Durch welche Mediatoren erfolgt die physiologische Kontrolle des Tonus der Bronchialmuskulatur?
- Konstriktorisch: Parasympathikus (M3)
- Sympathische Neurone (?)
- Zirkulierendes Adrenalin (hs. ß2)
- NANC-Neurone: Dilatation durch VIP, NO
Wie kann Asthma und COPD durch Spirometrie unterschieden werden?
- FEV1; FEV1/FVC gesenkt
- —> Obstruktion (FEV1/FVC reduziert, normal >0,75-0,80)
- —> Bronchodilatator
1. + FEV1>12% und >200mL = Asthma bronchiale
2. -FEV1/FVC <70% und FEV1 reduziert = COPD
wie unterscheiden sich Asthma und COPD hinsichtlich der Pathophysiologie?
Alter
Rauchen
Symptome
Allergie
Obstruktion
ICS- Therapie
Asthma:
Alter: häufiger bei Kindern und Jugendlichen
Rauchen: nur Risikofaktor
Symtome: variabel, anfallsartig, oft nachts
Allergie: häufig
Obstruktion: reversibel, variabel, episodisch
ICS-Therapie: früh alle
COPD:
Alter: meist <50
Rauchen: hauptsächlich Raucher
Symptome: langsam, progressiv, wenig variabel
Allergie: untypisch
Obstruktion: nicht (völlig) reversibel, persistierend, progredient
ICS-Therapie: spät, Subgruppe
Beschreibe das klinische Profil von Asthma bronchiale
Wiederkehrende Episoden der charakteristischen Trias: Atemnot, Giemen, Husten ohne Infekt (auch bei Lachen/Weinen)
Anfälle häufig nachts
Enge in der Brust
Variable Atemwegsobstruktion mit erschwerter Expiration durch Bronchokonstriktion
Bronchiale Überempfindlichkeit auf zahlreiche Stimuli (auch körperliche Anstrengung)
Heterogene Erkrankung:
Chronisch-entzündlicher Prozess der Atemwege
Beteiligung einer Vielzahl von Entzündungszellen/Mediatoren
Unterschiedliche Trigger
Unterschiedliche Asthma-Phänotypen
Wie entsteht Asthma?
Genetische Faktoren
Atopie = genetische Neigung auf Allergene mit IgE vermittelten Allergie zu reagieren (bsp. Heuschnupfen)
Umweltfaktoren: Allergene, berufliche Sensibilisatoren, Infektionen, Rauchen
Airway Hyperresponsiveness (AHR) = Überempfindlichkeit der Atemwege, Bronchien reagieren bereits auf geringe Reize mit übermäßiger Verengung
—>(reversible) Obstruktion
—> Asthma-Symptome
Was ist der Provokationstest und der PC20 Wert?
= Messung der bronchialen Hyperreagibilität
Patient inhaliert steigende Konzentrationen von Methacholin oder Histamin (Bronchokonstriktoren) Messung der FEV1 (Einsekundenkapazität)
PC20 = Provocative Concentration 20 = Konzentration eines Reizstoffes, die einen 20%igen Abfall der FEV1 verursacht, je kleiner der Wert, desto empfindlicher die Atemwege
! Achtung: Hyperreagibilität lässt sich auch mit Propranolol (ß-Blocker) und Aspirin/NSAR nachweisen —> wichtig, weil manche Asthmatiker reagieren auch auf diese Stoffe mit Bronchokonstriktion!!
Nenne die verschiedenen Phänotypen von Asthma
Asthma mit allergischem Auslöser
nicht - allergisches Asthma
Asthma mit fixer Atemwegsobstruktion
Besondere Asthmapopulationen
Anstrenguns-induziertes Asthma
Husten-betontes Asthma
Aspirin-induziertes Asthma
Was ist Asthma mit allergischem Auslöser?
Abklärung bzgl. Auslöser
Leicht diagnostizierbar
Oft (Familien-)Anamnese von allergischer Rhinitis, atopischer Dermatitis
Meist gutes Ansprechen auf ICS
Allergische Rhinitis als Risikofaktor für Asthma
Abnahme der Rolle von Allergenen als Ursache von Asthma mit dem Alter
Welche Eigenschaften bringt nicht-allergisches Asthma mit sich?
häufiger bei älteren Patienten (adult onset asthma)
meist schlechteres Ansprechen auf ICS
Wann tritt Asthma mit fixer Atemwegsobstruktion auf?
bei sehr langer Krankheitsdauer
airway remodeling
Was sind besondere Asthmapopulationen? Nenne Beispiele
Occupational asthma, Allergene/Sensitizer am Arbeitsplatz (adultes Asthma): Tierprodukte, Holzstaub, Bäckerasthma, Metalle, Chemikalien
Wie unterscheiden sich Früh- und Spätreaktion bei Asthma?
1. Allergische Frühreaktion (Sofortreaktion, akute Inflammation): Mastzellen und ihre Mediatoren
Histamin, Leukotriene, PG
Kinine, PAF
Indirekte Aktivierung der chronischen Inflammation
—> Bronchokonstriktion, Hyperkrinie (übermäßig Schleim), Dyskrinie (veränderte Zusammensetzung des Schleims), Bronchialwandödem
2. Spätreaktion mit AHR (chronische Inflammation): TH2 Zellen, Eosinophile und ihre Mediatoren
Cytokine (Interleukine)
Erhaltung der Produktion zahlreicher proinflammatorischer Faktoren (Leukotriene)
—> Dyskrinie, Bronchialwandödem, AHR, Epithelschädigung, Erhöhung der Permeabilität des Bronchialwandepithels, Airway-Remodelling (subepitheliale Fibrose, Hypertrophie/Hyperplasie glatter Muskulatur)
Beschreibe die physiologischen Mechanismen die für die Arzneitherapie von Asthma bronchiale von Bedeutung sind
Normalerweise Gleichgewicht zwischen TH1 und TH2 Zellen —> bei Asthma: reduzierte TH1-Antwort, gesteigerte TH2-Antwort
—> Dadurch: IgE Antikörper, Mastzellaktivierung, eosinophile Entzündung, Bronchokonstriktion, Schleimbildung, Ödem
—> Asthmaanfall und chronische Entzündung
Allergenkontakt:
1. Allergen gelangt in Atemwege, wird von dendritischen Zellen aufgenommen und T-Zellen präsentiert
2. Naive T-Zellen differenzieren zu TH2-Zellen —> produzieren: IL-4, IL-5, IL-14 (Asthma-Zytokine)
IL-4: B-Zellen produzieren IgE Antikörper, bindet an Mastzellen, aktiviert die
IL-5: wichtigstes Zytokin für Eosinophile, fördert Reifung, Aktivierung, Überleben der eosinophilen Granulozyten
IL-13: Schleimproduktion, bronchiale Hyperreagibilität, Umbau der Atemwege (Remodeling
3. Wenn Allergen erneut präsentiert = Sofortreaktion
Bindet an IgE auf der Mastzelle —> degranuliert
Freisetzung von Histamin, Leukotrienen, Prostaglandinen
Innerhalb von Minuten: Bronchokonstriktion, Schleimproduktion, Husten, Giemen
FEV-1 nach Allergenkontakt:
Intermediate phase: 0-30 Minuten, FEV1 fällt stark ab, Ursache: Mastzellmediatoren (Histamin, Leukotriene —> akute Bronchokonstriktion)
Late phase: 4-12 Stunden später, zweiter FEV1 Abfall, Ursache: Eosinophile, Entzündungszellen, Zytokine (eigentliche Entzündungsreaktion)
Welche verschiedenen Grade der Asthmakontrolle gibt es? Wozu?
Symptome kontrollieren über 4 Wochen
Modifizierbare Risikofaktoren identifizieren
Lungenfunktion vor Therapiebeginn und dann im Verlauf messen
Bedeutung der Adhärenz und richtiger Inhalationstechnik ansprechen (iCS)
Früher: einteilung nach Schweregraden (unbehandelt), Problem: kein Predictor der erforderlichen Therapieintensität
Daher: Klassifikation des Schweregrades nach Intensität der nötigen Therapie (Steps) zur Symptomkontrolle
Risikofaktorkontrolle/-vermeidung ist Teil des Therapiekonzepts
Zusätzlich: Abschätzung von Risiko für künftige Exazerbationen (auch bei milden Formen)
Unkontrolliertes Asthma ist wichtiger Risikofaktor für Exazerbationen
nenne die Therapieziele von Asthma
ICS für alle als Controller-Therapie
Vermeidung akuter und chronischer Symptome und Beschwerden (Symptme/Asthmaanfälle/Exazerbationen: Prävention!)
Aufrecherhaltung einer normalen/bestmöglichen Lungenfunktion und Reduktion der bronchialen Hyperresponsiveness
Ermöglichung normaler Aktivitäten (inkl. Sport), Verhinderung krankheitsbedingter Beeinträchtigungen
Verbesserung der gesundheits- und asthmabezogenen QoL
Verminderung der Asthma-bedingten Letalität
Therapieplan kennen und Selbsthilfemaßnahmen bei einem Asthmaanfall beherrschen
Verhinderung von UAW
Beschreibe die Primärprävention von Asthma
va. Kindesalter und Risikogruppen): Prävention der Entwicklung
Vermeidung von Luftverschmutzung, Exposition ggü Rauchen (prä-/postnatal)
Frühkindliche Exposition gegenüber Mikrobiota (hygiene hypothesis)
Vermeidung von Breitbandantibiotika im 1. Lebensjahr
Vermeidung beruflicher Trigger/Allergene (occupational asthma)
Beschreibe die Behandlung modifizierbarer Risikofaktoren zur Prävention von Exazerbationen
Sicherstellen ausreichend dosierter ICS-haltiger Controller Therapie
Vermeidung Auslöser/Irritantien:
Umweltallergene, Haustierhaltung
Allergene, Irritantien, Luftschadstoffe (Ozon, SO2, NO2)
Tabakrauch
Zu häufige SABA Anwendung
Vermeidung von Infektionen der oberen Atemwege
Komorbiditäten: Adipositas, Rhinosinusitis, GERD
Arzneimittel
ß-Adrenorezeptorenblocker in jeder Darreichung (auch Augentropfen)
ASS, NSAR bei bekannter Überempfindlichkeit
Parasympathomimetika (bsp. Glaukomtherapie mit Pilocarpin)
Impfungen sicherstellen: bei mittelschweren und schweren Formen
Immuntherapie bei allergischem Asthma (SLIT: sublinguale Immunotherapie)
Welche 4 Kategorien gibt es in der Arzneitherapie von Asthma?
Bronchodilatatorisch
Antiinflammatorisch
Reliever von akuten Bronchospasmen
Controller von Exazerbationen, Lungenfunktion
Welche Arzneistoffe/Klassen gehören zu den Bronchodilatatorisch wirksamen?
ß2-Adrenorezeptoragonisten
kurz/rasch wirksame SABA
langwirksame LABA
Anticholinergika (mACh-Rezeptor Antagonisten)
Kurz wirksame SAMA
Langwirksame LAMA
Leukotrienrezeptorantagonisten
Montelukast
(Theophyllin retard)
Welche Arzneistoffe/Klassen gehören zu den Antiinflammatorisch wirksamen?
Glucocorticosteroide
Leukotrienrezeptrorantagonisten (Montelukast)
mAbs
anti-IgE
anti-IL-5
anti-IL-4
anti-TSLP
(Cromone)
(Nedocromil)
Welche Arzneistoffe/klassen gehören zu den Relievern von akuten Bronchospasmen?
bei Bedarf, rasche Bronchodilatation
SABA oder Formoterol (schneller LABA)
!! aber bei Asthma: nicht SABA oder Formoterol only!!
Bei Asthma weniger empfohlen: SAMA in Kombination mit SABA
Ipratropium (Atrovent)
Welche Arzneistoffe/Klassen gehören zu den Controllern von Exazerbationen, Lungenfunktion?
Tägliche Gabe, antiinflammatorisch
Alle antiinflammatorisch wirksamen
LABA (sehr schwach antiinflammatorisch)
LAMA (Tiotropium)
Wirksamste Controller= inhalative GCS
Besserung der klinischen Symptomatik
Reduktion von Exazerbationen (Schwere, Häufigkeit)
Verminderung von ß-2 Agonist Bedarfsmedikation
Früher Beginn begünstigt Therapieerfolg
Verminderung von asthma- bedingten Hospitalisierungen und Mortalität
Für welche Lungenerkrankungen werden ICS eingesetzt?
COPD und Asthma bronchiale
Wie/ Worin unterscheiden sich die einzelnen Präparate der ICS
Unterschiede in Pharmakokinetik und Wirkstärke
Keine Unterschiede bei therapeutischer Wirksamkeit/Sicherheit in niedriger/mittlerer Dosis
Voller Wirkungseintritt bei allen langsam (Wochen)
Hauptwirkung meist im niedrigen Dosenbereich
Hohe Dosen: ersetzen 5-10mg Prednisolon po. Bei weniger systemischen UAWs
Gabe nur während der Allergiesaison möglich, wenn keine Beschwerden danach
Äquivalenzdosentabellen
Wie erfolgt die Applikation von ICS?
Üblicherweise 2x täglich
Bei sehr hohen Dosen auch 4x täglich
Bei Step-down auch 1x täglich
Welche Bedeutung hat die Kombination von ICS + Formoterol?
auch als Bedarfstherapie
Beispiele (Einzeldosen):
Budesonid (80-160µg) + Formoterol (4,5µg)
Beclometason NEXTHALER (100µg) + Formoterol (6µg)
Welche systemischen UAWs sind bei ICS zu beobachten?
(pulmonale Exposition/Resorption!) bei mittlerer – hoher Dosis (hoch: max. 3-6 Monate anstreben)
Glaukom, Katarakt
Osteoporose
Verletzliche Haut
Wachstumsverzögerung im Kindesalter
Transient bei Therapiebeginn
Bedenke: Asthma als Wachstumsverzögerer
Normale Erwachsenengrößen erreicht
Leicht erhöhtes Risiko für Arrhythmien, Pneumonien
—> prüfen Notwendigkeit höherer Dosen, Compliance?, Down-Titration
Niedrigere – mittlere Dosis: sehr gutes Sicherheitsprofil
Niedrige Dosis: in der Regel keine systemischen UAWs
Welche lokalen UAWs sind bei ICS zu beobachten?
Husten durch Inhalation
Orale Candidiasis
Dysphonie
Vermeidung:
Gabe nur 1x tgl
Mundspülung (nicht empfohlen bei low-dose ICS-Formoterol bei Bedarf)
Pulmonale Deposition optimieren (Spacer bei Aerosolen)
Für welche Lungenerkrankungen werden SABA und LABA eingesetzt? Welcher Klasse gehören sie an
ß2- Adrenorezeptorenagonisten
Beschreibe die Pharmakologie von SABA und LABA
Inhibition von inflammatorischen Zellen, aber keine starke antiinflammatorische Wirkung in Atemwegen
Direkte Bronchodilatation
Fördern mukoziliäre Clearance
!! Hinweise für teilweise Toleranzentwicklung, daher keine regelmäßige häufige Anwendung ohne ICS!!
Was sind die Therapeutischen Wirkungen von SABA und LABA?
Therapie im Anfall
Prophylaktisch wirksam bei anstrengungs- und allergeninduziertem Asthma
Keine Beeinflussung des chronischen Krankheitsprozesses
LABAs als add-on: günstige Wirkung auf viele Asthma-Parameter
Was sind die Indikationen von SABA und LABA?
Symptom-orientierte Anfallstherapie (wichtiger Indikator für Krankheitsschwere,-verlauf) bei COPD und AB: SABAs, Formoterol
Bei AB: immer zusätzlich zu ICS-Basistherapie !
Anfallsprophylaxe bei COPD und AB: LABA
Prophylaxe von anstrengungsinduziertem Asthma: SABA oder Formoterol bei Bedarf
Nächtliche Anfälle bei AB: LABAs + ICS
ACHTUNG: Hinweise für schwere Exazerbationen bei LABA Monotherapie (nur bei AB, nicht COPD)
Welche SABA PRäparate gibt es? welche eigenschaften haben sie ?
Salbutamol (SULTANOL)
Fenoterol (BEROTEC)
Terbutalin (BRICANYL)
alle:
kurz wirksam (4-6H)
Dosierung: bei Bedarf
wenig Lipophil
hoher FPE der verschluckten Fraktion
wann werden SABAs angewendet?
prophylaktisch bei Bedarf
bsp. vor Anstrengung
wirksam in wenigen Minuten
Welche LABA Präparate gibt es? welche Eigenschaften haben sie?
Salmeterol (SEREVENT) & Formoterol (FORADIL)
lang wirksam (12h)
Dosierung 2x tgl
lipophil —> langes verweilen im hydrophoben Kompartiment im Rezeptor
Indacaterol (ONBREZ)
rascher Wirkungseintritt wie Formoterol
Vilanterol (ANORO)
Teilweise kombiniert mit Umeclidinium
Olodaterol (SPIOLTO)
Kombination mit Tiotropium
Wie unterscheiden sich Salmeterol und Formoterol (beide LABA) hinsichtlich des Wirkungseintrittes?
Salmeterol: WE langsam (10-20 min) —> nicht für Anfall
Formoterol: schneller WE (1-2 min) —> auch Anfall, ABER: SABAs vorziehen
Welche wichtige Gemeinsamkeit haben Indacaterol, Vilanterol und Olodaterol?
= LABAs mit der Indikation Asthma bronchiale und/oder COPD
fixe Kombination auch mit LAMA und/oder ICS
In Komnbination mit wlechen anderen Arzneistoffklassen werden LABAs inhaltiv noch angewendet?
ICS + LAMAs + LABAs
Nenne ein beispiel für ein systemisches Präparat aus einem SABA
Terbutalin (BRICANYL- Amp): zur Notfallbehandlung
Nenne UAWs von SABA und LABA
Tremor
Tachykardie, Palpitationen
Reflextachykardie
Hyperglykämie
Stoffwechselveränderungen
Anstieg der freien FS
Hypokaliämie
Nervosität, Unruhe
Was wären Kontraindikationen von SABA und LABA?
(Tachy-)Arrhythmien (KHK, Hypertonie)
Thyreotoxikose (plötzliche Freisetzung/Überschuss an Schilddrüsenhormonen)
Last changed14 days ago