● Wasserbauwerke unterliegen
– intensiven Frostbeanspruchungen aufgrund hoher Sättigungsgrade,
– häufigen Frost-Tau-Wechseln aufgrund betriebs- und gezeitenbedingter
Wasserstandsänderungen und
– bedeutenden mechanischen Beanspruchungen durch
Geschiebetransport und Schiffsanfahrt.
Betone für Wasserbauwerke müssen diesen besonderen Beanspruchungen
aus Umwelteinflüssen und Betrieb, wie sie in anderen Bereichen des Hoch-
und Ingenieurbaus nicht bekannt sind, speziell Rechnung tragen.
● Darüber hinaus wird von Wasserbauwerken verlangt, dass sie
– eine Nutzungsdauer von mehr als 100 Jahren haben und
– hohe Anforderungen an ihre Verfügbarkeit erfüllen.
● Aus diesen Gründen werden die üblichen Betonnormen ergänzt um die in
der ZTV-W LB 215 enthaltenen Regelungen.
Allgemeines
● Die Dauerhaftigkeit von Wasserbauwerken wird nicht nur durch die Qualität
des Betons, sondern insbesondere auch durch die Anzahl und Breite der im
Beton unvermeidlichen Risse bestimmt.
● Bei den massiven Konstruktionen des Wasserbaus werden Risse
vornehmlich durch frühen Zwang infolge Abfließen der Hydratationswärme
hervorgerufen.
● Beim Bau derartiger Konstruktionen sind daher besondere Anstrengungen
vonnöten, Zwangsbeanspruchungen dieser Art gering zu halten.
● Die besonderen Aspekte von Staumauern werden im Weiteren nicht
betrachtet.
Allgemeines Teil 2
Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Deutschland große
Mauerwerksbauten im Hoch- und Ingenieurbau vollkommen fugenlos
hergestellt.
● Im Verkehrswasserbau wurde z.B. 1884 die Schleuse Kiel-Holtenau als
reiner Mauerwerksbau mit einer Länge von 217 m ohne Fugen erbaut.
● Auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die ersten Schleusenanlagen
in teilbewehrter Betonbauweise entweder noch fugenlos oder extrem
fugensparend errichtet.
Erfahrungen mit fugenlosen Bauwerken
● Die Erfahrungen mit diesen fugenlosen bzw. fugenreduzierten Bauwerken
sind durchweg positiv.
● Die Gründe hierfür sind folgende:
– Geringe Differenzsetzungen aufgrund des langsamen Baufortschritts
– Schwache Hydratationswärmeentwicklung aufgrund der langsamen
Bauweise und der Materialzusammensetzung
– Schutz der Betonkonstruktion durch Verblendungen gegen saisonale
Temperaturwechsel
Die rasante Entwicklung des Baustoffs Beton
– mit seinen verbesserten Festigkeitseigenschaften,
– die deutlich verkürzten Bauzeiten infolge Rationalisierung und
– die Hinwendung zu materialsparenden Bauweisen durch Ausschöpfung
der Tragfähigkeiten
führt den Weg auch angesichts der anfänglich negativen Erfahrungen zur
fugenorientierten Bauweise
● Raumfugen wurden seitdem bei Ingenieur-Tiefbauten im Allgemeinen in
Abständen von 6 bis 20 m angeordnet.
● In flachgegründeten Sohlplatten wurden immer dann Raumfugen
(Setzfugen) vorgesehen, wenn unterschiedliche Setzungen in
unterschiedlichen Bauwerksbereichen erwartet wurden.
● Die alte DIN 19703 (11.95) z.B. empfahl für Schleusenanlagen einer
Kammerblocklänge von 15 m. Im neuen Entwurf wurde diese Empfehlung
fallengelassen.
Nachteile von fugenorientierten Bauweise
● Die fugenorientierte Bauweise hat jedoch erhebliche Nachteile:
– Fugenkonstruktionen sind aufwendig und damit teuer.
– Gefahr von Undichtigkeiten infolge Fugenbandschäden im Bau- und
Betriebszustand.
– Gefahr von Kantenabbrüchen durch Stoßbeanspruchungen.
– Fugen stellen immer wesentliche Schwachstellen dar, verbunden mit
einem großen Schadenspotential.
– Auch die regelmäßige Anordnung von Fugen garantiert allein kein
rissfreies Objekt.
Das Kernproblem von Massenbetonbauwerken des Wasserbaus
Das Kernproblem von Massenbetonbauwerken des Wasserbaus sind Risse
aus Zwang infolge Abfließen der Hydratationswärme. Diese Beanspruchung
tritt unabhängig von der Bauwerkskonstruktion auf.
● Heute ist bekannt, dass sich im Stahlbetonbau Risse grundsätzlich nicht
verhindern lassen.
● Durch gezielte Anordnung von geeigneten Bewehrungen lassen sich jedoch
die Rissbreiten auf ein für die jeweilige Konstruktion unschädliches Maß
beschränken.
● Das planerische Instrumentarium hierfür ist heute im Eurocode verankert
und ermöglicht bei Regelbauwerken im Hoch- und Tiefbau mit relativ
geringen Betonquerschnitten fugenminimiert oder fugenlos zu planen.
Auch im Wasserbau sind trotz der deutlich ungünstigeren
Beanspruchungsformen in jüngster Zeit eindeutige Bestrebungen zu
verzeichnen, wieder vermehrt
– fugenminimiert oder
– gar fugenlos
zu bauen.
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