Geschlecht Entstehung und Sicht
Die Kategorie Geschlecht ist eine für alle Menschen grundlegende gesellschaftliche Differenzdimension
Vorstellungen über traditionell binär organisierte Geschlechterbilder (typisch männlich/ typisch weiblich) sind tief in gesellschaftlichen Ordnungsmustern verankert
Diese Vorstellungen sind immer auch geprägt von den Leitbildern der jeweiligen zeithistorischen Epoche
Geschlechterbilder und Rollenvorstellungen entstehen in sozialen Prozessen, sie werden durch soziale Normen und kulturelle Erwartungen mitgeprägt
Sie sind damit nicht ausschließlich naturgegeben und biologisch determiniert
Geschlecht Definition
Geschlecht ist „sex“ und „gender“
biologisch bedingte körperliche Merkmale
gesellschaftliche Rollenvorstellungen
sowie
die rechtliche Zuordnung einer Person
Gender Definition
Das soziale Geschlecht ist:
historisch bedingt und veränderbar
abhängig von der Lebenslage: Schicht und Status, Kultur/Ethnizität, Religion, Alter, u.a.
vermittelt durch Erziehung und Sozialisation
durch tägliches Handeln und über Interaktion und Diskurse konstruiert und reproduziert
Gender als sozialer Prozess
beeinflusst durch normativ geprägte Vorstellungen und Einstellungsmuster
Soziale Erwartungen beeinflussen, welche Rollen und Positionen Menschen im gesellschaftlichen Gefüge (privat und beruflich) einnehmen
Rollenerwartungen können Entwicklung und individuelle Entfaltung fördern oder auch einschränken
Doing-Gender Definition
die aktive Herstellung und Reproduktion geschlechterbezogener Rollenvorstellungen durch uns als Individuen sowie durch gesellschaftliche Sozialisationsinstanzen.
Doing-Gender entsteht durch wiederkehrende Handlungen, in denen Individuen geschlechtsspezifische Erwartungen aufnehmen, reproduzieren oder auch verändern
Doing-Gender Beispiele
Verhalten, Sprache, Körperinszenierung
Werbung, Spiel-und Freizeitaktivitäten
Einfluss von analogen wir digitalen Medien
Kommunikation und Konfliktverhalten
Einfluss analoger wie digitaler und KI generierter Medien
Bilderbücher, Kinder- und Jugendliteratur
YouTube, Instagram, TikTok und Co
Film und Fernsehen, Kino, Streamingdienste
KI und Deepfakes
Doing-Gender und mögliche Folgen 1
Einfluss auf Identitätsentwicklung (wer bin ich, wofür bin ich zuständig?)
Einfluss auf (individuelle) Entscheidungen zu Lebens- und Bildungspfaden
statt Orientierung an Interessen und Kompetenzen
statt Anerkennung von Diversität bezogen auf Geschlechterbilder und Identitätskonstruktionen
Doing-Gender und mögliche Folgen 2
Unterschiedlichen Teilhabeoptionen an gesellschaftlichen Ressourcen und Positionen
Einkommen, Rente, Vermögen, Macht, Karriere
Sorge für Familie, Kindererziehung und private Care-Tätigkeiten
Gender wird damit zu einer zentralen Strukturund Ungleichheitskategorie
Gender-Gaps in Deutschland
Gender Pay Gap (unbereinigt) 2025 bei 15 % (öffentlicher Dienst: 4%, Privatwirtschaft: 17%); bereinigter Gender Pay Gap liegt bei 6 %
Gender Pension Gap 2025: Unterschied der Alterseinkünfte von Frauen und Männern ab 65 Jahren liegt bei 27 bis 37 %, je nach Berechnungsmethode
Gender Wealth Gap (Vermögensunterschied zwischen Männern und Frauen): ca. 40 %
Geschlechterforschung
Traditionell binär geordnete und konstruierte Rollenbilder und -stereotype kritisch reflektieren und hinterfragen
Gesellschaftlich hierarchisch geordnete strukturelle Machtverhältnisse sichtbar machen, die soziale Ungleichheiten stützen
Geschlechterdiskriminierung, Sexismus und geschlechterbezogene Gewalt bekämpfen
Veränderungsoptionen aufzeigen, die zu mehr Gleichstellung und Gleichberechtigung führen
Geschlechterbezogene Rollenvorstellungen innerhalb der Kategorien „männlich – weiblich“ erweitern, klassische Geschlechterklischees dekonstruieren und damit Vielfalt ermöglichen (= individueller Blick auf die Menschen)
Geschlechterforschung generell
In den Blick genommen werden alle Geschlechter sowie negative wie positive Auswirkungen von Geschlechterstereotypen für Frauen, Männer und diverse Identitäten
Wichtige Unterscheidung Geschlecht
1. Geschlecht als Strukturkategorie
2. Geschlecht als individuell gestaltbare Differenzkategorie
Grafik
Gleichstellung/Anerkennung von Vielfalt
Undoing-Gender
Wenn das soziale Geschlecht gesellschaftlichkulturell konstruiert ist, bietet sich daraus eine Option für Veränderung:
Dekonstruktion traditioneller Rollenvorstellungen durch aktives Verhalten
und über gendersensible Interaktionen in fachlichen Kontexten = un-doing-Gender
Mit-Denken von Intersektionalität
Verschränkung und gegenseitige Durchdringung unterschiedlicher sozialer Kategorien und Ungleichheitsdimensionen (vgl. Ludwigs 2024, S. 22)
Wechselwirkung verschiedener Formen der Benachteiligung und Diskriminierung
z.B. Gender, soziale Herkunft, ethnische Zuschreibung, Alter, Behinderung, u.a.
Keine Addition, sondern kontextbezogene gegenseitige Beeinflussung
Soziale Arbeit, Diversität, Geschlecht und Gender
Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit
Ressourcenorientierung statt Reproduktion stereotyper Rollenvorstellungen in der Praxis
Anerkennung der Vielfalt von Geschlecht und Gender
Ermöglichung individueller Entfaltung und Identitätsentwicklung unabhängig von traditionellen Stereotypen
Bekämpfen von Sexismus, geschlechterbezogener Diskriminierung und Gewalt
Mitarbeit am Abbau patriarchaler und hegemonialer (Macht-)Strukturen
Einsatz gegen Anti-Feminismus und AntiGenderismus in Verbindung mit rechten Ideologien
Gendersensibilität
Gendersensibilität als reflektierte professionelle Haltung, die Gender als gesellschaftlich wirksame Strukturkategorie anerkennt und in Analyse und Praxis berücksichtigt Gendersensible Praxis: zentraler Bestandteil einer diversitätsbewussten Sozialen Arbeit Gendersensibles Handeln = geschlechtsspezifische Unterschiede wahrnehmen, ohne Individuen darauf zu reduzieren
Ethische und fachliche Handlungsgrundlage
Soziale Arbeit fördert als praxisorientierte Profession und wissenschaftliche Disziplin gesellschaftliche Veränderungen, soziale Entwicklungen und den sozialen Zusammenhalt sowie die Stärkung der Autonomie und Selbstbestimmung von Menschen. Die Prinzipien sozialer Gerechtigkeit, die Menschenrechte, die gemeinsame Verantwortung und die Achtung der Vielfalt bilden die Grundlage der Sozialen Arbeit. Dabei stützt sie sich auf Theorien der Sozialen Arbeit, der Human- und Sozialwissenschaften und auf indigenes Wissen. Soziale Arbeit befähigt und ermutigt Menschen so, dass sie die Herausforderungen des Lebens bewältigen und das Wohlergehen verbessern, dabei bindet sie Strukturen ein.
Sprache und aktives Sprechen
Mann/Frau, typisch männlich, typisch weiblich
Weiblich und männlich gelesen
FLINTA
u.a.
Hier: angemessen und respektvoll
Gender und Vielfalt
Gender in der traditionellen binären Sicht
Gender in der erweiterten Sicht auf die Vielfalt an Geschlechtern und Geschlechtsidentitäten
Gender aus Sicht der Queerstudies folgt in der nächsten Vorlesung!
Wichtig: Schärfung des Begriffes und dessen Verwendung!
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