Wandel von Gesundheit und Krankheit
Erläutern Sie den historischen Wandel des Krankheitsspektrums in der Gesellschaft und nennen Sie die heute dominierende Krankheitsart.
Infolge der Industrialisierung, deutlicher Hygieneverbesserungen und der Entdeckung von Antibiotika kam es zu einem signifikanten Rückgang von Infektionskrankheiten.
Heutzutage stehen vor allem chronische Zivilisationskrankheiten, die sogenannten Nicht übertragbaren Krankheiten (englisch: Non-communicable Diseases - NCD), im Vordergrund des gesundheitlichen Geschehens.
Messung der Krankheitslast
Definieren Sie das Konzept der Globalen Krankheitslast (englisch: Global Burden of Disease) und erläutern Sie die Kennzahl Behinderungsbereinigte Lebensjahre (englisch: Disability-adjusted life years - DALY).
Das Konzept der Globalen Krankheitslast (englisch: Global Burden of Disease) wird genutzt, um die gesundheitliche Lage einer Bevölkerung messbar zu machen.
Die zentrale Kennzahl hierfür sind die Behinderungsbereinigten Lebensjahre (englisch: Disability-adjusted life years - DALY). Diese erfassen die Lebensjahre, die durch einen vorzeitigen Tod oder durch das Leben mit einer Krankheit verloren gehen.
Krankheitslast und Kosten in Deutschland
Welche Erkrankungen verursachen in Deutschland die größte Krankheitslast und wie entwickeln sich die damit verbundenen Kosten?
In Deutschland wird die größte Krankheitslast durch folgende Krankheiten verursacht:
Koronare Herzkrankheiten.
Rückenschmerzen.
Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (englisch: Chronic Obstructive Pulmonary Disease - COPD).
Krebserkrankungen.
Aufgrund der demografischen Entwicklung und dieser spezifischen Krankheitslast steigen die Krankheitskosten in Deutschland stetig an.
Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Krankheiten
Nennen Sie Beispiele für geschlechtsspezifische Unterschiede in der Krankheitsverteilung in Deutschland.
Es zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern:
Frauen leiden beispielsweise häufiger an der Alzheimer-Krankheit.
Männer sind hingegen häufiger von Lungenkrebs betroffen.
Gesundheitskompetenz (Health Literacy)
Definieren Sie den Begriff Gesundheitskompetenz (englisch: Health Literacy) und beschreiben Sie die aktuelle empirische Datenlage in Deutschland.
Gesundheitskompetenz (englisch: Health Literacy) beschreibt die individuelle Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und diese für fundierte Entscheidungen anzuwenden.
Empirische Studien, wie die der Universität Bielefeld, belegen, dass mehr als 60 Prozent (%) der deutschen Bevölkerung über eine geringe Gesundheitskompetenz verfügen. Dies ist besonders stark bei Menschen mit einem niedrigen Sozial- oder Bildungsstatus ausgeprägt.
Prävention versus Gesundheitsförderung
Erläutern Sie den wesentlichen Unterschied zwischen Prävention und Gesundheitsförderung.
Der Unterschied liegt in der Zielsetzung:
Prävention: Ziel ist die Verminderung von Risiken zur Vermeidung von Krankheiten.
Gesundheitsförderung: Ziel ist die Stärkung von Ressourcen und die Befähigung des Einzelnen zur Kontrolle über die eigene Gesundheit.
Arten der Prävention
Unterscheiden Sie die verschiedenen Arten der Prävention und geben Sie Beispiele an.
Es wird zwischen verschiedenen Ebenen und Ansätzen unterschieden:
Ebenen: Primärprävention, Sekundärprävention und Tertiärprävention. Ein Beispiel für Primärprävention ist die Impfung; für die Sekundärprävention ist es das Krebsscreening.
Ansätze: Verhaltensprävention (setzt am individuellen Verhalten an) und Verhältnisprävention (setzt an den Lebensumständen und Strukturen an).
Salutogenese und Kohärenzgefühl
Erklären Sie die Grundfrage des Salutogenese-Modells nach Aaron Antonovsky und definieren Sie das Kohärenzgefühl.
Das Salutogenese-Modell fragt primär danach, wie Gesundheit entsteht.
Das zentrale Element ist das Kohärenzgefühl, welches die individuelle Grundhaltung beschreibt, die Welt als verstehbar, bewältigbar und sinnvoll zu erleben.
andlungsmodelle (Rubikon-Modell
Nennen Sie die vier Phasen der Handlungsrealisierung gemäß dem Rubikon-Modell.
Das Modell beschreibt den Prozess einer Handlung in vier aufeinanderfolgenden Phasen:
Abwägen (prädezisionale Phase).
Planen (präaktionale Phase).
Handeln (aktionale Phase).
Bewerten (postaktionale Phase).
Barrieren im Gesundheitshandeln
Erläutern Sie das Eingeschränkte Wahlmöglichkeiten-Modell (englisch: Constraint-Choice-Modell).
Das Eingeschränkte Wahlmöglichkeiten-Modell (englisch: Constraint-Choice-Modell) erklärt, warum die Umsetzung von vorhandenem Gesundheitswissen im Alltag oft scheitert. Gründe hierfür sind strukturelle Restriktionen wie beispielsweise Zeitmangel, finanzielle Einschränkungen oder Belastungen durch die Arbeit.
amilie als Lebenswelt und Setting
Welche Rolle spielt die Familie als Sozialisationsinstanz für das Gesundheitsverhalten?
Die Familie gilt als die wichtigste Sozialisationsinstanz. Hier findet die grundlegende Prägung der frühkindlichen Entwicklung statt, insbesondere durch:
Beobachtungslernen und die Vorbildfunktion der Eltern.
Die Vermittlung von Ernährungs- und Bewegungsmustern.
Das Gesundheitsverhalten wird zudem maßgeblich durch Faktoren wie Geschlecht, Alter, Bildungsstand und den allgemeinen Sozialstatus beeinflusst.
Qualitätssicherung und Evaluation
Unterscheiden Sie im Rahmen der Qualitätssicherung zwischen Prozess- und Ergebnisevaluation.
Zur Überprüfung der Wirksamkeit und Effizienz von Projekten werden zwei Konzepte genutzt:
Prozessevaluation: Untersucht den Verlauf und die Umsetzung der Maßnahme.
Ergebnisevaluation: Bewertet die erzielten Effekte und den Erfolg der Intervention.
Prüfungstipps
Zu beherrschende Kernkompetenzen
Unterscheidung: Du musst den Unterschied zwischen Prävention (Risikoverminderung) und Gesundheitsförderung (Ressourcenstärkung) präzise erklären können.
Modellverständnis: Beherrsche das Salutogenese-Modell (Wie entsteht Gesundheit?) und das Rubikon-Modell(Phasen der Handlung).
Soziale Lage: Verstehe die Relevanz der Familie und des Sozialstatus für die Gesundheitskompetenz (Health Literacy).
Prüfungsfrage
Warum reichen individuelle Appelle zur Verhaltensänderung oft nicht aus, um die gesundheitliche Ungleichheit zu verringern? Beziehen Sie sich in Ihrer Antwort auf das Constraint-Choice-Modell.
Individuelle Appelle setzen voraus, dass Menschen frei entscheiden können. Das Eingeschränkte Wahlmöglichkeiten-Modell (englisch: Constraint-Choice-Modell) zeigt jedoch, dass soziale und wirtschaftliche Rahmenbedingungen (wie prekäre Arbeit oder Geldnot) die gesunden Wahlmöglichkeiten massiv einschränken. Ohne Verhältnisprävention (Änderung der Strukturen) bleiben Menschen in belasteten Lebenslagen trotz Wissen in ungesunden Mustern gefangen.
Erklären Sie den Zusammenhang zwischen dem epidemiologischen Übergang und den steigenden Krankheitskosten in Deutschland.
Der Übergang von akuten Infektionskrankheiten zu langwierigen, chronischen Nicht übertragbaren Krankheiten (englisch: Non-communicable Diseases - NCD) bedeutet eine dauerhafte Behandlungs- und Pflegebedürftigkeit vieler Patienten. In Kombination mit einer alternden Gesellschaft (demografischer Wandel) führt diese Zunahme chronischer Leiden zu einer kontinuierlichen finanziellen Belastung des Gesundheitssystems.
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