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Altklausuren EGG

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by Klaudia M.

Gesundheitskonzepte


Laien entwickeln unterschiedliche subjektive Gesundheitstheorien. Diese lassen sich in allgemeine Typen von subjektiven Gesundheitstheorien unterteilen. Benennen Sie die vier allgemeinen Typen von subjektiven Gesundheitstheorien und skizzieren Sie zwei dieser Theorien.

  • Lösung (Nennung):

    • Risikotheorien


    • Ressourcentheorien


    • Ausgleichs- und Balancetheorien


    • Schicksalstheorien


  • Lösung (Skizzierung von zwei Beispielen):

    • Risikotheorien: Gesundheit wird durch bestimmte Risiken und Belastungen gefährdet. Diese Risiken können als extern (z. B. Schadstoffe in der Umwelt) angesehen oder dem eigenen Verhalten (z. B. Mangel an Bewegung) zugeschrieben werden. Während bei externen Risiken eine personale Kontrolle als nur schwer möglich angesehen wird, ist diese bei verhaltensbedingten Risiken zumindest prinzipiell möglich.


    • Ressourcentheorien: Gesundheit wird durch den großen Einfluss der Verfügbarkeit von externen (z. B. vertrauensvolle soziale Beziehungen) und internen Ressourcen (z. B. berufliche Zufriedenheit) mitbestimmt. Durch eine Schwächung dieser Ressourcen wird auch die Gesundheit gefährdet.


    • Ausgleichs- und Balancetheorien: Gesundheit wird zwar durch bestimmte Risiken gefährdet, diese können aber ausgeglichen und kompensiert werden. Es wird ein Wechselspiel zwischen Risiko- und Schutzfaktoren angenommen. Als Kompensationsmöglichkeiten (z. B. bei einer belastenden beruflichen Tätigkeit) werden u. a. viel Ruhe und Entspannung in der Freizeit genannt. Diese Theorien nehmen an, dass jeder Mensch über ein optimales Gleichgewicht zwischen diesen Kräften verfügt, sie aber auch erkennen muss. Das Gleichgewicht zwischen diesen Kräften wird als labil angesehen, da es durch Anforderungen von außen und innen immer wieder gefährdet wird. Eine personale Kontrolle ist auf allen Ebenen möglich. Im Vordergrund stehen die positive Gestaltung von sozialen Beziehungen und die innere Zufriedenheit.


    • Schicksalstheorien: Gesundheit geht bei einem schicksalhaften oder altersbedingten Eintritt von Krankheit verloren. Als Krankheitsursachen werden vorwiegend biologische Alterungsprozesse und schicksalhafte Ereignisse angenommen. Der personale Einfluss wird als sehr gering eingeschätzt.




Gesundheitskonzepte


Ab Mitte des 20. Jahrhunderts vollzog sich eine Neuausrichtung von Public Health.


a) Arbeiten Sie den Unterschied zwischen Old und New Public Health anhand der Adressaten und relevanten Themengebiete heraus.


b) Nennen Sie zwei Beispiele für New Public Health in Deutschland und erläutern Sie eines der Beispiele.

a) Adressaten: Adressaten von Old Public Health waren gesundheitlich unterversorgte und sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Im Gegensatz dazu richtet sich New Public Health an die gesamte Bevölkerung.


Lösung a) Fach- bzw. Themengebiete: Mit Old Public Health wurde ein hygienebezogener Ansatz verfolgt, der auf den Fachgebieten Sozialmedizin, Umwelthygiene und Epidemiologie basierte. New Public Health zielt auf die medizinische und psychosoziale Versorgung und beinhaltet neben den Themengebieten Umwelt- und Sozialhygiene auch Gesundheitssystem- und Versorgungsforschung sowie Prävention.


Lösung b) Beispiele und Erläuterung: Als Beispiele für New Public Health in Deutschland gelten die AIDS-Prävention und die betriebliche Gesundheitsförderung.


AIDS-Prävention: Die Ansätze von New Public Health mündeten erstmals in großem Umfang in die staatliche und nichtstaatliche Gesundheitspolitik. Die Strategie zur verhältnisgestützten Verhaltensmodifikation führte zur dauerhaften Umstellung auf Risikovermeidung (safer sex) bei großen Teilen der betroffenen Gruppen. Sie beinhaltete die Respektierung der Lebensweise der Zielgruppen, eine persönliche Beratung und Kommunikation und eine dauerhafte Aufklärung über Gesundheitsgefährdungen und Verhaltensmöglichkeiten.

Betriebliche Gesundheitsförderung: Die gesetzlichen Krankenkassen leisteten mit Unterstützung von Public Health Professionals Pionierarbeit für die Umsetzung der betriebliche Gesundheitsförderung. In den Betrieben wurden Möglichkeiten der Risikosenkung und Ressourcenstärkung in Arbeits-, Betriebsabläufen und im Sozialklima ermittelt und umgesetzt. Gesundheitszirkel etablierten sich als Instrument der betrieblichen Gesundheitsförderung. In den Gesundheitszirkeln waren die Belegschaft, die Personalvertretung und das Management vertreten.


Einflussfaktoren auf Gesundheit


Zu den wichtigsten Datenquellen der Gesundheitsberichterstattung (GBE) in Deutschland zählen das „Sozio-ökonomische Panel (SOEP)", der „Mikrozensus" (kleine Volkszählung) und „Gesundheit in Deutschland aktuell (GEDA)". Benennen Sie für die drei genannten Datenquellen jeweils den zentralen Datenhalter und geben Sie einen kurzen inhaltlichen Überblick.

  1. Lösung Datenhalter:

    • SOEP: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).


    • Mikrozensus: Statistisches Bundesamt.


    • GEDA: Robert Koch-Institut (RKI).


    Lösung Inhaltlicher Überblick:

    • SOEP: Das SOEP ist eine jährliche repräsentative Befragung der erwachsenen Mitglieder privater Haushalte. Im Längsschnittdesign werden u. a. Daten zu Erwerbs- und Familienbiografie, beruflicher Mobilität, Einkommenssituation, Gesundheit und Lebenszufriedenheit erhoben.


    • Mikrozensus: Der Mikrozensus ist eine amtliche repräsentative Statistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt in Deutschland. Jährlich wird ein Teil der Bevölkerung zu seiner wirtschaftlichen und sozialen Situation (u. a. Erwerbstätigkeit, Einkommen, Familienformen) befragt. Alle vier Jahre werden zusätzlich gesundheitsbezogene Themen erfragt.



    • GEDA: GEDA ist ein telefonischer Gesundheitssurvey der jährlich durchgeführt wird und zum zentralen Gesundheitsmonitoring des RKI gehört. In Deutschland lebende Personen werden zu ihrer Gesundheit (u. a. Erkrankungen, subjektive Gesundheit, gesundheitsrelevante Verhaltensweisen) und ihrer Lebenssituation (u. a. berufliche Stellung, Bildung) befragt.


Gesundheitskonzepte


Ab Mitte des 20. Jahrhunderts vollzog sich eine Neuausrichtung von Public Health.


a) Arbeiten Sie den Unterschied zwischen Old und New Public Health anhand der Adressatinnen bzw. Adressaten und relevanten Themengebiete heraus.


b) Nennen Sie zwei Beispiele für New Public Health in Deutschland und erläutern Sie eines der Beispiele.


Lösung a) Adressatinnen bzw. Adressaten: Adressatinnen bzw. Adressaten von Old Public Health waren gesundheitlich unterversorgte und sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Im Gegensatz dazu richtet sich New Public Health an die gesamte Bevölkerung.


Lösung a) Fach- bzw. Themengebiete: Mit Old Public Health wurde ein hygienebezogener Ansatz verfolgt, der auf den Fachgebieten Sozialmedizin, Umwelthygiene und Epidemiologie basierte. New Public Health zielt auf die medizinische und psychosoziale Versorgung und beinhaltet neben den Themengebieten Umwelt- und Sozialhygiene auch Gesundheitssystem- und Versorgungsforschung sowie Prävention.


Lösung b) Beispiele und Erläuterung: Als Beispiele für New Public Health in Deutschland gelten die AIDS-Prävention und die betriebliche Gesundheitsförderung.


AIDS-Prävention: Die Ansätze von New Public Health mündeten erstmals in großem Umfang in die staatliche und nichtstaatliche Gesundheitspolitik. Die Strategie zur verhältnisgestützten Verhaltensmodifikation führte zur dauerhaften Umstellung auf Risikovermeidung (safer sex) bei großen Teilen der betroffenen Gruppen. Sie beinhaltete die Respektierung der Lebensweise der Zielgruppen, eine persönliche Beratung und Kommunikation und eine dauerhafte Aufklärung über Gesundheitsgefährdungen und Verhaltensmöglichkeiten.


Betriebliche Gesundheitsförderung: Die gesetzlichen Krankenkassen leisteten mit Unterstützung von Public Health Professionals Pionierarbeit für die Umsetzung der betrieblichen Gesundheitsförderung. In den Betrieben wurden Möglichkeiten der Risikosenkung und Ressourcenstärkung in Arbeits-, Betriebsabläufen und im Sozialklima ermittelt und umgesetzt. Gesundheitszirkel etablierten sich als Instrument der betrieblichen Gesundheitsförderung. In den Gesundheitszirkeln waren die Belegschaft, die Personalvertretung und das Management vertreten.


FGesundheitskonzepte


allbeispiel: Frau R. ist 30 Jahre alt, gelernte Einzelhandelskauffrau, hat ein einjähriges Kind und lebt mit dem Kindesvater in einer Partnerschaft. Als Scheidungskind wuchs Frau R. mit ihrer Stiefschwester bei ihrem Vater auf. Der Vater ist in Folge seiner jahrelangen Alkoholabhängigkeit pflegebedürftig und lebt als Sozialhilfeempfänger in einem Pflegeheim. Die Stiefschwester ist seit ihrer frühesten Jugend drogenabhängig und lebt in einer Versorgungseinrichtung. Zur Mutter besteht kein Kontakt. Vor drei Jahren trennte sich Frau R. von ihrem damaligen Lebenspartner und verlor wenig später ihren Job. Frau R. hatte in ihrer Familie schon viele Krisensituationen überstanden und wollte sich auch dieses Mal nicht unterkriegen lassen. Außerdem konnte sie sich auf die Unterstützung ihrer Großeltern und ihrer besten Freundin verlassen. Also packte Frau R. es an und wurde aktiv. Dennoch fand sie erst nach einigen Versuchen einen passenden Job. Inzwischen lernte sie ihren neuen Lebenspartner kennen und ist stolze Mutter. In all den Jahren hat Frau R. immer versucht, den teilweise sehr schwierigen Kontakt zu ihrem Vater und zu ihrer Stiefschwester zu halten. Ihr Lebenspartner unterstützt sie jetzt dabei.

Zeigen Sie bezogen auf das Fallbeispiel für vier der genannten Faktoren auf, inwiefern Sie bei Frau R. Hinweise auf Resilienz erkennen können.

Stressreiche und potenziell traumatische Ereignisse erfolgreich bewältigen: Als Frau R. ihren Job verliert, lässt sie sich nicht entmutigen und stellt sich der Situation. Sie lässt sich bei der Jobsuche auch durch Misserfolge nicht beirren und sucht so lange, bis sie einen neuen passenden Job gefunden hat. Dass sie einen neuen Partner kennen lernt, lässt darauf schließen, dass sie trotz der Trennungserfahrung für eine neue Beziehung offen blieb.


Niedrige Neurotizismuswerte (z. B. emotionale Stabilität, keine bzw. geringe Neigung zu Nervosität und Angst):Frau R. ist durch die Erfahrungen in ihrer Herkunftsfamilien mit stressreichen Ereignissen und deren Bewältigung vertraut. Ihr Umgang mit der erneuten Krisensituation lässt vermuten, dass sie emotional stabil und eher nicht ängstlich ist.


Krisen und Schicksalsschläge schnell verarbeiten können: Frau R. reagiert auf die krisenhafte Situation nicht mit Resignation oder Ängstlichkeit. Stattdessen wird sie aktiv und begibt sich auf Jobsuche.


Starke interne Kontrollüberzeugungen haben (Überzeugung, dass ein Ereignis der eigenen Kontrolle unterliegt):Es kann davon ausgegangen werden, dass Frau R. auch aufgrund ihrer bisherigen Krisenerfahrungen davon überzeugt ist, die schwierige Situation bewältigen zu können. Sicher spielt dabei auch ihr Bewusstsein über vorhandene soziale Ressourcen eine Rolle.


Die eigenen Fähigkeiten realistisch einschätzen: Frau R. weiß, was sie selbst zur Verbesserung ihrer schwierigen Situation tun kann und tut es. Das betrifft sowohl ihre Jobsuche als auch die Aufrechterhaltung des Kontaktes zu ihrer Herkunftsfamilie.


Auf ein gutes soziales Netz zurückgreifen können: In ihrer schwierigen Situation konnte sich Frau R. auf ihre Großeltern und auf ihre Freundin verlassen. Aktuell wird sie auch durch ihren Lebenspartner unterstützt. Außerdem ist zu vermuten, dass sich Frau R. durch ihr neues Familienleben generell bestärkt fühlt.



Einflussfaktoren auf Gesundheit


Das Geschlecht zählt zu den entscheidenden Einflussfaktoren auf die Gesundheit. Charakterisieren Sie die Unterschiede in der subjektiven und objektiven Gesundheit zwischen Frauen und Männern anhand der folgenden drei Faktoren.

Lösung a) Geschlechtsspezifische Morbiditätsprofile: Frauen und Männer weisen geschlechtsspezifische Morbiditätsprofile auf, d. h. sie unterscheiden sich in ihrem Krankheitsspektrum. Während Frauen im Vergleich häufiger an Diabetes, Arthrose, Rückenschmerzen, Depressionen erkranken, sind Männer häufiger von Herzinfarkten, koronarer Herzerkrankung, Krebs- und Suchterkrankungen betroffen.


Lösung b) Geschlechtsspezifische Selbsteinschätzung: Frauen geben häufiger als Männer an, unter chronischen Gesundheitsproblemen zu leiden, sich seelisch belastet zu fühlen sowie von gesundheitlichen Beschwerden und Einschränkungen betroffen zu sein. Insbesondere Männer unter 30 Jahren und ab 65 Jahren bewerten ihre Gesundheit dagegen deutlich besser als gleichaltrige Frauen.


Lösung c) Gesundheitsrelevante Verhaltensweisen: Frauen sind interessierter an gesundheitlichen Themen, besser informiert und nehmen professionelle Angebote zur Prävention und Gesundheitsförderung stärker in Anspruch als Männer. Männer sind zurückhaltender in der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen, ernähren sich ungesünder, rauchen mehr, trinken häufiger Alkohol in gesundheitsschädlichen Mengen, verhalten sich riskanter im Straßenverkehr und sind häufiger übergewichtig als Frauen. Frauen wiederum treiben seltener Sport, nehmen häufiger psychotrope Medikamente und neigen zu einem ungesunden Essverhalten.


Gesundheitliche Ungleichheit


Die Zusammenhänge zwischen sozialer und gesundheitlicher Ungleichheit sind komplex und dynamisch. Das folgende Modell zur Erklärung gesundheitlicher Ungleichheit von Mackenbach stellt diese Zusammenhänge in vereinfachter Weise dar. Beschreiben Sie den Wirkungszusammenhang und die Wirkungsrichtung der einzelnen Elemente des Modells. Geben Sie für jedes Element des Modells ein Beispiel.

  • Beschreibung: Ausgangspunkt des Modells ist der sozioökonomische Status. Der Grundgedanke dabei ist, dass sich der sozialökonomische Status auf die Gesundheit auswirkt und nicht andersherum. Diese Auswirkungen sind indirekt und erfolgen über sozial ungleich verteilte Einflussfaktoren: materielle Faktoren, psychosoziale Faktoren, (Gesundheits-)verhalten. Die jeweiligen Einflussfaktoren stehen wiederum in enger Wechselwirkung zueinander. Anhand der Darstellung wird deutlich, dass die materiellen und psychosozialen Faktoren sowohl einen eigenständigen Einfluss auf den Gesundheitszustand ausüben als auch über das gesundheitsbezogene Verhalten vermittelt werden.

  • Lösung Beispiele:


    • Sozioökonomischer Status: Bildung, beruflicher Status, Einkommen


    • Materielle Faktoren: verfügbares Einkommen, materielle Güter (Ausstattung der Wohnung, Fahrzeug), soziale Absicherung


    • Psychosoziale Faktoren: Wohnumfeld, soziale Integration, Alltagsstress


    • Verhalten: Substanzkonsum, Bewegungsverhalten, Inanspruchnahme von Gesundheitsversorgung


    • Gesundheit: Erkrankungen, Mobilität, Wohlbefinden



Beziehen Sie sich auf das folgende Fallbeispiel. Interpretieren Sie den Gesundheitszustand von Herrn B. aus jeder der drei von Göckenjahn beschriebenen Perspektiven zur Betrachtung und Deutung von Gesundheit.


Fallbeispiel: Herr B. hat sich vor vier Monaten bei einem Sportunfall einen komplizierten Bruch im linken Schultergelenk zugezogen. Danach wurde er zweimal operiert und musste sechs Wochen einen Gipsverband tragen. Nun geht er viermal wöchentlich zur Krankengymnastik und ist wegen der ambulanten Rehabilitation weiterhin krankgeschrieben. Auf dem Weg zur „Reha" hat Herr B. mehrmals seine Kolleginnen und Kollegen in der Stadtverwaltung besucht. Das tut er seit einiger Zeit nicht mehr, da sie zunehmend sauer auf seine Besuche reagierten. Wegen einer Umstellung des EDV-Systems haben sie mehr Arbeit als üblich. Ein Kollege hat Herrn B. ganz direkt gefragt, warum der denn nicht seine sitzende Tätigkeit wieder aufnehmen könne, wo er doch topfit sei und äußerst ausgeruht. Bei der aktuellen Umstellung könne er viele für die Kolleginnen und Kollegen enorm entlastende Arbeiten übernehmen, bei denen er seinen linken Arm nicht belasten brauche - z. B. die Bürgersprechstunde, bei der er nur Sitzfleisch, Köpfchen und Redefähigkeit brauche (Fallbeispiel in Anlehnung an Franke 2012).

Gesundheit als Abgrenzungskonzept: Herr B. muss sich in Folge seiner Schulterfraktur medizinischen Behandlungen unterziehen. Er ist krankgeschrieben und damit aus der Perspektive „Gesundheit als Abgrenzungskonzept" z. Zt. nicht gesund, sondern krank.


Gesundheit als Funktionsaussage: Herr B. ist zwar aufgrund der ärztlichen Krankschreibung z.Zt. formal nicht arbeitsfähig. Seine körperliche und soziale Leistungs- und Arbeitsfähigkeit ist jedoch aufgrund seiner Schulterfraktur nicht völlig eingeschränkt. So kann er eigenständig die Rehabilitationsmaßnahmen wahrnehmen und soziale Kontakte pflegen. Im Sinne der Perspektive „Gesundheit als Funktionsaussage" ist Herr B. nicht eindeutig krank oder gesund.


Gesundheit als Wertaussage: Herr B. hat trotz seiner körperlichen Einschränkungen durch die Schulterfraktur und die Beanspruchung durch seine Rehabilitationsmaßnahmen seine Kolleginnen und Kollegen besucht. Das Vorgehen von Herrn B. kann bezogen auf sein körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden so interpretiert werden, das es ihm recht gut geht und er sich eher gesund als krank fühlt. Aus der Perspektive „Gesundheit als Wertaussage" heraus verfügt Herr B. sowohl über kranke als auch über gesunde Anteile.


Gesundheitliche Ungleichheit


Beschreiben Sie anhand der folgenden Tabelle den Zusammenhang zwischen allgemeinem Gesundheitszustand und dem sozioökonomischen Status (SES) von Kindern und Jugendlichen für:

a) die allgemeine Gerichtetheit des Zusammenhangs

b) die Ausprägung des Zusammenhangs für den Erhebungszeitpunkt 2009-2012

c) die Ausprägung des Zusammenhangs im Entwicklungsverlauf im Zeitraum von 2003-2017.








a) Allgemeine Gerichtetheit: Die Tabelle zeigt für den Zusammenhang zwischen allgemeinem Gesundheitszustand und sozioökonomischem Status bei Kindern und Jugendlichen eine Ausprägung, dass mit dem Niveau des SES auch der allgemeine Gesundheitszustand abnimmt. Oder anders ausgedrückt: in der KIGGS-Studie sind weniger Kinder und Jugendliche mit einem hohen SES gegenüber Kindern und Jugendlichen mit einem mittleren und niedrigen SES von einem mittelmäßigen bis sehr schlechten allgemeinen Gesundheitsstatus betroffen.


Lösung b) Erhebungszeitpunkt 2009-2012: KIGGS Welle 1 (2009-2012): In der KIGGS-Welle 1 sind die Kinder und Jugendlichen mit einem niedrigen sozioökonomischen Status mit 10,6% am häufigsten von einem mittelmäßigen bis sehr schlechten allgemeinen Gesundheitszustand betroffen. Auch zu diesem Erhebungszeitpunkt sind mit 5,9% Kinder und Jugendliche mit mittlerem SES nicht so häufig und Kinder und Jugendliche mit einem hohen SES mit 3,2% am seltensten von einem mittelmäßigen bis sehr schlechten allgemeinen Gesundheitszustand betroffen.


Lösung c) Entwicklungsverlauf 2003-2017: Der Zusammenhang zwischen allgemeinem Gesundheitszustand und sozioökonomischem Status bleibt über den Erhebungszeitraum von 2003 bis 2017 an sich und in seiner Gerichtetheit bestehen. D.h. über alle drei Erhebungszeitpunkte hinweg weisen die Kinder und Jugendlichen mit einem niedrigen SES gegenüber denen mit einem mittleren und hohen SES am häufigsten einen mittelmäßigen bis sehr schlechten allgemeinen Gesundheitszustand auf. Im Vergleich zwischen dem ersten und dritten Erhebungszeitpunkt nimmt aber die Häufigkeit der Betroffenheit über die drei Niveaus des SES hinweg insgesamt ab.




Gesundheitskonzepte


Fallbeschreibung

Stephen Hawking (1942 – 2018) wuchs als ältestes der drei Kinder des Tropenmediziners Frank Hawking und der Wirt-

schaftswissenschaftlerin Isobel Hawking im Norden Londons auf. Er sollte auf Wunsch seines Vaters Medizin studieren.

Doch noch vor Schulende nahm er probeweise an einer Aufnahmeprüfung für die Universität Oxford teil. Diese bestand

er mit Auszeichnung und erhielt ein Stipendium. Nach seinem Studium promovierte Stephen Hawking über theoretische

Astronomie und Kosmologie. Später hatte er u. a. eine Professur für Gravitationsphysik inne und forschte sehr erfolg-

reich auf dem Gebiet der Quantenkosmologie zur Thematik der Schwarzen Löcher.

Stephen Hawking erkrankte bereits mit 21 Jahren an ALS (Amyotrophe Lateralsklerose), einer unheilbaren degenerati-

ven Erkrankung des motorischen Nervensystems. Ihm wurden nur noch wenige Lebensjahre prophezeit. Die Diagnose

bewirkte bei Hawking einen enormen Motivationsschub. Nach dem Studium promovierte er trotz erster Lähmungser-

scheinungen. Hawking gründete eine Familie und wurde Vater von drei Kindern. Seine Familie und seine Kolleginnen

und Kollegen unterstützten ihn fortan bei der Bewältigung seines Alltags und bei der Verschriftlichung seiner For-

schungsarbeiten. Bald danach war er auf den Rollstuhl angewiesen. Hawking arbeitete und forschte jedoch unvermin-

dert weiter. Jahre später machte eine Lungenentzündung einen Luftröhrenschnitt notwendig und Hawking verlor in Folge

dessen seine Sprechfähigkeit. Auch durch die erheblichen körperlichen Einschränkungen als Folge seiner fortschreiten-

den Erkrankung und die zunehmende Unterstützungsbedürftigkeit ließ sich Hawking bis an sein Lebensende nicht da-

von abhalten, weiter zu forschen und öffentlich aufzutreten.

(https://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_Hawking; http://www.hawking.org.uk/about-stephen.html [09.08.2019])


Gesundheitskonzepte


Beziehen Sie sich auf das Fallbeispiel (Stephen Hawking). Interpretieren Sie den Gesundheitszustand des erwachsenen Stephen Hawking aus jeder der drei von Göckenjahn beschriebenen Perspektiven zur Betrachtung und Deutung von Gesundheit.

Gesundheit als Abgrenzungskonzept: Hawking erkrankte an ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) und erlebte im Verlauf seines Erwachsenenlebens durch die fortschreitende Erkrankung eine zunehmende körperliche Einschränkung. Aus der Perspektive „Gesundheit als Abgrenzungskonzept" war Hawking chronisch krank und körperlich (motorisch) behindert.


Gesundheit als Funktionsaussage: Hawking war einerseits aufgrund seiner chronischen Erkrankung und den damit einhergehenden Symptomen in seiner körperlichen Arbeits- und Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt und auf Unterstützung angewiesen. Seine geistige Arbeits- und Leistungsfähigkeit war jedoch nicht beeinträchtigt und eher überdurchschnittlich hoch. Im Sinne der Perspektive „Gesundheit als Funktionsaussage" war Hawking nicht eindeutig krank oder eindeutig gesund.


Gesundheit als Wertaussage: Hawking arbeitete trotz seiner Erkrankung Zeit seines Lebens, war familiär eingebunden und betrieb zudem unermüdliche Öffentlichkeitsarbeit. Seine Art zu leben und mit der Erkrankung umzugehen, können so interpretiert werden, dass Hawking Wohlbefinden und Zufriedenheit erlebte. Die Perspektive „Gesundheit als Wertaussage" legt nahe, dass er sowohl über kranke als auch über gesunde Anteile verfügte.


Gesundheitliche Ungleichheit


Grundlagen der sozialen Ungleichheit


a) Definieren Sie den Begriff der sozialen Ungleichheit


b) Benennen Sie vier Basisdimensionen sozialer Ungleichheit


c) Erläutern Sie, was unter vertikaler und horizontaler sozialer Ungleichheit zu verstehen ist.


d) Erläutern Sie, was unter dem Begriff des sozialen Gradienten von Gesundheit zu verstehen ist.

Lösung a): Soziale Ungleichheit liegt dann vor, wenn Menschen aufgrund ihrer Stellung in sozialen Beziehungsgefügen von den wertvollen Gütern einer Gesellschaft regelmäßig mehr als andere erhalten, wenn also als wertvoll geltende Güter nicht absolut gleich verteilt sind.


Lösung b): Als Basisdimensionen sozialer Ungleichheit gelten: Wissen, materieller Wohlstand, Macht und Prestige.


Lösung c):

Horizontale soziale Ungleichheit: Soziale Ungleichheit, die zwischen Gruppen besteht, wird als horizontale soziale Ungleichheit bezeichnet. Als Merkmale der horizontalen sozialen Ungleichheit gelten Alter, Geschlecht und Nationalität.


Vertikale soziale Ungleichheit: Vertikale soziale Ungleichheit wird mithilfe der Indikatoren Bildung, beruflicher Status und Einkommen erfasst, welche eine hierarchische Einordnung der Bevölkerung zulassen.


Lösung d): Die sozial bedingte Ungleichheit von Gesundheitschancen ist nicht auf Randgruppen beschränkt, sondern bildet ein Kontinuum entlang der sozialen Stufenleiter (sozialer Gradient), das heißt, Morbidität und Mortalität nehmen mit zunehmendem sozioökonomischem Status ab .


Bis heute gibt es keine eindeutige und allgemein akzeptierte Definition von Gesundheit. Göckenjahn hat zur Annäherung an eine Gesundheitsdefinition drei Perspektiven der Betrachtung und Deutung von Gesundheit herausgearbeitet:

  • Gesundheit als Abgrenzungskonzept

  • Gesundheit als Funktionsaussage

  • Gesundheit als Wertaussage


Beschreiben Sie die drei genannten Perspektiven

Gesundheit als Abgrenzungskonzept: Diese Perspektive ist eng verbunden mit der medizinischen Deutung und Diagnostik von Krankheiten. Gesundheit wird hier u. a. (unter anderem) als Abwesenheit von Krankheit verstanden. Eine solche Abgrenzung von Gesundheit ist nur vordergründig konkret. Sie ist aber z. B. (zum Beispiel) bei einer ärztlichen Krankschreibung häufig notwendig.


Gesundheit als Funktionsaussage: Zu dieser Perspektive gehört zum einen die körperliche und soziale Leistungs- und Arbeitsfähigkeit. Zum anderen umfasst sie alle Gesundheitsvorstellungen eines körperlich-seelischen Gleichgewichts bzw. (beziehungsweise) einer flexiblen Anpassung an sich verändernde Umweltbedingungen. Im Mittelpunkt steht dabei häufig die Resistenz und Widerstandsfähigkeit von Menschen beispielsweise gegenüber Krankheitserregern. Auch diese Funktionsaussagen sind nur teilweise konkret.


Gesundheit als Wertaussage: Gesundheitsdefinitionen dieser Art verstehen Gesundheit als höchsten Wert oder als einen absoluten Richtwert. Die bekannteste wertorientierte Beschreibung ist die Gesundheitsdefinition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 1948.


Gesundheitskonzepte


Beziehen Sie sich auf das folgende Fallbeipiel. Interpretieren Sie den Gesundheitszustand von Herrn B. aus jeder der drei von Göckenjahn beschriebenen Perspektiven zur Betrachtung und Deutung von Gesundheit (je 4 Punkte). (Hinweis: Siehe Karteikarte 1 für den Text des Fallbeispiels)


  • Gesundheit als Abgrenzungskonzept: Herr B. muss sich in Folge seiner Schulterfraktur medizinischen Behandlungen unterziehen. Er ist krankgeschrieben und damit aus der Perspektive „Gesundheit als Abgrenzungskonzept" z. Zt. (zur Zeit) nicht gesund, sondern krank.

    +1


  • Gesundheit als Funktionsaussage: Herr B. ist zwar aufgrund der ärztlichen Krankschreibung z.Zt. (zur Zeit) formal nicht arbeitsfähig. Seine körperliche und soziale Leistungs- und Arbeitsfähigkeit ist jedoch aufgrund seiner Schulterfraktur nicht völlig eingeschränkt. So kann er eigenständig die Rehabilitationsmaßnahmen wahrnehmen und soziale Kontakte pflegen. Im Sinne der Perspektive „Gesundheit als Funktionsaussage" ist Herr B. nicht eindeutig krank oder gesund.



  • Gesundheit als Wertaussage: Herr B. hat trotz seiner körperlichen Einschränkungen durch die Schulterfraktur und die Beanspruchung durch seine Rehabilitationsmaßnahmen seine Kolleginnen und Kollegen besucht. Das Vorgehen von Herrn B. kann bezogen auf sein körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden so interpretiert werden, dass es ihm recht gut geht und er sich eher gesund als krank fühlt. Aus der Perspektive „Gesundheit als Wertaussage" heraus verfügt Herr B. sowohl über kranke als auch über gesunde Anteile.



Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft Gesundheitskonzepte


Nennen und erläutern Sie ein Beispiel für New Public Health (Neue Öffentliche Gesundheit) in Deutschland.

Als Beispiele für New Public Health in Deutschland gelten die AIDS-Prävention (Prävention des Erworbenen Immundefizienzsyndroms) und die betriebliche Gesundheitsförderung.



(Hinweis: In der Korrekturrichtlinie sind beide Beispiele voll ausgeführt, eines davon ist in der Prüfung zu erläutern) :


  • AIDS-Prävention: Die Strategie zur verhältnisgestützten Verhaltensmodifikation führte zur dauerhaften Umstellung auf Risikovermeidung (safer sex / geschützterer Sex) bei großen Teilen der betroffenen Gruppen. Sie beinhaltet die Respektierung der Lebensweise der Zielgruppen, eine persönliche Beratung und Kommunikation und eine dauerhafte Aufklärung über Gesundheitsgefährdungen und Verhaltensmöglichkeiten.



  • Betriebliche Gesundheitsförderung: Die gesetzlichen Krankenkassen leisteten mit Unterstützung von Public Health Professionals (Fachkräften der Öffentlichen Gesundheit) Pionierarbeit für die Umsetzung der betrieblichen Gesundheitsförderung. In den Betrieben wurden Möglichkeiten der Risikosenkung und Ressourcenstärkung in Arbeits-, Betriebsabläufen und im Sozialklima ermittelt und umgesetzt. Gesundheitszirkel etablierten sich als Instrument der betrieblichen Gesundheitsförderung. In den Gesundheitszirkeln sind die Belegschaft, die Personalvertretung und das Management vertreten.



Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


Fallbeispiel zu den


Maria ist achtzehn Jahre alt, lebt als Einzelkind mit ihren Eltern und geht noch zur Schule. Sie ist ein sehr lebenslustiger und kontaktfreudiger Teenager. Mit vierzehn Jahren ist Maria an Leukämie erkrankt und hat seitdem wiederholt längere Aufenthalte in verschiedenen Kliniken verbracht. Ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich immer wieder bedrohlich. Beide Eltern von Maria sind verbeamtet im Lehrerberuf tätig. Sie haben mit Krankheitsbeginn vor vier Jahren abwechselnd ihre Arbeitszeit reduziert, um Maria betreuen zu können und um in Zusammenarbeit mit ihrer Schule durch ein individuelles Homeschooling die weitere Schullaufbahn und den nun bevorstehenden Schulabschluss zu ermöglichen. Die Großeltern von Maria unterstützen die Familie in der Alltagsbewältigung und in finanziellen Angelegenheiten.

Gerade befindet sich Maria wieder seit zwei Wochen in der Klinik, weil sie infolge einer Infektion mit dem Corona-Virus Corona Virus Disease 2019 beatmungspflichtig geworden war. Es ist sehr belastend für sie, dass sie nur sehr eingeschränkt Besuch empfangen und dann auch nicht im direkten Kontakt sein darf. Andererseits hat Maria aufgrund bisheriger Erfahrungen großes Vertrauen in das Pflege- und ärztliche Personal. Sie gilt auf der Station als Sonnenschein und ihr gutes Verhältnis zu allen hilft ihr über die schweren Tage hinweg.

Sobald Maria wach und nicht mehr beatmet war, wollte sie in den Behandlungsprozess einbezogen werden und möglichst viel eigenständig tun. Sie hat einen starken Willen und gibt die Hoffnung nicht auf, wieder gesund zu werden. An schlechten Tagen ringt Maria bei körperlicher Anstrengung noch schnell nach Luft und ist dann wütend auf ihre Erkrankung. Aber meist ist Maria trotz ihrer gesundheitlichen Einschränkungen zufrieden und kann auch immer wieder über sich selber lachen.

Außerdem träumt Maria schon lange davon, nach dem Schulabschluss den Führerschein zu machen, musste das aber immer wieder hinten anstellen. Jetzt recherchiert sie gerade, ob sie die theoretische Ausbildung und Prüfung dafür nicht irgendwo online machen kann. Dann könnte sie vielleicht schon bald damit beginnen, wenn die guten Tage wieder überwiegen. Ihre Eltern und Großeltern und auch ihre zwei besten Freundinnen unterstützen und bestärken sie in diesem Vorhaben und sind auch in allen anderen Belangen für sie da.

Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


Bis heute gibt es keine eindeutige und allgemein akzeptierte Definition von Gesundheit. Göckenjahn hat zur Annäherung an eine Gesundheitsdefinition drei Perspektiven der Betrachtung und Deutung von Gesundheit herausgearbeitet:

  • Gesundheit als Abgrenzungskonzept

  • Gesundheit als Funktionsaussage

  • Gesundheit als Wertaussage

Beschreiben Sie die drei genannten Perspektiven.

  • Gesundheit als Abgrenzungskonzept: Diese Perspektive ist eng verbunden mit der medizinischen Deutung und Diagnostik von Krankheiten. Gesundheit wird hier unter anderem als Abwesenheit von Krankheit verstanden. Eine solche Abgrenzung von Gesundheit ist nur vordergründig konkret. Sie ist aber zum Beispiel bei einer ärztlichen Krankschreibung häufig notwendig.

  • Gesundheit als Funktionsaussage: Zu dieser Perspektive gehört zum einen die körperliche und soziale Leistungs- und Arbeitsfähigkeit. Zum anderen umfasst sie alle Gesundheitsvorstellungen eines körperlich-seelischen Gleichgewichts beziehungsweise einer flexiblen Anpassung an sich verändernde Umweltbedingungen. Im Mittelpunkt steht dabei häufig die Resistenz und Widerstandsfähigkeit von Menschen beispielsweise gegenüber Krankheitserregern. Auch diese Funktionsaussagen sind nur teilweise konkret.

  • Gesundheit als Wertaussage: Gesundheitsdefinitionen dieser Art verstehen Gesundheit als höchsten Wert oder als einen absoluten Richtwert. Die bekannteste wertorientierte Beschreibung ist die Gesundheitsdefinition der Weltgesundheitsorganisation von 1948.


Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


Gesundheitskonzepte


Beziehen Sie sich auf das Fallbeispiel. Interpretieren Sie den Gesundheitszustand von Maria aus jeder der drei von Göckenjahn beschriebenen Perspektiven zur Betrachtung und Deutung von Gesundheit. (Hinweis: Siehe Karteikarte 1 für den Text des Fallbeispiels)

  • Gesundheit als Abgrenzungskonzept: Maria ist vor vier Jahren an einer lebensbedrohlichen Erkrankung mit chronischem Verlauf erkrankt. Immer wieder hat sie krankheitsbedingte Krisen erlebt und war gerade im Zuge einer Infektion mit dem Coronavirus Corona Virus Disease 2019 beatmungspflichtig geworden. Aus der Perspektive „Gesundheit als Abgrenzungskonzept" ist Maria chronisch krank.

  • Gesundheit als Funktionsaussage: Maria ist einerseits aufgrund ihrer chronischen Erkrankung und den damit einhergehenden Symptomen in ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit eingeschränkt und auf Unterstützung angewiesen. Andererseits hat sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten immer wieder aktiv zur Krankheitsbewältigung beigetragen und sowohl ihre Schulbildung verfolgt als auch Zukunftspläne geschmiedet. Im Sinne der Perspektive „Gesundheit als Funktionsaussage" ist Maria nicht eindeutig krank oder eindeutig gesund.

  • Gesundheit als Wertaussage: Maria nimmt trotz ihrer Erkrankung nach ihren Möglichkeiten am Leben teil. Sie möchte die Schule beenden und den Führerschein machen. Trotz ihrer lebensbedrohlichen Erkrankung und häufiger gesundheitlicher Krisen arbeitet sie auf beides hin und erlebt Zufriedenheit. Die Perspektive „Gesundheit als Wertaussage" legt nahe, dass sie sowohl über kranke als auch über gesunde Anteile verfügt.


Altklausur Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


Laien entwickeln unterschiedliche subjektive Gesundheitstheorien. Diese lassen sich in allgemeine Typen von subjektiven Gesundheitstheorien unterteilen.


Benennen Sie die vier allgemeinen Typen von subjektiven Gesundheitstheorien und beschreiben Sie zwei dieser Theorien.

(Hinweis: Die Richtlinie führt alle vier Typen vollständig auf, zwei Beschreibungen waren gefordert)

  • Risikotheorien: Gesundheit wird durch bestimmte Risiken und Belastungen gefährdet. Diese Risiken können als extern (zum Beispiel Schadstoffe in der Umwelt) angesehen oder dem eigenen Verhalten (zum Beispiel Mangel an Bewegung) zugeschrieben werden. Während bei externen Risiken eine personale Kontrolle als nur schwer möglich angesehen wird, ist diese bei verhaltensbedingten Risiken zumindest prinzipiell möglich.

  • Ressourcentheorien: Gesundheit wird durch den großen Einfluss der Verfügbarkeit von externen (zum Beispiel vertrauensvolle soziale Beziehungen) und internen Ressourcen (zum Beispiel robuste Konstitution) mitbestimmt. Durch eine Schwächung dieser Ressourcen wird auch die Gesundheit gefährdet.

  • Ausgleichs- und Balancetheorien: Gesundheit wird zwar durch bestimmte Risiken gefährdet, diese können aber ausgeglichen und kompensiert werden. Es wird ein Wechselspiel zwischen Risiko- und Schutzfaktoren angenommen. Als Kompensationsmöglichkeiten (zum Beispiel bei einer belastenden beruflichen Tätigkeit) werden unter anderem viel Ruhe und Entspannung in der Freizeit genannt. Diese Theorien nehmen an, dass jeder Mensch über ein optimales Gleichgewicht zwischen diesen Kräften verfügt, sie aber auch erkennen muss. Das Gleichgewicht zwischen diesen Kräften wird als labil angesehen, da es durch Anforderungen von außen und innen immer wieder gefährdet wird. Eine personale Kontrolle ist auf allen Ebenen möglich. Im Vordergrund stehen die positive Gestaltung von sozialen Beziehungen und die innere Zufriedenheit.

  • Schicksalstheorien: Gesundheit geht bei einem schicksalhaften oder altersbedingten Eintritt von Krankheit verloren. Als Krankheitsursachen werden vorwiegend biologische Alterungsprozesse und schicksalhafte Ereignisse angenommen. Der personale Einfluss wird als sehr gering eingeschätzt.


Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


Das Modell gesundheitlicher Überzeugungen (siehe Abbildung) wurde entwickelt, um herauszufinden, wie Menschen dazu bewegt werden können, an Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen beziehungsweise ärztliche Empfehlungen zu befolgen. Den Kern des Modells bilden Kosten-Nutzen-Überlegungen, nach denen eine Verhaltensänderung nur stattfindet, wenn der zu erwartende Nutzen die Anstrengungen und Unannehmlichkeiten (Kosten) übersteigt.

Erläutern Sie anhand des Modells gesundheitlicher Überzeugung mögliche Kosten-Nutzen-Überlegungen, die Martin Fröhlichs Gesundheitsverhalten wahrscheinlich zugrunde liegen. Nehmen Sie dabei auf jeden der sieben Modellbausteine entlang der beiden Pfade des Modells Bezug. (Fallbeispiel siehe Karteikarte 1)


  • Demografische Variablen und sozio-psychologische Variablen: Gesundheitsvorstellungen unterscheiden sich nach Alter und Geschlecht. Männer assoziieren Gesundheit eher mit der Abwesenheit von Krankheit und mit funktionaler Leistungsfähigkeit. Darüber hinaus zeigen Männer eher ein risikoreiches Gesundheitsverhalten. Insofern erlebt Martin Fröhlich sich aufgrund seines Alters und Geschlecht eher als gesund und ungefährdet.

  • Pfad „Wahrgenommene Gesundheitsbedrohung":

    • Wahrgenommene Anfälligkeit und Ernsthaftigkeit: Martin Fröhlich erlebt sich als gesund und ungefährdet. Er nimmt die Pandemie insgesamt eher nicht so ernst und sieht sie für sich selbst als nicht relevant an.

    • Handlungsanstöße: Auch die Berichterstattung und die Reisewarnungen ändern an seiner Risiko- und „Kostenwahrnehmung" nichts.

    • Wahrgenommene Gesundheitsbedrohung: Martin Fröhlich nimmt die Pandemie für sich nicht als gesundheitlich bedrohlich wahr.

  • Pfad „Erwarteter Nutzen":

    • Wahrgenommener Nutzen und Barrieren: Martin Fröhlich sieht nicht, dass der Verzicht auf die Reise zu seiner Gesunderhaltung beiträgt. Außerdem kommt der Verzicht auf seinen wohlverdienten und gewohnten Urlaub bloß wegen dieser Pandemie für ihn gar nicht in Frage.

    • Erwarteter Nutzen: Martin Fröhlich zieht den Verzicht auf die Reise nicht in Betracht, weil er seine Gesundheit dadurch gar nicht bedroht sieht und es darum für ihn gar keinen Unterschied macht.

  • Gesundheitsverhalten: Martin Fröhlich entscheidet sich aufgrund seiner Kosten-Nutzen-Abwägungen gegen eine Verhaltensänderung und zeigt bezogen auf die beschriebene Situation ein riskantes Gesundheitsverhalten.


Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


3.2 a) Definieren Sie den Begriff des sozialen Gradienten von Gesundheit.


3.2 b) Beziehen Sie sich auf die folgenden Daten aus dem BKK-Gesundheitsreport 2016 (siehe nachfolgende Abbildung) und betrachten Sie hier die absoluten Zahlen zu Psychischen und Verhaltensstörungen. Arbeiten Sie für die Erkrankung folgende vier Unterschiede als Trendaussage heraus:

  • Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Gruppe der pflichtversicherten Beschäftigten

  • Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Gruppe der Arbeitslosen

  • Unterschied zwischen Männern im Vergleich von Arbeitslosen und pflichtversicherten Beschäftigten

  • Unterschied zwischen Frauen im Vergleich von Arbeitslosen und pflichtversicherten Beschäftigten. (Tabelle siehe Karteikarte 9)


  • a): Die sozial bedingte Ungleichheit von Gesundheitschancen ist nicht auf Randgruppen beschränkt, sondern bildet ein Kontinuum entlang der sozialen Stufenleiter (sozialer Gradient), das heißt, Morbidität (Krankheitshäufigkeit) und Mortalität (Sterblichkeit) nehmen mit zunehmendem sozioökonomischem Status ab.

  • b):

    • Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Gruppe der pflichtversicherten Beschäftigten:Männer sind seltener als Frauen von psychischen und Verhaltensstörungen betroffen.

    • Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Gruppe der Arbeitslosen: Männer sind seltener als Frauen von psychischen und Verhaltensstörungen betroffen.

    • Unterschied zwischen Männern im Vergleich von Arbeitslosen und pflichtversicherten Beschäftigten:Arbeitslose Männer sind deutlich häufiger betroffen als pflichtversicherte beschäftigte Männer.

    • Unterschied zwischen Frauen im Vergleich von Arbeitslosen und pflichtversicherten Beschäftigten:Arbeitslose Frauen sind deutlich häufiger betroffen als pflichtversicherte beschäftigte Frauen.


Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft

Fallbeispiel


Der 61-jährige Michael J. Fox ist ein ehemaliger kanadisch-US-amerikanischer Schauspieler und Filmproduzent. Zum Hollywood-Star wurde er in den 1980er-Jahren mit der Hauptrolle in der Fernsehserie Familienbande sowie als Marty McFly in der Zurück-in-die-Zukunft-Filmtrilogie. Bei Michael J. Fox wurde im Jahr 1991 die Parkinson-Krankheit diagnostiziert. Im Dezember 1998 räumte er gegenüber der Öffentlichkeit ein, an Parkinson erkrankt zu sein.

Nach seiner Erkrankung an der Parkinson-Krankheit gründete er die Michael J. Fox Foundation for Parkinson's Research (MJFF) und engagiert sich in der Wissenschaftspolitik. Er unterstützt seitdem andere Betroffene genauso wie die Forschung bei der Suche nach Heilung. Durch die Behandlung mit Medikamenten konnte Michael J. Fox die Symptome (Zittern, Steifheit, etc.) weitestgehend in den Griff bekommen, sodass sie ihn nicht ständig in seinem Alltag beeinträchtigen. Die Medikamente helfen dem Schauspieler mittlerweile seit rund 30 Jahren, trotz der Krankheit, mit seiner Familie und in der Arbeit mit seiner Parkinson-Foundation ein erfülltes Leben zu führen.

Unternehmungen und öffentliche Auftritte müssen, so verrieten Michael J. Fox und seine Frau Tracy Pollan 2012 im Gespräch mit dem „AARP Magazine", stets rund um die Einnahme der Parkinson-Medikamente geplant werden. Denn im Laufe der Jahre haben sich die Symptome vermehrt und verschlimmert. Mit den motorischen Einschränkungen musste der heute 61-Jährige lernen, umzugehen. Außerdem musste er sich nach und nach eingestehen, dass seine Gedächtnisleistung nachließ. Dennoch hat er über die letzten 30 Jahre weiter in Hollywood gearbeitet, war unter anderem in „Scrubs" oder „The Good Wife" (in Gastrollen) zu sehen. Denn eins ist klar: Michael J. Fox lässt sich von seiner Parkinson-Erkrankung nicht unterkriegen - egal, ob privat oder beruflich.

Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


Beziehen Sie sich auf das obige Fallbeispiel. Interpretieren Sie den Gesundheitszustand von Michael J. Fox aus jeder der drei von Gerd Göckenjan beschriebenen Perspektiven zur Betrachtung und Deutung von Gesundheit. (Fallbeispiel siehe Karteikarte 1)

Gesundheit als Abgrenzungskonzept: Michael J. Fox erkrankte an Parkinson und erlebte im Verlauf seines Erwachsenenlebens durch die fortschreitende Erkrankung eine zunehmende körperliche Einschränkung. Aus der Perspektive „Gesundheit als Abgrenzungskonzept" ist Michael J. Fox chronisch krank und körperlich (motorisch) eingeschränkt.


Gesundheit als Funktionsaussage: Michael J. Fox ist einerseits aufgrund seiner chronischen Erkrankung und den damit einhergehenden Symptomen in seiner körperlichen Arbeits- und Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt. Seine soziale Arbeits- und Leistungsfähigkeit ist jedoch nicht beeinträchtigt und eher überdurchschnittlich hoch. Er engagiert sich in der Wissenschaftspolitik. Er unterstützt seitdem andere Betroffene genauso wie die Forschung bei der Suche nach Heilung. Im Sinne der Perspektive „Gesundheit als Funktionsaussage" ist Michael J. Fox nicht eindeutig krank oder eindeutig gesund.


Gesundheit als Wertaussage: Michael J. Fox arbeitet trotz seiner Erkrankung Zeit seines Lebens, ist familiär eingebunden und betreibt zudem unermüdliche Öffentlichkeitsarbeit mit seiner Michael J. Fox Foundation for Parkinson's Research (MJFF). Seine Art zu leben und mit der Erkrankung umzugehen, könnten so interpretiert werden, dass Michael J. Fox Wohlbefinden und Zufriedenheit erlebt. Er führt ein erfülltes Leben. Die Perspektive „Gesundheit als Wertaussage" legt nahe, dass er sowohl über kranke als auch über gesunde Anteile verfügt.


Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


Im Studienbrief 2 befassen Sie sich mit den Einflussfaktoren auf die Gesundheit. Es gibt wissenschaftlich belegte förderliche Effekte, damit jemand sehr alt wird. Stellen wir uns folgenden Mann vor: Josef Müller ist am 15.05.2021 einhundert Jahre, also sehr alt geworden. Veranschaulichen Sie idealtypisch,

  • a) die private Lebensform,

  • b) das verfügbare Einkommen,

  • c) den Bildungsstatus sowie

  • d) den individuellen Lebensstil von Josef Müller.


  • a) die private Lebensform: Mehrere Untersuchungen zeigen, dass die Lebenserwartung von verheirateten Personen höher ist als von ledigen Personen. Der Unterschied zeigt sich insbesondere bei Männern. Man kann dies anhand der Protektionshypothese erklären. Durch die Ehe wird ein sozialer Kontext geschaffen, der gesundheitsförderlich ist. Idealtypisch ist beziehungsweise war Josef Müller verheiratet.

  • b) das verfügbare Einkommen: Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Höhe des Einkommens und der Lebenserwartung. Männer der ärmsten Haushalte haben im Vergleich zu Männern der reichsten Haushalte ein fast sechsfach höheres Mortalitätsrisiko. Der Unterschied in der Lebenserwartung beträgt 14 Jahre. Idealtypisch verfügt Josef Müller über ein hohes Einkommen beziehungsweise Rente/Pension (größer gleich 150 Prozent des medianen Einkommens).

  • c) den Bildungsstatus sowie: Untersuchungen zeigen, dass eine geringe schulische und berufliche Bildung mit einer kürzeren Lebenszeit korreliert. Es besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen Schulbildung und Lebenserwartung. Idealtypisch hat Josef Müller Abitur gemacht und im Anschluss studiert beziehungsweise eine sehr gute berufliche Bildung absolviert.

  • d) den individuellen Lebensstil von Josef Müller: Rauchen, riskanter Alkoholkonsum, Medikamentenmissbrauch sowie der Konsum von illegalen Drogen wirken sich negativ auf die Gesundheit aus und auf die allgemeine Sterblichkeit beziehungsweise Lebenserwartung. Idealtypisch hat Josef Müller zeit seines Lebens nicht geraucht, keine Drogen konsumiert und nur gelegentlich Alkohol getrunken.


Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


Fallbeispiel zu Aufgabe 3


Mia und Jonas Müller sind seit acht Jahren verheiratet und haben drei Kinder im Alter von sieben, vier und zwei Jahren. Die beiden haben sehr jung geheiratet. Mia Müller ist jetzt 26 Jahre alt und Jonas Müller ist 28 Jahre alt. Beide sind zur Hauptschule gegangen und Jonas Müller - der keine berufliche Ausbildung absolviert hat - arbeitet derzeit bei einem großen Logistikunternehmen und fährt Pakete aus. Er muss oft Überstunden machen und die Verantwortung für die Betreuung der Kinder liegt bei Mia Müller. Sie hat damals mit 17 Jahren ihre Ausbildung zur Verkäuferin abgebrochen. Den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder bestreitet die Familie mit dem (geringen) Einkommen von Jonas Müller, Kindergeld und Wohngeld.

Die beiden jüngeren Kinder besuchen den Kindergarten und fühlen sich dort sehr wohl. Auch Mia und Jonas Müller sind mit dem Kindergarten eigentlich ganz zufrieden, denn die Erzieherinnen sind alle sehr nett zu ihr und ihren Kindern. Dennoch versucht Mia Müller beim Abholen der Kinder den Erzieherinnen möglichst aus dem Weg zu gehen, da diese sie immer wieder mit irgendwelchen Anforderungen konfrontieren. So soll sie sich schon seit längerer Zeit mit dem mittleren Kind in einer logopädischen Praxis vorstellen und für das jüngste Kind steht eine U-Untersuchung mit Impfung in der Kinderarztpraxis an.

Solchen Terminen geht Mia Müller möglichst aus dem Weg. Beide Praxen kann sie nur mit dem Bus erreichen und jede Busfahrt mit ihren lebhaften Kindern ist eine Herausforderung für sie. Falls das mittlere Kind dann vielleicht öfter zu einer logopädischen Behandlung müsste, wüsste sie gar nicht, wie sie das schaffen soll. Vor dem Kinderarztbesuch graut ihr auch, denn da gibt es während des langen Wartens immer Theater mit den Kindern. Sie kann dann nur wenig ausrichten und erntet von allen Seiten vorwurfsvolle Blicke.


Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


Einige Studien zur Versorgungsungleichheit belegen, dass es Barrieren für die Inanspruchnahme von gesundheitlichen Versorgungsleistungen von Kindern und Jugendlichen gibt:

  • Soziodemografische Faktoren: Alter der Kinder und Eltern, ethnische Herkunft, Familiengröße und Familienstruktur, sozioökonomischer Status

  • Personale Faktoren: Einstellungen, Überzeugungen, Selbstwirksamkeitserwartungen, Kommunikationsfähigkeit

  • Strukturelle und organisatorische Faktoren: große räumliche Distanz zwischen dem Wohnort der Familie und der Lage der Praxis, lange Wartezeiten, ungünstige Öffnungszeiten, schlechte Transportmöglichkeiten des Kindes

Arbeiten Sie anhand des Fallbeispiels heraus, welche der oben dargestellten Inanspruchnahmebarrieren Sie im Fall von Mia Müller wahrnehmen. (Fallbeispiel siehe Karteikarte 7)

Für Mia Müller ist es aufgrund bestehender Barrieren schwierig, anstehende gesundheitliche Versorgungsleistungen für ihre Kinder in Anspruch zu nehmen.

  • Soziodemografische Faktoren: Mia Müller hat ihr erstes Kind bereits mit 19 Jahren bekommen (junge Mutter). Familie Müller zählt mit ihren drei Kindern zu den kinderreichen Familien. Ihr Hauptschulabschluss und ihre fehlende Berufsausbildung (Abbruch der Verkäuferausbildung) weist auf einen niedrigen Bildungsgrad hin. Aufgrund des niedrigen Einkommens etc. gilt die Familie als einkommensschwach.

  • Personale Faktoren: Mia Müller weiß, dass es ihren Kindern schwerfällt, sich ruhig zu verhalten. Aus der Erfahrung heraus geht sie davon aus, dass es ihr dann nur sehr eingeschränkt gelingt, das Verhalten ihrer Kinder positiv zu beeinflussen (Selbstwirksamkeitserwartungen). Deshalb erwartet sie von vornherein Schwierigkeiten, wenn sie an die anstehenden Busfahrten und die notwendigen Besuche in der Kinderarzt- und logopädischen Praxis denkt (Überzeugungen). Außerdem empfindet sie die vorwurfsvollen Blicke des Personals beim Kinderarzt jedes Mal als ungerechtfertigte Zurechtweisung gegenüber ihren Kindern und in ihrer Rolle als Mutter (Einstellungen). Mia Müller geht den Erzieherinnen im Kindergarten aus dem Weg, weil sie davon ausgeht, dass diese sie bei jeder Gelegenheit mit neuen Anforderungen konfrontieren (Überzeugungen/Kommunikationsfähigkeit).

  • Strukturelle und organisatorische Faktoren: Für Mia Müller liegt zwischen ihrem Wohnort und der Kinderarzt- beziehungsweise logopädischen Praxis eine große räumliche Distanz. Sie muss den öffentlichen Nahverkehr benutzen, um in die Praxen zu gelangen. Mia Müller muss mit ihren Kindern in der Kinderarztpraxis lange Wartezeiten überbrücken.


(Karteikarte 1)


Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


Fallbeispiel


Der 61-jährige Michael J. Fox ist ein ehemaliger kanadisch-US-amerikanischer Schauspieler und Filmproduzent. Zum Hollywood-Star wurde er in den 1980er-Jahren mit der Hauptrolle in der Fernsehserie Familienbande sowie als Marty McFly in der Zurück-in-die-Zukunft-Filmtrilogie. Bei Michael J. Fox wurde im Jahr 1991 die Parkinson-Krankheit diagnostiziert. Im Dezember 1998 räumte er gegenüber der Öffentlichkeit ein, an Parkinson erkrankt zu sein.

Nach seiner Erkrankung an der Parkinson-Krankheit gründete er die Michael J. Fox Foundation for Parkinson's Research (MJFF) und engagiert sich in der Wissenschaftspolitik. Er unterstützt seitdem andere Betroffene genauso wie die Forschung bei der Suche nach Heilung. Durch die Behandlung mit Medikamenten konnte Michael J. Fox die Symptome (Zittern, Steifheit, etc.) weitestgehend in den Griff bekommen, sodass sie ihn nicht ständig in seinem Alltag beeinträchtigen. Die Medikamente helfen dem Schauspieler mittlerweile seit rund 30 Jahren, trotz der Krankheit, mit seiner Familie und in der Arbeit mit seiner Parkinson-Foundation ein erfülltes Leben zu führen.

Unternehmungen und öffentliche Auftritte müssen, so verrieten Michael J. Fox und seine Frau Tracy Pollan 2012 im Gespräch mit dem „AARP Magazine", stets rund um die Einnahme der Parkinson-Medikamente geplant werden. Denn im Laufe der Jahre haben sich die Symptome vermehrt und verschlimmert. Mit den motorischen Einschränkungen musste der heute 61-Jährige lernen, umzugehen. Außerdem musste er sich nach und nach eingestehen, dass seine Gedächtnisleistung nachließ. Dennoch hat er über die letzten 30 Jahre weiter in Hollywood gearbeitet, war unter anderem in „Scrubs" oder „The Good Wife" (in Gastrollen) zu sehen. Denn eins ist klar: Michael J. Fox lässt sich von seiner Parkinson-Erkrankung nicht unterkriegen - egal, ob privat oder beruflich.

Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


Gesundheitskonzepte


Beziehen Sie sich auf das obige Fallbeispiel. Interpretieren Sie den Gesundheitszustand von Michael J. Fox aus jeder der drei von Gerd Göckenjan beschriebenen Perspektiven zur Betrachtung und Deutung von Gesundheit. (Fallbeispiel siehe Karteikarte 1)


Gesundheit als Abgrenzungskonzept: Michael J. Fox erkrankte an Parkinson und erlebte im Verlauf seines Erwachsenenlebens durch die fortschreitende Erkrankung eine zunehmende körperliche Einschränkung. Aus der Perspektive „Gesundheit als Abgrenzungskonzept" ist Michael J. Fox chronisch krank und körperlich (motorisch) eingeschränkt.


Gesundheit als Funktionsaussage: Michael J. Fox ist einerseits aufgrund seiner chronischen Erkrankung und den damit einhergehenden Symptomen in seiner körperlichen Arbeits- und Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt. Seine soziale Arbeits- und Leistungsfähigkeit ist jedoch nicht beeinträchtigt und eher überdurchschnittlich hoch. Er engagiert sich in der Wissenschaftspolitik. Er unterstützt seitdem andere Betroffene genauso wie die Forschung bei der Suche nach Heilung. Im Sinne der Perspektive „Gesundheit als Funktionsaussage" ist Michael J. Fox nicht eindeutig krank oder eindeutig gesund.


Gesundheit als Wertaussage: Michael J. Fox arbeitet trotz seiner Erkrankung Zeit seines Lebens, ist familiär eingebunden und betreibt zudem unermüdliche Öffentlichkeitsarbeit mit seiner Michael J. Fox Foundation for Parkinson's Research (MJFF). Seine Art zu leben und mit der Erkrankung umzugehen, könnten so interpretiert werden, dass Michael J. Fox Wohlbefinden und Zufriedenheit erlebt. Er führt ein erfülltes Leben. Die Perspektive „Gesundheit als Wertaussage" legt nahe, dass er sowohl über kranke als auch über gesunde Anteile verfügt.


Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


Im Studienbrief 2 befassen Sie sich mit den Einflussfaktoren auf die Gesundheit. Es gibt wissenschaftlich belegte förderliche Effekte, damit jemand sehr alt wird. Stellen wir uns folgenden Mann vor: Josef Müller ist am 15.05.2021 einhundert Jahre, also sehr alt geworden. Veranschaulichen Sie idealtypisch,

  • a) die private Lebensform,

  • b) das verfügbare Einkommen,

  • c) den Bildungsstatus sowie

  • d) den individuellen Lebensstil von Josef Müller.


a) die private Lebensform: Mehrere Untersuchungen zeigen, dass die Lebenserwartung von verheirateten Personen höher ist als von ledigen Personen. Der Unterschied zeigt sich insbesondere bei Männern. Man kann dies anhand der Protektionshypothese erklären. Durch die Ehe wird ein sozialer Kontext geschaffen, der gesundheitsförderlich ist. Idealtypisch ist beziehungsweise war Josef Müller verheiratet.


b) das verfügbare Einkommen: Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Höhe des Einkommens und der Lebenserwartung. Männer der ärmsten Haushalte haben im Vergleich zu Männern der reichsten Haushalte ein fast sechsfach höheres Mortalitätsrisiko. Der Unterschied in der Lebenserwartung beträgt 14 Jahre. Idealtypisch verfügt Josef Müller über ein hohes Einkommen beziehungsweise Rente/Pension (größer gleich 150 Prozent des medianen Einkommens).


c) den Bildungsstatus sowie: Untersuchungen zeigen, dass eine geringe schulische und berufliche Bildung mit einer kürzeren Lebenszeit korreliert. Es besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen Schulbildung und Lebenserwartung. Idealtypisch hat Josef Müller Abitur gemacht und im Anschluss studiert beziehungsweise eine sehr gute berufliche Bildung absolviert.

  1. d) den individuellen Lebensstil von Josef Müller: Rauchen, riskanter Alkoholkonsum, Medikamentenmissbrauch sowie der Konsum von illegalen Drogen wirken sich negativ auf die Gesundheit aus und auf die allgemeine Sterblichkeit beziehungsweise Lebenserwartung. Idealtypisch hat Josef Müller zeit seines Lebens nicht geraucht, keine Drogen konsumiert und nur gelegentlich Alkohol getrunken.


Karteikarte 7


Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


Fallbeispiel zu Aufgabe 3


Mia und Jonas Müller sind seit acht Jahren verheiratet und haben drei Kinder im Alter von sieben, vier und zwei Jahren. Die beiden haben sehr jung geheiratet. Mia Müller ist jetzt 26 Jahre alt und Jonas Müller ist 28 Jahre alt. Beide sind zur Hauptschule gegangen und Jonas Müller - der keine berufliche Ausbildung absolviert hat - arbeitet derzeit bei einem großen Logistikunternehmen und fährt Pakete aus. Er muss oft Überstunden machen und die Verantwortung für die Betreuung der Kinder liegt bei Mia Müller. Sie hat damals mit 17 Jahren ihre Ausbildung zur Verkäuferin abgebrochen. Den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder bestreitet die Familie mit dem (geringen) Einkommen von Jonas Müller, Kindergeld und Wohngeld.

Die beiden jüngeren Kinder besuchen den Kindergarten und fühlen sich dort sehr wohl. Auch Mia und Jonas Müller sind mit dem Kindergarten eigentlich ganz zufrieden, denn die Erzieherinnen sind alle sehr nett zu ihr und ihren Kindern. Dennoch versucht Mia Müller beim Abholen der Kinder den Erzieherinnen möglichst aus dem Weg zu gehen, da diese sie immer wieder mit irgendwelchen Anforderungen konfrontieren. So soll sie sich schon seit längerer Zeit mit dem mittleren Kind in einer logopädischen Praxis vorstellen und für das jüngste Kind steht eine U-Untersuchung mit Impfung in der Kinderarztpraxis an.

Solchen Terminen geht Mia Müller möglichst aus dem Weg. Beide Praxen kann sie nur mit dem Bus erreichen und jede Busfahrt mit ihren lebhaften Kindern ist eine Herausforderung für sie. Falls das mittlere Kind dann vielleicht öfter zu einer logopädischen Behandlung müsste, wüsste sie gar nicht, wie sie das schaffen soll. Vor dem Kinderarztbesuch graut ihr auch, denn da gibt es während des langen Wartens immer Theater mit den Kindern. Sie kann dann nur wenig ausrichten und erntet von allen Seiten vorwurfsvolle Blicke.

Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


Gesundheitliche Ungleichheit


Einige Studien zur Versorgungsungleichheit belegen, dass es Barrieren für die Inanspruchnahme von gesundheitlichen Versorgungsleistungen von Kindern und Jugendlichen gibt:

  • Soziodemografische Faktoren: Alter der Kinder und Eltern, ethnische Herkunft, Familiengröße und Familienstruktur, sozioökonomischer Status

  • Personale Faktoren: Einstellungen, Überzeugungen, Selbstwirksamkeitserwartungen, Kommunikationsfähigkeit

  • Strukturelle und organisatorische Faktoren: große räumliche Distanz zwischen dem Wohnort der Familie und der Lage der Praxis, lange Wartezeiten, ungünstige Öffnungszeiten, schlechte Transportmöglichkeiten des Kindes

Arbeiten Sie anhand des Fallbeispiels heraus, welche der oben dargestellten Inanspruchnahmebarrieren Sie im Fall von Mia Müller wahrnehmen. (Fallbeispiel siehe Karteikarte 7)

Für Mia Müller ist es aufgrund bestehender Barrieren schwierig, anstehende gesundheitliche Versorgungsleistungen für ihre Kinder in Anspruch zu nehmen.

  • Soziodemografische Faktoren: Mia Müller hat ihr erstes Kind bereits mit 19 Jahren bekommen (junge Mutter). Familie Müller zählt mit ihren drei Kindern zu den kinderreichen Familien. Ihr Hauptschulabschluss und ihre fehlende Berufsausbildung (Abbruch der Verkäuferausbildung) weist auf einen niedrigen Bildungsgrad hin. Aufgrund des niedrigen Einkommens etc. gilt die Familie als einkommensschwach.

  • Personale Faktoren: Mia Müller weiß, dass es ihren Kindern schwerfällt, sich ruhig zu verhalten. Aus der Erfahrung heraus geht sie davon aus, dass es ihr dann nur sehr eingeschränkt gelingt, das Verhalten ihrer Kinder positiv zu beeinflussen (Selbstwirksamkeitserwartungen). Deshalb erwartet sie von vornherein Schwierigkeiten, wenn sie an die anstehenden Busfahrten und die notwendigen Besuche in der Kinderarzt- und logopädischen Praxis denkt (Überzeugungen). Außerdem empfindet sie die vorwurfsvollen Blicke des Personals beim Kinderarzt jedes Mal als ungerechtfertigte Zurechtweisung gegenüber ihren Kindern und in ihrer Rolle als Mutter (Einstellungen). Mia Müller geht den Erzieherinnen im Kindergarten aus dem Weg, weil sie davon ausgeht, dass diese sie bei jeder Gelegenheit mit neuen Anforderungen konfrontieren (Überzeugungen/Kommunikationsfähigkeit).

  • Strukturelle und organisatorische Faktoren: Für Mia Müller liegt zwischen ihrem Wohnort und der Kinderarzt- beziehungsweise logopädischen Praxis eine große räumliche Distanz. Sie muss den öffentlichen Nahverkehr benutzen, um in die Praxen zu gelangen. Mia Müller muss mit ihren Kindern in der Kinderarztpraxis lange Wartezeiten überbrücken.


Karteikarte 1


Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


Fallbeispiel


Patricia, 21 Jahre alt, ist alleinerziehend und Mutter von zwei Töchtern (2 und 4 Jahre). Gemeinsam mit ihren Kindern wohnt sie in einer kleinen 2-Zimmerwohnung in einem Hochhauskomplex im sozialen Brennpunkt Köln-Chorweiler und ohne Grünflächen vor der Tür.

Ihre Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten, die sie nach ihrem Hauptschulabschluss begonnen hat, hat sie abgebrochen als sie von ihrer ersten Schwangerschaft erfuhr. Der Vater der beiden Kinder ist kurz vor der Geburt der jüngeren Tochter abgehauen und zahlt seitdem keinen Unterhalt. Die alleinerziehende 21-Jährige ist somit auf Bürgergeld angewiesen. Zu ihren Eltern hat Patricia kaum Kontakt, da das Verhältnis noch nie gut war und somit erfährt sie von ihren Eltern ebenfalls keine Unterstützung. Seitdem ihr Ex-Partner sie und ihre Kinder verlassen hat, lebt Patricia sehr zurückgezogen, fühlt sich einsam und trifft nur sehr selten ihre einzige Freundin. Sie schämt sich für ihre Wohnung und ihren Lebensstil. Auch wenn ihre Kinder im Kindergarten sind, verbringt sie die Zeit meistens alleine und verfällt oft in eine depressionsartige Stimmung.

Aufgrund fehlender Motivation treibt sie keinen Sport, bewegt sich generell wenig, guckt sehr viel Fernsehen und ernährt sich meistens nur von Fertiggerichten, Fast Food und Süßigkeiten. Seitdem sie in ihren Schwangerschaften einige Kilos zugenommen hat, wird sie diese auch nicht mehr los und ist inzwischen stark übergewichtig. Patricia fühlt sich in ihrem Körper überhaupt nicht mehr wohl, ist geschwächt und antriebslos. Sie hat sich fest vorgenommen, ihren Hausarzt aufzusuchen, doch seither schiebt sie es immer wieder auf.

Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft (01.07.2023) – Aufgabe 1: Gesundheitskonzepte (Teil 1.2) Frage (1:1 wort für wort): 1.2 In den 1980er-Jahren entwickelte David Seedhouse folgende Kernvorstellungen von Gesundheit:

  • Gesundheit als Idealzustand mit völligem Wohlbefinden ohne jede körperliche, psychische und soziale Störung;

  • Gesundheit als persönliche Stärke, die auf körperlichen und psychischen Eigenschaften beruht;

  • Gesundheit als Leistungsfähigkeit der Erfüllung von gesellschaftlichen Anforderungen;

  • Gesundheit als Gebrauchsgut (Ware), das hergestellt und eingekauft werden kann.

Nehmen Sie zu den Kernvorstellungen von Gesundheit kritisch Stellung.

Eine kritische gesundheitswissenschaftliche Analyse dieser vier Kernvorstellungen offenbart erhebliche theoretische und praktische Defizite:

  • Kritik an Gesundheit als Idealzustand: Diese Vorstellung ist utopisch und statisch. Ein „völliges Wohlbefinden" ohne jede Störung ist im Lebensverlauf kaum erreichbar. Dies führt zu einer pathologisierenden Sichtweise, da Menschen mit chronischen Erkrankungen oder leichten Behinderungen per Definition niemals als gesund gelten könnten, obwohl sie subjektiv eine hohe Lebensqualität empfinden können.

  • Kritik an Gesundheit als persönliche Stärke: Hierbei findet eine einseitige Individualisierung von Gesundheit statt. Wenn Gesundheit nur auf internen Eigenschaften beruht, wird die Verantwortung für Krankheiten komplett dem Individuum zugeschrieben (Opferbeschuldigung / englisch: Victim Blaming). Soziale, ökonomische und umweltbezogene Determinanten werden vollständig ausgeblendet.

  • Kritik an Gesundheit als Leistungsfähigkeit: Diese Perspektive reduziert den Menschen auf seine rein ökonomische Verwertbarkeit und Funktionstüchtigkeit im kapitalistischen Wirtschaftssystem. Wer den gesellschaftlichen Leistungsanforderungen (beispielsweise durch Alter oder Krankheit) nicht mehr entspricht, verliert nach dieser Logik seinen Anspruch auf Gesundheit.


  • Kritik an Gesundheit als Gebrauchsgut (Ware): Diese Kommerzialisierung ignoriert die fundamentale Struktur der gesundheitlichen Ungleichheit. Wenn Gesundheit käuflich ist, hängt sie direkt von der ökonomischen Kaufkraft ab. Dies verschärft den sozialen Gradienten massiv und widerspricht dem Public-Health-Prinzip, dass Gesundheit ein universelles Menschenrecht darstellt.


Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


Reformansätze


Die folgende Grafik zeigt den Überschuss und das Defizit der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland. Erläutern Sie die Grafik. (Werte aus der Statista-Grafik „Diagnose: Defizit“ siehe unten)


Datenwerte der Grafik:

  • Jahr 2014: Defizit von ein Komma zwei null Milliarden Euro (-1,20 Milliarden Euro)

  • Jahr 2015: Defizit von ein Komma eins vier Milliarden Euro (-1,14 Milliarden Euro)

  • Jahr 2016: Überschuss von ein Komma drei acht Milliarden Euro (1,38 Milliarden Euro)

  • Jahr 2017: Überschuss von drei Komma eins fünf Milliarden Euro (3,15 Milliarden Euro)

  • Jahr 2018: Überschuss von zwei Komma null null Milliarden Euro (2,00 Milliarden Euro)

  • Jahr 2019: Defizit von ein Komma fünf mit fünf null Milliarden Euro (-1,50 Milliarden Euro)

  • Jahr 2020: Defizit von zwei Komma sechs fünf Milliarden Euro (-2,65 Milliarden Euro)

  • Jahr 2021: Defizit von fünf Komma sieben mit sieben null Milliarden Euro (-5,70 Milliarden Euro)


Die Infografik von Statista dokumentiert die jährlichen Finanzergebnisse der gesetzlichen Krankenkassen im Zeitraum von 2014 bis 2021:

  • In den Jahren 2014 und 2015 verzeichneten die Kassen moderate Defizite von knapp über einer Milliarde Euro.

  • Im Zeitraum von 2016 bis 2018 kam es zu einer deutlichen Konsolidierung mit beachtlichen Überschüssen, die im Jahr 2017 ihren historischen Höchststand mit plus drei Komma eins fünf Milliarden Euro erreichten.

  • Ab dem Jahr 2019 rutschte das System erneut in die roten Zahlen (minus ein Komma fünf null Milliarden Euro). Im Zuge der weltweiten Corona-Pandemie kam es in den Jahren 2020 und 2021 zu einer dramatischen Explosion des Defizits, welches im Jahr 2021 mit minus fünf Komma sieben Rechnungsdaten Milliarden Euro einen besorgniserregenden und absoluten Tiefpunkt markierte.


Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


Reformansätze


Begründen Sie anhand von drei Argumenten ausführlich, wie dem steigenden Defizit der gesetzlichen Krankenversicherungen begegnet werden könnte. Beziehen Sie hierbei auch die privaten Krankenversicherungen mit ein.

Um die strukturelle Finanzkrise der Gesetzlichen Krankenversicherung nachhaltig zu lösen, können folgende drei ordnungspolitischen Strategien begründet werden:

  1. Einführung einer integrierten Bürgerversicherung unter Abschaffung des dualen Systems: Durch die Zusammenführung von Gesetzlicher Krankenversicherung und Privater Krankenversicherung würde die solidarische Einnahmenbasis massiv verbreitert. Bisher entziehen sich Gutverdiener, Beamte und Selbstständige dem Solidarausgleich der gesetzlichen Kassen. Wenn alle Bürgerinnen und Bürger einkommensabhängig in ein einheitliches System einzahlen, führt dies zu erheblichen Mehreinnahmen und einer Stabilisierung des Systems.

  2. Anhebung oder Aufhebung der Beitragsbemessungsgrenze: Aktuell werden Einkommen nur bis zu einer gesetzlich definierten Obergrenze zur Beitragsberechnung herangezogen. Einkommensanteile darüber hinaus sind beitragsfrei. Eine Anhebung dieser Grenze würde dafür sorgen, dass wirtschaftlich leistungsstärkere Schichten einen proportional angemesseneren Beitrag zur Finanzierung der gesundheitlichen Versorgung leisten, was zu einer direkten Entlastung der Defizite führt.

  3. Erweiterung der Beitragsfinanzierung auf alle Einkommensarten: Die Gesetzliche Krankenversicherung finanziert sich bisher fast ausschließlich über Beiträge auf das Einkommen aus abhängiger Erwerbsarbeit. Um die Finanzierung vom demografischen Wandel und dem Arbeitsmarkt zu entkoppeln, sollten auch andere Einkunftsarten wie Kapitalerträge, Mieteinnahmen, Zinsen und Unternehmensgewinne beitragspflichtig werden. Dies sorgt für eine krisenfeste und gerechtere Verteilung der finanziellen Lasten.


Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


Prävention


Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern gibt es in Deutschland - mit einer Ausnahme keine Imppflicht. Die Ausnahme bildet die Masern-Impfpflicht, die durch das am 01. März 2020 in Kraft getretene Masernschutzgesetz gilt. Die Ständige Impfkommission (STIKO) spricht jährlich aktuelle Impfempfehlungen aus, unter anderem für Säuglinge, Kinder und Jugendliche. Diskutieren Sie anhand von jeweils vier Pro- und Kontra-Argumenten die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht gegen Kinderkrankheiten für Säuglinge, Kinder und Jugendliche und nehmen Sie anschließend begründet Stellung. Bitte diskutieren Sie im Fließtext.

Die Einführung einer allgemeinen gesetzlichen Impfpflicht für Minderjährige berührt komplexe medizinische, ethische, juristische und gesellschaftliche Fragestellungen und muss differenziert abgewogen werden.

Vier Pro-Argumente für eine allgemeine Impfpflicht:

  1. Gewährleistung der Herdenimmunität zum Schutz vulnerabler Gruppen: Bestimmte hochgradig infektiöse Krankheiten (beispielsweise Masern) erfordern eine Herdenimmunität von mindestens 95 Prozent in der Bevölkerung. Eine Impfpflicht sichert diese Quote und schützt somit Säuglinge, die noch zu jung für eine Impfung sind, sowie immunsupprimierte oder chronisch kranke Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können.

  2. Potenzial zur vollständigen Eradikation (Ausrottung) von Krankheitserregern: Wie die historische Ausrottung der Pocken gezeigt hat, können schwere Infektionskrankheiten durch weltweit flächendeckende, verpflichtende Impfquoten dauerhaft und global eliminiert werden, wodurch zukünftige Generationen vollständig geschützt sind.

  3. Staatliche Fürsorgepflicht und Schutz des Kindeswohls: Kinder haben ein verfassungsmäßig geschütztes Grundrecht auf den bestmöglichen Schutz ihrer Gesundheit. Wenn Eltern aufgrund von Desinformation oder Nachlässigkeit notwendige Schutzimpfungen verweigern, muss der Staat im Sinne seiner Wächterfunktion eingreifen, um das Kind vor vermeidbaren, schweren Gesundheitsschäden oder dem Tod zu bewahren.

  4. Nachhaltige Entlastung und Wirtschaftlichkeit des Gesundheitssystems: Durch die Vermeidung von Krankheitsausbrüchen werden teure stationäre Krankenhausbehandlungen, intensivmedizinische Betreuungen und die langfristigen Kosten von bleibenden Folgeschäden (beispielsweise Gehirnentzündungen bei Masern) verhindert. Dies sichert die finanziellen Ressourcen der Solidargemeinschaft.

Vier Kontra-Argumente gegen eine allgemeine Impfpflicht:

  1. Schwerwiegender Eingriff in das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit: Eine Impfpflicht stellt einen massiven staatlichen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper dar. Eine medizinische Intervention gegen den expliziten Willen der Erziehungsberechtigten widerspricht fundamentalen ethischen Prinzipien der modernen Medizin.

  2. Risiko von Impfkomplikationen und unvorhersehbaren Nebenwirkungen: Obwohl moderne Impfstoffe wissenschaftlich als sicher und evidenzbasiert gelten, birgt jede medizinische Intervention ein minimales Restrisiko für gesundheitliche Komplikationen beziehungsweise Impfschäden. Ein staatlicher Zwang ist ethisch hochgradig problematisch, wenn er Individuen der Gefahr eines Schadens aussetzt.

  3. Verletzung des verfassungsmäßigen Elternrechts: Das Grundgesetz überträgt die primäre Pflege und Erziehung der Kinder den Eltern. Eine staatlich erzwungene Impfung stellt einen tiefgreifenden Übergriff in diese familiäre Autonomie und die individuelle Entscheidungsfreiheit der Erziehungsberechtigten dar.

  4. Erzeugung von gesellschaftlicher Reaktanz und Vertrauensverlust: Staatlicher Zwang führt in Teilen der Bevölkerung zu erheblichem Widerstand, Radikalisierung und Misstrauen gegenüber dem gesamten Gesundheitssystem und staatlichen Institutionen. Dies kann dazu führen, dass betroffene Familien auch andere wichtige Angebote (wie die regulären Kinderfrüherkennungsuntersuchungen) aus Angst vor Sanktionen meiden.

Begründete Stellungnahme: Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass eine allgemeine Impfpflicht stets die absolute Grenze (Ultima Ratio) des staatlichen Handelns darstellen muss. Bevor ein so tiefgreifender Grundrechtseingriff legitimiert wird, müssen alle milderen Mittel im Sinne der Gesundheitsbildung vollständig ausgeschöpft werden. Hierzu zählen flächendeckende, transparente, laienverständliche und niedrigschwellige Aufklärungskampagnen durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst, die direkt in den Lebenswelten (Settings) wie Kitas und Schulen ansetzen. Erst wenn sich zeigt, dass trotz optimaler Aufklärung die Herdenimmunität dauerhaft unterschritten wird und eine konkrete, schwerwiegende Bedrohung für das Gesundheitssystem und das Leben vulnerabler Gruppen droht, ist eine gesetzlich verankerte Impfpflicht ethisch und gesundheitspolitisch als gerechtfertigt anzusehen.

Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


Klima und Gesundheit


Aufgrund der steigenden Temperaturen in den Sommermonaten schlugen Amtsärztinnen und Amtsärzte kürzlich vor, auch in Deutschland für Beschäftigte eine verlängerte Mittagspause, angelehnt an die südeuropäische „Siesta", einzuführen.

Erläutern Sie, wie Umwelteinflüsse und Gesundheit zusammenhängen und wieso solch eine Regelung für manche Berufsgruppen sinnvoll sein könnte.

Die Gesundheit und das Wohlbefinden werden durch äußere Umwelteinflüsse maßgeblich beeinflusst. So steigt beispielsweise die Zahl der Hitzetode in Europa seit den letzten Jahren. Die Klimakrise wird in Zukunft dazu führen, dass auch die Sommer in Deutschland immer heißer und trockener werden. Der Juli 2023 war beispielsweise weltweit der heißeste Monat in der Geschichte seit der Wetteraufzeichnung. Diese Klimaänderung beeinflusst die Menschen in allen Lebenslagen - so auch in der Ausübung des Berufs.

Starke Hitze und hohe Temperaturen erhöhen das Risiko auf Überhitzung, Wasser- und Elektrolytverlust und belasten vor allem das Gehirn, den Kreislauf und die Nieren. Auch die Leistungsfähigkeit von Menschen wird beeinträchtigt. So können Konzentrationsprobleme durch schlechten Schlaf bei fehlender Abkühlung in der Nacht eine Folge von Hitze sein, was auch das Risiko eines Arbeitsunfalls erhöhen kann. Aber auch Kreislaufprobleme können bei Hitze vermehrt auftreten und bestehende Erkrankungen sich verschlechtern. Die Frühgeburtenrate steigt ebenso durch Hitze an.

Eine verlängerte Mittagspause, angelehnt an die südeuropäische Siesta, kann für alle Beschäftigte in Deutschland gesundheitsfördernd sein und ist daher als positiv zu bewerten. Jedoch gibt es Berufsgruppen, die besonders vor Hitze geschützt werden müssen. Dazu zählen etwa alle Menschen, die draußen im Freien und in der Sonne arbeiten müssen (zum Beispiel Straßenarbeiterinnen und Straßenarbeiter). Dennoch können Arbeitgebende Maßnahmen schaffen, um alle Beschäftigten auch im Büro zu schützen. Dazu zählt neben der installation von effektivem Sonnenschutz im Büro, auch das Beschaffen von Klimaanlagen und Ventilatoren, die Bereitstellung von Getränken und die Lockerung des Dress-Codes im Büro oder die Möglichkeit gänzlich auf Vertrauensarbeitszeit umzustellen.

Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


Klima und Gesundheit


Aufgrund der steigenden Temperaturen in den Sommermonaten schlugen Amtsärztinnen und Amtsärzte kürzlich vor, auch in Deutschland für Beschäftigte eine verlängerte Mittagspause, angelehnt an die südeuropäische „Siesta", einzuführen.

Erläutern Sie, wie Umwelteinflüsse und Gesundheit zusammenhängen und wieso solch eine Regelung für manche Berufsgruppen sinnvoll sein könnte.

Die Gesundheit und das Wohlbefinden werden durch äußere Umwelteinflüsse maßgeblich beeinflusst. So steigt beispielsweise die Zahl der Hitzetode in Europa seit den letzten Jahren. Die Klimakrise wird in Zukunft dazu führen, dass auch die Sommer in Deutschland immer heißer und trockener werden. Der Juli 2023 war beispielsweise weltweit der heißeste Monat in der Geschichte seit der Wetteraufzeichnung. Diese Klimaänderung beeinflusst die Menschen in allen Lebenslagen - so auch in der Ausübung des Berufs.

Starke Hitze und hohe Temperaturen erhöhen das Risiko auf Überhitzung, Wasser- und Elektrolytverlust und belasten vor allem das Gehirn, den Kreislauf und die Nieren. Auch die Leistungsfähigkeit von Menschen wird beeinträchtigt. So können Konzentrationsprobleme durch schlechten Schlaf bei fehlender Abkühlung in der Nacht eine Folge von Hitze sein, was auch das Oreo eines Arbeitsunfalls erhöhen kann. Aber auch Kreislaufprobleme können bei Hitze vermehrt auftreten und bestehende Erkrankungen sich verschlechtern. Die Frühgeburtenrate steigt ebenso durch Hitze an.

Eine verlängerte Mittagspause, angelehnt an die südeuropäische Siesta, kann für alle Beschäftigte in Deutschland gesundheitsfördernd sein und ist daher als positiv zu bewerten. Jedoch gibt es Berufsgruppen, die besonders vor Hitze geschützt werden müssen. Dazu zählen etwa alle Menschen, die draußen im Freien und in der Sonne arbeiten müssen (zum Beispiel Straßenarbeiterinnen und Straßenarbeiter). Dennoch können Arbeitgebende Maßnahmen schaffen, um alle Beschäftigten auch im Büro zu schützen. Dazu zählt neben der Installation von effektivem Sonnenschutz im Büro, auch das Beschaffen von Klimaanlagen und Ventilatoren, die Bereitstellung von Getränken und die Lockerung des Dress-Codes im Büro oder die Möglichkeit gänzlich auf Vertrauensarbeitszeit umzustellen.

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Gesundheitskonzepte


Erläutern Sie den Setting-Ansatz (Lebenswelt-Ansatz) der Ottawa-Charta der Weltgesundheitsorganisation.

Die Ottawa-Charta für Gesundheitsförderung wurde von der Weltgesundheitsorganisation im Jahr 1986 veröffentlicht. Dieses Dokument stellt einen wichtigen Meilenstein in der Gesundheitsförderung dar und betont die Bedeutung von Maßnahmen und Ansätzen zur Verbesserung der Gesundheit in verschiedenen Lebensbereichen. Der Setting-Ansatz ist eine zentrale Komponente der Ottawa-Charta.

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Der Setting-Ansatz in der Ottawa-Charta bezieht sich auf die Idee, dass die Gesundheit der Menschen maßgeblich von den Umgebungen und Lebenssituationen beeinflusst wird, in denen sie leben, arbeiten, spielen und lernen. Um die Gesundheit zu fördern, sollte die Aufmerksamkeit nicht nur auf individuelles Verhalten und biomedizinische Faktoren gerichtet sein, sondern auch auf die Gestaltung und Verbesserung dieser Umgebungen, die als "Settings" bezeichnet werden. Die Charta identifiziert verschiedene Settings, in denen Gesundheitsförderung stattfinden sollte, darunter etwa Schulen, Arbeitsplätze, Gemeinden und Gesundheitsdienste.


Der Setting-Ansatz betont die Idee, dass Gesundheitsförderung in diesen Settings durch die Schaffung gesunder Bedingungen und die Förderung gesundheitsförderlicher Verhaltensweisen erreicht werden kann. Dies bedeutet, dass nicht nur die individuellen Fähigkeiten und Einstellungen der Menschen berücksichtigt werden, sondern auch die Strukturen und Bedingungen in diesen Lebensbereichen, die ihre Gesundheit beeinflussen.


Außerdem betont der Setting-Ansatz der Ottawa-Charta die Notwendigkeit der Zusammenarbeit und Koordination zwischen verschiedenen Akteurinnen und Akteuren, darunter Regierungen, Gemeinschaften, Arbeitgebende und Bildungseinrichtungen, um gemeinsam die Gesundheit der Bevölkerung zu fördern. Indem Gesundheitsförderung in verschiedenen Lebensbereichen verankert wird, trägt der Setting-Ansatz dazu bei, die Gesundheit breiter Bevölkerungsgruppen zu verbessern und Krankheiten vorzubeugen, anstatt nur auf die Behandlung von Krankheiten abzuzielen

Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


Einflussfaktoren auf die Gesundheit


In einigen Ländern, unter anderem in Großbritannien, wird in vielen Museen für alle Besucherinnen und Besucher freier Eintritt angeboten. Auch in Deutschland finden solche Aktionen an manchen Tagen im Jahr statt, beispielsweise am 31.10.2023.


Beschreiben Sie anhand von zwei Argumenten, inwiefern sich das Angebot von kostenfrei zugänglichen Museen auf die Gesundheit von Menschen auswirken kann.

Das Angebot kostenfreien Zugangs zu Museen kann sich positiv auf die Gesundheit von Menschen auswirken, unter anderem durch etwa:


  • Reduzierung von Stress und sozialer Isolation: Der Besuch von Museen bietet den Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, dem Alltagsstress zu entfliehen und in eine Welt der Kunst, Kultur und Geschichte einzutauchen. Dies kann zu einer Reduzierung von Stress führen, da Museen einen Ort der Entspannung und des Nachdenkens darstellen können. Darüber hinaus fördert der Museumsbesuch die soziale Interaktion, da Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit haben, sich mit anderen Menschen über die ausgestellten Werke auszutauschen (zum Beispiel durch Führungen). Dies kann dazu beitragen, soziale Isolation zu verringern, die insbesondere für die psychische Gesundheit schädlich sein kann.



  • Förderung des geistigen Wohlbefindens: Der Besuch von Museen kann das geistige Wohlbefinden anregen, da die Neugierde geweckt und das Lernen gefördert werden kann. Die Auseinandersetzung mit Kunst, Kultur und Geschichte kann das Interesse an verschiedenen Themen wecken und das Gehirn stimulieren. Dies kann zur geistigen Gesundheit beitragen, insbesondere bei älteren Menschen, da es dazu beitragen kann, geistig aktiv zu bleiben. Darüber hinaus kann der Museumsbesuch die Kreativität anregen und die Fähigkeit zur Problemlösung fördern, was ebenfalls positive Auswirkungen auf die geistige Gesundheit haben kann.



  • Förderung von lebenslangem Lernen und Bildung: Der Zugang zu Museen ermöglicht den Menschen, lebenslanges Lernen zu praktizieren. Museen sind reiche Quellen für Bildung und Wissenserwerb. Wenn Menschen die Möglichkeit haben, Museen kostenfrei zu besuchen, fördert dies lebenslanges Lernen und die Weiterentwicklung von Wissen und Fähigkeiten. Dies ist besonders in einer Zeit des schnellen Wandels und der ständigen Weiterentwicklung von Wissen von Bedeutung. Menschen, die kontinuierlich lernen, sind oft besser in der Lage, sich den Anforderungen des modernen Lebens anzupassen. Dies wiederum kann ihr Selbstbewusstsein stärken und das Gefühl der Selbstwirksamkeit fördern, was sich positiv auf die psychische Gesundheit auswirken kann.


  • Soziale Gleichberechtigung fördert die Gesundheit: Wenn Museen kostenfrei zugänglich sind, werden sie für Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten und Einkommensgruppen zugänglich. Dies fördert die soziale Gleichberechtigung, da es Menschen unabhängig von ihrem finanziellen Hintergrund ermöglicht, an kulturellen Aktivitäten teilzunehmen und kulturelles Kapital zu erwerben. Dies ist wichtig, da soziale Ungleichheit oft mit gesundheitlichen Ungleichheiten einhergeht. Menschen mit niedrigerem Einkommen haben tendenziell einen schlechteren Zugang zu Bildung, kulturellen Aktivitäten und anderen gesundheitsfördernden Ressourcen.


Einführung in das Gesundheitssystem und die Gesundheitswissenschaft


Gesundheitliche Ungleichheit


Verfassen Sie fünf begründete Argumente, inwiefern sich ein Migrationshintergrund einer Person auf die Gesundheit dieser Person auswirken kann.


Die offizielle Lösung der Korrekturrichtlinie führt hierzu folgende fünf Argumente auf:


  1. Zugang zur Gesundheitsversorgung: Personen mit Migrationshintergrund können aufgrund von Sprachbarrieren, fehlendem Wissen über das Gesundheitssystem im Gastland oder rechtlichen Einschränkungen Schwierigkeiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung haben. Dies kann zu Verzögerungen bei der Diagnose und Behandlung von Krankheiten führen.



  2. Kulturelle Unterschiede: Kulturelle Unterschiede zwischen dem Herkunftsland und dem Aufnahmeland können sich auf die Gesundheit auswirken. Unterschiedliche kulturelle Einstellungen zur Gesundheit, Ernährung und medizinischen Behandlungen können das Gesundheitsverhalten beeinflussen.



  3. Psychosoziale Belastungen: Migrantinnen beziehungsweise Migranten und Flüchtende können psychosozialen Belastungen ausgesetzt sein, die sich auf die Gesundheit auswirken, darunter Traumata aus dem Herkunftsland, Stress durch die Einwanderung und soziale Isolation im Aufnahmeland. Dies kann das Risiko für psychische Gesundheitsprobleme erhöhen.



  4. Arbeitsbedingungen und Einkommen: Migrantinnen und Migranten sind oft in Jobs mit niedrigerem Einkommen und schlechteren Arbeitsbedingungen beschäftigt. Dies kann zu stressbedingten Gesundheitsproblemen und einem Mangel an finanziellen Ressourcen für eine angemessene Gesundheitsversorgung führen.


  5. Diskriminierung und soziale Integration: Diskriminierung und soziale Isolation können die Gesundheit negativ beeinflussen. Menschen mit Migrationshintergrund können Diskriminierungserfahrungen machen, die sich auf ihre psychische und physische Gesundheit auswirken. Die Fähigkeit, sich in die Gesellschaft zu integrieren, kann ebenfalls einen großen Einfluss auf die Gesundheit haben.

Zusammenfassung der Korrekturrichtlinie: Zusammenfassend kann der Migrationshintergrund einer Person erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben, da er den Zugang zur Gesundheitsversorgung, kulturelle Faktoren, psychosoziale Belastungen, Arbeitsbedingungen und soziale Integration beeinflusst. Die Anerkennung dieser Zusammenhänge ist wichtig, um die Gesundheit von Menschen mit Migrationshintergrund zu verbessern und Gesundheitsdisparitäten (gesundheitliche Ungleichheiten) abzubauen. Es ist notwendig, Gesundheitssysteme und Gesundheitspolitiken kultursensibel und inklusiv zu gestalten.


Author

Klaudia M.

Information

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