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Kapitel 3 - Verarbeitungsprozesse von Informationen, die über digitale Kanäle kommen

HM
by Hanna M.

3.1 Kanalreduktion: qualitative und quantitative Unterschiede zwischen analogen und digitalen Kommunikationskanälen

Grundidee: Aktives Verstehen

  • Kommunikation über digitale Kanäle erfordert aktives Verstehen

    • Fragen wie:

      • Wie ist etwas gemeint?

      • Wie ist der Tonfall zu interpretieren?

      • Absichtlich oder unbeabsichtigt?

  • Verantwortung liegt bei beiden Seiten:

    • Empfänger:in: Interpretation der Nachricht

    • Sender:in: klare und zielgruppenangepasste Kommunikation → z. B. Professor:in spricht anders zu Studierenden als zu Fachkolleg:innen


Besonderheit digitaler Kommunikation

  • Digitale Kommunikation ist:

    • fehleranfälliger, aber

    • bietet auch eigene Vorteile

  • Grund: technische Einschränkungen

    • → wichtige Kontextinformationen fehlen

Zentrale Ansätze:

  • Lack of social context cues

  • Reduced-Social-Cues-Ansatz

  • Cues-Filtered-Out-Ansatz

👉 Kernaussage: Digitale Kanäle filtern soziale Hinweisreize heraus, die in Face-to-face-Kommunikation vorhanden sind.



Fehlende nonverbale Kommunikation

Digitale Kommunikation blendet viele nonverbale Signale aus:

  • Körpersprache

    • Gesten, Haltung, Kopfbewegungen

  • Proxemik

    • räumliches Verhalten

  • Aussehen

    • Mimik, Kleidung

  • Stimme

    • Klang, Tonfall

Bedeutung:

  • Verbale Kommunikation → Inhalt

  • Nonverbale Kommunikation → Wie etwas gemeint ist

  • Nonverbal:

    • meist unbewusst

    • zeigt emotionale Haltung

  • Aber:

    • keine sichere „Lügenerkennung“ durch nonverbale Signale


Folgen der Kanalreduktion

Das Fehlen dieser Hinweise führt zu typischen Effekten:

  • Geringere Effizienz

    • mehr Wiederholungen nötig

    • Tippen langsamer als Sprechen

  • Mehr Gleichheit (egalitärer)

    • weniger Dominanz durch:

      • Auftreten

      • Stimme

      • Körpersprache

  • Enthemmung / normverletzendes Verhalten

    • z. B. „Flaming“

  • Erleichterte Selbstoffenbarung

    • durch (vermeintliche) Anonymität


Kompensation durch Zusatzreize

Sender:innen können fehlende Hinweise teilweise ausgleichen:

  • Emojis / Emoticons

  • aussagekräftige Nicknames

  • präzise und ausführliche Formulierungen

⚠️ Problem:

  • Diese können missverstanden oder übersehen werden


Hyperpersonale Kommunikation

Unter bestimmten Bedingungen kann digitale Kommunikation sogar verstärkt positiv wirken:

  • Selektive Selbstpräsentation (Sender stellt sich positiv dar)

  • Empfänger generalisiert Eindruck

    • z. B. vom Tonfall auf Charakter oder Aussehen

  • → führt zu positiver Rückkopplungsschleife

👉 Ergebnis: Hyperpersonale Kommunikation (verstärkte, idealisierte Wahrnehmung)



Gesamtbewertung der Digitalisierung

  • Führt nicht automatisch zu sozialer Isolation

  • Aber:

    • begünstigt kognitive Verzerrungen

    • verstärkt bestehende Verzerrungen

    • sowohl positiv als auch negativ

Wichtiger Faktor:

  • Aktives Verstehen + verständliche Kommunikation → reduziert Verzerrungen


Kernaussage für die Klausur

Digitale Kommunikation ist durch das Fehlen nonverbaler Hinweisreize geprägt (Kanalreduktion), was zu Missverständnissen, aber auch neuen Kommunikationsdynamiken führt. Diese können durch bewusste Gestaltung teilweise kompensiert oder sogar verstärkt werden (hyperpersonale Kommunikation)


3.2 Deindividuation: Anonymität und normverletzendes Verhalten

Ausgangspunkt: Flaming und Hate Speech

  • Beispiel: beleidigende Kommentare in Online-Foren („geh sterben“)

  • Solche Beiträge nennt man:

    • Flaming (beleidigende, aggressive Kommunikation)

    • Hate Speech (Hassrede gegen Gruppen oder Einzelpersonen)

👉 Wichtig:

  • Jede Person oder Gruppe kann Ziel werden

  • Bereits einfache Online-Aktivitäten (z. B. Blog) können Hate Speech auslösen


Erklärung: Deindividuation

  • Zentrale Erklärung nach Döring:

    • Menschen fühlen sich:

      • in der Gruppe stärker

      • nicht persönlich verantwortlich

Definition:

  • Deindividuation =

    • individuelle Identität tritt in den Hintergrund

    • Verhalten als Teil einer anonymen Masse tritt in den Vordergrund

Folgen:

  • Reduktion von:

    • kritischer Selbstbewertung

    • moralischen Bedenken

  • Zunahme von:

    • normverletzendem Verhalten (anomisch)

    • antisozialem Verhalten


Gilt nicht nur online

  • Deindividuation tritt auch offline auf:

    • z. B. randalierende Fußballfans

👉 Unterschied:

  • Das Internet verstärkt und beschleunigt diese Effekte


Rolle des Internets

  • Internet fördert Deindividuation durch:

    • Anonymität

      • nur IP-Adressen sichtbar

      • Person dahinter nicht direkt erkennbar

    • Gefühl der Nicht-Nachverfolgbarkeit

      • obwohl Identifikation technisch möglich ist

      • wird aber selten genutzt

👉 Vergleich:

  • ähnlich wie anonymes Verhalten im Auto (niemand hört/konfrontiert einen)


Zentrale Ursache

  • Schlüsselmechanismus:

    • Gefühl, nicht zur Rechenschaft gezogen zu werden

👉 Folge:

  • geringere Hemmschwelle für aggressives Verhalten


Einfluss von Anonymität auf Verhalten

  • Anonyme Gruppen → mehr Flames

  • Wichtig:

    • subjektives Gefühl von Anonymität reicht aus

    • tatsächliche Identifizierbarkeit ist zweitrangig


Antezedenzien (Risikofaktoren) der Deindividuation

Diese Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit für normverletzendes Verhalten:

  • Anonymität

  • Gruppenzugehörigkeit (In-Group)

    • z. B. „wir Sportler:innen“

  • Abgrenzung zu Gegnern (Out-Group)

  • Situationen, die Verhalten erlauben

    • z. B. Möglichkeit zum Kommentieren

  • Unklare Verantwortlichkeiten

  • Unspezifische Gruppenaktivität

  • Fehlendes Feedback

  • Hohe Reizdichte

  • Impulsivität

  • Bildung

👉 Merksatz:

  • Je mehr/stärker diese Faktoren → desto höher:

    • Kontrollverlust

    • Gewaltschwelle sinkt


Folgen von Deindividuation

a) Psychische Gewalt:

  • Hate Speech

  • Flaming

b) Physische Gewalt:

  • kann ebenfalls begünstigt werden

c) Kriminalität:

  • Kreditkartenbetrug

  • Identitätsdiebstahl

  • Angriffe auf IT-Systeme

  • Betrug allgemein


Problem der „scheinbaren Anonymität“

  • Menschen fühlen sich:

    • unangreifbar

  • obwohl:

    • Identifikation oft möglich wäre

👉 Folge:

  • Grenzüberschreitungen

  • Rechtsverletzungen


Rolle des sozialen Umfelds

  • Moral wird beeinflusst durch:

    • soziale Kontrolle

    • Konsequenzen

👉 Prinzip:

  • „Wo kein Kläger, da kein Richter“


Gewöhnungseffekt

  • Wiederholtes Verhalten ohne Konsequenzen führt zu:

    • Normalisierung

    • steigender Wiederholungswahrscheinlichkeit

👉 Beispiele:

  • Urheberrechtsverletzungen

  • Beleidigungen

Kernaussage für die Klausur

Deindividuation beschreibt den Effekt, dass Menschen sich in anonymen Gruppen weniger verantwortlich fühlen, wodurch Selbstkontrolle und moralische Hemmungen sinken. Digitale Kommunikation verstärkt diesen Effekt durch Anonymität, Gruppendynamiken und fehlende Konsequenzen, was zu Hate Speech, normverletzendem Verhalten und sogar Kriminalität führen kann.


3.3 Selbstdarstellung und soziales Kapital: Bewusste und unbewusste Prozesse in digitalen Kanälen

Grundidee: Inszenierung in sozialen Medien

  • Jedes Social-Media-Posting ist inszeniert

    • Neutralität existiert nicht

  • Gründe:

    • Auswahl von Bildausschnitt, Perspektive, Licht etc.

    • bewusste und unbewusste Gestaltung

  • Ziel:

    • Aufmerksamkeit

    • Wettbewerb mit anderen Inhalten

👉 Auch einfache Fotos sind konstruiert (Auswahl + Weglassen)


Impression Management

Definition:

  • Versuch, sich in der Peergroup möglichst positiv darzustellen

Merkmale:

  • Anpassung an Zielgruppe:

    • z. B.:

      • Instagram → Sportler-Identität

      • Facebook → Familienrolle

  • Inhalte sind:

    • selten komplett gefälscht

    • aber selektiv gewählt und optimiert

Wichtig:

  • bewusste UND unbewusste Prozesse

  • Verhalten verändert sich je nach sozialem Kontext


3. Ziele von Self-Disclosure (Selbstoffenbarung)

  • Bereitschaft, persönliche Informationen zu teilen

Typische Ziele:

  • Kommunikation & sozialer Austausch

  • Bestätigung & Abgrenzung

  • Zugehörigkeit (soziale Identität)

  • Selbstverwirklichung

  • Wertschätzung

  • Ausleben unerwünschten Verhaltens (Anonymität)

  • Selbstdarstellung

  • Partnersuche

  • Informationssuche


Historischer Bezug & Rollen (Goffman)

  • Selbstdarstellung gab es schon immer:

    • z. B. Porträts im Barock (idealisiert)

  • Erving Goffman:

    • Menschen übernehmen verschiedene Rollen

    • Ziel: Eindruck auf andere kontrollieren

👉 Rollen hängen von Situation ab (z. B. Arbeit vs. Familie)


Einflussfaktoren auf Impression Management

  • Aktuelle Ziele

    • z. B. Bewerbung → stärkere Selbstdarstellung

  • Selbstkonzept

    • beeinflusst Inhalt & Intensität

  • Soziale Erwartungen & Rollenbilder

    • z. B.:

      • Sportler:innen → gesund leben

      • bestimmte Rollenbilder in Beziehungen


Persönlichkeitssphären (Self-Disclosure)

Informationen lassen sich drei Bereichen zuordnen:

  • Individualsphäre

    • öffentlich, beruflich

  • Privatsphäre

    • persönliches Leben

  • Intimsphäre

    • sehr enge Beziehungen (Partner, Familie)


Konzept der Privatheit

Privatheit = aktive Kontrolle über Zugang zur eigenen Person

Dimensionen:

  • Physisch: Nähe, Körperkontakt

  • Psychisch: Gedanken & Gefühle

  • Sozial: Kontakte wählen oder meiden

  • Informationell: Daten teilen

👉 Wichtig:

  • Selbstoffenbarung ist Grundlage für Beziehungen

  • aber:

    • muss zielgruppengerecht gesteuert werden


Besonderheiten digitaler Kanäle

  • Verstärken Impression Management:

    • hohe Reichweite möglich

    • potenzielle Vorteile (z. B. Karriere, Aufmerksamkeit)

Herausforderung:

  • Mehrere Zielgruppen gleichzeitig

    • Familie, Freund:innen, Kolleg:innen etc.

    • → schwierige Anpassung der Selbstdarstellung


Influencer:innen

  • betreiben Impression Management:

    • professionell

    • mit hohem Aufwand

  • Merkmale:

    • hohe Reichweite (Follower)

    • hohe Qualität der Inhalte

    • Glaubwürdigkeit/Wirkung

Besonderheit:

  • Werbung wirkt wie persönliche Empfehlung

    • → Vertrauensbonus


Grenzen von Self-Disclosure

Grenzen von Self-Disclosure

  • Timing wichtig:

    • zu frühe intime Infos → unangemessen


Privacy Paradox

Definition:

  • Widerspruch zwischen:

    • Einstellung: „Privatheit ist wichtig“

    • Verhalten: Teilen persönlicher Daten

Erklärungsansätze:

  1. Gratifikationshypothese

    • Belohnung (z. B. Aufmerksamkeit) überwiegt Risiken

    • Entscheidung:

      • rational oder heuristisch (schnell, intuitiv)

  2. Wissenshypothese

    • mangelndes Wissen über:

      • Datenverarbeitung

      • Schutzmöglichkeiten

  3. Soziale-Erwünschtheit-Hypothese

    • Menschen äußern sozial akzeptierte Meinungen

    • tatsächliches Verhalten weicht ab

👉 Zusätzlich:

  • Einstellungen wirken stärker,

    • wenn sie auf eigener Erfahrung beruhen


Soziales Kapital

Definition:

  • Ressourcen & Vorteile aus sozialen Beziehungen

Zwei Formen:

  • Bridging Social Capital

    • lose Kontakte

    • Informationsaustausch

    • keine emotionale Nähe

  • Bonding Social Capital

    • enge Beziehungen

    • emotionale Unterstützung

👉 Bedeutung:

  • wichtig für Lebenszufriedenheit


Rolle sozialer Medien

  • fördern v. a.:

    • Bridging Social Capital

  • ermöglichen:

    • neue Kontakte (z. B. Gaming, Dating)

  • aber:

    • eingeschränkte Wahrnehmung der anderen Person


Nutzung und Wohlbefinden

  • Nutzungsdauer allein → kein klarer Effekt

Entscheidend ist die Art der Nutzung:

  • Passive Nutzung

    • (nur konsumieren)

    • → negativ fürs Wohlbefinden

  • Aktive Nutzung

    • (posten, kommentieren)

    • → positiv fürs Wohlbefinden

Kernaussage für die Klausur

Digitale Kommunikation ist stark durch Selbstdarstellung (Impression Management) und Selbstoffenbarung (Self-Disclosure) geprägt, die sowohl bewusst als auch unbewusst erfolgen. Dabei spielen soziale Rollen, Zielgruppen und Privatheit eine zentrale Rolle. Gleichzeitig ermöglichen soziale Medien den Aufbau von sozialem Kapital, beeinflussen aber je nach Nutzungsart unterschiedlich das Wohlbefinden.

3.4 Stress durch digitale Kommunikation und vermeintliches Multitasking

Ausgangspunkt: Informationsflut & kognitive Verarbeitung

  • Digitale Kommunikation führt zu:

    • vielen Informationen gleichzeitig

    • ständigen Ablenkungen

  • Fokus dieses Abschnitts:

    • Wie verarbeitet der Mensch Informationen?

    • Welche Auswirkungen haben digitale Medien darauf?


Zwei Systeme der Informationsverarbeitung

System 1: automatische Verarbeitung

  • Eigenschaften:

    • schnell

    • intuitiv

    • unbewusst

    • basiert auf Heuristiken

Heuristiken:

  • = vereinfachende Annahmen / Faustregeln

  • Zweck:

    • schnelle Entscheidungen bei wenig Zeit/Information

  • Vorteil:

    • effizient, evolutionsbiologisch sinnvoll

  • Nachteil:

    • nicht immer korrekt

Beispiel:

  • Rascheln im Busch → Gefahr vermuten → vorsichtig reagieren → sinnvoll, auch wenn es nur ein Eichhörnchen ist

Quellen von Heuristiken:

  • Repräsentativität

    • typische Ereignisse werden als wahrscheinlicher eingeschätzt

  • Zugänglichkeit

    • leicht erinnerbare Ereignisse erscheinen wahrscheinlicher

System 2: analytische Verarbeitung

  • Eigenschaften:

    • langsam

    • bewusst

    • reflektiert

    • tiefergehende Auseinandersetzung

👉 Ergebnis:

  • bessere Erinnerungsleistung

  • genauere Verarbeitung


Disfluency vs. Cognitive Load Theory

Disfluency-Hypothese

  • Schwierige Inhalte → zwingen zu System 2

  • Folge:

    • tiefere Verarbeitung

    • besseres Verständnis möglich

👉 Beispiel:

  • schwer lesbare Schrift → weniger intuitive Fehler


Cognitive Load Theory

  • Schwierige Inhalte → erhöhen kognitive Belastung

  • Folge:

    • weniger Ressourcen für Verarbeitung

    • schlechteres Lernen

Empirische Befunde

  • Ergebnisse sind uneinheitlich:

    • teilweise:

      • schwer lesbare Inhalte → bessere Leistungen (Disfluency)

    • teilweise:

      • schlechtere Verständlichkeit (Cognitive Load)

👉 Wichtig:

  • Merkt empfiehlt:

    • keine absichtlich schwer lesbaren Materialien

Reflexionsfrage (implizit wichtig)

  • Könnte zu leichte Zugänglichkeit:

    • → oberflächliche Verarbeitung fördern?


Limited Capacity Model


Limited Capacity Model

Grundannahme

  • kognitive Kapazität ist begrenzt


Drei Verarbeitungsprozesse


1. Enkodierung

  • Die Informationen werden in das Arbeitsgedächtnis transportiert und in eine mentale Repräsentation umgewandelt

  • also ein Abbild der Informationen, das das kognitive System verarbeiten kann.

2. Speicherung

  • Ein Teil der im Arbeitsgedächtnis liegenden Informationen wird in das Langzeitgedächtnis überstellt

3. Abruf

  • Das Gehirn ruft Informationen aus dem Langzeitgedächtnis ab, die unter anderem inhaltlich zum Abbild der neuen Informationen passen und vergleicht sowie ergänzt die Informationen, beispielsweise die Vorgeschichte oder die Vertrauenswürdigkeit der Quelle.

  • Dies ermöglicht die Interpretation der Botschaft.

👉 Wichtig:

  • Prozesse laufen gleichzeitig und interagierend, nicht linear

Ressourcenverbrauch

  • alle Prozesse benötigen:

    • kognitive Kapazität

Einflussfaktoren auf Cognitive Load

  • Komplexität der Inhalte

  • Gestaltung/Aufbereitung

  • Anzahl der:

    • Informationsquellen (Text, Bild, Ton)

    • Sinneskanäle

  • Redundanz der Informationen

Steuerung der Verarbeitung

Kontrolliert (willentlich):

  • abhängig von:

    • Zielen

    • Motivation

    • Vorerfahrung

Automatisch:

  • abhängig von:

    • Reizmerkmalen:

      • neu

      • wechselnd

      • intensiv

👉 solche Inhalte ziehen automatisch Aufmerksamkeit


Kognitive Überlastung

Ursache

  • Reize kommen schneller an, als sie verarbeitet werden können

Folgen

  • Verarbeitung bricht nicht komplett ab, aber:

    • weniger effizient

    • Teilprozesse gestört

  • besonders betroffen:

    • Erinnerungsleistung


Kernaussage für die Klausur

Digitale Kommunikation erhöht durch Informationsfülle, Ablenkungen und Multitasking die kognitive Belastung. Da die menschliche Informationsverarbeitung (Limited Capacity Model) nur begrenzte Ressourcen hat, kommt es schnell zu Überlastung, was insbesondere die Verarbeitungstiefe und Erinnerungsleistung negativ beeinflusst. Gleichzeitig bestimmt die Gestaltung von Informationen, ob eher intuitive (System 1) oder analytische Verarbeitung (System 2)genutzt wird.

3.5 Selbstoffenbarung und emotionale Beteiligung

Zusammenhang von Kognitionen und Emotionen

  • Kognitionen und Emotionen sind Grundsäulen des menschlichen Erlebens.

  • Beide beeinflussen sich gegenseitig.

  • Nach dem Limited Capacity Model gilt:

    • Informationen mit einem hohen Anteil emotionaler Stimulation werden mit mehr kognitiven Ressourcen enkodiert.

    • Dadurch werden sie mit höherer Wahrscheinlichkeit länger erinnert.

Einfluss der Erregungsstärke

  • Nicht nur das Vorhandensein von Emotionen ist wichtig, sondern auch ihre Stärke.

  • Bei niedriger Erregungsstärke werden positive Reize intensiver enkodiert als negative.

  • Bei mittlerer und hoher Erregungsstärke werden dagegen negative Reize intensiver enkodiert als positive.

Bedeutung für Reichweite

  • Emotionale Beteiligung ist deshalb ein Schlüsselfaktor für hohe Reichweiten.

  • Das gilt sowohl für traditionelle Medien als auch für soziale Medien und andere digitale Kommunikationskanäle mit vielen Teilnehmenden.

  • Reichweite entsteht also oft dadurch, dass Leser:innen oder Nutzer:innen emotional angesprochen werden — positiv oder negativ.

Beispiel Bild-Zeitung: Reichweite durch Emotionalisierung

  • Das Prinzip ist nicht neu.

  • Der Dauererfolg der Bild-Zeitung wird laut Cornelia Voss auf Strategien zurückgeführt, die gezielt auf Emotionalisierung ausgerichtet sind.

  • Voss rekonstruierte thematische und sprachliche Prinzipien sowie narrative Schemata, die sich seit den 1950er-Jahren wiederholen.

  • Diese Strategien sorgen laut Text auch in sozialen Medien wie Facebook für hohe Reichweiten.


Wie entstehen Emotionen? – Appraisal-Theorien

  • Nach den Appraisal-Theorien entstehen Emotionen durch kognitive Bewertungs- und Interpretationsprozesse.

  • Menschen bewerten eingehende Reize, Situationen, Objekte und Ereignisse danach, welche Relevanz sie für die eigenen Ziele und Bedürfnisse haben.

Kriterien dieser Bewertung

Die Überprüfung erfolgt u. a. anhand von:

  • Valenz

    • Ist etwas positiv oder negativ?

  • Kontrollierbarkeit

    • Kann ich die Situation beeinflussen oder nicht?

  • Einklang mit persönlichen Werten oder Haltungen

    • Passt das Wahrgenommene zu meinen Überzeugungen?

Folge des Appraisal-Prozesses

  • Die Bewertung führt zu:

    • einer Reaktion

    • emotionalen Empfindungen

    • ggf. auch zu beobachtbarem Verhalten

  • Emotionen entstehen also als Folge der Bewertung eingehender Reize, wenn diese für die Person persönlich relevant sind.

Emotionen bei fiktionalen Inhalten

  • Bei Filmen oder anderen fiktionalen Medieninhalten haben die Reize oft keine direkte Relevanz für die eigenen Ziele und Bedürfnisse.

  • In solchen Fällen spielt das empathische Mitfühlen mit Figuren eine Rolle.

  • Einen ähnlichen Effekt können auch Botschaften in sozialen Medien auslösen, die sich nicht direkt an eine einzelne Person richten, sondern an einen größeren Kreis möglicher Interessent:innen.

Involvement

  • Involvement beschreibt die Stärke der Auseinandersetzung eines:einer Empfänger:in mit einer Botschaft.

  • Es scheint ein Schlüsselfaktor für hohe Reichweite in sozialen Medien zu sein.

Formen des Involvements

  • Kognitives Involvement

    • beschreibt die Intensität der Informationsverarbeitung

  • Emotionales Involvement

    • beschreibt die Intensität der Gefühle und Emotionen während der Verarbeitung

Wirkung von Involvement

  • Je höher das Involvement, desto stärker richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Botschaft.

Wovon hängt Involvement ab?

Es hängt sowohl von dem:der Empfänger:in als auch von der Botschaft selbst ab.

Auf Seiten des:der Empfänger:in z. B.:

  • Interesse an den Inhalten

  • generelle Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit der Botschaft oder dem:der Sender:in

  • körperliche Eigenschaften

Auf Seiten der Botschaft z. B.:

  • Qualität der Darstellung


Selbstoffenbarung / Self-Disclosure

  • Während Emotionalisierung eher für Kommunikation mit vielen Empfänger:innen wichtig ist, ist Selbstoffenbarung ein Schlüsselfaktor für:

    • die Entstehung von Beziehungen

    • die Aufrechterhaltung von Beziehungen

    • die psychische Gesundheit

Definition

  • Selbstoffenbarung ist jede Information über die eigene Person, die nicht öffentlich bekannt ist und die ein Mensch mit einem anderen teilt.

Zusammenhang mit psychischer Gesundheit

  • Menschen, die sich häufiger selbst offenbaren,

    • sind weniger ängstlich,

    • weniger depressiv

    • und geben häufiger an, mit ihrem Leben zufrieden zu sein als Personen, die seltener etwas von sich offenbaren.

Selbstoffenbarung in digitalen Kanälen

  • Selbstoffenbarung ist nicht auf einen bestimmten Kommunikationskanal beschränkt.

  • Sie kann also sowohl face-to-face als auch digital stattfinden.

  • Laut Text kann es in digitalen Kommunikationskanälen unter Umständen leichter fallen, sich selbst zu offenbaren.

Empirische Befunde

  • In einer Untersuchung zeigte sich:

    • Über digitale Kanäle werden mehr Wörter ausgetauscht als in Face-to-face-Situationen.

    • Die Tiefe der Selbstoffenbarung blieb dabei aber gleich.

  • In einer anderen Studie zeigte sich:

    • Versuchspersonen gaben über digitale Kanäle mehr von sich preis als face-to-face.

  • Diese Ergebnisse konnten in weiteren Studien wiederholt werden.

Auffälliger Widerspruch

  • In der Selbsteinschätzung sagen viele Nutzer:innen, sie würden face-to-face mehr von sich preisgeben als online.

  • Das widerspricht teilweise den empirischen Befunden, nach denen digitale Kanäle durchaus zu stärkerer Selbstoffenbarung führen können.


Emotionen als Bestandteil von Medienrezeption

  • Emotionen wie Freude, Furcht und Spannung gehören zu den Grundbestandteilen des Rezeptionserlebens.

  • Das gilt in weiten Teilen auch für digitale Kommunikationskanäle, besonders im Bereich der Massenkommunikation bzw. vieler sozialer Medien.

Kurzfristige und langfristige Effekte

  • Hohes Involvement hat zunächst einen kurzfristigen Effekt:

    • stärkere Aufmerksamkeit

  • Medieninhalte können aber auch langfristige Effekte auf emotionale Reaktionen haben.

Emotionale Desensibilisierung

  • Ein solcher langfristiger Effekt ist die emotionale Desensibilisierung.

  • Sie beschreibt die emotionale Abstumpfung gegenüber emotional erregenden Stimuli, wenn gleiche oder ähnliche Reize wiederholt auftreten.

Was bedeutet Abstumpfung?

  • verringerte Reaktion auf den Reiz

    • z. B. geringere Angstreaktion

  • verringerte physiologische Erregung

Habituation

  • Der Prozess der Abstumpfung wird auch Habituation genannt.

  • Gemeint ist:

    • Wenn der menschliche Wahrnehmungsapparat mehrfach oder über längere Zeit mit einem bestimmten Reiz konfrontiert wird, nimmt die Reaktion auf diesen Reiz ab.

  • Das geschieht meist unbewusst.

  • Habituation gilt als einfache Form des Lernens.


Merkmale der Habituation

  • Sie kann so weit gehen, dass ein:e Empfänger:in gar nicht mehr auf einen bestimmten Reiz reagiert.

  • Sie tritt nur bei angeborenen oder reflexartigen Reaktionen auf, nicht bei erlernten Reaktionen.

  • Eine Erholung der Reaktion kann eintreten, wenn ein spezifischer Reiz längere Zeit nicht mehr wahrgenommenwird.

  • Habituation ist an sich neutral.

    • Sie kann auch die Lebensqualität verbessern, etwa wenn man sich nach einem Umzug an neue Geräusche gewöhnt.


Emotionale Desensibilisierung und Therapie

  • Emotionale Desensibilisierung läuft nach ähnlichen Mechanismen ab.

  • Sie kann auch gezielt eingesetzt werden, z. B. in der Verhaltenstherapie, um Ängste zu verringern, etwa Spinnenangst.


Bedeutung für digitale Massenkommunikation

  • Habituation kann in digitalen Massenkommunikationskanälen eine Rolle spielen, wenn Nutzer:innen selbst nur noch geringe Emotionen zu einem bestimmten Thema empfinden.

  • Durch ihr Kommunikationsverhalten können sie dann in Foren oder sozialen Medien als Provokateur:innen oder Störende wahrgenommen werden.


Kernaussage des Abschnitts

  • Emotionale Beteiligung erhöht Aufmerksamkeit, Erinnerungswahrscheinlichkeit und Reichweite.

  • Emotionen entstehen nach den Appraisal-Theorien durch Bewertung und Interpretation von Reizen.

  • Involvement beschreibt, wie intensiv sich jemand kognitiv und emotional mit einer Botschaft auseinandersetzt.

  • Selbstoffenbarung ist zentral für Beziehungen und psychische Gesundheit und kann digital zum Teil leichter fallen.

  • Wiederholte emotionale Reize können zu Desensibilisierung bzw. Habituation führen, also zu einer emotionalen Abstumpfung.


3.6 Errichtung einer gemeinsamen Kommunikationsbasis

Grundidee des Abschnitts

  • Kommunikation funktioniert nicht einfach automatisch, sondern beide Seiten müssen sich aktiv um Verstehen und Verstandenwerden bemühen.

  • Wie schwierig das ist, hängt von der konkreten Situation ab:

    • von den Zielen der Kommunikation,

    • von den verfügbaren Kommunikationskanälen,

    • und von persönlichen Faktoren wie Kommunikationsstil, Interesse, Vorwissen, Vorlieben und Medienkompetenz.

Praxisbeispiel Sarah und Laura

  • Sarah hat ein Problem in PowerPoint und beschreibt es Laura am Telefon.

  • Zunächst fehlt Laura ein wichtiger Bezugspunkt, weil sie Sarahs Bildschirm nicht sehen kann.

  • Erst als Sarah das Problem weiter beschreibt, erkennt Laura, dass es vermutlich am Folienmaster liegt.

  • Das Beispiel zeigt:

    • Kommunikation ist schwieriger, wenn wichtige Informationen nicht gemeinsam wahrgenommen werden können.

    • Ein rein akustischer Kanal wie das Telefon reicht bei komplexen technischen Problemen oft nicht aus.

    • Erfolgversprechender wäre:

      • ein gemeinsam geteilter Bildschirm,

      • oder noch besser ein Face-to-face-Treffen, bei dem beide das Problem direkt sehen und zeigen können.

Common Ground

  • Die gemeinsame Kommunikationsbasis wird Common Ground genannt.

  • Gemeint ist die Summe des geteilten Wissens, gemeinsamer Annahmen und gemeinsamer Überzeugungen der Kommunikationspartner:innen.

  • Im Beispiel gehört dazu z. B. das gemeinsame Verständnis dessen, was ein Folienmaster ist.

Wichtigkeit von Common Ground

  • Je mehr gemeinsames Wissen vorhanden ist, desto leichter und schneller wird die Kommunikation.

  • Wenn Laura und Sarah häufiger über PowerPoint sprechen würden, würde ihre gemeinsame Basis wachsen.

  • Dadurch würde ihre Kommunikation untereinander effizienter.

  • Gleichzeitig könnte sie für Außenstehende schwerer verständlich werden, weil viele Dinge nicht mehr erklärt werden müssten.


Kriterien von Kommunikationskanälen

Kommunikationskanäle lassen sich anhand von acht Kriterien beschreiben:

  • Copresence

    • Die Kommunikationspartner:innen befinden sich im gleichen Raum.

  • Visibility

    • Die Partner:innen können sich sehen.

  • Audibility

    • Die Partner:innen können sich hören.

  • Simultaneity

    • Beide können gleichzeitig agieren.

  • Cotemporality

    • Die Botschaft kommt ohne Übermittlungsdauer beim Gegenüber an.

  • Sequentiality

    • Die ursprüngliche Reihenfolge der Botschaften bleibt erhalten.

  • Reviewability

    • Frühere Kommunikation kann noch einmal angesehen oder nachgelesen werden.

  • Revisability

    • Eine Botschaft kann vor dem Absenden entworfen, überarbeitet, korrigiert oder umformuliert werden.


Einbezug der Tabelle: Vergleich von Face-to-face, E-Mail und Chat

Die Tabelle zeigt sehr gut, dass unterschiedliche Kanäle verschiedene Stärken und Schwächen für das Grounding haben.



Digitale Kanäle sind nicht automatisch schlechter

  • Der Abschnitt betont ausdrücklich, dass digitale Kommunikationskanäle nicht immer Nachteile gegenüber Face-to-face haben.

  • Sie können auch Vorteile haben.

  • Beispiel:

    • Im Chat kann die Hemmschwelle geringer sein, über persönliche Probleme zu sprechen.

Das ist wichtig: Der Vergleich bedeutet also nicht, dass Face-to-face immer „besser“ ist, sondern dass unterschiedliche Kanäle unterschiedliche Grounding-Kosten verursachen.


Problem der Akzeptanzphase in digitalen Kanälen

  • In vielen digitalen Kommunikationskanälen fehlen in der Akzeptanzphase die kleinen, spontanen Rückmeldungen des Verstehens oder Nicht-Verstehens.

  • Beispiele für solche Rückmeldungen wären:

    • „mhm“

    • Kopfnicken

    • Kopfschütteln

    • ein kurzer fragender Blick

Folge

  • Der:die Empfänger:in muss Rückmeldungen bewusster und aktiver geben.

  • Das ist bei komplexen Themen aufwendiger und kostenintensiver.

  • Besonders dann, wenn viel Abstimmung nötig ist, kann digitale Kommunikation dadurch insgesamt anstrengender werden als ein direktes Treffen.


Warum digitale Kommunikation höhere Kosten verursachen kann

  • Tippen ist aufwändiger als Sprechen.

  • Der Formulierungsaufwand in E-Mail oder Chat ist höher.

  • Bei asynchroner Kommunikation kommt noch hinzu:

    • Man muss gedanklich immer wieder von der aktuellen Tätigkeit zur Kommunikation umschalten.

  • Das kostet zusätzlich Zeit und Konzentration.


Ergebnisse einer Untersuchung

  • Proband:innen brauchten deutlich länger für eine Aufgabe

  • und machten mehr Fehler,

  • wenn sie asynchrone Kommunikation nutzten

    • z. B. SMS, WhatsApp, Instant Messenger

  • statt synchroner Kommunikation

    • z. B. Telefon


Weitere Grounding-Kosten

Zusätzliche Kosten können entstehen durch:

  • Verzögerungen in der Übermittlung

  • Fehlerkorrekturen

  • Schwierigkeiten beim Sprecher:innenwechsel

  • technische Probleme


Kernaussage des Abschnitts

  • Kommunikation gelingt leichter, wenn eine gemeinsame Kommunikationsbasis (Common Ground) besteht.

  • Diese gemeinsame Basis wird durch Grounding laufend hergestellt und erweitert.

  • Je nach Kommunikationskanal ist dieses Grounding unterschiedlich leicht oder aufwendig.

  • Face-to-face erleichtert Grounding besonders stark, weil direkte Rückmeldungen sofort möglich sind.

  • Digitale Kanäle können Vorteile haben, verursachen aber bei komplexen Inhalten oft höhere Grounding-Kosten, weil Rückmeldungen aktiver formuliert werden müssen, Tippen aufwendiger ist und Verzögerungen bzw. technische Probleme hinzukommen.


Big Five (Fünf-Faktoren-Modell)

Die Persönlichkeit lässt sich in fünf Dimensionen einteilen:

  • Neurotizismus

    • häufige/intensive negative Emotionen (Angst, Wut, Scham etc.)

  • Extraversion

    • Bedürfnis nach Stimulation, sozialen Kontakten, Aufmerksamkeit

    • „laut denken“, aktiv, gruppenorientiert

  • Offenheit für Erfahrungen

    • kreativ, neugierig, intellektuell, hinterfragt Autoritäten

  • Verträglichkeit

    • freundlich, kooperativ, empathisch, rücksichtsvoll

  • Gewissenhaftigkeit

    • organisiert, verantwortungsbewusst, diszipliniert

👉 Kombination dieser Ausprägungen ergibt ein Persönlichkeitsprofil

Zusammenhang Persönlichkeit – Medienwahl

Neurotizismus

  • wählen eher Inhalte:

    • zur Beruhigung

    • oder zur Auseinandersetzung mit Ängsten

  • nutzen soziale Medien:

    • häufiger und länger

  • nutzen Medien zur:

    • Emotionsregulation (z. B. Musik)

Extraversion vs. Introversion

  • Extravertierte:

    • sind face-to-face authentischer und wahrheitsgemäßer

    • nutzen Social Media häufiger:

      • zur Pflege bestehender Kontakte

      • weniger zur Bildung enger Bindungen

    • bevorzugen:

      • aktive, sozial orientierte Medien

      • intensive, abwechslungsreiche Reize

  • Introvertierte:

    • sind online authentischer

    • geben online mehr von sich preis

Offenheit für Erfahrungen

  • sagt Interesse an neuen Medien voraus

  • wirkt als Prädiktor für Mediennutzung

Gewissenhaftigkeit

  • eher:

    • langfristig orientiert

    • konform

  • mögliche Folge:

    • vermeiden neue Medien oder Spiele

    • um Prokrastination zu verhindern

Verträglichkeit

  • kaum Zusammenhang mit Mediennutzung

  • kleine Tendenz:

    • posten eher Fotos

Wichtige Einschränkung

  • Zusammenhänge sind:

    • schwach

    • nicht eindeutig

  • Mediennutzung hängt auch ab von:

    • Alter

    • Tagesverlauf

  • Persönlichkeit erklärt eher:

    • Tendenzen, keine festen Vorhersagen


Media Richness (Medienreichhaltigkeit)

Media Richness (Medienreichhaltigkeit)

Grundidee

  • Kommunikation ist erfolgreich, wenn:

    • Kanal zur Aufgabe passt

Zentrale Begriffe

  • Ambiguität

    • Grad der Mehrdeutigkeit einer Situation

  • Media Richness

    • „Reichhaltigkeit“ eines Kanals:

      • Schnelligkeit von Feedback

      • Vielfalt an Hinweisreizen (z. B. Mimik, Tonfall etc.)



  • Von niedrig → hoch:

    • Merkblatt → Bericht → Memo → Notiz/Brief → E-Mail → Telefon → Face-to-face

👉 Interpretation:

  • Face-to-face = reichhaltigster Kanal

  • schriftliche Formen = ärmere Kanäle


Zusammenhang: Richness × Ambiguität (Tabelle)



Hohe Ambiguität (mehrdeutige Situationen)

  • Reichhaltiger Kanal (z. B. Face-to-face) → effektive Kommunikation → Kanal kann Komplexität abbilden

  • Armer Kanal (z. B. Chat, Merkblatt) → ineffektiv → Komplexität wird nicht erfasst

Niedrige Ambiguität (klare Informationen)

  • Reichhaltiger Kanal → kann zu Verwirrung führen → zu viele Informationen

  • Armer Kanal → effektiv → ausreichend für einfache Inhalte

Wichtige Erkenntnis (prüfungsrelevant!)

  • Mehr Richness = nicht automatisch besser

  • Beispiel:

    • Zugangsdaten:

      • besser per Chat als mündlich (weniger Fehler)

  • Face-to-face kann sogar ineffektiv sein, wenn:

    • keine klare Struktur vorhanden ist (z. B. chaotische Meetings)

Kritik am Media-Richness-Ansatz

  • berücksichtigt nicht ausreichend:

    • Erfahrung der Nutzer:innen

    • soziale Einflüsse

    • konkrete Situation

  • empirisch:

    • Präferenz für „arme Medien“ bei einfachen Aufgaben nicht immer nachweisbar

  • Fokus liegt zu stark auf Kanal, nicht auf:

    • Verstehensprozess


Channel-Expansion-Theorie

  • Erfahrung mit einem Medium kann:

    • dessen Nachteile ausgleichen

  • Beispiel:

    • geübte Nutzer:innen können auch mit „armen“ Medien effektiv kommunizieren

👉 Aber:

  • dieser Ausgleich kann:

    • mehr Zeit

    • mehr Stress verursachen

Kernaussage des Abschnitts

  • Medienwahl hängt u. a. von Persönlichkeit, Situation und Zielen ab.

  • Persönlichkeit beeinflusst Mediennutzung, aber nur als Tendenz.

  • Kognitive Dissonanz erklärt, wie Menschen mit widersprüchlichen Informationen umgehen.

  • Der Erfolg von Kommunikation hängt davon ab, ob die Reichhaltigkeit des Mediums zur Mehrdeutigkeit der Situation passt.

  • Wichtig: Der „beste“ Kanal ist immer kontextabhängig, nicht grundsätzlich der reichhaltigste.


3.8 Modelle der digitalen Kommunikation

Bereits bekannte Modelle (kanalbezogen)

  • „Lack of social context cues“-Ansatz

    • Digitale Kommunikation enthält weniger soziale Hinweisreize (z. B. Mimik, Gestik, Tonfall).

    • → Dadurch qualitative und quantitative Unterschiede zur analogen Kommunikation.

  • Media-Richness-Ansatz

    • Kommunikationskanäle unterscheiden sich in ihrer „Reichhaltigkeit“ (Media Richness).

    • → Manche Kanäle können mehr soziale Informationen transportieren als andere.

    • → Digitale, textbasierte Medien (z. B. Messenger) gelten als eher „arm“ an Hinweisreizen.

Nutzer:innenorientierte Modelle

Diese Modelle betonen, dass nicht nur der Kanal, sondern vor allem die Erfahrung der Nutzer:innen entscheidend für die Kommunikationsqualität ist.

  • Electronic-Propinquity-Theorie

    • Fokus: gefühlte Nähe zwischen Kommunikationspartner:innen.

    • Diese Nähe hängt vom verwendeten Kommunikationskanal ab.

  • Channel-Expansion-Theorie

    • Bewertung eines Kommunikationskanals basiert auf den Erfahrungen der Nutzer:innen.

    • Je mehr Erfahrung mit einem Kanal vorhanden ist, desto besser kann er genutzt werden.

Rolle von Erfahrung und Common Ground

  • Common Ground = gemeinsame Kommunikationsbasis (Vorwissen, gemeinsame Erfahrungen).

  • Nutzer:innen mit:

    • hoher Erfahrung

    • gutem Common Ground → können Einschränkungen eines Kanals besser ausgleichen.

  • Aber:

    • Dieser Ausgleich verursacht höhere Kosten (z. B. mehr Zeitaufwand oder Stress).

Praxisbeispiel (Sarah und Charlie)

  • Situation:

    • Sarah fühlt sich von Lukas getäuscht und schreibt ihrer Freundin Charlie über den Facebook Instant Messenger.

  • Einordnung nach Media-Richness-Ansatz:

    • Instant Messenger = geringe Media Richness

    • → wenig soziale Hinweisreize (keine Mimik, Gestik, Stimme)

  • Warum funktioniert die Kommunikation trotzdem gut?

    • Sarah und Charlie:

      • kennen sich seit der sechsten Klasse

      • haben einen starken Common Ground

    • → nutzen Abkürzungen, Emoticons, Lautmalerei effektiv

    • → verstehen sich auch bei wenigen Zeichen sofort

  • Kernaussage des Beispiels:

    • Erfahrung + gemeinsames Verständnis können die Nachteile eines „armen“ Kommunikationskanals ausgleichen.


3.8.1 Hyperpersonal Model (HPM)

Das Hyperpersonal Model (HPM) beschreibt digitale Kommunikation anhand von vier Komponenten und deren Wechselwirkungen:

  • Sender:in

  • Empfänger:in

  • Kanal

  • Feedback

-> Zusätzlich analysiert das Modell, wie diese Komponenten miteinander interagieren und welche Effekte sie auf die Kommunikationspartner:innen haben.


Bedeutung von „hyperpersönlich“

Der Begriff „hyperpersönlich“ umfasst zwei zentrale Aspekte:

  • Fokussierung auf einen Bedeutungszusammenhang

    • Kommunikation konzentriert sich stark auf ein bestimmtes Anliegen oder Thema.

  • Verstärkung von Eindrücken

    • Der Eindruck vom Gegenüber basiert stark auf diesem begrenzten Kontext.

    • → Kann sich mit jeder Nachricht weiter verstärken (Verstärkungsschleife).

Beispiel:

  • Professorin reagiert freundlich → Student interpretiert dies als besonderes Interesse.

  • → mögliche kognitive Verzerrung

  • Student antwortet noch freundlicher → positive Rückkopplung entsteht.


Die vier Komponenten im Detail

1. Sender:in – selektive Selbstdarstellung

  • Gilt für textbasierte digitale Kanäle ohne Bild und Ton:

    • z. B. E-Mail, Chat, Messenger, Foren

  • Durch fehlende soziale Hinweisreize:

    • keine Mimik, Gestik, Stimme

  • → Sender:innen können:

    • Informationen gezielt auswählen

    • sich bewusst und kontrolliert darstellen

Effekte:

  • weniger sichtbare soziale Unsicherheiten (z. B. Erröten, Stottern)

  • geringere Selbstaufmerksamkeit

  • mehr kognitive Ressourcen für die Gestaltung der Botschaft

  • → kann soziale Ängstlichkeit reduzieren

2. Empfänger:in – Idealisierung der Botschaft

  • Empfänger:innen interpretieren Nachrichten auf Basis unvollständiger Informationen.

  • Fehlende Informationen werden ergänzt durch:

    • Vorwissen

    • Annahmen

    • Stereotype

Beispiel:

  • Wissen über Gruppenzugehörigkeit (z. B. Sportler:in) → Ableitung weiterer Eigenschaften:

    • sportlich

    • ehrgeizig

    • wettbewerbsorientiert

→ Ergebnis: positiv verzerrte Wahrnehmung der anderen Person


3. Management des Kommunikationskanals

  • Fokus: Asynchronität der digitalen Kommunikation

  • → Kommunikation ist nicht unmittelbar wie Face-to-face

Folgen:

  • mehr Zeit zum Antworten ist sozial akzeptiert

  • Nachrichten können:

    • überlegt

    • bearbeitet

    • optimiert werden

→ unterstützt ebenfalls selektive Selbstdarstellung und Idealisierung


4. Feedback

  • Rückmeldungen beeinflussen zukünftige Selbstdarstellung

Mechanismus:

  • positive Reaktionen → bestimmte Darstellungsweisen werden beibehalten

  • negative Reaktionen → werden vermieden

→ führt zu einer Verstärkungsschleife:

  • Selbstdarstellung wird zunehmend idealisiert

Gesamtbedeutung des HPM

  • Digitale Kommunikation wird genutzt für:

    • gezielte Selbstdarstellung

    • Identitätsmanagement

  • Wechselwirkungen der Komponenten führen zu:

    • Idealisierung

    • Verzerrungen

    • verstärkten Eindrücken

Kritik am Modell

  • HPM ist nicht ausschließlich auf digitale Kommunikation beschränkt

  • ähnliche Effekte könnten auch auftreten bei:

    • z. B. Briefwechseln

🧠 Klausurtaugliche Zusammenfassung

Das Hyperpersonal Model beschreibt digitale Kommunikation als Zusammenspiel von Sender:in, Empfänger:in, Kanal und Feedback. Durch fehlende Hinweisreize und asynchrone Kommunikation können Sender:innen sich selektiv darstellen, während Empfänger:innen Informationen idealisieren. Feedback verstärkt diese Prozesse, sodass sich positive (aber auch verzerrte) Eindrücke gegenseitig aufschaukeln. Digitale Kommunikation dient damit auch dem Identitätsmanagement.

3.8.2 SIDE-Modell

Das Social Identity Model of De-Individuation Effects (SIDE) erklärt digitale Kommunikation durch zwei zentrale Einflussfaktoren:

  • Gruppenzugehörigkeit (soziale Identität)

  • Deindividuationseffekte

Beide bestimmen maßgeblich, wie sich Menschen in digitalen Kommunikationssituationen verhalten.

1. Gruppenzugehörigkeit und soziale Identität

Das SIDE-Modell basiert auf der Theorie der sozialen Identität.

Exkurs: Soziale vs. personale Identität

  • Soziale Identität

    • Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen (z. B. Fußballverein, Beruf, Geschlecht, Nationalität)

    • Ziel: positive Abgrenzung (Distinktheit) gegenüber anderen Gruppen

    • basiert auf:

      • Tatsachen (z. B. „unsere Mannschaft hat gewonnen“)

      • Meinungen (z. B. „unsere Mannschaft hat die bessere Kultur“)

  • Personale Identität

    • basiert auf individuellen Eigenschaften einer Person

👉 Menschen besitzen beide Identitäten gleichzeitig.

Salienz der Identität

  • Je nach Situation wird eine Identität salient (also wirksam):

    • Soziale Identität salient

      • Verhalten orientiert sich an der Gruppe

      • → Gruppenregeln und -meinungen bestimmen Handeln

    • Personale Identität salient

      • Verhalten basiert auf individuellen Überlegungen und Eigenschaften

2. Deindividuation im SIDE-Modell

  • Deindividuation = Zurücktreten individueller Merkmale zugunsten der Gruppe

  • tritt im SIDE-Modell besonders durch Anonymität auf

Folgen:

  • persönliche Werte, Bedürfnisse und Einstellungen treten in den Hintergrund

  • Gruppenidentität gewinnt an Bedeutung

Zusammenspiel von Anonymität und sozialer Identität

  • Wenn:

    • Kommunikation anonym ist

    • und die soziale Identität salient ist

→ dann passen sich Menschen stärker an die Gruppenmeinung an

  • Im Vergleich:

    • Personen mit salienter personaler Identität zeigen weniger Anpassung

Einfluss digitaler Kommunikationskanäle

  • Technische Eigenschaften eines Kanals (z. B. Anonymität, Pseudonyme, Gruppenstruktur) beeinflussen:

    • Inhalte der Kommunikation

      • sowohl sachlich als auch emotional

Beispiel:

  • Kommunikation mit Internet-Pseudonym in einem Gruppenforum („die Mütter“, „die Rentner“)

    • → verstärkt:

      • Deindividuation

      • Aktivierung sozialer Identität

    • → beeinflusst die Botschaften der Sender:innen in Richtung der Gruppenmeinung

🧠 Klausurtaugliche Zusammenfassung

Das SIDE-Modell erklärt digitale Kommunikation durch das Zusammenspiel von sozialer Identität und Deindividuation. Je nach Situation ist entweder die personale oder die soziale Identität handlungsleitend. Anonymität fördert Deindividuation und verstärkt die soziale Identität, wodurch sich Personen stärker an Gruppenmeinungen anpassen. Technische Eigenschaften digitaler Kanäle können diesen Effekt zusätzlich verstärken und so Kommunikationsinhalte beeinflussen.

3.8.3 Gamification, Künstliche Intelligenz (KI), Chatbots und Media Equation: Verlust von Kommunikationskompetenz

Einstieg über das Google-„Local Guide“-Beispiel

Als Beispiel wird eine automatisch versendete E-Mail von Google genannt. Diese richtet sich an Nutzer:innen, die sich als „Local Guide“ angemeldet haben. Das sind Personen, die Google Maps mit Inhalten verbessern, zum Beispiel indem sie:

  • Fotos hochladen

  • Orte bewerten

  • Rezensionen schreiben

  • Fragen beantworten, etwa ob ein Ort rollstuhlgerecht ist

Die E-Mail ist sprachlich so formuliert, dass sie motivierend wirkt. Sie enthält Aussagen wie:

  • man habe einen neuen Rekord erzielt

  • Fotos seien mindestens 30.000 Mal aufgerufen worden

  • es gebe neue positive Bewertungen

  • man solle „weiter so“ machen

Die Formulierungen und die eingeblendeten Zahlen sollen den:die Empfänger:in dazu bringen, weitere Inhalte hochzuladen.


Gamification: Grundidee und Herkunft

Solche Elemente werden als Gamification bezeichnet.

Gamification bedeutet:

  • Designelemente aus Spielen oder Computerspielen werden

  • in nicht-spielerischen Umgebungen eingesetzt

Gemeint sind typische Spielmechanismen wie:

  • Punkte

  • Ranglisten

  • Fortschrittsanzeigen

  • Belohnungen

  • Rekorde

Der Ursprung solcher Elemente liegt laut Text unter anderem in:

  • wettbewerbsorientierten Spielen

  • Profi-Sportarten

    • z. B. Statistiken wie Torvorlagen

  • Bewertungssystemen wie der Elo-Zahl

    • sie gibt die Spielstärke von Schach- oder Go-Spieler:innen an

  • Computerspielen

    • dort besonders bekannt: das Punktesystem

Die Grundlogik ist einfach:

  • Wer länger oder besser spielt, erhält mehr Punkte.

  • Wer die meisten Punkte hat, gilt als Sieger:in.

Diese Logik wird auf andere Kontexte übertragen.


Wo Gamification eingesetzt wird

Gamification findet nicht nur in Spielen statt, sondern in vielen nicht-spielerischen Bereichen, zum Beispiel:

  • am Arbeitsplatz

  • in Schulen

  • in Online-Communitys

  • in Bewerbungsprozessen

  • in Sportprogrammen

  • in Reha-Programmen

Wichtig ist: Gamification ist ein Werkzeug. Es kann für unterschiedliche Zwecke genutzt werden:

  • positiv

    • z. B. um Menschen zu mehr Bewegung oder regelmäßigem Sport zu motivieren

  • negativ

    • z. B. um Beschäftigte dazu zu bringen, länger zu arbeiten

Das im Text beschriebene Google-Beispiel wird ausdrücklich als Gamification eingeordnet.

Media Equation

An dieser Stelle führt der Text die Media Equation These ein.

Grundgedanke

Die Media Equation These besagt:

  • Menschen reagieren auf Medienentitäten

  • unwillkürlich so, als wären diese reale Personen

Medienentitäten können sein:

  • Fernsehfiguren

  • Computer

  • Roboter

Das bedeutet:

  • Regeln des sozialen Umgangs aus dem Alltag

  • und sozialpsychologische Gesetzmäßigkeiten können auch im Kontakt mit Medien auftreten.

Ein Beispiel dafür ist:

  • Menschen verhalten sich gegenüber Computern höflich

Beispiel zur Wirkung positiver Rückmeldungen

Wenn ein System eine positive Rückmeldung gibt, etwa:

  • „Herzlichen Glückwunsch!“

dann fühlt sich ein Nutzer laut Text häufig:

  • geschmeichelt

  • positiv bestätigt

Das kann dazu führen,

  • dass der Computer oder das System später positiver bewertet wird

Und zwar sogar dann,

  • wenn dem Nutzer bewusst ist,

  • dass diese Nachricht automatisch ab einer bestimmten Bearbeitungsgeschwindigkeit erscheint.

Das ist wichtig:

  • Das Wissen um die Automatisierung hebt die soziale Wirkung nicht einfach auf.

Untersuchung zur Höflichkeit gegenüber Computern

Im Text wird eine Untersuchung beschrieben, in der Versuchspersonen die Leistung eines Computers beurteilen sollten.

Ergebnis:

  • Die Probanden waren höflicher,

    • wenn der betroffene Computer selbst die Fragen stellte.

  • Sie waren weniger höflich,

    • wenn ein anderes Gerät die Fragen stellte.

Das zeigt:

  • Menschen behandeln Medien unter bestimmten Bedingungen ähnlich wie soziale Gegenüber.

Psychologisch wird dieses Verhalten laut Text nicht als irrational verstanden, sondern als:

  • im Prinzip unvermeidbar

  • und kaum steuerbar


Künstliche Intelligenz und Chatbots

Entwicklungsstand

Der Text sagt:

  • Stand Mitte 2025 sind KI-Systeme so weit entwickelt,

  • dass sie im Chat oft den Eindruck erwecken,

  • von einem menschlichen Gesprächspartner kaum mehr unterscheidbar zu sein.

Als Beispiel wird ChatGPT genannt, ein System des Unternehmens Open AI.

Fähigkeiten von ChatGPT

ChatGPT zeigt laut Text menschenähnliche Fähigkeiten, nicht nur im Gespräch, sondern auch bei der Textproduktion und Textbearbeitung.

Genannte Beispiele:

  • kurze Krimis schreiben

  • ökonomische Theorien erklären

  • die Arbeitsweise von Künstlern erläutern

  • komplizierte Texte vereinfachen

  • Karnevalsgedichte schreiben

Außerdem wird hervorgehoben:

  • ChatGPT besteht Hochschul-Aufnahmetests wie

    • den Scholastic Assessment Test (SAT)

    • den Cambridge Bio-Medical Admission Test (BMAT)

    • den Italian Medical School Admission Test (IMSAT)

  • und zwar so gut wie die besten zehn Prozent menschlicher Studierender

Probleme und Grenzen großer Sprachmodelle

Trotz dieser Leistungsfähigkeit weist der Text deutlich auf Schwächen hin.

Große Sprachmodelle wie ChatGPT können:

  • logische Fehler machen

  • Behauptungen erfinden

    • das wird als „Halluzinieren“ bezeichnet

  • sich im Übermaß entgegenkommend verhalten

    • das wird als „sycophancy“ bezeichnet

  • in größeren Zusammenhängen entscheidende Informationen unterschlagen

Deshalb gilt:

  • Antworten sollten nicht 1:1 übernommen werden

Voraussetzungen für sinnvolle Nutzung von KI

Damit KI sinnvoll in Arbeitsabläufe integriert werden kann, braucht es laut Text zweierlei:

1. Fachwissen

Fachwissen ist notwendig, um:

  • fachliche Fehler zu erkennen

  • fehlende Informationen zu bemerken

  • die Qualität einer Antwort einschätzen zu können

2. Training im Umgang mit KI

Training im Umgang mit KI hilft dabei,

  • bessere Ergebnisse zu erhalten

Das betrifft vor allem den Umgang mit Prompts. Genannt werden unter anderem:

  • spezifischere Formulierungen

  • Rollenzuweisungen

  • offene Fragen

10. Folgen für Lernen und Kompetenzaufbau

Der Text formuliert die Implikationen relativ deutlich.

Wenn jemand zum Beispiel:

  • Hausaufgaben von ChatGPT erledigen lässt

  • und die Ergebnisse nur abschreibt,

dann entstehen keine eigenen fachlichen Kompetenzen.

Stattdessen wird nur gelernt:

  • wie man Assistenzsysteme bedient

Demgegenüber steht eigentlich das Ziel,

  • Wissen über Naturgesetze, Maschinen, Dinge oder Lebewesen wirklich selbst zu verstehen.

Der Text stellt außerdem kritisch die Frage:

  • Warum sollte man ein System nutzen,

    • wenn die Ergebnisse mittelmäßig, falsch oder irreführend sein können,

    • aber gleichzeitig den Eindruck erwecken, fehlerlos zu sein?

11. Sinnvolle Rolle von KI: Assistent oder Tutor

Trotz dieser Kritik verwirft der Text KI nicht grundsätzlich. Stattdessen schlägt er einen produktiven Umgang vor.

Hilfreich ist es,

  • KI als Assistenten

  • oder als Tutor zu begreifen.

Dann kann KI dazu beitragen,

  • eigene Kompetenzen aufzubauen und zu erweitern

Beispiele für sinnvolle Nutzung:

  • Ideen generieren

  • Gesprächssimulationen nutzen

  • Hinweise erhalten, die Assoziationsketten auslösen

  • Verknüpfungen zu anderen Themen herstellen

  • einen verständlichen Schreibstil entwickeln

Wichtig ist dabei:

  • nicht abschreiben

  • sondern die KI zur Unterstützung des eigenen Denkens verwenden

12. Risiken: Verlust von Kommunikations- und Denkkompetenz

Der Abschnitt thematisiert dann ausdrücklich die Gefahren großer Sprachmodelle.

Ein zentraler Begriff ist:

  • „Cognitive Debt“

Gemeint ist:

  • eine Schwächung der Fähigkeit zum kritischen Denken

  • durch fortgesetzte Nutzung von KI, etwa beim Schreiben von Essays


MIT-Studie zu „Cognitive Debt“ (Juni 2025)

Der Text beschreibt eine Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Aufbau der Studie

  • Proband:innenzahl: n = 54

  • davon führten 18 Personen die Untersuchung bis zum Ende durch

Es gab drei Gruppen:

  • KI-Nutzer:innen

  • Suchmaschinen-Nutzer:innen

  • Brain-only-Nutzer:innen

    • also Personen, die ganz ohne digitale Werkzeuge arbeiteten

Alle Gruppen bearbeiteten:

  • drei Aufgabenrunden

  • unter denselben Bedingungen

In einer vierten Runde wurde gewechselt:

  • KI-Nutzer:innen wurden zu Brain-only-Nutzer:innen

  • Brain-only-Nutzer:innen wurden zu KI-Nutzer:innen

Messmethoden

Die Forscher:innen nutzten:

  • ein Elektroenzephalogramm (EEG),

    • um die Cognitive Load während des Essayschreibens zu bestimmen

Zusätzlich wurden die Essays ausgewertet durch:

  • menschliche Auswerter

  • eine KI

Ergebnisse der Studie

Mit Hilfe des EEG zeigte sich:

  • Brain-only-Nutzer:innen

    • nutzten die stärksten Verbindungen im Gehirn

  • Suchmaschinen-Nutzer:innen

    • nutzten Verbindungen nur moderat

  • KI-Nutzer:innen

    • zeigten die schwächste Nutzung von Verbindungen im Gehirn

In der vierten Runde zeigte sich außerdem:

  • Die Gruppe, die von Brain-only zu KI wechselte,

    • zeigte größere kognitive Fähigkeiten und Aktivitäten

  • als die umgekehrte Gruppe,

    • also jene, die von KI zu Brain-only wechselte

Diese Effekte hielten laut Text:

  • über einen Zeitraum von vier Monaten an

Insgesamt zeigten:

  • KI-Nutzer:innen niedrigere Leistungen

  • als Nutzer:innen, die ohne Werkzeuge arbeiten mussten

Aus diesen Ergebnissen leiten die Forscher:innen Warnhinweise ab:

  • insbesondere im Hinblick auf die langfristigen Folgen des KI-Einsatzes im Bildungsbereich


Zusammenfassende Bewertung von KI im Text

Der Abschnitt kommt zu einer differenzierten Schlussbewertung.

KI, insbesondere große Sprachmodelle wie ChatGPT, kann:

  • im wirtschaftlichen Bereich Vorteile bringen

  • im Bildungsbereich Vorteile bringen

  • sowohl Arbeitnehmer:innen als auch Studierenden helfen

Diese Vorteile gelten aber nicht bedingungslos, sondern nur unter bestimmten Voraussetzungen, weil KI auch Fehler produzieren kann.

Konkrete Chancen von KI mit Bedingungen

a) Steigerung von Produktivität und Qualität bei der Texterstellung

KI kann:

  • Produktivität steigern

  • Qualität im Bereich Texterstellung verbessern

Voraussetzung:

  • Nutzer:innen kennen Prompting-Strategien

  • und wissen,

    • wie Qualität geprüft wird

    • wie Fehler erkannt werden

b) Unterstützung beim Lernen

KI kann beim Lernen helfen, etwa durch:

  • Personalisierung

  • Anpassung an individuelle Lernstile

  • Anpassung an unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten

Voraussetzung:

  • Lernende nutzen KI als Werkzeug zur Weiterentwicklung eigener Kompetenzen

  • und zur Stärkung des kritischen Denkens

  • nicht, um Aufgaben einfach erledigen zu lassen und abzuschreiben

c) Inklusion, Barrierefreiheit und Sprachunterstützung

KI kann helfen bei:

  • Inklusion

  • Barrierefreiheit

  • Sprachproblemen

Dadurch können:

  • Zugänge für Lernende mit unterschiedlichen Voraussetzungen geschaffen werden

Bedingung:

  • KI kann Voreingenommenheiten und Vorurteile reproduzieren

  • deshalb müssen Nutzer:innen beim Prompten und bei der Analyse der Ergebnisse darauf achten

d) Entlastung von Lehrenden und Beschäftigten in White-Collar-Jobs

KI kann Lehrende und Angestellte entlasten, zum Beispiel durch:

  • Automatisierung von Bewertungen

  • Automatisierung von Feedback

  • Generierung von Übungsfragen

  • Bearbeitung von Routineaufgaben

Voraussetzung:

  • Nutzer:innen prüfen den Output in allen Einzelheiten

  • darauf, ob er:

    • zur Aufgabenstellung passt

    • zu den Rahmenbedingungen passt

🧠 Klausurtaugliche Zusammenfassung

Der Abschnitt zeigt, dass digitale Kommunikationssysteme Verhalten gezielt beeinflussen können. Gamification nutzt spieltypische Elemente wie Punkte, Rekorde oder Ranglisten in nicht-spielerischen Kontexten, um über extrinsische Anreize Handlungen zu fördern. Dadurch entstehen in digitalen Kommunikationskanälen oft verdeckte Appelle, wie im Beispiel der Google-„Local Guide“-E-Mail. Die Media Equation These besagt, dass Menschen auf Medienentitäten wie auf reale Personen reagieren; deshalb wirken Lob, Höflichkeit und soziale Regeln auch gegenüber Computern oder Software.

Im Bereich der KI zeigt der Text ein ambivalentes Bild: Systeme wie ChatGPT verfügen über sehr weitreichende sprachliche Fähigkeiten, können aber zugleich logische Fehler, Halluzinationen, sycophancy und Auslassungen wichtiger Informationen produzieren. Deshalb dürfen ihre Antworten nicht unkritisch übernommen werden. Für einen sinnvollen Einsatz braucht es Fachwissen und Training im Prompting. KI kann als Assistent oder Tutor nützlich sein, etwa für Ideenfindung, Personalisierung von Lernprozessen, Barrierefreiheit oder Routineaufgaben. Wird sie jedoch zum bloßen Abschreiben genutzt, kann das den Aufbau eigener fachlicher und kommunikativer Kompetenzen behindern. Die im Text beschriebene MIT-Studie verweist zudem auf das Risiko eines „Cognitive Debt“, also einer längerfristigen Schwächung des kritischen Denkens durch fortgesetzte KI-Nutzung.

Author

Hanna M.

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