Benenne die Grundannahmen zur Bindungstheorie (Nach Bowlby)
Bindungsverhalten (attachment) hat die biologische Funktion, dem Kind die Nähe und den Schutz einer Pflegeperson zu sichern
Angeborene Reflexe und Verhaltensmuster (z.B. Greifreflex, Schreien, Lächeln) sind Teil eines angeborenen kindlichen Bindungsvehaltens
Auf Signale des Kindes wird durch die Mutter bzw. Die Pflegeperson mit Fürsorgeverhalten (nurturing) reagiert (ist biologisch prädisponiert)
Kinder binden sich bedingungslos an die Personen, die ihnen vertraut werden
Kinder bilden innerhalb der ersten Lebensmonate eine Hierachie verschiedener Bezugspersonen aus. Die Mutter ist meist die primäre Bezugsperson
Definiere “Bindungssystem”
Das Bindungssystem “umfasst alle Verhaltensweisen des Kindes, die auf Nähe und Zuwendung der Mutter bzw. Bindungsperson abzielen. Bindungsverhalten hat vor allem eine Schutzfunktion.
Definiere “Explorationssystem”
Das Explorationssystem beinhaltet alle Bestrebungen des Kindes, seine Umwelt zu erkunden und kennenzulernen. Dieses angeborene Neugierverhalten hat eine große Bedeutung für die kognitive Entwicklung.
Definiere “Bindungsverhalten”
Bindungsverhalten = Verhaltensweisen, die geeignet sind, die Nähe und den Kontakt zur umsorgenden Person herbeizuführen
Neugeborene kommen mit diesen Verhaltensweisen auf die Welt , durch die gewährleistet wird, dass es durch Bewegungen, Laute, Schreien, Mimik und Gestik seine Bedürfnisse äußern kann. Markante Bindungsverhalten sind Weinen, Rufen Anklammern, Nachfolgen sowie Protest beim Verlassenwerden. Bindungsverhalten ist umso häufiger zu beobachten, je mehr Nähe durch die Bezugsperson benötigt wird. Bindung besteht dazu im Gegensatz kontinuierlich.
Zähle die Bindungsstile/Bindungsmuster auf
Sichere Bindung
Unsicher-vermeidende Bindung
Ängstlich-ambivalente Bindung
Desorganisierte Bindung
Benenne Merkmale einer Sicheren Bindung
Kind erkundet den Raum/die nähere Umgebung
Bezugsperson in der Nähe: gelassener Umgang mit fremden Personen
Bezugsperson verlässt Raum: Kind hört auf zu spielen, weint, krabbelt zur Tür, Protest bei Trennung
Ablenken oder Trösten durch fremde Person nicht möglich
Rückkehr der Bezugsperson: Kind sucht Nähe, Freude und Erleichterung zu beobachten, lässt sich schnell von Bezugsperson beruhigen
Ca. 50-60% aller Kinder
Benenne Merkmale einer Unsicher-vermeidende Bindung:
Distanziertes Verhalten zur Bezugsperson, erleben diese als zurückweisend
Schützen sich vor Zurückweisung, indem sie nicht zeigen, wenn es ihnen nicht gut geht, sie Angst haben oder unter Trennung leiden
Verhalten macht den Anschein einer Gleichgültigkeit, wenn Bezugsperson den Raum verlässt: Kinder spielen, erkunden die Umwelt, wirken weder verärgert noch verängstigt beim Verlassen
Bei Rückkehr: beiläufige Begrüßung, ignoriert
Unterdrücken ggf. Negative Gefühle gegenüber Bezugsperson
Aktive Kontaktvermeidung
Ca. 25% aller Kinder
Benenne Merkmale ängstlich-ambivalenter Bindung
wenig Explorationsverhalten, auf Schoß der Bezugsperson bleibend
Kein Interesse an SPielzeug, erkunden ihre Umwelt oft nur eingeschränkt
Sehr ausgeprägte Beunruhigung, wenn Bezugsperson den Raum verlässt; verkraften kaum eine Trennung und lassen sich kaum beruhigen
Keine Freude bei Rückkehr
Wollen nach Rückkehr nur sehr kurz bei Bezugsperson auf den Arm, lassen sich dann auch nur schwer beruhigen
Ca. 15% aller Kinder
Benenne Merkmale einer desorganisierten Bindung
Verhaltensweisen, die eine eindeutige Zuordnung zu anderen Bindungsstilen erschweren
Noch ausgeprägter als unsicheres Bindungsverhalten
Zeigen bei Trennung o.ä. Häufig bizarre, unerwartete Verhaltensweisen
Scheint, als fehle den Kindern ein Verhaltensprogramm, wie sie mit Bindungsperson in Kontakt treten können; bei einer Wiederbegegnung widersprüchliche Reaktionen (z.B. Erstarren oder Stereotypien) Anzeichen von Angst erkennbar
Ca. 5-10% aller Kinder
Wie wirkt sich der Bindungsstil von Erwachsenen auf die Paarbeziehung aus?
Annahme: Erlernter Bindungsstil in der Kindheit gilt als “Arbeitsmodell” wie soziale Beziehungen im Erwachsenenalter erleben und gestalten werden.
sicheren Bindungsstil: haltbarste Langzeitbeziehungen und Erleben von hohen Grad an Beziehungszufriedenheit und Verpflichtung
ängstlich-ambivalent: Durchschnitl. kürzeste Partnerschaften, gehen am schnellsten Beziehungen ein, andererseits geraten schnell durch Probleme und Konflikte aus dem Gleichgewicht
vermeidend: beginnen seltener Beziehungen und auch in Partnerschaft eher Distanziert und eher niedrigen Grad an Verpflichtung
Nenne die drei Kernelemente von Familie
Biologisch-soziale Doppelnatur:
Familien erfüllen die biologische und soziale Reproduktions- Sozialisationsfunktion. Dazu gehören:
Kindererziehung
gegenseitiger Schutz und Fürsorge
Befriedigung emotional-expressiver Bedürfnisse der Familienmitglieder
Generationendifferenzierung
Mindestens zwei Generationen
“Kernfamilie” = Einheit von Eltern-Kind
“Mehrgenerationen-Familie” = auch Großeltern,…
Besonderes Kooperations- und Solidaritätsverhältnis
Spezifische Rollenstruktur, Rollen verbunden mit bestimmten normativen Erwartungen (zeit- und kulturabhängig) und Definieren Kooperations- und Solidaritätsbeziehungen zwischen Familienmitgliedern
Definition von Familie nach Steinbach (2017)
„Familie ist da, wo (mindestens) eine Generationenbeziehung besteht, die ein besonderes Verbundenheitsgefühl umfasst, und wo zwischen den Angehörigen verschiedener Generationen Leistungen füreinander erbracht werden.“
Nenne Familienformen
Einelternfamilien
Patchworkfamilien
Pflegefamilien
Regenbogenfamilien
soziale Elternschaft
Co-Elternschaft
Herkunftsfamilie
Wahlfamilie
Beschreibe die Erziehungsstil Typologie nach Hurrelmann (2002)
2 Wichtige Dimensionen:
Berücksichtigung der kindlichen Bedürfnisse
Einsatz elterlicher Autorität
Beschreibe das Zieldreieck der Erziehung
Nenne Merkmale des Permissiven Stils
Keine Eingriffe in die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern (Sorge den Eigenwillen des Kindes zu unterdrücken)
Eltern reagieren auf Bedürfnisse und Wünsche der Kinder
Nachsichtig
Keine Selbstregulation von Kindern gefordert
Nachteile:
keine klaren Regeln für Umgang miteinander
Fehlende Normen führen zu Verwirrungen der Kinder
Regellosigkeit als Lieblosigkeit/Mangel an Zuwendung empfunden
Folge: aggressives Verhalten, um Zuwendung und Aufmerksamkeit zu bekommen; Impulsiv, Wenig Selbstbeherrschung; fehlende soziale Verantwortung, statt dessen Selbstbezug; statt Leistung erfolgt Anpassung an die Situation
Nenne Merkmale des Autoritären Erziehungsstil
mit Autorität aktiv und gezielt in Persönlichkeitsentwicklung eingreifen, dadurch klare Vermittlung von Orientierungen und Wertvorstellungen, vorbereitung auf gesellschaftliche Anforderungen
Widerstand und Trotz, Rebellion und Ungehorsam, Regelbruch und Wutanfälle
Kontaktabbruch
Schulabbruch
Drogenkonsum
überangepasstes, unterwürfiges Verhalten
Selbstständigkeit, soziale Verantwortung und Leistungsstärke werden wenig gefördert
Nenne Merkmale des Zurückweisend-vernachläsigenden Erziehungsstil
Eltern wirken eher uninteressiert
kaum Anforderungen an ihre Kinder
Reagieren wenig auf die Kinder
dem Verhalten werden keine Grenzen gesetzt, Eltern kontrollieren es nicht, bieten allgemein wenig Unterstützung
teilweise Ablehnung der Kinder bis zur Vernachlässigung
Konzentration auf die eigenen Bedürfnisse statt auf die der Kinder
geht oft mit gestörten Bindungsbeziehungen einher, spätere Problemen der Kinder in den Beziehungen zu ihren Altersgenossen
als Jugendliche oft Probleme (unsoziales Verhalten, schlechte, schulische Leistungen, psychische Erkrankungen, Drogenmissbrauch)
negative Effekte dieses Erziehungsstiles verstärken sich im Verlauf der Adoleszenz
Nenne Merkmale des Partizipativen Erziehungsstils
pädagogisch wertvollster Stil
Geprägt durch
Zuverlässigkeit
Offenheit
Aufrichtigkeit
Berücksichtigung von Bedürfnissen und Interessen beider Seiten
Klare Vereinbarungen (faire Kompromisse)
freundliches Begleiten, Kind erlernt Steuerung des eigenen Verhaltens
Nenne Merkmale des Autoritativ-partizipativen Erziehungsstil
Autorität der Eltern zurückhaltend und umsichtig
Eingehen auf Bedürfnisse des Kindes im Sinne einer Mitgestaltung der gemeinsamen Beziehung
klare Normen und Grenzen, aber Innerhalb der Grenzen umfassende Autonomie
betont kooperative Komponente
gute Beziehung wird als Basis gesehen
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