Was ist die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)?
Eine Durchblutungsstörung der Extremitäten durch Stenosen oder Verschlüsse großer peripherer Arterien oder der Aorta. Dadurch kommt es zu einer unzureichenden arteriellen Blutversorgung der betroffenen Extremität.
Was ist die häufigste Ursache der pAVK?
In >95 % der Fälle eine Atherosklerose (Arteriosklerose).
Was sind die wichtigsten Risikofaktoren der pAVK?
Rauchen (ca. 4-fach erhöhtes Risiko)
Diabetes mellitus (2–4-fach erhöhtes Risiko)
Hyperlipidämie
Arterielle Hypertonie
Merke: Rauchen und Diabetes mellitus sind die wichtigsten Risikofaktoren.
Welche Gefäßerkrankung findet sich bei Diabetikern häufig zusätzlich?
Mönckeberg-Mediasklerose (eine Erkrankung der Arterien vom muskulären Typ)
Welche Ursache liegt bei etwa 5 % der pAVK-Fälle vor?
Vaskulitiden (entzündliche Gefäßerkrankungen).
Warum bleiben viele Patient*innen trotz hochgradiger Stenosen lange beschwerdefrei?
Durch die langsame Entwicklung der Stenosen entstehen Kollateralgefäße, die die Durchblutung teilweise kompensieren.
Was ist das Leitsymptom der pAVK?
Claudicatio intermittens („Schaufensterkrankheit“).
Wie entsteht die Claudicatio intermittens?
Bei Belastung steigt der Sauerstoffbedarf der Muskulatur. Durch die Stenose kann nicht ausreichend Blut fließen → Ischämieschmerz entsteht. Nach Belastungsende verschwinden die Beschwerden wieder.
Warum spricht man von der „Schaufensterkrankheit“?
Die Betroffenen müssen aufgrund der Schmerzen regelmäßig stehen bleiben und warten, bis die Beschwerden nachlassen.
Wo treten die Schmerzen bei einer pAVK auf?
Immer distal der Gefäßstenose.
Welche Schmerzlokalisation spricht für einen Beckentyp der pAVK?
Gesäßmuskulatur
Oberschenkel
Unterschenkel
Welche Schmerzlokalisation spricht für einen Oberschenkeltyp der pAVK?
Typischerweise Wadenschmerzen.
Welche weiteren Beschwerden begleiten häufig die Claudicatio intermittens?
Kältegefühl
Schwächegefühl
Was versteht man unter einer kritischen Extremitätenischämie (CLTI)?
Fortgeschrittene pAVK mit Ruheschmerzen und drohendem Gewebeverlust.
Wann treten Ruheschmerzen bei pAVK typischerweise auf?
Vor allem nachts in Horizontallage.
Warum bessern sich Ruheschmerzen bei Tieflagerung der Beine?
Durch den höheren hydrostatischen Druck verbessert sich die arterielle Perfusion.
Welche trophischen Störungen können bei fortgeschrittener pAVK auftreten?
Ulzera
Nekrosen
Gangrän
Wie präsentiert sich die Haut bei fortgeschrittener pAVK?
Blass oder marmoriert
Kühl
Schlechte Wundheilung
Wie wird die pAVK nach Fontaine eingeteilt?
Stadium I: asymptomatisch
Stadium II: Claudicatio intermittens
IIa: schmerzfreie Gehstrecke > 200 m
IIb: schmerzfreie Gehstrecke < 200 m
Stadium III: Ruheschmerz
Stadium IV: Ulzera, Nekrosen oder Gangrän
Welche Extremität ist in über 90 % der Fälle betroffen?
Die untere Extremität.
Welche Formen der pAVK der unteren Extremität gibt es?
Beckentyp (B-Typ)
Oberschenkeltyp (O-Typ)
Unterschenkeltyp (U-Typ)
Akraler Typ
Welche Lokalisation hat der Beckentyp (B-Typ)?
Aorta abdominalis und Arteriae iliacae.
Welcher pAVK-Typ kommt besonders häufig bei Rauchern vor?
Beckentyp (B-Typ).
Welche Lokalisation hat der Oberschenkeltyp (O-Typ)?
Arteria femoralis und Arteria poplitea.
Welche Lokalisation hat der Unterschenkeltyp (U-Typ)?
Gefäße distal der Arteria poplitea.
Bei welchen Patient*innen tritt der Unterschenkeltyp besonders häufig auf?
Diabetes mellitus
Thrombangiitis obliterans
Was versteht man unter einer Mehretagen-pAVK?
Stenosen in mehreren Gefäßabschnitten gleichzeitig.
Was ist das Leriche-Syndrom?
(Teilweiser) Verschluss der infrarenalen Aorta.
Welche kardiovaskulären Erkrankungen sind häufig mit einer pAVK assoziiert?
Koronare Herzkrankheit (KHK)
Karotisstenose
Herzinfarkt
Schlaganfall
Welche gefürchtete lokale Komplikation kann bei pAVK auftreten?
Akuter arterieller Verschluss („acute on chronic ischemia“).
Warum gelten Patientinnen mit pAVK als Hochrisikopatientinnen?
Die pAVK ist eine Markererkrankung für generalisierte Atherosklerose und damit für Herzinfarkt und Schlaganfall.
Woran sterben die meisten Patient*innen mit fortgeschrittener pAVK?
Ca. 70 % an Herzinfarkt
Ca. 10 % an Schlaganfall
Welche wichtigen Punkte sollten in der Anamnese erhoben werden?
Schmerzlokalisation
Schmerzcharakter
Schmerzfreie Gehstrecke
Besserung/Verschlechterung
Atherosklerose-Risikofaktoren
Hinweise auf KHK oder Karotisstenose
Welche Befunde finden sich bei der Inspektion?
Blasse Haut
Marmorierung
Welche Befunde finden sich bei der Palpation?
Kühle Haut
Abgeschwächte oder fehlende Pulse
Ab welchem Stenosegrad sind Pulse häufig nicht mehr tastbar?
Ab etwa 90 % Stenose.
Systolische Strömungsgeräusche.
Ab welchem Stenosegrad treten Strömungsgeräusche typischerweise auf?
Ab etwa 40 % Stenose.
Was ist die wichtigste apparative Screeningmethode der pAVK?
Der Knöchel-Arm-Index (ABI, ankle-brachial index).
Wie wird der ABI berechnet?
ABI = systolischer Blutdruck am Knöchel ÷ systolischer Blutdruck am Arm
Wie hoch ist der normale ABI?
1,0–1,3
Welcher ABI-Wert beweist eine relevante pAVK?
ABI < 0,9
Wie werden pathologische ABI-Werte eingeteilt?
0,75–0,9 → leichte Durchblutungsstörung
0,5–0,75 → mittelschwere Durchblutungsstörung
<0,5 → schwere Durchblutungsstörung
Was bedeutet ein ABI > 1,3?
Nicht komprimierbare, stark verkalkte Gefäße (z.B. Mediasklerose bei Diabetes).
Welche Untersuchung kann bei ABI > 1,3 hilfreich sein?
Zehen-Arm-Index (TBI).
Welche nichtinvasive Untersuchung dient zur Darstellung von Gefäßwand und Blutfluss?
Farbkodierte Duplexsonografie.
Wann ist die digitale Subtraktionsangiografie (DSA) Methode der Wahl?
Bei geplanter interventioneller Therapie
Welche weiteren bildgebenden Verfahren kommen zur Anwendung?
MR-Angiografie
CT-Angiografie
Was ist die Basistherapie jeder pAVK?
Konsequente Reduktion der Atherosklerose-Risikofaktoren.
Welche Maßnahmen gehören zur Basistherapie?
Rauchstopp
Diabetes-Einstellung
Blutdruckkontrolle
Lipidsenkung
Gewichtsnormalisierung
Welche Medikamente sollten allen pAVK-Patient*innen angeboten werden?
Statine (vorzugsweise Atorvastatin oder Rosuvastatin).
Warum sind Statine bei pAVK wichtig?
Sie stabilisieren Plaques und verlangsamen die Krankheitsprogression
Was ist die wichtigste nichtmedikamentöse Therapie im Stadium II?
Strukturiertes Gehtraining.
Wie wirkt Gehtraining?
Fördert die Kollateralbildung und verlängert die schmerzfreie Gehstrecke.
Wie lange sollten Patient*innen täglich trainieren?
Etwa 1–1,5 Stunden täglich bis an die Schmerzgrenze.
In welchen Stadien ist Gehtraining kontraindiziert?
Fontaine III und IV.
Warum sind Wärmeanwendungen bei pAVK kontraindiziert?
Erhöhtes Risiko für Verbrennungen ohne relevante Verbesserung der Durchblutung.
Ab welchem Stadium sind Thrombozytenaggregationshemmer indiziert?
Ab Fontaine-Stadium II.
Welche Thrombozytenaggregationshemmer werden eingesetzt?
ASS
Clopidogrel
Was versteht man unter der Best Medical Therapy (BMT)?
Kombination aus:
Risikofaktorkontrolle
Statintherapie
Thrombozytenaggregationshemmung
Lebensstilmaßnahmen
Wann besteht eine relative Indikation zur Revaskularisation?
Fontaine II (v.a. IIb).
Wann besteht eine absolute Indikation zur Revaskularisation?
Was ist das wichtigste endovaskuläre Verfahren?
Perkutane transluminale Angioplastie (PTA) mit oder ohne Stentimplantation.
Welche chirurgischen Verfahren kommen bei pAVK zum Einsatz?
Thrombendarteriektomie (TEA)
Bypassoperation
Interponat
Wann ist eine Amputation notwendig?
Bei ausgeprägten Nekrosen, Gangrän oder schweren Infektionen als Ultima Ratio.
Nach welchem Prinzip erfolgt die Amputation?
„Life before limb.“
Wofür steht das IRA-Prinzip?
I = Infektbeherrschung
R = Revaskularisation
A = Amputation
Wodurch wird die Prognose der pAVK vor allem bestimmt?
Durch die hohe Komorbidität mit:
KHK
Wie hoch ist die 5-Jahres-Überlebensrate nach Diagnosestellung einer pAVK?
Etwa 80 %.
Woran versterben die meisten Patient*innen mit symptomatischer pAVK?
Ca. 60 % an KHK-Folgen
Ca. 10 % an Schlaganfällen
<10 % an direkten vaskulären Komplikationen
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