Benennen Sie vier Phasen im Lebenszyklus der Pflanzen und beschreiben Sie, wodurch diese gekennzeichnet sind.
Embryonalentwicklung:
Aus der befruchteten Eizelle (Zygote) entwickelt sich durch asymmetrische Zellteilungen der pflanzliche Embryo, in dem Spross und Wurzel bereits sehr früh angelegt werden.
Juvenile Phase (Vegetativer Phasenwechsel):
Periode des vegetativen Wachstums, geprägt von der Entwicklung des Keimlings und der Ausbildung von vegetativen Organen wie Wurzeln und Blättern.
Adulte Phase:
Abschluss des vegetativen Phasenwechsels, die Pflanze erreicht ihre volle Größe und Reife.
Reproduktive Phase:
Gekennzeichnet durch die Induktion der Blütenbildung und die Fortpflanzung (Befruchtung)
Was passiert während der Samenreifung?
Einlagerung von Speichermolekülen: Fette, Proteine und Zucker (Stärke) werden als Reservestoffe eingelagert.
Reduktion der physiologischen Aktivität: Die Zellatmung und der Chlorophyllgehalt sinken drastisch.
Austrocknung: Der Wassergehalt des Samens wird stark reduziert, was in die Samenruhe (Dormanz) überleitet
Was ist Viviparie?
Vorzeitiges Keimen von Samen, während sie noch mit der Mutterpflanze verbunden sind (z.B. Keimlinge, die direkt aus einer Frucht wie Tomate, Erdbeere oder Maiskolben wachsen).
Es handelt sich um eine Keimung ohne vorherige Quieszenz- oder Dormanz-Phase (Samenruhe)
Durch welche Signale kann die Keimung ausgelöst werden?
Wasseraufnahme (Quellung): Initiator für Stoffwechselprozesse.
Kälte: Bricht die Dormanz (Stratifikation).
Licht: Hellrotes Licht bricht bei bestimmten Arten (z.B. Salatsamen) die Samenruhe.
Hormoneller Abbau: Die Verringerung der Konzentration des keimungshemmenden Hormons Abscisinsäure (ABA) ist entscheidend für den Keimungsprozess
Was ist Stratifikation?
Die Brechung der Samenruhe (Dormanz) durch einen längeren Kältereiz
Durch welche Phasen verläuft die Samenkeimung?
Quellung: Der Samen beginnt, Wasser aufzunehmen.
Aufbrechen der Samenschale: Durch den Wasserdruck reißen Testa und Endosperm auf.
Wurzelwachstum: Die Keimwurzel (Radicula) tritt aus und verankert sich im darunterliegenden Substrat.
Sprossdurchbruch: Der Spross durchbricht die Erdoberfläche.
Vegetationsphase: Die Pflanze mobilisiert Hauptnährstoffe und entwickelt ihre ersten Blätter
Was sind die Charakteristika der Photo- und Skotomorphogenese?
Skotomorphogenese (Dunkelentwicklung): Langes, stark gestrecktes Hypokotyl, Ausbildung eines Hypokotylhakens zum Schutz des Meristems, ungeöffnete und gelbliche Keimblätter (Kotyledonen), schwach ausgebildetes Wurzelsystem.
Photomorphogenese (Lichtentwicklung): Kurzes Hypokotyl (Wachstum stoppt), kein Haken, geöffnete und ergrünte Keimblätter, starke Wurzelentwicklung
Welche pflanzlichen Entwicklungsschritte werden durch Rotlicht reguliert?
Keimung von Samen (Brechung der Dormanz).
De-Etiolierung (Wechsel von Skoto- zu Photomorphogenese).
Blattentwicklung und Chlorophyllsynthese.
Internodiumsverlängerung bei adulten Pflanzen (Schattenvermeidungsreaktion).
Blütenbildung (bei bestimmten Pflanzen) und Replikation von Plastiden
Erklären Sie kurz mit eigenen Worten das Phytochrom-System als molekularen Schalter.
Phytochrome sind Photorezeptoren, die zwischen zwei Zuständen hin- und herwechseln können, basierend auf einer cis-trans-Isomerisierung ihres Chromophors.
Inaktive Form (Pr): Absorbiert hellrotes Licht (ca. 660 nm) und wandelt sich dadurch in die aktive Pfr-Form um.
Aktive Form (Pfr): Absorbiert dunkelrotes Licht (ca. 730 nm) und wandelt sich dadurch wieder in die inaktive Pr-Form zurück
Wie dient das Phytochrom-System zur Wahrnehmung von Nachbarpflanzen (Schattenvermeidungsreaktion)?
Blätter von Nachbarpflanzen absorbieren hellrotes (und blaues) Licht für die Photosynthese, lassen aber dunkelrotes Licht ungehindert passieren.
Pflanzen im Schatten erfahren daher ein verändertes Lichtspektrum mit einem sehr niedrigen Verhältnis von Hellrot zu Dunkelrot (low R:FR).
Dieser Überschuss an Dunkelrotlicht überführt das Phytochrom in die inaktive Pr-Form, was der Pflanze "Dunkelheit" simuliert und das Entwicklungsprogramm für starkes Längenwachstum (um dem Schatten zu entkommen) aktiviert
11. Was passiert mit Phytochromen nach ihrer Aktivierung?
Die Absorption von Rotlicht führt zu einer strukturellen Konformationsänderung, die eine Kernlokalisierungssequenz (NLS) und eine Proteinkinasedomäne freilegt.
Die aktive Pfr-Form wandert vom Cytoplasma in den Zellkern.
Im Zellkern fungiert ein Teil als Kinase und phosphoryliert Proteine, während ein anderer Teil direkt mit Transkriptionsfaktoren interagiert.
Dies löst eine massive transkriptionelle Kaskade aus, die die Expression von tausenden Genen verändert
Wie wird blaues Licht von Pflanzen wahrgenommen?
Über spezielle Photorezeptoren, die in zwei Hauptklassen unterteilt werden:
Phototropine: Zuständig für die Wahrnehmung der Lichtrichtung und das Wachstum hin zur Lichtquelle (Phototropismus) im Zusammenspiel mit dem Hormon Auxin.
Cryptochrome: Regulieren Prozesse wie die lichtabhängige Keimlingsentwicklung (De-Etiolierung) und den Blühzeitpunkt
Welche Funktion spielt COP1 bei der lichtabhängigen Keimlingsentwicklung?
COP1 wirkt als zentraler Repressor (Unterdrücker) der Photomorphogenese im Dunkeln.
Es baut durch Ubiquitinierung wichtige Transkriptionsfaktoren (wie HY5) ab, die für die Lichtentwicklung nötig sind.
Sobald Licht von Phytochromen und Cryptochromen wahrgenommen wird, hemmen diese COP1, wodurch die Photomorphogenese ablaufen kann
Was könnte die physiologische Bedeutung der Stratifikation sein?
Sie stellt sicher, dass Samen in gemäßigten Breiten nicht bereits im warmen Herbst keimen, sondern erst, nachdem ein kalter Winter durchlebt wurde.
Dies garantiert, dass der Keimling im Frühjahr bei optimalen Bedingungen heranwächst und nicht im Winter erfriert
Welche Funktion könnte die folgende Mutante haben (linker Keimling: Wildtyp, rechter Keimling: Mutante)?
Ein typisches Bild für eine solche Mutante (wie in der Vorlesung gezeigt) ist eine cop1-Mutante: Obwohl sie im Dunkeln wächst, zeigt sie die Charakteristika der Lichtentwicklung (Photomorphogenese mit kurzem Hypokotyl und geöffneten Kotyledonen).
Funktion der Mutation: Da COP1 fehlt oder defekt ist, kann die Photomorphogenese im Dunkeln nicht mehr unterdrückt werden.
Inwiefern könnten die Signalwege von Phytochromen und Cryptochromen miteinander vernetzt sein?
Die Signalwege beider Photorezeptoren konvergieren am Repressor COP1.
Sowohl durch Rotlicht aktivierte Phytochrome (phyA, phyB) als auch durch Blaulicht aktivierte Cryptochrome (cry1, cry2) hemmen die Aktivität von COP1, wodurch sie gemeinsam Transkriptionsfaktoren (wie HY5) vor dem Abbau schützen und die Lichtentwicklung parallel einleiten.
Welche Vorteile könnte der Transport von Phytochromen vom Cytosol in den Zellkern im Vergleich zu anderen Signalkaskaden haben?
Der Transport erlaubt eine extrem direkte Signalweiterleitung, da der Rezeptor selbst direkt an die DNA bindet oder mit Transkriptionsfaktoren im Kern interagiert.
Dies minimiert die Abhängigkeit von diffundierenden, sekundären Botenstoffen im Cytosol, beschleunigt die Reaktionszeit und ermöglicht eine weitreichende, direkte transkriptionelle Kaskade (Regulation von 1000en Genen gleichzeitig)
Charakteristika der Photo- und Skotomorphogenese
Skotomorphogenese (Entwicklung im Dunkeln):
Ausbildung eines stark verlängerten Hypokotyls.
Bildung eines sogenannten Hypokotylhakens zum Schutz des Meristems beim Durchbrechen der Erde.
Die Keimblätter (Kotyledonen) bleiben zusammengefaltet und geschlossen.
Das Wurzelsystem ist im Vergleich zur Lichtentwicklung weniger stark ausgeprägt
Photomorphogenese (Entwicklung im Licht):
Das Streckungswachstum des Hypokotyls ist gehemmt, es bleibt kurz.
Der Hypokotylhaken öffnet sich (bzw. wird gar nicht erst gebildet).
Die Keimblätter entfalten sich und ergrünen.
Das Wurzelsystem ist deutlich stärker entwickelt
Durch Rotlicht regulierte pflanzliche Entwicklungsschritte
Keimung der Samen.
De-Etiolierung (Wechsel von Skotomorphogenese zu Photomorphogenese).
Entwicklung der Blätter.
Synthese von Chlorophyll.
Internodiumsverlängerung bei adulten Pflanzen (Teil der Schattenvermeidungsreaktion),.
Blütenbildung bei manchen Pflanzenarten.
Replikation von Plastiden
Das Phytochrom-System als molekularer Schalter
Phytochrome sind Photorezeptoren, die durch Licht bestimmter Wellenlängen zwischen einem inaktiven und einem aktiven Zustand hin- und hergeschaltet werden können.
Inaktive Form (Pr): Diese Form absorbiert hellrotes Licht (Red) und wird dadurch in die aktive Pfr-Form umgewandelt,.
Aktive Form (Pfr): Diese Form absorbiert dunkelrotes Licht (Far-red) und wandelt sich dadurch wieder in die inaktive Pr-Form zurück,.
Die Basis dieses Schalters ist eine lichtabhängige cis-trans-Isomerisierung des an das Protein gebundenen Chromophors (Phytochromobilin)
Wie passiert nach der Aktivierung der Phytochrome?
Abläufe nach der Aktivierung der Phytochrome
Die Absorption von Rotlicht durch das Chromophor bewirkt strukturelle Konformationsänderungen der Phytochrom-Untereinheiten.
Durch diese Umstrukturierung werden im Protein eine Kernlokalisierungssequenz (NLS) sowie eine Proteinkinasedomäne freigelegt.
Die aktive Form (Pfr) verlagert sich daraufhin aus dem Cytoplasma in den Zellkern.
Im Zellkern interagiert ein Teil des Pfr direkt mit Transkriptionsfaktoren und reguliert so unmittelbar die Genexpression.
Ein anderer Teil des Pfr nutzt seine Kinaseaktivität, um andere Proteine zu phosphorylieren, welche die Transkription modulieren.
Das Resultat ist eine massive transkriptionelle Kaskade, die die Aktivität von Tausenden von Genen beeinflusst
Wie wird der Übergang von der juvenilen Phase in die adulte Phase der Pflanzenentwicklung auf molekularer Ebene gesteuert?
Der Phasenwechsel wird durch das Zusammenspiel der microRNA miR156 und des Transkriptionsfaktors SPL gesteuert.
In der juvenilen Phase blockiert miR156 die Ausprägung des SPL-Gens durch Bindung an dessen mRNA (Spaltung oder Translationshemmung).
Während der Entwicklung sinkt der Spiegel an miR156 kontinuierlich.
Dadurch wird der Transkriptionsfaktor SPL in der adulten Phase exprimiert, was die adulte Morphologie und die Blühkompetenz auslöst.
Was passiert, wenn Sie die microRNA miR156 in der Pflanze
a) konstitutiv exprimieren oder
b) gar nicht exprimieren?
a) Konstitutiv (zu viel miR156):
Die Pflanze bleibt dauerhaft in der juvenilen Wuchsform stecken (z.B. runde Blätter ohne Trichome auf der Blattunterseite) und blüht nicht regulär.
b) Gar nicht (ohne miR156):
Die Pflanze überspringt die juvenile Phase, bildet sofort adulte Blätter (länglich, gezackt, Trichome auf der Unterseite) und geht verfrüht in die Blüte (reproduktive Phase) über.
Durch welche Hauptfaktoren wird der Wechsel von der vegetativen in die reproduktive Phase gesteuert?
Photoperiode (Tageslänge).
Temperatur und Vernalisation (längerer Kältereiz).
Alter der Pflanze.
Pflanzenhormone
Was passiert mit dem Sprossapikalmeristem während der Induktion der Blütenbildung?
Das vegetativ wachsende Apikalmeristem (welches zuvor Blätter und Sprossabschnitte bildete) wandelt sich in ein Infloreszenzmeristem um.
Aus diesem Infloreszenzmeristem entstehen dann Blütenmeristeme (welche zu den eigentlichen Blüten werden), Hochblätter sowie weitere Infloreszenzmeristeme
Was ist eine Kurztagpflanze?
Was ist eine Langtagpflanze?
Kurztagpflanze (KT):
Blüht nur, wenn eine artspezifische, kritische Tageslänge unterschritten wird (die Nächte lang genug sind).
Langtagpflanze (LT):
Blüht nur, wenn eine artspezifische, kritische Tageslänge überschritten wird (die Tage lang genug sind)
Wenn Sie eine Pflanze in Nordschweden wären – wären Sie lieber eine Kurztagpflanze oder eine Langtagpflanze?
Lieber eine Langtagpflanze, da in den skandinavischen Sommern (der Hauptwachstumszeit) die Tage extrem lang sind. Eine Kurztagpflanze würde in diesem Zeitraum nicht das benötigte Signal (kurze Tage) zum Blühen erhalten
In welchen pflanzlichen Organen wird die Tageslänge gemessen, und wie könnten Sie dies experimentell testen?
Die Tageslänge (Photoperiode) wird in den Blättern gemessen.
Experimenteller Test ("Grafting" / Pfropfung): Man pfropft das Blatt einer Pflanze, die unter blühinduzierenden Bedingungen (z.B. Langtag für eine Langtagpflanze) stand, auf eine Pflanze, die sich unter nicht-induzierenden Bedingungen (Kurztag) befindet. Die uninduzierte Pflanze beginnt daraufhin zu blühen, was beweist, dass das Signal im Blatt erzeugt und in den Spross transportiert wird
Was ist das Florigen?
Ein kleines, mobiles Signalprotein namens FT (FLOWERING LOCUS T).
Es wandert von den Blättern durch das Phloem (Siebröhren) bis in die Apikalknospe (das Sprossapikalmeristem), um dort das Blühen einzuleiten
Wie wirkt FT im Sprossapikalmeristem?
Im Apikalmeristem bildet das FT-Protein einen Komplex mit dem Protein FD.
Dieser FT-FD-Komplex fungiert als Transkriptionsfaktor, der Blüh-Identitätsgene wie AP1 anschaltet und so die Transition zur Blüte startet
Erklären Sie das externe Koinzidenzmodell der Blühinduktion.
Im Organismus läuft eine innere Uhr (~24h Rhythmus), welche die Expression bestimmter Faktoren (wie das Gen CO) steuert.
Diese innere Rhythmik erzeugt ein bestimmtes "Zeitfenster der Empfindlichkeit".
Eine Blühinduktion (die Signalweiterleitung an das Florigen) findet nur dann statt, wenn dieses interne molekulare Zeitfenster zeitlich genau mit einem externen Signal, dem Lichteinfall (Koinzidenzphase), übereinstimmt.
Wie wird die photoperiodische Induktion der Blütenbildung in Langtagpflanzen auf molekularer Ebene kontrolliert? Wie funktioniert die Induktion im Vergleich dazu in Kurztagpflanzen?
Langtagpflanzen:
Die mRNA von CONSTANS (CO) erreicht ihr Maximum durch die innere Uhr am späten Nachmittag.
Im Langtag fällt Licht auf dieses Zeitfenster.
Lichtaktivierte Photorezeptoren (phyA, cry) stabilisieren das ansonsten instabile CO-Protein.
Das stabile CO-Protein agiert als Transkriptionsfaktor und aktiviert die Expression des Florigens FT, die Pflanze blüht.
Im Kurztag fällt die CO-Bildung in die Nacht, das Protein wird sofort abgebaut (Ubiquitinierung), kein Blühen.
Kurztagpflanzen (z.B. Reis):
Das System ist ähnlich (CO=Hd1, FT=Hd3), allerdings hat CO eine entgegengesetzte Wirkung.
In Gegenwart von Licht hemmt CO die Expression von FT.
Unter Kurztag-Bedingungen liegt das Maximum der CO-Expression im Dunkeln, wo diese Hemmung ausfällt, woraufhin FT gebildet wird und die Pflanze blüht.
Worin besteht der Unterschied zwischen einem Vorgang, der durch die innere Uhr gesteuert wird, und einem Vorgang, der durch Hell-/Dunkelphasen gesteuert wird?
Innere Uhr:
Ein endogener Rhythmus (circa 24h), der auch unter konstanten Laborbedingungen (z.B. Dauerdunkel) stabil weiterläuft und bestimmte Phänomene proaktiv vorhersagt ("freilaufend").
Hell-/Dunkelphasen:
Sind rein exogene, umweltbedingte Stimuli, die den Rhythmus zwar anpassen (synchronisieren) können, aber im Gegensatz zu einer reinen Reiz-Reaktion (wie das einfache Sanduhrmodell) nicht alleinige Taktgeber sind.
Was ist der Vorteil, wenn physiologische Prozesse von der inneren Uhr kontrolliert werden und nicht direkt vom Tag-/Nacht-Rhythmus?
Antizipation: Die Pflanze kann tages- oder jahreszeitliche Ereignisse (wie den nahenden Sonnenaufgang) molekular vorhersehen und Prozesse (wie die Spaltöffnungen) schon vorbereiten, um Ressourcen optimal zu nutzen, anstatt nur passiv zu reagieren.
Zuverlässigkeit: Die Photoperiode verläuft im Gegensatz zur sehr schwankenden Temperatur das ganze Jahr über exakt ab und ist daher ein zuverlässigerer Indikator für die genaue Jahreszeit (und den richtigen Blühzeitpunkt).
Wodurch könnte dieses Absinken ausgelöst werden? Spekulieren Sie!
Da der Spiegel von miR156 in der juvenilen Phase noch hoch ist und später abnimmt, könnte die Abnahme durch interne metabolische Signale der heranwachsenden Pflanze gesteuert werden, wie etwa das Alter per se oder die Menge an fixierter Energie (z.B. Zuckerkonzentrationen im Blattwerk).
Je größer die Pflanze wird, desto mehr Zucker produziert sie, was ein Signal sein könnte, dass die Pflanze energetisch "reif" genug für den energieaufwendigen Schritt in die adulte und reproduktive Phase ist.
Welche Prozesse werden in Pflanzen von der inneren Uhr kontrolliert?
Genexpression.
Cytosolische Kalziumlevel und Proteinphosphorylierung.
Chloroplastenbewegung.
Öffnung der Stomata (Spaltöffnungen).
Hypokotyllänge.
Blatt- und Keimblattbewegung (Kotyledonen).
Öffnen der Blütenblätter (Petalen).
Blühzeitpunkt (Induktion).
Entwerfen Sie ein Experiment, um herauszufinden, welche Photorezeptoren für die Wahrnehmung der Photoperiode bei der Blühinduktion wichtig sind.
Man nutzt Mutanten von Arabidopsis thaliana (oder einer anderen Langtagpflanze), denen gezielt bestimmte Photorezeptoren fehlen (z.B. phyA-, phyB-, cry1- oder cry2-Mutanten).
Diese Mutanten sowie Wildtyp-Pflanzen (Kontrolle) lässt man gezielt unter regulierten Langtag- und Kurztag-Lichtbedingungen aufwachsen.
Wenn eine bestimmte Mutante unter Langtag-Bedingungen nicht mehr das charakteristische Blühverhalten zeigt (z.B. nicht blüht, da das CO-Protein nicht mehr vor dem Abbau geschützt wird), ist bewiesen, dass genau dieser fehlende Rezeptor essentiell für die Signalwahrnehmung der Photoperiode ist.
Pflanzen mit veränderten miR156-Gehalten
miR156 immer exprimiert (zu viel):
Die Pflanze bleibt dauerhaft in der juvenilen Phase.
Sie bildet ausschließlich juvenile, abgerundete Blätter ohne Trichome auf der Blattunterseite und geht nicht normal in die Blühphase über.
miR156 gar nicht exprimiert:
Die Pflanze überspringt die juvenile Wuchsform und geht verfrüht in die adulte und reproduktive Phase über.
Sie bildet sofort adulte Blätter (z.B. länglich, gezackt, mit Trichomen auf der Unterseite) und blüht extrem früh,.
Was passiert bei der Blühinduktion?
Das zuvor vegetativ wachsende Apikalmeristem (welches Blätter und Spross produziert) wird in ein Infloreszenzmeristem umgewandelt.
Aus diesem Infloreszenzmeristem entstehen anschließend die Blütenmeristeme (aus denen sich die einzelnen Blütenstrukturen wie Kelch-, Kron-, Staub- und Fruchtblätter entwickeln), Hochblätter sowie weitere Infloreszenzmeristeme.
Durch welche Stimuli wird die Blütenbildung ausgelöst?
Temperatur.
Vernalisation (ein längerer Kältereiz).
Pflanzenhormone.
Wichtiger Vorteil der Photoperiode als Signal (im Vergleich zur Temperatur)?
Die Photoperiode (Tageslänge) ist an einem bestimmten Standort über das Jahr hinweg immer exakt gleich und verlässlich.
Die Temperatur hingegen kann täglich und jährlich massiv schwanken, weswegen die Photoperiode ein deutlich präziserer und verlässlicherer Indikator zur Bestimmung der korrekten Jahreszeit ist
Nordschweden – Kurztag- oder Langtagpflanze?
Man wäre lieber eine Langtagpflanze.
In den skandinavischen Sommern (der pflanzlichen Wachstumszeit) sind die Tage extrem lang und die Nächte kurz. Eine Kurztagpflanze würde ihr Signal (kurze Tage) nicht bekommen und nicht blühen.
Geringste Unterschiede in der Photoperiode, die eine Pflanze detektieren kann
Pflanzen können sehr geringe Unterschiede von nur 15 Minuten (0,25 Stunden) in der Tageslänge wahrnehmen, um ihre Blütezeit darauf abzustimmen.
In welchem Pflanzenorgan wird die Tageslänge gemessen?
Die Tageslänge wird in den Blättern gemessen.
Dies lässt sich durch Pfropf-Experimente ("Grafting") beweisen: Pfropft man das Blatt einer Pflanze, die sich im artgerechten Licht-Zyklus (z.B. Langtag) befand, auf eine Pflanze im nicht-induzierenden Kurztag, fängt diese an zu blühen.
Vermutung zur Umprogrammierung des Apikalmeristems
Da das Signal (die Photoperiode) im Blatt gemessen wird, die Blüte aber am Apikalmeristem gebildet wird, muss ein mobiles Signal vom Blatt durch die Pflanze (ins Phloem) transportiert werden.
Dieses mobile Signal, welches das Meristem umprogrammiert, bezeichnet man als Florigen.
Wie Pflanzen die Photoperiode messen.
Sanduhrmodell:
Ein lineares Ablaufen eines Timers während der Lichtphase.
Externes Koinzidenzmodell (Zutreffender):
Die Messung erfolgt durch das Zusammentreffen (Koinzidenz) eines externen Lichtsignals mit einem durch die innere Uhr festgelegten sensiblen Zeitfenster
Vergleich Sanduhrmodell vs. externes Koinzidenzmodell
Das Licht startet einen Timer (wie eine umgedrehte Sanduhr), der einfach abläuft.
Erreicht er einen bestimmten Wert, blüht die Pflanze. Dieses Modell kann jedoch den "Night-Break-Effekt" (ein kurzer Lichtblitz in der Nacht stört die Blüte von Kurztagpflanzen) nicht erklären.
Externes Koinzidenzmodell:
Die Pflanze besitzt eine innere Uhr (~24 h), die kontinuierlich läuft und bestimmte Rhythmen ("Zeitfenster") erschafft.
Eine Reaktion wird nur dann ausgelöst, wenn ein externes Signal (wie Licht) exakt in so ein internes, empfindliches Zeitfenster fällt.
Darstellung des externen Koinzidenzmodells in einer Langtagpflanze.
Die innere Uhr steuert die Bildung der mRNA für den Transkriptionsfaktor CO (CONSTANS).
Das Maximum dieser CO-mRNA wird am späten Nachmittag / in der zweiten Tageshälfte erreicht.
An langen Tagen fällt genau in dieses CO-Maximum noch Sonnenlicht (Koinzidenz).
Das Licht sorgt dafür, dass das gebildete CO-Protein stabilisiert wird. Das stabile CO-Protein aktiviert dann die Expression des Florigen-Gens FT, wodurch die Pflanze blüht.
Wie das CONSTANS Protein im Licht stabilisiert wird:
Das einfallende Licht aktiviert pflanzliche Photorezeptoren wie Phytochrom A (phyA) und Cryptochrome (cry).
Diese aktiven Photorezeptoren verhindern die Ubiquitinierung und den nachfolgenden Abbau des CO-Proteins im Proteasom, sodass es stabil bleibt und agieren kann.
Messung der Photoperiode zur Blühinduktion in Kurztagpflanzen (z.B. Reis).
Das System nutzt ähnliche Proteine (CO heißt hier Hd1, FT heißt Hd3).
Der große Unterschied: Fällt Licht in das Zeitfenster maximaler CO-Expression, wirkt das CO-Protein in Kurztagpflanzen als Hemmer (Repressor) der FT-Expression,.
Nur im Kurztag, wenn das Maximum der CO-Menge in die Dunkelheit fällt, bleibt diese Hemmung aus, FT wird produziert und die Pflanze blüht,.
Andere Wachstumsprozesse, die durch die Photoperiode reguliert werden.
Neben der Blütenbildung wird zum Beispiel auch die Ausbildung von Speicherorganen wie Kartoffelknollen stark durch die Photoperiode gesteuert.
Unterschied zwischen Vorgängen durch innere Uhr vs. Tag/Nacht-Rhythmus.
Ein interner, autonomer Rhythmus, der fortlaufend (ca. alle 24h) stattfindet und sogar ohne externe Lichtreize (z.B. im Dauerdunkel) weiterläuft ("freilaufend"),.
Tag/Nacht-Rhythmus:
Externe Umweltsignale (Licht/Dunkelheit), die in der Regel auf die Pflanze einwirken, Reaktionen direkt bedingen können oder dazu dienen, die innere Uhr jeden Tag neu zu justieren (synchronisieren),.
Vorteile und physiologische Prozesse der inneren Uhr.
Vorteile:
Durch die innere Uhr kann die Pflanze regelmäßige Ereignisse (wie den Sonnenaufgang oder Jahreszeiten) antizipieren (vorhersagen).
So kann sie ihren Stoffwechsel schon proaktiv vorbereiten (z.B. Enzyme für die Photosynthese im Voraus produzieren), anstatt passiv reagieren zu müssen,.
Kontrollierte Prozesse:
Genexpression, intrazelluläre Kalziumlevel, Proteinphosphorylierung, Chloroplastenbewegung, das Öffnen der Spaltöffnungen (Stomata), die Hypokotyllänge, Blatt- und Keimblattbewegungen, das Öffnen der Blütenblätter (Petalen) sowie der Blühzeitpunkt.
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