Lehrerpersönlichkeit
Relevanz
Nicht nur Wissen sondern auch Persönlichkeit wirken auf Lernprozess
-> Motivation, Lernklima, Beziehungsqualität
Für Professionalisierung und Weiterentwicklung wichtig:
persönliche Eignung und Reflexion im Studium und Beruf
Umgang mit Belastungen
Förderung einer professionellen Haltung
Nicht nur Wissen sondern Persönlichkeit trägt zum Unterrichtserfolg bei
Hist. Entwicklung:
im 20. Jhd. :
normativ-idealistische Perspektive
“geborene Lehrerpersönlichkeie”, Tugendkatalog
Heute:
empirisch-deskriptiver Ansatz (empirische Persönlichkeitsforschung und Forschung zum Lehrerberuf)
Erklärung wie sich Persönlichkeitsmerkmale ausbilden und Folgen für das menschliche Handeln und Befinden
Modelle keine Vorgabe wie Lehrer sein sollte
Definition
Ensemble relativ stabiler Dispositionen die für das Handeln, den Erfolg und das Befinden im Lehrerberuf bedeutsam sind.
Dispositionen:
kognitive Merkmale: Intelligenz, Fachwissen, fachdid. Wissen
nicht-kognitive Merkmale: Persönlichkeitsmerkmale, Interessen
Eigenschaften beeinflussen wie Lehrkräfte Unterricht planen, kommunizieren, mit Belastungen umgehen und Lernprozesse gestalten.
empirische Modelle
Allgemeine Persönlichkeitsmerkmale Big Five:
Offenheit für Erfahrungen
Gewissenhaftigkeit
Extraversion
Verträglichkeit
Neurotizismus
Allgemeine Interessen Big Six:
praktisch-technische Orientierung
intellektuelle-forschende Orientierung
künstlich-sprachliche Orientierung
soziale Orientierung
unternehmerische Orientierung
konventionelle Orientierung
Besondere Bedeutung von Gewissenhaftigkeit, Belastbarkeit, Extraversion und soziale und künstlerisch-sprachliche Orientierung.
Personenmerkmale und Persönlichkeitsenntwicklung
Persönlichkeitsveränderungen treten im geringen Umfang auf
Generelle Trends:
Zunahme der Belastbarkeit im jüngeren und mittleren Erwachsenenalter
Gewissenhaftigkeit steigt
Belastbarkeit nimmt ab
Änderung der Effektstärke so gering, dass ungünstige Merkmale nicht rauswachsen
wenn Interesse am Unterrichten/Lehrertätigkeit zu Beginn des Studium hoch->bleibt in folgenden Jahren erhalten
Individuell untersch. Trends:
berufsrelevante Merkmale wie Extraversion, Belastbarkeit und Gewissenhaftigkeit wenig individuelle Variabilität
berufsspezifische Interessen höhere Variabilität (Interesse an Zusammenarbeit mit Eltern/ Kollegen/ Kontrollieren/ Beurteilen
Zunahme der Belastbarkeit durch bewältigen herausfordernder Aufgaben im Studium
Folgerungen für Studierende und Lehrkräfte
Erkenntnis: Persönlichkeitsmerkmale und Interessen sind a) zeitlich relativ stabil und b) bezüglich bestimmter für Lehrerberuf relevanter Kriterien bedeutsam
Reflektierte Laufbahnwahl:
da stabil (Interessen/Merkmale) -> prüfen ob geeignet
Onlien- Informations- und Beratungsangebot (Big Five und Big Six)
sammeln päd. Praxiserfahrung
gezielter Umgang mit Stärken und Schwächen:
päd. Grundhaltung = versch. Lehrerpersönlichkieten an Schule wünschenswert
Akzeptieren individueller Eigenarten
verantwortungsvolles Umgehen miit eigenen Stärken und Schwächen
Entwicklung eines Unterrichts- und Führungsstils der zu Persönlichkeit und Situation passt
Weiterentwicklung der Persönlichkeit:
Persönlichkeit nicht vollständig festgelegt = im Erwachsenenalter weniger stark ausgepräge Persönlichkeitsmerkmale können verändert werden
“Entwicklungsquadrat“ von Schulz von Thun: Potenzial in herausfordernden Eigenschaften -> Angst=Vorsicht, Disziplinlosigkeit=Flexibilität
herausfinden welche komplementären Eigenschaften man als Gegengewicht kultivieren kann
Fazit
“Lehrerpersönlichkeit“ als diskussionswürdiger und klärungswürdiger Begriff
Stärken und Schwächen erlaubt, genügt eine “hinreichend” gute Lehrkraft zu sein
niemand als Lehrer geboren, kontinuierliche Persönlichkeits- und Kompetenzentwicklung
Kompetenzorientierte Modelle professionellen Handelns
Hinführung
Kernaufgabe von Lehrkräften: Unterricht erteilen und verständnisvolles Lernen von SuS systhematisch anzubahnen und zu unterstützen
heuristisches Modell professioneller Hanndlungskompetenz
zentrale Idee: professionelles Lehrerhandeln=Zusammenspiel von vier Kompetenzfacetten:
1. Wissen und Können:
drei Wissensbereiche:
fachdid. Wissen
päd. Wissen
Fachwissen
2. Werthaltung und Überzeugung:
ethisch-normativer Kern
Werte und Überzeugungen prägen das Lehrerhandeln
päd. Grundhaltung:
Gerechtigkeit, Fürsorge, Wahrhaftigkeit als zentrale Werte
wertgeprägtes Handeln:
professionelles Handeln von Lehrkräften ist von normativen Entscheidungen und Werthaltungen beeinflusst
3. motivationale Orientierung:
intrinsische Motivation:
intrinsiche Motivation der Lehrkräft=Interesse am Fach und der Förderung von Schülern
Selbstwirksamkeit:
Glaube, dass das eigene Handeln etwas bewirken kann
Auswirkungen von Motivation:
Motivation beeinflusst Unterrichtsqualität, Schülermotivation und Lehrerzufriedenheit
4. Selbstregulation und Refelxion:
Selbstregulation:
Fähigkeit das eigene Handeln zu steuern
Belastungsbewältigung:
Fähigkeit Belastungen zu bewältigen
Reflexion:
Fähigkeit Erfahrungen kritisch zu reflektieren und sich ständig weiterzuentwickeln
Antinomien der Lehrerprofessionalität
Antinomien des pädagogischen Handelns
These: Lehrerprofessionalität ist konstitutiv antinomisch strukturiert. Päd. Denken und Handeln ist notwendig antinomisch geprägt.
Antinomien bezeichnen unauflösbare Spannungsverhältnisse und widersprüchliche Anforderungen die das päd. Handeln prägen
durch professionelles Handeln werden diese nicht aufgelöst -> Ziel: bewusster reflexiv-kritischer Umgang mit Antinomien
individueller Umgang mit Antinomien vom biografischen Selbst geprägt
Strukturmerkmale professionellen Handelns
Stellvertretende Krisenberatung:
stellvertretende Bearbeitung individueller und sozialer Krisen
Permanente Transformation:
Arbeit an der Initiierung und Begleitung von Bildungsprozessen durch die ständig psychisch Neues freigesetzt wird->löst Beschleuniguung von Transformationsprozessen aus
Ziel der Antinomie:
Ziel ist Generierung, Wiederherstellung, Stärkung oder teilweisen Restituierung lebenspraktischer Autonomie
Notwendigkeit des Arbeitsbündnisses:
kann nicht erzwungen werden
muss interaktiv reziprok kommunikativ eingeholt und immer wieder erneuert werden
kann jederzeit in eine Krise geraten
Risikobehaftung:
Gefahr professionelles Handeln selbst zum Auslöser von Belastungen und Behinderungen der lebensweltlichen Antinomien zu werden
Definitionsgewalt Klassifikatonische Konstruktionen gebildet und ungebildet -> macht-, kontroll- und überwachungszugänge
Ebenen der Antinomie
Ebene 1: Antinomien der stellvertretenden Lebenspraxis
resultieren aus der grundlegenden Aufgabe als Professioneller stellvertretend für eine sich erst entwickelnde Lebenspraxis (die SuS) zu handeln#
Ebene 2: Antinomien zws. universalistischen und partikularen Anforderungen
enstehen aus der Spannung zwischen dem universalistischen, formalen Anforderungen der Institution und Organisation der Schule und dem individuellen bedürfnissen des Lernenden
Antinomien der stellvertretenden Lebenspraxis
Begründungsantinomie:
Lehrkräfte müssen sich entscheiden
legitim sind Entscheidungen nur begründet
Begründungen in kurzer Zeit oft nich möglich
Routinehandlungen nicht immer Begründung nötig
Vertrauensantinomie:
Lehrkräfte benötigen Vertrauensverhältnis zu Lernenden
gegenseitiges Vertrauen kann erschüttert werden
strukturelle Bedingungen (Abhängigkeit, Bewertung) erschweren dies
Ungewissheitsantinomie:
Vermittlungsversprechen von Wissen vs. Ungewissheit dieses Versprechen umsetzen zu können
Praxisantinomie:
Vorgabe Theorie und Praxis zusammen zu vermitteln
Theorie nicht einfach in Praxis umsetzten und Praxis nicht ohne Theorie (Handlungsdruck)
Subsumtionsantinomie:
Einzelfälle in allg. Kategorien einordnen aber auch individuelle Besonderheiten verstehen um falsche Verallgemeinerungen zu vermeiden
Symmetrie-/ Machtantinomie:
Lehrer-Schüler-Beziehung strukturell asymmetrisch (Wissens- und Statusvorsprung der Lehrkraft)
Antinomien zws. universalistischen und partikularen Anforderungen
Näheantinomie:
emotional individuelle Nähe vs. professionell distanzierte Universalhaltung
Sachantinomie:
standardisierte Maßstäbe vs. biografische Lebenswelt der Sus
Organisationsantinomie:
formale Ablaufmuster vs. Offenheit/Kreativität des Lehrerhandels
Differenzierungsantinomie:
homogenisierte Gleichbehandlung vs. Notwendigkeit von Unterscheidungen aufgrund von Pluralitäten von Lernbiografien
Autonomieantinomie:
Antinomie (Selbstständigkeit) vs. Heteronomie (Abhängigkeit)
in festen System zu Selbstständigkeit aufgefordert
Fazit: Umgang mit Antinomien
individuelle Handhabung der Antinomien vom professionellem und biografischem Selbst abhängig
kein Idealbild was Antinomien “objektiv“ richtig auflösen kann
Ziel: Weiterentwicklung der Professionalität durch Auseinandersetzung mit sich selbst, um das eigene Handeln und den UMgang mit Antinomien begründen zu könne:
selbstreflektiv
kollegial
von außen durch Coaches
Übergangsforschung und differenzielle Lernmileus
Rechtliche, schulpolitische und historische Dimension
Artikel 6 Abs2 GG: Erziehung nat. Recht der Eltern
Artikel 7 Abs 1 GG: Schulwesen unter Aufsicht des Staates
zwischen elterlichem Erziehungsrecht und Schulaufsichtsrecht
Schulaufsichtsrecht kann Eingreifen wenn Kind geforderte Leistung für Gymnasium nicht erbringt (negative Auslese)
standardisierter Typ
destandardisierter Typ
Notenabhängigkeit, eher bindende Bildungsempfehlung, keine Probezeit
keine Notenabhängigkeit, Bildungsempfehlung eher nicht bindend, Probezeit
-> Mischformen
50er 60er
Aufnahmeprüfung am Gymnasium
teilweise mit Gutachten mit Notenbindung
70er 80er
Grundschulgutachten ohne Notenbindung
in manchen Bundesländern: Eltern können abweichend vom Gutachten entscheiden
Möglichkeit einer Aufnahmeprüfung (wenn keine Empfehlung)
Probezeit am Gymnasium
90er 2000er
Grundschulgutachten ohne Notenbindung nicht bindend oder Gutachten mit Notenbindung bindend
2010er
Abschaffung der Probezeit in einigen Bundesländern
weitere Anpassungen
Studienlage
Was am Gerechtesten?
Bestenauslese=soziale Auslese, Kinder mit höherem sozialen Status als kompetenter eingeschätzt, besser benotet, häufiger Bildungsempfehlung fürs Gymnasium
Anstieg sozialer Ungleichheit bei freiem Elternwillen nicht belegt
-> Übergangsquote steigt
Keine Form ist sozial gerecht
Anpassungsleistung
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