Lebensverlaufsepidemiologie und Risiken
Erläutern Sie den Ansatz der Life course epidemiology (Lebensverlaufsepidemiologie) sowie die Konzepte der Akkumulation und der Surveillance.
Life course epidemiology (Lebensverlaufsepidemiologie) bezeichnet die Analyse von Gesundheitsprozessen über das gesamte Leben eines Individuums hinweg.
Akkumulation ist die Anhäufung von Gesundheitsrisiken über diese gesamte Lebensspanne.
Surveillance beschreibt die systematische Überwachung dieser Krankheitslasten.
Ambulante Versorgung und Ambulantisierung
Definieren Sie die Ambulantisierung und skizzieren Sie die Versorgungsrealität sowie die Finanzierung der ambulanten Pflege in Deutschland (Stand 2021).
Ambulantisierung ist die Verlagerung von ehemals stationären Krankenhausleistungen in den ambulanten Bereich.
Versorgungszahlen: Rund 2,4 Mio. Personen werden zu Hause durch Angehörige gepflegt.
Finanzierung: Dafür werden Geldleistungen in Höhe von 13,92 Mrd. € aufgewendet.
Professionelle Sachleistungen: Diese belaufen sich auf 5,5 Mrd. € und werden zu zwei Dritteln von privaten und zu einem Drittel von freigemeinnützigen Trägern erbracht.
Pflegegrade (PG) in der ambulanten Pflege: Hauptsächlich vertreten sind der Pflegegrad (PG) 2 (44,8 %) und der Pflegegrad (PG) 3 (26,7 %).
Sozialmedizinische Messgrößen (S. 38)
Erklären Sie die Fachbegriffe Inzidenz, Prävalenz und Mortalität.
Inzidenz: Die Anzahl der Neuerkrankungen innerhalb eines spezifischen Zeitraums.
Prävalenz: Die Krankheitshäufigkeit, ausgedrückt durch die Anzahl der Erkrankten zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Mortalität: Das Maß für die Sterblichkeit innerhalb einer Bevölkerung.
Prävention und Community-Ansätze (S. 38)
Was versteht man unter Primärprävention und einem Community-Based Ansatz?
Primärprävention: Dies umfasst alle Maßnahmen, die darauf abzielen, die Entstehung von Krankheiten von vornherein zu vermeiden.
Community-Based: Dieser Begriff bedeutet gemeinschaftsbasiert oder direkt auf kommunaler Ebene angesiedelt.
Strukturprobleme im Gesundheitswesen (S. 38)
Beschreiben Sie die sektorale Trennung und die Erosion der Einnahmen im Kontext der GKV (Gesetzlichen Krankenversicherung).
Sektorale Trennung: Die strikte institutionelle und finanzielle Unterscheidung zwischen dem ambulanten und dem stationären Leistungsbereich.
Erosion: Bezeichnet die Zerstörung oder Aushöhlung der Einnahmebasis der GKV (Gesetzlichen Krankenversicherung).
Ambulante Pflege – Daten und Fakten (S. 38–39)
Skizzieren Sie die Situation der ambulanten Pflege in Deutschland hinsichtlich der Personenanzahl, Kosten und Trägerstrukturen (Stand 2021).
Versorgung zu Hause: Rund 2,4 Mio. Personen werden durch Angehörige gepflegt.
Finanzielle Mittel: Hierfür werden Geldleistungen in Höhe von 13,92 Mrd. € aufgewendet.
Professionelle Sachleistungen: Diese belaufen sich auf 5,5 Mrd. €; sie werden zu zwei Dritteln von privaten und zu einem Drittel von freigemeinnützigen Trägern erbracht.
Ambulante Pflegegrade (S. 38–39)
Wie verteilen sich die Pflegegrade primär in der ambulanten Versorgung?
In der ambulanten Pflege sind hauptsächlich Pflegegrad 2 (44,8 %) und Pflegegrad 3 (26,7 %) vertreten.
Stationäre Pflege – Infrastruktur (S. 38–39)
Nennen Sie die Eckdaten der stationären Pflege in Deutschland bezüglich Einrichtungen und Trägerschaften.
Einrichtungen: Die stationäre Pflege erfolgt in circa 14.500 Heimen.
Trägerschaft: Diese sind zu 53 % freigemeinnützig und zu 43 % privat organisiert.
Finanzierung der Pflege (S. 38–39)
Erläutern Sie die Finanzierung der Pflegeleistungen durch die SPV (Soziale Pflegeversicherung) und die Entstehung von Eigenanteilen.
Teilleistung: Die SPV (Soziale Pflegeversicherung) finanziert lediglich die Grundpflege.
Eigenanteile: Die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und die verbleibenden Restkosten müssen die Pflegebedürftigen selbst tragen.
Sozialrechtliche Absicherung bei Pflegebedürftigkeit (S. 38–39)
Was geschieht, wenn das Privatvermögen nicht für die Heimkosten ausreicht?
In diesem Fall greift die „Hilfe zur Pflege“ nach dem SGB XII (Sozialgesetzbuch Zwölftes Buch). Im Jahr 2021 beliefen sich diese Ausgaben auf 5,33 Mrd. €.
Analyse der stationären Pflegerealität (S. 40)
Analysieren Sie die Verteilung der Pflegegrade in der vollstationären Dauerpflege (Stand 2021) gemäß Abbildung 3.8.
In der vollstationären Dauerpflege liegt der Schwerpunkt eindeutig bei den hohen Pflegegraden, da eine Heimaufnahme meist erst bei massiven Beeinträchtigungen erfolgt:
Pflegegrad 3 (stärkste Gruppe): 295.050 Personen (35,0 %).
Pflegegrad 4: Rund 238.477 Personen (28,3 %).
Pflegegrad 5: 119.638 Personen (14,2 %) mit schwersten Beeinträchtigungen.
Pflegegrad 1: Nur 0,5 % der Bewohner, da hier fast immer die ambulante Versorgung vorgezogen wird.
Gesundheitsökonomische Trends (S. 41)
Beschreiben Sie die Entwicklung der Gesundheitsausgaben in Deutschland.
Seit dem Jahr 2013 ist ein überlinearer Anstieg der Gesundheitsausgaben pro Kopf zu verzeichnen; im Jahr 2021 lagen diese bei 5.398 €.
Tabelle 3.1 – Finanzentwicklung der SPV (S. 41)
Geben Sie die Tabelle 3.1 zur Ausgabenentwicklung der SPV (Soziale Pflegeversicherung)
Messung der Krankheitslast – DALY (S. 41)
Erläutern Sie das DALY (Disability-Adjusted-Life-Year)-Konzept.
Das DALY (Disability-Adjusted-Life-Year)-Konzept ist ein Maß für verlorene gesunde Lebensjahre.
Es kombiniert die Mortalität (Sterblichkeit) und die Morbidität (Krankheitshäufigkeit).
1 DALY entspricht 1 verlorenen Lebensjahr bei guter Gesundheit.
Krankheitslast in Deutschland – BURDEN 2020 (S. 41–43)
Welche Volkskrankheiten wurden in der BURDEN 2020 Studie als am häufigsten identifiziert?
Basierend auf Daten von 27 Mio. Versicherten der AOK (Allgemeinen Ortskrankenkasse) wurden folgende Top-Erkrankungen ermittelt:
Depressionen: 7,46 Mio. Personen.
Typ-2-Diabetes: 7,11 Mio. Personen.
KHK (Koronare Herzkrankheit): 4,91 Mio. Personen.
Die Präventionslücke in Deutschland (S. 44)
Wie wird die Primärprävention in Deutschland durch die GKV (Gesetzliche Krankenversicherung) finanziert?
Es besteht eine erhebliche Lücke: Weniger als 1 % der Gesamtausgaben der GKV (Gesetzlichen Krankenversicherung)fließen in die tatsächliche Primärprävention.
Das Island-Modell (S. 44–46)
Erläutern Sie den Ansatz und den Erfolg des Island-Modells.
Das Modell setzt auf Verhältnisprävention (Änderung des Umfelds) anstatt auf individuelle Appelle.
Durch kommunale Sport- und Freizeitprogramme sank der Alkoholkonsum isländischer Jugendlicher massiv auf nur noch 8 % (zum Vergleich: in Deutschland liegt dieser Wert bei 54 %).
Die 5 Prinzipien des Island-Modells (S. 45)
Demographie und Sozialsystem (S. 46–49)
Welche Auswirkungen hat die demographische Alterung auf das Bismarck-System?
Alterung: Im Jahr 2030 wird jeder dritte Deutsche (35 %) über 60 Jahre alt sein.
Bismarck-System: Dieses wurde ursprünglich für eine „Bevölkerungspyramide“ (viele Junge finanzieren wenige Alte) konzipiert.
Finanzielles Risiko: Da immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentner finanzieren müssen, droht dem System der finanzielle Kollaps.
Fachkräftemangel im Gesundheitswesen (S. 46–49)
Wie stellt sich die Prognose für den Personalnotstand bis 2035 dar?
Bis zum Jahr 2035 werden schätzungsweise 1,8 Mio. Stellen im Gesundheitswesen unbesetzt sein; dies entspricht 35,4 % der Gesamtbeschäftigung.
Prüfungsrelevanz – Das Präventions-Dilemma (S. 51)
Warum schneidet Deutschland bei der Lebenserwartung schlechter ab als Italien, obwohl die Ausgaben höher sind?
Deutschland fokussiert stark auf die kurative Medizin (Heilung), während Länder wie Italien oder Spanien eine bessere Verzahnung von Prävention und dem sozialen Umfeld haben.
In Deutschland fließen lediglich circa 1,1 % der Ausgaben in die Prävention.
Prüfungsrelevanz – Die DALY-Metrik (S. 51)
Erklären Sie das DALY (Disability-Adjusted-Life-Year)-Konzept und dessen Nutzen für die Politik.
Das DALY (Disability-Adjusted-Life-Year) misst verlorene gesunde Lebensjahre durch Krankheit (YLD – Years Lived with Disability) oder vorzeitigen Tod (YLL – Years of Life Lost).
Der Nutzen für Politiker liegt darin, Schwerpunkte setzen zu können: Wenn beispielsweise Depressionen oder Rückenschmerzen hohe DALY-Werte verursachen, müssen dort Ressourcen investiert werden, auch wenn die Sterblichkeit in diesen Bereichen gering ist.
Strategische Lerntipps (S. 51)
Fassen Sie die essenziellen Punkte zum Bismarck-System, der SGB-Hierarchie und dem Island-Modellzusammen.
Das „Bismarck-Kollaps“-Argument: Das System entstand im Jahr 1883 bei einer damaligen Lebenserwartung von 40 Jahren. Da Menschen heute circa 40 Jahre länger leben, wird die Finanzierungsbasis (Arbeitseinkommen) gesprengt.
SGB-Hierarchie: Das SGB V (Sozialgesetzbuch Fünftes Buch) für Krankheiten fungiert als „Vollkasko“, während das SGB XI (Sozialgesetzbuch Elftes Buch) für die Pflege als „Teilkasko“ konzipiert ist. Dieser Unterschied ist essenziell.
Island-Modell: Die 5 Prinzipien laut Tabelle 4.1 sollten auswendig gelernt werden, da sie ein Top-Kandidat für Transferfragen zur Verbesserung des deutschen Systems sind.
Nennen Sie die 5 Prinzipien des Island-Modells
Erläutern Sie das „Bismarck-Kollaps“-Argument im Kontext der Finanzierungsbasis des deutschen Sozialsystems
Das System entstand im Jahr 1883 bei einer damaligen Lebenserwartung von 40 Jahren.
Da Menschen heute circa 40 Jahre länger leben, wird die Finanzierungsbasis, welche auf dem Arbeitseinkommen beruht, gesprengt.
In der Prüfung muss erklärt werden können, dass die damalige Struktur (viele Junge, wenige Alte) heute nicht mehr existiert.
SGB-Hierarchie – Vollkasko vs. Teilkasko (S. 51)
Erklären Sie den essenziellen Unterschied in der SGB-Hierarchie (Sozialgesetzbuch) zwischen Kranken- und Pflegeversicherung.
Das Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V), zuständig für Krankheit, fungiert als „Vollkasko“.
Das Sozialgesetzbuch Elftes Buch (SGB XI), zuständig für die Pflege, ist lediglich als „Teilkasko“ konzipiert.
Dieser Unterschied ist essenziell für das Verständnis der Eigenanteile im Pflegefall.
Krankenhausträgerformen
Nennen Sie die Trägerformen, die im Bereich der stationären und ambulanten pflegerischen Versorgung tätig sind, und geben Sie deren statistische Verteilung an.
Freigemeinnützige Träger: Diese stellen 53 % der ca. 14.500 Heime in der stationären Pflege. Im ambulanten Bereich erbringen sie ein Drittel der professionellen Sachleistungen.
Private Träger: Diese betreiben 43 % der stationären Pflegeheime. Bei den professionellen Sachleistungen im ambulanten Sektor erbringen sie zwei Drittel der Leistungen.
Öffentliche / Staatliche Träger: Die Verantwortung für die stationäre Versorgungsstruktur liegt im Rahmen des staatlichen Sicherstellungsauftrags gemäß § 1 Abs. 1 KHG (Krankenhausgestaltungsgesetz) bei den Bundesländern.
Erläutern Sie die einzelnen Stufen (Basis-, Regel-, Schwerpunkt- und Maximalversorgung) und deren Aufgaben.
1. Basisversorgung (Grundversorgung): Krankenhäuser für die Bevölkerung eines kleineren Einzugsgebiets. Fokus auf die Basisdisziplinen wie Innere Medizin und Chirurgie. Sie decken die häufigsten Krankheitsfälle ab.
2. Regelversorgung: Größere Häuser, die über die Basisversorgung hinaus zusätzliche Fachabteilungen wie Gynäkologie, HNO (Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde) oder Augenheilkunde anbieten.
3. Schwerpunktversorgung: Leistungsfähige Zentren, die spezialisierte Leistungen (z. B. Kardiologie, Neurologie) und moderne Diagnostik für eine ganze Region bereitstellen.
4. Maximalversorgung: Meist Universitätskliniken oder Großkrankenhäuser. Sie bieten das gesamte Spektrum medizinischer Fachdisziplinen sowie hochspezialisierte Spitzenmedizin und Forschung an.
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