Lernstile
Ein Lernstil beschreibt grundsätzlich die Art und Weise, wie jemand am besten neue Informationen aufnimmt und verarbeitet.
Lerntypen
-Der auditiven (hören) Typ
-Der visuelle (sehen) Typ
-Der Lese-Typ (lesen)
-Der kommunikative (sprechen) Typ
-der motorische-kinästhetische (haptische) Typ
Alexander Brand: Der Lerntypen-Mythos
Alexander Brand fasst den Stand der Forschung sehr klar so zusammen:
Die Vorstellung von festen Lerntypen ist weit verbreitet, auch unter Lehrkräften (teilweise glauben rund 90 % daran). [deutsches-...lportal.de]
Es gibt keine empirischen Belege, dass Menschen klar einem solchen Typ zugeordnet werden können. [deutsches-...lportal.de]
Ebenso gibt es keinen Nachweis, dass Unterricht besser wirkt, wenn er an solche „Typen“ angepasst wird. [deutsches-...lportal.de]
Deshalb gilt die Lerntypen-Theorie in der Bildungsforschung heute als Mythos. [deutsches-...lportal.de]
👉 Kurz gesagt: „Ich bin ein visueller Lerner“ klingt plausibel, ist aber wissenschaftlich nicht haltbar.
Die Forschung zeigt übereinstimmend:
Die zentrale Annahme („passender Stil = besser lernen“) wurde immer wieder getestet und nicht bestätigt. [gc-bs.org]
Lernen hängt stärker vom Inhalt und der Verarbeitung ab als vom bevorzugten Sinneskanal. [lehreladen.rub.de]
Menschen haben zwar Vorlieben, aber diese verbessern nicht automatisch den Lernerfolg. [evidenceba....education]
Brand weist (gestützt auf Studien) auch auf Folgen hin:
Es kann stereotype Zuschreibungen verstärken („visuell = intelligenter“ usw.). [deutsches-...lportal.de]
Lernende werden in Schubladen gesteckt, was ihr Selbstbild beeinflussen kann. [paedagogik....stangl.eu]
Zeit und Ressourcen fließen in ineffektive Methoden, statt in wirksame Strategien.
Die Forschung empfiehlt eher:
Multisensorisches Lernen (mehrere Sinne kombinieren) “Dual Coding”
Strategien wie Wiederholung, Verknüpfen von Bedeutung, aktive Verarbeitung
Unterrichtsformen, die sich am Lerninhalt orientieren (z. B. Bilder für Geografie, Ton für Sprache)
Lernstile nach Kolb
David Kolb beschreibt Lernen als einen Kreislauf aus Erfahrung und Verarbeitung:
Konkrete Erfahrung (etwas erleben)
Reflexion (darüber nachdenken)
Theoriebildung (Verstehen/Begriffe entwickeln)
Experimentieren (anwenden, ausprobieren)
👉 Lernen ist also ein ständiger Kreislauf: erleben → nachdenken → verstehen → ausprobieren → neue Erfahrung
Aus diesem Kreislauf leitet Kolb vier typische Lernstile ab:
Stärken: Kreativität, Perspektivwechsel
Lernen durch: Erfahrung + Nachdenken
typisch: beobachten, diskutieren, Ideen sammeln
👉 „Was kann man alles daraus machen?“
Stärken: логisches Denken, Theorien
Lernen durch: Reflexion + Theorie
typisch: Modelle verstehen, strukturieren
👉 „Wie erklärt man das logisch?“
Stärken: Anwendung, Technik, Lösungen
Lernen durch: Theorie + Praxis
typisch: Probleme lösen, Konzepte anwenden
👉 „Wie benutze ich das konkret?“
Stärken: Praxis, Ausprobieren
Lernen durch: Handeln + Erfahrung
typisch: Versuch & Irrtum, direkt tun
👉 „Ich probiere es einfach aus!“
Kolb meint keine festen Schubladen
Menschen haben Präferenzen, aber nutzen alle Phasen
Der optimale Lernprozess durchläuft alle vier Schritte
👉 Das unterscheidet Kolb von simplen „visuell/auditiv“-Lerntypen.
Kolb = Lernen durch Erfahrung (Experiential Learning)
4 Phasen → daraus 4 Lernstile
Ziel: alle Phasen kombinieren, nicht nur einen Stil nutzen
Lerntipps aus dem Modell des Reiz-Reaktionlernens
-sich nach dem Lernen belohnene (z.B. gutes Essen)
-Lernsituation mit einem angenehmen Reiz verbinden (z.B. Bibliothek)
Lernen am Modell bei Führungskraft
-Vorbildfunktion (z.B. Sauberer Arbeitsplatz, Pünktlichkeit)
Mitarbeiter Lernen am Vorbild der Führungskraft und ahmen nach.
-gegebenenfalls mit Lob kombinieren.
Lernstrategien:
-Selektion => Zusammenfassung
=> Markieren
-Organisieren => Mindmap/Skizze
-Integration => Erklären in eigenen Worten
-Abruf => Karteikarten/Memotechnik
Konstruktivismus
Konstruktivismus bedeutet:
➡️ Menschen konstruieren ihr Wissen selbst ➡️ Lernen ist kein „Aufnehmen“, sondern ein aktiver Prozess
Menschen nehmen Informationen auf
interpretieren sie mit ihrem Vorwissen und ihren Erfahrungen
und bauen sich daraus ihre eigene Realität
👉 Deshalb verstehen zwei Personen dieselbe Situation oft unterschiedlich.
Lernen ist kein passives Auswendiglernen
sondern ein selbstständiges Erarbeiten von Wissen
Neues Wissen wird immer mit bestehendem Wissen verknüpft
Jeder Mensch hat eine eigene Sicht auf die Welt
es gibt nicht nur „die eine objektive Wahrheit“
Wissen entsteht durch Handeln, Erfahrungen und Reflexion
Lernen passiert auch durch Interaktion mit anderen (z. B. Diskussionen)
Operantes Konditionieren
➡️ Operantes Konditionieren = Lernen durch Konsequenzen
Verhalten hat Folgen (Belohnung oder Bestrafung)
angenehme Folgen → Verhalten häufiger
unangenehme Folgen → Verhalten seltener [studyflix.de], [flexikon.d...ccheck.com]
👉 Kurz:„Was sich lohnt, wird wiederholt.“
Verhalten ⇒ Konsequenz
Konsequenz ⇒ verändert Verhalten
👉 Verhalten wird also gezielt aufgebaut oder reduziert
Bei operanter Konditionierung gibt es vier Möglichkeiten:
Etwas Angenehmes wird hinzugefügt
Verhalten wird häufiger
👉 Beispiel: Du bekommst Lob für gute Noten → du lernst mehr
Etwas Unangenehmes wird entfernt
👉 Beispiel: Du machst Hausaufgaben → kein Ärger mehr
Etwas Unangenehmes wird hinzugefügt
Verhalten wird seltener
👉 Beispiel: Du störst im Unterricht → Strafarbeit
Etwas Angenehmes wird weggenommen
👉 Beispiel: Du benimmst dich schlecht → Handy wird entzogen
📌 Wichtig:
positiv = etwas kommt dazu
negativ = etwas wird weggenommen [studyflix.de], [pressbooks...ne.ucf.edu]
Tiere (z. B. Ratten) drücken einen Hebel
bekommen Futter → machen es öfter
bekommen Strom → vermeiden es
👉 Ergebnis: Verhalten lässt sich systematisch steuern [erzieher-kanal.de]
Kind räumt auf → bekommt Belohnung ✅
Mitarbeiter bekommt Bonus → arbeitet mehr ✅
Hund bekommt Leckerli → lernt Tricks ✅
Kind bekommt Hausarrest → Verhalten wird weniger ❌
Operant → Verhalten wird durch Konsequenzen gesteuert
Klassisch → Reiz wird mit Reaktion verknüpft (Pawlow)
Lernen durch Belohnung und Bestrafung
Aufbau von Verhalten = Verstärkung
Abbau von Verhalten = Bestrafung
Grundlage vieler Bereiche (Erziehung, Schule, Therapie)
Lernen durch Beobachtung/ Lernen am Modell
➡️ Menschen lernen, indem sie andere beobachten und nachahmen
Wir schauen uns Verhaltensweisen an
merken uns diese
und übernehmen sie in ähnlichen Situationen [studyflix.de], [nachhilfe-team.net]
👉 Lernen passiert also auch ohne eigene Erfahrung – nur durch Beobachtung.
Dieses Lernen am Modell ist besonders effizient, wenn:
• beobachtet werden kann, dass das Verhalten des Modells
verstärkt (belohnt) wird,
• das Modell beliebt ist, respektiert wird, einen hohen Status genießt,
• sich der Beobachter als dem Modell ähnlich erlebt und sich mit ihm identifizieren kann,
• der Beobachter dafür verstärkt wird, dass er dem Modell gegenüber aufmerksam ist,
• das Verhalten des Modells gut wahrnehmbar ist und sich von konkurrierenden Modellen
abgrenzt.
Klassisches Konditionieren
➡️ Klassisches Konditionieren = Lernen durch Verknüpfung von Reizen
Ein ursprünglich neutraler Reiz wird mit einem Reiz verbunden, der automatisch eine Reaktion auslöst
Nach einiger Zeit löst der neutrale Reiz allein die gleiche Reaktion aus [studyflix.de], [simplypsychology.org]
👉 Kurz: Ein Signal wird zum Auslöser für eine Reaktion.
Unbedingter Reiz (UCS) → löst Reaktion automatisch aus (z. B. Futter)
Unbedingte Reaktion (UCR) → angeborene Reaktion (z. B. Speichelfluss)
Neutraler Reiz (NS) → zunächst ohne Wirkung (z. B. Glocke)
Bedingter Reiz (CS) → früher neutral, jetzt gelernt
Bedingte Reaktion (CR) → gelernte Reaktion [de.wikipedia.org]
Futter → Speichel ✅
Glocke → keine Reaktion
Glocke + Futter zusammen → Speichel
Glocke allein → Speichel ✅
👉 Der Hund hat gelernt: „Glocke = Futter“ [de.wikipedia.org]
Futter = unbedingter Reiz
Speichel = unbedingte Reaktion
Glocke = neutraler → später bedingter Reiz
Nach dem Lernen: 👉 Glocke → Speichelfluss (auch ohne Futter)
Lieblingslied → gute Gefühle (durch Erinnerung)
Zahnarztgeruch → Angst
Werbung → Hunger bei bestimmten Marken
Reaktionen sind meist automatisch (Reflexe, Emotionen)
Lernen passiert durch Wiederholung und Nähe der Reize
oft unbewusst
Klassisch → Reiz → automatische Reaktion
Operant → Verhalten → Konsequenz (Belohnung/Bestrafung)
Lernen durch Reiz-Reiz-Verknüpfung
neutraler Reiz wird zum Signal
führt zu einer erlernten, automatischen Reaktion
✅ Merksatz: 👉„Ein Reiz kündigt etwas an – und löst deshalb eine Reaktion aus.“
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