskurven - sind Wachstumsstandards der WHO
Perzentilen geben in Prozent-Rängen die statistische Verteilung der Körpergröße von Altersgenossen an
ein Kind wächst idealerweise auf “seiner” Perzentile
Folgen einer Fehlernährung des Fetus
SGA-Kinder (small for gestational age)
IURG-Kinder (intrauterine growth restriction)
Wachstumsparameter <10. Perzentile von Normkurven
Fetus wächst aber innerhalb seiner Perzentile weiter
Medizinisch wertfreie Beschreibung eines verminderten Wachstums des Feten/Neugeborenen
SGA-Sonderform: Wachstum <10. Perzentile, verzögert sich immer weiter bis zum vollständigen Wachstumsstopp -> Fetus bleibt nicht innerhalb seine Perzentile
genetish determiniertes Wachstumspotenzial kann wegen pathologischer Prozesse (Malnutrition) nicht ausgeschöpft werden
Folge einer Plazentainsuffizienz und eine der Ursachen von perinataler Morbidität und Mortalität
Wesentliche Herausforderung an die Prä- und Perinatalmedizin -> frühzeitige Diagnose + entsprechende Betreuung
Ernährung während der Schwangerschaft sollte bedarfsdeckend sein
Beurteilung SGA oder IUGR
Wiederholte Überprüfung der Perzentilenkonformität des fetalen Wachstums -> Abweichungen in Verlaufskontrollen sind das entscheidende und einzige Kriterium zur sicheren Diagnose
Intrauterine Wachstumsrestriktion (IURG) - Wachstumsbeeinträchtigung im 1./2. Trimenon
20 bis 30 % der IUGR-Kinder
eingeschränkte zelluläre Proliferation aller Organe und Gewebe -> symmetrische Wachstumsrestriktion (= gleichförmige Verminderung der abdominellen, wie der knöchernen Maße)
Intrauterine Wachstumsrestriktion (IURG) - Wachstumsbeeinträchtigung im 3. Trimenon
70 bis 80 % der IUGR-Kinder
Abnahme der Wachstumsgeschwindigkeit im 3. Trimenon infolge einer fetalen Anpassungsreaktion an eine Plazentainsuffizienzentwicklung -> asymmetrische Wachstumsrestriktion (= deutliche Diskrepanz des Abdomen im Vergleich zu den Kopfmaßen)
Ernährung in der Schwangerschaft
… orientiert sich an den Empfehlungen einer ausgewogenen Ernährung
regelmäßige Mahlzeiten
täglich 3 Portionen Gemüse + 2 Portionen Obst
täglich 1,5 Liter Getränkezufuhr
Raps- und Olivenöl als Fettquelle bevorzugen
pro Woche 1-2 Portionen fettreichen Fisch
Ernährung in der Schwangerschaft - reichlich
kalorienfreie Getränke
pflanzliche Lebensmittel: Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte
Ernährung in der Schwangerschaft - mäßig
tierische Lebensmittel: Milchprodukte, fettarmes Fleisch/Wurstwaren und fettreiche Meeresfische, Eier
Ernährung in der Schwangerschaft - sparsam
Süßigkeiten
Snackprodukte
gezuckerte Getränke
Fette mit hohem Anteil an gesättigten Fettsäuren
Ernährung in der Schwangerschaft - zusätzliche Supplemente
400 Mikrogramm Folsäure (täglich bei Kinderwunsch und mindestens bis zum Ende des 1. Trimenon)
100 bis 150 Mikrogramm Jod täglich während der gesamten Schwangerschaft
Gewichtszunahme während der Schwangerschaft
Gewünschte Gewichtsentwicklung: +10 bis 16 kg
-> Zunehmende Zahl von Schwangeren mit Übergewicht/Adipositas bei Erstuntersuchung
Problem einer großen Gewichtszunahme
Höheres Körpergewicht nach der Geburt -> Risikofaktor für mütterliche Gesundheit
Für zwei denken, aber nicht für zwei Essen
DGE-Empfehlung für erhöhten Energiebedarf in der Schwangerschaft
Bei unverminderter körperlicher Aktivität:
1. Drittel: keine Zugabe
2. Drittel +250 kcal/Tag
3. Drittel: +500 kcal/Tag
Bei abnehmender körperlicher Aktivität:
Energiebedarf steigt erst im 3. Trimenon und nur bis ca. +10 % an = tatsächlicher Mehrbedarf ist klein
Gewichtszunahme während der Schwangerschaft - Determinanten
hohe Energieaufnahme während und nach der Schwangerschaft
“snack eating” (> 3x pro Tag)
reduzierte körperliche Aktivität (im 2. Halbjahr nach der Geburt)
soziodemographische Faktorem
Empfehlungen Gewichtszunahme während der Schwangerschaft
Schon vor der Schwangerschaft bestmögliche Annäherung des Körpergewichts an ein Normalgewicht
Angemessene Gewichtszunahme in der Schwangerschaft liegt für normalgewichtige Frauen etwa zwischen 10 und 16 kg
Bei Übergewicht und Adipositas ist eine geringere Gewichtszunahme wünschenswert (bis etwa +10 kg)
Bei untergewichtigen Frauen sollte auf eine ausreichende Gewichtszunahme in der Schwangerschaft geachtet werden
Folgen des Gewichtstatus vor Beginn der Schwangerschaft - Übergewicht/Adipositas
Erhöhtes Risiko für:
Gestationsdiabetes
Bluthochdruck
Fetale Makrosomie
Geburtskomplikationen
Folgen des Gewichtstatus vor Beginn der Schwangerschaft - Untergewicht
Frühgeburt
Fehlgeburt
Niedriges Geburtsgewicht
Folgen des Gewichtstatus vor Beginn der Schwangerschaft - Normalgewicht
Ein normales Körpergewicht vor der Schwangerschaft wirkt sich stärker auf Gesundheit von Mutter und Kind aus als die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft
Kritische Nährstoffe in der Schwangerschaft
Jod
Eisen
Cholin?
Folsäure
DHA
Vitamin D
ggf. Vitamin B12
Erhöhter Folsäurebedarf in der Schwangerschaft - Funktion von Folsäure
überträgt Methylgruppen -> DNA-Methylierung + -Reparatur -> Genexpression (Epigenetik)
Synthese von Nukleinsäuren (Vergrößerung des Uterus, Wachstum von Fetus + Plazenta)
Synthese von Hämoglobin -> Blutbildung (Zunahme des Erythrozytenvolumens)
Erhöhter Folsäurebedarf in der Schwangerschaft - Folat-Zufuhr pro Tag
Jugendliche und Erwachsene: 300 Mikrogramm
Schwangere: 550 Mikrogramm
Stillende: 450 Mikrogramm
Erhöhter Folsäurebedarf in der Schwangerschaft - Nahrungsfolat vs. synthetische Folsäure
1 Mikrogramm Folat-Äquivalent = 1 Mikrogramm Nahrungsfolat = 0,5 Mikrogramm synthetische Folsäure
Erhöhter Folsäurebedarf in der Schwangerschaft - Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten
folatreiche Ernährung
400 Mikrogramm pro Tag synthetische Folsäure als Supplement
Erhöhter Folsäurebedarf in der Schwangerschaft - Supplement-Einnahme
spätestens ab 4 Wochen vor Beginn der Schwangerschaft (oder ab Bekanntwerden bis Ende 12. Woche 800 Mikrogramm pro Tag)
während des 1. Trimenons beibehalten
Erhöhter Folsäurebedarf in der Schwangerschaft - Hauptquellen für Folsäure
Gemüse wie Spinat, Kohl, Spargel, Salat, Vollkornprodukte, Erd- und Walnüsse
Milch, Milchprodukte, Eier
-> überwiegend in Form von Polyglutamaten enthalten: Bioverfügbarkeit ca. 50 %
Erhöhter Folsäurebedarf in der Schwangerschaft - Folatmangel
begünstigt Neuralrohrdefekte -> schweren Fehlbildungen von Rückenmark und Gehirn (wie Spina bifida oder Anenzephalie)
Erhöhter Jod-Bedarf in der Schwangerschaft - Funktionen von Jod
Bestandteil der Schilddrüsenhormone -> Regulation des Energiestoffwechsels
Knochenbildung
Gehirnentwicklung
Erhöhter Jod-Bedarf in der Schwangerschaft - Schwangere Bedarf
ca. 230 bis 260 Mikrogramm Jod pro Tag
nehmen aber über die Nahrung kaum halb so viel auf
Erhöhter Jod-Bedarf in der Schwangerschaft - Supplementierung
Jodtabletten 100 bis 150 Mikrogramm pro Tag
Jodprophylaxe in der Schwangerschaft + Stillzeit, am besten ab Kinderwunsch
Bei Schilddrüsenerkrankungen zuerst Rücksprache mit dem behandelnden Arzt
Erhöhter Jod-Bedarf in der Schwangerschaft - Jodreiche Lebensmittel
Milch, Milchprodukte, Meeresfisch
Aber: keine Meeresalgen als Jodquelle
Verwendung von jodierten Speisesalz
Erhöhter Jod-Bedarf in der Schwangerschaft - Mögliche Folgen eines Mangels bei Schwangeren und Stillenden
Verdoppelung der Fehlgeburtenrate
Entwicklung einer Struma/Verschlechterung des Schilddrüsenstatus -> Beeinträchtigung der Nährstoffaufnahme
Ferritinmangel bzw. Eisenmangelanämie (durch Beeinträchtigung der Eisen-Aufnahme) -> Bildung von Schilddrüsenhormonen nicht nur von Jod, sondern auch von Eisen abhängig
Konzentrationsschwierigkeiten, Leistungsabfall + Müdigkeit
Hartnäckige Obstipation
Depression, insbesondere post partum
Erhöhter Jod-Bedarf in der Schwangerschaft - Mögliche Folgen eines Mangels beim Fetus
Wachstumsstörungen + verzögerte Knochenreifung (bedingt durch herabgesetzte Sekretion des Wachstumshormons)
Verzögerte Lungenreifung, insbesondere bei Frühgeburten
Gestörte Hirnentwicklung: gesitige Entwicklungsdefizite (Minderung der Intelligenz; Lern- und Merkschwierigkeiten)
Erhöhtes Risiko für spätere Hördefekte
Entwicklung einer Struma und/oder Hypothyreose
Erhöhtes Risiko für Totgeburten + Fehlbildungen
Omega-3-Fettsäuren
DHA (Docosahexaensäure)
EPA (Eicosapentaensäure)
Funktionen von omega-3-Fettsäuren (DHA und EPA)
normale Entwicklung von Gehirn, Augen und Nervensystem, Bestandteil von Zellmembranen
sind Vorstufen von Eicosanoide, die z.B. Entzündungs- und Abwehrreaktionen regulieren -> Immunsystem
Omega-3-Fettsäuren - Bei guter Versorgung
Weniger Frühgeburten und Wochenbettdepressionen
bessere Gehirnentwicklung
Daten zu kognitiver Entwicklung des Kindes inkonsistent
Omega-3-Fettsäuren - Ausreichend DHA für das Kind ist nötig, weil …
Gehirn und zentrales Nervensystem des Fetus wachsen in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft besonders rasch
Prozess setzt sich in den ersten Lebensjahren fort -> kognitive, motorische und visuelle Fähigkeiten entwickeln sich
Omega-3-Fettsäuren - Hauptquellen
Makrele, Hering, Sardine oder Lachs
cave: Seefisch, v.a. große Raubfischen enthalten viele Schadstoffe (Dioxine, Methylquecksilber, polychlorierte Biphenyle)
Hochbelastet sind Thunfisch, Haiarten (Schillerlocken), Seekatzen, Rochen, Heilbutt
bestimmte Pflanzenöle, Nüsse und Samen (aber nur Alpha-Linolensäure -> wird im Körper nur sehr begrenzt in EPA und weiter in DHA umgewandelt (8-22 %))
Omega-3-Fettsäuren - Empfohlene Aufnahme für Schwangere und Stillende
mindestens 200 mg pro Tag DHA
-> 2 Portionen Seefisch pro Woche davon 1x fettreichen Meeresfisch wie Makrele, Hering, Sardine oder Lachs
Omega-3-Fettsäuren - Supplementierung
ohne fettreichen Meeresfisch -> Supplemente mit DHA einnehmen (Kapseln oder DHA-angereichtere Pflanzenöle)
100-200 mg DHA zusätzlich zur empfohlenen Zufuhr von täglich 250 mg DHA + EPA
Erhöhter Eisenbedarf in der Schwangerschaft - Referenzwerte für Schwangere
30 mg pro Tag
Frauen im gebärfähigen Alter: 11-12 mg pro Tag
Erhöhter Eisenbedarf in der Schwangerschaft - Warum?
weil Fetus, Plazenta und +20 % Erythrozyten (aber auch Verlust durch Menstruation + erhöhte intestinale Resorption)
Erhöhter Eisenbedarf in der Schwangerschaft - Eisenmangel
erhöhtes Risiko für Frühgeburt, geringeres Geburtsgewicht, Anämie, Schwangerschaftskomplikationen und Fehlbildungen des Kindes
erhöhtes Risiko bei vegetarischer Ernährung
Erhöhter Eisenbedarf in der Schwangerschaft - Supplementierung
Zusätzliches Supplementation bei guter Versorgung: erhöhtes Risiko für Frühgeburt und geringes Geburtsgewicht
keine generelle Supplementation empfohlen, nur nach ärztlich diagnostizierter Unterversorgung
Erhöhter Eisenbedarf in der Schwangerschaft - Eisenreiche Lebensmittel
Vollkorprodukte, Haferflocken, Hirse, Amaranth, Quinoa, Nüsse, Saaten
grünes Blattgemüse wie Spinat, Feldsalat, Grünkohl
Hülsenfrüchte
rotes Fleisch, Leber Niere
-> Resorption von pflanzlichen Eisen durch Vitamin C erhöhen
Vitamin D-Bedarf in der Schwangerschaft
Bedarf in der Schwangerschaft nicht erhöht aber wichtig zu decken für Knochenmineralisation des Fetus
Vitamin D - Empfehlung für alle Erwachsenen
heller Hauttyp -> in unseren Breiten, im Sommer: Gesicht + Arme ohne Lichtschutz ca. 5-10 min täglich in der Mittagszeit Sonne (Sonnenbrand sollte in jedem Fall vermieden werden)
dunkler Hauttyp/fehlende Eigensynthese (Winter/nicht draußen)/beeckte Haut oder Sonnencreme -> 20 Mikrogramm oder 800 IU pro Tag supplementieren
Mittlere Aufnahme über die Nahrung: 2 bis 4 Mikrogramm pro Tag -> reicht nicht aus
Cholin
semi-essentieller Nährstoff
für Fetus und Säuglin essentiell
Cholin - Bedarf
400 mg pro Tag für Erwachsene
480 mg pro Tag für Schwangere
550 mg pro Tag für Stillende
-> aktuell keine Referenzwerte der DGE für Cholin-Aufnahme
Cholin - Vorkommen
v.a. in tierischen Produkten (Fleisch, Fisch, Milch, Eier), aber auch in Vollkorn- und Sojaprodukten
Cholin - Funktion
wichtiger Bestandteil von:
Phospholipiden in Zellmembranen (z.B. Phosphatidylcholin, Shpingomyelin) -> wichtig bei Neuralrohr-Schließung und Gehirnentwicklung
Lipoproteinen (VLDL)
Vorläufer für Neurotransmitter Acetylcholin
Methylgruppendonor -> Verbindung mit Folat-Stoffwechsel
Cholin - Mangel
sehr selten
mögliche Folgen: Fettleber, Muskelschäden
erhöhtes Risiko in Schwangerschaft und Stillzeit v.a. wenn gleichzeitig zu wenig Folat: Neuralrohrdefekte, verminderte kognitive Entwicklung des Kindes + Fettleber der Mutter
Wie viel Cholin nehmen schwangere Frauen in Deutschland auf?
nur 7 % erreichten ein adäquate Aufnahme, davon waren nur wenige mit vegetarischer/veganer Ernährung
Vegetarier/Veganer: 30 % geringere Wahrscheinlichkeit für adäquate Aufnahme
nur 5 % nahmen Cholin-Supplemente -> lieferten 19 % der Cholin-Aufnahme
Obwohl nur wenige Schwangere eine adäquate Cholin-Aufnahme haben, gibt es keine generelle Empfehlung der DGE zu supplementieren
Empfehlung bei veganer/vegetarischer Ernährung in der Schwangerschaft
Eine ausgewogene vegetarische Ernährung mit Verzehr von Milch(-produkten) und Eiern (ovolaktovegetarisch) kann grundsätzlich auch in der Schwangerschaft den Bedarf an den meisten Nährstoffen decken
Bei einer rein pflanzlichen (veganen) Ernährung soll die Versorgung mit kritischen Nährstoffen ärztlich überprüft werden und eine individuelle Ernährungsberatung erfolgen
Nicht nur Jod und Folsäure, sondern auch zusätzliche Mikronährstoffsupplemente (insbesondere Vitamin B12) sollen eingenommen werden, um einem Nährstoffmangel und daraus folgenden Schädigungen der kindlichen Entwicklung vorzubeugen
auch DHA!
Vitamin B12-Bedarf bei Schwangeren und Stillenden
Schwangere: 4,5 Mikrogramm pro Tag
Stillende: 5,5 Mikrogramm pro Tag
Was sollte man in der Schwangerschaft nicht essen
keine rohen tierischen Lebensmittel
kein Alkohol
nicht rauchen oder in Räumen aufhalten, in denen geraucht wird oder wurde
koffeinhaltige Getränke nur in moderaten Mengen
Arzneimittel nur nach ärtzlicher Rücksprache einnehmen oder absetzen
zur Allergieprävention beim Kind keine Lebensmittel aus Ernährung ausschließen
Was sollte man in der Schwangerschaft nicht essen: rohe tierische Lebensmittel
Eier: Eigelb + Eiweiß durchgegart = fest -> Risiko: Salmonellose -> kann Mutter und Kind schaden (CAVE: Feinkostsalate + Desserts)
Fleisch + Rohwurst (z. B. Salami, roher Schinken) vom Schwein, Lamm, Schaf oder Wild, „medium“ Steak
Rohmilch/-produkte (Hinweis „Rohmilch“ oder „Vorzugsmilch“)
Fisch, Räucherfisch, Weichkäse und Salate können mit Listerien kontaminiert sein
Durch die Erreger von Listeriose und Toxoplasmose kann es zu schweren Erkrankungen und auch zu Früh- und Totgeburten kommen.
Die Plazenta - Definition
sich entwickelndes Organ an der Gebärmutterwand
durchwoben von Blutgefäßen der Mutter und des Kindes
Verbindung zwischen Embryo und Plazenta erfolgt über die Nabelschnur
Die Plazenta - Funktion
Stoffwechselorgan
Endokrines Organ
Schutzbarriere gegen (einige) schädliche mütterliche Stoffe
Immunfunktion
Die Plazenta - Funktion: Stoffwechselorgan
Austausch von Nährstoffen, Gasen + Ausscheidungsstoffe zwischen Fetus und Mutter
Die Plazenta - Funktion: endokrines Organ
Progesteron, Östrogene & humanes Choriongonadotropin (hCG )
keine neuronale Verbindungen in der Plazenta = Kommunikation zwischen Mutter & Fetus muss endokrin ablaufen
Erhaltung der Schwangerschaft, Entwicklung des Fetus,(zeitgerechte) Einleitung der Geburt
Die Plazenta - Funktion: Immunfunktion
Schutz vor Infektionen & Anpassung des mütterlichen Immunsystems an die Schwangerschaft -> Embryo exprimiert zu 50 % väterliche Genen = Abwehrreaktion des mütterlichen Immunsystems zu erwarten
Hormonproduktion der Plazenta - hCG (humanes Choriongonadotropin)
essentielles embryonales Schlüsselhormon für Einnistung und Fortbestand der Schwangerschaft
Erst vom Embryo, dann vom Synztiotrophoblasten sekretiert
starker Anstieg zu Beginn der Schwangerschaft bis zu max Konzentration in der 10. SSW, danach Abfall -> Schwangerschaftstests
Hormonproduktion der Plazenta - weitere Hormone
ab der 8. bis 10. SSW steigen Östrogen und Progesteron an
Humanes Planzentalaktogen (HPL)
Hormonproduktion der Plazenta - weitere Hormone: Progesteron
wichtigstes Hormon zur Aufrechterhaltung der Schwangerschaft
Hormonproduktion der Plazenta - weitere Hormone: Östrogen
physiologische Anpassungen der Mutter an Schwangerschaft, z.B. Drüsenproliferation der Brust
Hormonproduktion der Plazenta - weitere Hormone: humanes Plazentalaktogen (HPL)
Veränderungen des maternalen Stoffwechsels -> Insulinsensitivität ↓ (Insulin-Antagonist) = Beitrag zu Gestationsdiabetes ↑
Die Plazenta - verbindet Fetus und Mutter
“Zwischenorgan auf Widerruf” -> trennt und verbindet zugleich zwei Organismen
verändert sich über die Schwangerschaft -> optimale Versorgung des Fetus
1. Trimenon: Ultrafiltrat (Plasma ohne Blutzellen) -> in Plazenta
Ab dem 2. Trimenon: Vollblut (mit Blutzellen) -> in Plazenta
Nabelschnur
ca. 50-60 cm lang, 1,5-2 cm im Durchmesser
Meist spiralförmig gewunden, aus feinen Kollagenen + Wasser-abweisenden Hyaluronen (Wharton-Sulze)
Gallertartiges Bindegewebe -> notwendige Flexibilität, verhindert Abknicken
Plazentagewicht
Maß für die Oberfläche des Nährstoffaustausches
Gewichtsverhältnis Fetus : Plazenta als Effizienzmarker
ca. 500 g
Plazentadurchmesser
ca. 15-20 cm
Die Plazenta - Aufbau
Chorionplatte mit Nabelschnur: Fetale Seite
Intervillöser Raum
Decidua (Maternale Basalplatte)
Synzytiotrophoblast
Chorionzotten (Villi)
Chorionplatte mit Nabelschnur (Fetale Seite)
Plazenta - intervillöser Raum
hier Nährstoffaustausch -> maternales Blut umspült Villi und damit Synzytiotrophoblast
Plazenta - Synzytiotrophoblast
Mikrovillöse Membran umgibt “fetal” Blutgefäße und grenzt an diese zum intervillösen Raum ab -> Transportepithel/Filtermembran
jede Plazenta hat nur einen
Ort der höchsten metabolischen und endokrinen Aktivität
wichtiger Bestandteil der Plazentaschranke
Plazenta - Synzytiotrophoblast: Hauptaufgabe
fetomaternaler Transport
aktiver Transport von Mineralien und Spurenelementen -> Transportkapazität erhöht sich im Verlauf der Schwangerschaft
Diffusion von Wasser und Gasen -> Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid -> maßgeblich von Hämoglobin abhängig
Bildung des Hormons hCG
Plazentaschranke
Synzytiotrophoblast, Zytotrophoblasten, Endothelzellen
Trennung von maternalen und fetalem Blutkreislauf
Die Plazenta - Stoffaustausch: plazentagängig
Nährstoffe: Sauerstoff, Wasser, Kohlenhydrate, Aminosäuren, Fett, Vitamine und Mineralstoffe
Schädliche Substanzen: Drogen, Alkohol, Kohlenstoffmonoxide, Nikotin, Koffein
Antikörper IgG (ab 16. SSW)
Medikamente fast alle (auch Aspirin und Paracetamol)
manche Pathogene (Toxoplasmose, Bakterien z.B. Syphilis, Viren z.B. Windpocken, Hepatitis B und E, Röteln, Herpes, Zika)
Abfallprodukte -> vom Fetus zur Mutter (CO2, Harnstoff, Harnsäure, Bilirubin)
Die Plazenta - Stoffaustausch: nicht-plazentagängig
Wachstums- und Steroidhormone
Heparin und Transferrin
Andere Immunglobuline, wie IgE, IgM
Medikamente: sehr wenige -> vor Einnahme unbedingt ärztlich abklären lassen
HIV (überwiegen), Chlamydien -> Infektion meist während der Geburt
Insulin, Glukagon
Die Plazenta - Nährstoffaustausch: Transportmechnismen
erleichterte Diffusion
Transzelluläre Diffusion
Aktiver Transport gegen einen Konzentrationsgradienten
Nährstoffspezifische Transportproteine
Die Plazenta - Nährstoffaustausch: Kohlenhydrate - Glukose
primäre Energiequelle für das Wachstum des Fetus und der Plazenta
keine nennenswerte Glukoneogenese im Fetus, sonder abhängig von der maternalen Zufuhr
Glukosekonzentration im maternalen Blut üblicherweise höher als im fetalen Blut -> Glukosefluss folgt einem Konzentrationsgradienten von der Mutter zum Kind
Die Plazenta - Nährstoffaustausch: Kohlenhydrate - Transport
erleichterte Diffusion über Glukosekanäle = keine Energie nötig
Glukosetransport über die Plazenta ist nicht reguliert und daher unlimitiert
Transporter befördern Glukose Na2+-unabhängig über die mikrovilliöse + basale Membran des Synzytiotrophoblasten
GLUT1 -> primärer Glukosetransporter
GLUT3 und GLUT4 -> spezielle Funktionen, nur in Stroma- und Endothelzellen vorhanden
ca. 50 % der Glukose wird von Plazenta selbst benötigt -> Glykogen- bzw. Laktat-Speicherung
Die Plazenta - Nährstoffaustausch: Kohlenhydrate - Gestationsdiabetes
Glukosetransport unverändert!
Plazentarer Glukosetransport ist insulin-unabhängig = kein verringerter Glukosetransport, sondern Überschuss wird metabolisiert
Kompensation der hohen Glukosespiegel durch fetale Insulin-Überproduktion
-> langfristige Veränderungen der fetalen Körperzusammensetzung: Aufbau zusätzlicher Fettmasse
Die Plazenta - Nährstoffaustausch: Aminosäuren
wichtige Rolle in der Entwicklung von fetalem Gewebe (Muskelmasse), Bausteine für verschiedene Biosynthesewege
Konzentration der Aminosäuren im fetalen Gewebe um ein Vielfaches höher als im maternalen Gewebe
Beeinträchtigungen des Aminosäuretransports über die Plazenta assoziiert mit
vermindertem Wachstum
fehlerhafter neurologischer Entwicklung
höherem Risiko für chronische hypertensive Erkrankungen im späteren Leben
Die Plazenta - Nährstoffaustausch: Aminosäuren - Transport
aktiver Transport durch den Synzytiotrophoblasten („echte“ Transportmoleküle unter Energieaufwand im Vergleich zur Glukose)
im Vergleich zur Glukose-Transport über Plazenta vergleichsweise wenig erforscht
Insgesamt 15 verschiedene Transporter, jeweils zuständig für spezifische Aminosäuren
Transport über die mikrovillöse + basale Membran des Synzytiotrophoblasten
zwei Arten von Transportern sind bekannt: Akkumulative Transporter und Aminosäureaustauscher
Die Plazenta - Nährstoffaustausch: Aminosäuren - Transport: Akkumulative Transporter
Transport in die Zellen -> Anstieg der Konzentration
Die Plazenta - Nährstoffaustausch: Aminosäuren - Transport: Aminosäureaustauscher
Transport einer bestimmten Aminosäure im Austausch gegen eine andere
Konzentration bleibt unverändert, aber Komposition verändert sich -> wichtig für essentielle Aminosäuren
L-Serin, L-Glycin und L-Leucin können auch unabhängig von Austauschtransportern über die Basalmembran transportiert werden
Die Plazenta - Nährstoffaustausch: Lipide & Cholesterin
Erste Schwangerschaftshälfte: Aufbau mütterlicher Fettreserven
Zweite Schwangerschaftshälfte (vor allem 3. Trimenon): vermehrte Mobilisation mütterlicher Lipidspeicher
schwangerschaftsinduzierte Hyperlipidämie
Überangebot der mütterlichen Lipide steht nach dem Transport über die Plazenta dem Fetus zur Bildung eigener Fettreserven zur Verfügung
Die Plazenta - Nährstoffaustausch: Lipide & Cholesterin - Fettsäuren
wichtigste Grundbausteine für die Anlage fetaler Lipidreserven
wichtig für die Gehirnentwicklung
Cholesterin als essenzieller Bestandteil von Zellmembran und Steroidhormonen
Die Plazenta - Nährstoffaustausch: Lipide & Cholesterin - Transport
maternofetaler Konzentrationsgradient: es können ausschließlich freie Fettsäuren transportiert werden
Problem: freie Fettsäuren machen nur ca. 1 % der gesamten vorhandenen Fettsäuren aus.
Großteil der mütterlichen Fettsäuren liegen in Form von Triglyceriden, Phospholipiden und Cholesterinestern vor -> sind zu 99 % an Lipoproteine gebunden
müssen für die Aufnahme in die Plazenta vorbereitet werden
intrazelluläre und/oder extrazelluläre Lipasen im/am Synzytiotrophoblasten
Die Plazenta - Nährstoffaustausch: Lipide & Cholesterin - Aufnahme freier Fettsäuren in den Synzytiotrophoblasten
Diffusion & proteinvermittelte Prozesse -> Details noch nicht restlos aufgeklärt
v.a. langkettige FS via Fettsäuretransportproteine, Fettsäuretranslokasen & Fettsäurebindeproteine
essenzielle omega-3- und omega-6-Fettsäuren werden bevorzugt aufgenommen = Anreicherung von DHA im Fetus -> DHA-Bedarf der Mutter ↑
Teil der aufgenommenen FFS wird von der Plazenta selbst als Baustoff genutzt oder als Energiereserve gespeichert
Die Plazenta – Stoffaustausch: Giftstoffe – Rauchen: Gift/Verbindung
Tabak – Nikotin & Kohlenstoffmonoxid
Die Plazenta – Stoffaustausch: Giftstoffe – Rauchen: Transportmechanismus
Nikotin: ungehinderte Aufnahme, Nikotinrezeptoren auf der Plazenta (Synzytiotrophoblast)
Kohlenstoffmonoxid: Diffusion
Beides erreicht dieselben Spiegel in Fetus wie in Mutter bei chronischem Abusus
Die Plazenta – Stoffaustausch: Giftstoffe – Rauchen: Folgen
kleinere Plazenta, verringerter intervillöser Raum -> verringerte Austauschfläche -> verringerte Nährstoffversorgung + Gasaustausch -> SGA-Kinder
Negativer Einfluss auf Blutversorgung der Plazenta & den Nährstofftransfer -> SGA-Kinder
Bildung von Carboxyhämoglobin -> Hypoxie des Fetus
Die Plazenta – Stoffaustausch: Giftstoffe – Alkohol: Gift/Verbindung und Transportmechanismus
Gift/Verbindung: Alkohol (Ethanol)
Transportmechanismus: Diffusion
Die Plazenta – Stoffaustausch: Giftstoffe – Alkohol: Folgen
In vitro gehemmte Aufnahme/ Transport von Aminosäuren, Glukosemetabolismus & hCG-Sekretion
DNA-Schädigung, oxidativer Stress
Fetales Alkoholsyndrom bzw. „Fetale Alkohol-Spektrum-Störungen“ -> Körperliche, geistig-intellektuelle, soziale, emotionale Störungen, typische Gesichtsveränderungen
Durchlässige Plazentaschranke, vorzeitige Plazenta-ablösung, geringes Plazentagewicht, verschlechterte Vaskulatur
höherer BMI und Anteil an übergewichtigen/adipösen Mädchen (12-13 Jahre)
Die Plazenta – Stoffaustausch: Giftstoffe – Alkohol: Wissentlicher Alkoholkonsum in der Schwangerschaft
Europa: mind. 14-30 % der Schwangeren
Deutschland: 20 % moderater und 8 % riskanter Alkoholkonsum (GEDA-Studie 2012)
„Es existiert kein risikoloser Alkoholgrenzwert in der Schwangerschaft, da die Schädigung nicht ausschließlich von der konsumierten Menge, sondern auch von der individuellen Alkoholtoleranz der Mutter und des Kindes abhängt.“
Die Plazenta – Stoffaustausch: Giftstoffe – THC: Gift/Verbindung
Cannabis - THC
Die Plazenta – Stoffaustausch: Giftstoffe – THC: Transportmechanismus
lipophil
Speicherung im Fettgewebe
auch in Muttermilch zu finden
Die Plazenta – Stoffaustausch: Giftstoffe – THC: Folgen
Hemmt plazentare Kapazität & Ausscheidung anderer (Gift-) Stoffe
Verminderte fetale Sauerstoffversorgung
Beeinträchtigte Nährstoffaufnahme
Erhöhtes Risiko für SGA- & IUGR-Kinder
Erhöhtes Risiko für kognitive Defizite, Impulsivität, Aggressivität, Substanzabhängigkeit des Kindes
Die Plazenta – Stoffaustausch: Giftstoffe – Koffein: Gift/Verbindung
Koffein – Abbauprodukt Paraxanthin
Die Plazenta – Stoffaustausch: Giftstoffe – Koffein: Verstoffwechselung
Kann von Leber des Fetus nicht abgebaut werden
In Spätschwangerschaft verlangsamt sich Abbau in mütterlicher Leber -> Koffein-Spiegel ↑
Die Plazenta – Stoffaustausch: Giftstoffe – Koffein: Folgen
Risiko für SGA, fetale Wachstumsverzögerung ↑ -> bereits 50 mg/d erhöhen Risiko für geringes Geburtsgewicht
Aktuelle Empfehlung: 200 mg/d sind unbedenklich = 2 Tassen mittelstarker Filterkaffee -> Wenn keine anderen Quellen!
Ab 300 mg/d erhöhtes Risiko für Fehlgeburt
Funktionen der Plazenta im Verlauf der Schwangerschaft
1. Drittel: Implantation, Perfusion mit mütterlichem Blut, erste fötale Blut- und Endothelzellen -> Beginn der Gefäßbildung
1. und 2. Drittel: mütterliche Toleranz, immunologische Anpassung
Die ganze Zeit über: Transport von Glukose, Aminosäuren, Fettsäuren und Spurenelemente; Gasaustausch
1. Hälfte: Ananbolismus - Entwicklung der Plazenta
2. Hälfte Katabolismus - rappides Wachstum des Fötus
Last changeda day ago