“Sapere aude”
Immanuel Kant schrieb in seinem Aufsatz “Was ist Aufklärung?” von 1784, dass jeder Mensch den Mut haben solle, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen ohne sich von Autoritäten wie Kirche oder Staat leiten zu lassen. Wer Dinge einfach hinnimmt ohne sie kritisch zu hinterdenken, ist selbst schuld. Der Grund für die vielen “Unmündigen” ist seiner Ansich nach Faulheit und Feigheit.
Dem freien Denken sollte kein Hindernis im Wege stehen- keine Institution, wie bspw. die Kirche, sollte das Recht haben, den Menschen Dogemen aufzuzwingen.
Die Freiheiten sollten allerdings dort enden, wo der öffentliche Frieden gestört sei.
Beide können nicht strikt getrennt werden. Literaturgeschichte ist immer ein Versuch an untersuchten Texten etwas Zeittypisches zu erfassen. Dies kann nur durch eine Art schemabildung funktionieren. Sie können sich an besonderen Autoren orientieren, an Zeiten, an der jeweiligen Ästhetik oder sie können historisch-politisch sein. Epochen sind immer wissenschaftliche Konstrukte mit einer gewissen Kontingenz. Die Aufklärung als Literaturepoche orientiert sich an der Philosophie und Ideengeschichte- sie wandelt aber die Philosopie nicht einfach in Literatur um. Gottsched versuchte eine aufklärerische Literaturtheorie zu formulieren um die Kategorien der Aufklärungen in die Literatur zu übertragen („Versuch einer critischen Dichtkunst vor die Deutschen“ (1730)). Es wäre aber falsch gedacht, wenn man der Annahme nachginge, die Literatur würde die Gedanken der Philosophie einfach ins literarische übertragen. Die Literatur ist Teil der Aufklärung, setzt diese aber nicht um. Sie denkt darüber nach, kommentiert, hinterfrägt und begleitet sie. Und zeigt ihr auch die eigenen Grenzen auf!
Die Ständeklausel verknüpft den gesellschaftlichen Stand der Charaktere mit der Art des Dramas:
Tragödie/Trauerspiel: Hoher Stand (Adel, Könige, …); hohe Sprache. Ziel: Katharsis (Ergriffenheit)
Komödie/Lustspiel: Niederer Stand (Bauern, Narren, …); alltägliche Sprache, derb und komisch. Ziel: Erheiterung, Belehrung
Diese Ständeklausel wurde in der Aufklärung abgeschafft und die Tragödienfähigkeit des Bürgers kommt auf die Bühne. Thema sind meist Adelskritik, Beziehung zwischen Vätern und Töchter, neuer Stellenwert der Familie, Sexualität, … Es ging nicht nur um den bürgerlichen Stand sonder vielmehr war der bürgerliche Stand das Thema —> bürgerliches Trauerspiel!
Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) war ein bedeutender Dichter der Aufklärung. Er etablierte das bürgerliche Trauerspiel und war am Aufbau des Nationaltheaters in Hamburg beteiligt.
Werke: Miss Sara Sampson, Emilia Galotti
Der Briefroman erlebte in der Aufklärung seine Blütezeit. Er zeichnet sich durch seine Multiperspektivität und seine Gefühlsunmittelbarkeit aus. Durch den Austausch von Briefen erlebt der Lesende die Perspektive aller Beteiligten Schreiber. Dies erhöht das Gefühl, sehr nah an den Protagonisten zu sein und Erlebisse und Gefühle unmittelbar mitzuerleben. Briefromane sind meist Herausgeberfiktionen, was heißt, dass der/die tatsächliche Autor*in vorgibt, nicht der Schöpfer des Textes zu sein. Er gibt sich einzig als und “Herausgeber” der Geschichte, wie es eben in Briefroman (mit “gesammelten” Briefen) der Fall ist. Dies erhöht die Glaubwürdigkeit einer Geschichte.
Theater fand bis zur Aufklärung am Hof oder in Wandertheatern statt. Diese Wandertruppen improviesieren auf Grundlage bestimmter Typen, wie dem Hanswurst, an dem sich viele stören. Friederik Caroline Neuber (Die Neuberin) gilt als eine der bedeutensten Theaterreformerin. Sie orientiert sich am bürgerlichen Publikum und dessen Vorlieben, welche sich von den Vorlieben des Adels unterscheiden.
Die Idee eines Nationaltheaters wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts immer mehr verfolgt.Ein von Kaufleuten finanziertes Nationaltheater entstand in Hamburg.
Lessing setzt vorrangig deutschsprachige Autoren auf den Spielplan. Es folgten andere Nationaltheater nach gleichem Vorbild.
Zudem sollte eine “Neunormierung der Theaterpraxis” erfolgen. Im bürgerlichen Trauerspiel spiegelten sich die Spannungen zwischen Adel und Bürgern.
All das dient der verbürgerlichung des Theaters —> Verabschiedung der Ständeklausel.
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