4.3 Kommunikationspolitik
4.3.1 Begriff
Die Kommunikationspolitik umfasst alle Maßnahmen eines Unternehmens, die darauf abzielen,
das Wissen,
die Einstellungen und
das Verhalten von Marktteilnehmern
zu beeinflussen.
-> Ziel ist es, diese Marktteilnehmer zu einem bestimmten Verhalten zu veranlassen.
4.3.2 Instrumente der Offline-Kommunikation
Die Instrumente der Kommunikationspolitik werden in zwei Hauptbereiche unterteilt:
Above the line
Klassische Massenkommunikation:
Fernsehwerbung
Hörfunkwerbung
Printwerbung
Außenwerbung
Below the line
Direktere und oft individuellere Kommunikationsformen:
Direktmarketing
Sponsoring
Eventmarketing
Product Placement
Public Relations
Promotions
Verkaufsförderung
Die Abbildung zeigt die vier zentralen Instrumente der Kommunikationspolitik:
Werbung
Persönliche Kommunikation
4.3.3 Neue Kommunikationsinstrumente
Zu den neuen Kommunikationsinstrumenten zählen unter anderem:
Ambient-Marketing
Ambush-Marketing
Guerilla-Marketing
Beim Ambient-Marketing werden Werbemittel direkt in das Lebensumfeld der Zielgruppe integriert.
Merkmale:
Platzierung im öffentlichen Raum (z. B. Kneipe, U-Bahn, Kino)
Nutzung klassischer Medien in ungewöhnlichen Kontexten
Typische Beispiele:
Werbung auf Pizzakartons
Werbung in Schulen und Universitäten
Werbung auf Toiletten
Ambush-Marketing nutzt die mediale Aufmerksamkeit von Großereignissen, ohne selbst offizieller Sponsor zu sein.
Typische Maßnahmen:
Aufkauf von Werbeflächen
Kostenlose Ausrüstung von Zuschauern
Aufsehenerregende Aktionen
Besonderheit: Der Ambusher kann dadurch nicht mehr klar vom offiziellen Sponsor unterschieden werden.
Praxisbeispiel: Der Sportartikelhersteller Nike setzte die Aktion „Go Heinrich go“ um:
Sponsoring eines über 80-jährigen Läufers beim Berlin-Marathon
Ausstattung mit Nike-Produkten
Zusätzliche Aufmerksamkeit durch Plakate und eine eigene Zeitung
→ Ergebnis: Nike erzielte mehr Aufmerksamkeit als der offizielle Sponsor adidas.
Beim Guerilla-Marketing stehen unkonventionelle und überraschende Maßnahmen im Vordergrund.
Geringer Mitteleinsatz
Große Werbewirkung
Typische Ansätze:
Überraschungseffekte
Rebellion oder Unkonventionalität
Kreative Umsetzung von Werbebotschaften
Mögliche Wirkungsweisen:
Schockieren
Regeln verletzen oder Tabus brechen
Schadenfreude erzeugen
Konkurrenz veralbern (vergleichende Werbung)
Die Abbildungen verdeutlichen:
Ambient-Marketing: Tragetaschen im Fitnesskontext greifen das Umfeld der Zielgruppe auf.
Guerilla-Marketing: Die umgestalteten Mülleimer von Nike erzeugen durch kreative und überraschende Gestaltung Aufmerksamkeit.
4.3.4 Online-Kommunikation
Die klassischen Kommunikationsinstrumente zielen darauf ab, durch aktive Maßnahmen die
Wahrnehmung,
Einstellung und
das Kaufverhalten
der Zielgruppe zu beeinflussen.
Dabei wird der einzelne Kunde als Teil einer Masse betrachtet → man spricht von Massenmarketing.
Ziel ist es, über Massenmedien möglichst viele potenzielle Käufer zu erreichen.
Der zentrale Unterschied liegt in der Dialogorientierung:
Kunden können Kontakt aufnehmen
Unternehmen reagieren darauf
Zusätzlich ermöglicht das Internet eine individuelle Ansprache:
Nutzung von Informationen (z. B. Kaufverhalten)
Erstellung spezifischer Angebote
Direktansprache per E-Mail (Kundenbindung)
→ Dadurch können auch homogene Produkte differenziert werden.
Nutzung des Internets erfolgt zielorientiert und bewusst
Geringe Aufnahmebereitschaft für Werbung
Nutzer achten auf den konkreten Nutzen einer Website
→ Breite Streuung von Werbung funktioniert nur eingeschränkt
Stattdessen gilt:
Unternehmen müssen sich um jeden einzelnen Kunden bemühen
Aufbau von Dialog und Interaktion
Ziel: Bindung des Kunden (dialogorientiertes Marketing)
Im Gegensatz zu klassischen Medien bestimmt im Internet der Nutzer den Kommunikationsprozess:
Er entscheidet, wann, wo und wie lange er sich mit Inhalten beschäftigt
Daraus folgt: Der Online-Auftritt muss:
nutzbringend
dialogorientiert
individuell gestaltet
sein, damit Nutzer die Website wiederholt besuchen.
Werbung wird auf Basis von Nutzerprofilen gezielt ausgespielt (z. B. Bannerwerbung)
Geringe Streuverluste
Hohe Passgenauigkeit der Ansprache
Das Internet bietet umfassende Möglichkeiten zur Kontrolle und Anpassung von Werbung:
Individuelle und dynamische Ausspielung von Werbung
Orientierung an Nutzerprofilen
Durchführung von Realtime-Tests
Messung von Response-Quoten
→ Kampagnen können laufend optimiert werden
Viele Anbieter finanzieren kostenlose Angebote ausschließlich über Werbung
Nutzer müssen dafür Werbung akzeptieren (z. B. in Micro Portalen)
Teilweise sind Werbefenster nicht schließbar
Parallel dazu:
Analyse des Surfverhaltens
Nutzung der Daten für personalisierte Werbung
Die zunehmende Individualisierung führt zum One-to-one-Marketing, bei dem Kunden individuell und gezielt angesprochen werden.
4.3.4.1
1:1-Marketing (interaktives Marketing)
Der Wirkungsgrad des Massenmarketings lässt sich kaum noch steigern. Gründe dafür sind:
Informationsüberlastung → ca. 98 % der Informationen werden nicht wahrgenommen (selektive Wahrnehmung)
Wertewandel der Verbraucher → stärkeres Streben nach Selbstverwirklichung und Erleben → zunehmende Individualisierung von Verhalten und Konsum
Zunehmender Individualismus → Verbraucher werden schwerer vorhersehbar
Kleinere Marktnischen → breitere Sortimente, Filterfunktion des Handels
Steigende Kosten → Werbung und Außendienst werden teurer
→ Konsequenz: Forderung nach individualisiertem Marketing
Ziel ist es, Kunden aus der anonymen Masse herauszulösen und gezielt individuell anzusprechen, anstatt mehr Geld in Massenmedien zu investieren.
Durch neue Informations- und Kommunikationstechnologien können:
viele Botschaften schnell ausgetauscht
gespeichert und ausgewertet werden
→ Kunden können individuell erreicht und angesprochen werden
Interaktives Marketing ist dialogorientiertes Marketing und umfasst:
Ansprache des Kunden
Wahrnehmung seiner Reaktion
Analyse und Speicherung dieser Reaktion
darauf basierend eine neue, individuelle Ansprache
→ Im Mittelpunkt steht der einzelne Kunde (One-to-one-Marketing)
Das 1:1-Marketing entspricht einer modernen Form des „Tante-Emma-Prinzips“:
Kunden werden persönlich gekannt
Bedürfnisse und Wünsche sind bekannt
→ Ziel: Personalisierung des Angebots und höherer Verkaufserfolg
Statt ein Produkt vielen Kunden zu verkaufen, wird versucht einem Kunden möglichst viele Produkte über seine Lebenszeit zu verkaufen (z. B. Amazon)
Maßnahmen zur Kundengewinnung & Arten von Kundendaten
Grundlage ist die Erfassung von Kundendaten.
Gewinnspiele (auch online)
Response-Möglichkeiten (z. B. Kupons)
Kontaktmöglichkeiten (E-Mail, Internetadresse, Telefonnummern usw.)
Bestellrufnummern
Förderung aktiver Mitarbeit (z. B. Beschwerdemöglichkeiten)
Garantiekarten
Freundschaftswerbung
Treueprämien
Kundenclubs (Communitys)
Herausgabe von Kreditkarten
→ Wichtig: Beschwerden ernst nehmen, da sie Kundenbindung stärken können
Stammdaten
z. B. Name, Adresse, Beruf, Einkommen, Interessen
Bewegungsdaten
Nutzungsverhalten (z. B. Dauer, Häufigkeit, Navigationspfade)
meist durch Logfiles erfasst
Inhaltsdaten
welche Inhalte aufgerufen werden und wie lange
→ Kombination ermöglicht Profiling (Persönlichkeits- und Kaufprofile)
→ Ziel: individuelle Angebote (Clienting)
Kundendaten werden analysiert, gespeichert und genutzt
Database-Management unterstützt dies (→ CRM)
Zentrale Veränderung:
Fokus liegt auf dem Kunden, nicht mehr auf dem Produkt
Motto: Kundenanteile statt Marktanteile managen
Bedeutung von Kundenbindung
Informationen über Kunden werden zum Wettbewerbsvorteil
stärkere Kundenbeziehungen erschweren Konkurrenzwechsel
Wirtschaftliche Bedeutung:
Neukundengewinnung ist 5–7× teurer als Kundenbindung
+5 % Kundenbindung → ca. +50 % Gewinn
Vorteile von Stammkunden:
geringere Marketingkosten
häufigere Käufe
Nutzung von Zusatzangeboten (Cross-Selling)
geringere Preissensibilität
→ Jeder Kauf hängt von der Zufriedenheit vorheriger Käufe ab
Weitere Merkmale des 1:1 Marketings
häufigere Nutzung eines Produkts
Cross-Selling fördern
Kundenloyalität sichern
Kunden gegen Konkurrenz „immunisieren“
neue Kunden gewinnen, die bestehenden Kunden ähneln
Unternehmen wissen, wann ein Kunde kaufbereit ist
Angebote werden situationsgerecht und bedarfsgerecht gemacht
→ Kunde erhält nur relevante Angebote
Ziel: Unterscheidung profitabler und weniger profitabler Kunden
Mögliche Kriterien:
Alter, Geschlecht, Haushaltsgröße
Kaufmotiv, Nutzungshäufigkeit
Wohnumfelddaten (z. B. Einkommen, Konsumverhalten)
→ Einteilung in Kundengruppen (z. B.):
attraktive Stammkunden
loyale Kleinkunden
Kunden mit Potenzial
Verzichtskunden
Der Wert eines Kunden ergibt sich aus seinem Lebenszeitwert:
langfristiger Deckungsbeitrag eines Kunden
Beispiele:
treuer Automobilkunde: sehr hoher Wert
regelmäßiger Kaffeekonsument: ebenfalls relevanter Wert
→ Ziel: wertvolle Kunden gewinnen und langfristig binden
Aufbau von Werten in der Kundenbeziehung
Kommunikation des Kundennutzens („Nutzenverkauf“)
Fokus: Erfolg des Kunden steigern
Kunden werden mithilfe von Daten in Gruppen (Cluster) eingeteilt
automatisierte Suche nach Gemeinsamkeiten
Vorteile:
gezieltere Ansprache
geringere Streuverluste
Identifikation „guter“ und „schlechter“ Kunden
CRM bedeutet die ganzheitliche Steuerung der Kundenbeziehung:
zentrale Sammlung aller Kundendaten
Integration von:
Kommunikation
Distribution
Angebotspolitik
Ziel:
stärkere Ausrichtung an Kundenbedürfnissen
qualitative statt quantitative Marktbearbeitung
→ Zusätzlich verbessert CRM:
Beratung
Service
Support
Im 1:1-Marketing steht nicht mehr das Produkt, sondern der einzelne Kunde im Mittelpunkt. Durch Datennutzung, Dialog und Individualisierung wird versucht, langfristige Kundenbeziehungen aufzubauen und wirtschaftlich zu optimieren.
4.3.4.2 Formen der Individualisierung
Durch Datenerfassung, Data-Mining, Kundensegmentierung, Mobile Marketing (Marketing über mobile Endgeräte, insbesondere Mobiltelefone) sowie CRM können Unternehmen ein individualisiertes Massenmarketing umsetzen.
Das bedeutet: Marketing bleibt massenhaft, wird aber auf einzelne Personen zugeschnitten.
Personalisierte Angebote und Serviceleistungen können auf zwei Arten erfolgen:
Push-Prinzip
Unternehmen nehmen unaufgefordert Kontakt zu Individuen auf (z. B. per SMS/MMS).
Empfehlung: Permission Marketing (also vorherige Zustimmung der Nutzer).
Pull-Prinzip
Individuen werden durch Hinweise in anderen Medien auf das mobile Marketingangebot aufmerksam gemacht.
Die Initiative geht hier vom Nutzer aus.
Es gibt im Wesentlichen drei Formen:
1) Individualisierte Nachrichten und Informationen
Persönliche Begrüßung von Seitenbesuchern.
Angebote werden an Surf- und Kaufgewohnheiten angepasst.
Inhalte bestehen aus vorgefertigten Modulen.
Die Auswahl der Module erfolgt indirekt durch die Nutzer selbst → dadurch werden sie bestimmten Zielgruppen zugeordnet.
2) Individualisierte Angebote
Angebote werden gezielt auf einzelne Nutzer zugeschnitten.
3) Individualisierte und dialogbasierte Beratung
Beratung erfolgt individuell und im Dialog.
Ziel ist die Optimierung der Kundenbeziehung.
Auf Basis dieser Grundlagen wird im nächsten Abschnitt das kommunikationspolitische Instrumentarium für den Online-Bereich dargestellt.
4.3.4.3 Instrumente der Online-Kommunikation
Online-Werbung – Grundlagen
Wichtig ist das richtige Wording → die Sprache des Kunden muss verwendet werden.
Grund: Im Internet fehlt ein Verkäufer, der Inhalte erklären kann.
Daher muss sichergestellt werden:
Produktbeschreibungen sind verständlich
Tonalität ist passend gewählt
Online-Werbung ist:
weniger emotional
stärker informativ
Wichtigstes Werbeinstrument im Internet
Vergleichbar mit Plakaten oder Printanzeigen
Nutzer zum Klick animieren
Grafik (GIF/JPEG)
Textbotschaft
Hyperlink (führt zur Website)
Besonderheiten:
Interaktiv (durch Klick)
Größe beeinflusst Aufmerksamkeit → „je größer, desto besser“
Dateigröße muss klein bleiben (wegen Ladezeiten)
Praxis:
Aufmerksamkeit oft gering (Überflutung)
Erfolgreiche Klickrate: 1–5 %
Klick ≠ Kauf
Banner meist nach ca. 2 Wochen wirkungslos
Buttons
Kleinere Banner
Weniger auffällig
Sprechen gezielt interessierte Nutzer an
Interstitials (Unterbrecherwerbung)
Ganzseitige Werbung zwischen zwei Seiten
Hohe Aufmerksamkeit
Pop-ups / Layer
Öffnen sich in neuem Fenster
Werden als aufdringlich empfunden
Microsites
Eigenständige Websites
Dienen als Informations- oder Bestellplattform
Platzierung der Marketingbotschaft in einem exklusiven Umfeld (Content-Sponsorship)
Inhaltliche Verbindung mit Website-Inhalten
Weniger aufdringlich als Banner
Wirkt eher wie Empfehlung als Werbung
Besonderheit:
Meist zeitlich begrenzte Partnerschaft, nicht kontaktbasiert
Direktmarketing (E-Mail)
Kostengünstig
Kombinierbar mit verschiedenen Konzepten:
Signaturen
Newsletter
Mailinglisten
Auto-Responder
Standardtext am Ende jeder E-Mail
Inhalte:
Name, Funktion, Kontaktdaten
Hinweise auf Angebote
Hyperlinks möglich
Automatische Antworten auf E-Mails
Nutzung z. B.:
Preislisten abrufen
Supportinformationen bereitstellen
Eigenschaften:
Vergleichbar mit Kundenzeitschriften
Günstiger als Print
Versand an Verteiler → meist nicht personalisiert
Kommunikation:
Kein Austausch zwischen Empfängern
Kontakt nur zur Redaktion möglich
Voraussetzungen:
E-Mail-Adressen müssen bekannt sein
Zustimmung erforderlich (kein Spam erlaubt)
Varianten:
Volltext
Kurztexte mit Links
Generierung von Website-Traffic
Auswertung von Interessen
Wichtig:
Abmeldung muss möglich sein
Datenschutz beachten
Geringe Kosten
Regelmäßiger Kontakt → Kundenbindung
Risiken:
Schlechte Inhalte → Abmeldung / „Junkmail“
Qualität muss hoch sein → Fokus auf Nutzen statt Werbung
Weiterempfehlung (Mundpropaganda)
Werbeanzeigen im Newsletter (Kleinanzeigen)
Zielgruppe klar definiert
Hohe Exklusivität
Mailinglisten & Diskussionsforen
Kommunikation per E-Mail innerhalb einer Gruppe
Teilnehmer können diskutieren
Einsatz:
B2B-Kommunikation
Netzwerke
Informationsaustausch
Anforderungen:
Pflege notwendig
Regeln erforderlich (kein Spam etc.)
Unterschied zu Newsgroups:
Anmeldung erforderlich
Newsgroups, Blogs
Themenbezogene Diskussionsplattformen
Nutzen:
Gefühl für die Zielgruppe zu entwickeln
Probleme der Newsgroup-
Teilnehmer lösen
Zielgruppenanalyse
Frühzeitige Trends und Probleme erkennen
Ziele
Offene Werbung wird von den Newsgroups in der Regel abgelehnt, weshalb hier die Information im Vordergrund stehen muss.
Dadurch wird eine positive Beeinflussung des Images möglich, was langfristig wiederum zu einer Umsatzsteigerung führen kann.
Gewinnspiele
Gewinnspiele erzeugen hohe Aufmerksamkeit (abhängig von den Preisen).
Es werden zwei Zielgruppen angesprochen:
Personen, die Unterhaltung und Herausforderungen suchen
„Schnäppchenjäger“
Unterschiedliche Formen von Gewinnspielen möglich
Ziel Besucherzahlen erhöhen:
geringe Teilnahmehürden
attraktive Preise
Ziel Ideen gewinnen:
Einsatz von Kreativ-Gewinnspielen
Besonders geeignet: mehrstufige Gewinnspiele
Idealfall:
Teilnehmer ruft täglich die Website auf
z. B. für neue Fragen oder Hinweise (typisch: Adventszeit)
Gewinn muss im Verhältnis zum Aufwand stehen
Kleine Gewinnspiele:
Preise aus eigenem Sortiment
→ spricht gezielt die eigentliche Zielgruppe an
Teure Gewinne (z. B. Autos):
erhöhen Teilnahme
ziehen aber auch nicht relevante Nutzer an
Zeitliche Begrenzung → zusätzlicher Handlungsdruck
Gewinnspiele eignen sich zur:
Datensammlung (Adressen, Teilnehmerdaten)
Kombination mit Umfragen
Nutzung der Daten:
auch für andere Maßnahmen (z. B. Newsletter)
nur mit Einwilligung der Teilnehmer
Öffentlichkeitsarbeit
Ziel: Surfer sollen den Anbieter kennenlernen können
Wichtige Inhalte:
(teilweise gesetzlich vorgeschriebene) Unternehmensangaben
Nennung persönliche Ansprechpartner
nicht zwingend an erster Stelle
aber leicht auffindbar
Verlinkung der Website in:
allen Geschäftsunterlagen
Präsentationen und Folien
Produktunterlagen und Verpackungen
Einrichtung einer Rubrik „Pressemitteilungen“ auf der Website
dort: alle Pressemitteilungen über das Unternehmen
bei börsennotierten Unternehmen Teil der Pressearbeit
Bereitstellung von:
Geschäftsberichten
Jahresabschlüssen
weiteren investorrelevanten Informationen
Versand von Pressemitteilungen per E-Mail
Vorteil:
direkte Weiterverarbeitung durch Empfänger
Ergänzung:
Formular im Pressebereich
→ Journalisten können sich in Verteiler eintragen
Hinweis: Diese Maßnahmen allein sind noch nicht ausreichend.
Wahl der URL
Die URL ist entscheidend für das schnelle Auffinden der Website.
Öffentlichkeitswirksam sind Domains, die:
leicht merkbar sind
leicht erraten werden können (z. B. „kostenlos.de“)
Nutzer, die eine Seite direkt aufrufen:
merken sich in der Regel nur die Domain
darf noch nicht belegt sein
sollte leicht merkbar sein
sollte idealerweise einen Bezug zum Produktangebot haben
Mögliche Formen:
Unternehmensname
Markenname
Fantasiebezeichnung
Der Aufbau der Website beeinflusst, ob Nutzer einen Kauf tätigen
Grund: Die Wahrnehmung von Informationen hängt von der Struktur ab
Seiten sind:
zu lang (über mehrere Bildschirmseiten)
grafisch und textlich unübersichtlich
Informationen sind versteckt (z. B. hinter Grafiken/Texten)
→ Nutzer werden dadurch überfordert
Festlegen:
welche Informationen veröffentlicht werden
wie sie aufbereitet, strukturiert und verknüpft sind
Weg zu relevanten Informationen soll:
möglichst kurz
möglichst einfach sein
Nutzer überfliegen lange Texte
Wichtige Kernaussagen zuerst
Details über Links erreichbar → reduziert Seitenumfang und verbessert Übersicht
ermöglichen schnelles Finden von Informationen
erhöhen Komfort und Nutzen für den Nutzer
Analyse der Suchanfragen zeigt:
was gesucht wird
wie gesucht wird
wie häufig gesucht wird
→ daraus lassen sich ableiten:
relevante Produkte
passendes Wording
Suchmaschinen
Grundfunktion
Suchmaschinen (z. B. Google) sind große Datenbanken
speichern URLs von Webseiten
ermöglichen eine stichwortbasierte Suche
Nutzer:
geben Suchbegriffe ein
diese müssen in den Ergebnissen vorkommen
→ Bedeutung des Wordings ist entscheidend
Ergebnisse werden als Liste von URLs angezeigt
Reihenfolge basiert auf einem internen Ranking
Nutzerverhalten:
Fokus auf die ersten 10 Ergebnisse
selten Betrachtung aller Ergebnisse
→ Ziel der Anbieter: möglichst weit oben gelistet werden
abhängig von:
der Suchanfrage
dem Stand der Datenbasis (neue Seiten verdrängen alte)
konkrete Kriterien u. a.:
Titel des Dokuments
Aktualität
Abstand der Suchbegriffe zueinander
Häufigkeit der Suchbegriffe
genaue Funktionsweise:
wird von Suchmaschinen nicht offengelegt
Ziel: Verbesserung des Rankings
Maßnahme: Optimierung der Webseiten für Suchmaschinen
Begriff:
SEO (Search Engine Optimization)
hohe Position im Organic Listing (nicht bezahlte Ergebnisse)
zusätzliche, für Nutzer nicht sichtbare Angaben
enthalten:
Beschreibungen
Schlüsselwörter
Umsetzung:
als HTML-Befehle
im Header-Bereich der Seite
→ dienen der Verbesserung der Suchergebnisse
Suchmaschinen bieten Werbeplätze an
Formen:
Keyword Advertising / Search Engine Advertising (SEA)
Anzeigen meist als Textanzeigen
Funktionsweise:
Anzeigen erscheinen bei bestimmten Suchbegriffen
Abrechnung meist über Klickpreis (Auktion)
zielgruppen- und stichwortgenaue Werbung
hohe Übereinstimmung zwischen:
Suchbegriff
Werbeanzeige
→ dadurch hohe Responsequote
Webkataloge
Webkataloge (z. B. Yahoo, Lycos) sind eine Alternative zu Suchmaschinen
funktionieren nicht stichwortbasiert, sondern:
Einordnung von Websites in Kategorien
Struktur:
hierarchischer Themenkatalog
→ Nutzer können Angebote finden, auch ohne konkrete Suchbegriffe
Klassifizierung erfolgt durch eine Redaktion
keine automatische Aufnahme:
Websites werden manuell geprüft
→ dadurch:
weniger Einträge als bei Suchmaschinen
ähnlich wie bei Suchmaschinen:
Eingabe von Informationen über ein Formular
zusätzlich erforderlich:
Auswahl einer Kategorie
→ Auseinandersetzung mit der Themenhierarchie
endgültige Entscheidung:
trifft ein Redakteur
(Aufnahme und Einordnung)
Finanzierung über Werbung
Möglichkeit:
Einblendung von Werbebannern
nach dem Prinzip des Keyword-Advertisings
in passenden Kategorien
Link-Exchange
gegenseitige Verlinkung mit:
Geschäftspartnern
Kunden
anderen Websites
basiert auf:
Freiwilligkeit
ohne umfangreiche Vertragswerke
entspricht der Mund-zu-Mund-Propaganda
Links werden:
eher als persönliche Empfehlung
und weniger als Werbung wahrgenommen
Social-Media-Marketing (Web 2.0)
Internetdienste mit:
nutzergenerierten Inhalten
starkem Community-Gedanken
Kontaktplattformen (z. B. Facebook, XING)
Blogs und Microblogs (z. B. Twitter)
Pod- und Videocasts
Wikis (gemeinsames Erstellen/Ändern von Inhalten)
Social Bookmarking (z. B. Mister Wong, LinkArena)
Widgets (z. B. Apps)
Nutzung für:
→ Ziel: Ansprache potenzieller Kunden
Einsatz von Meinungsführern / Influencern (viele Follower)
Nutzung von markenspezifischen Konsumentenaktivitäten:
Konsumenten bewerben Produkte selbst
z. B. durch Hochladen von Produktfotos
electronic word of mouth (eWOM):
Austausch zwischen Konsumenten
z. B. Erfahrungsberichte, Rezensionen
Analyse von:
Kommunikations und Surfverhalten der Nutzer, um die daraus gewonnenen Erkenntnisse für werbliche Zwecke zu nutzen.
finanzielle Anreize:
Preisnachlässe
Buchungsgebühren
Coupons
Produktproben (z. B. Software)
Serviceleistungen:
z. B. Berechnung von Kreditangeboten oder Bausparverträgen
Bundling von Produkten
Kombination mit ergänzenden Accessoires
Einsatz von Verknappung:
„Solange der Vorrat reicht“
„Limited Edition“
„Begrenztes Angebot bis …“
Förderung des Verkaufs
schnellere Geschäftsabschlüsse
Hilfen bei:
Produktselektion
Produktvergleichen
individueller Anpassung
Finanzierungsangeboten
Virtuelles Verkaufspersonal
Bereitstellung von Beratungsfunktionalität auf der Webseite
dient der Differenzierung vom Wettbewerb
Einsatz von Avataren (virtuelle, künstliche Personen)
dahinter stehen:
wissensbasierte, selbstlernende Systeme
künstliche Intelligenz (meist fallbasiert)
Vermittlung der Unternehmens-Erfahrung im Internet
nicht nur Produktinformationen, sondern:
individuelle und interaktive Bereitstellung von Fachkompetenz
nur für Nutzer, die diese aktiv nutzen wollen
Webpräsenz ermöglicht:
Finden von individuell passenden Produkten
basierend auf eigenen Entscheidungen
Berechnung von Finanzierungskonditionen
Zusammenstellung von Produkten
→ schafft Mehrwert für den Kunden
Einsatz von Systemen mit Wissensmanagement
berücksichtigen die Erfahrung eines Verkäufers
→ Übertragung der Unternehmenskompetenz auf das E-Business-Modell
Einsatz auch nach dem Kauf möglich:
Hotline
Unterschied:
einfache Supportforen:
Listen lediglich mögliche Fehlerquellen
interaktive Systeme:
führen den Kunden anhand seiner Angaben zur Lösung
→ höherer Mehrwert und Kundenbindung
Cross-Selling im After-Sales-Bereich:
Hinweis auf Zusatzprodukte
Hinweis auf ergänzendes Zubehör
Personalisierung
Personalisierung hat großes Potenzial zur Kundenbindung
durch:
persönliche Ansprache
Anpassung an Bedürfnisse des Kunden
→ Kunde fühlt sich für das Unternehmen besonders wichtig
spezielle Rabatte / Credit-Points beim Kauf
individuelle Angebote per E-Mail
individuelle Beratung
Personalisierung von Webangeboten
Nutzer wird identifiziert
erhält individuell zusammengestellte Webseiten
Personalisierte E-Mails
Hinweise auf individuell passende Angebote und Dienstleistungen
basierend auf dem Kundenprofil
Vorteile müssen dem Kunden vermittelt werden
Kunde muss bereit sein:
Daten und Interessen preiszugeben
wichtig:
Schutz der Kundendaten
Community-Angebote
Kundenbindung durch virtuelle Communities
Plattform:
Website zum Austausch von Nutzern mit ähnlichen Interessen
→ entspricht Kundenclubs
Nutzer müssen Daten preisgeben → ermöglicht Profiling → erhöht Zielgenauigkeit von Marketingmaßnahmen
starker Gemeinschaftsgedanke
enge Bindungen zwischen Mitgliedern
→ Angebote werden:
eher als Empfehlung
zusätzlicher Effekt:
Befriedigung sozialer Bedürfnisse
Teamgeist → Anreiz zur wiederholten Nutzung
Nutzung bestehender Communities
Aufbau von Sub-Communities in Netzwerken
Entwicklung eigener (Brand-)Communities
Nutzung von Social-Media-Stars / Meinungsmachern
mit eigenen, reichweitenstarken Communities
→ stark wachsender Bereich, besonders im B2C
Hauptzielgruppe:
14–29 Jahre
teilweise auch ältere Zielgruppen
Kommunikation erfolgt durch unabhängige Person, nicht Unternehmen
folgen bewusst dem Influencer
vertrauen dessen Empfehlungen
Nano-Influencer: < 10 T
Micro-Influencer: 10 T – 99 T
Macro-Influencer: 100 T – 999 T
Mega-/Celebrity-Influencer: 1 – 9 Mio.
Giga-Influencer: > 10 Mio.
Hinweis:
kleinere Influencer → oft höhere Engagementraten und mehr Glaubwürdigkeit
Analyse der Interaktionen und Kommunikation in Communities
Begriff aus:
„Internet“ + „Ethnografie“
unbeeinflusste Informationen
z. B.:
Meinungen
Wertvorstellungen
Einstellungen zu Produkten
Attraktivität einer Community hängt ab von:
den Teilnehmern
dem angebotenen Service
Empfehlungsmarketing
Empfehlungsmarketing wird auch als Mund-zu-Mund-Propaganda bezeichnet.
Es wird in verschiedenen Bereichen als Akquisitionsmethode eingesetzt.
Bestehende Kunden werden gebeten:
einen Handlungshinweis (Empfehlung) an andere weiterzugeben
dadurch entstehen neue Kundenkontakte (Leads)
Grundlage:
Empfehlungen haben einen Glaubwürdigkeitsvorteil gegenüber Werbung
Ziel ist die Beeinflussung der Kaufentscheidung
Auch bezeichnet als:
Referenzmarketing
Besonders wirksam:
bei erklärungsbedürftigen Produkten
Voraussetzung:
Kundenzufriedenheit der bestehenden Kunden (Empfehlungsgeber)
Durch Web-2.0-Anwendungen wurde Empfehlungsmarketing als:
Viralmarketing instrumentalisiert
möglichst viele Empfehlungen erzeugen
dadurch neue Kunden gewinnen
Empfehlungsmarketing:
Empfehlung erfolgt aus Überzeugung oder Loyalität
Affiliate-Marketing:
Empfehlung erfolgt durch Anreizsysteme:
Provisionen
Punkte
Rabatte
Verlinkungen
Affiliate-Marketing
Internetbasierte Vertriebsform
Vertriebspartner (Affiliates) vermitteln Geschäfte
erhalten im Erfolgsfall eine Provision
Anbieter:
stellt Werbemittel bereit
Affiliate:
platziert diese:
auf eigenen Webseiten
oder in anderen Kanälen (z. B. Mailings)
Vermittlung erfolgt über einen Link
dieser enthält einen Code (Tracking)
dadurch kann der Affiliate zugeordnet werden
Bezahlung je nach Vereinbarung:
Pay-per-Click
Pay-per-Lead (qualifizierter Kundenkontakt)
Pay-per-Sale
Unternehmen vermarkten ihre Angebote durch:
Verlinkung mit Partner-Webseiten
Entertainment
Entertainment ist ein wichtiger Aspekt der Kundenbindung.
Entertainment bedeutet nicht nur:
virtuelle Einkaufswelten (3D-Erlebnisse)
diese sind aktuell technisch nur schwer umsetzbar
Online-Spiele durchführen
Chat-Foren einrichten
Online-Events anbieten:
z. B. Chatten mit Prominenten
Preise ausschreiben
Unterhaltung schafft für den Nutzer einen Mehrwert
führt dazu, dass Nutzer die Seite wiederholt besuchen
Sonderform des Entertainments
bedeutet:
Wissensvermittlung in unterhaltender Form
4.3.4.4 Mobile Marketing
Mobile Marketing ist eine Form des individualisierten Marketings. Darunter versteht man alle Marketingmaßnahmen, die über Smartphones oder andere mobile Endgeräte durchgeführt werden.
Nutzer direkt erreichen
Nutzer zu einem bestimmten Verhalten bewegen (z. B. Kauf, Nutzung eines Angebots)
Unternehmen stellen über mobile Geräte bestimmte Leistungen bereit, zum Beispiel:
Musik
Videostreams
Produktkäufe
Dadurch entsteht eine Interaktion mit potenziellen Kunden.
Werbebotschaften werden aktiv an Nutzer gesendet
Grundlage sind häufig Adresslisten
Der Kunde fordert Informationen selbst an
Nutzer leiten erhaltene Nachrichten an andere weiter
Dem Werbetreibenden soll ermöglicht werden:
dem Kunden individuelle Angebote zu machen
diese Angebote an das Nutzerprofil anzupassen
dadurch die Kaufwahrscheinlichkeit zu erhöhen
4.3.4.5 Stealth-Marketing (Undercover-Marketing)
Stealth-Marketing umfasst Marketingmaßnahmen, bei denen der Kunde nicht erkennt, dass es sich um Werbung handelt. Produkte oder Leistungen werden versteckt bzw. heimlich angeboten oder empfohlen, und der Werbecharakter bleibt auch im Nachhinein verborgen.
Aufmerksamkeit für ein Produkt erzeugen
Produktbewertungen durch potenzielle Kunden beeinflussen
Negative Reaktionen auf klassische Werbung reduzieren, wodurch:
die Aufmerksamkeit steigt
die Verarbeitung der Werbebotschaft intensiver erfolgt
Blogs, Bewertungsportale, Communitys oder Online-Foren
Es wird der Eindruck vermittelt, dass es sich um Meinungen von Privatpersonen handelt
Einbindung von Produkten in Videospiele, Apps usw.
Werbung in Liedern
Integration von Marken oder Produkten in Songs
Celebrity-Marketing
Produkte werden bei medienwirksamen Auftritten bekannter Personen in deren Alltag eingebunden
Brand-Pushers
Bezahlte Schauspieler treten als scheinbar normale Nutzer auf
Sie verbreiten Werbebotschaften an Orten wie:
Bars
Discos
Touristenorten
Musikläden
Internet
Auftreten z. B. als zufriedene Verbraucher oder Nutzer
Kunden können diese Werbeform als hinterhältig wahrnehmen
Es besteht die Gefahr, dass rechtliche und moralische Grenzen überschritten werden
4.3.4.6 Lead-Management
Lead-Management wird vor allem in B2B-Unternehmen verwendet. Es beschreibt die Generierung und Qualifizierung von Interessenten (Leads) über:
Online-Kanäle
E-Mails
Suchmaschinenmarketing
Social-Media-Marketing
Offline-Kanäle
Messen
Ausstellungen
Kongresse
Telefonmarketing
Lead-Management umfasst alle Maßnahmen, mit denen aus Interessenten tatsächliche Käufer gemacht werden.
Dazu werden:
Content
Prozesse
Werkzeuge
miteinander verknüpft, sodass:
Interessenten individuell
entsprechend ihrer aktuellen Bedürfnisse
mit Informationen versorgt werden und schrittweise bis zum Verkaufsabschluss qualifiziert werden.
Lead-Management ist besonders geeignet für:
erklärungsbedürftige Produkte oder Dienstleistungen im B2B
Situationen mit einem längeren Entscheidungszeitraum beim Kunden
Abgestimmte Kommunikation
Strukturierte Vorgehensweise
Enge Zusammenarbeit zwischen Marketing und Vertrieb
Bereitstellung von relevanten Informationen für den Empfänger
Einsatz von Software zur Planung und Umsetzung von Kampagnen
Integration in ein CRM-System, sodass:
der Vertrieb über Maßnahmen und Ergebnisse informiert ist
Stufe 1:
Bereitstellung von Informationen zu:
Produkten
Unternehmen
Aufbereitung z. B. im Internet (Content-Management)
Hintergrund: Kunden informieren sich zunächst selbst, bevor sie Kontakt aufnehmen
Stufe 2:
Bei vorhandenem Interesse:
persönliche Beratung
zusätzliche Unterlagen
Demonstrationen
Ergebnis: Aus einem qualifizierten Lead wird ein umsatzreifer Lead, der an den Vertrieb übergeben wird
Generierung von potenziellen Kunden
Qualifizierung dieser Kunden
Übergabe an den Vertrieb („sales qualified leads“)
Die weitere Bearbeitung erfolgt im Vertriebsmanagement
4.3.5 Kommunikations-Mix (Multi-Channelling)
Die Multi-Channel-Kommunikation ist ein strategischer Ansatz, bei dem Unternehmen versuchen, ihre potenziellen Kunden über mehrere Kommunikationskanäle gleichzeitig zu erreichen, z. B.:
TV
Hörfunk
Zeitung
Die Kommunikation dient im Marketing vor allem der Absatzförderung.
Unternehmen können dabei:
verschiedene Instrumente
und zahlreiche Kommunikationskanäle
einsetzen.
Die Kommunikationspolitik hat die Aufgabe:
Instrumente und Kanäle passend auszuwählen
diese optimal zu kombinieren
Ziel ist eine:
vernetzte
koordinierte
zielgerichtete Kommunikation
→ um absatzfördernde Effekte zu erzielen
Eine gut abgestimmte Kommunikation führt zu:
Wiedererkennung des Unternehmens
Aufbau einer Corporate Identity (Unternehmensidentität)
Visuelle Gestaltung, z. B.:
Firmenname
Firmenlogo
Einheitliches Verhalten gegenüber:
Lieferanten
Mitarbeitern
Kapitalgebern
Einheitliche Kommunikation, z. B.:
Slogans in der Werbung
Außendienst
4.4 Vertriebsmanagement (Sales)
Nachdem:
das Angebot
und die Preise festgelegt wurden und der Kunde durch die Kommunikationspolitik informiert wurde,
muss entschieden werden:
über welche Absatzkanäle das Produkt zum Kunden gelangt
und mit welchen Verkaufsorganen der Vertrieb erfolgt
Die Distributionspolitik umfasst alle Entscheidungen dazu, wie eine Leistung vom Unternehmen zum Kunden gelangt.
Sie besteht aus zwei zentralen Bereichen:
→ Fokus: Absatzwege und Kundenbeziehungen
Wahl der Absatzwege
Vertragliche Vertriebssysteme
👉 Wenn vertragliche und kommunikative Beziehungen zwischen den Beteiligten im Vordergrund stehen, spricht man von akquisitorischer Distribution 👉 In der Praxis wird dies als Vertriebsmanagement (Sales) bezeichnet
→ Fokus: logistische Abwicklung
Transportmittel
Transportwege
Lagerhaltung
Standort
👉 Hier geht es um die physische Überbrückung von Ort und Zeit (Marketing-Logistik)
Die Distribution wird auch als Channel-Policy bezeichnet, da entschieden werden muss:
welcher Distributionskanal genutzt wird
wie der Informationsfluss gestaltet ist
wie der Geldfluss abläuft
welche Teilnehmer beteiligt sind (Anzahl und Art)
welche vertraglichen Beziehungen bestehen
Distributionspolitik = Gesamtheit aller Entscheidungen über den Weg zum Kunden
Akquisitorische Distribution = Vertriebsmanagement (Sales)
Physische Distribution = logistische Umsetzung
4.4.2 Vertrieb (Sales)
In der Praxis werden statt „akquisitorische Distribution“ meist die Begriffe Vertrieb oder Verkauf verwendet.
Grundfunktion des Vertriebs
Umfasst alle Aktivitäten, die direkt auf einen Verkaufsabschluss abzielen (Umsatzgenerierung)
persönlich (Außendienst)
unpersönlich (Telefon, PC, Versandhandel)
Der Vertrieb umfasst:
Funktionen und Tätigkeiten
Methoden und Instrumente
Strukturen und Prozesse
Systeme
Ziele:
Gewinnung von Aufträgen (Umsatz)
Kundensicherung
Warenbereitstellung
Im Rahmen des Vertriebs müssen Entscheidungen getroffen werden über:
Absatz- bzw. Vertriebswege
Absatzmittler
Außendienst (Vertriebsstruktur)
Verkaufsformen
Vertriebsorgane
Zur Gestaltung der Vertriebswege stehen verschiedenen Vertriebsorgane zur Verfügung
Intern:
Innendienst (z.B. Auftragsabwicklung, Klärung logistsicher fragen -> hält dem Außendienst den Rücken frei)
Call-Center
Kundendienst (bei komplexen Gütern, Industriegütern; Für Erbringung der Wartungsleistung zuständig)
Extern
unabhängige Groß- und Einzelhändler
Großhändler: richten sich an Wiederverkäufer; werden große Mengen verkauft
Einzelhänder: arbeiten mit dem privatn Händler
gebundene Franchissysteme und Vertragshändler
4.4.2.1 Vertragliche Vertriebssysteme
Ziel: Den Einfluss des Herstellers auf das Marketing trotz selbstständiger Absatzmittler sichern.
👉 Absatzmittler sind:
wirtschaftlich und rechtlich selbstständige Akteure (z. B. Handel)
👉 Lösung:
Einsatz vertraglicher Systeme, die die Geschäftspolitik an den Hersteller binden
Ein Franchisesystem ist eine Zusammenarbeit / vertragliche Kooperation zwischen zwei Parteien:
Franchisegeber → das Unternehmen mit der Marke und dem Konzept
Franchisenehmer → selbstständiger Unternehmer (z. B. Ladenbesitzer)
👉 Der Franchisegeber entwickelt ein fertiges Geschäftskonzept und stellt es dem Franchisenehmer zur Verfügung.
Einheitliches Auftreten am Markt
Alle Standorte wirken wie Filialen eines großen Unternehmens
👉 Obwohl:
die einzelnen Geschäfte unabhängig geführt werden
Stell dir vor, du eröffnest ein McDonald’s-Restaurant:
Du bist der Franchisenehmer
McDonald’s ist der Franchisegeber
Du musst:
genau vorgegebene Produkte verkaufen
den Laden nach festen Regeln gestalten
Marketingvorgaben einhalten
Aber:
der Laden gehört dir
du führst ihn selbstständig
👉 Für die Nutzung des Systems zahlst du Gebühren an McDonald’s.
Gute Gewinnaussichten, weil:
Marke bereits bekannt ist
Gebietsschutz (kein anderer Franchise im gleichen Gebiet)
Unterstützung, z. B.:
teilweise finanzielle Hilfe
👉 Du musst das Geschäft nicht komplett selbst entwickeln.
Wenig Entscheidungsfreiheit
du musst dich an Vorgaben halten
Kosten
laufende Gebühren
Werbungskosten
Einschränkungen
feste Einkaufspreise
vorgeschriebene Mengen
Ausstattung muss oft bei bestimmten Partnern gekauft werden
👉 Franchising ist ein System, bei dem:
ein Unternehmen (Franchisegeber)
einem selbstständigen Händler (Franchisenehmer)
ein komplettes Geschäftskonzept zur Verfügung stellt, damit dieser es gegen Gebühr einheitlich umsetzt.
👉 „Selbstständig, aber nicht frei“
Ein Vertragshändler ist ein selbstständiger Händler, der Produkte eines Herstellers verkauft und sich dabei an dessen Vorgaben hält.
👉 Unterschied zum Franchising:
keine Gebühren
aber trotzdem starke Bindung an den Hersteller
Der Händler:
kauft Produkte vom Hersteller
verkauft sie im eigenen Namen und auf eigene Rechnung
muss sich aber an bestimmte Regeln des Herstellers halten
wie Produkte präsentiert werden
welche Standards eingehalten werden
Beispiel:
Ein Autohaus (z. B. VW-Händler):
verkauft VW-Autos
gehört aber nicht zu VW selbst
muss:
Showroom-Vorgaben einhalten
Markenrichtlinien beachten
👉 Aber:
verdient selbst am Verkauf
zahlt keine Franchisegebühr
Der Händler verkauft Produkte für den Hersteller, nicht für sich selbst.
👉 Wichtig:
nicht eigenes Geschäft, sondern Vermittler
Der Händler verkauft:
im Namen des Herstellers
auf Rechnung des Herstellers
👉 Das bedeutet:
Ware gehört bis zum Verkauf dem Hersteller
der Händler ist nur Vermittler
Hersteller bestimmt:
Preis
Verkaufsbedingungen
👉 Händler hat kaum Einfluss
im eigenen Namen
aber für Rechnung eines anderen (Kommittent)
👉 Das ist eine Mischung aus den anderen Systemen.
Der Kommissionär:
verkauft Ware als ob sie seine wäre
aber:
Gewinn/Verlust gehört dem Auftraggeber
👉 Eigentum:
bleibt beim Auftraggeber
geht nur über, wenn Händler selbst kauft (Selbsteintritt)
Händler bekommt:
Provision (Kommission) abhängig vom Umsatz
Modegeschäft:
verkauft Kleidung eines Herstellers
Kleidung gehört weiterhin dem Hersteller
Laden verkauft sie im eigenen Namen
👉 Kunde merkt nicht, dass es nicht dem Laden gehört
Unternehmen nutzen mehrere Wege gleichzeitig, um Kunden zu erreichen.
Ein Unternehmen verkauft z. B. über:
Online-Shop
Filialen
Telefonverkauf
👉 Alles gleichzeitig = Multi-Channel
Kunden über verschiedene Wege erreichen
mehr Kontaktpunkte schaffen
Die Kanäle müssen aufeinander abgestimmt sein:
wirtschaftlich → Kosten & Nutzen
technisch → Systeme funktionieren zusammen
organisatorisch → Abläufe sind koordiniert
4.4.2.2 Vertriebsstruktur / -organisation
Die Abgrenzung zwischen Marketing und Vertrieb ist nicht immer eindeutig.
Mögliche Einordnungen:
Vertrieb als Teil des Marketings
Vertrieb als eigenständiger Bereich
Marketing als Teil des Vertriebs
👉 Empfehlung:
Operative Trennung von Marketing und Vertrieb, da die Aufgaben unterschiedlich sind
👉 Vorteil eines eigenständigen Vertriebs:
stärkere Kundenorientierung
bessere Reaktion auf Kundenanforderungen
Der Vertrieb selbst wiederum kann nach drei Merkmalen organisiert werden:
1. Unterteilung nach Produkten/Produktgruppen
2. Unterteilung nach Regionen
3. Unterteilung nach Kundengruppen
Vor- und nachteile:
Privatkunden → Filialen
Geschäftskunden → Außendienst
Industriekunden → Key-Account-Management
👉 Hintergrund:
Pareto-Prinzip:
20 % der Kunden = 80 % des Umsatzes
→ Schlüsselkunden (Key Accounts) sind besonders wichtig
👉 Auswahl von Key Accounts basiert auf:
Umsatz und Ertrag
zusätzlich z. B.:
strategisches Potenzial
Umweltfaktoren
Cross-Selling-Potenzial
Referenzpotenzial
👉 Bei speziellen Anforderungen:
Einsatz von Branchenspezialisten
👉 Alternative Organisationsform:
nach Vertriebsweg / Marktstufe:
Hersteller
Händler
Endverbraucher
Neben der Struktur müssen Aufgaben verteilt werden.
Eine weitere Rolle ist die des Vertriebs- oder Verkaufsleiters, der das Vertriebsteam führt, aber auch selbst im Vertrieb tätig wird.
Zudem kümmert er sich um konzeptionelle und strategische Themen.
Umsatzzielerreichung durch:
Kundensuche und -qualifizierung
Neukundengewinnung
Stammkundenpflege
Verhandlungen
Marktforschung beim Kunden
Produktpräsentationen
Mitarbeit an Planung und Verkaufsförderung
Effizienzzielerreichung durch:
Unterstützung Außendienst
Kundenbetreuung (telefonisch/schriftlich)
Angebotserstellung & Auftragsabwicklung
Fakturierung
Beschwerdebearbeitung
Abstimmung mit Logistik
Unterstützung Marketingaktionen
Effizienzzielerreichung
Gewinnung und Sicherung von Schlüsselkunden
Vertrags- und Konditionenverhandlungen
Projektarbeit mit Kunden
Prozessoptimierung
Marktforschung
Präsentationen
Abstimmung mit Vertrieb
Umsatz- und Ergebniszielerreichung
Führung und Förderung der Mitarbeiter
Festlegung von Richtlinien
Entwicklung von Strategien
Verhandlungen mit Schlüsselkunden
Steuerung von Vertriebspartnern
Vertriebsplanung
Weiterentwicklung von CRM-Systemen
4.4.2.3 Verkaufsformen
Nachdem die Vertriebsorganisation festgelegt wurde, muss entschieden werden, wie verkauft wird(Verkaufsform).
Die Verkaufsform entspricht der Wahl der Kommunikationskanäle zwischen Unternehmen und Kunden.
Entscheidend sind:
Art des Kontakts
Einsatz von Medien
Es gibt drei grundlegende Verkaufsformen:
Persönlicher Verkauf (Face-to-Face)
Mediengestützter Verkauf (distanzpersönlich / Voice-to-Voice)
Mediengeführter Verkauf (unpersönlich)
Wichtigste, aber auch teuerste und anspruchsvollste Verkaufsform
Starke emotionale Komponente („Chemie“ zwischen Käufer und Verkäufer)
Hohe Anforderungen an:
Persönlichkeit
Kommunikationsfähigkeit
Fähigkeit zur Beziehungsgestaltung
Erfolg hängt oft von der persönlichen Wirkung ab
Besonders wichtig bei:
erklärungsbedürftigen Produkten
technologischen Produkten
hochwertigen Leistungen
Kunden benötigen hier Beratung und Vertrauen
Ziel: Vertragsabschluss durch persönliche Gespräche
Weitere Aufgaben:
Informationsgewinnung
Unterstützung des Kunden
Beeinflussung der Einstellung des Kunden
Vorteil: direkte Reaktion auf Einwände möglich
Nachteil: hohe Kosten
Negative Kundenerfahrungen sind schwer korrigierbar
Nach Ort (Point of Sale)
Stationärer Verkauf
Verkäufer ist an festen Ort gebunden
Kunde kommt zum Verkäufer → Beispiele: Laden-, Schalterverkauf
Nicht stationärer Verkauf
Verkäufer besucht Kunden oder trifft sie extern → Beispiele: Außendienst, Messen, Präsentationen
Sonderform: Strukturvertrieb (Multi-Level-Marketing)
Verkauf im privaten Umfeld
Kunden werden zu weiteren Verkäufern
Wechselnde Standorte
Messeverkauf
Marktverkauf
Aktionsverkauf
Hausverkauf (z. B. Tupperpartys)
Verkaufsbudget
Anzahl, Auswahl und Schulung der Mitarbeiter
Einteilung von Verkaufsgebieten
Besuchsplanung (Häufigkeit, Dauer)
Vergütungssysteme
Routenplanung (Zeitoptimierung)
Verkehrsmittelwahl
→ Unterstützung durch Geomarketing-Systeme:
Digitale Karten mit Kunden-, Produkt- und Wettbewerbsdaten
Mediengestützter Verkauf (semipersönlich)
Käufer und Verkäufer kommunizieren über ein Medium, aber interaktiv
1. Telefonverkauf (Call Center)
Besonders wichtig im B2B-Bereich
Funktionen:
Ersatz oder Unterstützung des Außendienstes
Terminvereinbarung
Bedarfsermittlung
Interesse wecken
Kostensenkung
Entwicklung:
Übergang zum Communication-/Social-Media-Center
Verknüpfung von:
Telefon
E-Mail
Datenbanken
Zugriff auf:
Kundenhistorie
aktuelle Vorgänge
Problemlösungen
Dokumentation aller Kontakte
Rechtlicher Hinweis:
Kontaktaufnahme zu Werbezwecken nur mit vorheriger Einwilligung
2. Videokonferenzen
Erweiterung des Telefonverkaufs um Bildübertragung
Persönlichkeit wirkt stärker als am Telefon
Nachteil:
keine echte persönliche Nähe
Kosteneinsparung (weniger Reisen)
Kein direkter persönlicher Kontakt
Kommunikation erfolgt ausschließlich über Medien
Kataloge (Print oder digital)
Internet:
E-Commerce
Online-Marktplätze
Smartphones:
Mobile Commerce
Stark wachsender Bereich
Gründe:
einfache Informationsbeschaffung
komplette Kaufabwicklung online möglich
Die geeignete Verkaufsform hängt ab von:
Produkt
Kaufverhalten der Kunden
Marktbedingungen
Produkte erklärungsbedürftig sind
Kaufprozesse lang dauern
Kauf als risikoreich empfunden wird
Produkte teuer sind
ein hoher Dienstleistungsanteil besteht
4.4.2.4 Vertriebsprozesse
Ziel: Umsetzung der Vertriebsstrategie
Dafür werden konkrete Aktivitäten zur Kundengewinnung und zum Abschluss festgelegt
potenzielle Kunden identifizieren
Kunden kontaktieren
Termin vereinbaren
Bedarf klären
Angebot präsentieren
Angebot erstellen
verhandeln
Kauf abschließen
Die Kundengewinnung umfasst 5 Stufen (0–4). Bestehende Kunden können auch direkt in Stufe 2 oder 3 einsteigen.
Enthält potenzielle Kundenadressen (z. B. aus Datenbanken)
👉 Ziel: Auswahl geeigneter Zielgruppen
Leads = qualifizierte, verfolgenswerte Kontakte
Hot Leads → sofort bearbeiten
Leads in Process → noch Informationen nötig
Cold Leads → nicht weiterverfolgen
Brief
Telefonat
erstes persönliches Gespräch
👉 Leads bilden die Grundlage für alle weiteren Vertriebsaktivitäten
Kontakte mit qualifiziertem Interesse
👉 Kunde zeigt konkretes Interesse am Angebot
Interessenten mit:
konkretem Bedarf
zeitnaher Kaufabsicht
Bedarf kann durch das Unternehmen erfüllt werden
👉 Fokus: passende Lösung entwickeln
Verkaufschancen mit konkreter Abschlusschance
Trennung zwischen Konzept- und Angebotsphase
Bedarf und Lösung müssen genau abgeglichen werden
frühzeitige Positionierung gegenüber Wettbewerbern
👉 Ergebnis: konkretes Angebot und Verhandlung
Mit dem Kauf (Auftrag) endet die Kundengewinnung
Danach beginnt der Kundenausbau
Stufen des Vertriebsprozesses – Kundenausbau
Der Kundenausbau dient dazu, gewonnene Kunden weiterzuentwickeln – bis hin zur Partnerschaft.
Alle neu gewonnenen Kunden
👉 Start der Kundenbeziehung
Unterscheidung:
Einmalkunden
dauerhafte Kunden
👉 Ziel: Kundenzufriedenheit sichern
Kunde:
bleibt loyal
spricht positiv über das Unternehmen
empfiehlt aktiv weiter
👉 Vertrieb endet nicht mit Zufriedenheit, sondern mit Weiterempfehlung
Top-Kunden
enge Zusammenarbeit:
Kooperation
Netzwerkbildung
👉 höchste Entwicklungsstufe der Kundenbeziehung
Der Vertriebsprozess besteht aus zwei Phasen:
Kundengewinnung (Stufe 0–4) → vom Kontakt bis zum Abschluss
Kundenausbau (Stufe 5–8) → vom Kunden bis zum Partner
Ziel ist nicht nur der Verkauf, sondern die langfristige Entwicklung von Kundenbeziehungen bis hin zur Partnerschaft.
4.4.2.5 Kundenbetreuung
Ein Kundentermin muss sorgfältig vorbereitet werden, da dies die Erfolgschancen erhöht.
eigenes Produktwissen (inkl. Umfeld und Service)
Wissen über den Kunden und dessen Nutzen
Planung von:
Verkaufsaktivitäten
Hilfsmitteln (z. B. Verkaufsunterlagen)
persönliches Erscheinungsbild
Verkaufsargumentation
Besuchsziel
Gesprächseröffnung
mögliche Argumente und Einwände des Kunden
Einwandbehandlung
Preisgespräche
Abschlusstechnik
Verabschiedung
Der Verkauf endet nicht mit dem Abschluss, sondern erfordert eine systematische Nachbereitung.
Festhalten von:
Kundeninformationen
Kaufmotiven und Bedarf
Gesprächsbewertung
vereinbarten Maßnahmen
Grundlage für nächste Gespräche
Informationsbasis für das CRM-System
Zugriff für andere Mitarbeiter
kritische Eigenanalyse, z. B.:
Auftreten und Verhalten
Vorbereitung und Gesprächsführung
Einsatz von Unterlagen
Verständnis von Bedarf und Kaufmotiven
Umgang mit Einwänden
👉 Ziel: kontinuierliche Verbesserung
Auftrag im System erfassen (bei Abschluss)
Kundendaten aktualisieren
vereinbarte Maßnahmen umsetzen
Informationen dokumentieren, z. B.:
Wettbewerber
Preise und Konditionen
Markt- und Unternehmensentwicklungen
Bedarfsentwicklungen
👉 alles wird im CRM-System gespeichert
Falls ein Angebot erstellt werden soll → Angebotsmanagement
Angebotsmanagement
Ein strukturierter Angebotsprozess umfasst 5 Bereiche:
basiert auf methodischem Vorgehen und IT-Systemen (z. B. CRM)
Einsatz von:
Produktkonfiguratoren
standardisierten Kalkulationen
kürzere Angebotszeit (v. a. bei komplexen Produkten)
höhere Transparenz für den Kunden
flexible Anpassung an Kundenwünsche
schnellere Bearbeitung
Angebote nachverfolgen
Anfragen vorab auf Erfolgschancen prüfen
Verändertes Kundenverhalten durch Internet:
preissensibler
qualitätsbewusster
besser informiert
geringere Loyalität
höherer Zeit- und Preisdruck
mehr Transparenz
stärkere wirtschaftliche Bewertung von Angeboten
steigende Komplexität (z. B. Einbindung in Supply Chains)
Produktinfos online
schnelle und individuelle Lösungen
transparente Preise
elektronische Angebote
Einsatz von CRM-Systemen verbessert:
Informationsqualität
Geschwindigkeit
Individualisierung von Angeboten
Nachverfolgung und Analyse
👉 steigert die Auftragswahrscheinlichkeit
klare Struktur
Beschreibung der Leistung:
technische Daten
Dokumentationen und Zeichnungen
Zusatzleistungen:
z. B. Schulung, Wartung
transparente Preisgestaltung:
Preisbestandteile
Liefer- und Zahlungsbedingungen
Liefertermine
Haftung
professionelles Erscheinungsbild
entspricht der Corporate Identity
Marktposition gegenüber Wettbewerbern
Produktverfügbarkeit
Qualität, Leistung, Technologie
Preis-Leistungs-Verhältnis
Individualisierung
konkreter Nutzen für den Kunden
👉 Wichtig: auch erkennen, wo man nicht konkurrenzfähig ist
Auftragsabwicklung
umfasst alle administrativen Tätigkeiten von Anfrage bis Rechnung
gehört nicht direkt zum Vertrieb, ist aber relevant, da:
Kunden sich bei Problemen an den Vertrieb wenden
Bonitätsprüfung
Arbeitsplanung und -steuerung
Materialdisposition
Produktion
Versanddokumente
Fakturierung (Rechnung)
effiziente Prozesse → weniger Kosten und höhere Kundenzufriedenheit
After-Sales-Management
Maßnahmen nach dem Kauf, um:
Kunden in ihrer Entscheidung zu bestätigen
Zufriedenheit zu erhöhen
Wiederkäufe zu fördern
Kundenbindung zu stärken
👉 Teil des Customer-Relationship-Management (CRM)
oft höhere Margen als Neugeschäft
steigert:
Kundenwert
Unternehmensprofitabilität
Kundenbeziehung besteht über die gesamte Nutzungsdauer
Kundendienst
Wartung und Reparatur
Gewährleistung
Ersatzteile
Lieferservice
laufende Betreuung durch Vertrieb
Erkenntnisse über:
Kundenanforderungen
Produktnutzung
Stärken und Schwächen des Angebots
👉 fließen in zukünftige Entwicklungen ein
persönliche Gespräche
Mailings
Give-aways
Newsletter (E-Mail)
Mobile Marketing
Blogs
Incentives
Events
👉 Einsatz sollte dosiert erfolgen, um Kunden nicht zu überfordern
gutes After-Sales-Management kann mangelhafte Produkte nicht ausgleichen
4.4.2.6 Vertriebscontrolling
Das Vertriebscontrolling übernimmt die Planung, Steuerung, Information und Kontrolle des Vertriebs.
Der Vertriebscontroller ist aktiv in die Vertriebsplanung eingebunden. Seine zentrale Aufgabe besteht darin, die festgelegten Vertriebsziele in messbare Größen zu überführen, zum Beispiel:
Umsatz
Deckungsbeiträge
Durch eine systematische:
Informationsverarbeitung
Analyse
sowie den Vergleich von Ist- und Solldaten erkennt der Controller frühzeitig:
mögliche Zielabweichungen
sowie deren Ursachen
Gemeinsam mit dem Vertrieb werden daraufhin geeignete Maßnahmen entwickelt, um:
Abweichungen zu beheben
und die gesetzten Ziele zu erreichen
Wenn sich herausstellt, dass die Ziele zu ambitioniert sind, muss der Plan entsprechend angepasst (revidiert) werden.
Der Controller übernimmt oder unterstützt insbesondere folgende Aufgaben:
Analyse der Stärken und Schwächen des Vertriebs
Durchführung von Marktanalysen (z. B. Wettbewerber, Kunden)
Analyse und Optimierung von Vertriebsprozessen
Bewertung der Vertriebswege hinsichtlich Effizienz und Effektivität
Risikobewertung und Entwicklung eines Frühwarnsystems
Die Leistung des Vertriebs wird mithilfe verschiedener Kennzahlen gemessen, zum Beispiel:
Verkaufsgespräche pro Tag und Mitarbeiter
Hitrate (Verhältnis von Besuchen zu Aufträgen)
Verkäufe pro Mitarbeiter
Auftragseingänge
Umsätze
Verhältnis von Neu- zu Bestandskunden (in Prozent)
Durchschnittliches Auftragsvolumen
Zusätzlich:
Sales-Funnel (Verkaufstrichter): Alle Kunden werden bestimmten Phasen einer Sales-Pipeline zugeordnet (z. B. Lead, Opportunity, Angebot, Auftrag). Für jede Phase werden Erfolgswahrscheinlichkeiten geschätzt, z. B. wie wahrscheinlich es ist, dass aus einem Angebot ein Auftrag wird. Diese Wahrscheinlichkeiten dienen als Grundlage für die Umsatzplanung.
Das Vertriebscontrolling ist besonders wichtig, da:
Vertriebsmitarbeiter häufig variabel vergütet werden
die Kennzahlen und Ergebnisse des Controllers direkten Einfluss auf die Vergütung haben
und damit auch auf die Zielvereinbarungen
Das Vertriebscontrolling kann organisatorisch:
dezentral im Vertriebs- bzw. Verkaufsbereich angesiedelt sein
oder Teil des zentralen Unternehmenscontrollings sein
4.4.2.7 Systemgestützter Vertrieb
Customer-Relationship-Management (CRM)
Unternehmen verfügen über viele dezentrale und unstrukturierte Kundeninformationen aus:
Kundenbesuchen
Aufträgen
After-Sales-Prozessen
verschiedenen Kommunikationswegen
Diese Informationen werden im CRM gebündelt und strukturiert, meist in einem Data Warehouse. Ein Data Warehouse sammelt, ordnet und stellt kunden- und marktspezifische Daten themen- und zeitbezogen bereit.
→ Ziel: maßgeschneiderte Angebote für Kunden ermöglichen
CRM:
unterstützt abteilungsübergreifend kundenbezogene Prozesse
automatisiert diese teilweise
ist nicht nur Software, sondern Ausdruck einer konsequenten Kundenorientierung
Zentrale Ausrichtung:
Kundenzufriedenheit
Kundennutzen
Verbesserung der Kundenbeziehungen → Ziel: effizientere und profitablere Gestaltung
CRM ist somit ein ganzheitlicher Ansatz der Unternehmensführung, der:
alle kundenbezogenen Prozesse (Marketing, Vertrieb, Service, F&E) integriert
auf einer zentralen Datenbasis und definierten Verkaufsprozessen basiert
Mehrwerte für Kunden und Lieferanten schafft
Hier werden die im Data Warehouse gespeicherten Kundendaten analysiert (z. B. mit Data Mining oder Business Intelligence), um:
Zielgruppen zu identifizieren und zu beschreiben
Kundenverhalten und Eigenschaften zu verstehen
Analysiert werden z. B.:
Kaufverhalten
Reaktionsmuster
Produkt- und Serviceanforderungen
Preissensibilität
Umsätze und Deckungsbeiträge
→ Ergebnis: Bestimmung von Kundenwert und Kundenpotenzial
Die gewonnenen Erkenntnisse werden für konkrete Maßnahmen genutzt, z. B.:
Kundenkontakt
Erstellung individueller Angebote
Hier werden alle Kommunikationskanäle gebündelt:
outbound (Unternehmen → Kunde)
inbound (Kunde → Unternehmen)
Kanäle z. B.:
soziale Netzwerke
Zusätzlich wird erfasst:
wie Kunden auf bestimmte Maßnahmen reagieren
Das CRM wird abteilungs- und unternehmensübergreifend genutzt, z. B. unter Einbeziehung von:
Logistikdienstleistern
→ Ziel:
Optimierung von Kosten
Verbesserung von Liefer- und Serviceleistungen
CRM erfordert daher die Mitarbeit aller Mitarbeiter mit Kundenkontakt und ist ein unternehmensweiter, integrierter Prozess.
Customer Lifetime Value (CLV)
Der CLV ist eine Kennzahl, die den Lebenszeitwert eines Kunden für das Unternehmen beschreibt.
Deckungsbeiträge eines Kunden über die gesamte Dauer der Geschäftsbeziehung
Abzinsung auf den heutigen Zeitpunkt
Monatlicher Deckungsbeitrag: 80 €
Dauer: 42 Jahre (18–60 Jahre)
→ CLV = 42 × 12 × 80 € = 40.320 € (ohne Diskontierung und ohne Änderungen)
Zusätzlich können berücksichtigt werden:
Kritik:
Unsicherheit durch Prognosen (z. B. Dauer der Kundenbeziehung, Zahlungsströme)
CRM-Systeme ermöglichen:
Optimierung von Vertriebsprozessen
Erstellung personalisierter Angebote
Analyse von Kunden
Speicherung aller kundenrelevanten Informationen
Funktion als zentrale Kundendatenbank mit z. B.:
allgemeinen Kundendaten (Adresse, Branche, Ansprechpartner)
Status im Vertriebsprozess
Kundeneinteilung (z. B. Key Accounts)
Zentrale Speicherung von:
Kommunikation (E-Mail, Telefon, Dokumente)
Angeboten und Aufträgen
Auftragsstatus und -fortschritt
Zusätzlich Nutzung als:
Marketinginstrument (z. B. Mailings)
Service- und Reklamationsmanagement
Ziele von CRM
Effektive Kundenbearbeitung und -bindung über den gesamten Lebenszyklus
Bereitstellung von Informationen für bedarfsgerechte Angebote → steigende Kauffrequenz
Weitere Ziele:
Effizienzsteigerung durch gezielte Kundenansprache
höhere Profitabilität der Kundenbeziehungen
Kundenbindung ist günstiger als Neukundengewinnung
Beschleunigung kundenbezogener Prozesse
Reduzierung von Liefer- und Reaktionszeiten → geringere Prozesskosten
Mobile CRM: Zugriff auf Kundendaten über mobile Geräte für den Außendienst
Social CRM: Kundenansprache über soziale Plattformen (z. B. Facebook, XING) → Dialog und Informationsgewinnung über Kundenbedürfnisse
Retention-Marketing
Fokus auf:
Ausbau und Intensivierung von Kundenbeziehungen
→ Ziel: Verbesserung der Kundenbindung (Customer Retention)
Computer Aided Selling (CAS)
CAS umfasst computerunterstützte Systeme für den Außendienst:
Nutzung mobiler Geräte
Informationsaustausch zwischen Außen- und Innendienst
Kontaktmanagement (Transparenz über Angebote und Bearbeitungsstand)
Artikel- und Auftragsverwaltung
Schnittstellen zu Warenwirtschafts- und Produktsystemen
Auch enthalten:
Webshops mit Funktionen wie:
Produktdarstellung
Produktkonfiguration
Anzeige der Lieferfähigkeit
direkte Bestellung
Business-Intelligence (BI)
BI-Systeme unterstützen die Analyse von Geschäftsdaten und die Entscheidungsfindung.
Zusammenführung von Daten im Data Warehouse
Erkennen von:
Trends und Mustern
Soll-Ist-Abweichungen
flexibles „Frage-Antwort-System“ zur Prüfung von Hypothesen
→ Unterstützung von:
operativen Entscheidungen
strategischen Entscheidungen
EDV-Systeme im Vertrieb:
steigern nicht nur die Effizienz
sichern und standardisieren auch die Qualität der Prozesse
Die dargestellten Vertriebsprozesse und -strukturen beeinflussen außerdem die physische Distribution.
4.4.3 Marketing-Logistik (= physische Distributionspolitik)
Die Marketing-Logistik beschäftigt sich mit der Bewegung von Produkten vom Hersteller zum Kunden.
Ziel ist es, sicherzustellen, dass:
das richtige Produkt
in der richtigen Menge
zur richtigen Zeit
am richtigen Ort beim Kunden ankommt
Die Marketing-Logistik umfasst insbesondere:
Standortwahl (z. B. Lagerstandorte)
Transportmittel und Transportwege
Die Marketing-Logistik gewinnt zunehmend an Bedeutung, da:
Liefer- und Servicebereitschaft für Kunden immer wichtiger werden
Eine Verbesserung der Logistikleistung, insbesondere:
kürzere Lieferzeiten,
hat zwar Vorteile:
höhere Kundenzufriedenheit
stärkere Kundenbindung (akquisitorische Wirkung)
führt jedoch in der Regel zu:
überproportional steigenden Kosten, z. B. durch:
zusätzliche Zwischenlager
höhere Lagerbestände
schnellere (und teurere) Transportmittel
Die Marketing-Logistik stellt sicher, dass Produkte kundenorientiert (richtiges Produkt, Menge, Zeit, Ort) bereitgestellt werden, wobei ein zentraler Zielkonflikt zwischen hoher Lieferbereitschaft und steigenden Logistikkosten besteht.
4.4.3.1 Standortwahl
Die Wahl eines Standortes wird von mehreren Faktoren bestimmt:
1. Technische Faktoren
Verfügbarkeit von Rohstoffen
vorhandene Energiequellen
Infrastrukturanbindung
Qualifikation der Arbeitskräfte
2. Staatliche und institutionelle Faktoren
Subventionen und Steuervorteile (offen oder verdeckt)
Umweltauflagen
Lohnkosten
Steuersysteme
staatliche und gewerkschaftliche Rahmenbedingungen
3. Tradition und Image
Traditionen können absatzfördernd wirken, z. B.:
Schweizer Uhren
Solinger Besteck
Schmalkalder Werkzeuge
Auch bestimmte Einkaufsgebiete oder Straßen profitieren von:
Standortagglomeration → ziehen bereits kaufbereites Publikum an
Je nach dominierendem Faktor kann die Standortwahl erfolgen als:
beschaffungsorientiert (Nähe zu Rohstoffen)
faktororientiert (z. B. Arbeitskräfte, Kosten)
absatzorientiert (Nähe zum Kunden)
verkehrsorientiert (gute Erreichbarkeit)
→ Diese dienen nur als grundsätzliche Orientierung
Bewertung anhand von Kriterien wie:
Attraktivität der Lage
Sichtbarkeit
Passantenströme
Um Vergleichbarkeit herzustellen, werden Daten zahlenmäßig aufbereitet, z. B. durch:
Punktbewertungsverfahren (ggf. mit Gewichtung)
Ausschließlich messbare Größen, z. B.:
Einwohnerzahlen
Kaufkraft
Konkurrenzsituation
Miet- oder Grundstückskosten
Die Standortentscheidung umfasst zusätzlich:
baurechtliche Fragen
politische Entscheidungsprozesse
regionalplanerische Vorgaben
Finanzierungsfragen
Auch die Anordnung innerhalb des Geschäfts ist entscheidend:
Wertigkeit der Verkaufsflächen
Nachfrage nach Produkten
Platzbedarf
Handelsspanne
Beleuchtung
Diebstahlgefahr
Frischwaren: weit vom Eingang entfernt → Förderung von Impulskäufen
Obst, Gemüse, Getränke: nahe Ausgang oder Lager → wegen Gewicht/Sperrigkeit
Zigaretten: nahe Kasse → Diebstahlschutz
Mehrgeschossige Geschäfte:
Erd-/Untergeschoss: geringwertige, saisonale Ware, Restposten, Lebensmittel
obere Etagen: hochwertiges Sortiment
Produkte mit hoher Umschlagshäufigkeit werden leichter erreichbar platziert
Laufkundschaft bevorzugt kurze Wege
Stammkunden sind eher bereit, längere Wege zurückzulegen
Die Standortwahl wird durch technische, wirtschaftliche, staatliche und absatzbezogene Faktoren bestimmt und mithilfe qualitativer und quantitativer Verfahren bewertet, wobei auch die optimale Platzierung von Produkten im Verkaufsraum entscheidend für den Absatzerfolg ist.
4.4.3.2 Lagerhaltung
Die Standortwahl beeinflusst die Lagerhaltungsentscheidungen, welche wiederum den Güterstrom im Unternehmen bestimmen.
Die Struktur des Logistiksystems wird hauptsächlich bestimmt durch:
Lieferzeit
Ein Ziel von kurzen Lieferzeiten erfordert:
Lieferfähigkeit → Ware ist verfügbar
Lieferzuverlässigkeit → gelieferte Ware entspricht der Bestellung
→ Voraussetzung dafür ist in der Regel eine Lagerhaltung
Wenn Lagerhaltung notwendig ist, müssen folgende Entscheidungen getroffen werden:
Bestellmengen
Bestellzeitpunkte
Diese werden geplant unter Berücksichtigung von:
Lagerhaltungskosten
→ Ziel: Kostenoptimierung, jedoch unter Einhaltung einer festgelegten Lieferbereitschaft
1. Lagerarten
Regallager
Hochregallager
Blocklager
Freilager
Silolager
Speziallager
2. Lagerplatzordnung
Systematische Lagerung (feste Plätze)
Chaotische Lagerung (flexible Platzzuweisung)
Die Lagerhaltung wird durch den Zielkonflikt zwischen Lieferzeit und Kosten bestimmt und erfordert Entscheidungen über Bestellmengen, -zeitpunkte sowie Lagerarten und -organisation, um eine definierte Lieferbereitschaft möglichst kosteneffizient sicherzustellen.
4.4.3.3 Transportmittel und -wege
Die Wahl des Transportmittels hängt von mehreren Faktoren ab:
Betriebskosten
Geschwindigkeit der Beförderung
produktspezifische Anforderungen
Auswirkungen auf:
Verpackungskosten
Versicherungskosten
Die Entscheidung erfolgt durch Vergleich verschiedener Verfahren/Alternativen.
Zusätzlich zu berücksichtigen:
Opportunitätskosten, z. B. durch:
Konventionalstrafen
Auftragsstornierungen
Bei der Wahl des optimalen Transportweges wird festgelegt:
über welche Wege
welche Mengen
zu welchen Kosten zum Kunden transportiert werden
Wenn:
mehrere Lieferorte möglich sind
Lager- und Nachfragemengen bekannt sind
Transportkosten pro Einheit und Kilometer vorliegen
→ kann mithilfe der linearen Programmierung der kostengünstigste Transportplan ermittelt werden.
Unternehmen mit eigenem Fuhrpark müssen:
verschiedene Aufträge zu Touren bündeln
eine optimale Reihenfolge der Auslieferung festlegen
Minimierung der Gesamtstrecke
Minimierung der Transportkosten
Auch diese Optimierung erfolgt mit:
linearen Optimierungsverfahren
Aufgrund der hohen Komplexität:
Einsatz von spezieller Software erforderlich
Die Wahl von Transportmitteln und -wegen erfolgt anhand von Kosten-, Zeit- und produktspezifischen Kriterien und wird mithilfe von Optimierungsverfahren (z. B. lineare Programmierung) so gestaltet, dass Transportkosten und -strecken möglichst minimiert werden.
4.4.4 Multi-Channelling in der Distribution
Multi-Channelling bedeutet, dass ein Unternehmen seine Leistungen über mehrere Vertriebswege gleichzeitig anbietet.
→ Übertragung der Mehrkanalstrategie aus der Kommunikationspolitik auf den Vertrieb.
Durch technische Entwicklungen sind neue Vertriebsformen entstanden, zusätzlich zu bestehenden Kanälen.
Kunden können Produkte heute erwerben über:
stationären Handel
Versandhandel
Online-Shops (Internet)
Teleshopping
Mobile Shopping
Vertriebskanäle sind grundsätzlich:
kaufmännisch
organisatorisch
logistisch getrennt
Sie können jedoch miteinander verknüpft werden → dies wird als Cross-Channel-Vertrieb bezeichnet
Die Nutzung mehrerer Kanäle bietet Kunden:
zeitliche Flexibilität (keine Abhängigkeit von Öffnungszeiten)
weiterhin Möglichkeit zur persönlichen Beratung
Auswahl nach:
Bequemlichkeit
→ Kunden können flexibel über verschiedene Kanäle mit dem Unternehmen interagieren
Die Multikanalstrategie ist heute:
nicht nur ein Wettbewerbsvorteil
sondern zunehmend eine Notwendigkeit, aufgrund von:
wachsendem E-Commerce
verändertem Kaufverhalten der Kunden
Ein zentrales Problem ist die Kannibalisierung von Vertriebskanälen:
z. B. kann ein Online-Shop Umsätze im stationären Handel reduzieren
→ Die Kanäle konkurrieren teilweise miteinander
Das Beispiel zeigt, dass ein Unternehmen:
sowohl direkte Kanäle (z. B. eigener Online-Shop, Flagship-Stores)
als auch indirekte Kanäle (z. B. Händler, Plattformen wie Amazon oder eBay)
parallel nutzt, um Kunden zu erreichen.
Multi-Channelling bezeichnet die gleichzeitige Nutzung mehrerer Vertriebskanäle, um Kunden flexibel zu erreichen, wobei neben steigender Marktbedeutung auch die Gefahr der Kannibalisierung zwischen den Kanälen besteht.
Lernkontrollfragen
Aufgabe 4.1
Erläutern Sie bitte die unterschiedlichen Ebenen eines Produktes (Kernleistung, formale und erweiterte Leistung) an einem selbst gewählten Beispiel.
Beispiel: Handy
Kernleistung (Grundnutzen): Telefonieren
Formale Leistung (Zusatznutzen): Marke, Qualität, Design, Zubehör
Erweiterte Leistung (Produkterweiterungsnutzen): Gewährleistung, Finanzierung, Zahlungsziel, Kundendienst
Aufgabe 4.2
Stellen Sie bitte den Innovationsprozess dar.
Ideengewinnung: Einfälle, Markt-/Technologiebeobachtung, Kreativitätstechniken
Bewertung der Ideen: Scoring-Modell (Punktbewertungsverfahren)
Auswahl von Ideen: ergänzende überschl.gige Wirtschaftlichkeitsanalysen
Test: Konzept-, Produkt-, Markttest
Markteinführung
Aufgabe 4.3
Wodurch unterscheidet sich der Produkt- vom Konzepttest?
Konzepttest:
Idee wird verbalisiert/visualisiert, um z. B. durch Gruppendiskussionen oder durch Befragungen oder Beobachtungen und/oder durch Verhaltenstests die Meinung und das Verhalten der potenziellen Käufer zu ermitteln.
Zur Abschätzung des späteren Markterfolges können unterschiedliche Indikatoren herangezogen werden, z. B. Bewertung des Produktdesigns, des Produktnamens, des Preises oder der Gewährleistung.
Produkttest:
Prüfung und Bewertung eines Prototyps durch Testpersonen, um Informationen über die subjektive Wirkung des Produktes zu erlangen.
Dabei steht die Erforschung der psychischen Größen wie Einstellungen, Präferenzen, Wahrnehmungen usw. im Vordergrund.
Produkttests können einzeln (jedes Produkt für sich allein) oder im Vergleich (z. B. simultaner Paarvergleich) durchgeführt werden.
Ferner kann ein Voll- oder ein Partialtest vorgenommen werden.
Beim Volltest wird der Gesamteindruck eines Produktes untersucht, also einschließlich Qualität, Verpackung, Preis, Werbeaussage usw.
Beim Partialtest hingegen sind nur einzelne Komponenten des Produktes zu beurteilen.
Um dabei den Beitrag der einzelnen Komponenten zum Markterfolg schätzen zu können, werden die einzelnen Komponenten (Preis, Marke, Verpackung, Werbeaussage usw.) stufenweise eliminiert, bis letztendlich nur noch das reine Produkt zu bewerten ist.
Aufgabe 4.4
Wie funktionieren der ‚Relaunch‘ und die Produktdifferenzierung?
Relaunch (Produktvariation):
Änderung der technischen, funktionalen, symbolischen, ästhetischen Eigenschaften eines Produktes, um dieses besser an die Anforderungen der Kunden anzupassen.
Differenzierung: Hinzufügung einer weiteren Produktvariante unter Beibehaltung des bisherigen Produkts.
Aufgabe 4.5
Anhand welcher Kriterien kann die Produkt- und Sortimentsplanung erfolgen?
Herkunft der Güter – die Zusammensetzung des Angebotes wird vom Material der Waren bestimmt, z. B. Textilgeschäfte.
Bedarfsorientierung oder Problemtreue – diese geht von dem Bedarf des Kunden in bestimmten Bereichen aus (z. B. Krankenhausbedarf, Freizeitbedarf, Campingbedarf, ‚Alles für das Auto‘ usw.).
Preisorientierung – die Preispolitik, z. B. die Orientierung an dem Preisbewusstsein der Verbraucher in verschiedenen Marktsegmenten.
Verkaufsarten – in diesem Fall bestimmt die Erkl.rungsbedürftigkeit der Ware die Zusammensetzung des Produktprogramms bzw. des Sortiments.
Know-how (Wissenstreue) – die Gestaltung der Angebotsprogramme orientiert sich hier an der Kompetenz des Anbieters in einem bestimmten Bereich (Softwareentwicklung, Motorenbau usw.).
Wirtschaftlichkeitsüberlegungen – Umsätze, Deckungsbeiträge, Kosten usw.
Aufgabe 4.6
Erklären Sie bitte das Prinzip der Produkteliminierung anhand der quantitativen und qualitativen Kriterien.
Quantitative Kriterien:
absolute und relative Kennzahlen, wie z. B. Umsatz, Marktanteile, Deckungsbeiträge, Gewinn, Rentabilitäten oder Umschlagshäufigkeiten, die als Indikatoren für die Wirtschaftlichkeit eines Produktes herangezogen werden
Qualitative Kriterien: Einfluss auf das Firmenimage, gesetzliche Vorschriften, zukünftige Bedarfsstrukturen, Verbundeffekte mit anderen Produkten, konjunkturelle Entwicklung usw.
Aufgabe 4.7
Was wird im Marketing unter der Kontrahierungspolitik verstanden, welche Faktoren beeinflussen diese und welche Ziele werden mit der Kontrahierungspolitik verfolgt?
alle Entscheidungen und Maßnahmen hinsichtlich des Entgeltes des Leistungsangebots, der möglichen Rabatte sowie der Liefer-, Zahlungs- und Finanzierungsbedingungen.
Bestimmungsfaktoren:
Nachfrageverhalten – Marktform – Kosten – Wettbewerb – Absatzwegewahl.
Beeinflussung des Kaufverhaltens und der Preiswahrnehmung durch die Kunden (Beurteilung der Preiswürdigkeit) – Umsatzerhöhung.
Aufgabe 4.8
Nach welchen Methoden können Preise kalkuliert werden?
Zuschlagskalkulation/Target-Costing (Zielkostenrechnung)
Aufgabe 4.9
Erläutern Sie bitte den Begriff ‚Preiselastizität‘ und dessen Bedeutung im Rahmen der Preispolitik.
Preiselastizität bezeichnet die Reaktion der Nachfrager (Kunden) auf Preisänderungen, z. B.: Um wie viel Prozent steigt die abgesetzte Menge, wenn es zu einer Preisreduktion kommt?
Aufgabe 4.10
Was ist eine ‚Skimming-Preisstrategie‘?
Abschöpfungspreispolitik:
hohe Preise in der Einführungsphase, die dann im späteren Verlauf sukzessive reduziert werden.
Zahlungsbereitschaft der Kunden ausnutzen, um in der Anfangszeit bereits das Geld zu verdienen, um in den Ausbau der Fertigungsanlagen und das Marketing zu investieren, sodass bei größeren Absatzmengen die damit einhergehenden Kostenvorteile genutzt werden können, um Preise zu senken.
Aufgabe 4.11
Erklären Sie bitte die Penetrationspreisstrategie.
Niedriger Einführungspreis, um rasch einen Massenmarkt zu erschließen.
schnell hohe Marktanteile gewinnen, die dadurch bedingte Ausweitung der Absatzmenge führt aufgrund der Kostendegressions- und Erfahrungskurveneffekte zu sinkenden Stückpreisen.
Abschreckung der Konkurrenz.
Empfehlenswert, wenn die Preiselastizität der Nachfrage als hoch eingeschätzt wird und von einer hohen Wettbewerbsintensität auszugehen ist.
Aufgabe 4.12
Wie erfolgt die Preisdifferenzierung in der Praxis?
Angebot eines Produktes an verschiedene Kunden zu unterschiedlich hohen Preisen.
Auktionen, leistungs-, mengen- oder zeitbezogene sowie personelle (Studentenpreise) Preisnachlässe (Rabatte); regionale/internationale Preisunterschiede
Aufgabe 4.13
Was ist unter der Kommunikationspolitik zu verstehen, was sind deren Instrumente und was ist deren Ziel?
alle Maßnahmen, die auf das Wissen, die Einstellungen und das Verhalten von Marktteilnehmern einwirken und diese zu einem bestimmten Verhalten veranlassen.
Instrumente:
Social Media
Direktmarketing usw.
Beeinflussung des Kaufverhaltens und der Einstellungen der potenziellen Kunden.
Aufgabe 4.14
Was ist unter ‚SEO‘ zu verstehen?
SEO (Search Engine Optimization) = Programmierung und Gestaltung der Internetseiten unter Beachtung der Suchroutinen/-programme von Suchmaschinen, wie z. B. Google, mit dem Ziel, dass der Suchende bei der Eingabe eines Suchbegriffes auf das Leistungsangebot des Unternehmens stößt, da selbiges auf der ersten Seite bereits erscheint; gemäß verschiedenen Studien scrollen die Suchenden nur ein bis drei Seiten.
Aufgabe 4.15
Erläutern Sie bitte das Social-Media-Marketing!
Social-Media-Marketing umfasst die Werbung, Verkaufsförderung, Öffentlichkeitsarbeit usw. über soziale Netzwerke, wie z. B. Facebook, Twitter, XING, YouTube, um potenzielle Kunden anzusprechen.
Methode:
die sozialen Netzwerke sind durch nutzergenerierte Inhalte und dem Community-Gedanken zu charakterisieren, sodass in Kooperation mit Meinungsführern in den jeweiligen Plattformen, die viele (Freunde/Follower) haben, die eigenen Produkte/Marken positioniert werden können.
Ebenfalls für die Werbung gut geeignet sind markenspezifische Konsumentenaktivitäten. Dahinter verbergen sich Aktionen, durch welche Konsumenten motiviert werden, Produkte über Social-Media-Plattformen zu bewerben, z. B. durch das Hochladen eines Produktfotos.
Eine weitere Methode des Social-Media-Marketings ist das ‚electronic word of mouth‘ (eWOM), worunter sich Interaktionen zwischen Konsumenten, z. B. über Erfahrungsberichte von Hotelaufenthalten oder Buchrezensionen, verbergen.
Weiterhin kann mihilfe des Social-Media-Marketings das Kommunikations und Surfverhalten der Nutzer erfasst und analysiert werden, um die daraus gewonnenen Erkenntnisse für werbliche Zwecke zu nutzen.
Aufgabe 4.16
Erklären Sie bitte das Mobile-Marketing.
alle Marketingmaßnahmen unter Nutzung von Smartphones bzw. mobilen Endgeräten.
Nutzer unmittelbar erreichen und zu einem bestimmten Verhalten veranlassen.
Bereitstellung bestimmter Leistungen auf Basis der Mobilgeräte (Musik, Videostreams, Produktkäufe usw.), um mit dem potenziellen Kunden in eine Interaktion zu treten;
dazu verwendete Ansätze: Push-, Pull-, Viral-Ansatz.
Aufgabe 4.17
Was ist Direktmarketing und welcher Methodik bedient sich das Direkt-Marketing?
Direkt-Marketing:
unmittelbare Ansprache der Zielgruppe durch Briefe, Werbemittel, Telefon und spezielle Angebote.
auf der Basis von CRM-Systemen und des Database-Marketings gezielte Ansprache einer Zielgruppe;
kundenindividuelle und bedarfsorientierte Ansprache der Kunden per Brief, Mail usw.
Aufgabe 4.18
Was wird unter dem Guerilla-Marketing verstanden?
undogmatische, ungewöhnliche Marketingaktionen; geringer Mitteleinsatz mit großer Wirkung.
Methodik:
Überraschungseffekte, Rebellion, Unkonventionalität, spektakulär, Einmaligkeit und zeitliche Begrenzung (Aha-Effekte);
i. A. kreative Umsetzung einer Werbebotschaft durch ausgefallene Ideen und/oder spektakuläre Bilder.
Stilmittel:
Schockieren, Regelverletzung, Tabubrüche, Schadenfreude, Verhöhnung der Konkurrenz.
Aufgabe 4.19
Was ist im Marketing unter dem ‚Multi-Channelling‘ zu verstehen?
Vielzahl von Kommunikationsinstrumenten nutzen, aufeinander abstimmen und so einsetzen, dass absatzfördernde Effekte realisiert werden.
Aufgabe 4.20
Was ist unter der ‚akquisitorischen Distribution‘ zu verstehen?
Unterscheidung von Wettbewerbern – durch die Wahl einer geeigneten Vertriebsform sollen potenzielle Kunden auf das Unternehmen aufmerksam werden, sodass mithilfe der Distributionspolitik wiederum Kunden gewonnen werden;
hier stehen dann die vertraglichen und kommunikativen Beziehungen zwischen den Distributionsmitgliedern im Vordergrund.
Aufgabe 4.21
Wodurch sind vertragliche Vertriebssysteme charakterisiert?
Geschäftspolitik der rechtlich und wirtschaftlich selbstständigen Absatzmittler (Handel) wird der Konzeption des Herstellers untergeordnet. Im Gegenzug erhält der Absatzmittler Vorteile eingeräumt, z. B. Gebietsschutz.
Aufgabe 4.22
Erläutern Sie bitte das Franchising.
Der Begriff des Franchisings definiert eine vertragliche Kooperation zwischen einem Franchisegeber und einem Franchisenehmer, wobei Ersterer ein umfassendes Leistungskonzept entwickelt und dem Franchisenehmer zur Verfügung stellt.
Für die Übernahme dieses Konzeptes bezahlt der Händler eine umsatzabhängige Gebühr.
Das Ziel des Franchisings besteht in einer Marktbearbeitung mit einem einheitlichen absatzpolitischen Instrumentarium.
Dadurch entsteht nach außen der Eindruck eines filialähnlichen Handelssystems, obwohl die Einzelhändler aber selbstständig bleiben.
Der Vorteil des Franchising liegt in den guten Gewinnaussichten, im Gebietsschutz, in der eventuellen Kapitalhilfe, in der standortübergreifenden Werbung und in der eventuellen kaufmännischen Beratung.
Die Nachteile liegen für den Händler in den mangelnden Einflussmöglichkeiten auf die Absatzpolitik des Herstellers und in den Kosten, da der Händler zum einen seine Geschäftsausstattung bei den Vertragsfirmen des Herstellers kaufen muss und zum anderen eine jährlich anfallende Gebühr nebst Werbungskostenpauschalen zu zahlen hat.
Auch sind oftmals die vom Franchisegeber vorgegebenen Einkaufspreise und Abnahmemengen kritisch zu betrachten.
Aufgabe 4.23
Stellen Sie das Agentur- und Vertragshändlervertriebssystem vor.
Das Vertragshändlersystem ist mit dem Franchising direkt vergleichbar.
Auch hier bindet der Vertragshändler (z. B. VAG-Vertragshändler) seine Absatzpolitik an die Prinzipien des Herstellers. Allerdings muss der Händler keine Gebühren zahlen.
Bei Agentursystemen verkauft der Händler seine Produkte im fremden Namen und auf fremde Rechnung.
Damit bleibt der Hersteller bis zum Verkauf Eigentümer der Ware und bestimmt somit den Endverkaufspreis.
Auf diese Weise kann z. B. im Mineralölmarkt das Preisbindungsverbot umgangen werden.
Aufgabe 4.24
Worauf ist bei der Standortwahl eines Einzelhandelsgeschäftes (Herrenoberbekleidung) zu achten?
Infrastruktur, Lage, Rohstoffe, Personal, Förderung, Steuersystem, Gesetze, Traditionen, Kosten, Konkurrenz, Einwohnerzahl, Kaufkraft usw.
Aufgabe 4.25
Welche Möglichkeiten der Vertriebssteuerung stehen Ihnen zur Verfügung?
Steuerung nach Produkten/Produktgruppen
Regionen
Kundengruppen
Aufgabe 4.26
Erläutern Sie bitte die Verkaufsformen im Vertrieb.
Verkaufs- oder Vertriebsform ist gleichbedeutend mit der Wahl der Kommunikationskanäle der Verkaufsorganisation gegenüber dem Kunden, sodass Kontaktart und Medieneinsatz die Verkaufsform bestimmen.
Persönlicher Verkauf:
Verkaufsgespräche (direkter Kundenkontakt) zur Erklärung, Beratung, Informationsgewinnung, Überzeugung der Kunden usw.
Formen: Verkaufsbesuche, Messeverkäufe, Telefonverkäufe usw.
Stationärer Verkauf:
Kunden kommen zum Verkäufer
Nicht stationärer Verkauf:
Außendienstmitarbeiter besuchen die Kunden oder treffen sich mit ihnen an unterschiedlichen Orten wie z. B. auf Messen oder zu Produktpräsentationen in den Firmengebäuden der Kunden.
Messe- oder Marktverkauf, Aktionsverkauf, Hausverkauf:
diese Verkaufsformen sind gekennzeichnet durch wechselnde stationäre Standorte, z. B. Tupperpartys oder Verkaufsfahrten.
Mediengestützter Verkauf:
hier treten Käufer und Verkäufer in einem interaktiven Dialog mithilfe eines Kommunikationsmediums (Telefon, Internet, Videokonferenzen).
Mediengeführter Verkauf:
Kontakt zum Kunden ausschließlich über Medien, wie Kataloge (in Papier- oder elektronischer Form) des Versandhandels, Internet (E-Commerce, virtuelle Marktplätze) und Smartphones (Mobile Commerce).
Aufgabe 4.27
Erklären Sie bitte den Vertriebsprozess der Kundengewinnung.
Stufe 0: Adresse
Stufe 1: Kontakt (Verfolgung von Leads und deren Qualifizierung)
Stufe 2: Interessent: am Leistungsangebot interessiert
Stufe 3: Konzeptkunde; qualifizierter Bedarf
Stufe 4: Angebotskunde – abhängig von dem qualifizierten Bedarf wird ein Angebot unterbreitet
Aufgabe 4.28
Was ist das After-Sales-Management, wie wird dieses wahrgenommen und welches Ziel wird damit verfolgt?
Erklärung:
After-Sales-Management bezeichnet sämtliche Maßnahmen, die von den verkaufenden Unternehmen ergriffen werden, um nach Lieferung der Ware oder Erbringung von Dienstleistungen die Kunden nachträglich in ihrer Kaufentscheidung zu bestätigen, die Kundenzufriedenheit zu erhöhen und die Wiederkaufrate zu erhöhen, um die Kunden an das Unternehmen zu binden.
Aufgaben:
Kundendienste, Wartung, Reparaturen, Gewährleistungsarbeiten, Ersatzteilbeschaffung und -verfügbarkeit, Lieferservice sowie die weitere Betreuung des Kunden durch den Vertrieb sind typische Aufgaben des After-Sales-Managements.
Erhöhung der Rentabilität, mehr Informationen über Kundenanforderungen gewinnen, Produktverwendungen, Stärken und Schwächen des eigenen Leistungsangebots erkennen und in die Entwicklung zukünftiger Produkte einfließen zu lassen.
Aufgabe 4.29
Beschreiben Sie bitte das Customer-Relationship-Management.
Definition:
CRM ist ein ganzheitlicher Ansatz zur Unternehmensführung.
Er integriert und optimiert abteilungsübergreifend alle kundenbezogenen Prozesse in Marketing, Vertrieb, Kundendienst sowie Forschung und Entwicklung.
Dies geschieht auf der Grundlage einer Datenbank mit einer entsprechenden Software zur Marktbearbeitung und anhand eines vorher definierten Verkaufsprozesses.
Zielsetzung von CRM ist dabei die Schaffung von Mehrwerten auf Kunden-und Lieferantenseite im Rahmen von Geschäftsbeziehungen.
Vertriebsprozesse optimieren, personalisierte Angebote erstellen, Kunden analysieren und alle kundenrelevanten Informationen speichern, effektive Kundenbearbeitung und -bindung über den gesamten Lebenszyklus der Geschäftsbeziehung durch zentrale Bereitstellung von Informationen;
Steigerung der Effizienz durch verbesserte Kundengewinnung,
Erhöhung der Profitabilität in Kundenbeziehungen,
Beschleunigung von Prozessen und somit die Reduzierung von Prozesskosten.
zentrale Datenbank zur Speicherung aller kundenrelevanten Vorgänge.
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