Definieren Sie Desinfektion und grenzen Sie sie von Sterilisation ab. Welche Zielsetzung verfolgt Desinfektion?
Reduktion der Keimzahl auf ein sicheres Maß.
Bei Desinfektion werden nicht alle Keime entfernt, bei Sterilisation schon.
Erklären Sie die Begriffe mikrobizid und mikrobiostatisch. Welche Faktoren beeinflussen die Desinfektionswirkung?
mikrobizid: Abtötung von Mikroorganismen
mikrobiostatisch: Hemmung des Wachstums
Faktoren sind Einwirkzeit, Konzentration und Umgebung (Temperatur, ph-Wert…)
Nennen Sie 3 wichtige Desinfektionsmittelgruppen und ordnen Sie ihnen typische Wirkmechanismen und Targets zu.
Alkohole (Ethanol 70% & Isopropanol)
Aldehyde (Glutaraldehyd)
Chlorverbindungen
Wie unterscheidet sich die Empfindlichkeit verschiedener Errger gegenüber Desinfektionsmittel?
grampositive Bakterien: sehr empfindlich
gramnegative Bakterien: empfindlich
Mykobakterien: sehr widerstandsfähig
Pilze: eingeschränkte Empfindlichkeit
Viren: umhüllt gut wirksam, unbehüllt widerstandsfähiger
Sporen: extrem resistent
Welche regulatorischen aktuellen Diskussionen betreffen Desinfektionsmittel und insbesondere Ethanol?
für Hände und Flächen zugelassen, für Arzneimittel noch diskutiert
Was sind Antimykotika und welche Anwendungssituationen werden bei Pilzinfektionen unterschieden?
fungistatisch/ fungizid
breitband/ spezifisch
lokal/ systemisch
Was bedeutet die medizinisch übliche DHS-Einteilung der Pilze? Nennen Sie je ein Beispiel
▪ EN 13727 – bakterizide Wirkung
▪ EN 14476 – viruzide Wirkung
▪ EN 13624 – fungizide Wirkung
▪ EN 14348 – tuberkulozide/mykobakterizide Wirkung
Welche Hauptangriffspunkte von Antimykotika werden in der Vorlesung unterschieden? Ordnen Sie jeweils Wirkstoffklassen oder Beispiele zu.
Zur Anwendung in der Humanmedizin dienen Inhibitoren :
▪ Ergosterolbiosynthese: Azole, Morpholine, Allylamine
▪ β-1,3-d-Glucan-Synthase-Komplexes: Echinocandine
▪ Zellwandfunktion: Polyen-Makrolide
▪ Mikrotubuli-Apparats: Griseofulvin
▪ DNA-/RNA-Funktion: Flucytosin
Erläutern Sie den Wirkmechanismus der Allylamine und nennen Sie wichtige pharmakologische Besonderheiten von Naftifin und Terbinafin
Störung der Zellmembran
—> Inhibitoren der Ergosterolbiosynthese
Naftifin (Exoderil®): ausgeprägter First-Pass Effekt und wird daher topisch eingesetzt
Terbinafin (Lamisil®): Licht geschützt lagern, kann oral verabreicht werden, Bioverfügbarkeit 50%, t1/2 = 22h, stark Lipophile => bindet zu 99% an Plasmaproteine
Wie wirken Azol-Antimykotika, und wodurch unterscheiden sich topische Imidazole von systemischen Triazolen?
inhibieren CYP abhängiger Monooxygenasen über Häm-Eisen —> zu wenig Ergosterol
systemische Triazole weniger lipophil als Imidazole (verantwortlich sind Triazolringe und Hydroxygruppe)
besser wasserlöslich und kann daher intravenös appliziert werden
Welche Struktur-Wirkungs-Beziehungen sind für Azol-Antimykotika wesentlich?
Vergleichen Sie Clotrimazol und Ketoconazol hinsichtlich Anwendung, pharmakologischer Besonderheiten und Limitationen.
Clotrimazol: ausgeprägter First-Pass Effekt, systemisch wirkungslos
Ketoconazol: hepatotoxisch, nur topische Anwendung
Nennen Sie wichtige Eigenschaften, Indikationen und Grenzen von Fluconazol.
Ist liquorgängig => bei Pilzinfektionen des Gehirns einsetzbar
Welche Arzneistoffinteraktionen und endokrinen Effekte sind besonders bei systemischen Azolen und Ketoconazol zu beachten?
niedrigerer pKS-Wert im Bereich von 1,8–2,9 => bei physiologischem pH-Wert liegt geringer Anteil protoniert vor
Selektivität für 14α-Demethylase der Pilzzelle gegenüber CYP-Enzymen im Humanorganismus erhöht
Ketoconazol (pKS = 6,5) liegt in der Pilzzelle von Aspergillus fumigatus, die pH-Gradienten bis 5 aufweist, zu 90% protoniert vor => unwirksam
Erläutern Sie den Wirkmechanismus der Polyen-Makrolide und die Besonderheiten von Amphotericin B.
—> Direkte Membranbeeinflussung
Amphotericin B wird bei schweren Organmykosen oder generalisierten Candida-Mykosen indiziert (durch hydrophobe Gruppe maskiert)
Was charakterisiert Echinocandine strukturell und pharmakologisch?
Störung der Zellwand:
—> Inhibitoren des β-1,3-D-Glucan-Synthase-Komplexes
sind lipophil substituierte, zyklische Polypeptide amphiphiler Natur
▪ zyklisches Hexapeptid aus ungewöhnlichen Aminosäuren
▪ Mit Acyl-Seitenkette über eine Amidbindung verknüpft ist
▪ lange lipophile Seitenkette => amphiphiler Charakter => hämolytischen Eigenschaften
Wie wirkt Flucytosin, und weshalb ist die Wirkung gegenüber Humanzellen selektiv?
Inhibitoren der DNA/RNA-Funktion
Wirkungsmechanismus
▪ Flucytosin ist ein Prodrug
▪ Cytosin-Desaminase kommt nur in bestimmten Pilzen und Bakterien vor, weshalb in der Humanzelle eine Transformation von Flucytosin in Fluorouracil kaum stattfindet
Beschreiben Sie Griseofulvin hinsichtlich Herkunft, Wirkspektrum, Wirkmechanismus und Anwendung.
Inhibitoren des Mikrotubulin-Apparats
ist eine Spiroverbindung
in mikronisierter oder ultramikronisierter Form eingesetzt
muss magistral hergestellt werden
enges Wirkspektrum
wird oral appliziert und dient zur Therapie der durch Dermatophyten verursachten Mykosen der Haare und der Nägel (Onychomykosen)
Beschreiben Sie den grundlegenden Aufbau von Viren und die Schritte der Virusreplikation.
Besitzen nur eine Form von Nukleinsäuren (DNA oder RNA)
Nukleinsäure von Proteinhülle umgeben (i.e., Kapsid)
gibt nackte und behüllte Viren
Besitzen keinen eigenen Stoffwechsel
Außerhalb einer lebenden Zelle nicht vermehrungsfähig
Virusreplikation:
1. Adsorption
2. Penetration
3. Uncoating
4. Replikation und Transkription
5. Zusammenbau und Reifung
6. Knospung und Freisetzung
Warum ist die selektive antivirale Therapie schwierig, und welche Angriffspunkte spezifischer Virostatika werden genannt?
Viren verwenden die biochemische Maschinerie der Wirtszelle zur Produktion neuer Viren => nur wenige Angriffpunkte für die gezielte Therapie
Angriffspunkte spezifischer Virusstatika:
▪ DNA-Polymerase-Inhibitoren
▪ Reverse-Transkriptase-Inhibitoren
▪ Neuraminidase-Inhibitoren
▪ Inhibitoren des Uncoatings (M2-
▪ Ionenkanal)
▪ HIV-Protease-Inhibitoren
▪ HIV-Integrase-Inhibitoren
▪ Entry-Inhibitoren
▪ HCV-Protease-Inhibitoren (NS3/4A- Inhibitoren)
▪ NS5A-Inhibitoren
▪ NS5B-Polymerase-Inhibitoren
Wie wirken Nukleosidanaloga gegen Herpesviren, insbesondere Aciclovir und Valaciclovir?
Nucleosidanaloga sind Antimetabolite
=> falsche Substrate, die umgesetzt werden und die Aktivität der viralen Polymerase dadurch hemmen
Aufgrund hoher Ähnlichkeit zu viralen Nukleinbausteinen verdrängen sie diese, ohne aber deren Funktion einnehmen zu können
Mechanismus: Kettenabbruch
Alciclovir zur lokalen Anwendung (Bioverfügbarkeit 20%)
Als Prodrug (Valaciclovir) hat es eine höhere orale Bioverfügbarkeit (55-70%)
Was charakterisiert die HIV-Infektion und die antiretrovirale Standardtherapie?
Effekt: Zerstörung des Immunsystems => Auftreten opportunistischer Infektionen sowie Tumore
Ursache: Infektion von Makrophagen und T-Helferzellen (auch CD4- positive Lymphozyten genannt) mit dem Humanen Immunschwache-Virus (HIV)
Die Standardtherapie: Kombination von mindestens 3 antiretroviralen Arzneistoffen HAART (highly active antiretroviral therapy)
▪ nukleosidanalogen Reverse-TranskriptaseInhibitoren (NRTI)
▪ einen nichtnukleosidanalogen Reverse-Transkriptase-Inhibitor (NNRTI)
▪ einen HIV-Protease-Inhibitor oder einen HIV-Integrase-Inhibitor ein
Welche Ektoparasiten und Übertragungswege werden genannt, und wie wirken Pyrethroide sowie Dimeticon?
Ektoparasiten: Parasitische Arthropoden (Gliederfüßer), meist sechsbeinige Insekten (Insecta; Läuse, Flöhe, Wanzen) oder achtbeinige Spinnentiere (Arachnida: Zecken, Milben)
Übertragung:
▪ Haut-zu-Haut-Kontakt
▪ Bettwäsche
▪ Kleidung
▪ Geschlechtsverkehr
Pyrethroide:
▪ Pyrethroide wirken blitzschnell und rufen bei nahezu allen Insekten und Spinnentieren eine sofortige Paralyse hervor (sog. Knock- Down-Effekt)
▪ Um diese Reversibilität aufzuheben, werden die Pyrethroide mit dem nichtinsektiziden aber synergistisch wirkenden CYP-Inhibitor Piperonylbutoxid kombiniert
Dimeticon:
Dimeticon spreitet sehr gut => verteilt sich auf Kopfhaut und Haaren sehr gut => überzieht die mikroskopische Chitinhülle der Kopfläuse => dringt in die feinen Stigmen und Tracheen ein => verdrängt Sauerstoff verdrängt => Ersticken
Welche Wirkprinzipien, Beispiele und Einsatzbereiche werden für Antihelminthika genannt?
Antihelminthika haben antiparasitäre, antihelminthische, antiprotozoische und ovizide Eigenschaften.
selektiv auf Stoffwechselprozesse der Parasiten
z.B. Zellteilung, Ionenkanäle oder die Muskelkontraktion
(neuromuskuläre Transmission)
—> Abtötung oder einer Lähmung der Würmer, was ihre Elimination ermöglicht
Welche Gruppen und Beispiele von Antiprotozoenmitteln werden in der Vorlesung unterschieden?
1. Mittel gegen Amöbiasis, Trichomoniasis und Giardiasis
2. Malariamittel
3. Mittel gegen Leishmaniasis und Trypanosomiasis
4. Diverse Tierarzneimittel
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